W.A. Mozart - die Streichquintette

Carola (20.05.2006, 15:04):
Mozart hat insgesamt fünf Streichquintette (für 2 Violinen, 2 Violen und Cello) geschrieben.


http://www.gettysburg.edu/library/sunderman/images/covers/Mozart_small.jpg


Durch seinen Freund Michael Haydn inspiriert schrieb Mozart im Jahr 1773 das erste Werk dieser Gattung, das Quintett B-Dur KV 174.

14 Jahre später, also 1787, folgten dann die beiden wunderbaren Quintette KV 515 und KV 516.


Besonders angetan hat es mir das g-moll-Quintett KV 516. Maarten´Hart schreibt in "Mozart und ich" von KV 516 als einem "bitteren" Werk, nach dem es kaum noch Hoffnung und Trost zu geben scheine (S. 110,116). Das mag - wie so häufig bei Hart - übertrieben sein, dennoch ist der Kontrast zwischen dem kraftvoll leuchtenden C-Dur Quintett KV 515 und dem kurz darauf komponierten g-moll Quintett KV 516 in der Tat nicht zu überhören. Großartig sind sie beide.

In den Jahren 1790/91, kurz vor seinem Tod, schrieb Mozart dann seine letzten beiden Streichquintette, KV 593 und KV 614, von denen mir besonders das D-Dur Quintett KV 593 mit seinem schönen Adagio sehr gut gefällt.

Zwischen 1968 und 1974 hat das Amadeus Quartett zusammen mit dem Bratscher Cecil Aronowitz eine Gesamtaufnahme von Mozarts Quintetten eingespielt, die in der Reihe "The Originals" bei der Deutschen Grammophon wieder aufgelegt wurde.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B0006ZFQNU.03.LZZZZZZZ.jpg


Diese vorzügliche Doppel-CD enthält neben den bereits erwähnten fünf Streichquintetten noch das Streichquintett c-moll KV 406 (516b), laut Booklet handelt es sich hierbei um die Bearbeitung einer Bläserserenade.


Die beiden Quintette KV 515 und 516 sind 1986 auch vom Alban Berg Quartett aufgenommen worden und in der bei EMI erschienenen Box mit Mozarts Kammermusik enthalten. Ebenfalls sehr empfehlenswerte Einspielungen.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000BWTKL.03.LZZZZZZZ.jpg


Zugegeben, beide von mir empfohlenen Einspielungen sind nicht mehr ganz taufrisch. Dafür allerdings einer Spielweise verpflichtet, die ich besonders bei Mozart den neueren Aufnahmen in der Regel vorziehe. Aber vielleicht finden sich hier ja noch andere Interessierte, die auch neuere Aufnahmen vorstellen.

Mit Gruß von Carola
Cosima (20.05.2006, 15:39):
Liebe Carola,

ich habe mich in der Vergangenheit kaum mit diesen Werken befasst, überhaupt relativ wenig mit Mozart (von der Klavierliteratur abgesehen). Dennoch würde ich eine Empfehlung für diese Aufnahmen aussprechen:

http://www.wom.de/image/cover/front/0/4958927.jpg

So expressiv und farbig höre ich Mozart gern.

Gruß, Cosima
Carola (20.05.2006, 16:17):
Liebe Cosima,

das Grumiaux Trio kenne ich von einer Aufnahme mit Mozarts Streichertrios und Duos und da finde ich sie ebenfalls sehr gut.

Mich würde interessieren, ob in deren Gesamtaufnahme auch das aus einer Bläserserenade entstandene Streichquintett c-moll KV 406 mit aufgenommen wurde, wie beim Amadeus Quartett. Im Harenberg Kammermusikführer wird das Werk nämlich gar nicht erwähnt und es ist lediglich von fünf Streichquintetten die Rede.

Mit Gruß von Carola
Cosima (20.05.2006, 16:21):
Original von Carola
Mich würde interessieren, ob in deren Gesamtaufnahme der Streichquintette auch das aus einer Bläserserenade entstandene Streichquintett c-moll KV 406 mit aufgenommen wurde, wie beim Amadeus Quartett.

Liebe Carola,

ja, hier ist KV 406 mit drauf, also insgesamt sechs Streichquintette.

Gruß, Cosima
Zelenka (21.05.2006, 10:05):
Hingewiesen sollte ganz bestimmt auch auch auf diese Einspielung der Quintette in ganz hervorragender Aufnahmequalität:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000026CY3.01.LZZZZZZZ.jpg

(Wieder ein Schnäppchen zu weiniger als Naxos-Preisen, ab EUR 14.99 incl. Porto)

Mindestens neben Grumiaux et. al zu stellen. Und es gibt noch ein bißchen mehr Mozart fürs Geld als bei Grumiaux, nämlich ein exzellentes "Stadler"-Klarinenettenquintett. Nach Talich und Grumiaux kommen erst im Abstand die Amadeus-Aufnahmen.

