Wooster (15.02.2010, 18:10): Aus dem Bruckner-9-Thread:
(Original von Agravain): Original von Cetay "...angesichts der Tatsache wieviel ungehörte gute Musik es da draussen sonst noch gibt."
Das bringt mich im Übrigen auf eine Sache, die mich schon seit längerem beschäftigt und die ich schon fast zum Anlass genommen hätte, einen eignen Faden zu eröffnen. Die mich zunehmend quälende Frage ist nämlich: Gibt es tatsächlich so viel unerhörte Musik da darußen? Ich erlebe an mir selbst zunehmend das folgende Phänomen: Je mehr Musik ich kenne und kennen lerne, desto kleiner wird das Repertoire an Musik, die mir das Gefühl vermittelt, gut zu sein. Seltsam, gell?
Ich frage mich das auch wieder mal, nicht zuletzt aus Platz- und Zeitgründen?
Sollte man anstatt der 5. (3.? 10.?) Interpretation/CD von Bruckners 8. (Beethovens 9./Mahlers 5. usw.) eher kennenlernen (falls noch nicht der Fall):
Bruckners 0.? Die Sinfonie von Hans Rott? eine Sinfonie von Berwald? J. Haydns Sinfonie Nr. 52? eine Sinfonie von Michael Haydn? eine Sinfonie von Krommer? eine Sinfonien von Martinu? eine Sinfonie von Petterson? eine Sinfonie von Onslow? x von y?
Armin70 (15.02.2010, 19:04): Hallo,
früher war ich so eingestellt, dass ich mir von Werken, die mich interessieren, etliche verschiedene Aufnahmen kaufte, weil mich die verschiedenen Interpretationen interessierten.
In letzter Zeit bin ich aber davon abgekommen, weil ich mir von den verschiedenen Aufnahmen eines Werkes doch nur noch die anhöre, die mich wirklich interessieren und die anderen verstauben im CD-Regal vor sich hin.
Dann gebe ich mein Geld jetzt lieber für Aufnahmen mit Werken/Komponisten aus, die ich entweder noch gar nicht oder nur unzureichend kenne und die mich interessieren.
Dazu gehörten für mich in letzter Zeit z. B. Orchesterwerke von Villa-Lobos oder die Opern von Janacek.
Das finde ich wesentlich spannender als mir die x. Aufnahme einer Brahms- oder Mahler-Sinfonie zu kaufen.
Gruß Armin
Gerion (15.02.2010, 19:22): Bei mir ist es derzeit "ein bisschen von Beidem": Bei den sinfonischen Hauptwerken, die naturgemäß auch mich sehr interessieren (z.B. die Sinfonien Beethovens oder Mahlers), bin auch ich ein Vergleichshörer. Bei Opern versuche ich derzeit noch, das Standardrepertoire durch jeweils eine repräsentative Aufnahme kennenzulernen (Ausnahme: Don Carlos, da sind es nun doch schon vier).
Anders ist es in der Kammermusik, wo ich meinen Hörschwerpunkt bilde und bilden möchte: Hier gehe ich dediziert in die Breite und in die Tiefe. Die Hauptwerke brauche ich da einfach zwingend in verschiedensten Aufnahmen. Daneben versuche ich, mir auch Entlegeneres (zum absolut Entlegenen werde ich sicher noch vorstoßen) zuzulegen, z.B. Streichquartette von Adorno über Dittersdorf über Gould bis Onslow und Toch. Das ist für mich schon die extreme "Breite", für andere mag das noch Standardrepertoire sein.
Generell halte ich es so: Klassik ist für mich ein Hobby. Deshalb zwinge ich mich hier nicht in enge Grenzen. Ich entdecke, staune und erlebe täglich neu. Das kann ein Tiefenerlebnis i.S. einer neuen, anderen Lesart eines schon bekannten Werkes sein, oder ein Aha-Erlebnis durch neue Werke aus für mich bis dato entlegenen Ecken. Im Bereich meiner Arbeit, d.h. meines wissenschaftlichen Arbeitens in der Juristerei ist es da schon anders: Hier bin ich gezwungen, in meinem Forschungsbereich in die Tiefe zu gehen; aus Zeitgründen erlaube ich mir hier nur wenige Nebenschauplätze.
