W.A. Mozart - Sonaten für Klavier und Violine

Carola (11.06.2006, 18:39):
Am Beginn der klassischen Violinsonaten stehen Klaviersonaten, die von einer Violine begleitet wurden. Der vergleichsweise dünne Klang des Cembalos verlangte offenbar nach einer Auffüllung durch die Geige. Mit Aufkommen des Hammerklaviers und damit eines volleren Klavierklangs emanzipierte sich die Geige dann aber immer stärker aus ihrer begleitenden Funktion und wurde schließlich zu einer gleichwertigen "Gesprächspartnerin" des Klaviers.



http://www.amadeusmusic.ch/pic/BP%203521.jpg


Diese Entwicklung lässt sich auch an Mozarts Violinsonaten gut nachvollziehen. Seine ersten, bereits in der Kinderzeit komponierten Stücke dieses Genres (KV 6-9), wurden noch als "Klaviersonaten mit begleitender Violine", veröffentlicht, wobei auf die Geige laut Titelblatt auch verzichtet werden konnte.

Im Jahr 1778 veröffentlicht Mozart dann eine Gruppe von sechs Violinsonaten, KV 301 - 306, die er teilweise in Mannheim, teilweise in Paris komponierte und in der (vergeblichen) Hoffnung auf eine Anstellung der Kurfürstin von der Pfalz widmete - die "Kurpfälzischen Sonaten".

Mit Ausnahme von KV 306 bestehen diese Sonaten lediglich aus zwei Sätzen. Mir selber gefällt aus dieser Serie die in Paris komponierte Sonate KV 304 am besten und hier insbesondere der elegische zweite Satz.

Es folgte eine weitere Sechsergruppe, KV 296, 376-380, die im Jahr 1781 unter dem Titel "Auernhammer Sonaten" in Wien erstveröffentlicht werden. Sämtliche Sonaten haben drei Sätze. Im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Klavier und Geige heißt es in einer zeitgenössischen Kritik:

... Dabey ist das Accompagnement der Violine mit der Clavierpartie so künstlich verbunden, daß beide Instrumente in beständiger Aufmerksamkeit unterhalten werden; so daß diese Sonaten einen ebenso fertigen Violin- aus auch Clavier-Spieler erfordern". (zitiert nach: Konzertführer Mozart, Breitkopf & Härtel, Seite 238).

Drei weitere Violinsonaten hat Mozart danach noch komponiert, KV 454, 481 und 526.

KV 454 schrieb er eigens für die Geigenvirtuosin Regina Strinasacchi und führte sie in Gegenwart des Kaisers Joseph II auch mit ihr zusammen auf (1784).

http://www.swr.de/imperia/md/images/musikdebt/181.jpg

Das Stück ist entsprechend virtuos und perlend, vor allem im zweiten Satz aber auch gefühlvoll getragen; der damals berühmten Geigerin auf den Leib geschrieben. Über sie schrieb Mozart an seinen Vater: Ihr Adagio kann kein Mensch mit mehr Empfindung ... spielen, ihr ganzes Herz und Seele ist bey der Melodie". (zitiert nach Harenberg, Kammermusikführer, Seite 543).

Nun zu den Aufnahmen:

An erster Stelle möchte ich hier die EMI-Box (fünf CD´s) mit Frank Peter Zimmermann, Violine und Alexander Lonquich, Klavier nennen.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B000067FH3.03.LZZZZZZZ.jpg


Zimmermann und Lonquich spielen sehr schön und ausgewogen; hinzu kommt: Bei einem Preis von knapp 20 Euro für die gesamte Box dürfte das Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar sein. Neben den Violinsonaten enthält die Box auch eine CD mit mehreren kurzen Klavierstücken Mozarts. Aber Vorsicht: Bei jpc ist die Box sechs (!) Euro teurer als bei Amazon.

Dann besitze ich noch eine Einzel-CD mit Maria Joao Pires, Klavier und Augustin Dumay, Violine.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001GF1.01.LZZZZZZZ.jpg


Dumays Geigenton klingt in meinen Ohren sahniger und expressiver als der von Zimmermann - mir gefällt das sehr gut. Und das Spiel von Pires natürlich sowieso.

Zum Schluss noch der Hinweis auf den "Klassiker" unter den Aufnahmen, Mozarts Violinsonaten mit Clara Haskil und Arthur Grumiaux aus dem Jahr 1958.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000E2SH.03.LZZZZZZZ.jpg


Ich selber kenne diese CD leider (noch) nicht, hoffe aber auf eine Einschätzung durch Zelenka. Auch von den in den letzten Jahren entstandenen Aufnahmen kenne ich leider bisher keine.

So, jetzt seid Ihr dran!

Mit Gruß von Carola
Cosima (11.06.2006, 19:32):
Liebe Carola,

ich möchte auf zwei sehr schöne Aufnahmen einiger Sonaten (KV 376, 378 379 und KV 304-306) hinweisen:

http://www.wom.de/image/cover/front/0/6208481.jpg und http://images-eu.amazon.com/images/P/B000025ZIC.03.LZZZZZZZ.gif

Sviatoslav Richters Klavierspiel ist sehr klar, innig und anmutig. Ich liebe generell seinen Mozart sehr. Beide Künstler waren auch privat gute Freunde, was sich sicher günstig auf das wunderbare Zusammenspiel auswirkte. Es handelt sich zwar um Live-Aufnahmen (1975 und 1982), aber die Klangqualität ist sehr gut.

Bis vor kurzem besaß ich die 4-er-Box des Duos Perlman/Barenboim. Ich habe sie jedoch wieder verkauft, so dass ich momentan keine weiteren Aufnahmen der Sonaten für Violine und Klavier besitze.

Gruß, Cosima
Zelenka (11.06.2006, 19:50):
Meinen herzlichen Dank an Carola für die schöne Einführung in diesen Faden! Die Geschwindigkeit, mit der sie zustande gekommen ist, ist verblüffend.

