Laut Gidon Kremer erzählen Kantschelis Kompositionen von den Nachtseiten des menschlichen Lebens. Autor des kurzen Klappentextes ist Alfred Schnittke. Er versteht "Vom Wind beweint" als die Interaktion dreier verschiedener Zeitebenen: 1.) Die Metrisch-Dramatische (unerwartete, plötzliche zeitgeschichtliche Blitzlichter) 2.) Die nicht Metrische, Ewige (emporschnellende Wolken erhabener Nonvariabilität) 3.) Die Summierende (wo Inseln des immerwährenden menschlichen Dramas und der immerwährende Raum mit ihren naturgegebenen Errungenschaften zu einem personalen-transpersonalen, subjektiv-objektiven Übereinkommen gelangen). Inwieweit dies mit dem Gehörten korrespondiert, wird nicht erläutert. Bis ich das nachzuvollziehen im Stande sein werde, höre ich "Vom Winde beweint" in seinem überwiegend innehaltenden, schattenhaften Schweben als dunkles Klangerleben, das Kälte wie Wärme, Trostlosigkeit wie Hoffnung evoziert.
Einfühlsame, Kontraste gut herausarbeitende Darbietung. Breiter, klarer Klangraum. Gute bis sehr gute Laufruhe, insgesamt gut erhaltenes Exemplar.
Originalsprache + Transkriptionen spare ich hier aus, da das Ensemble gerade um die Zeit, zu der diese Aufnahme entstand (und danach), nämlich des Zusammenbruchs der Sowjetunion, mehrfach seinen Namen wechselte .
Joe Dvorak (02.01.2025, 01:46): Bei mir begann das Jahr mit essentieller Klassik:
Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 5 B-Dur, WAB 105
Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy
Joe Dvorak (02.01.2025, 13:30):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 5 cis-Moll
Melbourne SO, Markus Stenz (AD: 2002)
Was zur Hecke? Das muss die beste Mahler 5 sein, die mir je zu Ohren gekommen ist. Das ist furios gespielt, mit einer unglaublichen Detailschärfe und Dynamik. Es herrscht erregende musikalische Dramatik -wobei das Pulver nicht schon im ersten Abschnitt verschossen wird- ganz frei von den emotionalen Übertreibungen, mit denen man mir Mahler leicht vergällt. Übertreibt es der Joe wieder einmal mit seiner Sympathie für Unterhunde? Vielleicht, aber immerhin gibt es einen prominenten Fürsprecher: H höchstselbst fand Stenz' spätere Einspielung mit dem Gürzenich-Orchester "less than overwhelming" und hielt ihm diese ältere als Referenzaufnahme entgegen. (Mahler: Symphony No. 5/Stenz SACD - Classics Today)
Joe Dvorak (03.01.2025, 12:46):
Karl Leister plays Akari Nishimura Klarinettenquintett "Bardo I" + Leipziger Streichquartett Utpala für Klarinette solo Klarinettenkonzert "Kavira" + Württembergische Philharmonie Reutlingen, Norichika Iimori Wer hätt's gewusst? Der langjährige Principal der Berliner Philharmoniker, den man in Sachen Solo-Repertoireauswahl als "Brendel der Klarinette" bezeichnen könnte, hat drei eigens für ihn geschriebene Werke uraufgeführt und eingespielt. In einem vor kurzem gegebenen Interview wird er darauf angesprochen, verrät aber nicht, wie es dazu kam. (Golden Sunset: An Interview with Karl Leister – International Clarinet Association)
Joe Dvorak (04.01.2025, 02:12): Lange keinen Ives mehr gehört:
Charles Ives - Orchesterwerke
Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy / Leopold Stokowski (*) Sinfonie Nr. 1 d-Moll (*) Robert Browning Overture Three Places in New England (Orchestral Set Nr. 1)
Joe Dvorak (05.01.2025, 02:44):
Franz Schubert - Sinfonie h-Moll, D 759 "Unvollendete"
Boston SO, Charles Munch
Düster und wuchtig. Eine von zahlreichen Lesarten, die dieses außerordentliche Werk verträgt.
Joe Dvorak (06.01.2025, 02:31):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 6 a-Moll
Essener Philharmoniker, Tomáš Netopil
Eher breite Tempi, warme Klangfarben und der Verzicht auf Sentiment einerseits und auf extremes Ausspielen der Höhepunkte andererseits machen diese Sechste schon vor dem Frühstück sehr gut hörbar. Eine interessante Alternative zu den temperamentvolleren, strahlenderen und "emotionaleren" Lesearten.
Nicolas_Aine (06.01.2025, 23:20):
Ludwig van Beethoven: Violinsonate Nr. 10 G-Dur Op. 96
Isabelle Faust, Violine Alexander Melnikov, Klavier
Eine ganz besondere Sonate. Ganz als der Vorgänger, es liegen ja auch einige andere Werke dazwischen. Aber auch ganz anders als alle.anderen. Und eigentlich auch ganz anders als das meiste andere von Beethoven. Keine Sturheit, kein gegen die Wand rennen, kein nach Außen. Stattdessen Wärme, Zartheit, Feinheit. Alles ganz nach innen gerichtet. Oder technisch: kaum bis keine sforzati, schon gar nicht (nur einmal - zweimal mit Reprise - Reihen-sforzati), ganz selten nur die crescendi mit subito piani, sowieso ganz wenig laute Dynamiken, ganz viel piano. Pastellfarben statt Lack. Und sowieso: eimer der schönsten langsamen Sätze Beethovens überhaupt. Spielechnisch vergleichsweise einfach, war es dennoch die einzige Beethovensche Sonate, die eine Kommilitonin im Studium bei einem Blattlese-Marathon aller zehne abgebrochen haben. Diese Werk zu durchdringen, erfordert erheblich mehr Geduld, als z.B. die Nr. 7 mit ihrer Virtuosität erfordert. Zur Aufnahme muss ich nicht mehr viel sagen, diese GA wurde hier ja schon mehrfach besprochen. Der Vollständogkeit halber: :times10
Joe Dvorak (08.01.2025, 02:27):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Wiener Symphoniker, Hermann Scherchen
Mieser Klang, schludriges Spiel und viel zu schnell. Dieser Livemitschnitt aus dem Jahr 1950 kriegt überall ordentlich sein Fett weg. An den Klang kann man sich gewöhnen, die Patzer im Orchester höre sogar ich, aber das stört nicht weiter - diese Musik und ihre Anforderungen waren damals noch relativ neu, und dass sie zu schnell sein soll, liegt nur daran, dass wir uns an all die zu langsamen gewöhnt haben. Scherchen kommt in ca. 69 Minuten ins Ziel und ist damit nur eine Minute schneller als Walter bei seiner Pionieraufnahme, und der hatte schon ein klein wenig Ahnung. Nichts gegen die anderen, wir können uns an der endlosen Auswahl von Interpretationsansätzen und Spielweisen erfreuen, da ist für jeden sein Mahler dabei.
Maurice inaktiv (08.01.2025, 09:10): Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 5 cis-Moll
Melbourne SO, Markus Stenz (AD: 2002)
Was zur Hecke? Das muss die beste Mahler 5 sein, die mir je zu Ohren gekommen ist. Das ist furios gespielt, mit einer unglaublichen Detailschärfe und Dynamik. Es herrscht erregende musikalische Dramatik -wobei das Pulver nicht schon im ersten Abschnitt verschossen wird- ganz frei von den emotionalen Übertreibungen, mit denen man mir Mahler leicht vergällt. Übertreibt es der Joe wieder einmal mit seiner Sympathie für Unterhunde? Vielleicht, aber immerhin gibt es einen prominenten Fürsprecher: H höchstselbst fand Stenz' spätere Einspielung mit dem Gürzenich-Orchester "less than overwhelming" und hielt ihm diese ältere als Referenzaufnahme entgegen. Mir ist diese Aufnahme aus Melbourne nicht bekannt, aber jene aus Köln - und DIE finde ich insgesamt doch recht gelungen. Jene aus Köln hat viel von Bernstein, ohne aber ihn zu kopieren. Weniger gut ist mir dabei aber gleich die Eröffnungs-Fanfare in Erinnerung, die etwas "verhudelt" klingt.