Grüße Gerion
PS: Das Platzargument ist für mich keines. Ob ich nun Platz für die x-te Einspielung von Y oder eine CD mit neuen Werken brauche, ist doch einerlei?
cellodil (15.02.2010, 19:57): :hello Ihr Lieben,
schwierige Frage, finde ich.
Im Moment neige ich eher dazu, mir Aufnahmen von Werken zu kaufen, die ich noch nicht in verschiedenen Versionen im CD-Regal stehen habe. Das liegt ein wenig daran, dass mich gerade auch nach anderer Musik gelüstet als bisher, dass ich neben meinem "Standardrepertoire" ein bisschen Abwechslung brauche, dass sich da vielleicht ein bisschen was verschiebt oder verschoben hat. Nicht der Schwerpunkt, aber das Drumherum.
Auf der anderen Seite merke ich bei den Werken, die ich in mehreren Einspielungen habe, dass ich doch auch immer mal wieder auf die wenig gehörten Einspielungen zurückgreife, die mir anfänglich doch nicht so gefallen hat, die aber mit einigem Zeitabstand vielleicht doch etwas hat, dem ich etwas abgewinnen kann. Bei manchen Werken ist es allerdings auch so, dass ich, wenn ich mal "meine" Version gefunden habe, die anderen eigentlich mehr oder weniger entsorgen könnte.
Bleibt wohl ein ewiges Dilemma.
Seufz! und liebe Grüße
Sabine
Heike (15.02.2010, 21:21): Ich kaufe vor allem in meinen Lieblingsgebieten Klavier und Kammermusik diverse Aufnahmen eines Werkes. Es fasziniert mich ungemein und ich liebe auch (fast) alle meine Aufnahmen; und ja, die kommen auch alle immer mal wieder in den Player (also nicht nur der Favorit).
Ansonsten bin ich viel zu neugierig auf das alles, was es da noch ungehörtes gibt. Aber ich brauche bei mir unbekanntem Repertoire oft eine Anregung von außen: - eine ausführliche Rezension, die mich neugierig macht, - ein Stück im Radio, was mir gefiel und wo ich den Rest kennen lernen will, - ein live-Erlebnis oder auch - ein begeisterter und begeisternder Forumsbeitrag über eine CD oder Opern-DVD.
Auf diese Weise habe ich schon richtig gute Musik kennengelernt, die mir vermutlich sonst nie begegnet wäre.
Ich erlebe an mir selbst zunehmend das folgende Phänomen: Je mehr Musik ich kenne und kennen lerne, desto kleiner wird das Repertoire an Musik, die mir das Gefühl vermittelt, gut zu sein. Das kann ich für mich nicht bestätigen. Zwar festigen sich meine Vorlieben immer mehr, aber ich entdecke immer wieder so viel schöne Sachen, von denen ich vor Jahren nicht mal eine Ahnung hatte!
Aber vielleicht ist das ja nur ein Durchgangsstadium und das andere kommt noch - ich hoffe es aber nicht!!!!
Heike
Agravain (15.02.2010, 21:42): Jatzt, wo ich diesem Thread gefunden habe, kopiere ich das mal aus dem Bruckner 8 (nicht 9 :D) -Thread:
Original von Agravain Original von Cantus Arcticus Es gibt in der Tat so manches, was noch mehr gehört werden will.
Ist das wirklich so? Wie geht das, dass "so manches gehört werden will"? Wer ist da der/die/das Wollende? Bin ich das? Ist es der - sagen wir es einmal lax - "Gruppenzwang"? Was will ich mit meinem Hören? Will ich sagen können "Ich kenne dies, ich kenne das"? Will ich mich dem Kern der Musik zu nähern? Geht das überhaupt? Braucht man dazu Schlüsselerlebnisse? Schlüsselwerke? Wie definiert sich ein "Schlüsselwerk"? Muss man weiter suchen, wenn man gefunden hat? Sehr schwere Fragen.