Carola hat die klassischen Einspielungen von Grumiaux und Haskil erwähnt, eine CD mit vier Sonaten (Stereo) ist abgebildet, zwei weitere Sonaten in Mono (die besonders schöne Sonate KV 454, KV 526) existieren außerdem. Leider ist es zu weiteren Aufnahmen nicht gekommen. Beide Solisten sind natürlich Mozart-Interpreten von eminenter Bedeutung gewesen, ein Glücksfall, daß sie sich offenbar untereinander hervorragend verstanden haben. Das Spiel Haskils ist nicht unbedingt makellos, aber hier agieren sicher gleichrangige Partner. Über das Spiel von Grumiaux braucht weiter nichts gesagt werden, für die heutige Zeit mag es ein wenig zu romantisch klingen.

Die Partnerschaft Goldberg/Lupu ist ein ähnlicher Glücksfall. Goldbergs Ton ist weniger weich als der von Grumiaux, meiner Meinung nach ist dies kein Nachteil. Lupu spielt charaktervoll, nimmt sich aber vielleicht insgesamt doch etwas zurück verglichen mit Haskil. Auch diese Versionen der Sonaten von 1974 sind für den Zeitgeschmack etwas zu romantisch. Aber welches Spiel! (Enthalten sind in der Box KV 296, 301-306, 377-380, 454, 481, 526, 547, insgesamt also 16 Sonaten.)


http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000012U5.01.LZZZZZZZ.jpg


Ich besitze auch noch eine historisch informierte Aufnahme der Sonaten KV 296, 306, 376 mit Erich Höbarth (bekannt vom Quatuor Mosaiques) und Patrick Cohen (Hammerklavier) (Auvidis Astrée E8581). Verglichen mit den zwei anderen hier erwähnten Partnerschaften (und um mich einer kulinarischen Beschreibungssprache zu bedienen) eher Knäckebrot mit Essig.

Gruß,

Zelenka
Carola (11.06.2006, 20:16):
Diese Violinsonate scheint die einzige zu sein, die ich bisher nicht kenne.

Im Harenberg Kammermusikführer wird sie im Verzeichnis der Kammermusik von Mozart zwar mit aufgeführt (als Komposition von 1788), später im Text wird sie aber mit keinem Wort mehr erwähnt.

Der "Konzertführer Mozart" von Breitkopf & Härtel erwähnt diese Sonate überhaupt nicht.

Auch in der ansonsten vollständigen Box mit Zimmermann/Lonquich ist sie nicht mit aufgenommen.

Weiß jemand mehr?

@ Zelenka: Steht vielleicht im Booklet Deiner Lupu/Goldberg Box etwas darüber?

Mit Gruß von Carola

PS. "Knäckebrot mit Essig" gefällt mir. :D
Zelenka (11.06.2006, 20:25):
Original von Carola
Diese Violinsonate scheint die einzige zu sein, die ich bisher nicht kenne.

Im Harenberg Kammermusikführer wird sie im Verzeichnis der Kammermusik von Mozart zwar mit aufgeführt (als Komposition von 1788), später im Text wird sie aber mit keinem Wort mehr erwähnt.

Der "Konzertführer Mozart" von Breitkopf & Härtel erwähnt diese Sonate überhaupt nicht.

Auch in der ansonsten vollständigen Box mit Zimmermann/Lonquich ist sie nicht mit aufgenommen.

Weiß jemand mehr?

@ Zelenka: Steht vielleicht im Booklet Deiner Lupu/Goldberg Box etwas darüber?

Mit Gruß von Carola

PS. "Knäckebrot mit Essig" gefällt mir. :D

Liebe Carola:

Ich zitiere aus dem Booklet der Goldberg/Lupu-Box:

KV 547, F-Dur

Diese sonatinenähnliche Komposition, die wie die Klaviersonate in C-Dur, KV 545 von Mozart selber als "für Anfänger" bezeichnet wurde, läßt sich mit den Sonaten ähnlichen Datums nicht vergleichen. Hier handelt es sich um eine Klaviersonate mit Violinbegleitung, in der sich das Streichinstrument gelegentlich etwas selbstständig macht. Eigenartig ist, daß alle drei Sätze in derselben Tonart stehen. Der erste ist ein Andantino cantabile in dreiteiliger Form, dessen Mittelabschnitt eine kurze Kadenz - auf dem Klavier! - enthält. Der zweite Satz ist ein lebhaftes, regelmäßiges Allegro, der letzte ein Variationssatz mit einer kurzen Coda.

Gruß,

Zelenka
Carola (11.06.2006, 20:39):
Vielen Dank für die Information, Zelenka.

Klingt nicht so, als ob ich diese KV 547 unbedingt kennenlernen müsste.

Harenberg scheint das ähnlich zu sehen. Dort wird nämlich die oben von mir erwähnte Aufnahme mit Zimmermann/Lonquich als Gesamtaufnahme bezeichnet.

Mit Gruß von Carola
Zelenka (11.06.2006, 20:42):
Original von Carola
Vielen Dank für die Information, Zelenka.

Klingt nicht so, als ob ich diese KV 547 unbedingt kennenlernen müsste.

Harenberg scheint das ähnlich zu sehen. Dort wird nämlich die oben von mir erwähnte Aufnahme mit Zimmermann/Lonquich als Gesamtaufnahme bezeichnet.

Mit Gruß von Carola

Liebe Carola:

KV 547 muß man sicher nicht kennen. Werde das Sonatinchen vielleicht mal nach der DVD auflegen. - Dachte ich mir, daß Dir "Knäckebrot mit Essig" gefallen würde.