Joe Dvorak (09.01.2025, 11:12):
Picture Source: ABruckner.com John F. Berky (Symphony No. 9 w/ SPMC Finale - Layer / Musicalishe Akademie Mannheim - Anton Bruckner)
Anton Bruckner - Symphonie Nr. 9 in d-Moll, WAB 109 (Satz 1-3) Samale/Phillips/Cohrs/Mazzuca - Aufführungsfassung des vervollständigten Finales (Rev. 2008)
Im Moment haben mich die Monumentalisten fest im Griff. Diese wunderbar gespielte 9. ist es wert, gehört zu werden. Es gibt keinen Bruch zum und im Finale; die wenigen hinzugefügten Teile sind eine Stilkopie par excellence. Auch qualitativ könnte ich nicht sagen, was von Bruckner ist und was nicht. Für Vervollständiggungs-Allergiker lohnt sich auch der Torso allein, wenn man dem Hochglanz-Bruckner aus den Zentren eher verhalten gegenüber steht. Das ist wie aus einem Guss.
Als kostenpflichter Download bei ABruckner.com zu bekommen.
Maurice inaktiv (09.01.2025, 22:14): Anton Bruckner - Symphonie Nr. 9 in d-Moll, WAB 109 (Satz 1-3) Samale/Phillips/Cohrs/Mazzuca - Aufführungsfassung des vervollständigten Finales (Rev. 2008)
Im Moment haben mich die Monumentalisten fest im Griff. Diese wunderbar gespielte 9. ist es wert, gehört zu werden. Es gibt keinen Bruch zum und im Finale; die wenigen hinzugefügten Teile sind eine Stilkopie par excellence. Auch qualitativ könnte ich nicht sagen, was von Bruckner ist und was nicht. Für Vervollständiggungs-Allergiker lohnt sich auch der Torso allein, wenn man dem Hochglanz-Bruckner aus den Zentren eher verhalten gegenüber steht. Das ist wie aus einem Guss. Ich finde Bruckners Neunte mit der Rekonstruktion grundsätzlich eine hochinteressante Angelegenheit. Es scheinen zur Zeit drei Versuche einer Rekonstruktion im Umlauf zu sein: Jene unter dem kürzlich verstorbenen Herrn Cohrs, eine von Gerd Schaller, der bereits mit seinen ganzen Bruckner-Einspielungen große Beachtung erreichte, Johannes Wildner hat bereits 1998 für Naxos die erste Cohrs-Rekonstruktion aufgenommen und natürlich Sir Simon Rattles Einspielung mit den Berliner PO.
Doch so richtig durchgesetzt hat sie sich noch nicht, weder im Studio, noch in den Konzertprogrammen. Hier ist man mit etwa Mahlers Zehnten schon einige Ecken weiter.
Friedemann Leyer hat auch eine gelungene Einspielung der Sinfonie von Hans Rott vorgelegt. Damals mit seinem Orchester aus Montpellier. Und Rott war bekanntlich der Meister-Schüler Bruckners gewesen.
Joe Dvorak (11.01.2025, 03:26): Ich finde Bruckners Neunte mit der Rekonstruktion grundsätzlich eine hochinteressante Angelegenheit. Es scheinen zur Zeit drei Versuche einer Rekonstruktion im Umlauf zu sein: Jene unter dem kürzlich verstorbenen Herrn Cohrs, eine von Gerd Schaller, der bereits mit seinen ganzen Bruckner-Einspielungen große Beachtung erreichte, Johannes Wildner hat bereits 1998 für Naxos die erste Cohrs-Rekonstruktion aufgenommen und natürlich Sir Simon Rattles Einspielung mit den Berliner PO. Ich habe einen Artikel gefunden, der alle Rekonstrunktionen und Aufnahmen listet, und den Link dazu im Faden zur Neuenten gepostet.
Maurice inaktiv (11.01.2025, 11:24): Ich habe einen Artikel gefunden, der alle Rekonstrunktionen und Aufnahmen listet, und den Link dazu im Faden zur Neuenten gepostet. danke für die Info und das Posting.
Joe Dvorak (12.01.2025, 00:38):
Philip Glass - Etudes for Piano
Feico Deutekom
Meine Erstbegegnung mit dieser Werkgruppe. Der Interpret bietet nur eine Auswahl (11 von 20) und weicht von der Reihenfolge der Nummerierung ab. Ich meine, dass die Sequenzierung ein Schlüssel zum Triumph dieses Albums ist. Natürlich klingt eine Etüde wie die andere, wir reden hier von Glass, aber eben doch nicht ganz, und der Fluss macht es leicht nicht nur durchzuhalten, sondern gebannt dabei zu bleiben, zumal der Interpret das Maximale aus diesen simplen Stücken herausholt.
Joe Dvorak (14.01.2025, 00:27):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 7 e-Moll
Czech RSO, Jiří Stárek
Das ist sicherlich nichts für Feingeister. Dieses anlässlich des 100. Jahrestags der Uraufführung gegebene Konzert wird sehr rustikal und nicht frei von Schnitzern gespielt, die Akustik ist knochentrocken und das Klangbild laut und mitten ins Gesicht. Das ist ein schönes Beispiel für die Uneinigkeit von Kritikern. Während ein Rezensent von MusicWeb INTERNATIONAL diese unter seine CDs des Jahres wählte, kam sie bei Classics Today schurstracks zu den "CDs from Hell". Für mich ist sie eine der CDs des Mahlers.
Joe Dvorak (17.01.2025, 09:42):
Luis Humberto Salgado - Sinfonie Nr. 1 "Andina"
Cuenca SO, Michael Meissner
Sehr erfreulich. Wir hatten diese Aufnahmen hier schon einmal disktiert, und ich hatte damals die Zweite probegehört und war sehr angetan. Jetzt kommen definitiv alle Neune ins Ohr.
Joe Dvorak (20.01.2025, 16:11):
Nicolaus A. Huber - Air mit "Sphinxes" / Demijour / Bed and Brackets / Nocturnes
Ensemble Aventure, SWR SO Baden-Baden
Kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass ein Rezept gegen das beschleunigte Altern ab 50 oder 60 und das Gefühl, dass die Zeit regelrecht davon fliegt, darin besteht, aus der Komfortzone auszubrechen und Neues auszuprobieren. Neue Länder, neue Leute, neue Dinge... Und ich füge hinzu: neue Musik. Das wirkt tatsächlich wie ein Jungbrunnen.
Maurice inaktiv (20.01.2025, 19:11): Luis Humberto Salgado - Sinfonie Nr. 1 "Andina"
Cuenca SO, Michael Meissner
Sehr erfreulich. Wir hatten diese Aufnahmen hier schon einmal disktiert, und ich hatte damals die Zweite probegehört und war sehr angetan. Jetzt kommen definitiv alle Neune ins Ohr. Da dürfte ich auch dabei gewesen sein damals, was das Diskutieren darüber angeht. Du wirst viel Spaß dabei haben. Es sind sehr interessante Einspielungen.
Andréjo (20.01.2025, 20:37): Genauso ist es! Ein bisschen gewöhnen muss man sich bei den späteren Sinfonien an die Intonation. Aber das war mir dann letztlich wurscht.
