peter337 (05.02.2013, 06:58):
VERDI, Giuseppe - I MASNADIERI - nach Schillers Drama - DIE RÄUBER.
Nachdem Verdi sich bei einer Wiederaufnahme der Lombarden an der Scala mit Merelli zerstritt und schwor niemals einen Fuß mehr in die Scala zu setzen, bekam er 1845, vom Impresario Benjamin Lumley vom Opernhauses am Haymarket in London, den Auftrag eine Oper zu schreiben. Benjamin Lumley war dieser Impresario der persönlichen Wagemut hatte, und auch die Energie eines Verlegers , brachten Verdi dazu, für das italienische Haus diese zu schreiben. Das Musikleben in London war mannigfaltig, chaotisch und nicht wenig auf Geld bedacht. Unternehmen schossen empor und zerplatzten wie Seifenblasen, das breite Publikum war eher an Juliens Promenaden interessiert oder sonstigen Monsterkonzerten die eher in eine Zirkusmanege passten. In dieser Umwelt voller Scharlatanen verband Lumley küstlerischen Idealismus mit sicherm künstlerischen Gespür. Da für London nur zwei Komponsten in Frage kamen, Weber oder Verdi, entschloss sich Lumly, trotz des Missfallens der Kritiker am "Ernani" , für Verdi. Sein Verbindungsmann war der Verleger Francesco Lucca, der einst im Hause Riccordi Kopist gewesen war, aber Verdi war an Riccordi gebunden, aber nachdem "Atilla" durch eine Veinbarung mit Lucca, er ihn sich sichern konnte, und köderte er Verdi mit der englischen Aufführung. Die für Sommer 1846 geplante Inszenierung musste auf das kommende Jahr aufgeschoben werden, da Verdis Gesundheit ersthaft angegriffen war.
Während dieser langen Rekonvaleszenz hatte Verdi genügend Zeit, um sich einen passenden Stoff auszusuchen, er verfiel wieder auf "König Lear" . Danach bestand er auf Byrons "The Corsair" und ließ nicht locker, obwohl Lucca ihn davon abbringen versuchte, während Verdi sich im Kurort Recoare erholte. Zu seinen Begegnungen gehörte dort der Dichter und Shakespeare- und Schiller-Übersetzer Andrea Maffei, der seine Gedanken in eine andere Richtung drängte, nämlich zu "Macbeth" und zu "I Masnadieri", die jeweils für Florenz und London bestimmt waren. Eigentlich sollten "I Masnadieri" für Florenz bestimt sein, doch als er erfuhr, dass das Teatro della Pergola für die Karnevalsaison keinen bedeutenden Tenor zur Verfügung hatte, wandte er sich der Arbeit an "Macbeth" zu und bestimmte den Schiller-Stoff für London. Lucca und Lumley wunderten sich, dass "Il Corsaro" ihn nicht mehr interessierte . Die dürfte den etwas altmodischen Zuschnitt von "I Masnadieri" im Vergleich zu "Macbeth" erklären, den obwohl das Werk später entstand, stammte die Konzeption noch aus einer Periode wo sich Verdi mehr mit Shakespare befasste, und ihn nicht zu einer neuen Auffassung des Musikdramas geführt hatte. Wie immer war Verdi bestrebt, die Qualität des Originals so weit wie möglich zu erreichen und wer könnte das besser als Andrea Mafei, Italiens größter Schller- und Shakespeare Experte, er zeigt sogar ein bemerkenswertes Verständnis für die Funktion des Librettisten. Er behauptet sogar dieses Drama gehöre nicht zu Schillers besten, doch er könne sich kein anderes literarisches Werk vorstellen, das sich so gut für eine musikalische Bearbeitung eigne. Als Verdi über den Rhein nach England