Transkriptionen von Schubert-Liedern von Franz Liszt

Amadé (06.01.2008, 21:10):
Hallo,

allen Forianerinnen und Forianern wünsche ich ein gutes neues Jahr, persönliches Wohlergehen eingeschlossen.
Zu einem neuen Jahr ziemt sich auch ein neuer Thread, hier ist einer:

Franz Liszt hat im Laufe seines Lebens immer wieder Musik von Kollegen, aber auch eigene Kompositionen, für den Vortrag auf dem Klavier bearbeitet. Mit großen Sonaten konnte ein Pianist damals kaum so erfolgreich reüssieren wie mit kleinen kurzen Stücken, Aphorismen, Albumblättern oder Melodien von Opern-Arien, die gerade in aller Munde waren. Das wusste auch Franz Liszt und lieferte dem Publikum das nötige musikalische Futter, das von ihm dankbar aufgenommen wurde. Die umfangreicheTannhäuser-Ouvertüre wurde transkripiert, Isoldes Liebestod, der Faust-Walzer von Gounod, es entstanden Paraphrasen über Themen aus Don Giovanni, Der Freischütz und Opern von Verdi, das gefiel den Zuhörern. Aber es entstanden auch Übertragungen von eigenen Liedern sowie Liedern von Beethoven, Schubert, Schumann und Chopin. Der Anteil der Schubert-Lieder überwiegt jedoch.

Nicht nur aus dem Bedürfnis heraus, Schubert als seiner Meinung nach besten romantischen Komponisten über die Grenzen Wiens bekannt zu machen, sondern durchaus auch zu eigenem Nutz und Frommen schrieb Liszt zwischen 1833 und 1846 sechsundfünfzig Transkriptionen von Schubert-Liedern, die zwischen einfacher Imitation und freier Paraphrasierung liegen und trotz ihrer zusätzlichen Dimension Lisztscher Nonchalance und Idiosynkrasie auf erstaunliche Weise die Frische und Unschuld ihrer Vorlagen bewahren – selten sind solche gelungenen Verschmelzungen von Werktreue und Ungebundenheit, vom Aufrichtigkeit mit Eigensinn (entstanden, Verfasser)
Bryce Morrison im Begleittext zur LP Liszt Klavierwerke Vol.2, gespielt von Jorge Bolet – Decca 1981

Sicher kennt Ihr einige Transkriptionen, hier und da erscheinen sie als Zugaben bei live-Mitschnitten, z.B. das „Ständchen“(Leise flehen meine Lieder) aus dem Schwanengesang, den „Erlkönig“ oder „Die Forelle“. Aber es existieren auch ältere Aufnahmen mit Rachmaninoff (Das Wandern), Josef Hofmann (Erlkönig) und Ignaz Friedman (Ständchen). Von Vladimir Sofronitzki besitze ich 5 Lied-Transkriptionen.

Noch in der LP-Zeit erschienen LPs, die ausschließlich Transkriptionen Schubertscher Lieder enthielten, mit Jorge Bolet (12 Lieder) bei Decca und von dem leider bei uns wenig bekannten ausgezeichneten britischen Pianisten John Bingham (10 Lieder) beim britischen Label Meridian.
Leider sind diese heute nicht greifbar, Bolet zumindest nicht als Einzel-CD.
Bei JPC habe ich folgende gesehen, die ich jedoch nicht kenne, auch die Namen der Interpreten sind mir nicht alle geläufig:
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0013711322828.jpg

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0608917896947.jpg

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/3760009290600.jpg

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/6417513101683.jpg

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4006408107712.jpg

Kennt Ihr einige interessante Einspielungen der Schubert-Transkriptionen?

Grüße Amadé
Zelenka (07.01.2008, 17:37):
Lieber Amadé:

Herzlichen Dank für den ersten Klavierfaden des Jahres und auch Dir alles Beste für das angebrochene Jahr!

Ich fürchte, allzu viel kann ich hier gar nicht beisteuern. Nach meiner Zählung besitze ich von den 55 oder 56 Schubertlieder-Transkriptionen von Liszt nur 17 in wenigstens einer Version, die meisten davon sind eher den historischen Aufnahmen zuzurechnen. Die "Großen" scheinen diese mitunter reizvollen, auch virtuosen Umarbeitungen heutzutage eher selten im Konzert oder Studio zu spielen. Aus älterer Zeit habe ich ein "Ständchen" von Paderewski, einen "Lindenbaum" von Lhévinne, auch Deinen "Erlkönig" mit Hofmann. Letzterer ist auch noch mit Petri (Naxos) und Berman (Brilliant) da, Perahia hat ihn neben drei anderen Transkriptionen (ein wenig zu brav) auch eingespielt. Zwei weitere Namen, die bei mir in diesem Zusammenhang auftauchen, sind Ginsburg und Sofronitzky, von dem ich wohl dieselben 5 Stücke wie Du besitze.

Zu den ungehörten neueren Aufnahmen in Deiner Fadeneröffnung sollten sicher die Einspielungen sämtlicher Transkriptionen durch Leslie Howard im Rahmen seiner Liszt-GA (Hyperion) hinzugefügt werden. Allerdings ist er bei allem Einsatz für den bewunderten Meister nicht einer der begnadetsten Liszt-Interpreten ...