Joe Dvorak (22.01.2025, 12:31):
Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, WAB 104 (1. Fassung 1874, rev. 1875/76, Ed. Korstvedt (2021))
Bamberger Symphoniker, Jakub Hrůša
Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, WAB 104 (1. Fassung 1874, Ed. Novak (1953))
SWF SO, Michael Gielen
Hier herrscht gerade Vierermania. Heute lief zweimal die erste Fassung der Vierten, wobei die neue Edition von Korstvedt noch Änderungen berücksichtigt, die Brucker gemacht hat, bevor er das Teil dann komplett umarbeitete. Details hin oder her, die Erstfassung ist eindeutig besser als die beiden folgenden (die weitverbreitete von 1878/80 und die selten gespielte Erstdruckfassung von 1889), die auch auf der Bamberger CD drauf sind, und Gielen ist der ideale Interpret dafür. Unnützes Angeberwissen: Die Aufnahme der 4. entstand vor der Fusion der Orchester von SWF und SDR, daher ist die Bezeichnung SWR-SO auf dem Cover falsch.
Nicolas_Aine (04.02.2025, 21:17): heute gibts zu Studienzwecken mein Kammermusikprogramm der nächsten Wochen:
W.A. Mozart: Klarinettenquintett A-Dur KV 581
Brandis Quartett Karl Leister, Klarinette
J. Brahms: Klavierquintett f-moll Op. 34
The Nash Ensemble
E. Dohnany: Sextett C-Dur Op. 37
Janine Jansen, Violine Joël Waterman, Viola Frank Summer Dodge, Violoncello Daniel Blumenthal, Klavier Ron Schaaper, Horn Lars Wouters van den Oudenweijer, Klarinette
Sfantu (04.02.2025, 22:07): @Nicolas_Aine
den Impuls nehme ich dankend auf, dieses nachromantische Schlachtroß endlich wieder zu hören. Mit sanfter Ironie und Doppelbödigkeit durchtränkte Opulenz. Große Geste und trockener Humor wechseln von Schritt auf Tritt. Habe es in folgender Aufnahme. Und die habe ich gerade mit großem Gewinn neu gehört:
Ernst von Dohnányi
Sextett für Klavier, Violine, Bratsche, Violoncello, Klarinette und Horn op. 37
András Schiff, Klavier Gábor Takács-Nagy, Violine Gábor Ormai, Bratsche András Fejér, Violoncello Kálmán Berkes, Klarinette Radovan Vlatković, Horn (CD, Decca, 1988)
Sfantu (04.02.2025, 22:08): Viel Freude und Erfolg mit eurem Konzert!
Joe Dvorak (06.02.2025, 06:52):
Fred Frith - Elventh Hour (2005)
Arditti String Quartet, Uwe Dierksen (Posaune), William Winant (Gitarre)
daraus CD 1: Lelekovice (1990) für Streichquartett Tense Serenity (1997) für Posaune und Streichtrio Das neunteilige Streichquartett und das fünftteilige Posaunenquartett sind trotz einer gewissen minimalistischen Kargheit spannende und fesselnde Kompositionen.
Nicolas_Aine (09.02.2025, 16:45): Viel Freude und Erfolg mit eurem Konzert! Danke!
Taugt die Aufnahme was? Die Interpreten klingen interessant. Und wie ist das Klavierquintett? Lustigerweise spielen das Kollegen nur wenige Wochen nach unserem Sextett - unabgesprochen. Dabei ist nichtmal Dohnany Jahr.
Sfantu (09.02.2025, 17:17): Taugt die Aufnahme was? Die Interpreten klingen interessant. Ich finde sie sehr gut. Ohne vergleichen zu können - die CD war ein lucky punch aus einem Brocki.
Und wie ist das Klavierquintett? Ich müsste es erst nachhören. Bin gerade auf dem Sprung ins Nachbardorf zum Katzensitting. Liefere ich aber so bald wie möglich nach.
Lustigerweise spielen das Kollegen nur wenige Wochen nach unserem Sextett - unabgesprochen. Dabei ist nichtmal Dohnany Jahr. Na - Zufälle gibt's!
Joe Dvorak (12.02.2025, 09:19): Immer nur Acht und Neun? Das zeigte nicht annähernd den Sinfoniker Dvořák. Immer nur seine Orchesterwerke? Das zeigte nicht annähernd das schöpferische Genie dieses Meisters Wo du Recht hast, hast du Recht. Und doch zieht es mich im Zweifelsfall immer wieder zu diesem Gassenhauer:
Antonin Dvořák - Sinfonie Nr. 9 e-Moll, op. 95, B. 178 Atlanta SO, Nathalie Stutzmann
Joe Dvorak (15.02.2025, 02:16):
Igor Stravinsky - Le Sacre du Printemps
Paris SO, Pierre Monteux (AD: 1929)
Ich habe gerade eine obsessive Sacre-Phase. Mäkelä, Van Zweden, Litton, Gergiev und Petkov wurden bereits gehört, auf letzteren kann man getrost das Oxymoron Geheimtipp anwenden, denn die Existenz dieser Aufnahme wird in keiner der vielen systematischen Übersichten auch nur erwähnt, nicht einmal als Kuriosität - und das dürfte sie für die meisten sein, denn was Petkov und sein Plauener Orchester abliefern, ist weitab von jeder Norm, aber das Ergebnis ist sensationell. Jetzt kommt erst mal die 'Referenz' dran. Monteux' erste Einspielung des Gesamtwerks ist vielleicht nicht die erste Wahl für Hifi-Gourmets, aber mit dem Dirigenten der Uraufführung und hier wie dort einem Pariser Orchester bekommt man einen vagen Eindruck davon, was man bei dem Skandal von 1913 in etwa zu hören bekam.
Joe Dvorak (17.02.2025, 05:56): Die Triosonaten ZWV 181 von Zelenka entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts und sollen sich durch ihre innovative Struktur, komplexe Rhythmik und expressive Tiefe von den Werken seiner Zeitgenossen abheben. Es ist die Rede von einer Verbindung böhmischer, französischer, deutscher und italienischer Einflüsse mit einer eigenständigen, fast avantgardistischen Klangsprache mit harmonischen Experimenten, ausgefallenen Modulationen und chromatischen Wendungen, die den Rahmen des damals Üblichen sprengten. Im Vergleich zu den eher konventionellen Triosonaten seiner Zeitgenossen zeige Zelenka eine größere Freiheit in der Formgestaltung und eine tiefere 'emotionale' Bandbreite. Das klingt doch mal interessant. Wie immer, wenn es ans Kennenlernen geht, schaut man erst mal, ob es da was bei ACCENT gibt. Et voilà:
Jan Dismas Zelenka - Triosonaten für 2 Oboen, Fagott und Generalbass, ZWV 181/1-6
Collegium 1704 Xenia Löffler & Michael Bosch (Oboe), Jane Gower (Fagott), Helena Zemanová (Violine, Nr.3), Ludĕk Braný (Kontrabass), Shizuko Noiri (Laute), Václav Luks (Cembalo & Leitung)
Joe Dvorak (21.02.2025, 12:19): Wer war das, der Herrn Maazel in einem Atemzug mi Herrn Bernstein nannte? Bitte nicht! Ich habe früher schon mal gefragt, wann das Maazel-Bashing eigentlich angefangen hat und warum so viele darauf anspringen. Ich habe noch nicht all zuviel von ihm gehört, aber bislang nur Gutes, und anhand von Aufnahmen wie der gerade gehörten sind solcherlei Abwertungen nun gar nicht nachvollziehen. Es sei denn, es ist so gemeint, dass man die beiden nicht in einem Atemzug nennen sollte, weil der Lenny dem Lorin -zumindest bei der Pathetischen- nicht das Wasser reichen kann?
Pyotr Tchaikovsky - Sinfonie Nr. 6 h-Moll, op. 74 "Pathétique" Wiener Philharmoniker, Lorin Maazel
Andréjo (21.02.2025, 15:16): Maazel ist mir auf CD nicht so geläufig - weil ich bei einem Großteil des Repertoires nicht zahllose Einspielungen benötige und er dann oft durchrutscht.
