Violinenkonzerte des 20. Jahrhunderts

Rachmaninov (22.04.2006, 13:51):
Nicht vergessen sollte man auch das VK von Dmitri Kabalevsky. Ähnlich wie das Khachaturian VK packend und sehr energie geladen. Mit "typisch russischer Melodik"!

IMO absolut hörenswert !
Holger S. (26.04.2006, 13:21):
Hallo,

aus der Sowjetunion gibt es in der Tat eine ganze Menge interessanter Violinkonzerte. Die von Kabalewski und Chatschaturjan wurden ja schon genannt. Hier sind noch einige "exotische" Empfehlungen:

- Das Violinkonzert "Armenia-88" von Alexander Arutjunjan (* 1920). Das Werk für Violine und Streichorchester wurde 1988 unter dem Eindruck eines schweren Erdbebens komponiert. Es gehört dem Neoklassizismus an, barocke Wendungen spielen eine wichtige Rolle, manches ist aber auch eher romantisch angehaucht. Auch armenisches Nationalkolorit spielt eine Rolle. Das Werk bezieht sich nicht insofern auf das Erdbeben, als dass es dieses musikalisch nachstellen wollte. Charakteristisch ist vielmehr (besonders in den zwei langsamen Sätzen) eine Art würdevolle Trauer. Die schnellen Sätze (2 und 4) haben dagegen eher Scherzo-Charakter.

- Die zwei Violinkonzerte und die Drei Stücke für Violine und Orchester von Tichon Chrennikow (* 1913). Chrennikow gehört ja auf Grund seiner politischen Tätigkeit zu den hierzulande verpönten Komponisten. Mich stört dies nicht im Geringsten, ich habe einige Werke von ihm (3 Sinfonien, 3 Klavierkonzerte, 2 Violinkonzerte, 2 Cellokonzerte, 3 Ballette) und mir gefällt seine Musik sehr. Er kann vielleicht mit Kabalewski verglichen werden, verwendet aber eine etwas schärfere Harmonik und hat einen Hang zu großem Pathos. Seine Werke für Violine und Orchester sind insgesamt sonnig und vital, in den langsamen Sätzen sehr melodisch und ausdrucksvoll. Die schnellen Außensätze sind rasend virtuos.

- Das Violinkonzert e-moll (1951) vom Letten Janis Ivanovs (1906-1983). Ivanovs hat eine sehr wechselhafte stilistische Entwicklung durchlebt, man könnte sein Schaffen in immerhin 5 verschiedene Perioden einteilen. Das Violinkonzert stammt aus der Zeit, in der er den Ästhetik des Sozialistischen Realismus Folge leistete. Trotz der Moll-Tonart ist das Stück ein helles, optimistisches Werk voller einprägsamer (folkloristisch geprägter) Melodien. Ganz tolles Stück, derzeit leider nicht auf CD erhältlich.

- Auch Nikolai Mjaskowski (1881-1950) hat ein Violinkonzert komponiert. Mjaskowski ist leider immer noch ein wenig beachteter Komponist, wird teilweise wegen seiner 27 Sinfonien als Vielschreiber beschimpft. Ich schätze seinen tendenziell elegischen, sehr "russischen" Tonfall sehr.

- Sehr interessant auch die 2 Violinkonzerte von Nikolai Rakow (1908-1990). Das erste Violinkonzert wurde mal auf einer Olympia CD veröffentlicht (mit Andrew Hardy). Das zweite gibt oder gab es bloß auf Schallplatte. Beim ersten ziehe ich aber auch die Plattenaufnahme vor, auf der Oleg Kagan das Werk unter Leitung des Komponisten spielt. Diese Interpretation ist viel intensiver und packender. Rakow ist fast noch der russischen Romantik zuzurechnen, einer der konservativsten Komponisten, die ich kenne. Die Melodik ist aber sehr einprägsam, die Orchestration höchst klangvoll.

- Das Violinkonzert Nr.1 f-moll (1976) vom georgischen Komponisten Otar Taktakischwili (1924-1989). Wiederum nur auf Platte veröffentlicht - leider. Dieses Konzert ist wirklich exzellent. Der georgische Tonfall ist evident in diesem sehr konzentrierten, elegischen Werk. Das müsste wirklich dringend auf CD veröffentlich werden.

Auch außerhalb Russlands gibt es im 20. Jahrhundert tolle Stücke. Als Beispiel seien nur die 2 Konzerte für Hardanger-Fidel des Norwegers Geirr Tveitt (1908-1981) genannt. Tveitts Musik ist ungeheuer schön und urwüchsig, über ein Werk hat er mal gesagt, es solle klingen wie ein klarer norwegischer Gebirgsbach - dies könnte man über sein gesamtes Schaffen sagen. Gerade ist bei Naxos das Violinkonzert des Schweden Bo Linde (1933-1970) erschienen - ein sehr lyrisches, romantisches Stück Musik. Ich kenne jemanden, der sich ausschließlich für Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts interessiert. Ich glaube, er hat 2000 verschiedene Werke oder so. Es gibt da sicher eine ganze Menge zu entdecken.

Viele Grüße
Holger
Cosima (26.04.2006, 16:42):
Hallo Holger,

sehr interessanter Beitrag! Ich habe ja bereits gelesen, dass Du Dich besonders für russische Musik interessierst. Diese Vorliebe teile ich, wenn ich auch bislang außerhalb der gängigen Sachen wenig Erfahrung auf dem Gebiet habe. Eine entsprechende Auflistung und Vorstellung von Klavierkonzerten russischer Komponisten fände ich toll. Fällt Dir dazu etwas ein? Es dürfen ruhig sog. Exoten sein. Ein eigener Thread wäre sinnvoll, vielleicht in Anlehnung an diesen etwa überschrieben mit „Klavierkonzerte des 20. Jahrhunderts“. Es dürften natürlich auch nicht-russische Komponisten genannt werden. Da ich momentan noch recht wenig beizutragen hätte, würde ich eine Threaderöffnung gerne einer kompetenteren Person überlassen.

Gruß, Cosima
Holger S. (26.04.2006, 17:09):
Hallo Cosima,

schön, dass dich auch die russische Musik interessiert. Da gibt es wirklich Unmengen zu entdecken. Was die Klavierkonzerte betrifft, bin ich gerne bereit, ein Thema hierzu zu verfassen. Ich werde mich gleich mal in meine Sammlung vertiefen und schauen, was man präsentieren könnte.

Viele Grüße
Holger
martin (26.04.2006, 17:48):
Original von Holger S.

- Auch Nikolai Mjaskowski (1881-1950) hat ein Violinkonzert komponiert. Mjaskowski ist leider immer noch ein wenig beachteter Komponist, wird teilweise wegen seiner 27 Sinfonien als Vielschreiber beschimpft. Ich schätze seinen tendenziell elegischen, sehr "russischen" Tonfall sehr.



Das ist leider auch der einzige Komponist, den ich von all den von Dir genannten kennte. Ich denke auch, daß er, wenn Du ihn "wenig beachtet" nennst, insofern ein falscher Eindruck entsteht, als ich doch glaube, daß er von all den von Dir genannten doch wohl der beachtetste ist. In Klassikforen begegnet Dir der Name immer wieder.

Ich kenne auch sein Violinkonzert. Ich glaube, es hat schöne Momente, kam mir aber sehr weitschweifig vor. Was ich von seinen Sinfonien kenne, gefällt mir teilweise ganz gut, anderes schon weniger. Es wird hier sicher auch noch mal eine Mjaskowski-Thread geben. Es besteht nur die Möglichkeit, daß wir in diesem neuen Forum durch zuviele neue Threads, die ja auf der Hand liegen, tausend Sachen anreißen und zu keiner vernünftig kommen.

Wie siehst Du das Violinkonzert von Mjaskowski? Sollte ich noch mal rein hören?
Holger S. (26.04.2006, 18:38):
Original von martinIch denke auch, daß er, wenn Du ihn "wenig beachtet" nennst, insofern ein falscher Eindruck entsteht, als ich doch glaube, daß er von all den von Dir genannten doch wohl der beachtetste ist. In Klassikforen begegnet Dir der Name immer wieder.

Wie siehst Du das Violinkonzert von Mjaskowski? Sollte ich noch mal rein hören?

Hallo Martin,

das soll wohl sein, dass er von den genannten Komponisten noch der bekannteste ist. Zu wenig beachtet bezog sich eher auf seine tatsächliche Bedeutung (denn meiner Meinung nach zählt er zu den wichtigsten sowjetischen Komponisten) und sollte keinen Vergleich zu den anderen erwähnten Komponisten darstellen. Ich weiß aber, dass er immer kontrovers diskutiert wird. Offenbar ist seine Musik wirklich Geschmackssache... Sein Violinkonzert ist meiner Meinung nach lohnenswert. Oistrach schwärmte nach eigener Aussage für dieses Werk, nachdem er die Noten erhalten hatte, spielte er, wie er berichtete, eine Zeit lang nichts anderes. Sicherlich stellt es auch den eher akademischen Musikzugang Mjaskowskis dar. Mag schon sein, dass dir der erste Satz langschweifig erscheint. Entweder man findet Gefallen an dieser Musik oder nicht... Zu Mjaskowski gibt es wohl keine einheitliche Meinung.

Viele Grüße
Holger
Rachmaninov (27.04.2006, 20:38):
Original von Holger S.
Auch Nikolai Mjaskowski (1881-1950) hat ein Violinkonzert komponiert. Mjaskowski ist leider immer noch ein wenig beachteter Komponist, wird teilweise wegen seiner 27 Sinfonien als Vielschreiber beschimpft. Ich schätze seinen tendenziell elegischen, sehr "russischen" Tonfall sehr.

@Holger,

das Mjaskowski Violinenkonzert gefällt mir ebenfalls sehr gut.
Genau dieser, wie von Dir beschriebene, "russische" Tonfall spricht mich an.

Für mich absolut hörenswert.

Das Konzert kenne ich in der Aufnahme mit Vadim Repin und dem Kirov Orchestra unter Gergiev.

Welche Aufnahme kennst und schätzt Du?

Gruß
Landowski (27.04.2006, 21:00):
Es gibt noch eine uralte Aufnahme mit David Oistrakh (gekoppelt mit dem Violinkonzert von Kachaturian). Die Qualität ist unterirdisch und aus dem 40er (?) Jahren. Wenn man sich allerdings an der rauschigen Aufnahme nicht stört, halte ich sie für besser, da gerade das Miaskovsky Konzert sehr viel lyrischer und akzentuierter gespielt wird.
Wegen der schlechten Aufnahmequalität hatte ich mir damals noch eine neuere Aufnahme mit Feigin gekauft. Nun ja, ich höre weiterhin die Oistrakh-Aufnahme trotz Rauschen..
Rachmaninov (27.04.2006, 21:02):
Original von Landowski
Es gibt noch eine uralte Aufnahme mit David Oistrakh (gekoppelt mit dem Violinkonzert von Kachaturian). Die Qualität ist unterirdisch und aus dem 40er (?) Jahren. Wenn man sich allerdings an der rauschigen Aufnahme nicht stört, halte ich sie für besser, da gerade das Miaskovsky Konzert sehr viel lyrischer und akzentuierter gespielt wird.