Gruß, Zelenka
Amadé (06.01.2008, 21:10):
Hallo,

allen Forianerinnen und Forianern wünsche ich ein gutes neues Jahr, persönliches Wohlergehen eingeschlossen.
Zu einem neuen Jahr ziemt sich auch ein neuer Thread, hier ist einer:

Franz Liszt hat im Laufe seines Lebens immer wieder Musik von Kollegen, aber auch eigene Kompositionen, für den Vortrag auf dem Klavier bearbeitet. Mit großen Sonaten konnte ein Pianist damals kaum so erfolgreich reüssieren wie mit kleinen kurzen Stücken, Aphorismen, Albumblättern oder Melodien von Opern-Arien, die gerade in aller Munde waren. Das wusste auch Franz Liszt und lieferte dem Publikum das nötige musikalische Futter, das von ihm dankbar aufgenommen wurde. Die umfangreicheTannhäuser-Ouvertüre wurde transkripiert, Isoldes Liebestod, der Faust-Walzer von Gounod, es entstanden Paraphrasen über Themen aus Don Giovanni, Der Freischütz und Opern von Verdi, das gefiel den Zuhörern. Aber es entstanden auch Übertragungen von eigenen Liedern sowie Liedern von Beethoven, Schubert, Schumann und Chopin. Der Anteil der Schubert-Lieder überwiegt jedoch.

Nicht nur aus dem Bedürfnis heraus, Schubert als seiner Meinung nach besten romantischen Komponisten über die Grenzen Wiens bekannt zu machen, sondern durchaus auch zu eigenem Nutz und Frommen schrieb Liszt zwischen 1833 und 1846 sechsundfünfzig Transkriptionen von Schubert-Liedern, die zwischen einfacher Imitation und freier Paraphrasierung liegen und trotz ihrer zusätzlichen Dimension Lisztscher Nonchalance und Idiosynkrasie auf erstaunliche Weise die Frische und Unschuld ihrer Vorlagen bewahren – selten sind solche gelungenen Verschmelzungen von Werktreue und Ungebundenheit, vom Aufrichtigkeit mit Eigensinn (entstanden, Verfasser)
Bryce Morrison im Begleittext zur LP Liszt Klavierwerke Vol.2, gespielt von Jorge Bolet – Decca 1981

Sicher kennt Ihr einige Transkriptionen, hier und da erscheinen sie als Zugaben bei live-Mitschnitten, z.B. das „Ständchen“(Leise flehen meine Lieder) aus dem Schwanengesang, den „Erlkönig“ oder „Die Forelle“. Aber es existieren auch ältere Aufnahmen mit Rachmaninoff (Das Wandern), Josef Hofmann (Erlkönig) und Ignaz Friedman (Ständchen). Von Vladimir Sofronitzki besitze ich 5 Lied-Transkriptionen.

Noch in der LP-Zeit erschienen LPs, die ausschließlich Transkriptionen Schubertscher Lieder enthielten, mit Jorge Bolet (12 Lieder) bei Decca und von dem leider bei uns wenig bekannten ausgezeichneten britischen Pianisten John Bingham (10 Lieder) beim britischen Label Meridian.
Leider sind diese heute nicht greifbar, Bolet zumindest nicht als Einzel-CD.
Bei JPC habe ich folgende gesehen, die ich jedoch nicht kenne, auch die Namen der Interpreten sind mir nicht alle geläufig:
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0013711322828.jpg

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0608917896947.jpg

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/3760009290600.jpg

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/6417513101683.jpg

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4006408107712.jpg

Kennt Ihr einige interessante Einspielungen der Schubert-Transkriptionen?

Grüße Amadé
Zelenka (07.01.2008, 17:37):
Lieber Amadé:

Herzlichen Dank für den ersten Klavierfaden des Jahres und auch Dir alles Beste für das angebrochene Jahr!

Ich fürchte, allzu viel kann ich hier gar nicht beisteuern. Nach meiner Zählung besitze ich von den 55 oder 56 Schubertlieder-Transkriptionen von Liszt nur 17 in wenigstens einer Version, die meisten davon sind eher den historischen Aufnahmen zuzurechnen. Die "Großen" scheinen diese mitunter reizvollen, auch virtuosen Umarbeitungen heutzutage eher selten im Konzert oder Studio zu spielen. Aus älterer Zeit habe ich ein "Ständchen" von Paderewski, einen "Lindenbaum" von Lhévinne, auch Deinen "Erlkönig" mit Hofmann. Letzterer ist auch noch mit Petri (Naxos) und Berman (Brilliant) da, Perahia hat ihn neben drei anderen Transkriptionen (ein wenig zu brav) auch eingespielt. Zwei weitere Namen, die bei mir in diesem Zusammenhang auftauchen, sind Ginsburg und Sofronitzky, von dem ich wohl dieselben 5 Stücke wie Du besitze.

Zu den ungehörten neueren Aufnahmen in Deiner Fadeneröffnung sollten sicher die Einspielungen sämtlicher Transkriptionen durch Leslie Howard im Rahmen seiner Liszt-GA (Hyperion) hinzugefügt werden. Allerdings ist er bei allem Einsatz für den bewunderten Meister nicht einer der begnadetsten Liszt-Interpreten ...

Gruß, Zelenka