Tosca in der WStO am 4. + 8.5.2010

peter337 (13.05.2010, 19:36):
Tosca in der Wiener Staatsoper am 4.5.2010 und 8.5.2010
Meine Lieben!

Da an der WStO die "Tosca" nicht zu oft am Programm steht, ist es immer eine "Freude" diese Oper zu "erleben!"

Zu jeder guten "Tosca gehören , meiner Meinung nach, drei wirklich gute Sänger - und die waren auch dieses Mal dabei, nein nicht in den Haupt-Partien, man kann doch nicht zuviel verlangen. Dass sich der Mesner Janusz Monarcha, bei äußerst kratzender und wenig schönen und angenehmen Stimme andauernd bekreuzigte war kein gutes Zeichen, aber es wurde schlechter.

So konnte Sorin Coliban als Angelotti mit seine schönen Baß punkten, dann die angenehme Stimme von Benedikt Kobel als Spoleta - und nicht zu vergessen der Hirtenbua, der das kleine, traurige Lied perfekt, zwar etwas weniger laut, aber wunderschön sang.

Das wärs, aber da die Oper schließlich "Tosca" heißt, gehe ich bei den Hauptprotagonisten weiter.

Neil Shicoff, als Cavaradossi - hier zeigt sich wieder, die Wiener Staatsoper scheint ein Altersheim für ehemals gute Tenöre zu sein, am Anfang war er nicht schlecht, die erste Arie gelingt und bekommt Applaus, sogar ganz verdient - aber je mehr er zu seiner Tosca Liebe zeigen will, da spielt er gut, jedoch Oper ist etwas Gesungenes und da wird's ungut aber, meiner Meinung nach die Wiener Staatsoper ist doch nicht eine "Ausgedingstätte für abgehalfterte Tenöre", denn im 3. Akt wirkt die Stimme rauh - und laut, fast schreiend, auch hier machten die Sterne das beste, sie verloschen, eigentlich ist seien Stimme schon nach dem Duett im 1. Akt hinüber.

Hasmiak Papian sang wieder, mit angestrengter Stimme die Floria Tosca und hat schon wieder Schwierigkeiten mit ihrem Empire - Kleid und der dazugehörigen Schleppe, bei der Stimme hat sie mehr Schwierigkeiten, denn die Mittellage ist nicht da, dafür werden hohe Töne rausgeschleudert, bis sie sich - endlich - im 3. Akt, von ihrem, ausgesungenen Mario verabschiedet und stürzt, nein nicht auf der Bühne, sondern von der Engelsburg, es hätte für alle anderen schlechter kommen können.

Lucio Gallo bleibt der Figaro unter den Scarpias, er hat weniger Unannehmlichkeiten mit seinem Mantelcape, als beim Vormal, dafür mehr Schwierigkeiten bei "Te Deum", er kam einfach nicht über den Chor und auch nicht über das Orchester, ob er mitgesungen hat, ich weiß es nicht, ich habe ihn nicht gehört, im 2. Akt hat er wieder, als echter "Verführer von Primadonnen" Schwierigkeiten, denn Hasmiak Papian kommt ihm halt leider so gar nicht entgegen - aber das Essen und Trinken sagt ihm zu, und das Orchester der Wiener Staatsoper und der Chor, unter einer Dirigentin Keri-Lynn Wilson, bemühen sich sich endlich einmal in Positur zu stellen und singen und spielen, was das Zeug hält, laut und überdeckend für alle drei Hauptprotagonisten, was manchmal gar nicht so schlecht ist.

Alles in allem eine Repertoire Vorstellung der "Tosca", wieder einmal mit drei guten Sängern - die aber nicht die Hauptpartien sangen, es ist ein Pech, man / frau kann ja die Oper nicht auf einfach auf "Spoleta oder Angelotti" umbenennen, das wäre nicht im Sinne von Maestro Puccini.

Resùmee der drei, von mir gesehen und gehörten "Toscas", einmal ein herrlicher Scarpia - Ruggero Raimondi, bei der zweiten eine wirklich gute Floria Tosca - Martina Serafin und Alfred Kim als Cavaradossi und bei drer dritten Aufführug, da schweige ich lieber über die "Hauptprotagonisten", denn in die Vorstellung am 8.5.2010 ging ich gleich gar nicht mehr.