Kann mir vorstellen, daß seine starke Tendenz zum Vibrato bei diesem Konzert sehr gut passt!

Wie ich gerade gesehen habe ist eine Aufnahme auf der Brilliant Box von Oistrach. Aufnahme Datum 1.1.1939
Holger S. (28.04.2006, 08:25):
Guten Tag!

Die Aufnahme des Mjaskowski-Konzertes mit Feigin ist mir unbekannt. Aber ich habe die mit Oistrach im Rahmen der Brilliant-Box sowie die mit Repin. Zur Oistrach-Aufnahme: zuerst einmal hat Brilliant hier offensichtlich wieder etwas unsauber recherchiert. Das Violinkonzert erlebte erst am 10. Januar 1939 seine Uraufführung, vermutlich ist die Einspielung also neun Tage später entstanden und ein Live-Mitschnitt der Uraufführung. Oistrachs Interpretation darf man getrost als Referenz ansehen. Mjaskowski hat dieses Konzert für Oistrach geschrieben. Während der Kompositionsphase haben Oistrach und Mjaskowski in einem Briefwechsel die Details genau erörtert. Oistrach spielt das Werk, wie man erwarten kann, mit voller Hingabe und sattem Ton. Freilich ist die Aufnahmequalität nicht überragend. Das mag störend wirken. In diesem Falle kann man auch guten Gewissens zur Repin-Gergijew-Version greifen. Repin betont besonders die lyrischen Aspekte des Konzertes, Oistrachs Version ist energischer. Ich habe auch noch eine Naxos-Aufnahme mit Ilja Grubert an der Violine, die ich mir bisher noch nicht angehört habe (hatte mir die CD in erster Linie wg. des mir unbekannten Weinberg-Konzertes gekauft). Ich müsste die Einspielungen mal im Vergleich anhören... Im Moment habe ich allerdings so viel Neues bei mir herumliegen, dass ich erst mal zusehen will, das alles zu hören.

Viele Grüße
Holger
Engelbert (28.04.2006, 12:53):
Hallo!

In Anlehnung an die vorangegangenen Beiträge habe ich das Violinkonzert aus meinen Beständen hervorgeholt, um es nach etwa zwanzig Jahren Pause wieder einmal zu hören.

Die LP. ist die von EMI technisch betreute Melodia-Einspielung aus dem Jahre 1974 unter dem Moskau-RSO mit Grigori Feigin. Ich finde das Konzert hinreißend. Die Violine singt sich aus und die Seele schwingt mit.
Feigin serviert das Violinkonzert als Schmachtfetzen.

Ob "etwas fehlt" kann ich mangelnder Vergleichsmöglichkeiten nicht beurteilen, würde es auch nicht vermissen. Mit Sicherheit verwenden Oistrach und Feigin eigene Kadenzen.

Die Kopplung mit Ysaye's Ecstasy, op. 21 als Füller ist Moskau PO. Kondraschin, Rosa Fain (Violine) ist eine angenehme Ergänzung.

Engelbert
:engel
Holger S. (28.04.2006, 18:31):
Hallo Engelbert!

Ich habe mal in der Mjaskowski-Biographie von Soja Gulinskaja nachgeschlagen, und diese legt tatsächlich nahe, dass die Kadenz von Mjaskowski selbst geschrieben ist und nicht austauschbar ist. Dort heißt es:

Deshalb lässt der monumentale erste Satz viel Platz für die große Solokadenz, die selbst nach einigen von Oistrach angeregten Kürzungen immer noch recht umfangreich ist und eine virtuose Durchführung aller Themen dieses Satzes darstellt.

Viele Grüße
Holger
Holger S. (03.05.2006, 09:18):
Gestern habe ich ein sehr interessantes Violinkonzert gehört: es handelte sich um das Violinkonzert Nr.2 op.84 aus dem Jahre 1981 von Boris Tischtschenko (Jg. 1939). Das Konzert ist im Untertitel als Violinsinfonie betitelt, und in der Tat hat das Werk sinfonische Dimensionen. Es hat vier Sätze, wobei der erste, zweite und vierte Satz je 14 Minuten, der dritte "nur" 10 Minuten dauern. Insgesamt erreicht das Konzert also eine Spieldauer von stattlichen 52 Minuten! Wie fast immer bei Tischtschenko sind die vier Sätze weitgehend monothematisch aufgebaut. Ein prägnantes Hauptthema wird von von allen möglichen Seiten "beleuchtet". Der erste Satz ist recht ruhig, sein Thema ein kapriziös. Dagegen besticht der zweite Satz durch groteske Wendungen à la Schostakowitsch. Gegen Mitte des Satzes spitzt sich das Geschehen zu, Tischtschenko verwendet wohl aleatorische Stilmittel, Schlagzeugeinlagen. Das Thema wird in dissonante Bruchstücke zerlegt. Dann folgt eine sehr lange Kadenz, die in den höchst energischen und kraftvollen dritten Satz überleitet. Das Finale beginnt im Wechselspiel zwischen Unisoni und Streichern und mit einem majestätischen Thema. Die Violine nimmt dieses auf, die Bewegung steigert sich. Auf dem Höhepunkt spielen die Blechbläser vor einem sehr bewegten Hintergrund das Hauptthema. Danach kehrt wieder Ruhe ein. Mit einem Verweis auf die Thematik des ersten Satzes endet das Konzert friedlich als sei nichts gewesen in C-Dur. Das Violinkonzert ist in seiner musikalischen Sprache typisch für Tischtschenko. Man könnte ihn als konservativen Modernisten bezeichnen. Er verwendet zwar gern moderne Stilmittel wie Serialismus und Aleatorik, geht aber von tonalen Grundlagen aus. Das Hauptthema seines Harfenkonzertes erinnert z.B. an russisches Volksliedgut. Tischtschenko schreibt eigentlich immer höchst interessante Werke. Seine siebte Sinfonie ist bei Naxos erhältlich, auch sehr empfehlenswert. Tischtschenko ist der modernste Komponist, den ich noch gerne höre.

Viele Grüße
Holger
ab (18.05.2006, 22:11):
Natürlich das Alban Berg Konzert - eines meiner Lieblingskonzerte überhaupt - vor allem in der Aufnahme mit Gidon Kremer, Davis und den Münchnern (Philips)!
Engelbert (23.05.2006, 14:35):
Wenn ich spontan erklären sollte, welches mein liebstes Violinkonzert ist, würde ich den Komponisten Tiberiu Fáytol nennen.

Über seine persönlichen Daten weiß ich leider gar nichts und das Plattencover gibt neben rumänischsprachigen Ausführungen nur eine kurze Werkbeschreibung in englisch, mit der ich nun überhaupt nicht einiggehe. Gemäß den Angaben von Frau Popovici schöpft der Komponist aus der Folklore und schließt romantische Nostalgie aus. Das erste halte ich für fragwürdig und das zweite ist nicht zu überhören.

Es geht um das

Concert pentru Vioara si Orchestra
Partea I Andante, molto quieto, Monotonia Nr. 1 Largo
Partea II Allegro (Fuga), Monotonia Nr. 2 Largo
Partea III Allegro Vivace

Tondokument:
Electrocord LP. ST-ECE 02718, Aufnahme 1984
Orchestra simfonic a Filarmonicii din Tîrgu-Mure_
Dirigent: Lóránt Szalman
Solist: ^tefan Câmpan Fátyol

Zeitdauer: etwas über 30 Minuten

:cool

Der Komponist ist der Avantgarde zuzurechnen. Er verzichtet auf Geräuscheffekte, die dem klassischen Orchester fremd sind, schöpft aber hier alle erlaubten Mittel bis zur Neige aus. Man hat das Gefühl, dass der Solist nach jeder Aufführung Geige und Geigenbogen wegwerden kann, so sehr wird das Instrument überstrapaziert. Was Virtuosität und Temperament anbelangt, ist das Violinkonzert – bezogen auf den dritten Satz - kaum zu überbieten. Dazu eine unerschöpfliche Fülle von kompositorischen Einfällen. Der Zuhörer bekommt unausgesetzt etwas neues geboten. Der Faden reißt nicht ab und die Spannung lässt nicht nach. Der zweite Satz ist ein andeutungsweise gefühlvoll angelegt und erlaubt ein bisschen Ausruhen. Die Geige kann sich streckenweise aussingen, ohne vom Orchester gehindert zu werden. Im dritten Part schrillen die Dissonanzen und halten den Zuhörer unter Dampf.

Visuell formuliert: Ein Taifun jagt durch die Kleinstadt, reißt die Lichtmasten aus und die glühenden Drähte peitschen über den Boden. So wirkt das Violinkonzert auf mich.

Engelbert
:engel
Engelbert (24.05.2006, 17:25):
Uuno Klami (1900-1960) Finnischer Komponist

Das Konzert für Violine und Orchester
aus dem Jahre 1942 ist für Finnland das bedeutsamste dieser Gruppe der Ära nach Jean Sibelius.

Es besteht aus 3 Sätzen:

1. Allegro molto moderato
2. Adagio man non troppo
3. Allegro giocosa

Die Aufführungsdauer beträgt etwa ein halbe Stunde.

Tondokument:
FINLANDIA, LP. Nr. FA 334 aus dem Jahr 1981
Orchester: Kouvola City Orchester, Dirigent: Eora Bister, Violine Ilkka Talvi

Die Harmonik ist kühn, aber nicht dissonant. Stimmungsvoll, wenn man es auf die nordische Landschaft bezieht. Teilweise wirkt es ziemlich schroff. Die Anlehnung an das Sibeliuskonzert mag unbewusst sein.

Empfohlen wird es allen, die den Norden als Kulturraum lieben. Es bedeutet Bereicheung einer Sammlung von Violinkonzerten des zwanzigsten Jahrhunderts. Das Einhören bringt für den Einsteiger keine Probleme. Die Musik ist kühn aber nicht dissonant.

:cool

Uuno Klami wurde am 20.09.1900 in Virolathi geboren und ist dort auch am 29.05.1961 gestorben. Er begann sein musikalisches Studium am Konservatorium von Helsinki im Alter von 15 Jahren. Ein Stipendium erlaubte ihm, sein Studium in Paris fortzusetzen. Er unterlag dem Zauber der Musik des Impressionismus und Strawinskys. Erstaunlicherweise findet sich in seinem Violinkonzert von dieser Klangwelt fast nichts wieder, sondern er konzentriert sich ganz auf seine innere Eingebung. Diese orienteirt sich an der weiten Landschaft der Heimat und der finnischen Mythologie. Für sein Hauptwerk trifft er eine Auswahl von vier Episoden und formt hieraus die Kalevala-Suite op. 23 nach dem gleichnamigen National-Epos. (FINLANDIA LP. Nr. 302 von 1979, Aufnahme 1973)

Engelbert
:engel
Engelbert (30.05.2006, 10:16):
Für eines der schönsten des zwanzigsten Jahrhunderts halte ich das

Violinkonzert Nr. 1
von Roumen Bairaktarow.

Es ist fünfsätzig: Introduction – Toccata – Aria I – Ostinato – Aria II.

