Valery Afanassiev - Ein verschrobener Tastenmystiker?

Daniel Behrendt (17.04.2006, 11:21):
Zitat Richard: Bei Afanassiev ist es bei mir so. Entweder finde ich seine Aufnahmen grandios oder schwach. Irgendwie so etwas wie "Mittelmaß" oder "naja, ordentlich" kenne ich von ihm irgendwie nicht.

Lieber Richard,
mir geht's genauso. Ein Beispiel für eine verhältnissmäßig ausgeglichene Einspielung ist das Wohltemperierte Klavier I - eine wirklich schöne, in bezug auf die Stilistik und Tempowahl (nicht nur für Afanassievs Verhältnisse) unexzentrische Aufnahme.

Für den Kopfsatz aus Schuberts D960 in A.'s Lesart muss man in der richtigen Stimmung sein. Wenn man bereit ist, runterzuschalten, zu sich zu kommen und einige Hörschablonen über Bord zu werfen, eröffnet Afanassiev neue Perspektiven.

Afanassievs Liszt-Sonate ist in der Tat langatmig, unorganisch und wirkt pianistisch nicht beherrscht, nicht "gekonnt" genug. Irgendwie hatte ich beim gestrigen Querhören schon ein wenig das Gefühl, dass Afanassiev da an deutlich an seine Grenzen kommt.

Sicher, mustergültig sind viele Interpreationen Afanassievs nicht - auf der anderen Seite gefallen mir seine Risikobereitschaft und sein Mut, ganz alleine seiner persönlichen Sichtweise zu folgen. Sicher, er ist ein Kauz - aber ihm für seine immerhin überaus anregende (wenn auch nicht durchweg geglückte) Mélange aus Exzentrik, Dekadenz und Kreativität wie Jeremias das Etikett "Bühnenpräsenz eines Geisteskranken" anzuheften, ist doch ein bisschen zu grob und nicht sonderlich originell... Bei manchen Künstlern tickt's eben ein bisschen anders im Obestübchen - und das ist auch gut so! :wink


LG!
Daniel
Cosima (17.04.2006, 11:37):
Original von Daniel Behrendt
Mélange aus Exzentrik, Dekadenz und Kreativität

Hallo Daniel,

das hast Du toll formuliert. Ich habe ihn ja nie live erlebt, aber so würde ich auch seine Kreisleriana charakterisieren. Für mich zählt nur das Ergebnis, und hier ist das Ergebnis überragend. Diese unangepassten „Sonderlinge“ haben immer etwas Anziehendes an sich, gleichgültig in welche Richtung ihre eventuellen Macken gehen. Wenn sie ihre Sichtweise wirklich leben und nicht nur um des Showeffekts willen mit sich herumtragen, ist das ungemein reizvoll.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (17.04.2006, 11:42):
@Daniel,

Afanassiev ist sicherlich nicht ein derartig technisch hoch versierter Pianist mit dem Können eines Pletnev, Sokolov, Demidenko, Hamelin oder Berezovsky um mal einige zu nennen,

Seine Liszt Sonate muss man wahrlich nicht kennen.
Was mich an der Aufnahme stört ist wahrlich die Tatsache, daß seine Tempowahl jeden natürlichen Fluß zertstört und dies ist noch schlimmer IMO als irgendwelche technischen Schwächen.

Seine Schubert Aufnahmen sind für mich jedeoch grandiose Deutungen und eröffnen Sichtweisen und Gefühle, die nur Afanassiev ausleuchtet.

Und sie ist es doch schön, daß es auch so einen "Charakterkopf" wie ihn gibt der vielleicht etwas kurios sein mag .......
Rachmaninov (17.04.2006, 11:43):
@Cosima,

höre Dir einmal die Waldszenen an. Unglaublich "plastisch" wie Afanassiev die Beschreibung der einzelnen Szenen gelingt. Grandios :down
Daniel Behrendt (18.04.2006, 08:22):
Hallo Cosima und Richard,

schade, dass mir ausgerechnet der Schumann fehlt - scheint ja Afanassievs Highlight zu sein! Da werde ich wohl auf die Suche gehen müssen...