Gruß,

Zelenka
ab (12.06.2006, 21:59):
Original von Carola
"Klassiker" unter den Aufnahmen, Mozarts Violinsonaten mit Clara Haskil und Arthur Grumiaux aus dem Jahr 1958.





Was Grumiaux-Haskil betrifft, so kann ich leider weder bei ihrem Beethoven noch beim Mozart jene entrückte Übereinstimmung hören, von der ich immer lese. Ich finde, deren Auffassungen divergieren beträchtlich. Was mache ich da beim Hören nur falsch? Kannst mir da jemand einen Tipp geben?

Mir selbt gefallen die Aufnahmen Grumiaux/Walter Klien aus den 70ern viel besser - wiewohl ich da nur den Ausschnitt besitze, der einst in einer Mozart-Edition zum letzten Jubeljahr erschienen war. Seither warte ich, dass dieses Doppel-CD wieder veröffentlich werden wird. Weiß davon jemand etwas, ob dies in diesem jahr geplant ist?
AcomA (12.06.2006, 22:04):
hallo,

ich kenne einige de sonaten mit perlman/barenboim (DG) und zimmermann/longquich (emi). die perlman/barenboim-einspielungen sind IMO sehr gut und ausgewogen. barenboim mal richtig gut in form !

indes gibt es in meinem fundus zwei topscorer:

1. oleg kagan, violine, sviatoslav richter, klavier, mit den sonaten f-dur KV 376, b-dur KV 378 und g-dur KV 379 (LCL, ADD, live-aufn. vom 17.12.1982). Cosima führte diese aufnahme oben schon auf ! :) richter ist der konstrukteurschef und kagan überzeugt mit natürlicher phrasierung und angenehm vollem ton. nach angaben d. oistrachs sein bester schüler in sachen mozart. klangqualität für live sehr gut.

2. der späte isaac stern, violine, der junge yefim bronfman, klavier, mit den sonaten f-dur KV 377, e-moll KV 304, f-dur KV 547 und es-dur KV 481 (sony, DDD, aufn. 1992-1994). eine tolle kombination von alt und jung ! dieser isaac stern hat selbst im alter eine blitzsaubere intonation und einen warmen ton. er spricht geradezu mit dem instrument. bronfmans spiel ist wiedermal sensationell stark. stilsicher und mit wundervollem anschlag und ton. es wird mal langsam ein thread für diesen pianisten fällig. die aufnahmequalität ist top.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000024XAW.03.MZZZZZZZ.jpg

gruß, siamak :engel
ab (12.06.2006, 22:08):
Original von Cosima
die 4-er-Box des Duos Perlman/Barenboim.

Zuckermann mit Barenboim waren zur ähnlicher Zeit ein viel schöneres Duo-Gespann .
Zuckermann hatt(e) einen selten wunderschönen Geigenklang! Ich wüsste allerdings nicht, dass sie auch Mozart zusammen aufgenommen hätten. Liege ich da falsch?
Zelenka (13.06.2006, 19:27):
Original von ab
[Was Grumiaux-Haskil betrifft, so kann ich leider weder bei ihrem Beethoven noch beim Mozart jene entrückte Übereinstimmung hören, von der ich immer lese. Ich finde, deren Auffassungen divergieren beträchtlich. Was mache ich da beim Hören nur falsch? Kannst mir da jemand einen Tipp geben?

Mir selbt gefallen die Aufnahmen Grumiaux/Walter Klien aus den 70ern viel besser - wiewohl ich da nur den Ausschnitt besitze, der einst in einer Mozart-Edition zum letzten Jubeljahr erschienen war. Seither warte ich, dass dieses Doppel-CD wieder veröffentlich werden wird. Weiß davon jemand etwas, ob dies in diesem jahr geplant ist?

Lieber ab:

Es mag sein, daß bei Grumiaux/Haskil nicht immer "entrückte Übereinstimmung" herrscht, die würde ich auch nicht unbedingt verlangen, aber ich finde, daß Klien leider nicht in Haskils Liga mitspielen kann. Klien ist allenfalls zweite Bundesliga.

Gruß,

Zelenka
ab (14.06.2006, 16:22):
Original von Zelenka

Es mag sein, daß bei Grumiaux/Haskil nicht immer "entrückte Übereinstimmung" herrscht, die würde ich auch nicht unbedingt verlangen, aber ich finde, daß Klien leider nicht in Haskils Liga mitspielen kann. Klien ist allenfalls zweite Bundesliga.


Lieber ein guter, übereinstimmender Begleiter als zwei individuelle Supermusiker, von denen jeder sein eigenes Ding dreht, ohne zusammenzufinden. Auf die Ensembleleistung kommt es doch an, oder?
Zelenka (15.06.2006, 13:54):
Original von ab
Original von Zelenka

Es mag sein, daß bei Grumiaux/Haskil nicht immer "entrückte Übereinstimmung" herrscht, die würde ich auch nicht unbedingt verlangen, aber ich finde, daß Klien leider nicht in Haskils Liga mitspielen kann. Klien ist allenfalls zweite Bundesliga.


Lieber ein guter, übereinstimmender Begleiter als zwei individuelle Supermusiker, von denen jeder sein eigenes Ding dreht, ohne zusammenzufinden. Auf die Ensembleleistung kommt es doch an, oder?

Lieber ab:

Du hast generell natürlich recht, aber im Einzelfall ist mir ein interessantes momentanes Aneinandervorbeireden lieber als schon längst totgeprobte Äußerungen eines Kollektivs. Ähnliche Probleme gibt es z.B. ja bei den Beethoven-Sonaten mit Kremer/Argerich, die trotzdem für mich eine große Faszination bewahren, auch wenn ich ihre CDs nicht als meine Lieblingseinspielungen dieser Werke betrachte.