:A

Selbst ein geübter Geiger dürfte extreme Schwierigkeiten haben, den Solopart hinzubekommen. Die höhere musikalische Anforderung wird jedoch an das Orchester gestellt, da feinste Ziselierarbeit im Zusammenspiel gefragt ist. Der musiktechnische Bereich ist komplex und für mich schwer zu analysieren. Ich würde das Violinkonzert in erster Linie nicht einmal als virtuos bezeichnen, obwohl rasante Tempi und ständiger Wechsel des Farbenspiels vorgegeben ist.

Bei Balkanton (BCA 1300457) gab es auf LP. eine Einspielung des Konzertes mit Elissaveta Kazzakova und dem Bulgarischen National-RSO. Unter der Leitung von Vassil Kazandjiev.

Die Tonsprache ist modern und von einer unwahrscheinlichen Dichte reichverzierten musikalischen Materials, welches sich nicht ausdehnt, sondern nach innen zusammendrängt und ständig implodiert. Mit einer klagenden Melodie der Streicher, zweimal unterbrochen durch den Klang einer Turmuhr, beginnt der erste Satz, bevor das Soloinstrument hervortritt und atemberaubendes Tempo vorlegt. Die Rhythmen wirken tänzerisch, haben aber mit Folklore wenig gemeinsam. Der slawische Duktus ist jedoch unverkennbar, da viel Gemüt einfließt. Man kann die Botschaft des Komponisten so auslegen, dass das Violinkonzert als Hommage an die bulgarische Landschaft, der Geschichte des Landes und der ihr verbundenen Bevölkerung wahrzunehmen ist.

Der geschulte Hörer sollte das Violinkonzert auf sich wirken lassen. Der wundervolle Sound und der Wohlklang der Solovioline erreichen ihn über das Gemüt.

:cool

Roumen Bairaktarow wurde am 20. Oktober 1946 in Bourgas geboren. Er studierte am Bulgarischen Staatskonservatorium in der Klasse von Prof. Alexander Raichew Komposition. In Paris traf er 1976 mit Olivier Messiaen zusammen.

:A

Wir kennen von ihm folgende Werke:
Zwei Sinfonien
Violinkonzert Nr. 1
Variationen für Symphonie-Orchester
Konzert für Schlagzeug und Orchester
Musik für Streicher und Schlagzeug
Sonaten für Violine und Klavier
und für Violine solo.
Stücke für Flöte und Klavier

:cool

Der Komponist gehört zu der jungen Generation, welche zu Beginn der 70er Jahre ausflogen, um sich im Ausland das Rüstzeug anzueignen, ihre eigene künstlerische Potenz zu formulieren. Damit lenkten die Pioniere die Aufmerksamkeit der musikalischen Welt auf sich und verschafften der Nation ihrer Herkunft Beachtung und Ansehen.

Engelbert
:engel
Landowski (30.05.2006, 17:00):
Original von Engelbert
Der Komponist gehört zu der jungen Generation, welche zu Beginn der 70er Jahre ausflogen, um sich im Ausland das Rüstzeug anzueignen, ihre eigene künstlerische Potenz zu formulieren. Damit lenkten die Pioniere die Aufmerksamkeit der musikalischen Welt auf sich und verschafften der Nation ihrer Herkunft Beachtung und Ansehen.


Jetzt mal ehrlich: Bairaktarov schenkte Bulgarien Beachtung und Ansehen? Ich würde mich wundern, wenn es neben uns beiden hier irgendjemanden geben würde, der das Konzert ebenfalls kennt. Oder war der Komponist jemals etwas bekannter (außerhalb von Bulgarien)??

Bekannter ist sicherlich das Werk von Pancho Vladigerov (obwohl ich die Violinkonzerte nicht sonderlich anregend - aber auch nicht sonderlich abstossend - finde).
Interessanter finde ich da die Violinkonzerte von Vassil Lolov. Oder das von Henri Lazarof.
Engelbert (12.06.2006, 15:33):
Hallo Landowski,

Meine Antwort auf Deine Reaktion vom 30.05.06 mit etwas Verspätung!

Du wirst gewiss nicht in Abrede stellen wollen, dass zahlreiche Musikstudierende die Talentschmiede von Nadja Boulanger besuchten, tatsächlich etwas lernten und von d'Indy und Massenet den letzten Schliff erhielten. Zuhause angekommen nutzten die angehenden Musiker die empfangenen Impulse, addierten ihre eigene Potenz hinzu, um erfolgreich zu komponieren.

Wenn ein großartiges Orchester unter einem einfühlsamen Dirigenten sich mit einem begabten Solisten zusammentat, um mit dem nationalen Label einen Tonträger zu produzieren, ist die halbe Miete schon im Kasten und die Verbreitung eine Strategiefrage.

Nicht bei jedem Komponisten ging die Rechnung auf und sein Bekanntheitsgrad hielt sich in nationalen Grenzen. Hier muss der Konsument seine Trägheit überwinden und auf die Pirsch gehen.
Im Zeitalter von CD, Internet und Amazon, keine allzuschwere Übung!

Meine Aussage vom 30.5.06 bezog sich nicht auf den Einzelfall Bairaktarow, sondern auf die abseits liegende Nation, über Nadja
überhaupt erstmal ins Gespräch zu kommen.

An Raritäten kommt man am besten heran, wenn man das Land
als Urlauber besucht, dann aber im Shop zumindest ein paar gezielte Fragen stellen kann. Daran sehe ich den Sinn, unbekannte Werke im Klassikforum vorzustellen.

Im Prinzip gebe ich Dir aber recht, dass man im Einzelfall zwischen
regionaler Bedeutung und weltweitem Bekanntheitsgrad exakter differenzieren sollte.

Gruß
Engelbert
:engel
martin (14.06.2006, 11:18):
Original von Engelbert

Nicht bei jedem Komponisten ging die Rechnung auf und sein Bekanntheitsgrad hielt sich in nationalen Grenzen. Hier muss der Konsument seine Trägheit überwinden und auf die Pirsch gehen.
Im Zeitalter von CD, Internet und Amazon, keine allzuschwere Übung!



Lieber Engelbert,

ich denke mit Trägheit hat das wenig zu tun, wenn die meisten Klassikhörer sich für "Exoten" doch nicht so sehr interessieren.

An Raritäten kommt man am besten heran, wenn man das Land
als Urlauber besucht, dann aber im Shop zumindest ein paar gezielte Fragen stellen kann.

Stimmt. Als ich in Prag war, kaufte ich mir CDs von Fibich und einem gewissen Vycpalek. Aber ob ich nun unbedingt den Vycpalek hätte kennen lernen müssen ...

Daran sehe ich den Sinn, unbekannte Werke im Klassikforum vorzustellen.

Das Werke unbekannt geblieben sind, hat oft auch seinen guten Grund. Manchmal auch nicht, dann muß man "Alarm" schlagen. Aber oft werden auch sehr viele unbekannte Komponisten vorgestellt und erhalten dann Qualifikationen wie diese hier:

Empfohlen wird es allen, die den Norden als Kulturraum lieben.

Das schriebst Du über das Violinkonzert von Klami. Das ist nun wirklich schon eine sehr eingeschränkte Empfehlung. Ehrlich gesagt interessiere ich mich nicht sonderlich für Kulturräume, ein Werk, daß nur für Liebhaber eines Kulturraums interessant ist, muß an sich ziemlich uninteressant sein.

Gruß Martin
Rachmaninov (19.12.2006, 15:19):
In den letzten Tagen hörte ich immer wieder meine Neuanschaffung mit der Geigerin Isabelle Faust.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5386817.jpg

Sie spielt darauf u.A. das Violinenkonzert des 1974 Komponisten Andre Jolivet, das als sein musikalisches Vermäßnis gilt und 1973 komponiert wurde.

Auf der Rückseite der CD steht "Klang erzeugt Licht" und es wird darauf higewiesen, daß es auf ein Aphorismus der Hopi Indianer bezieht:"Die Essenz des Menschen ist Klang, Klang erzeugt Licht, und der Gesit zeigt sich daran!"

Also ehrlich gesagt finde ich zu diesem Konzert keinerlei Zugang! Es soricht mich nicht im geringsten an und verleitet mich nicht mich näher damit zu beschäftigen!

Eventuell fehlen ja die stimmulierenden "Subsatnzen" um mich den Hopi's nähern zu können :(
Rachmaninov (20.04.2006, 22:58):
Hallo,

mir scheint es gibt doch den einen oder anderen der das Thema doch lieber in einem separaten Thread besprechen möchte.

Daher starte ich diesen.

Allerdings 2 Einschränkungen möchte ich "empfehlen":

Die VK von Schostakovitch und Prokofiev würde ich "ausklammern" da sie doch sehr bekannt sind und ich dazu früher oder später separate Thread im Sinn habe.

So, nun drauf los....... :D
Rachmaninov (20.04.2006, 23:01):
Eins der grandiosen Violinenkonzerte aus diesem Jahrhundert ist für mich ganz ohne Zweifel das von Aram Khachaturian.

Dieses kraftvolle und klangschöne Konzert begeistert mich und es findet immer wieder in verschiedenen Aufnahmen, die ich nach und nach vorstellen werde, seinen Weg in meine Ohren
nubar (20.04.2006, 23:13):
Hallo,

eines der schönsten Violinkonzerte des 20.Jh. ist für mich zweifellos das Hindemith-Konzert. Ich mag besonders Hindemiths Melodik und Harmonik, und ganz besonders seinen Orchestrationsstil.

Als nachgeworfenen Einstieg empfehle ich die sehr gute Aufnahme mit Oistrakh und dem Komponisten, erhältlich auf Eloquence.
Holger S. (26.04.2006, 13:21):
Hallo,

aus der Sowjetunion gibt es in der Tat eine ganze Menge interessanter Violinkonzerte. Die von Kabalewski und Chatschaturjan wurden ja schon genannt. Hier sind noch einige "exotische" Empfehlungen:

- Das Violinkonzert "Armenia-88" von Alexander Arutjunjan (* 1920). Das Werk für Violine und Streichorchester wurde 1988 unter dem Eindruck eines schweren Erdbebens komponiert. Es gehört dem Neoklassizismus an, barocke Wendungen spielen eine wichtige Rolle, manches ist aber auch eher romantisch angehaucht. Auch armenisches Nationalkolorit spielt eine Rolle. Das Werk bezieht sich nicht insofern auf das Erdbeben, als dass es dieses musikalisch nachstellen wollte. Charakteristisch ist vielmehr (besonders in den zwei langsamen Sätzen) eine Art würdevolle Trauer. Die schnellen Sätze (2 und 4) haben dagegen eher Scherzo-Charakter.

- Die zwei Violinkonzerte und die Drei Stücke für Violine und Orchester von Tichon Chrennikow (* 1913). Chrennikow gehört ja auf Grund seiner politischen Tätigkeit zu den hierzulande verpönten Komponisten. Mich stört dies nicht im Geringsten, ich habe einige Werke von ihm (3 Sinfonien, 3 Klavierkonzerte, 2 Violinkonzerte, 2 Cellokonzerte, 3 Ballette) und mir gefällt seine Musik sehr. Er kann vielleicht mit Kabalewski verglichen werden, verwendet aber eine etwas schärfere Harmonik und hat einen Hang zu großem Pathos. Seine Werke für Violine und Orchester sind insgesamt sonnig und vital, in den langsamen Sätzen sehr melodisch und ausdrucksvoll. Die schnellen Außensätze sind rasend virtuos.

