Van Cliburn - Kontrahent oder Freund von Glenn Gould?

Cantus Arcticus (31.05.2011, 20:22):
Waren van Cliburn und Glenn Gould Kontrahenten oder Freunde?
Diese Frage hat mich beschäftigt und ich bin fündig geworden zumindest in einem Buch, dass das Leben Glenn Goulds biographisch darstellt:

Kevin Bazzana
Glenn Gould - Die Biographie
Schott Verlag, 2006

Der Versuch eines Steckbriefes zu Van Cliburn, der - im Gegensatz zu Glenn Gould - nicht soviel beschrieben worden ist:

Van Cliburn
geboren am 12.7.1934 in Shreveport, Louisiana

1951 - 1954: Studium bei Rosina Lhévinne an der Juilliard School of Music in New York.

1954: Er gibt sein erstes Konzert mit den New Yorker Philharmonikern

1958: Van Cliburn gewinnt 23-jährig den Tschaikowsky-Preis in Moskau und erregt damit internationales Aufsehen. Sein Konzert mit Tschaikowskys 1. Klavierkonzert sowie Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert mit dem Moskauer Radio-Symphonie Orchester unter der Leitung von Kiril P. Kondrashin führte zu Begeisterungsstürmen im Publikum. Fortan nennen ihn die Russen liebevoll "Vanyúsha" oder "Ványtchka".

1978: Van Cliburn zieht sich - nach erfolglosen Versuchen als Dirigent - aus dem Konzertleben zurück.

1987: Im Dezember spielt er anlässlich eines "Dinner at the White House" zu Ehren Michail Gorbatschows wieder öffentlich und konzertiert danach in loser Folge.

Inzwischen hat er sich vollkommen aus dem Musikbetrieb zurückgezogen.

Van Cliburn ist Träger der Freiheitsmedaille, der höchsten zivilen Auszeichung, die von den Vereinigten Staaten von Amerika verliehen wird. 2003 erhielt er diese Auszeichung von George W. Bush.

Kevin Bazzana schreibt in seiner Biographie zu Glenn Gould und seiner Zeit in London über dessen Freundschaft zu Cliburn:

a)
: "...Er (Gould) traf sich auch mit anderen Freunden, wie etwa Van Cliburn, den er den "Troubadour aus Texas" getauft hatte. (Cliburn war Gould sehr zugetan)...

Ein weiteres Detail ist sehr aufschlussreich:

b)
:
"...Aus einem Brief aus dem Jahr 1959 von *Applebaum an Walter Homburger geht hervor, das Gould für 1960 ein Konzert im "Duett mit Van Cliburn" vorgeschlagen hatte, doch dazu kam es nicht. Später sprach er Cliburn eine unbefristet geltende Einladung für ein Konzert in Stratford aus - >> je verrückter, desto besser>>....

Meine Conclusio daraus:
Van Cliburn und Glenn Gould verband eine Freundschaft, die geprägt war von gegenseitiger Akzeptanz des musikalischen Könnens und des Menschen. Beides sind aussergewöhnliche Persönlichkeiten, die durch ihre Aussergewöhnlichkeit in gewisser Hinsicht zu Schicksalsgefährten wurden. Die Meilensteine, die sie mit ihren Interpretationen grosser Werke gesetzt haben sind auch heute noch gültig und dürfen als Referenzen angesehen werden.

Legende:
*Louis Applebaum - Kanadischer Komponist, veranstaltete für die Saison 1953 des Stratford Festivals eine Reihe einstündiger Nachmittagskonzerte.

Walter Homburger - Glenn Goulds Manager

Quellennachweise:
a) siehe oben, Seite 157
b) siehe oben, Seite 173, Fussnote

Viele Grüsse :hello
Stefan
Rachmaninov (22.10.2011, 11:05):
Original von Cantus Arcticus
Waren van Cliburn und Glenn Gould Kontrahenten oder Freunde?
Diese Frage hat mich beschäftigt und ich bin fündig geworden zumindest in einem Buch, dass das Leben Glenn Goulds biographisch darstellt:


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