LG!
Daniel

PS: Ein richtig schönes Beispiel für den eigenwilligen Stil Afanassievs ist die Mazurken-Einspielung - total langsame, "antitänzerische" Tempi und extrem spärlich dosiertes Rubato. Das klingt merkwürdig ungelenkig und trotzdem ungemein überzeugend - die Scheibe ist eine Delikatesse!
Rachmaninov (22.04.2006, 13:24):
Original von Daniel Behrendt
Hallo Richard,
Danke für den Tipp! Der Import aus Japan würde mich aufgrund des Schnäppchenpreises natürlich besonders interessieren. Hast du erfahrung mit dem Händler? Ist der zuverlässig?

LG!
Daniel

Daniel,

der Händler ist 100%ig zuverlässig und recht schnell!
Rachmaninov (22.04.2006, 21:11):
@Daniel,

die beiden Brahms Aufnahmen mit Werken für Klaviersolo von Afannasiev empfinde ich wiederum als sehr gelungen. Die nachdenkliche, stimmungsvolle Rangehenweise von Afanassiev passt IMO zum Charakter der Werke.

Wie gefallen Dir diese Aufnahmen?
Rachmaninov (29.04.2006, 14:00):
Original von Daniel Behrendt
PS: Ein richtig schönes Beispiel für den eigenwilligen Stil Afanassievs ist die Mazurken-Einspielung - total langsame, "antitänzerische" Tempi und extrem spärlich dosiertes Rubato. Das klingt merkwürdig ungelenkig und trotzdem ungemein überzeugend - die Scheibe ist eine Delikatesse!

@Daniel,

davon habe ich mich gestern auch nochmal überzeugt!
Mir gefällt Afanassiev bei diesen Stücken sehr gut :down

Kennst Du eigentlich diese Aufnahme?
AcomA (29.04.2006, 15:17):
lieber Sergejewitsch und Daniel,

ich habe die mazurken mit afanassiev nicht gehört. nach eurer charakterisierung werde ich es in zukunft dergestalt auch nicht machen, dass ich sie mir besorge ! antitänzerisch, na herzlichen glückwunsch. gerade der mazurken-rhythmus, der groove, ist hier IMO die lebensader der musik. man höre nur ignacy friedman ! das wäre genauso, wenn jemand einen persischen 'kereshmeh' antitänzerisch spielen würde, furchtbar !

gruß, siamak :ignore
ab (25.05.2006, 11:20):
Wer kann mir das Pseudonym nennen, unter dem Afanassiev seine Bücher auf Deutsch veröffentlicht hat?

Wer hat dieses Bücher gelesen? Taugen diese etwas oder sind sie auch so "verschroben" wie seine postmodernen Allerlei-Booklet-Texte?
ab (25.05.2006, 11:24):
Ich habe dies Platte. Jedes Stück für sich ist gut; und aneinandergereiht - nur leider kein geschlossenes Album.

(Wer ein gutes Konzeptalbum sucht, ist bei Alexei Lubimov - Der Bote (Elegien für Klavier) ECM
sehr gut aufgehoben! Derzeit, übrigens, bei jpc um 8 EUR erhältlich!)
Cosima (25.05.2006, 12:02):
Original von ab
(Wer ein gutes Konzeptalbum sucht, ist bei Alexei Lubimov - Der Bote (Elegien für Klavier) ECM
sehr gut aufgehoben!

Lubimov scheint eine Schwäche für Konzeptalben zu haben. Ich besitze „Messe Noire“ – Werke von Strawinskij, Schostakowitsch, Prokofjew und Skriabin. Auch sehr gut!

Gruß, Cosima
nikolaus (25.05.2006, 12:14):
Original von Cosima
Original von ab
(Wer ein gutes Konzeptalbum sucht, ist bei Alexei Lubimov - Der Bote (Elegien für Klavier) ECM
sehr gut aufgehoben!

Lubimov scheint eine Schwäche für Konzeptalben zu haben. Ich besitze „Messe Noire“ – Werke von Strawinskij, Schostakowitsch, Prokofjew und Skriabin. Auch sehr gut!

Gruß, Cosima

Auch gut: Juan José Chuquisengo, Ragna Schirmer!