- Das Violinkonzert e-moll (1951) vom Letten Janis Ivanovs (1906-1983). Ivanovs hat eine sehr wechselhafte stilistische Entwicklung durchlebt, man könnte sein Schaffen in immerhin 5 verschiedene Perioden einteilen. Das Violinkonzert stammt aus der Zeit, in der er den Ästhetik des Sozialistischen Realismus Folge leistete. Trotz der Moll-Tonart ist das Stück ein helles, optimistisches Werk voller einprägsamer (folkloristisch geprägter) Melodien. Ganz tolles Stück, derzeit leider nicht auf CD erhältlich.

- Auch Nikolai Mjaskowski (1881-1950) hat ein Violinkonzert komponiert. Mjaskowski ist leider immer noch ein wenig beachteter Komponist, wird teilweise wegen seiner 27 Sinfonien als Vielschreiber beschimpft. Ich schätze seinen tendenziell elegischen, sehr "russischen" Tonfall sehr.

- Sehr interessant auch die 2 Violinkonzerte von Nikolai Rakow (1908-1990). Das erste Violinkonzert wurde mal auf einer Olympia CD veröffentlicht (mit Andrew Hardy). Das zweite gibt oder gab es bloß auf Schallplatte. Beim ersten ziehe ich aber auch die Plattenaufnahme vor, auf der Oleg Kagan das Werk unter Leitung des Komponisten spielt. Diese Interpretation ist viel intensiver und packender. Rakow ist fast noch der russischen Romantik zuzurechnen, einer der konservativsten Komponisten, die ich kenne. Die Melodik ist aber sehr einprägsam, die Orchestration höchst klangvoll.

- Das Violinkonzert Nr.1 f-moll (1976) vom georgischen Komponisten Otar Taktakischwili (1924-1989). Wiederum nur auf Platte veröffentlicht - leider. Dieses Konzert ist wirklich exzellent. Der georgische Tonfall ist evident in diesem sehr konzentrierten, elegischen Werk. Das müsste wirklich dringend auf CD veröffentlich werden.

Auch außerhalb Russlands gibt es im 20. Jahrhundert tolle Stücke. Als Beispiel seien nur die 2 Konzerte für Hardanger-Fidel des Norwegers Geirr Tveitt (1908-1981) genannt. Tveitts Musik ist ungeheuer schön und urwüchsig, über ein Werk hat er mal gesagt, es solle klingen wie ein klarer norwegischer Gebirgsbach - dies könnte man über sein gesamtes Schaffen sagen. Gerade ist bei Naxos das Violinkonzert des Schweden Bo Linde (1933-1970) erschienen - ein sehr lyrisches, romantisches Stück Musik. Ich kenne jemanden, der sich ausschließlich für Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts interessiert. Ich glaube, er hat 2000 verschiedene Werke oder so. Es gibt da sicher eine ganze Menge zu entdecken.

Viele Grüße
Holger
Cosima (26.04.2006, 16:42):
Hallo Holger,

sehr interessanter Beitrag! Ich habe ja bereits gelesen, dass Du Dich besonders für russische Musik interessierst. Diese Vorliebe teile ich, wenn ich auch bislang außerhalb der gängigen Sachen wenig Erfahrung auf dem Gebiet habe. Eine entsprechende Auflistung und Vorstellung von Klavierkonzerten russischer Komponisten fände ich toll. Fällt Dir dazu etwas ein? Es dürfen ruhig sog. Exoten sein. Ein eigener Thread wäre sinnvoll, vielleicht in Anlehnung an diesen etwa überschrieben mit „Klavierkonzerte des 20. Jahrhunderts“. Es dürften natürlich auch nicht-russische Komponisten genannt werden. Da ich momentan noch recht wenig beizutragen hätte, würde ich eine Threaderöffnung gerne einer kompetenteren Person überlassen.

Gruß, Cosima
Holger S. (26.04.2006, 17:09):
Hallo Cosima,

schön, dass dich auch die russische Musik interessiert. Da gibt es wirklich Unmengen zu entdecken. Was die Klavierkonzerte betrifft, bin ich gerne bereit, ein Thema hierzu zu verfassen. Ich werde mich gleich mal in meine Sammlung vertiefen und schauen, was man präsentieren könnte.

Viele Grüße
Holger
martin (26.04.2006, 17:48):
Original von Holger S.

- Auch Nikolai Mjaskowski (1881-1950) hat ein Violinkonzert komponiert. Mjaskowski ist leider immer noch ein wenig beachteter Komponist, wird teilweise wegen seiner 27 Sinfonien als Vielschreiber beschimpft. Ich schätze seinen tendenziell elegischen, sehr "russischen" Tonfall sehr.



Das ist leider auch der einzige Komponist, den ich von all den von Dir genannten kennte. Ich denke auch, daß er, wenn Du ihn "wenig beachtet" nennst, insofern ein falscher Eindruck entsteht, als ich doch glaube, daß er von all den von Dir genannten doch wohl der beachtetste ist. In Klassikforen begegnet Dir der Name immer wieder.

Ich kenne auch sein Violinkonzert. Ich glaube, es hat schöne Momente, kam mir aber sehr weitschweifig vor. Was ich von seinen Sinfonien kenne, gefällt mir teilweise ganz gut, anderes schon weniger. Es wird hier sicher auch noch mal eine Mjaskowski-Thread geben. Es besteht nur die Möglichkeit, daß wir in diesem neuen Forum durch zuviele neue Threads, die ja auf der Hand liegen, tausend Sachen anreißen und zu keiner vernünftig kommen.

Wie siehst Du das Violinkonzert von Mjaskowski? Sollte ich noch mal rein hören?
Holger S. (26.04.2006, 18:38):
Original von martinIch denke auch, daß er, wenn Du ihn "wenig beachtet" nennst, insofern ein falscher Eindruck entsteht, als ich doch glaube, daß er von all den von Dir genannten doch wohl der beachtetste ist. In Klassikforen begegnet Dir der Name immer wieder.

Wie siehst Du das Violinkonzert von Mjaskowski? Sollte ich noch mal rein hören?

Hallo Martin,

das soll wohl sein, dass er von den genannten Komponisten noch der bekannteste ist. Zu wenig beachtet bezog sich eher auf seine tatsächliche Bedeutung (denn meiner Meinung nach zählt er zu den wichtigsten sowjetischen Komponisten) und sollte keinen Vergleich zu den anderen erwähnten Komponisten darstellen. Ich weiß aber, dass er immer kontrovers diskutiert wird. Offenbar ist seine Musik wirklich Geschmackssache... Sein Violinkonzert ist meiner Meinung nach lohnenswert. Oistrach schwärmte nach eigener Aussage für dieses Werk, nachdem er die Noten erhalten hatte, spielte er, wie er berichtete, eine Zeit lang nichts anderes. Sicherlich stellt es auch den eher akademischen Musikzugang Mjaskowskis dar. Mag schon sein, dass dir der erste Satz langschweifig erscheint. Entweder man findet Gefallen an dieser Musik oder nicht... Zu Mjaskowski gibt es wohl keine einheitliche Meinung.

Viele Grüße
Holger
Rachmaninov (27.04.2006, 20:38):
Original von Holger S.
Auch Nikolai Mjaskowski (1881-1950) hat ein Violinkonzert komponiert. Mjaskowski ist leider immer noch ein wenig beachteter Komponist, wird teilweise wegen seiner 27 Sinfonien als Vielschreiber beschimpft. Ich schätze seinen tendenziell elegischen, sehr "russischen" Tonfall sehr.

@Holger,

das Mjaskowski Violinenkonzert gefällt mir ebenfalls sehr gut.
Genau dieser, wie von Dir beschriebene, "russische" Tonfall spricht mich an.

Für mich absolut hörenswert.

Das Konzert kenne ich in der Aufnahme mit Vadim Repin und dem Kirov Orchestra unter Gergiev.

Welche Aufnahme kennst und schätzt Du?

Gruß
Landowski (27.04.2006, 21:00):
Es gibt noch eine uralte Aufnahme mit David Oistrakh (gekoppelt mit dem Violinkonzert von Kachaturian). Die Qualität ist unterirdisch und aus dem 40er (?) Jahren. Wenn man sich allerdings an der rauschigen Aufnahme nicht stört, halte ich sie für besser, da gerade das Miaskovsky Konzert sehr viel lyrischer und akzentuierter gespielt wird.
Wegen der schlechten Aufnahmequalität hatte ich mir damals noch eine neuere Aufnahme mit Feigin gekauft. Nun ja, ich höre weiterhin die Oistrakh-Aufnahme trotz Rauschen..
Rachmaninov (27.04.2006, 21:02):
Original von Landowski
Es gibt noch eine uralte Aufnahme mit David Oistrakh (gekoppelt mit dem Violinkonzert von Kachaturian). Die Qualität ist unterirdisch und aus dem 40er (?) Jahren. Wenn man sich allerdings an der rauschigen Aufnahme nicht stört, halte ich sie für besser, da gerade das Miaskovsky Konzert sehr viel lyrischer und akzentuierter gespielt wird.

Kann mir vorstellen, daß seine starke Tendenz zum Vibrato bei diesem Konzert sehr gut passt!

Wie ich gerade gesehen habe ist eine Aufnahme auf der Brilliant Box von Oistrach. Aufnahme Datum 1.1.1939
martin (27.04.2006, 21:41):
Original von Landowski
Wegen der schlechten Aufnahmequalität hatte ich mir damals noch eine neuere Aufnahme mit Feigin gekauft. Nun ja, ich höre weiterhin die Oistrakh-Aufnahme trotz Rauschen..

Das ist dann vermutlich die Aufnahme, die ich habe. Vielleicht lags auch daran, daß dieses Konzert nicht so bei mir zünden wollte. Ist der Feigin wirklich so schlecht ( mit dem USSR RTV Orchestra unter Dimitrev, war Meloda unter Zyx)?

Gruß Martin
Landowski (27.04.2006, 21:45):
Original von martin
Das ist dann vermutlich die Aufnahme, die ich habe. Vielleicht lags auch daran, daß dieses Konzert nicht so bei mir zünden wollte. Ist der Feigin wirklich so schlecht ( mit dem USSR RTV Orchestra unter Dimitrev, war Meloda unter Zyx)?


Genau, die Aufnahme habe ich auch.
Kann ich nicht beurteilen, ob Feigin "schlecht" ist. Daher würde im Zweifel eher 'nein' sagen. Wahr ist allerdings, dass seine Aufnahme mich nicht anspricht und einige schöne Passagen des Miaskovsky Konzertes, tja, im Grunde unterschlägt, da sie nicht richtig rauskommen. Das ist bei Oistrakh anders.
Engelbert (28.04.2006, 12:53):
Hallo!

In Anlehnung an die vorangegangenen Beiträge habe ich das Violinkonzert aus meinen Beständen hervorgeholt, um es nach etwa zwanzig Jahren Pause wieder einmal zu hören.