Gruß,

Zelenka
ab (15.06.2006, 22:20):
Original von Zelenka
Du hast generell natürlich recht, aber im Einzelfall ist mir ein interessantes momentanes Aneinandervorbeireden lieber als schon längst totgeprobte Äußerungen eines Kollektivs. Ähnliche Probleme gibt es z.B. ja bei den Beethoven-Sonaten mit , auch wenn ich ihre CDs nicht als meine Lieblingseinspielungen dieser Werke betrachte.

Hallo Zelenka,

ja, du hast recht, ich muss Dir Recht geben. Mehr noch: Es gibt sogar Aufnahmen, ich denke gerade an Oistrach/Richters César Frank-Sonateneinspielung, wo sie dann im Laufe immer besser zusammenfinden: grandios!
Was Kremer/Argerich betrifft, so beneide ich Dich, dabei eine "große Faszination bewahren" zu können, ehrlich! Ich wünschte, mir ginge es gleich (das selbe gilt für Kremer/Afananssievs Brahms-Sonaten, die ich nur schrecklich finde; so sehr ich beide über die Maßen schätze (und deren Schubert geradezu liebe).
Carola (11.06.2006, 18:39):
Am Beginn der klassischen Violinsonaten stehen Klaviersonaten, die von einer Violine begleitet wurden. Der vergleichsweise dünne Klang des Cembalos verlangte offenbar nach einer Auffüllung durch die Geige. Mit Aufkommen des Hammerklaviers und damit eines volleren Klavierklangs emanzipierte sich die Geige dann aber immer stärker aus ihrer begleitenden Funktion und wurde schließlich zu einer gleichwertigen "Gesprächspartnerin" des Klaviers.



http://www.amadeusmusic.ch/pic/BP%203521.jpg


Diese Entwicklung lässt sich auch an Mozarts Violinsonaten gut nachvollziehen. Seine ersten, bereits in der Kinderzeit komponierten Stücke dieses Genres (KV 6-9), wurden noch als "Klaviersonaten mit begleitender Violine", veröffentlicht, wobei auf die Geige laut Titelblatt auch verzichtet werden konnte.

Im Jahr 1778 veröffentlicht Mozart dann eine Gruppe von sechs Violinsonaten, KV 301 - 306, die er teilweise in Mannheim, teilweise in Paris komponierte und in der (vergeblichen) Hoffnung auf eine Anstellung der Kurfürstin von der Pfalz widmete - die "Kurpfälzischen Sonaten".

Mit Ausnahme von KV 306 bestehen diese Sonaten lediglich aus zwei Sätzen. Mir selber gefällt aus dieser Serie die in Paris komponierte Sonate KV 304 am besten und hier insbesondere der elegische zweite Satz.

Es folgte eine weitere Sechsergruppe, KV 296, 376-380, die im Jahr 1781 unter dem Titel "Auernhammer Sonaten" in Wien erstveröffentlicht werden. Sämtliche Sonaten haben drei Sätze. Im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Klavier und Geige heißt es in einer zeitgenössischen Kritik:

... Dabey ist das Accompagnement der Violine mit der Clavierpartie so künstlich verbunden, daß beide Instrumente in beständiger Aufmerksamkeit unterhalten werden; so daß diese Sonaten einen ebenso fertigen Violin- aus auch Clavier-Spieler erfordern". (zitiert nach: Konzertführer Mozart, Breitkopf & Härtel, Seite 238).

Drei weitere Violinsonaten hat Mozart danach noch komponiert, KV 454, 481 und 526.

KV 454 schrieb er eigens für die Geigenvirtuosin Regina Strinasacchi und führte sie in Gegenwart des Kaisers Joseph II auch mit ihr zusammen auf (1784).

http://www.swr.de/imperia/md/images/musikdebt/181.jpg

Das Stück ist entsprechend virtuos und perlend, vor allem im zweiten Satz aber auch gefühlvoll getragen; der damals berühmten Geigerin auf den Leib geschrieben. Über sie schrieb Mozart an seinen Vater: Ihr Adagio kann kein Mensch mit mehr Empfindung ... spielen, ihr ganzes Herz und Seele ist bey der Melodie". (zitiert nach Harenberg, Kammermusikführer, Seite 543).

Nun zu den Aufnahmen:

An erster Stelle möchte ich hier die EMI-Box (fünf CD´s) mit Frank Peter Zimmermann, Violine und Alexander Lonquich, Klavier nennen.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B000067FH3.03.LZZZZZZZ.jpg


Zimmermann und Lonquich spielen sehr schön und ausgewogen; hinzu kommt: Bei einem Preis von knapp 20 Euro für die gesamte Box dürfte das Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar sein. Neben den Violinsonaten enthält die Box auch eine CD mit mehreren kurzen Klavierstücken Mozarts. Aber Vorsicht: Bei jpc ist die Box sechs (!) Euro teurer als bei Amazon.

Dann besitze ich noch eine Einzel-CD mit Maria Joao Pires, Klavier und Augustin Dumay, Violine.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001GF1.01.LZZZZZZZ.jpg


Dumays Geigenton klingt in meinen Ohren sahniger und expressiver als der von Zimmermann - mir gefällt das sehr gut. Und das Spiel von Pires natürlich sowieso.

Zum Schluss noch der Hinweis auf den "Klassiker" unter den Aufnahmen, Mozarts Violinsonaten mit Clara Haskil und Arthur Grumiaux aus dem Jahr 1958.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000E2SH.03.LZZZZZZZ.jpg


Ich selber kenne diese CD leider (noch) nicht, hoffe aber auf eine Einschätzung durch Zelenka. Auch von den in den letzten Jahren entstandenen Aufnahmen kenne ich leider bisher keine.

So, jetzt seid Ihr dran!