reiste, hatte er vielleicht die Absicht, etwas Lokalstimmung aufzunehmen, obwohl seine Partitur aber schon gar nichts Deutsches enthält. Wie immer war es Verdis Bedingung eine erstklassige Besetzung zu haben, und da hatte er keinen Grund zur Beschwerde. Wohl hatte er zuerst auf seinen Lieblingstenor, Gaetano Fraschini, als jugendlchen Held gesetzt, doch dessen Englanddebut enttäuschte alle Erwartungen und so kam es zum Engagement des jungen Italo Gardoni. Dieser war ein weit leichtgewichtiger Tenor, dem der Komponist - mit Ausnahme der melancholischen Romanze - keinerlei Zugeständnisse machte. Carlo Moor blieb eine Fascchini Rolle, die Zurückhaltung der Kraftentfaltung im Mittelbereich der Stimme und brillante hohe Noten verlangt. Als Francesco war Filippo Coletti vorgesehen, für den Verdi stets gern schrieb, aber der nie eine gewihtige Verdi-Rolle uraufgeführt hatte. Allerdings hatte der wieder einen schlechten Start in London, da er anstelle des Publikumsliebling Antonio Tambuini sngen musste. Als er in den "Puritanern" sang kam es zu einen Tumult. Jedoch gewann schließlich das britische Gefühl für "fair-play" und Coletti gewann die eigene Anhängerschaft. Den Massimiliano Moor snag de Neapolitaner Luigi Lablache, der ein doppelgestrichenes D singt, einer der wenigen Bässe seiner Zeit, die in Buffo- und ernsten Rollen ebenso erfolgreich waren. Der Star der Saison war jedoch Jenny Lind, die schwedische Nachtigall, die nicht nur ihr Englanddebüt vor sich hatte, sondern auch zum erstenmal in ihrem Leben eine speziell für sie geschiebene Opernrolle uraufführte. Verdi war mehr von ihrer Persönlichkeit beeindruckt als von ihrem Gesangstil. Nach den Worten seines Sekretärs und Schülers Emanuelle Muzio "Neigte sie mehr dazu, ihre Technik in Fiorituren, Gruppetti und Trillern zu demonstrieren, etwas was aber die Leute im letztem Jahrhundert, aber nicht 1847 liebten!" Zudem war se nicht geneigt in Italienisch zu singen. Bezeichnenderweise wurden die Kadenzen der Sängerin überlassen. Jenny Lind wollte ihre eigenen ersinnen, die ihr dann allein gehörten.
Die Premiere fand am 22. Juli 1847 statt, und Verdi dirigierte "mit dem Stab in der Hand", wie die Zeitungen berichteten. Dies war zwar in England und Fankreich im Laufe der letzten 20 Jahre schon üblich - in Italien dirigierte, damals noch, der 1. Konzertmeister mit einem Violinbogen, während sich der Komponist zum 1. Kontrabassisten setzte, das Klavier war bereits abgeschafft, und darauf wartete, auf die Bühne zu springen, um nach jeder Nummer Applaus zu bekommen. Das Publikum war begeistert - diie Presse reserviert. Nach der dritten Aufführung übernahm Michael Baffe den Dirigentenposten und Verdi reiste nach Paris ab.
Trotz aller Vorzüge erfreute sich "I Masnadieri" nicht desselben Erfolges wie "Ernani" oder "Atilla". Die verschiedenen Vorzüge hatten die Tendenz sich gegenseitig zu neutralisieren. Obwohl der Stoff überzeugend war, hatte er nicht die Möglichkeit die Hauptdarsteller in einem günstigen Licht zu zeigen, da das Interesse das Jenny Lind zukommen sollte, sich aber auf Gardoni richtete, dabei hatte Lablache das einzige zu tun, was er nicht konnte, nämlich einen verhungerten Menschen spielen.