Interessant auch Eure Antworten, wobei meines eher ein philosophisches, ja vielleicht ein bisschen ein esoterische Problem sein mag, wie es meine Fragen oben ja eventuell andeuten. Im Moment lese ich hier viel von Bildung, von dem Wunsch unzureichend Bekanntes kennenzulernen (wobei ich mich immer frage, wer das Unzureichend eigentlich setzt) von Erarbeitung eines Repertoires. Das ist aber nicht das, was mich beschäftigt.
Bitte versteht mich nicht falsch, aber die Neugier auf Neuentdeckungen fehlt mir nicht. Ich bin sogar recht wissensdurstig. :D Es ist lediglich so, dass mir mit der stetig wachsenden Größe der Musik die ich kenne, immer weniger gut vorkommt, immer weniger die Potenz hat, mir Türen zum Wesentlichen hin zu öffnen. Vieles, was ich neu höre ist schön, ja interessant, aber es fehlt oft eine Tiefendimension, so ein Phänomen, wie es Rilke in seinem berühmten Liebes-Lied beschreibt.
Wenn ich das lese, sehe ich, dass ich den ganzen Tag Prüfungen abgenommen habe und mich gleichsam nur noch schwurbelnd ausdrücken kann. Aber vielleicht kommen ja Antworten/Anregungen auf meine obigen Fragen hin.
Viele Grüße :hello
Heike (15.02.2010, 21:56): Im Moment lese ich hier viel von Bildung, von dem Wunsch unzureichend Bekanntes kennenzulernen Für mich ist es nicht der Wunsch nach Bildung. Es ist einfach pure Neugier, die spontan entsteht und der ich mich schwer entziehen kann. Ähnlich wie das, wenn ich in einem fremden Land bin und jemand sagt "das musst du unbedingt kosten" und beschreibt mir schwärmend den Geschmack von etwas, was ich bisher nicht kenne. Oder jemand reicht mir ein winziges Häppchen und ich will mehr (analog zur Hörprobe) . Also ich empfinde es eher lustgesteuert, und zwar oft auf äußere Reize hin. Heike
Armin70 (15.02.2010, 23:04): Original von Agravain Ist das wirklich so? Wie geht das, dass "so manches gehört werden will"? Wer ist da der/die/das Wollende? Bin ich das? Ist es der - sagen wir es einmal lax - "Gruppenzwang"? Was will ich mit meinem Hören? Will ich sagen können "Ich kenne dies, ich kenne das"? Will ich mich dem Kern der Musik zu nähern? Geht das überhaupt? Braucht man dazu Schlüsselerlebnisse? Schlüsselwerke? Wie definiert sich ein "Schlüsselwerk"? Muss man weiter suchen, wenn man gefunden hat? Sehr schwere Fragen.
Schwere und meiner Meinung viel zu viele Fragen. Warum muss man sich so einen Kopf machen ? Schliesslich finde ich, dass Musik eine sehr emotionale Angelegenheit ist und wenn ich mir jedesmal Gedanken über das "wieso, weshalb, warum" mache, würde ich die Lust und den Spass am Musikhören verlieren. Diese Überlegungen und Herangehensweisen sind mir ehrlichgesagt zu abgehoben und theoretisch und dabei würde ich die Lust und den Spass an der Musik verlieren.
Wooster (15.02.2010, 23:07): Irgendwie habe ich die Eröffnung aus Versehen zu früh abgeschickt; ich habe anschließend eine längere Fassung getippt, die aber verloren oder nicht angekommen ist. Egal, das Wesentliche steht drin, wobei vielleicht hinzuzufügen wäre, dass die aufgezählten Stücke exemplarisch gemeint sind.
Ebenso ist die Frage nicht provokant gemeint, sondern offen. Ich bin mir selbst alles andere als sicher, welche Gewichtung man hier vornehmen sollte. Obwohl ich von manchen Werken sehr viele Versionen angehäuft habe, tendiere ich doch eher dazu, dass man mehr Musik kennenlernen sollte als Interpretationen. (Ich halte es auch für fragwürdig, dass man ein Stück notwendig besser kennenlernt, wenn man mehr Interpretationen gehört hat.)
