Toni Bernet (07.12.2020, 10:58): Liebe Geigen-Fans
Gestern habe ich die Besprechung eines neuen "unbekannten Violinkonzerts", die kennen zu lernen sich lohnen, auf der Homepage www.unbekannte-violinkonzerte.jimdofree.com eingefügt, und zwar: Pierre Rode (1774-1830): Violinkonzert D-Dur Nr. 11 (1813) Um 1813 wurde sein 11. Violinkonzert D-Dur gedruckt, das nach dem Urteil des Musikhistorikers Boris Schwarz zu den besten seiner Violinkonzerte zu zählen ist. „Sympathischerweise will Rode keine ‘Schwierigkeitsrekorde’ aufstellen … Rodes Technikstil ist ehrlich und stets musikalisch gedacht … Rodes Konzerte bieten dem Geiger exzellente brillante und melodische Ausdrucksmöglichkeiten. Bei allen Schwierigkeiten liegen sie wunderbar geigerisch und laden zu ‘kreativer Virtuosität’ ein.“ So drückt es Friedemann Eichhorn in seinem der CD-Aufnahme beigegebenen Booklet-Text „Zur Geigentechnik Rodes Violinkonzerten“ aus.
Philidor (07.12.2020, 11:58): Lieber Toni,
danke für Deine Eröffnung eines neuen Threads und willkommen an diesem virtuellen Ort!
Na ja, unbekannt ... wenn sie unbekannt wären, dann könnte man ja nicht so schön darüber schreiben, wie Du das auf Deiner Webseite getan hast ... ;) ... es gäbe ja nicht einmal gedruckte Noten. So, jetzt habe ich mein Bedürfnis zu lästern befriedigt und ergänze noch, dass ich auch schmunzle, wenn jemand in einem Internet-Forum einen "Geheimtipp" gibt ... ja, wahrlich, die beste Stelle für Geheimnisse ist freilich das Internet, was sonst ...
Harnoncourt hat doch so schön über die Französische Violinschule (Rode, Baillot, Kreutzer) polemisiert, die den moralischen Wert "égalité" der Revolution von 1789 auf das Musizieren übertragen hat und von ihren Schülern verlangte, dass sie in der Lage sein sollten, alle Noten ganz gleich, die eine wie die andere, herauszubringen - wohingegen in früheren Zeiten Auf- und Abstrich in ganz natürlicher Weise eingesetzt wurden, um die Noten eben ungleich darstellen zu können. Ganz vereinfacht.
Spätestens seit Harnoncourts Schriften dürfte Rode doch kein Unbekannter sein. Das Label Naxos hat sich um Aufnahme seiner Werke sehr verdient gemacht.
Durch Deinen Impuls angeregt habe ich nochmal zu Pierre Rode gestöbert und gelernt, dass Joseph Joachim sein Enkelschüler war. Wenn das mal nichts ist!
Man könnte seine Werke vielleicht als "fast vergessen" bezeichnen. Aber auch das wäre falsch - um etwas zu vergessen, muss man es ja erst einmal gekannt haben, richtig? Viel Erfolg scheint er damit zu Lebzeiten aber nicht gehabt zu haben.
Aber Beethoven widmete ihm sein op. 96. Dat hebt! wie der Berliner sagt.
Welches Konzert ist dir denn unter den Rodeschen das liebste?
Da der Thread "Unbekannte Violinkonzerte" heißt, möchte ich noch auf eine relativ neue, formidable Aufnahme zweier Violinkonzerte eines Beethoven-Zeitgenossen hinweisen: Franz Josef Clement.
Gruß Philidor
:hello
Sfantu (07.12.2020, 13:03): Duplizität der Gedankengänge resp. Geschehnisse:
Die ist gerade heute früh bei mir eingetroffen. Bin gespannt! Übrigens hat sich Toni dem Ersten von ihnen hier bereits gewidmet.
Multe salutări, Sfantu
Toni Bernet (03.01.2021, 08:26): Welches Konzert ist dir denn unter den Rodeschen das liebste? Lieber Philidor,
Danke für deine Überlegungen, die mich sehr interessieren. Unbekannt ist wirklich mehrdeutig, auch wenn zum Beispiel der Komponist Pierre Rode bekannt ist, sind bestimmte Werke von ihm doch eher unbekannt. In diesem Sinne habe ich hier auf das für mich Beste seiner Violinkonzerte hingewiesen... allerdings schwierig zu belegen, de gustibus non est disputandum!
Allen auch ein gutes neues Jahr Toni
Philidor (03.01.2021, 10:15): de gustibus non est disputandum! Lieber Toni,
danke für Deine Rückmeldung! Certe de gustibus non est disputandum sed censeo de rebus musicalis provocantes aut benevolentiam aut malevolentiam nostram multum disputandum esse.
Wenn wir alles auf unseren Geschmack schieben, dann verbleibt die Diskussion auf dem Niveau von "Schokoladenpudding schmeckt mir/schmeckt mir nicht" und ist darum ganz schnell beendet.
Nun haben die Philosophen erkannt, dass es angeborenen Geschmack gibt und auch geschulten Geschmack. Letzterer kann sich verändern - indem man nach und nach Zugang findet zu Dingen, die einem vorher fremd waren oder durch weitere Informationen oder Erfahrungen seine Einschätzung zu bestimmten Dingen ändert.
Letzteres wäre doch Sinn des Austauschs und des Informierens über kaum bekannte Werke, wie ich ihn beschreiben würde.
Herzliche Grüße Philidor
:hello
Toni Bernet (03.01.2021, 10:37): Nun haben die Philosophen erkannt, dass es angeborenen Geschmack gibt und auch geschulten Geschmack. Letzterer kann sich verändern - indem man nach und nach Zugang findet zu Dingen, die einem vorher fremd waren oder durch weitere Informationen oder Erfahrungen seine Einschätzung zu bestimmten Dingen ändert. Da stimme ich vollständig zu. So habe ich kürzlich das Violinkonzert von Dieter Ammann zu hören gelernt. Da geht es wirklich nicht einfach um den Schockoladen-Geschmack! Ganz richtig!
Siehe meinen neuen Beitrag über Dieter Ammann: unbalanced instability, Konzertsatz für Violine und Kammerorchester (2011-13) im Klassikforum.
Amadé (18.09.2025, 17:03): Hallo Toni, ich bin hier im falschen Thread. Vorhin wurde ich im Capriccio-Forum auf deinen Beitrag zu Mozarts Divertimento (Cassation) B-Dur KV 287 aufmerksam. Neben HvK stehen noch eine Live-Aufnahme mit Cantelli aus NY, eine LP mit dem Collegium Aureum sowie eine CD mit SAndor Vegh und der CAmerata SAlzburg im Regal. Allerdings höre ich dieses Stück selten. Gruß Amadé