Die Oper war in Italien ein wenig erfolgreicher. Schillers Vorstellung blinder, egoistischer Rebellion hat mit den "Risorgimento" Opern wenig gemein. Sie war andrerseits zu anspruchsvoll, um eine narrensichere Oper wie "I due Foscari" zu werden. Und auch Mafffei versuchte, alle wichtigen Elemente von Schillers verworrenen Drama in die enge Form eines Opernlibettos zu zwängen. Dies wohl in bester Absicht. Diese Probleme wusste Verdi, zu diesem Zeiitpunkt, nur durch eine etwas ungefüge Ausdehnung der traditonellen Fomen zu lösen.
Personen:
Amalia - Sopran, Carlo Moor - Tenor, Francesco Moor - Bariton, Massimiliano, Graf Moor - Bass, Arminio , Kammerdiener - Tenor, Moser, ein Pfarrer - Bass, Rolla, Gefährt Carlo Moors - Bariton, Damen, junge Leute, Räuber, Diener - Chor.
Handlung:
1. Akt: 1. Bild: Carlo Moor hat sich nach einem Streit mit seinem Vater einer Räuberbande angeschlossen, will aber dieses Leben eigentlich nicht und hofft auf die Verzeihung seines Vaters, um in seine Heimat zurückkommen zu können und seine Braut Amalia wiederzusehn. Aber statt der Verzeihung erhält er, von seinem ihm missgünstgen Bruder Francesco einen Brief, der ihm bei einer Rückkehr statt der Verzeihung seines Vaters die Gefangenschaft im Turm androht. In seiner Verzweiflung schließt sich Carlo endgültig den Räubern an die ihm zum Hauptmann wählen und die Räuber geloben ihm Treue.
2. Bild: Im Schloss des Grafen Moor. Francesco jubelt, dass es ihm gelungen ist, mit dem gefälschten Brief seinen Bruder fernzuhalten. Sein Plan ist auch seinen Vater, den alten Graf Massimiliano zu beseitigen. Armino soll ihm dabei helfen, indem der den alten Grafen vorlügt, dass Francesco in eine Schlacht bei Prag gefallen sei.
3. Bild: Amalia, die Nichte des Grafen wacht über den schlafenden Onkel Massimiliano und beklagt die Verbannung ihres Verlobten. Der alte Graf träumt von Carlo, den er längst verziehen hat, dann treten Francesco und Arminio auf und nach der Nachricht, dass Carlo in einer Schlacht gefallen ist und er noch im Tode die Unversöhnlichkeit des Vaters beklagte, ist Massilmano ganz verzweifelt und fällt in Ohnmacht. Francesco glaubt jetzt wie Amelia an den Tod Carlos und jubelt, dass er nun Herr ist.
2. Akt: 1. Bild: Bei der Schlosskapelle. Amalia hat sich von einem Bankett entfernt und betet beim vermeintlichen Grab des Massimilano um dort Trost zu finden. Im Schloss ertönen nach heraus Trinklieder. Arminio wird von Reue gepackt, kommt hinzu und teilt Amalia mit, dass weder ihr Onkel noch ihr Verlobter tot sind, während sie an Carlo denkt tritt Francesco hinzu und versucht Amelia für sich zu gewinnen, wird aber von ihr abgewiesen. Daraufhin droht er ihr an sie mit Gewalt zurückzuhalten und sie zu seiner Maitresse zu machen. Amalia kann ihm den Dolch abnehmen um Francesco zu erstechen, doch dieser kann entkommen und schwört Rache.
2.Bild: In den Böhmischen Wäldern bei Prag. Rolla wurde gefangen genommen, kann aber im letzten Augenblick nach einem Angriff der Räuber auf den Pulverturm durch Carlo vom Galgen befreit werden. Die Räuber jubeln und zerstreuen sich m Wald, Calo beklagt sein Schicksal, sein verbrecherisches Leben und den Verlust von Amalia. Im Anschluss eilen die Räuber erschreckt hinzu und berichen, dass sie von Soldaten umzingelt seien. Calo befihlt, dass sie eine Bresche schlagen und um ihr Leben kämpfen sollen.