Und ich finde es schon etwas verwunderlich, dass man von Internetforen (auch wenn es hier viele Verteidiger wenig bekannter Musik gibt), den Eindruck erhält, dass es Hörer gibt, die eine zweistellige Anzahl von Beethovenzyklen im Regal stehen haben, aber bei denen man nicht sicher ist, ob sie zB Monteverdis Marienvesper, Haydns op.33, die Davidsbündlertänze oder Bergs Lyrische Suite überhaupt jemals gehört haben. Mit endlicher Zeit und Muße muss man auswählen, daher ist es schon sinnvoll, sich Gedanken darüber zu machen, auch wenn jeder selbst entscheiden kann, wo und wie er die Schwerpunkte legt.
"Schlüsselwerk" verstehe ich nicht auf einer persönlichen, sondern auf einer historisch-systematischen Ebene: z.B.: "L'histoire du Soldat" ist ein Schlüsselwerk der Moderne.
Ich habe schon den Eindruck, dass man mehr "verpasst", wenn man Rotts Sinfonie nicht gehört hat als wenn man zB Furtwänglers Bruckner nicht kennt. Obwohl man fraglos auch dann etwas verpasst.
Wooster
Fairy Queen (16.02.2010, 05:52): Lieber Wooster, mir ist ein historisch-systhematischer Anspruch ehrlich gesagt schnurzegal. Wenn ich 10 Versionen vom Liederkreis39 von Schumann habe und keine einzige Beethoven-Symphonie- na und? Und ich habe 15 mal die "Nuits d'éte" von Berlioz, aber" L'histoire du soldat" kenne ich nur dem Namen nach. Und von Wagners Opern hab ich nur das, was mir Andere geschenkt haben und das ist gemessen am Bildungskanon ein Witz.... Bin ich nun total ignorant und ungebildet? Ich höre bzw kaufe das, was mich interessiert und dieses Interesse hat zwar einen festen Schwerpunkt, nämlich Gesang und Kammermusik, aber erweitert und verändert sich im Laufe des Lebens kontinuierlich. Nicht zuletzt auch durch Internetforen und engagierte Beitrâge anderer Musikiebhaber, die mich neugierig machen und mich ahnen lassen, dass das oder das mal etwas für mich sein könnte. Aber gewiss nciht nur Hinweise, dass das oder das aber zum Kanon gehört, und unbedingt von mir gehört werden muss. Reines Lustprinzip. Schlimm gell? :wink
Agravain (16.02.2010, 06:42): Original von Armin70 Warum muss man sich so einen Kopf machen ?
Man muss nicht. :D
Diese Überlegungen und Herangehensweisen sind mir ehrlichgesagt zu abgehoben und theoretisch und dabei würde ich die Lust und den Spass an der Musik verlieren.
Kann ich verstehen. Allerdings kann auch Grübeln Spaß machen. :D Ich beispielsweise fände meine Begegnung mit Musik zu wenig ergiebig, wenn ich sie ausschließlich emotional hören würde. Das ist zwar eine vollkommen legitime Sache (ich gehe z.B. oft so an bildende Kunst heran), aber manchmal habe ich eben gerade Lust, dem "wieso, weshalb, warum" meiner Rezeption von Kunst nachzugrübeln.
:hello
Agravain (16.02.2010, 06:46): Original von Wooster Ebenso ist die Frage nicht provokant gemeint, sondern offen. Ich bin mir selbst alles andere als sicher, welche Gewichtung man hier vornehmen sollte.
Same here.
(Ich halte es auch für fragwürdig, dass man ein Stück notwendig besser kennenlernt, wenn man mehr Interpretationen gehört hat.)
Warum?
Ich habe schon den Eindruck, dass man mehr "verpasst", wenn man Rotts Sinfonie nicht gehört hat als wenn man zB Furtwänglers Bruckner nicht kennt.