Die Abwertung ist mir auch schon aufgefallen, aber ich kann (siehe oben) vielleicht nicht wirklich mitdiskutieren.
Bernstein indes ist gewiss nicht immer und überall erhaben. Er hat einen sehr subjektivistischen Stil - und da gibt es dann für mich oft Alternativen, die mir mehr liegen. Als Universal-Talent ist er schon einzigartig, meine ich.
Und die Sechste mag ich am liebsten wie folgt. Aber das ist selten geworden ...
Joe Dvorak (21.02.2025, 15:32): Leider sehe ich nur ein Symbol für einen Link, und wenn ich darauf klicke, heißt es: "Can't reach this page". Wer sind denn die am liebsten Gemochten?
Andréjo (21.02.2025, 16:24): Seltsam - bei mir ist ein Cover (jpc) vorhanden und ich habe es auch anklickbar gemacht.
Leningrader Philharmoniker - Evgeny Mravinsky (in englischer Umschrift)
:hello Wolfgang
Markus S (21.02.2025, 19:02): Bei funktioniert der Link einwandfrei.
Joe Dvorak (22.02.2025, 08:05): Ja, wenn ich direkt zu jpc gehen will, bekomme ich dieselbe Fehlermeldung - die sind wohl von der Großen Feuermauer ausgesperrt worden. Hier lief gerade Goreckis Dritte mit Woytowicz/Kamirski. Die spätere Aufnahme mit Upshaw/Zinman galt seinerzeit als die meistverkaufte eines zeitgenössischen klassischen Komponisten. (Inzwischen hat Einaudi diesen Rekord gebrochen, so man ihn denn als zeitgenössischen klassischen Komponisten durchgehen lassen will). Mittlerweile gibt es eine ordentliche Auswahl an Einspielungen: Stefania Woytowicz, Polish National Radio Symphony Orchestra, Jerzy Katlewicz, Erato Records (1978) Stefania Woytowicz, Berlin Radio Symphony Orchestra, Włodzimierz Kamirski, Koch Schwann (1988, Reissue auf Alto) Zofia Kilanowicz, K. Szymanowski State Philharmonic Orchestra, Jacek Kaspszyk, EMI Classics (1991) Dawn Upshaw, London Sinfonietta, David Zinman, Elektra Nonesuch (1992) Stefania Woytowicz, Symphonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden, Ernest Bour, Belart (Mitschnitt der Uraufführung, 1977, Erst-VÖ: 1993, Reissue auf Apex) Teresa Erb, Baden Baden Symphony Orchestra, Werner Stiefel, Denon (1993) Joanna Kozłowska, Warsaw Philharmonic Orchestra, Kazimierz Kord, Philips Classics (1994) Zofia Kilanowicz, Polish National Radio Symphony Orchestra, Antoni Wit, Naxos (1994) Doreen de Feis, Orquesta Filarmónica de Gran Canaria, Adrian Leaper, Arte Nova (1995) Isabel Bayrakdarian, Danish National Symphony Orchestra, John Axelrod, Sony (2002) Yvonne Kenny, Adelaide Symphony Orchestra, Takuo Yuasa, ABC Classics (2004) Ingrid Perruche, Sinfonia Varsovia, Alain Altinoglu, Naïve (2004) Christine Brewer, Atlanta Symphony Orchestra, Donald Runnicles, Telarc (2005) Susan Gritton, Royal Philharmonic Orchestra, Yuri Simonov, Alto (2012) Beth Gibbons, Polish National Radio Symphony Orchestra, Krzysztof Penderecki, Domino Records (2019) Lisa Gerrard, Genesis Orchestra, Yordan Kamdzhalov, Besant Hall Records (2020)
Sfantu (23.02.2025, 12:12): Auf Dohnányis Klavierquintett bezog sich kürzlich Nicolas' Frage:
Und wie ist das Klavierquintett? Habe gerade mal das ganze Album durchgehört - also Quintett und Sextett nacheinander. Im Blindtest hätte ich bald auf ein neu entdecktes Brahms-Werk getippt. Gerade der Kopfsatz und das auf ihn folgende Scherzo klingen schon sehr nach dem alten Grantler. Im Adagio (zu Beginn ein schönes, sangliches Cello-Solo) setzt der junge Komponist dann allerdings eine Schippe Sentiment und romantischen Überschwang drauf - das hätte Brahms sich eher verkniffen. Aber ja - wenn wir an die Gefühlslagen und den Hormonspiegel denken, welche uns mit 18 Lenzen durchglühten...In der Einstufung des Finalsatzes als schwächstes Glied der Kette kann ich mich Booklet-Textautor Gerd Ueckermann nicht anschließen. Die vertrackten 5/4 finde ich reizvoll, ein fugierter Abschnitt bringt etwas klassische Strenge hinein - das wirkt schon recht erwachsen, hat Noblesse.
Wohlgemerkt - dies ist das c-moll-Quintett op. 1 von 1895. Ein weiteres Quintett es-moll op. 26 schrieb Dohnányi 1914. Ich kenne es nicht. Von Ueckermann wird es als von reiferem Gehalt beschrieben. Welches davon studieren Deine Kollegen ein?
Direkt hintereinander gehört, punktet das Sextett in allen Aspekten, die mir in den Sinn kommen. Oder von denen ich meine, daß sie relevant seien: buntere Farben durch Horn und Klarinette. Eine augenzwinkernde Coolness und Trockenheit trotz weiterhin nachromantischer Grundhaltung. Und ein kauziger Humor, bei dem immer wieder ein doppelter Boden durchscheint. Schade, daß dieses Sextett von 1935 für das ihm verbleibende Vierteljahrhundert Lebensspanne sein letztes Kammermusikwerk sein sollte. Mehr und mehr war er fortan als Lehrer, Pianist und Dirigent gefragt.
Joe Dvorak (24.02.2025, 04:26):
Akira Nishimura - Orchesterwerke Karura (2000) für Oboe und Kammerorchester Thomas Indermühle, Izumi Sinfonietta Osaka, Norichika Iimori A Stream - After Dark (1997) für Klavier und Kammerorchester Aki Takahashi, Izumi Sinfonietta Osaka, Aki Takahashi Melodies from Light and Shadows (2000) für Orchester NHK SO Tokyo, Matthias Bamert Darn! So heftig hat bei mir schon lange keine neue Aufnahme mehr eingeschlagen. Nishimura verbindet traditionelle japanische Musikelemente mit zeitgenössischen Kompositionstechniken. Mikrotonalität, Heterophonie, Glissandi, komplexe Texturen, schillernde Klanglandschaften mit unheimlichen Effekten - nie abweisend, sondern stets immersiv.
Maurice inaktiv (25.02.2025, 20:25): Ich habe früher schon mal gefragt, wann das Maazel-Bashing eigentlich angefangen hat und warum so viele darauf anspringen. Ich glaube, dass Maazel selbst daran nicht so ganz unschuldig ist. Meiner ganz persönlichen Meinung nach hat er zwar vieles eingespielt, aber - ähnlich wie Karajan - waren diese Aufnahmen nicht immer durchgehend auf dem hohen Level, was seine früheren Einspielungen mal waren.
Ich habe bei ihm immer den Eindruck, er kratzt etwas an der Außenseite der Werke, sonst aber poliert er sie und spielt sie perfekt herunter. Das erinnert mich doch sehr an Karajan. Das ist sicher sehr allgemein gehalten, aber ich dürfte damit insgesamt gesehen nicht so ganz alleine stehen.
Bei Bernstein bekommt man zumindest immer jenen Bernstein zu hören, wie er gerade drauf ist. Gerade seine Live-Einspielungen sind dann bestimmt ebenso zu kritisieren, aber irgendwie gelingen ihm dabei auch grandiose Einspielungen (etwa sein spätere Mahler oder Sibelius).