Dass diese, die gestrige, Vorstellung auf der Video Wall auf den Herbert von Karajan Platz übertragen wurde war ein Service, für das sich sogar der Himmel bedankte - denn es regnete ziemlich stark, draußen, und eines muss man dem Wiener Publikum zugestehen, es ist so dankbar, wenn ein Tenor - einmal, vor -zig Jahren - einmal gut war, und verzeiht ihm auch Räuspern in der Stimme, welches auch Baron Scarpia ja besonders gut konnte.

Für alle die, diese "denkwürdige Aufführung" sehen wollten, denn beim Hören tut man sich schwer, am 8. Mai ist eine Vorstellung mit derselben Besetzung, die Video Wall stand jedem frei, die Oper im Haus würde ich abraten, denn draußen kann man auch, so nebenbei, Auslagen ansehen, denn die "Auslagen der WStO" zahlen wir ja alle, zumindest die Österreicher.

Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus Wien - für diese Saison ein etwas "Tosca- Geschädigter."
Severina (13.05.2010, 20:41):
Armer, Tosca-geschädigter Peter,
ich bewundere Dich für Deinen Masochismus, denn schon der Besetzungszettel hat gereicht, um mich von diesen Vorstellungen fernzuhalten! Da ich im Unterschied zu Dir keine sentimentalen Erinnerungen mit dem Hiatabua verbinde :wink, wäre er mir nur ein geringer Trost gewesen.

Leider wird unsere liebe WSO unter dem neuen Direktor wohl endgültig zum Ausgedinge abgehalfterter Tenöre verkommen, denn die Ruinentrias Cura, Alagna und Shicoff :ignore wird uns in der nächsten Saison vermehrt ins Haus stehen. X( X( X(

lg Severina :hello

PS: Jammerschade, das Du nicht im Vorjahr in der "Tosca" mit Magee, Kaufmann und Raimondi warst - das war eine Luxusbesetzung!!!! :down
Mime (17.05.2010, 11:50):
Lieber Peter,

hast du wenigstens dein Eintrittsgeld zurückbekommen?
:hello
peter337 (21.05.2010, 14:38):
Liebe Severina! Lieber Mime!

Da ich ja nur 4,-- Euro + Programmheft bezahlt habe, war das Schmerzensgeld, wie beim Zahnarzt vorgestern.

Liebe Severina! Du hast vollkommen Recht, nicht der Hirtenbua ist es, der mich zur Tosca treibt, aber die letzte Aufführung, bei mir am 4.4. war wohl das Letzte was man zu Hören bekommen hat.

Bei diesen Cavaradossis und Toscas , wird sich Ruggero kaum mehr in Wien als Scarpia sehen und hören lassen, es war so schrecklich.
Herr Gallos kniet sich bei "Te Deum" hin, wahrscheinlich betet er, dass er den 2. Akt - bis zum Mord - gesanglich durchhält.

Die nächste ist dann glaube ich erst im September und ich werde mir den Programmzettel schon genau ansehen, diese Aufführungen wurden noch auf Video-Wall auf den Karajan Platz übertragen, der sich wie ein Propeller im Grab umdreht.

Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter. :hello :hello :hello
Billy Budd (04.03.2012, 10:26):
die angenehme Stimme von Benedikt Kobel
Lieber Peter,
es ist zwar jetzt schon einige Zeit her, aber mich interessiert dennoch, weshalb Du Benedikt Kobel eine "angenehme Stimme" bescheinigst. Meiner Meinung nach kann sein Produzieren von Tönen gar nicht als "Singen" bezeichnet werden und das, was er regelmäßig abliefert, ist mit "Distonieren" noch vornehm umschrieben. Die einzigen Rollen, in denen ich ihn zumindest nicht störend fand, waren Monostatos, Curzio (Da passt sein Meckerer.), Valzacchi (Da hat er nur kurze Noten, ergo kein Wobble.) und 3. oder 4. Jude in der "Salome" (Da geht er - meistens - unter.). Ansonsten schafft es dieser Mann, in jeder, aber auch wirklich jeder Rolle - sei sie auch noch so klein - negativ aufzufallen (wie zum Beispiel als Richter im "Maskenball"). Ich will lieber nicht daran denken, dass ich ihn in ein paar Tagen als Goro hören werde ...