3. Akt:1. Bld: Gelände in der Nähe des gräflichen Schlosses. Die Räuber konten den Soldaten entkommen und lagern dort. Amalia, die Franceso entkommen konnte, hört die Stimmen der Räuber und glaubt sich verloren. In diesem Moment tritt Carlo hinzu und gibt sich zu erkennen aberer verschweigt was aus ihm geworden ist. Beide gestehen sich ihre Liebe aufs neue.
2. Bild: Im Wald beim Burgverlies. Nach dem Chor der Räuber tritt Carlo auf und wird von den Räubern begrüßt. Sie legen sich zur Ruhe und Carlo überlegt wie er seiem Leben ein Ende machen könne. Da kommt Arminio, um dem alten Grafen, der nach seiner Ohnmacht durch seinen Sohn Francesco gefangen gesetzt und für tot erklärt wurde, durch das Gitter Nahrung zu bringen. Carlo hört die Stimme seines Vaters und erschrickt und nachdem er den Vater befreit hat, erfährt er von Francescos ungeheuerlichen Taten. Carlo schwört zusammen mit den Räubern Rache.
4. Akt:1. Bild: Im Schloss eine Zimmerflucht. Francesco stürzt herein nachdem er einen Alptraum gehabt hat. Als Arminio hinzutritt erzählt er ihm den Traum vom Jüngsten Gericht, in dem er wegen der Schuld an seinem Vater ewig verdammt wird. Pfarrer Moser klagt ihm des Vaters- und des Brudermordes an. Als Francesco von Arminio hört, dass sich wilde Horden dem Schlosse nähern und Schreie verkünden, dass bereits das Bollwerk zerstört ist, verlangt er von Moser die Absolution, doch dieser verweigert sie, ebenso wie Gottes Vergebung.
2. Bild: Wald beiden Ruinen des Burgverlieses. Carlo bittet seinen Vater, der ihn nicht erkannt hat, um seinen Segen. Es kommt zum Auftritt der Räuber und der Flucht Francescos, während die Räuber Amelia herbeischleppen. Diese wendet sich Hilfe suchend an Carlo. Carlo ist verzweifelt und gibt sich seinem Vater zu erkennen und gesteht der Räuberhauptmann zu sein. Amalia will trotzdem bei Carlo bleiben. In diesem Moment bestürmen die Räuber Carlo, und werfen ihm Verrat vor. Amalia bittet Carlo um ihren Tod. Carlo ersticht sie, um sie nicht an sein ehrloses Leben zu binden und verlässt die Räuber, um sich den Gerichten zu stellen.
Diskographie:
Über die Gardelli - Aufnahme kann ich wohl berichten. Sie ist eine geschlossen Aufführung. Montserrat Caballé mit wundervollen Sopran als Amalia - und besonders der damals junge Ruggero Raimondi als Vater Massilimiano ist zwar stimmlich und auch darstellerisch etwas zu jung, aber bei ihm ja immer mit großartigem Einsatz - man nimmt ihm den leidenden Vater ab, Carlo Bergonzi als Carlo Moor, er hatte da den lyrischen Tenor, der zwar nicht ganz passt finde ich, aber sein Tenor war immer eine Ausnahmestimme, Piero Cappuccilli als Francseco die Inkarnation des Schurken aber auch John Sandor als Arminio, Maurizio Mazzieri als Moser und William Elvin als Rolla - alle rollendeckend.
De größte Verdienst gilt wohl Lamberto Gardelli, der den "jungen Verdi" quasi "ausgegraben hat" und, hier, mit dem New Philhamonia Orchestra London vom August 1974.
Die andere Aufnahme kenne ich leider nicht und habe sie nur eingestellt.
Vielleicht hat der liebe Rideamus diese und kann sie beurteilen, was ich ohne Hinhören sagen kann - Dame Joan Sutherland hat sich bestimmt Adelina Patti mit den Trillern zum Vorbild genommen, denke ich?
Euer Peter aus Wien.