Joe Dvorak (26.02.2025, 13:14): Ich habe mal geschaut. Wirklich allzu viel habe ich nicht gehört, aus den gleichen Gründen wie Andréjo. Ich muss nicht von jedem Werk 30 Aufnahmen kennen, und Maazel kommt mir meist nicht in den Sinn, wenn ich eine auswähle. Aber was ich kenne, hat Faust und Stiefel: Respighi aus Cleveland, der gezeigte Tchaikovsky, Sibelius 4 & 7 aus Wien, Mahler 6 aus Wien (von dem die großen Exegeten unter den Kritikern sagen, hier werden nur die Noten gespielt - ja was denn sonst?) und Bruckner 5 wie Schubert 8 (h-Moll) aus München.
Joe Dvorak (01.03.2025, 02:27):
Olivier Messiaen - Turangalîla-Symphonie
Marc-André Hamelin (Klavier), Nathalie Forget (Ondes Martenot), Toronto SO, Gustavo Gimeno
Sanskritwörter lassen sich kaum 1:1 übersetzen. Turangalîla ist ein zusammengesetztes Wort aus turanga, ‘das Vergehen der Zeit, Bewegung, Rhythmus’, und lîla, ‘Spiel im Sinne des göttlichen Wirkens auf den Kosmos, also das Spiel von Schöpfung, Zerstörung, Leben und Tod, auch Liebe’.
Ich tue mich etwas schwer mit diesem Schinken. Eigentlich gefällt mir das, aber irgendwie ermüdet es über die gewaltige Länge, nicht zuletzt, weil es mir zu episodenhaft erscheint - lies: ich bin nicht in der Lage nachzuvollziehen, wie die einzelnen Teile zusammenhängen und ein übergeordnetes Ganzes bilden. So schweife ich irgendwann mit den Gedanken ab, und wenn ich mich nicht voll und ganz auf diese Musik einlasse, nervt sie leicht, und aus dem Genuss wird ein Aussitzen, wenn es nicht gar zum Abbruch kommt.
Gestern war mir mal wieder danach und ich habe die relativ neue Aufnahme aus Toronto (mit Hamelin am Klavier) angeklickt, weil sie beim Stromdienst ganz oben auf meiner Trefferliste stand. Und ich habe sie gespannt bis zum Schluss verfolgt und für grandios befunden - und meine sogar, einen Restsinn in der Form erkannt zu haben. Ob es daran liegt, dass es endlich die ultimative Interpretation gibt, oder ob jetzt einfach die Zeit reif ist für dieses göttliche Spiel, weiß ich nicht. Ich musste das Werk heute morgen gleich noch einmal hören und habe mich bei der Auswahl an Rezensionen und Listen orientiert. Daraus geht die Aufnahme aus dem höchsten Norden als Gipfel-Empfehlung hervor.
Olivier Messiaen - Turangalîla-Symphonie
Steven Osborne (Klavier), Cynthia Millar (Ondes Martenot), Bergen PO, Juanjo Mena
Ja, die ist was ganz Besonderes. Man wird geradezu von ihrem Detailreichtum erschlagen - die Aufnahmetechnik drückt das mitten ins Gesicht. Ich bin geneigt zu schreiben, dass man hier Feinheiten hört, die anderswo untergehen, aber das mag auch daran liegen, dass ich anderswo nicht so genau hingehört habe - siehe oben. Jedenfalls gibt es hier einen wahren Klangrausch und die Fragen, wenn ein Teil aufhört, warum der nächste jetzt so weitergehen muss, bleiben aus. Es ist ein stimmiger Fluss, der freilich intuitiv wahrgenommen wird, nicht durch ein plötzliches "Verstehen" des Stückes.
Lange Rede, gar kein Sinn. Ein sensationelles Orchester, die Solisten etwas vorlaut (da punktet Toronto mit der perfekten Balance), ein Dirigent, der stringent, stilsicher (lies: frei von Kitsch) und bis ins allerfeinste Detail durch die komplexe Partitur führt, und ein fantastischer Klang, den man gehört haben muss, um ihn zu glauben.
Andréjo (01.03.2025, 15:11): Ach, ich glaube, dass dann einfach Deine Zeit reif ist, Joe. Man muss die Musik nehmen, wie sie ist, und gar nicht lange nachdenken, wo der Kitsch anfängt und die Schlacht um asiatische Kultur, der religiöse Überwahn und das Singvogelsound-Privatissimo des Meisters.
Das Werk ist strukturell und motivisch sehr klar konzipiert. Doch ich kann mir das letztlich nicht merken und es scheint mir auch gar nicht so wichtig. Ich meine, man muss die Musik wie einen spannenden Film auf sich wirken lassen und genießen. Der Modus 1 - das habe ich mir gemerkt -, wo also Dur plus sixte ajoutée das Gelände beherrschen, schafft einen Sog und all das Atonale stellt wiederum meine intellektuellen Ansprüche zufrieden. Deine vielleicht auch :D . Und da man die Ondes Martenot sonst ja nicht gaar so häufig zu hören bekommt, hst hat das genauso seinen Witz.
Fazit: Messiaen ist unverwechselbar wie wenige. Freilich will ich die Turangalila-Sinfonie nicht zweiwöchentlich hören - aber dann auch mal zweimal an zwei Tagen, und ich besitze eine gute Handvoll Einspielungen. Sie sind recht unterschiedlich - auch nicht dumm - keine finde ich ernsthaft problematisch. Von den beiden, die Du verlinkt hast, könnte mich noch Hamelin reizen - muss aber nicht sein. Denn Hamelin habe ich zweimal live erlebt - ein sagenhafter Könner von angenehmer Bescheidenheit.
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (02.03.2025, 02:28): Vielen Dank für die Ergänzungen. Bei mir war es bisher auch nicht alle zwei Wochen, sondern alle zwei Jahre, wenn nicht noch länger - je weiter sich der untere Füllstand der Lebens-Sanduhr erhöht, desto ungenauer werden solche Schätzungen. Aber es gibt ja das Forengedächtnis: Februar 2022 - na ja, ein Jahr daneben, das geht noch. Damals übrigens mit den Unterhunden aus Mannheim, die jetzt, nachdem sie mich mit ihrem Bruckner 9 aus den Latschen geholt haben, nochmals zum Einsatz kommen. Da ich mir vorstellen kann, wie bei manchen die Vorurteilsmaschinerie zu rattern beginnt: MusicWeb INTERNATIONAL betrachtet die Aufnahme als eine Erinnerung (...) daran, dass auch weniger bekannte Ensembles mit ihren berühmteren Kollegen mithalten können. Olivier MESSIAEN Turangalîla Symphony - Oehms OC472 Classical Music Reviews: October 2020 - MusicWeb-International.
Olivier Messiaen - Turangalîla-Symphonie
Tamara Stefanovich (Klavier), Thomas Block (Ondes Martenot), Nationaltheater-Orchester Mannheim, Alexander Soddy
Joe Dvorak (05.03.2025, 15:24):
Franceso Zappa - 6 Sinfonien
Atalanta Fugiens, Vanni Moretto
Der Musiker Frank Zappa brachte 1984 Album mit Kompositionen (Trios op. 1 & Sonaten op. 4) von Francesco Zappa, einem vergessenen Komponisten des 18. Jahrhunderts, heraus. Diese am Synclavier entstandenen Aufnahmen machen zwar nur sehr eingeschränkt Spaß, aber immerhin entstanden in der Folge dieser Entdeckung mindestens zwei weitere Alben mit 'richtigen' Musikern. Zu der großen Zappa-Renaissance konnten sie allerdings nicht beitragen; die Aufnahme der Sinfonien bei Harmonia Mundi wurde bald wieder gestrichen. Hört man die im letzten Jahr erschienene Neuauflage, wird schnell klar, warum. An dieser Musik ist nichts verkehrt, sie ist sauber komponiert, mitreißend, gefällig, effektvoll - aber originell ist da wenig. Es gibt kaum eine Wendung, die ich nicht schon irgendwo gehört zu haben glaube, die Momente die aufhorchen lassen, kann ich an einer Hand abzählen. Ein dickes Plus ist allerdings das bestens aufgelegte historische Orchester, das aus dieser Allerweltsmusik das Beste macht und die Stunde zu einem kurzweiligen Vergnügen werden lässt.