Ich war zwar nicht in der Vorstellung, kann mir aber dank Deines humorvollen Bericht gut vorstellen, wie sie ablief. Über Monarcha denke ich das Gleiche, wie Du und Coliban schätze ich sehr.
Shicoff war vielleicht vor zwanzig Jahren ein guter Sänger, aber derzeit halte ich ihn nicht aus; Papian ist mir von einer grauenvollen Abigaille her bekannt und Gallo hat als Germont fast im gesamten zweiten Bild die Hände in der Hosentasche gehabt.
Billy :hello
Billy Budd (04.03.2012, 10:29):
Jammerschade, das Du nicht im Vorjahr in der "Tosca" mit Magee, Kaufmann und Raimondi warst - das war eine Luxusbesetzung!!!! :down
Liebe Severina,
bist Du Dir sicher, dass die Vorstellung mit Magee und nicht mit Naglestad war?
Jedenfalls habe seit gestern einen Mitschnitt der Vorstellung vom 12. Mai 2009 und werde ihn mir in nächster Zeit zu Gemüte führen. Ich bin schon gespannt, wie er mir gefallen wird.
Billy :hello
Severina (04.03.2012, 11:12):
Lieber Billy,

klar hast Du recht, ich hab's mit Zürich verwechselt, wo ich Kaufmann kurz zuvor mit Emily Magee als Tosca erlebt habe. In Wien durfte er mit der Naglestad flirten, leider nicht in der wesentlich interessanteren Carsen-Inszenierung. Außerdem hielt er sich in der Vorstellung am 9. Mai auch noch ein wenig an das Züricher Rollenkonzept, das einen eher verinnerlichten Cavaradossi vorsah, also nicht den forschen Draufgänger, und da Kaufmann prinzipiell Interpretation vor stimmliche Effekthascherei stellt, gerieten manche Passagen zurückgenommener, als man sie in Wien gewohnt ist. Außerdem bedingt Kaufmanns absolut realistisches Spiel, dass er immer wieder mit dem Rücken zum Publikum singt, was natürlich die Lautstärke dämpft. Auf jeden Fall hatte er am Schluss das Gefühl, die Leute würden seinen Cavaradossi nicht übermäßig goutieren, ein Eindruck, den ich eigentlich nicht hatte, denn der Jubel war auch da schon groß. Aber Kaufmann ist ein sehr sensibler Künstler, der die Schwingungen zwischen Bühne und Zuschauerraum anders wahrnimmt. Angeblich hat ihm dann Christa Ludwig in der Garderobe sinngemäß gesagt, in Wien müsse er dem Affen Zucker geben, da stünden die Leute auf Tenöre, die sich vorn hinstellen und aus voller Brust drauflosschmettern. Auch seine Frau hätte ihm geraten, sich nicht so oft umzudrehen, sondern eher auf Rampensau zu machen. In der zweiten Vorstellung hat er das dann beherzigt - ein wenig zu meinem Leidwesen, denn meinem Verständnis kam er in der ersten wesentlich näher - und die erwartete Cavaradossi-Show abgeliefert, und da rastete das Publikum dann wirklich aus, JK hatte Wien damit erobert. Ich fand's eher ein bisschen traurig, dass das offensichtlich nur mit einer gehörigen Portion Selbstverleugnung möglich war, und sehnte mich einmal mehr nach Zürich, wo die Opernfans subtilere Bewertungsmaßstäbe ansetzen als bei uns.

lg Severina :hello
Billy Budd (04.03.2012, 14:12):
Liebe Severina,
es ist schön, dass es das Spielplanarchiv gibt, denn so habe ich gleich nachschauen können, da mir eine Tosca von Magee in Wien schleierhaft vorgekommen ist.
Mein Mitschnitt ist aus der zweiten Vorstellung.
Frage: Wo soll ich denn am besten meine Eindrücke davon schreiben? Im Berichte-Thread? Im noch nicht vorhandenen Thread zum Werk? Oder in einem neuen "Besprechungen von (Radio-)Mitschnitten aus den Opernhäusern"?
Billy :hello