Gruß,

Zelenka
ab (21.05.2006, 17:20):
Das kann ich nur unterstützen:

Diese klangliche und auch dynamische Phrasierungskunst des Talich-Quartetts ist wunderbar! Wer eine undramatische Quintettkunst liebt, die in jedem Ton beseelt ganz aus sich sebst herzus entsteht, dem kann ich sie nur wärmstens ans Herz legen. Wem hingegen genialische (gewollte) Gestaltung näher liegt, sollte allerdings lieber zu einer anderen Anufnahme greifen.

Was das Amadeus Quartett betrifft, das ich ganz besonders bei Mozarts Quartetten schätze, so waren mir ihre Quintette stets zu unruhig. Das Alban Berg Quartett wirkt auf mich bei Mozart - sowohl bei den Quartetten als auch bei den Quintetten - immer sehr artifiziell, und der schmalzige Ton des Primarius entspricht nicht meiner Vorstellung von Klassik.

Wie geht es euch dabei?
Carola (25.05.2006, 13:29):
Wie seht oder besser hört Ihr denn dieses Quintett?

So wie Maarten´t Hart als trostlos und bitter? Hart schreibt in "Mozart und ich": "Trostlos ertönt die langsame Einleitung des Schlußsatzes von KV 516. Die sich danach einstellende eigenartige, hohle Freude versucht nicht einmal mehr, den Blick in den schwarzen Abgrund zu verhüllen" (S 115f).

Ich selber empfinde vor allem den 3. Satz, das Adagio in seiner Stimmung als durchaus positiv, so etwas wie getragene Heiterkeit scheint da wenigstens streckenweise durch.

Beim vierten Satz muss ich allerdings Hart zustimmen, die langsame Einleitung hat etwas trostloses und die danach einsetzende aufgesetzt-forcierte Fröhlichkeit deprimiert eher noch mehr.

Wie empfindet Ihr das?

fragt Carola
ab (26.05.2006, 10:42):
Ach ja, sehr gut gefallen hat mir auch immer der kernige Zugriff von Monica Huggett bei ihrer Interpretation mit dem Ensemble Hausmusik London bei vier der sechst Quintette bei (zunächst EMI und dann) Virgin. Diese DoppelCD ist leider vergriffen und noch nicht wieder preisgünstig aufgelegt worden.
Carola (20.05.2006, 15:04):
Mozart hat insgesamt fünf Streichquintette (für 2 Violinen, 2 Violen und Cello) geschrieben.


http://www.gettysburg.edu/library/sunderman/images/covers/Mozart_small.jpg


Durch seinen Freund Michael Haydn inspiriert schrieb Mozart im Jahr 1773 das erste Werk dieser Gattung, das Quintett B-Dur KV 174.

14 Jahre später, also 1787, folgten dann die beiden wunderbaren Quintette KV 515 und KV 516.


Besonders angetan hat es mir das g-moll-Quintett KV 516. Maarten´Hart schreibt in "Mozart und ich" von KV 516 als einem "bitteren" Werk, nach dem es kaum noch Hoffnung und Trost zu geben scheine (S. 110,116). Das mag - wie so häufig bei Hart - übertrieben sein, dennoch ist der Kontrast zwischen dem kraftvoll leuchtenden C-Dur Quintett KV 515 und dem kurz darauf komponierten g-moll Quintett KV 516 in der Tat nicht zu überhören. Großartig sind sie beide.

In den Jahren 1790/91, kurz vor seinem Tod, schrieb Mozart dann seine letzten beiden Streichquintette, KV 593 und KV 614, von denen mir besonders das D-Dur Quintett KV 593 mit seinem schönen Adagio sehr gut gefällt.

Zwischen 1968 und 1974 hat das Amadeus Quartett zusammen mit dem Bratscher Cecil Aronowitz eine Gesamtaufnahme von Mozarts Quintetten eingespielt, die in der Reihe "The Originals" bei der Deutschen Grammophon wieder aufgelegt wurde.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B0006ZFQNU.03.LZZZZZZZ.jpg


Diese vorzügliche Doppel-CD enthält neben den bereits erwähnten fünf Streichquintetten noch das Streichquintett c-moll KV 406 (516b), laut Booklet handelt es sich hierbei um die Bearbeitung einer Bläserserenade.


Die beiden Quintette KV 515 und 516 sind 1986 auch vom Alban Berg Quartett aufgenommen worden und in der bei EMI erschienenen Box mit Mozarts Kammermusik enthalten. Ebenfalls sehr empfehlenswerte Einspielungen.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000BWTKL.03.LZZZZZZZ.jpg


Zugegeben, beide von mir empfohlenen Einspielungen sind nicht mehr ganz taufrisch. Dafür allerdings einer Spielweise verpflichtet, die ich besonders bei Mozart den neueren Aufnahmen in der Regel vorziehe. Aber vielleicht finden sich hier ja noch andere Interessierte, die auch neuere Aufnahmen vorstellen.