Gruß, Nikolaus.
Daniel Behrendt (16.04.2006, 16:39):
Liebe Forianer,

Ich habe mir fest vorgenommen mich in dernächsten Zeit intensiv mit einem Pianisten zu beschäftigen, um den es hierzulande in den letzten Jahren etwas still geworden ist. Es ist der am 8. September 1947 in Moskau geborene Klavierexzentriker

Valery Afanassiev
Afanassiev, der Gilels-Schüler war, hat sich vor allem als Klavierpartner von Gidon Kremer einen Namen gemacht. Im Konzert habe ich ihn erst einmal vor etlichen Jahren erlebt. Er sprang damals für den erkrankten Radu Lupu ein. Die Originalität seiens Stils habe ich damals allerdings noch nicht auf Anhieb erkannt - dazu war ich wohl noch ein bisschen zu jung und unerfahren...

Ich habe einen Haufen von Denon-Einspielungen, von denen einige wohl nur in Japan erschienen bzw. sich nicht allzu lange auf dem deutschen Markt hielten. Erstaunlich, dass Afanassiev dort in kurzer Zeit eine ziemlich beträchtliche Diskographie eingespielt hat:

Chopin: 13 Mazurken (2001)
Early Recordings 1969 - 1971 (Bach, Beethoven, Chopin, Debussy
Mussorgsky: Bilder, 5 Stücke (1991)
Liszt: späte Stücke und die h-Moll-Sonate, für die er 41:38 braucht (2000)
Beethoven: Diabelli-Variationen (1998)
Back to USSR (Beethoven Op. 109 & 110, 1990)
Mozart: Fantasien KV 397, 296, 475, Adagio KV 540, c-Moll-Sonate KV 457 (1993)
Brahms: Balladen, Phapsodien, Fantasien (1993)
Brahms: Klavierstücke Op. 117-119
Bach: Das Wohltemperierte Klavier I & II (1995)
Schubert: Sonate D894 (1992)
Schubert: Die letzten 3 Klaviersonaten (1997) - Für den Kopfsatz von D960 nimmt sich Afanassiev ganze 28:13

Und schließlich, 2003/04 bei Oehms erschienen: Die Beethoven-Konzerte mit dem Mozarteum Orchester unter Hubert Soudant

Wer von Euch kennt Afanassiev? Was haltet ihr von seinen z.T. recht eigenwilligen (meist extrem langsamen) Tempi und seinen extravaganten Gestaltungskonzepten?

Ich muss sagen: Je mehr ich mich mit ihm beschäftige, desto faszinierter bin ich.

LG!
Daniel
Cosima (16.04.2006, 19:17):
Hallo Daniel,

ich kenne nur eine einzige Afanassiev-Scheibe. Und zwar die mit der Kreisleriana und den Waldszenen (Denon). Was Afanassiev in der Kreisleriana zaubert, ist grandios, perfekt würde ich sagen! Unglaublich elektrisierend und so intensiv, dass es stellenweise kaum erträglich ist! Da ist alles in seiner reinsten und klarsten Form vorhanden: Verzweiflung, Leidenschaft… Alles wird bis zum Extrem ausgelotet, ganz herrlich!

Ich hoffe, dass Frank bald einen Kreisleriana-Thread einrichtet, das ist so ein wundervolles Werk!

Gruß, Cosima
Jeremias (16.04.2006, 19:48):
Ich hatte einmal mit Siamak das "Vergnügen", ihn in Mülheim zu hören. Er spielt die op.116 - 119 von Brahms. M.E. technisch sehr schwach, eine höchst gewöhnungsbedürftige Interpretation und dazu eine Bühnenpräsenz die der eines geistig Kranken glich....

Afanassiev nochmal? Never ever... :haha
Cosima (16.04.2006, 19:58):
Original von Jeremias
Ich hatte einmal mit Siamak das "Vergnügen", ihn in Mülheim zu hören. Er spielt die op.116 - 119 von Brahms. M.E. technisch sehr schwach, eine höchst gewöhnungsbedürftige Interpretation und dazu eine Bühnenpräsenz die der eines geistig Kranken glich....

Jetzt bin ich wirklich platt! Ich kenne ja nur diese eine Scheibe, aber die hat mich gleich aus den Puschen gehauen! Inwiefern war die Bühnenpräsenz die eines geistig Kranken? Erzähl doch mal!