Was was genau verpast man denn? Und warum muss man es ggf. erlebt/gehört haben?
:hello
Armin70 (16.02.2010, 07:34): Original von Agravain
Ich beispielsweise fände meine Begegnung mit Musik zu wenig ergiebig, wenn ich sie ausschließlich emotional hören würde. Das ist zwar eine vollkommen legitime Sache (ich gehe z.B. oft so an bildende Kunst heran), aber manchmal habe ich eben gerade Lust, dem "wieso, weshalb, warum" meiner Rezeption von Kunst nachzugrübeln.
Keine Sorge, ich höre Musik auch nicht nur ausschliesslich auf der emotionalen Schiene und ich versuche gelegentlich auch, die Musik tiefer zu ergründen. Letztlich gelingt mir das aber dann doch nur, wenn mich die Musik eben "packt" und wenn das nicht der Fall ist, kann ich noch so sehr über die Musik grübeln und ich sitze da und frage mich dann nach dem Motto "was will der Komponist/Künstler" mir damit sagen.
Meine Meinung ist: Müssen muss man nichts. Jeder soll das hören, was gefällt und wenn der eine z. B. ohne Beethovens Sinfonien und die andere ohne Schuberts Lieder glücklich und zufrieden ist, dann ist doch alles in bester Ordnung oder ist nur der ein "guter" Klassikhörer, der möglichst einen breitgefächerten und allumfassenden Musikgeschmack hat ? Ich hoffe doch nicht.
Vielleicht ist es so, dass wenn man eine bestimmte Musik, ein bestimmtes Werk oder allgemein einen bestimmten Komponisten sehr mag und merkt, dass man damit evtl. allein auf weiter Flur steht, dass man dann wenig Verständnis gegenüber den anderen hat und denkt, die verpassen dann was.
Wer weiss, was ich bis jetzt für Musik noch nicht kenne und somit verpasst habe. Vielleicht ist es bei der ein oder anderen Musik schade aber was ich nicht kenne kann ich auch nicht vermissen.
Letztlich überwiegt bei mir wie bei Fairy Queen das Lustprinzip beim Musikhören.
Jürgen (16.02.2010, 10:30): Wenn ich meine Neuerwerbungen im letzten Jahr analysiere, komme ich zu dem Schluss, dass ich sowohl Vielfalt als auch Konzentration betreibe.
Einerseits eroberte ich mir das Neuland der Alten Musik und konzentrierte mich dann darauf: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41XUnU-JtyL._SL160_AA115_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51AjCbmyIbL._SL160_AA115_.jpg In diesen beiden Boxen stecken immerhin 25 CDs, die ich auch regelmäßig höre.
Andererseits bemühe ich mich um Vielfalt in meiner Bach-Sammlung. http://ecx.images-amazon.com/images/I/51aIRHlZASL._SL160_AA115_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51uhfJ2Lf2L._SL160_AA115_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/61wzzyxSexL._SL160_AA115_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/41U68aasSEL._SL160_AA115_.jpg
Horizonterweiterungen, wie Alfvén, Martinu, Albéniz, Gabrieli haben sich nur bedingt gelohnt. Landen die ersten beiden kaum noch im Player, höre ich Albéniz und Gabrieli öfters.
Bei Wagner bin ich ohnehin schon breit aufgestellt. Und da Früher alles besser war, gibt es hier kaum noch Neuzugänge.
Bei Mahler (ein weiteres Standbein) spielt m.E. die Tonqualität eine sehr große Rolle, weswegen Neuerscheinungen durchaus interessant sein können. Jedoch gebe ich grundsätzlich nicht mehr als 10€ pro CD aus (wie man oben sieht) und kann warten, bis die entsprechenden Aufnahmen in dieses Preissegment rutschen, oder ich sie ausleihen kann.