Die LP. ist die von EMI technisch betreute Melodia-Einspielung aus dem Jahre 1974 unter dem Moskau-RSO mit Grigori Feigin. Ich finde das Konzert hinreißend. Die Violine singt sich aus und die Seele schwingt mit.
Feigin serviert das Violinkonzert als Schmachtfetzen.

Ob "etwas fehlt" kann ich mangelnder Vergleichsmöglichkeiten nicht beurteilen, würde es auch nicht vermissen. Mit Sicherheit verwenden Oistrach und Feigin eigene Kadenzen.

Die Kopplung mit Ysaye's Ecstasy, op. 21 als Füller ist Moskau PO. Kondraschin, Rosa Fain (Violine) ist eine angenehme Ergänzung.

Engelbert
:engel
Holger S. (28.04.2006, 18:31):
Hallo Engelbert!

Ich habe mal in der Mjaskowski-Biographie von Soja Gulinskaja nachgeschlagen, und diese legt tatsächlich nahe, dass die Kadenz von Mjaskowski selbst geschrieben ist und nicht austauschbar ist. Dort heißt es:

Deshalb lässt der monumentale erste Satz viel Platz für die große Solokadenz, die selbst nach einigen von Oistrach angeregten Kürzungen immer noch recht umfangreich ist und eine virtuose Durchführung aller Themen dieses Satzes darstellt.

Viele Grüße
Holger
Holger S. (03.05.2006, 09:18):
Gestern habe ich ein sehr interessantes Violinkonzert gehört: es handelte sich um das Violinkonzert Nr.2 op.84 aus dem Jahre 1981 von Boris Tischtschenko (Jg. 1939). Das Konzert ist im Untertitel als Violinsinfonie betitelt, und in der Tat hat das Werk sinfonische Dimensionen. Es hat vier Sätze, wobei der erste, zweite und vierte Satz je 14 Minuten, der dritte "nur" 10 Minuten dauern. Insgesamt erreicht das Konzert also eine Spieldauer von stattlichen 52 Minuten! Wie fast immer bei Tischtschenko sind die vier Sätze weitgehend monothematisch aufgebaut. Ein prägnantes Hauptthema wird von von allen möglichen Seiten "beleuchtet". Der erste Satz ist recht ruhig, sein Thema ein kapriziös. Dagegen besticht der zweite Satz durch groteske Wendungen à la Schostakowitsch. Gegen Mitte des Satzes spitzt sich das Geschehen zu, Tischtschenko verwendet wohl aleatorische Stilmittel, Schlagzeugeinlagen. Das Thema wird in dissonante Bruchstücke zerlegt. Dann folgt eine sehr lange Kadenz, die in den höchst energischen und kraftvollen dritten Satz überleitet. Das Finale beginnt im Wechselspiel zwischen Unisoni und Streichern und mit einem majestätischen Thema. Die Violine nimmt dieses auf, die Bewegung steigert sich. Auf dem Höhepunkt spielen die Blechbläser vor einem sehr bewegten Hintergrund das Hauptthema. Danach kehrt wieder Ruhe ein. Mit einem Verweis auf die Thematik des ersten Satzes endet das Konzert friedlich als sei nichts gewesen in C-Dur. Das Violinkonzert ist in seiner musikalischen Sprache typisch für Tischtschenko. Man könnte ihn als konservativen Modernisten bezeichnen. Er verwendet zwar gern moderne Stilmittel wie Serialismus und Aleatorik, geht aber von tonalen Grundlagen aus. Das Hauptthema seines Harfenkonzertes erinnert z.B. an russisches Volksliedgut. Tischtschenko schreibt eigentlich immer höchst interessante Werke. Seine siebte Sinfonie ist bei Naxos erhältlich, auch sehr empfehlenswert. Tischtschenko ist der modernste Komponist, den ich noch gerne höre.

Viele Grüße
Holger
ab (18.05.2006, 22:11):
Natürlich das Alban Berg Konzert - eines meiner Lieblingskonzerte überhaupt - vor allem in der Aufnahme mit Gidon Kremer, Davis und den Münchnern (Philips)!
Engelbert (23.05.2006, 14:35):
Wenn ich spontan erklären sollte, welches mein liebstes Violinkonzert ist, würde ich den Komponisten Tiberiu Fáytol nennen.

Über seine persönlichen Daten weiß ich leider gar nichts und das Plattencover gibt neben rumänischsprachigen Ausführungen nur eine kurze Werkbeschreibung in englisch, mit der ich nun überhaupt nicht einiggehe. Gemäß den Angaben von Frau Popovici schöpft der Komponist aus der Folklore und schließt romantische Nostalgie aus. Das erste halte ich für fragwürdig und das zweite ist nicht zu überhören.

Es geht um das

Concert pentru Vioara si Orchestra
Partea I Andante, molto quieto, Monotonia Nr. 1 Largo
Partea II Allegro (Fuga), Monotonia Nr. 2 Largo
Partea III Allegro Vivace

Tondokument:
Electrocord LP. ST-ECE 02718, Aufnahme 1984
Orchestra simfonic a Filarmonicii din Tîrgu-Mure_
Dirigent: Lóránt Szalman
Solist: ^tefan Câmpan Fátyol

Zeitdauer: etwas über 30 Minuten

:cool

Der Komponist ist der Avantgarde zuzurechnen. Er verzichtet auf Geräuscheffekte, die dem klassischen Orchester fremd sind, schöpft aber hier alle erlaubten Mittel bis zur Neige aus. Man hat das Gefühl, dass der Solist nach jeder Aufführung Geige und Geigenbogen wegwerden kann, so sehr wird das Instrument überstrapaziert. Was Virtuosität und Temperament anbelangt, ist das Violinkonzert – bezogen auf den dritten Satz - kaum zu überbieten. Dazu eine unerschöpfliche Fülle von kompositorischen Einfällen. Der Zuhörer bekommt unausgesetzt etwas neues geboten. Der Faden reißt nicht ab und die Spannung lässt nicht nach. Der zweite Satz ist ein andeutungsweise gefühlvoll angelegt und erlaubt ein bisschen Ausruhen. Die Geige kann sich streckenweise aussingen, ohne vom Orchester gehindert zu werden. Im dritten Part schrillen die Dissonanzen und halten den Zuhörer unter Dampf.

Visuell formuliert: Ein Taifun jagt durch die Kleinstadt, reißt die Lichtmasten aus und die glühenden Drähte peitschen über den Boden. So wirkt das Violinkonzert auf mich.

Engelbert
:engel
Engelbert (24.05.2006, 17:25):
Uuno Klami (1900-1960) Finnischer Komponist

Das Konzert für Violine und Orchester
aus dem Jahre 1942 ist für Finnland das bedeutsamste dieser Gruppe der Ära nach Jean Sibelius.

Es besteht aus 3 Sätzen:

1. Allegro molto moderato
2. Adagio man non troppo
3. Allegro giocosa

Die Aufführungsdauer beträgt etwa ein halbe Stunde.

Tondokument:
FINLANDIA, LP. Nr. FA 334 aus dem Jahr 1981
Orchester: Kouvola City Orchester, Dirigent: Eora Bister, Violine Ilkka Talvi

Die Harmonik ist kühn, aber nicht dissonant. Stimmungsvoll, wenn man es auf die nordische Landschaft bezieht. Teilweise wirkt es ziemlich schroff. Die Anlehnung an das Sibeliuskonzert mag unbewusst sein.

Empfohlen wird es allen, die den Norden als Kulturraum lieben. Es bedeutet Bereicheung einer Sammlung von Violinkonzerten des zwanzigsten Jahrhunderts. Das Einhören bringt für den Einsteiger keine Probleme. Die Musik ist kühn aber nicht dissonant.

:cool

Uuno Klami wurde am 20.09.1900 in Virolathi geboren und ist dort auch am 29.05.1961 gestorben. Er begann sein musikalisches Studium am Konservatorium von Helsinki im Alter von 15 Jahren. Ein Stipendium erlaubte ihm, sein Studium in Paris fortzusetzen. Er unterlag dem Zauber der Musik des Impressionismus und Strawinskys. Erstaunlicherweise findet sich in seinem Violinkonzert von dieser Klangwelt fast nichts wieder, sondern er konzentriert sich ganz auf seine innere Eingebung. Diese orienteirt sich an der weiten Landschaft der Heimat und der finnischen Mythologie. Für sein Hauptwerk trifft er eine Auswahl von vier Episoden und formt hieraus die Kalevala-Suite op. 23 nach dem gleichnamigen National-Epos. (FINLANDIA LP. Nr. 302 von 1979, Aufnahme 1973)

Engelbert
:engel
Engelbert (30.05.2006, 10:16):
Für eines der schönsten des zwanzigsten Jahrhunderts halte ich das

Violinkonzert Nr. 1
von Roumen Bairaktarow.

Es ist fünfsätzig: Introduction – Toccata – Aria I – Ostinato – Aria II.

:A

Selbst ein geübter Geiger dürfte extreme Schwierigkeiten haben, den Solopart hinzubekommen. Die höhere musikalische Anforderung wird jedoch an das Orchester gestellt, da feinste Ziselierarbeit im Zusammenspiel gefragt ist. Der musiktechnische Bereich ist komplex und für mich schwer zu analysieren. Ich würde das Violinkonzert in erster Linie nicht einmal als virtuos bezeichnen, obwohl rasante Tempi und ständiger Wechsel des Farbenspiels vorgegeben ist.

Bei Balkanton (BCA 1300457) gab es auf LP. eine Einspielung des Konzertes mit Elissaveta Kazzakova und dem Bulgarischen National-RSO. Unter der Leitung von Vassil Kazandjiev.

Die Tonsprache ist modern und von einer unwahrscheinlichen Dichte reichverzierten musikalischen Materials, welches sich nicht ausdehnt, sondern nach innen zusammendrängt und ständig implodiert. Mit einer klagenden Melodie der Streicher, zweimal unterbrochen durch den Klang einer Turmuhr, beginnt der erste Satz, bevor das Soloinstrument hervortritt und atemberaubendes Tempo vorlegt. Die Rhythmen wirken tänzerisch, haben aber mit Folklore wenig gemeinsam. Der slawische Duktus ist jedoch unverkennbar, da viel Gemüt einfließt. Man kann die Botschaft des Komponisten so auslegen, dass das Violinkonzert als Hommage an die bulgarische Landschaft, der Geschichte des Landes und der ihr verbundenen Bevölkerung wahrzunehmen ist.

Der geschulte Hörer sollte das Violinkonzert auf sich wirken lassen. Der wundervolle Sound und der Wohlklang der Solovioline erreichen ihn über das Gemüt.

:cool

Roumen Bairaktarow wurde am 20. Oktober 1946 in Bourgas geboren. Er studierte am Bulgarischen Staatskonservatorium in der Klasse von Prof. Alexander Raichew Komposition. In Paris traf er 1976 mit Olivier Messiaen zusammen.