Mit Gruß von Carola
Cosima (11.06.2006, 19:32):
Liebe Carola,

ich möchte auf zwei sehr schöne Aufnahmen einiger Sonaten (KV 376, 378 379 und KV 304-306) hinweisen:

http://www.wom.de/image/cover/front/0/6208481.jpg und http://images-eu.amazon.com/images/P/B000025ZIC.03.LZZZZZZZ.gif

Sviatoslav Richters Klavierspiel ist sehr klar, innig und anmutig. Ich liebe generell seinen Mozart sehr. Beide Künstler waren auch privat gute Freunde, was sich sicher günstig auf das wunderbare Zusammenspiel auswirkte. Es handelt sich zwar um Live-Aufnahmen (1975 und 1982), aber die Klangqualität ist sehr gut.

Bis vor kurzem besaß ich die 4-er-Box des Duos Perlman/Barenboim. Ich habe sie jedoch wieder verkauft, so dass ich momentan keine weiteren Aufnahmen der Sonaten für Violine und Klavier besitze.

Gruß, Cosima
Zelenka (11.06.2006, 19:50):
Meinen herzlichen Dank an Carola für die schöne Einführung in diesen Faden! Die Geschwindigkeit, mit der sie zustande gekommen ist, ist verblüffend.

Carola hat die klassischen Einspielungen von Grumiaux und Haskil erwähnt, eine CD mit vier Sonaten (Stereo) ist abgebildet, zwei weitere Sonaten in Mono (die besonders schöne Sonate KV 454, KV 526) existieren außerdem. Leider ist es zu weiteren Aufnahmen nicht gekommen. Beide Solisten sind natürlich Mozart-Interpreten von eminenter Bedeutung gewesen, ein Glücksfall, daß sie sich offenbar untereinander hervorragend verstanden haben. Das Spiel Haskils ist nicht unbedingt makellos, aber hier agieren sicher gleichrangige Partner. Über das Spiel von Grumiaux braucht weiter nichts gesagt werden, für die heutige Zeit mag es ein wenig zu romantisch klingen.

Die Partnerschaft Goldberg/Lupu ist ein ähnlicher Glücksfall. Goldbergs Ton ist weniger weich als der von Grumiaux, meiner Meinung nach ist dies kein Nachteil. Lupu spielt charaktervoll, nimmt sich aber vielleicht insgesamt doch etwas zurück verglichen mit Haskil. Auch diese Versionen der Sonaten von 1974 sind für den Zeitgeschmack etwas zu romantisch. Aber welches Spiel! (Enthalten sind in der Box KV 296, 301-306, 377-380, 454, 481, 526, 547, insgesamt also 16 Sonaten.)


http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000012U5.01.LZZZZZZZ.jpg


Ich besitze auch noch eine historisch informierte Aufnahme der Sonaten KV 296, 306, 376 mit Erich Höbarth (bekannt vom Quatuor Mosaiques) und Patrick Cohen (Hammerklavier) (Auvidis Astrée E8581). Verglichen mit den zwei anderen hier erwähnten Partnerschaften (und um mich einer kulinarischen Beschreibungssprache zu bedienen) eher Knäckebrot mit Essig.

Gruß,

Zelenka
Carola (11.06.2006, 20:16):
Diese Violinsonate scheint die einzige zu sein, die ich bisher nicht kenne.

Im Harenberg Kammermusikführer wird sie im Verzeichnis der Kammermusik von Mozart zwar mit aufgeführt (als Komposition von 1788), später im Text wird sie aber mit keinem Wort mehr erwähnt.

Der "Konzertführer Mozart" von Breitkopf & Härtel erwähnt diese Sonate überhaupt nicht.

Auch in der ansonsten vollständigen Box mit Zimmermann/Lonquich ist sie nicht mit aufgenommen.

Weiß jemand mehr?

@ Zelenka: Steht vielleicht im Booklet Deiner Lupu/Goldberg Box etwas darüber?

Mit Gruß von Carola

PS. "Knäckebrot mit Essig" gefällt mir. :D
Zelenka (11.06.2006, 20:25):
Original von Carola
Diese Violinsonate scheint die einzige zu sein, die ich bisher nicht kenne.

Im Harenberg Kammermusikführer wird sie im Verzeichnis der Kammermusik von Mozart zwar mit aufgeführt (als Komposition von 1788), später im Text wird sie aber mit keinem Wort mehr erwähnt.

Der "Konzertführer Mozart" von Breitkopf & Härtel erwähnt diese Sonate überhaupt nicht.

Auch in der ansonsten vollständigen Box mit Zimmermann/Lonquich ist sie nicht mit aufgenommen.

Weiß jemand mehr?

@ Zelenka: Steht vielleicht im Booklet Deiner Lupu/Goldberg Box etwas darüber?

Mit Gruß von Carola

PS. "Knäckebrot mit Essig" gefällt mir. :D

Liebe Carola:

Ich zitiere aus dem Booklet der Goldberg/Lupu-Box:

KV 547, F-Dur

Diese sonatinenähnliche Komposition, die wie die Klaviersonate in C-Dur, KV 545 von Mozart selber als "für Anfänger" bezeichnet wurde, läßt sich mit den Sonaten ähnlichen Datums nicht vergleichen. Hier handelt es sich um eine Klaviersonate mit Violinbegleitung, in der sich das Streichinstrument gelegentlich etwas selbstständig macht. Eigenartig ist, daß alle drei Sätze in derselben Tonart stehen. Der erste ist ein Andantino cantabile in dreiteiliger Form, dessen Mittelabschnitt eine kurze Kadenz - auf dem Klavier! - enthält. Der zweite Satz ist ein lebhaftes, regelmäßiges Allegro, der letzte ein Variationssatz mit einer kurzen Coda.

Gruß,

Zelenka
Carola (11.06.2006, 20:39):
Vielen Dank für die Information, Zelenka.

Klingt nicht so, als ob ich diese KV 547 unbedingt kennenlernen müsste.

Harenberg scheint das ähnlich zu sehen. Dort wird nämlich die oben von mir erwähnte Aufnahme mit Zimmermann/Lonquich als Gesamtaufnahme bezeichnet.