Toni Bernet (08.03.2025, 15:47):
György Ligeti (1923 - 2006)
Lux aeterna, für 16stimmigen gemischten Chor a capella (1966), 7‘58
Interpretation: Chor des Norddeutschen Rundfunks Hamburg, dir. Helmut Franz
György Ligetis komponierte 1966 ein 16stimmiges Lux aeterna, eine für die a-cappella-Chormusik revolutionäre und richtungsweisende Komposition. Der Requiem-Text erfährt hier eine völlig neue Ausdeutung, er wird an die Grenzen des Singbaren geführt und ins Äußerste überhöht, ekstatisch entrückt. Ligeti gelingt es, mit changierenden Pianissimo-Klangflächen gleichsam Raum und Zeit bis zur totalen Auflösung verschwimmen zu lassen, ein Klanggeschehen, das zu einem akustischen Symbol einer Vision des ewigen Lichtes (lux aeterna) wird. Zum Schluss mündet alles in einen Sekundklang, der allmählich in die Stille des Raumes verklingt und uns in die Ewigkeit blicken lässt.
Mehr zu diesem Werk und eine Hörbegleitung siehe: https://www.geistlichemusikentdecken.ch/20-jhd/ligeti
Sfantu (08.03.2025, 17:46): @Toni Bernet
merci für den Impuls. Habe ich lange nicht gehört. Bei mir steht die gleiche Aufnahme in der Sammlung - auf Schallplatte. Sie kommt spätestens morgen auf den Teller.
Summer 21'44 Autumn 21'11 Winter 24'34 Spring 9'40
Das Album steht zwar schon eine Weile bei mir. Aber erst heute passten Stimmung und unverplante Zeit zusammen um sich drauf einzulassen. Die Unterschiede in Charakter und Gestalt der einzelnen Sätze sind klein und fein. Vorherrschend allenthalben eine ruhige bis meditative Klanglandschaft. Pentatonisch wandern liegende Noten durch die einzelnen Stimmen im ersten Satz. Konnotationen zu jahreszeitlich Typischem sucht man lange, wenn auch nicht vergebens. Hie und da Tonrepetitionen in einer Holzbläserstimme lassen an Vogel-Lautmalereien denken. Der Herbst tönt nicht grundlegend anders, wirkt aber verschwommener, diffuser. Im Winter überrascht eine kurze minimal music-Passage. Der weniger umfangreiche Frühlings-Satz wird durch mehrere Generalpausen gegliedert. Es sind Pausen des Innehaltens, der Reflexion. Die Fortsetzungen tragen die Stimmung kaum verändert weiter. Wohl aber setzen kleine Akzente hervortretender Soli dahingetupfte Anhaltspunkte. Immer wieder sind dies Flöte und Trompete, im letzten Satz auch die Harfe.
Dergestalt "bearbeitet" war der Schritt zu Morton Feldman nur folgerichtig:
Morton Feldman
Flute and Orchestra 32'35 Cello and Orchestra 18'52
Roswitha Staege, Flöte Siegfried Palm, Violoncello Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken - Hans Zender (CD, cpo, 1997, AD 1978 (Fl)/1973 (Vcl))
Und ja - es ereignet sich ein ähnliches Fliessen und Traumwandeln wie bei Buck. Im Flötenstück kommt es zu auflockernden kleinen Dialogen zwischen Solo und Schlagwerk. Das Cellostück ist deutlich herausfordernder. Die Stimmung ist gedrückt bis bedrohlich - in Minute 8 eine grimmige, beängstigende Klimax in Gestalt eines lang gehaltenen lauten Tutti. Sinister und ungemütlich bleibt es auch danach.
Maurice inaktiv (22.03.2025, 07:33):
Norbert Burgmüller: Sinfonien Nr.1 & 2
Hofkapelle Stuttgart , Frieder Bernius
Norbert Burgmüller, der nur 26 Jahre alt werden sollte, war ein Violinschüler Louis Spohrs und mit Felix Mendelssohn befreundet. Robert Schumann war sehr angetan von ihm, sein Vater war bereits Musiklehrer, Komponist und Kapellmeister, später Musikdirektor in Düsseldorf. Alles deutete auf eine erfolgreiche Karriere hin, doch Krankheiten und später auch zu viel Alkohol, machten diese früh zunichte.
Seine beiden Sinfonien, sein Klavierkonzert, etwas Vokal-und Kammermusik, mehr konnte er in den wenigen Lebensjahren nicht hinterlassen.
Seine 1. Sinfonie steht klar in der Tradition von Beethoven, Spohr und Weber, die drei führenden Musiker ihrer Zeit. Entstanden sind sie 1831-1833 und 1834-1835. Bei der Zweiten vollendete Schumann 1851 das Werk. Diese Sinfonie gilt als sehr eigenständig und war seiner Zeit voraus. Es wäre eine spannende Frage, wie er sich weiterentwickelt hätte, hätte er noch 20 oder 30 Jahre länger gelebt.
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz , Kevin Griffiths
Neuland für mich. Opus 12 steht klar in der Tradition des späten Haydn, Opus 25 ist dagegen sehr eigenständig und steht bereits mit einem Bein in der frühe Romantik.
Toni Bernet (28.03.2025, 16:07):
Johann Hermann Schein: Geistliches Concerto: Selig sind, die da geistlich arm sind (1626)
So zentral die sogenannten Seligpreisungen für das Denken und die Philosophie Jesu aus Nazareth waren, so wenig wurden sie von der Kirchenmusik und den Liturgien der abendländischen Kirchen rezipiert. Auch als Oratorium im Konzertsaal folgt nur César Francks «Les Béatitudes» diesem revolutionären Text, allerdings etwas gar romantisch harmonisiert. Dabei plädiert dieser authentisch überlieferte Text für eine Wende in der Lebensorientierung und Gestaltung menschlicher Gesellschaften. Nicht die Erfahrungen der kleptokratischen Reichen und konsumistischen Glückssuchern sind Erfahrungen, die Zukunft haben. Im Gegenteil müssten die Erfahrungen der Benachteiligten ins Zentrum der Aufmerksamkeit gelangen, denn es sind diese Erfahrungen, die für die Gesellschaft und das Leben der Menschheit Zukunft haben werden.