:A

Wir kennen von ihm folgende Werke:
Zwei Sinfonien
Violinkonzert Nr. 1
Variationen für Symphonie-Orchester
Konzert für Schlagzeug und Orchester
Musik für Streicher und Schlagzeug
Sonaten für Violine und Klavier
und für Violine solo.
Stücke für Flöte und Klavier

:cool

Der Komponist gehört zu der jungen Generation, welche zu Beginn der 70er Jahre ausflogen, um sich im Ausland das Rüstzeug anzueignen, ihre eigene künstlerische Potenz zu formulieren. Damit lenkten die Pioniere die Aufmerksamkeit der musikalischen Welt auf sich und verschafften der Nation ihrer Herkunft Beachtung und Ansehen.

Engelbert
:engel
Landowski (30.05.2006, 17:00):
Original von Engelbert
Der Komponist gehört zu der jungen Generation, welche zu Beginn der 70er Jahre ausflogen, um sich im Ausland das Rüstzeug anzueignen, ihre eigene künstlerische Potenz zu formulieren. Damit lenkten die Pioniere die Aufmerksamkeit der musikalischen Welt auf sich und verschafften der Nation ihrer Herkunft Beachtung und Ansehen.


Jetzt mal ehrlich: Bairaktarov schenkte Bulgarien Beachtung und Ansehen? Ich würde mich wundern, wenn es neben uns beiden hier irgendjemanden geben würde, der das Konzert ebenfalls kennt. Oder war der Komponist jemals etwas bekannter (außerhalb von Bulgarien)??

Bekannter ist sicherlich das Werk von Pancho Vladigerov (obwohl ich die Violinkonzerte nicht sonderlich anregend - aber auch nicht sonderlich abstossend - finde).
Interessanter finde ich da die Violinkonzerte von Vassil Lolov. Oder das von Henri Lazarof.
Engelbert (12.06.2006, 15:33):
Hallo Landowski,

Meine Antwort auf Deine Reaktion vom 30.05.06 mit etwas Verspätung!

Du wirst gewiss nicht in Abrede stellen wollen, dass zahlreiche Musikstudierende die Talentschmiede von Nadja Boulanger besuchten, tatsächlich etwas lernten und von d'Indy und Massenet den letzten Schliff erhielten. Zuhause angekommen nutzten die angehenden Musiker die empfangenen Impulse, addierten ihre eigene Potenz hinzu, um erfolgreich zu komponieren.

Wenn ein großartiges Orchester unter einem einfühlsamen Dirigenten sich mit einem begabten Solisten zusammentat, um mit dem nationalen Label einen Tonträger zu produzieren, ist die halbe Miete schon im Kasten und die Verbreitung eine Strategiefrage.

Nicht bei jedem Komponisten ging die Rechnung auf und sein Bekanntheitsgrad hielt sich in nationalen Grenzen. Hier muss der Konsument seine Trägheit überwinden und auf die Pirsch gehen.
Im Zeitalter von CD, Internet und Amazon, keine allzuschwere Übung!

Meine Aussage vom 30.5.06 bezog sich nicht auf den Einzelfall Bairaktarow, sondern auf die abseits liegende Nation, über Nadja
überhaupt erstmal ins Gespräch zu kommen.

An Raritäten kommt man am besten heran, wenn man das Land
als Urlauber besucht, dann aber im Shop zumindest ein paar gezielte Fragen stellen kann. Daran sehe ich den Sinn, unbekannte Werke im Klassikforum vorzustellen.

Im Prinzip gebe ich Dir aber recht, dass man im Einzelfall zwischen
regionaler Bedeutung und weltweitem Bekanntheitsgrad exakter differenzieren sollte.

Gruß
Engelbert
:engel
martin (14.06.2006, 11:18):
Original von Engelbert

Nicht bei jedem Komponisten ging die Rechnung auf und sein Bekanntheitsgrad hielt sich in nationalen Grenzen. Hier muss der Konsument seine Trägheit überwinden und auf die Pirsch gehen.
Im Zeitalter von CD, Internet und Amazon, keine allzuschwere Übung!



Lieber Engelbert,

ich denke mit Trägheit hat das wenig zu tun, wenn die meisten Klassikhörer sich für "Exoten" doch nicht so sehr interessieren.

An Raritäten kommt man am besten heran, wenn man das Land
als Urlauber besucht, dann aber im Shop zumindest ein paar gezielte Fragen stellen kann.

Stimmt. Als ich in Prag war, kaufte ich mir CDs von Fibich und einem gewissen Vycpalek. Aber ob ich nun unbedingt den Vycpalek hätte kennen lernen müssen ...

Daran sehe ich den Sinn, unbekannte Werke im Klassikforum vorzustellen.

Das Werke unbekannt geblieben sind, hat oft auch seinen guten Grund. Manchmal auch nicht, dann muß man "Alarm" schlagen. Aber oft werden auch sehr viele unbekannte Komponisten vorgestellt und erhalten dann Qualifikationen wie diese hier:

Empfohlen wird es allen, die den Norden als Kulturraum lieben.

Das schriebst Du über das Violinkonzert von Klami. Das ist nun wirklich schon eine sehr eingeschränkte Empfehlung. Ehrlich gesagt interessiere ich mich nicht sonderlich für Kulturräume, ein Werk, daß nur für Liebhaber eines Kulturraums interessant ist, muß an sich ziemlich uninteressant sein.

Gruß Martin
Rachmaninov (19.12.2006, 15:19):
In den letzten Tagen hörte ich immer wieder meine Neuanschaffung mit der Geigerin Isabelle Faust.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5386817.jpg

Sie spielt darauf u.A. das Violinenkonzert des 1974 Komponisten Andre Jolivet, das als sein musikalisches Vermäßnis gilt und 1973 komponiert wurde.

Auf der Rückseite der CD steht "Klang erzeugt Licht" und es wird darauf higewiesen, daß es auf ein Aphorismus der Hopi Indianer bezieht:"Die Essenz des Menschen ist Klang, Klang erzeugt Licht, und der Gesit zeigt sich daran!"

Also ehrlich gesagt finde ich zu diesem Konzert keinerlei Zugang! Es soricht mich nicht im geringsten an und verleitet mich nicht mich näher damit zu beschäftigen!

Eventuell fehlen ja die stimmulierenden "Subsatnzen" um mich den Hopi's nähern zu können :(
Rachmaninov (01.09.2008, 20:07):
Am 27. May 1959 fand die Uraufführung des Violinkonzerts "The Butterfly Lovers" im Lyceum Theater in Shanghai statt.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0892118001044.jpg

Bachstage der Komponist und damalige Student des Werkes: Cheng Gang

Bei der Entstehung war der Geiger He Zhanhao quasi Co-Komponist und war Mitglied im Orchester der Uraufführung.
Yu Lian war Geigerin der Uraufführung.

Dieses Werk, klar und deutlich beeinflußt klassischer chinesicher Musik, aber doch so intelligent komponiert, dass es einfach auch dem europäischen Geschmack gefällt. Dies gelingt durch eine intensives Geflächt auch traditioneller chinesicher Musik, aber bekannt wirkender Melodik europäischer Prägung.
Ein wunderbares Werk, dass ich eher selten höre, da es sonst seinen Reiz verliert, aber höchst interessant ist. Ein Treffen der Kulturen ...

Shaham ist genau der richtige Geiger für dieses Konzert. Hier wäre jedes schwulstige Vibrato störend. Hier bedarf es einem extrem reinen, feinen Geigenton wie es eben Shaham's Art ist.
kreisler (21.01.2009, 21:27):
Original von ab
Natürlich das Alban Berg Konzert - eines meiner Lieblingskonzerte überhaupt - vor allem in der Aufnahme mit Gidon Kremer, Davis und den Münchnern (Philips)!

Das geht mir auch so, ich bin absolut begeistert von diesem Konzert. Allein der Anfang!
Ich kenne die vorzügliche Aufnahme mit Isaac Stern und Leonard Bernstein.
Ich kenne ehrlich keine modernere und gleichzeitig schön anzuhörende Musik im 20. Jahrhundert von solch tiefem Musikalischem Gehalt (Schostakowitsch muss ich hier wohl ausklammern - auch wenn ich ihn hier in Klammern schreibe:D)

Sehr gern mag ich auch, das, wenn ich mich nicht irre hier noch gar nicht erwähnte, Strawinsky-Konzert. Es steht, da eher heiterer Natur, im ziemlichen Gegensatz zum Berg-Konzert. Ist aber voller spannender Musikalischer Einfälle. Endlich mal ein Werk Strawinskys das mir wirklich total gefällt (der "sacre" ist wieder was zum einklammern :))
Nicolas_Aine (22.01.2009, 00:09):
Auch mir gefällt das VK von Khachaturian sehr sehr gut, ich hab da auch eine Aufnahme mit Ricci, die mir sehr gut gefällt.
Was hier noch nicht genannt wurde, ist das Elgar VK, da gibts afaik auch einen eigenen Thread zu, auch eins meiner Lieblingskonzerte.
Und das Schönberg VK ist auch nicht schlecht, ich kenn es noch nicht so genau, ich hab seit einiger Zeit eine CD mit Hilary Hahn davon im Regal stehen, wobei ich mir die noch nicht so genau angehört habe, bzw. nur das Sibelius VK, das da mit drauf ist.
Gerion (22.01.2009, 08:08):
Ich möchte auf das erste Violinkonzert "Offertorium" von Sofia Gubaidulina hinweisen, hier in meiner favorisierten Aufnahme:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947162520.jpg

Das Stück ist dem Berg'schen VK konzeptionell nicht unähnlich, es beginnt mit einem Bach-Zitat (aus dem musikalischen Opfer). Ich mag es sehr gern.
Nicolas_Aine (22.01.2009, 08:55):
Gerion: von wann ist das Stück? Ich hab letzte Woche ein VK von Gubaidulina mit ASM gehört, das mir auch sehr gefallen hat (siehe auch "Gestern im Konzert")
Gerion (22.01.2009, 09:29):
@Nicolas: Das Stück, welches Du gehört hast, war - wenn ich mich aus dem Konzert-Thread richtig erinnere - ihr zweites, vor kurzer Zeit für Frau Mutter geschriebenes Violinkonzert "in tempus praesens", das mittlerweise auch in einer Einspielung mit Mutter bei der Deutschen Grammophon erhältlich ist.

Das von mir genannte erste VK stammt aus den Jahren 1980-82 und wurde 1986 revidiert. Wenn Dir das Konzerterlebnis gefallen hat, möchte ich Dir dieses erste VK (wohl eines der, wenn nicht das bedeutendste Werk dieser wunderbaren Komponistin) sehr ans Herz legen! Evtl. gibt es o.a. Aufnahme noch günstig bei Zweitausendeins, dort hatte ich sie für 8 Euro erhalten.

Herzliche Grüße
Gerion
Nicolas_Aine (22.01.2009, 11:01):
ok, vielen Dank :) Danke auch für die Empfehlung, meine Liste ist wieder um einen Punkt erweitert. Jetzt fehlt mir nur noch das Geld :D


@topic: mir ist grad noch das VK von Glasunow eingefallen, das hier glaub noch nicht genannt wurde. Auch ein tolles Stück, es gibt eine wunderbare Aufnahme davon mit Milstein.
Gerion (22.01.2009, 11:14):
Original von Nicolas_Aine
ok, vielen Dank :) Danke auch für die Empfehlung, meine Liste ist wieder um einen Punkt erweitert. Jetzt fehlt mir nur noch das Geld :D

Das kenn' ich... :(


@topic: mir ist grad noch das VK von Glasunow eingefallen, das hier glaub noch nicht genannt wurde. Auch ein tolles Stück, es gibt eine wunderbare Aufnahme davon mit Milstein.