Fast alle Neuzugänge basieren übrigens auf Diskussionen oder Erwähnung in diesem oder einem befreundetem Forum. :thanks
Grüße Jürgen
Cetay (inaktiv) (21.02.2010, 16:21): Darauf gibt es eine klare Antwort: entweder oder sowohl als auch. Oder kürzer: egal! Das liegt daran, dass die Natur der Musikgattungen fraktal ist. Zuerst ist aber zu klären, was eigentlich Vielfalt in der Musik ausmacht. Da gibt es so viele Dimensionen: die offenhörbaren Dinge, wie Vielfalt der Klangfarben, der Harmonie und des Rhythmus. Und die unterschiedlichsten Wirkungen auf Ratio, Herz (Heiterkeit, Mut, Trost, Glaube) und Körper (Energie, Entspannung). Dann innenliegende Attribute wie Leichte, Strahlkraft, Ernst, Tragik, Schwere, Innigkeit, Sanftheit, Härte. Ganz abgesehen von den Dingen hinter der Musik, wie Erkenntnis und Offenbarung.
Auf den ersten Blick erscheint es logisch, dass die Vielfalt über die gesamten Musikgattungen (Jazz/Weltmusik, Elektro/Tech, Rock/Folk, Klassik, ...) hinweg größer ist, als die Vielfalt innerhalb einer Gattung. Das gilt jedoch nur, solange man nicht genauer hinschaut. Sobald man in eine Gattung oder einen Stil tiefer eindringt, findet man dort alle Dimensionen der Vielfalt in allen Facetten wieder - und zwar in jeder Gattung.* Ob man das ganze Musikspektrum betrachtet oder nur einen Teilausschnitt davon, macht daher keinen Unterschied. Lediglich die Extreme der Vielfalt rücken vielleicht etwas nach aussen, wenn man ein sehr breites Hörrepertoire hat. Dafür fehlen dann die nuancierten Abstufungen dazwischen. Im ersten Fall hat man einen Meterstab im Blick und sieht die Zentimetereinteilung, im zweiten Fall rückt man so nahe heran, dass man nur noch 10cm übersieht, erkennt jetzt aber die Millimeterskala. Das Bild, das man sieht, ist in beiden Fällen das gleiche. Es macht letzlich keinen Unterschied, ob ich z.B. das Spektrum zwischen "diabolisch" und "göttlich" zwischen verschiedenen Interpetationen von Bruckners Achten finde oder zwischen der h-moll Messe und Transilvanian Hunger.
Ich selbst halte es so, dass ich in wenigen Spezialgebieten, die breit über das gesamte Spektrum der Musik gestreut sind, in die Tiefe gehe (und bin immer wieder erstaunt, wie tief es geht und was man im Untergrund alles finden kann). Da bleibt naturgemäß keine Zeit, 250 Hauptwerke der Klassik gut kennenzulernen und von jedem 20 und mehr Interpretationen zu hören. Das muss sich dann auf eine oder zwei Hand voll Werke beschränken. Aber das ist egal... :engel
* Der Glaube, dass die eigene bevorzugte Gattung die vielfältigste ist, rührt lediglich von der Unkenntnis der anderen her. Nach einem Jahr Musikaustreibericht mit der Abschiedssinfonie, der Kleinen Nachtmusik, Dvoraks 9. und Ma Vlast weiß meine Tochter, dass das alles das Gleiche ist und beharrt darauf, dass Chart-Musik abwechslungsreicher sei. Deshalb beschäftigt sie sich nicht weiter mit der Klassik und wird somit nie wissen, wie groß das Spektrum wirklich ist. Viele von uns sind kaum in einer anderen Position, wenn sie über "Pop"-Musik (ab-)urteilen, oder?
Heike (21.02.2010, 18:34): Hallo, Im ersten Fall hat man einen Meterstab im Blick und sieht die Zentimetereinteilung, im zweiten Fall rückt man so nahe heran, dass man nur noch 10cm übersieht, erkennt jetzt aber die Millimeterskala.
Schöner Vergleich! Ehrlich gesagt, am liebsten würde ich ja den ganzen Meter von Anfang bis Ende nach und nach millimeterweise bis ins kleinste Nanopartikelchen untersuchen, aber das ist höchstwahrscheinlich zu viel für das bißchen Freizeit ?( Heike