Eine der seltenen Vertonungen der Seligpreisungen in der Musikgeschichte stammt vom frühbarocken Komponisten und Leipziger Thomaskantor Johann Hermann Schein (1586 – 1630), einem der Vorgänger von J.S. Bach in Leipzig. Sein umfangreiches Schaffen reicht von Liebesliedern (z.B. die Erstpublikation «Venus Kräntzlein…, fünfstimmig von 1609), Hochzeits- und Gesangbuchliedern, geistlichen Concerten bis zu Sterbeliedern. Dabei führte er den neuen konzertanten Stil, d.h. neue originelle farbige Instrumenten-kombinationen, in die Chormusik ein. Seine vokal-instrumentalen Concerti aus der Sammlung Opella Nova I+II, aus denen auch seine nach 1626 entstandene Vertonung der Seligpreisungen stammt, sind von der venezianischen Chormusik beeinflusst. Die Besetzung des Concertos «Selig sind…» besteht im Original aus 2 Sopranstimmen, dem Alt, Tenor und Bass, sowie einer Flöte, einem Cornetto, 3 Trombonen und dem Basso continuo. Entsprechend der Textstruktur vertont Schein den ersten Teil rein vokal («Selig sind…»), und lässt die ganze Capella ritornellartig in den zweiten Teil des Satzes («denn sie…») einfallen. Vertont hat Johann Hermann Schein die Seligpreisungen nach der deutschen Übersetzung von Martin Luther
Mehr zu "Selig sind..." von Johann Hermann Schein siehe:
Johann Sebastian Bach - Clavier Übung IV: Aria mit verschiedenen Veränderungen, BWV 988 "Goldberg Variationen"
Peter Serkin (1965)
Maurice inaktiv (30.03.2025, 08:54):
Joseph Joachim Raff : Sinfonie Nr.8, op. 205 , "Frühlingsklänge" & Nr. 9, op. 213 , "Zur Herbstzeit"
Philharmonia Hungaria , Werner Andreas Albert
Werner Andreas Albert (1935-2019) war viele Jahre zusammen mit Alun Francis quasi der "Hausdirigent" des Labels CPO gewesen, vor allem für die Musik der Romantik und frühen Moderne.
Von 1959-1963 war er Hospitant unter Herbert von Karajan in Berlin, wurde 1963 1.Kapellmeister der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford und dann ab 1969 dort Chefdirigent als Nachfolger von Richard Kraus. 1971-1974 wurde er Chefdirigent des Gulbenkian-Orchesters und 1974 Chefdirigent in Nürnberg. Von 1983-1990 wurde der Chefdirigent in Brisbane/Australien (Queensland SO) und ab 1993 Berater und von 1995-1998 sogar noch Chefdirigent des Queensland Philharmonic Orchestra. Dann arbeitete er als freier Dirigent.
Die Liste seiner Aufnahmen für CPO ist lang: Alle Ochesterwerke von Erich Wolfgang Korngold und Paul Hindemith, zwei Boxen mit den Werken von Hans Pfitzner und Siegfried Wagner, Richard Wetz, Robert Volkmann, Hermann Goetz, Benjamin Frankel, Ernst Boehe, Ernst Pepping.
Dazu war er Professor in Nürnberg an der Hochschule als auch am Konservatorium und leitete 25 Jahre des Landesjugendsinfonieorchester Bayern. Er wurde u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
Dirigenten wie er waren es gewesen, die unglaublich viel für die Musik getan hatten, ohne direkt auf den Titelseiten der Gazetten zu erscheinen.
Es ist bedauerlich, dass die CPO damals nicht alle Sinfonien von Raff unter seiner kompetenten Leitung eigespielt hat. Es gibt neben den vier hier auf einer Doppel-CD erschienen Sinfonien Nr.8-11 noch die Nr.7 bei CPO unter seiner Leitung.
Ebenso bedauerlich war 2001 die Auflösung der Philharmonia Hungaria in Marl.
Joe Dvorak (02.04.2025, 17:28):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 8 Es Dur, GMW 48
Solisten, Shin-yu Kai Choir & The Little Singers Of Tokyo, Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra, Eliahu Inbal
Was für ein Brett! Aufgestellte Nackenhaare sind garantiert. Inbal hat zwei Mahler-Zyklen gemacht, den bekannten aus Frankfurt für Denon und den weniger beachteten aus Tokyo, der für das nach höchsten audiophilen Idealen strebende Label Exton eingespielt wurde. Außerdem gibt es Einzelaufnahmen der Nummern 1, 2, 4, 5, 7 & 9 mit der Tschechischen Philharmonie, die ebenfalls bei Exton erschienen sind. Das ist alles mehr als hörenswert (wenn man mal von Nr. 1 & 2 absieht, die mit keinem Orchester und Dirigenten der Welt hörenswert sind), aber dieser Achter schlägt alles. Was für ein Brett - interpretatorisch und klanglich.
Er legt sich hier auch ziemlich ins Zeug, denn hier ist noch Schmiss drin. Es ist die frühe Zeit der Stereophonie, es klingt aber vermutlich gewollt bissig und knackig. Noch ist nichts vom Schönheitsklang des späteren HvK zu hören. Es war übrigens die erste Stereo-Einspielung mit seinem Orchester aus Berlin, nachdem er zum Chefdirigenten auf Lebenszeit ernannt worden war.
Für die EMI nahm er das Werk erneut 1977 mit dem BPO auf, übrigens mit einer ähnlichen Spielzeit. Mit der DGG nahm er das Werk 1964 und 1985 mit den Wiener PO auf.
Der "Aufforderung zum Tanz" von Carl Maria von Weber (Orch.: Berlioz) lässt er ein weiteres "Schmankerl" folgen, dieses Mal mit dem Philharmonia Orchestra aus London. Eingespielt wurde das Werk am 28./29.11.1957 in London, also etwas früher noch.
Für beide Aufnahmen der gehörten CD war der berühmte Walter Legge zuständig.
Maurice inaktiv (05.04.2025, 08:49):
Joseph Joachim Raff: Sinfonie Nr.5, op. 177, "Leonore"
Orchestre de la Suisse Romande , Neeme Järvi
Järvi peitscht das Orchester durch das Werk, als ob er ein HIP-Orchester dirigieren würde. Mir ist das alles zu hektisch und schnell, auch wenn er eine Sogwirkung erreicht, die ich bei dem Werk durch keinen Dirigenten bisher erlebt habe. Dagegen ist Hans Stadlmair geradezu ein "Lahmarsch" mit seinem Bamberger Orchester. Doch mich erreicht er hier eher mit als Järvi mit seinen übertrieben Tempi. Bis jetzt ist hier aber Matthias Bamert und dem Radio-Sinfonie-Orchester Berlin die für mich stimmigste Einspielung dieser für mich besten Sinfonie, die Raff geschrieben hat.
Die CD ist randvoll gepackt. Neben der Sinfonie (die mit knapp 40 Minuten rund 12 Minuten schneller als Bamerts Aufnahme und rund neun Minuten schneller als Stadlmairs Einspielung ist) gibt es noch drei Ouvertüren, ein Vorspiel und eine Rhapsodie zu hören.
Andréjo (07.04.2025, 23:50): Einen Faden zum Werk oder zum Komponisten habe ich nicht gefunden
Soeben habe ich die heute per Post erschienene, für mich neue Einspielung des Violinkonzerts von Berg gehört.
Angeregt wurde die Anschaffung durch die Spitzenempfehlung seitens unseres Kollegen Moderato assai.
https://www.klassik-kompass.de/berg-violinkonzert
Der Kollege schwärmt, und ich würde ihm nicht widersprechen. Woran ich mich ein bisschen habe gewöhnen müssen, ist der sehr transparente, aber doch dunkle - oder die Dunkelheit herausstellende Klang der Einspielung. Indes hört man zweifellos Details aller Art, die einem zuvor nicht aufgefallen sein mögen. Gerade auch im perkussiven oder den tiefen Bläsern gewidmeten Passagen wirkt die Musik äußerst druckvoll.
Meiner allgemeineren Ansicht zur Notwendigkeit unterschiedlicher Deutungsansätze, die man bestens nebeneinander akzeptieren kann, zufolge - und da unterscheide ich mich wohl auch nicht sonderlich vom Kollegen - will ich trotzdem auf keine der anderen Einspielungen verzichten müssen. Es sind allerdings nicht gar so viele ...
(1) live aus Amsterdam, 1996, Concertgebouw Orkest (enthalten inder Sammlung der Süddeutschen Zeitung; Redaktion: Harald Eggebrecht)
War's das? Ich fürchte, ja, bin mir aber nicht sicher. Alte Bandmitschnitte würde ich mindestens zwei finden - mindestens einen könnte ich auch hören, obgleich quasi mit spitzen Fingern .
Übrigens ist die allgemeine Einführung zum Werk sehr lesenswert!