Meinst Du die bei Naxos Historical erschienene Einspielung mit Dorati, zusammen mit dem Dvorak VK?
Nicolas_Aine (22.01.2009, 13:18):
hm, ich hab das aus der CD Box "Die Jahrhundertgeiger" von der SZ.
Er spielt mit Willian Steinberg und dem RCA Victor SO, die Einspielung ist von 1949
teleton (23.01.2009, 11:31):
Dieser Thread, der seit 04/2006 läuft, beinhaltet schon eine ganze Reihe interessanter VC aus dem 20.Jahrhundert -
aber es fehlt noch eine Riesenmenge.

Ich werfe zunächst einfach mal ein paar Namen in die Runde (auf die ich aus Zeitgründen jetzt nicht alle eingehen kann):
Barber, Bartok, Berg, Bernstein, Bloch, Britten, Bruch, Delius, Elgar, Dutilleux, Glass, Glasunov, Hindemith, Janacek, Kabalevsky, Khachaturian, Kreisler, Lutoslawski, Martin, Martinu, Nielsen, Penderecki, Prokofiev, Reger, Respighi, Rosza, Schnittke, Shostakovich, Sibelius, Stravinsky, Szymanowski, Walton,
und VC, die ich nicht alle kenne
Carter, Diamond, Egk, , FRANKEL, Gruenberg, Hartmann, Henze, Holliger, Krenek, Ligeti, Maxwell-Davies, Meyer, Moret, Miaskovsky, Petterson, Pfitzner, Previn , Schönberg, Schnyder, Schuman, Tüür, Williams, Weil .


Khatchaturian: Violinkonzert (1940) hat Rachmaninov ja (zum Glück) schon im 2.Beitrag genannt, aber keine Aufnahme genannt.
Hier ziehe ich nach wie vor die Oistrach-Aufnahme vor, mit der Moskauer PH, Khatchaturian himself am Pult (Eurodisc-CD, 1964, ADD).
Zusammen mit den Schostakowitsch-VC sind diese drei meine Lieblings-VC.


Barber: Violinkonzert op.14 (1941)
Das Werk finde ich ganz ausgezeichnet; besonders den im Kontrast zu den ersten beiden Sätzen überdrehten und technisch schwierigsten 3.Satz Presto.
Barber schrieb die beiden ersten Sätze in der Schweiz als Auftragswerk für ein "damaliges "Violionwunder". Er mußte sich belehren lassen, das das Werk zu einfach ist und zu wenig Virtuosität hatte. Deshalb ließ er das höchst virtuose Finale folgen. Dies wurde von diesem Geigenwunder dann als unspielbar abgelehnt.
Um der Rückerstattung des Honorars zu entgehen beauftragte er einen anderen geiger, der sich das Stück in zwei Stunden aneignete un stellte somit die Spielbarkeit unter Beweis.
UA am 07.02.1941 in Philadelphia.

Gute Aufnahmen sind:
Takezawa, St.Louis SO, Slatkin (RCA, 1996, DDD)
Olivera, St.Louis SO, Slatkin (EMI, 1987, DDD)
Perlmann,
und meine liebste Aufnahme
Stern, New Yorker PH, Bernstein (SONY, 60er-Jahre, ADD)



Andre Previn: Violinkonzert (1999-2001)
Es ist das Violinkonzert "Anne Sophie" von Andre Previn, das von 1999 bis 2001 vom bekannten Dirigenten (geb.1930) für seine Frau Anne Sophie Mutter geschrieben wurde und gleichzeitig im Auftrag des Boston SO entstand. Ja, Andre Previn ist auch schon 79Jahre alt !

Die Uraufführung mit dem Boston SO war am 14.März 2002. Das Werk ist eine erstzunehmende Komposition, die trotz ihrer Aktualität nicht ungenießbar ist - im Gegenteil. Die in diesem Thread von einem Forumsmitglied gemachte Bemerkung bei der Aufzählung mehrerer Violinkonzerte mit einem , halte ich für absolut überflüssig.

Der 1.Satz Moderato (9:49) ist fast als traditionell zu bezeichnen. Mit üppigen Orchesterfarben wird ein neuromanitsches Bild gemalt und ASM spielt technisch und interpretatorisch auf höchstem Niveau.
man darf in dem Werk keine orchestralen Ausbrüche a la Schostakowitsch erwarten. Das wäre auch für Previn unüblich, denn bei seinen Interpretationen als Dirigent vermeidet er dies IMO ebenfalls immer.
Der 2.Satz Cadenza - Slowly (13:27) ist wesentlich Moderner ohne die Tonalität gänzlich zu verlassen - Jazzelemente werden eingesprengselt - ein Adagio, das sehr ernst und beseelt wirkt. Laut Previn soll diese Musik für sich selbst sprechen und sie tut es. ASM ist voll bei der Sache.
Der 3.Satz Andante (16:22) "from a train in germany" enthält die Anregung des Freundes Wilford, etwas über eine Bahnfahrt durch Deutschland zu enthalten. ASM hat ein deutsches Kinderlied vorgeschlagen, über das in dem Satz variiert wird: "Wenn ich ein Vöglein wär und zwei Flügel hät". Im Mittelteil ist ein Presto, das es in sich hat.

Das zweite Werk auf der DG-CD mit dem Previn-VC ist IMO eines der besten Violinkonzerte der zweiten Hälfte des 20.Jhd.:
Bernstein: Serenade für Violine, Streichorchester, Harfe und Schlaginstrumente (1954) .
Bernstein wählte die Bezeichnung Serenade um mehr kompositorische Freiheit zu haben, als wenn er es Konzert genannt hätte.

Was die beiden hier abliefern ist eine schöne Aufnahme (hier mit dem London SO), die von ASM technisch und interpretatorisch gemeistert wird, allerdings ist das Orchester, wie bei Previn üblich, stark zurückgenommen.
Man könnte Previns gedanken spaßhalber in einem Satz so beschreiben: "Das Orchester nur nicht so laut machen, damit meine süsse AnneSophie nicht übertönt wird !" Sie soll auf ihre kleinen Öhrchen keins mit der Pauke bekommen.
Spaß beiseite, die Aufnahme ist von der Solistin her Note:1 , aber vom Orchesterspiel her Note:3-4.
Im dritten Satz wo es nun wirklich rund geht wummert die Pauke weit weg im Hintergrund. Erst im letzten Satz, kann durch Bernsteins Partitur keine Bremse mehr gezogen werden. Insgesamt wirkt die Aufnahme sehr langsam, obwohl sie es im Vergleich zu den Spielzeiten anderer Aufnahmen nicht ist.
:engel Man höre sich nur einmal Bernsteins wirklich gute Serenaden-Aufnahmen mit Zino Francescatti (CBS/SONY, 1962) und genauso famos mit Gidon Kremer (DG, 80er) an
dann weiß man wie hervorragend das Zusammenspiel Solist und Orchester zu einer Spannung und Ausdruckskraft kommen kann !



John Adams: Violinkonzert (1993)
John Adams (geb.1947) ist meiner Ansicht nach ein amerikanischer Komponist für den sich das Interesse lohnt - es gibt leider eine Reihe Komponistzenkollegen von Adams, die dieses Prädikat nicht verdienen.

Sein Violinkonzert (1993) lohnt die Auseinandersetzung auf jeden Fall. An keiner Stelle langweilig steigert sich das Konzert rhytmisch vom ersten langasamen Satz bis zum schnellen letzten Satz.
Ohne Vergleichsmöglichkeit kann ich zur NAXOS-Aufnahme mit der Solistin Cloe Hanslip nur den wärmstens empfehlenden Hinweis geben. Die Solistin spielt mit Hingabe alle enthaltenen Werke und hat ein bestens disponiertes Orchester mit Leonard Slatkin und dem RPO zur Seite.
:P Die Adams-Musik ist "fasslich" und kein Berio-Kauderwelsch !
Diese NAXOS-CD ist ein Beispiel dafür, wie eine Hochpreisaufnahme klingen sollte, obwohl diese für den üblichen Naxospreis 5 bis 6,-€ zu haben ist.
Der gebotene Klang hat audiophile Qualitäten (was bei Naxos nicht immer vorkommt).

Adams: Violinkonzert (1993);
Corigliano: Chaconne aus "The Red Violin"
Enescu: Rumänische Rhapsodie Nr. 1 (arr.Waxman für V + O)
Waxman: Tristan & Isolde-Fantasie
Chloe Hanslip, Charles Owen, Royal PO, Leonard Slatkin
(NAXOS, 2005, DDD)

Auch die anderen Werke hat die Solovoioline ihr Programm:
Den Satz Chaconne hat John Corigliano später zu einem 3sätzigen VC verwendet - schade das diese hier nicht komplett drauf sind. Aber die Chaconne ist auch sehr hörenswert - mir gefällt´s.
Die knapp 3Minütige Fassung für V und O von Enescu´s Rhapsody Nr.1 auf der CD ist nur eine Bearbeitung von Waxmann mit Violine
da ist die 8-10Minütige Originalfassung von Enescu vorzuziehen, dieser Ausschnitt somit absolut überflüssig. Dann hätte Waxman schon das ganze Werk für V und O arrangieren sollen.
Interessanterer Waxman ist dann schon die Tristan und Isolde Fantasie mit den Soloinstrumenten Klavier und Violine mit Orchester.

Das Hauptwerk der Naxos-CD bleibt das John Adams: Violinkonzert.
Nicolas_Aine (23.01.2009, 13:46):
ebenfalls eine tolle Aufnahme des Barber VKs:

Hillary Hahn
Hugh Wolff
The Saint Paul Chamber Orchestra
nikolaus (23.11.2010, 23:54):
Noch nicht erwähnt wurde hier das Violinkonzert von Benjamin Britten.
Dem wenigen, was ich von Britten wirklich kenne, stehe ich zwiespältig gegenüber, aber sein Violinkonzert op. 15 ist wirklich großartig!

1936 besuchte Britten das Festival der Internationalen Gesellschaft für neue Musik in Barcelona und hörte dort Alban Bergs Violinkonzert, das ihn sehr faszinierte.
Aber nicht dieses Erlebnis, sondern der Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges wird als Impuls zur Komposition des Violinkonzerts angesehen.