Mit Gruß von Carola
Zelenka (11.06.2006, 20:42):
Original von Carola
Vielen Dank für die Information, Zelenka.

Klingt nicht so, als ob ich diese KV 547 unbedingt kennenlernen müsste.

Harenberg scheint das ähnlich zu sehen. Dort wird nämlich die oben von mir erwähnte Aufnahme mit Zimmermann/Lonquich als Gesamtaufnahme bezeichnet.

Mit Gruß von Carola

Liebe Carola:

KV 547 muß man sicher nicht kennen. Werde das Sonatinchen vielleicht mal nach der DVD auflegen. - Dachte ich mir, daß Dir "Knäckebrot mit Essig" gefallen würde.

Gruß,

Zelenka
ab (12.06.2006, 21:59):
Original von Carola
"Klassiker" unter den Aufnahmen, Mozarts Violinsonaten mit Clara Haskil und Arthur Grumiaux aus dem Jahr 1958.





Was Grumiaux-Haskil betrifft, so kann ich leider weder bei ihrem Beethoven noch beim Mozart jene entrückte Übereinstimmung hören, von der ich immer lese. Ich finde, deren Auffassungen divergieren beträchtlich. Was mache ich da beim Hören nur falsch? Kannst mir da jemand einen Tipp geben?

Mir selbt gefallen die Aufnahmen Grumiaux/Walter Klien aus den 70ern viel besser - wiewohl ich da nur den Ausschnitt besitze, der einst in einer Mozart-Edition zum letzten Jubeljahr erschienen war. Seither warte ich, dass dieses Doppel-CD wieder veröffentlich werden wird. Weiß davon jemand etwas, ob dies in diesem jahr geplant ist?
AcomA (12.06.2006, 22:04):
hallo,

ich kenne einige de sonaten mit perlman/barenboim (DG) und zimmermann/longquich (emi). die perlman/barenboim-einspielungen sind IMO sehr gut und ausgewogen. barenboim mal richtig gut in form !

indes gibt es in meinem fundus zwei topscorer:

1. oleg kagan, violine, sviatoslav richter, klavier, mit den sonaten f-dur KV 376, b-dur KV 378 und g-dur KV 379 (LCL, ADD, live-aufn. vom 17.12.1982). Cosima führte diese aufnahme oben schon auf ! :) richter ist der konstrukteurschef und kagan überzeugt mit natürlicher phrasierung und angenehm vollem ton. nach angaben d. oistrachs sein bester schüler in sachen mozart. klangqualität für live sehr gut.

2. der späte isaac stern, violine, der junge yefim bronfman, klavier, mit den sonaten f-dur KV 377, e-moll KV 304, f-dur KV 547 und es-dur KV 481 (sony, DDD, aufn. 1992-1994). eine tolle kombination von alt und jung ! dieser isaac stern hat selbst im alter eine blitzsaubere intonation und einen warmen ton. er spricht geradezu mit dem instrument. bronfmans spiel ist wiedermal sensationell stark. stilsicher und mit wundervollem anschlag und ton. es wird mal langsam ein thread für diesen pianisten fällig. die aufnahmequalität ist top.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000024XAW.03.MZZZZZZZ.jpg

gruß, siamak :engel
ab (12.06.2006, 22:08):
Original von Cosima
die 4-er-Box des Duos Perlman/Barenboim.

Zuckermann mit Barenboim waren zur ähnlicher Zeit ein viel schöneres Duo-Gespann .
Zuckermann hatt(e) einen selten wunderschönen Geigenklang! Ich wüsste allerdings nicht, dass sie auch Mozart zusammen aufgenommen hätten. Liege ich da falsch?
Zelenka (13.06.2006, 19:27):
Original von ab
[Was Grumiaux-Haskil betrifft, so kann ich leider weder bei ihrem Beethoven noch beim Mozart jene entrückte Übereinstimmung hören, von der ich immer lese. Ich finde, deren Auffassungen divergieren beträchtlich. Was mache ich da beim Hören nur falsch? Kannst mir da jemand einen Tipp geben?

Mir selbt gefallen die Aufnahmen Grumiaux/Walter Klien aus den 70ern viel besser - wiewohl ich da nur den Ausschnitt besitze, der einst in einer Mozart-Edition zum letzten Jubeljahr erschienen war. Seither warte ich, dass dieses Doppel-CD wieder veröffentlich werden wird. Weiß davon jemand etwas, ob dies in diesem jahr geplant ist?

Lieber ab:

Es mag sein, daß bei Grumiaux/Haskil nicht immer "entrückte Übereinstimmung" herrscht, die würde ich auch nicht unbedingt verlangen, aber ich finde, daß Klien leider nicht in Haskils Liga mitspielen kann. Klien ist allenfalls zweite Bundesliga.

Gruß,

Zelenka
ab (14.06.2006, 16:22):
Original von Zelenka

Es mag sein, daß bei Grumiaux/Haskil nicht immer "entrückte Übereinstimmung" herrscht, die würde ich auch nicht unbedingt verlangen, aber ich finde, daß Klien leider nicht in Haskils Liga mitspielen kann. Klien ist allenfalls zweite Bundesliga.


Lieber ein guter, übereinstimmender Begleiter als zwei individuelle Supermusiker, von denen jeder sein eigenes Ding dreht, ohne zusammenzufinden. Auf die Ensembleleistung kommt es doch an, oder?
Zelenka (15.06.2006, 13:54):
Original von ab
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Es mag sein, daß bei Grumiaux/Haskil nicht immer "entrückte Übereinstimmung" herrscht, die würde ich auch nicht unbedingt verlangen, aber ich finde, daß Klien leider nicht in Haskils Liga mitspielen kann. Klien ist allenfalls zweite Bundesliga.