Mit Gruß von Carola
Cosima (20.05.2006, 15:39):
Liebe Carola,

ich habe mich in der Vergangenheit kaum mit diesen Werken befasst, überhaupt relativ wenig mit Mozart (von der Klavierliteratur abgesehen). Dennoch würde ich eine Empfehlung für diese Aufnahmen aussprechen:

http://www.wom.de/image/cover/front/0/4958927.jpg

So expressiv und farbig höre ich Mozart gern.

Gruß, Cosima
Carola (20.05.2006, 16:17):
Liebe Cosima,

das Grumiaux Trio kenne ich von einer Aufnahme mit Mozarts Streichertrios und Duos und da finde ich sie ebenfalls sehr gut.

Mich würde interessieren, ob in deren Gesamtaufnahme auch das aus einer Bläserserenade entstandene Streichquintett c-moll KV 406 mit aufgenommen wurde, wie beim Amadeus Quartett. Im Harenberg Kammermusikführer wird das Werk nämlich gar nicht erwähnt und es ist lediglich von fünf Streichquintetten die Rede.

Mit Gruß von Carola
Cosima (20.05.2006, 16:21):
Original von Carola
Mich würde interessieren, ob in deren Gesamtaufnahme der Streichquintette auch das aus einer Bläserserenade entstandene Streichquintett c-moll KV 406 mit aufgenommen wurde, wie beim Amadeus Quartett.

Liebe Carola,

ja, hier ist KV 406 mit drauf, also insgesamt sechs Streichquintette.

Gruß, Cosima
Zelenka (21.05.2006, 10:05):
Hingewiesen sollte ganz bestimmt auch auch auf diese Einspielung der Quintette in ganz hervorragender Aufnahmequalität:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000026CY3.01.LZZZZZZZ.jpg

(Wieder ein Schnäppchen zu weiniger als Naxos-Preisen, ab EUR 14.99 incl. Porto)

Mindestens neben Grumiaux et. al zu stellen. Und es gibt noch ein bißchen mehr Mozart fürs Geld als bei Grumiaux, nämlich ein exzellentes "Stadler"-Klarinenettenquintett. Nach Talich und Grumiaux kommen erst im Abstand die Amadeus-Aufnahmen.

Gruß,

Zelenka
ab (21.05.2006, 17:20):
Das kann ich nur unterstützen:

Diese klangliche und auch dynamische Phrasierungskunst des Talich-Quartetts ist wunderbar! Wer eine undramatische Quintettkunst liebt, die in jedem Ton beseelt ganz aus sich sebst herzus entsteht, dem kann ich sie nur wärmstens ans Herz legen. Wem hingegen genialische (gewollte) Gestaltung näher liegt, sollte allerdings lieber zu einer anderen Anufnahme greifen.

Was das Amadeus Quartett betrifft, das ich ganz besonders bei Mozarts Quartetten schätze, so waren mir ihre Quintette stets zu unruhig. Das Alban Berg Quartett wirkt auf mich bei Mozart - sowohl bei den Quartetten als auch bei den Quintetten - immer sehr artifiziell, und der schmalzige Ton des Primarius entspricht nicht meiner Vorstellung von Klassik.

Wie geht es euch dabei?
Carola (25.05.2006, 13:29):
Wie seht oder besser hört Ihr denn dieses Quintett?

So wie Maarten´t Hart als trostlos und bitter? Hart schreibt in "Mozart und ich": "Trostlos ertönt die langsame Einleitung des Schlußsatzes von KV 516. Die sich danach einstellende eigenartige, hohle Freude versucht nicht einmal mehr, den Blick in den schwarzen Abgrund zu verhüllen" (S 115f).

Ich selber empfinde vor allem den 3. Satz, das Adagio in seiner Stimmung als durchaus positiv, so etwas wie getragene Heiterkeit scheint da wenigstens streckenweise durch.

Beim vierten Satz muss ich allerdings Hart zustimmen, die langsame Einleitung hat etwas trostloses und die danach einsetzende aufgesetzt-forcierte Fröhlichkeit deprimiert eher noch mehr.

Wie empfindet Ihr das?

fragt Carola
ab (26.05.2006, 10:42):
Ach ja, sehr gut gefallen hat mir auch immer der kernige Zugriff von Monica Huggett bei ihrer Interpretation mit dem Ensemble Hausmusik London bei vier der sechst Quintette bei (zunächst EMI und dann) Virgin. Diese DoppelCD ist leider vergriffen und noch nicht wieder preisgünstig aufgelegt worden.