Es ist "klassisch" als dreisätziges Werk angelegt, wobei zwei lyrische Sätze ein rasantes Scherzo einrahmen.
Der erste Satz - moderato con moto - beginnt mit leisen Paukenschlägen (ganz ähnlich wie in Beethovens Violinkonzert) daran schließt sich das liedhafte Hauptthema der Violine an. Ein rhythmisch prägnantes zweites Motiv unterbricht diese Stimmung, bevor der Satz mit einer Reprise, in der die Violine die Paukenschläge des Anfangs aufnimmt, ruhig ausklingt.
Der zweite Satz - vivace-largamente (cadenza) - mit seiner Rasanz verlangt dem Solisten alles ab, Heifetz erklärte es wohl seinerzeit für unspielbar. Schnelle, auf- und absteigende Tonleitern mit prägnanter Instrumentierung umgeben eine entspanntere zentrale Passage, in der ein flehendes Motiv der Violine durch Orchestereinwürfe kontrastiert wird. Ein Orchestertutti leitet dann eine sehr intensive Kadenz ein.
Die Kadenz führt direkt über in den dritten Satz - Passacaglia: andante lento. Die Posaunen stellen das Thema vor, es folgen neun Variationen. Der Satz endet mit einer wunderschönen, elegischen Coda: nach einer kontinuierlichen Steigerung werden die Akkorde der Bläser immer leiser, ebenso die klagende Violine. Ein stilles Ende, gleichsam im Nichts.

Ich besitze jetzt zwei Aufnahmen dieses Werkes und kann beide uneingeschränkt empfehlen:
Frank-Peter Zimmermann mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter Manfred Honeck legen eine brillante, nahezu perfekte und dadurch vielleicht etwas "kühlere", "kontrolliertere" Einspielung vor.
Janine Jansen mit dem London Symphony Orchestra unter Paavo Järvi spielt vielleicht nicht perfekt, dafür aber sehr intensiv und emotional. Sie wird hervorragend begleitet, Järvi beherrscht auch den großen, satten Orchesterklang!

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0886974399926.jpghttp://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028947815303.jpg

Nikolaus.
teleton (24.11.2010, 10:41):
Hallo nikolaus,

da hast Du Recht, das Britten-VC hatte ich in meinem Beitrag total vergessen.

Die von Dir genannte Neuaufnahme mit Frank Peter Zimmnermann ist zudem ganz exquisit in jeder Beziehung (Interpretation und Klang).

Ich finde sie besser als die auch gute Decca-Aufnahme die Britten selber dirigiert mit Lubotzky und auch als die noch bessere (als Brittens eigene) mit L.Aslan/English Chamber Orchester, Bedford (Collins).

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41790QVFZ3L._SL500_AA300_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51kZ5H3aQML._SL500_AA300_.jpg
Decca, 1960, ADD ...............................................Collins, DDD

Die Aufnahme auf dem englischen Label Collins wurde jetzt von NAXOS übernommen; leider ohne die TOP-Aufnahme des KK:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ES2VGFDSL._SL500_AA300_.jpg
NAXOS, 1990, DDD

Da bei COLLINS das KK enthalten ist und diese CD auch nicht teurer ist, würde ich die Collins-Kopplung vorziehen.
:beer Das ändert aber nichts daran das Zimmerman IMO erste Wahl bleibt.
ab (03.03.2011, 15:38):
Busoni und Strauss sind, glaube ich, beide noch ganz zum Ende des 19. Jahrhunderts komponiert worden, aber danach gibt es noch viele, viele, die gar nicht genannt worden sind. Erstaunlicherweise neben den ausgeschlossenen von Schostakovitsch und Prokofiev gar nicht weiter berühmte genannt worden wie etwa Elgar oder Bartók und Sibelius, für mich vielleicht das schönsten der ganzen romantischen Literatur. Hier sind ein paar von mir zusammengestellt, teils vom Internet praktisch übernommen und durch eigene, die ich zuhause habe, ergänzt. Die unzähligen des Ostblocks fehlen aber alle noch.

Bartók, Béla (1881–1945)
* Nr. 1 (1908)
* Nr. 2 (1938)

Blacher, Boris (1903–1975)
* Violinkonzert op. 29 (1948)

Bloch, Ernest (1880–1959)
* Violinkonzert (1938)

Dohnányi, Ernst von (1877–1960)
* Nr. 1 d-Moll, op. 27 (1914/15)
* Nr. 2 c-Moll, op. 43 (1949/50)

Dutilleux, Henri (* 1916)
* L'Arbre des songes, Concerto pour violon et orchestre (1985)

Egk, Werner (1901–1983)
* "Geigenmusik" (1936)

Elgar, Edward (1857–1934)
* h-Moll, op. 61 (1910)

Ginastera, Alberto (1916–1983)
* Violin Concerto op. 30 (1963)

Glass, Philip (*1937)
* Violin Concerto No. 1 (1987)
* Violin Concerto No. 2 (2009)

Gubaidulina, Sofia (* 1931)
* Nr. 1 "Offertorium" (1980)

Haas, Georg Friedrich (1953)
* Violinkonzert (1998)

Hartmann, Karl Amadeus (1905–1963)
* Concerto Funébre (1939)

Henze, Hans Werner (*1926)
* Nr. 1 (1947)
* Nr. 2 (1971)
* Nr. 3 (1996, rev. 2002)

Hindemith, Paul (1895–1963)
* Violinkonzert (1939)

Holliger, Heinz (*1939)
* Hommage à Louis Soutter (2003)

Kancheli, Giya (*1935)
* Lament (1999)

Korngold, Erich Wolfgang (1897–1957)
* D-Dur, op. 35 (1945)

Krenek, Ernst (1900–1991)
* Nr. 1, op. 29 (1924)
* Nr. 2, op. 140 (1954)

Ligeti, György (1923–2006)
* Violinkonzert (1990-92)

Lutoslawski, Witold (1913–1994)
* Partita für Violine und Orchester, (1988)

Marco, Tomás (1942)
* Concierto des alma (1982)

Martin, Frank (1890–1974)
* Concerto pour violon et orchestre (1950/51)

Martinu, Bohuslav (1890–1959)
* Nr. 1 (1943)
* Nr. 2 (1949)

Milhaud, Darius (1892–1974)
* Nr. 1 (1927)
* Concertino de Printemps (1934)
* Nr. 2 (1946?)
* Nr. 3 (1958)

Nielsen, Carl (1865–1931)
* op. 33 (1911)

Nono, Luigi (1924–1990)
* Varianti (1956/57)

Penderecki, Krzysztof (*1933)
* Nr. 1 (1976/77)
* Nr. 2 "Metamorphosen" (1992-95), Anne-Sophie Mutter gewidmet

Pettersson, Gustav Allan (1911–1980)
* Nr. 1 (1949/50)
* Nr. 2 (1978, rev. 1980)

Pfitzner, Hans (1869–1949)
* h-Moll, op. 34 (1923)

Reger, Max (1873–1916)
* A-Dur, op. 101 (1907-08)

Respighi, Ottorino (1879–1936)
* Concerto gregoriano (1922)
* Concerto all'antica (1925)

Rihm, Wolfgang (*1951)
* "gesungene Zeit" (1992)

Rosenfeld, Gerhard (1931)
* Violinkonzert Nr. 1 (1963)
* Violinkonzert Nr. 2 (1973)

Schnittke, Alfred (1934–1998)
* Nr. 1 (1957/62)
* Nr. 2 (1966)
* Nr. 3 für Violine und Kammerorchester (1978)
* Nr. 4 (1984)

Schoeck, Othmar (1886–1957)
* Konzert für Violine und Orchester B-Dur, Quasi una fantasia op. 21 (1911/12)

Schönberg, Arnold (1874–1951)
* op. 36 (1936)

Schwertsik, Kurt (1935)
* Violinkonzert Nr. 1 op. 31 (1977)
* Violinkonzert Nr. 2 op. 81 (2000)

Stephan, Rudi (1887-1915)
* Musik für Geige und Orchester op. 4 (1913)

Szymanowski, Karol (1882–1937)
* Nr. 1 op. 35 (1916)
* Nr. 2 op. 61 (1933)

Eduard Tubin (1905–1982)
* Violinkonzert Nr. 1 in D-Dur (1941-42)
* Violinkonzert Nr. 2 (1945)

Walton, William (1902–1983)
* Violinkonzert (1939, rev. 1945)

Weill, Kurt (1900–1950)
* op. 12 (1925)

Wellesz, Egon (1885-1974)
* Suite für Violine und Kammerorchester op. 38 (1924)
Cantus Arcticus (03.03.2011, 15:48):
Original von ab
Busoni und Strauss sind, glaube ich, beide noch ganz zum Ende des 19. Jahrhunderts komponiert worden, aber danach gibt es noch viele, viele, die gar nicht genannt worden sind. Erstaunlicherweise neben den ausgeschlossenen von Schostakovitsch und Prokofiev gar nicht weiter berühmte genannt worden wie etwa Elgar oder Bartók und Sibelius, für mich vielleicht das schönsten der ganzen romantischen Literatur. Hier sind ein paar von mir zusammengestellt, teils vom Internet praktisch übernommen und durch eigene, die ich zuhause habe, ergänzt. Die unzähligen des Ostblocks fehlen aber alle noch.

.....
Gubaidulina, Sofia (* 1931)
* Nr. 1 "Offertorium" (1980)

....


Hallo ab
hier kann ich ja noch was beisteuern, was mir gefällt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51nfR0LHi5L._SS400_.jpg

Anne-Sophie Mutter ist eine Weltklasse-Geigerin, obschon mir lange nicht alles gefällt von ihr...

Gruss
Stefan
ab (03.03.2011, 21:45):
Original von Cantus Arcticus
Original von ab
Busoni und Strauss sind, glaube ich, beide noch ganz zum Ende des 19. Jahrhunderts komponiert worden, aber danach gibt es noch viele, viele, die gar nicht genannt worden sind. Erstaunlicherweise neben den ausgeschlossenen von Schostakovitsch und Prokofiev gar nicht weiter berühmte genannt worden wie etwa Elgar oder Bartók und Sibelius, für mich vielleicht das schönsten der ganzen romantischen Literatur. Hier sind ein paar von mir zusammengestellt, teils vom Internet praktisch übernommen und durch eigene, die ich zuhause habe, ergänzt. Die unzähligen des Ostblocks fehlen aber alle noch.

.....
Gubaidulina, Sofia (* 1931)
* Nr. 1 "Offertorium" (1980)

....


Hallo ab
hier kann ich ja noch was beisteuern, was mir gefällt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51nfR0LHi5L._SS400_.jpg

Anne-Sophie Mutter ist eine Weltklasse-Geigerin, obschon mir lange nicht alles gefällt von ihr...

Gruss
Stefan

Der Faden hier heißt doch: "Violinenkonzerte des 20. Jahrhunderts". Wenn ich mich recht entsinne, ist das Gubaidulinas Werk aber ein Violinenkonzert des 21. Jahrhunderts.
Möchtest Du nicht einen eigenen Faden dazu eröffnen!? Da gibts wohl viel, ich denke gerade nur zB an Nörgard oder Tüür.
Cantus Arcticus (04.03.2011, 13:02):
Original von ab
Der Faden hier heißt doch: "Violinenkonzerte des 20. Jahrhunderts". Wenn ich mich recht entsinne, ist das Gubaidulinas Werk aber ein Violinenkonzert des 21. Jahrhunderts.
Möchtest Du nicht einen eigenen Faden dazu eröffnen!? Da gibts wohl viel, ich denke gerade nur zB an Nörgard oder Tüür.

Hallo ab

Mea Culpa :( sorry!!
Du hast recht!

Ich werde einen eigenen Faden eröffnen. Danke für den Hinweis! Werde das nächste Mal besser darauf achten.

Grüsse
Stefan