Lieber ein guter, übereinstimmender Begleiter als zwei individuelle Supermusiker, von denen jeder sein eigenes Ding dreht, ohne zusammenzufinden. Auf die Ensembleleistung kommt es doch an, oder?

Lieber ab:

Du hast generell natürlich recht, aber im Einzelfall ist mir ein interessantes momentanes Aneinandervorbeireden lieber als schon längst totgeprobte Äußerungen eines Kollektivs. Ähnliche Probleme gibt es z.B. ja bei den Beethoven-Sonaten mit Kremer/Argerich, die trotzdem für mich eine große Faszination bewahren, auch wenn ich ihre CDs nicht als meine Lieblingseinspielungen dieser Werke betrachte.

Gruß,

Zelenka
ab (15.06.2006, 22:20):
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Du hast generell natürlich recht, aber im Einzelfall ist mir ein interessantes momentanes Aneinandervorbeireden lieber als schon längst totgeprobte Äußerungen eines Kollektivs. Ähnliche Probleme gibt es z.B. ja bei den Beethoven-Sonaten mit , auch wenn ich ihre CDs nicht als meine Lieblingseinspielungen dieser Werke betrachte.

Hallo Zelenka,

ja, du hast recht, ich muss Dir Recht geben. Mehr noch: Es gibt sogar Aufnahmen, ich denke gerade an Oistrach/Richters César Frank-Sonateneinspielung, wo sie dann im Laufe immer besser zusammenfinden: grandios!
Was Kremer/Argerich betrifft, so beneide ich Dich, dabei eine "große Faszination bewahren" zu können, ehrlich! Ich wünschte, mir ginge es gleich (das selbe gilt für Kremer/Afananssievs Brahms-Sonaten, die ich nur schrecklich finde; so sehr ich beide über die Maßen schätze (und deren Schubert geradezu liebe).
Sarastro (21.02.2008, 23:09):
Ich erlebe Mozarts Violinsonaten am liebsten und innigsten beim eigenen Musizieren; zu meinen Favoriten in diesem Genre zählen die Sonaten in G-dur KV 301 und e-moll KV 304, relativ frühe Werke (aus Mozarts Mannheimer Zeit, 1778), die sich aber schon durch ein sehr schönes, fein ausgearbeitetes und einander in der Stimmführung ergänzendes Zusammenspiel von Violine und Klavier auszeichnen (und trotzdem auch für einen Nicht-Tastenlöwen ganz gut spielbar sind ...).
In der einzigen Gesamteinspielung, die ich habe (ein altes Schallplattenalbum mit Denes Zsigmondy / Violine und Anneliese Nissen / Klavier) ist aber ein interessantes Stück nicht enthalten; ich kenne es nur aus der Notenausgabe des Henleverlags: die zweisätzige Sonate KV 402 (385e), deren erster Satz (Andante, un poco adagio) in A-dur steht, der zweite dagegen – eine vierstimmige Fuge – in a-moll. Die Sonate ist sicher deswegen so wenig bekannt, weil der Fugensatz nicht vollendet ist; Mozart schrieb nur die erste Hälfte aus, den Rest besorgte ein gewisser Maximilian Stadler (nicht zu verwechseln mit dem Klarinettisten Anton Stadler, dem KV 581 gewidmet ist; ich weiß aber nicht, ob die beiden verwandt waren).
In meiner Notenausgabe wird leider nicht angegeben, wo genau Stadlers Ergänzung anfängt; auch die von mir benutzte dicke Ausgabe des Köchelverzeichnisses (Leipzig 1989) macht diesbezüglich leider keine näheren Angaben.
Die Fuge, die doch in der Tat konsequent, aber der Tonart des Kopfsatzes entgegen, mit einem a-moll-Dreiklang endet, ist unglaublich „sperrig“ und für einen (Klavier-)Amateur extrem unangenehm und schwer zu spielen, ich würde sie gern mal professionell vorgetragen hören. Daher meine Frage: Ist diese Sonate in den vorhandenen neueren Gesamteinspielungen enthalten, und gibt es die auch auf separaten CDs?
Für entsprechende Auskünfte, auch bezüglich eigener Erfahrungen und Eindrücke, dankt
Sarastro
Amadé (22.02.2008, 17:24):
Hallo Sarastro,

ich hab' mal nachgesehen, aber kann KV 402 in neueren Veröffentlichungen nicht finden. Ich selbst besitze auch nur 1 Aufnahme auf LP, die mit Oscar Shumsky und Artur Balsam für das englische Label ASV eingespielt wurde. Beide Interpreten widmeten sich auch anderen kleineren Sonaten wie KV 302, 303, 403 und 404. Ob die LPs jemals auf CD transferriert wurden, konnte ich nicht herausfinden.
In der vollständigen Mozart-Edition der Philips befindet sich noch eine Aufnahme, die auch mich neugierig macht mit Isabell van Keulen und Ronald Brautigam.

Grüße Amadé
HenningKolf (22.02.2008, 17:52):
Über die Güte der Einspielung (4 CDs für 2,99 € ??) kann ich nichts sagen, weil dies nicht mein Metier ist. Mir ist nur beim Blättern in den jpc-Angeboten aufgefallen, dass die gesuchte Sonate KV 402 hier offensichtlich mit eingespielt wurde.

link

Vielleicht hilft es Euch ja,

Henning
Zelenka (22.02.2008, 18:48):
Es gibt z.B. eine neuere Einspielung bei Naxos mit Nishizaki und Loeb:

http://www.arkivmusic.com/graphics/covers/full/90/905486.jpg

KV 402 ist natürlich auch in der einschlägigen Box der Mozart-GA bei Philips zu finden.