In irgendeiner Zeitschrift hat er auch gelegentlich seine geistigen Ergüsse über andere Pianisten veröffentlicht, glaube ich. Das wiederum empfand ich als etwas gewöhnungsbedürftig.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (16.04.2006, 20:16):
Original von Daniel Behrendt
Chopin: 13 Mazurken (2001)
Early Recordings 1969 - 1971 (Bach, Beethoven, Chopin, Debussy
Mussorgsky: Bilder, 5 Stücke (1991)
Liszt: späte Stücke und die h-Moll-Sonate, für die er 41:38 braucht (2000)
Beethoven: Diabelli-Variationen (1998)
Back to USSR (Beethoven Op. 109 & 110, 1990)
Mozart: Fantasien KV 397, 296, 475, Adagio KV 540, c-Moll-Sonate KV 457 (1993)
Brahms: Balladen, Phapsodien, Fantasien (1993)
Brahms: Klavierstücke Op. 117-119
Bach: Das Wohltemperierte Klavier I & II (1995)
Schubert: Sonate D894 (1992)
Schubert: Die letzten 3 Klaviersonaten (1997) - Für den Kopfsatz von D960 nimmt sich Afanassiev ganze 28:13


Stehen bei mir auch alle im Regal, plus:

Live in Tokio mit LvB op.109-111
LvB: Bagatellen
Schumann: Kreisleriana & Waldszenen
Homage & Ecstasies
Brahms: Sonate für 2 Klaviere
Schubert: D960 bei ECM


Und schließlich, 2003/04 bei Oehms erschienen: Die Beethoven-Konzerte mit dem Mozarteum Orchester unter Hubert Soudant


die allerdings nicht!

Bei Afanassiev ist es bei mir so. Entweder finde ich seine Aufnahmen grandios oder schwach. Irgendwie so etwas wie "Mittelmaß" oder "naja, ordentlich" kenne ich von ihm irgendwie nicht.

Seine Deutung der Schubert Sonaten gehört für mich mit zum Besten was es gibt. Würde fast sagen das Beste. Die Aufnahme mit Schumann's Kreisleriana und Waldszenen ist gigantisch gut.

Die Liszt Sonate finde ich jedoch unglaublich langatmig. (siehe entsprechende Besprechung)

Mussorgsky Bilder sind einfach grandios gespielt. (werde im passenden Thread da noch drauf eingehen)

Allerdings kann ich durchaus verstehen wenn man ihn nicht mag und auch sehr gut nachvollziehbar, daß es Klavierabende gibt wie den von Jeremias beschriebenen.
Rachmaninov (18.04.2006, 12:00):
Original von Daniel Behrendt
schade, dass mir ausgerechnet der Schumann fehlt - scheint ja Afanassievs Highlight zu sein! Da werde ich wohl auf die Suche gehen müssen...


Musst Du gar nicht.....

einfach hier hin klicken
Daniel Behrendt (18.04.2006, 15:17):
Hallo Richard,
Danke für den Tipp! Der Import aus Japan würde mich aufgrund des Schnäppchenpreises natürlich besonders interessieren. Hast du erfahrung mit dem Händler? Ist der zuverlässig?

LG!
Daniel
Cosima (18.04.2006, 16:46):
Original von Daniel Behrendt
Hast du erfahrung mit dem Händler? Ist der zuverlässig?


Hallo Daniel,

ich habe schon ein paar Mal über diesen Händler bestellt. Alles ganz problemlos und auch relativ schnell, sofern ich mich recht erinnere. Und zur Not gibt es bei amazon eine Garantie, falls etwas schief läuft. Falls der Händler also nicht liefert, bekommst Du eh Dein Geld zurück. Auch das funktionierte bei mir bereits zweimal ganz unproblematisch u.a. mit einem Anbieter aus der Schweiz, der behauptete, die Ware abgeschickt zu haben.

Einem Kauf und vor allem dem großen Hörvergnügen steht also nichts mehr im Wege. Das lohnt sich wirklich! Ich bin sicher, dass Du positiv überrascht sein wirst.

Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (29.04.2006, 14:00):
Original von Daniel Behrendt
PS: Ein richtig schönes Beispiel für den eigenwilligen Stil Afanassievs ist die Mazurken-Einspielung - total langsame, "antitänzerische" Tempi und extrem spärlich dosiertes Rubato. Das klingt merkwürdig ungelenkig und trotzdem ungemein überzeugend - die Scheibe ist eine Delikatesse!