Gruß, Zelenka
Sarastro (22.02.2008, 20:29):
Hallo Zelenka, Henning und Amadé:
besten Dank für die hilfreichen Hinweise! Ich werde mir also demnächst wohl mal die entsprechende Naxos-CD beschaffen (aus der Abbildung mit den Angaben "Nos. 29 and 30" ersehe ich jetzt auch, um welche CD der ganzen Serie es sich handelt. Das ist nämlich sonst, wenn man wie ich nach Tonart und/oder Köchelnummer, nicht aber nach laufender Nummer innerhalb der Werkgattung geht, nach den Katalogen nicht immer ganz einfach herauszukriegen).

Herzliche Grüße,
Sarastro
Sfantu (29.07.2024, 20:02):
Es war heute wohl das erste Mal, daß ich diese beiden Aufnahmen bewußt im Vergleich hörte.

Sonaten für Klavier und Violine
e-moll KV 304
B-dur KV 378



Alexander Lonquich / Frank Peter Zimmermann
(CD, EMI, 1990)

KV 304

Allegro 8'59
Tempo di menuetto 4'58

KV 378

Allegro moderato 8'57
Andantino sostenute e cantabile 5'33
Rondeau. Allegro 4'17



Clara Haskil / Arthur Grumiaux
(LP, Philips, 1956)

Allegro 6'22
Tempo di menuetto 5'27

KV 378

Allegro moderato 5'59
Andantino sostenute e cantabile 4'51
Rondeau. Allegro 3'59



Was Grumiaux-Haskil betrifft, so kann ich leider weder bei ihrem Beethoven noch beim Mozart jene entrückte Übereinstimmung hören, von der ich immer lese. Ich finde, deren Auffassungen divergieren beträchtlich.
Dieser Einschätzung kann ich nicht folgen. Demnach würden beide versuchen, sich jeweils auf Kosten der Anderen / des Anderen in den Vordergrund zu spielen. Das höre ich hier zu keinem Zeitpunkt. Grumiaux' Ton ist süffiger, Zimmermanns Ton ist klar und linear. "Im Vordergrund" steht Grumiaux ohnehin - das liegt jedoch an der schlechten Klangbalance: seine Geige ist gut ortbar und mit Focus im Raum platziert während Haskil nur wie durch einen Schleier wahrnehmbar ist. Es handelt sich bei dieser Doppel-LP um eine stereophonisierte, ursprüngliche Mono-Aufnahme. Kann es sein, daß die originalen Mono-Bänder besser klingen?

Andere Welten bei Lonquich und Zimmermann!
Glasklarer Sound und eine natürliche Balance. Die Musizierhaltung hat mehr Esprit und Eleganz, ist rhetorisch ausgefeilter und scheut auch, wo es geboten ist, die Attacke nicht. Man höre nur den Beginn der e-moll-Sonate (übrigens ist dieses frühe Stück aus der Mannheimer Zeit erstaunlich reif und gehaltvoll): unisono wird das Eingangsthema gespielt, ebenfalls unisono die (kontrastierende) Fortführung. Hier jedoch mit einer stürmischen Vehemenz, die augenblicklich an die Stuhlkante schnellen läßt. Feine Agogik und allerlei kluge Akzente sorgen für durchgängige Spannung.

Wie sediert, ja verschlafen dagegen Haskil / Grumiaux!
Alles in allem eine runde Sache - jedoch weit zurück hinter den beiden jungen deutschen Künstlern.


An erster Stelle möchte ich hier die EMI-Box (fünf CD´s) mit Frank Peter Zimmermann, Violine und Alexander Lonquich, Klavier nennen.

Zimmermann und Lonquich spielen sehr schön und ausgewogen; hinzu kommt: Bei einem Preis von knapp 20 Euro für die gesamte Box dürfte das Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar sein. Neben den Violinsonaten enthält die Box auch eine CD mit mehreren kurzen Klavierstücken Mozarts. Aber Vorsicht: Bei jpc ist die Box sechs (!) Euro teurer als bei Amazon.
Meine Box enthält nur 4 CDs - die erwähnten kürzeren Klavierstücke fehlen.
Andréjo (29.07.2024, 22:52):
Mit einer klassischen Einspielung der großen Sonaten und einer echten Integrale historisch informiert kann ich dienen. Beide sind zu empfehlen, bei beiden ist das nicht meine private Meinung allein.

Auf die Sonaten, welche in der klassischen Einspielung nicht enthalten sind, kann man meines Erachtens tendenziell verzichten; es sind vor allem Werke des sehr jungen Mozart, die überdies auch auf der Flöte gespielt werden können. Auf die geringere Relevanz von KV 547 wurde oben bereits hingewiesen, aber sie ist enthalten. Nicht enthalten sind wenige Einzelsätze und Variations-Kompositionen, die Podger und Cooper spielen.

Selber habe ich einige der großen Sonaten dilettiert - mit einem Geiger, dem ich nicht ganz gewachsen war. Dann wird einem noch mehr die formale Vollendung und die elegante Kunstfertigkeit dieser Musik bewusst, die auch das Tragische nicht ausspart und gerade in den langsamen Sätzen ob ihrer Schönheit begeistert. Die individuelle Wiedererkennbarkeit ist faszinierend ausgeprägt - aber gut, vielleicht gilt das für jede Gattung, die Mozart bedient hat, ganz genauso.

Ein Manko der HIP-Einspielung ist meines Wissens jetzt (2024) verbessert oder behoben. Mir hat das Ratespiel zwar damals auch ein wenig Freude gemacht und ziemlich rasch fand man überdies die entsprechenden Angaben im Netz, von freundlichen Mitmenschen zusammengestellt, doch dies ändert nichts an der Zumutung, dass die einzelne CD weder erkennen ließ wie viele Sätze die benannten Werke enthalten, noch wie lange sie sind oder ab wann die jeweilige Sonate beginnt. Ich kenne so etwas eigentlich kein zweites Mal. :whistling:



:hello Wolfgang