@Daniel,

davon habe ich mich gestern auch nochmal überzeugt!
Mir gefällt Afanassiev bei diesen Stücken sehr gut :down

Kennst Du eigentlich diese Aufnahme?
AcomA (29.04.2006, 15:17):
lieber Sergejewitsch und Daniel,

ich habe die mazurken mit afanassiev nicht gehört. nach eurer charakterisierung werde ich es in zukunft dergestalt auch nicht machen, dass ich sie mir besorge ! antitänzerisch, na herzlichen glückwunsch. gerade der mazurken-rhythmus, der groove, ist hier IMO die lebensader der musik. man höre nur ignacy friedman ! das wäre genauso, wenn jemand einen persischen 'kereshmeh' antitänzerisch spielen würde, furchtbar !

gruß, siamak :ignore
ab (25.05.2006, 11:20):
Wer kann mir das Pseudonym nennen, unter dem Afanassiev seine Bücher auf Deutsch veröffentlicht hat?

Wer hat dieses Bücher gelesen? Taugen diese etwas oder sind sie auch so "verschroben" wie seine postmodernen Allerlei-Booklet-Texte?
ab (25.05.2006, 11:24):
Ich habe dies Platte. Jedes Stück für sich ist gut; und aneinandergereiht - nur leider kein geschlossenes Album.

(Wer ein gutes Konzeptalbum sucht, ist bei Alexei Lubimov - Der Bote (Elegien für Klavier) ECM
sehr gut aufgehoben! Derzeit, übrigens, bei jpc um 8 EUR erhältlich!)
Cosima (25.05.2006, 12:02):
Original von ab
(Wer ein gutes Konzeptalbum sucht, ist bei Alexei Lubimov - Der Bote (Elegien für Klavier) ECM
sehr gut aufgehoben!

Lubimov scheint eine Schwäche für Konzeptalben zu haben. Ich besitze „Messe Noire“ – Werke von Strawinskij, Schostakowitsch, Prokofjew und Skriabin. Auch sehr gut!

Gruß, Cosima
nikolaus (25.05.2006, 12:14):
Original von Cosima
Original von ab
(Wer ein gutes Konzeptalbum sucht, ist bei Alexei Lubimov - Der Bote (Elegien für Klavier) ECM
sehr gut aufgehoben!

Lubimov scheint eine Schwäche für Konzeptalben zu haben. Ich besitze „Messe Noire“ – Werke von Strawinskij, Schostakowitsch, Prokofjew und Skriabin. Auch sehr gut!

Gruß, Cosima

Auch gut: Juan José Chuquisengo, Ragna Schirmer!

Gruß, Nikolaus.
Heike (20.11.2012, 00:29):
19.11.12 Konzerthaus Berlin
VALÉRY AFANASSIEV Klavier

Schubert:
Drei Klavierstücke D 946
Sonate B-Dur D 960

Das ist das erste Mal, dass ich diesen Pianisten live gehört habe, und ich weiß wirklich nicht so richtig, ob mir das gefällt. Quasi schwankte ich heute ständig zwischen Bewunderung und Grusel hin und her. Es war auf jeden Fall absolut nicht langweilig und ich würde ihn auch gern wiederhören.

Sein Spiel war mit Sicherheit höchst eigensinnig und originell. Er spielte sehr interessante Tempi, gestaltete harmonisch mitunter fesselnd sensibel. Den langsamen Satz der Sonate machte er atemberaubend spannend. Auch in den Klavierstücken gab es himmlisch schöne Arabesken und berührend erzählte Passagen. Andererseits waren viele Fehler drin; manches betonte er überdramatisch schroff, manche Pause war komisch lang, mancher Bass hatte mir zuviel Gewicht. Auch der Klang war für mich mitunter eintönig. Im Kopfsatz der Sonate hatte ich Angst, dass er den Faden verliert. Aber dann nahm er mich wieder mit den anderen 3 Sätzen gefangen .... Sehr kryptisch, aber allemal interessanter als vieles, was ich mit Schubert schon gehört habe.

Leider war der Saal nur ein Drittel voll.
Heike