Weiterhin bestehen von meiner Seite keine Einwände gegen Fausts Beethoven.
Maurice inaktiv (08.04.2025, 06:20):
Jean Sibelius : Sinfonien Nr. 2 & 5 AD: 1960, London Stereo
Philharmonia Orchestra , Herbert von Karajan
Das Jahr 1960 war das letzte Jahr für Karajan und das Philharmonia Orchestra. Neben Unstimmigkeiten mit dem Orchester (auch hier bereits) und seinen Verpflichtungen in Berlin und Wien, waren die höchst erfolgreichen Jahre in London vorbei. Hier stand sich Karajan selbst im Weg, wie auch später in Berlin. Die beiden Sinfonien sind ihm aber zusammen mit dem Orchester sehr gelungen.
Joe Dvorak (08.04.2025, 11:29): Einen Faden zum Werk oder zum Komponisten habe ich nicht gefunden Dieser hier könnte passen :P : Alban Berg - Komponisten - das-klassikforum.de
Ich habe mir die Aufnahme mit Krasner und Busch vorgemerkt, die mir von der Beschreibung her neben Grumiaux/Markevitch besonders interessant erscheint. Absolut konkurrenzlos ist bei mir freilich Zimmermann/Gelmetti...
...weil das die einzige Aufnahme ist, die ich in Erinnerung habe. Ich hatte ohnehin vor, das Konzert demnächst mal wieder -und mit anderen Interpreten- zu hören, da kommt dieser Impuls gerade recht.
Andréjo (08.04.2025, 13:17): Danke Dir! Warum ich den Faden nicht gefunden habe ... im Haus finde ich oft auch nicht, was ich suche ...
Ich werde den Beitrag verschieben.
:hello Wolfgang
EDIT 1: Eine Verschiebung wird mir nicht angeboten. Eine Kopie tut's auch.
EDIT 2: Eigentlich logisch, da Joe bereits mit Zitat geantwortet hatte.
:beer
Maurice inaktiv (09.04.2025, 07:54):
Joseph Joachim Raff : Sinfonie Nr.8, op. 205, "Frühlingsklänge"
Bamberger Symphoniker , Hans Stadlmair
In den Tag mit Raffs "Frühlings-Sinfonie" aus dem Jahre 1876. Aufgenommen wurde sie 2002, also auch schon wieder über 20 Jahre her.
Andréjo (09.04.2025, 14:24): Bei den Raff-Sinfonien, die ich mir jetzt doch endlich mit den Bambergern zugelegt habe, bin ich gerade am Durchhören. Im Walde, Sommer und Winter sowie die italienische Suite - also zwei der neun CDs - standen bereits auf dem Programm. Ein guter Orchestrator, ein guter Kontrapunktiker - das habe ich über Raff gelesen, aber das hätte ich schon auch von mir aus zu behaupten gewagt - überzeugende Qualität aus der zweiten Reihe - da werde ich gerne weitermachen.
Irgendwo habe ich als Kritikpunkt gelesen, die Sinfonien hätten zwar sprechende Titel, aber eigentlich würde alles zu allem passen - mild überspitzt formuliert. Vielleicht ist da etwas dran. Indes: Musik ist nicht verpflichtet, Realität so genau wie möglich abzubilden - auch dann nicht, wenn sie dies durch Titel nahelegt. Ist es auch bei Namen aus der ersten Reihe so grundsätzlich anders? In welchem Maß ist das überhaupt denkbar?
Muss oder kann ich das Meer bei Debussy hören und die Brunnen und Pinien bei Respighi? Eben! :)
Zu behaupten, dass Debussy und Respighi mehr Eigenprofil hätten als Raff, hat sicherlich eine größere Berechtigung.
Aber ich freue mich allein schon deshalb über wertvolle Musik aus der zweiten Reihe, weil ich keine Lust habe, fortwährend nur die erste zu hören.
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (09.04.2025, 18:26): Bei den Raff-Sinfonien, die ich mir jetzt doch endlich mit den Bambergern zugelegt habe, bin ich gerade am Durchhören. Im Walde, Sommer und Winter sowie die italienische Suite - also zwei der neun CDs - standen bereits auf dem Programm. Ein guter Orchestrator, ein guter Kontrapunktiker - das habe ich über Raff gelesen, aber das hätte ich schon auch von mir aus zu behaupten gewagt - überzeugende Qualität aus der zweiten Reihe - da werde ich gerne weitermachen. Raff war ja eng mit Franz Liszt befreundet und hat für ihn gearbeitet und wohl auch arrangiert. Du kannst also davon ausgehen, dass sich Liszt da keine Pappnase geholt hat. Er hat teilweise "wunderschöne Stellen" geschrieben, etwa das Thema mit dem Hornduo in der Fünften.
Was wäre die Musik ohne die Friedrich Gernsheims, Raffs, Ries', etc. ? Es ist ja bekannt, dass ich ein Faible für die wenig(er) bekannten Komponisten habe, und daher war ich auch froh, dass im März Raffs Dritte in Frankfurt gespielt wurde mit immerhin Denis Russel Davies am DIrigentenpult.
Irgendwo habe ich als Kritikpunkt gelesen, die Sinfonien hätten zwar sprechende Titel, aber eigentlich würde alles zu allem passen - mild überspitzt formuliert. Vielleicht ist da etwas dran. Das kann ich durchaus nachvollziehen und würde es auch bestätigen.
Maurice inaktiv (11.04.2025, 11:07):
Andreas Romberg: Sinfonie Nr.1 , op. 6 & Sinfonie Nr. 3 , op. 33 & Die Ouvertüre zu "Die Großmut des Scipio", op. 54
Phion, orchestra of Gelderland & Overijssel , Kevin Griffiths
Andreas Romberg (1767-1821) würde ich als die letzte Generation der Haydn-Ära bezeichnen, zusammen mit seinem Cousin Bernhard Romberg (1767-1841). Andreas war mehr der Komponist, Bernhard der Solist gewesen.
Die Sinfonien entstanden zwischen 1794 und 1797 in Hamburg. Er schrieb insgesamt 10 Sinfonien, aber nur sechs davon sind erhalten geblieben. Zu Lebzeiten wurden seine Werke sehr oft gespielt und hatten einen ausgezeichneten Ruf. Doch das Interesse ließ spätestens mit seinem Tod stark nach. Die Romantik hatte mit Weber, Burgmüller, Schumann und Schubert Einzug gehalten.
Die CD ist nur knapp 50 Minuten kurz. Warum man nicht noch ein weiteres Werk zusätzlich eingespielt hat weiß ich nicht.
Maurice inaktiv (11.04.2025, 11:24):
Salomon Jadassohn: Sinfonie Nr.1, C-Dur, op. 24 & Cavatine für Violine und Orchester, op. 69
Bandenburgisches Staatsorchester Frankfurt , Howard Griffiths & Klaudyna Schulze-Broiewska (Violine)
Jadassohn (1831-1902) schrieb vier Sinfonien und war neben Carl Reinecke für die Fortführung der "Leipziger Schule" bekannt und war ein bekannter Pädagoge gewesen, durch dessen Hände etwa Delius, Grieg, Busoni, von Weingartner und von Reznicek gingen. Er selbst wurde von u.a. Moritz Hauptmann und Franz Liszt unterrichtet.
Seine 1.Sinfonie wurde 1860 uraufgeführt. Alle vier Sinfonien basieren vor allem auf der Musik Mendelssohns und Schumanns, den beiden wichtigsten Vertretern der Musik in Leipzig. Er war kein Modernist, aber das Alte konnte er dafür sehr gut.
Die Solistin ist gleichzeitig die 1.Konzertmeisterin des Orchesters und mehrfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe, etwa dem berühmten Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau.
Maurice inaktiv (12.04.2025, 08:25):
Sir Arnold Bax : Sinfonien Nr.1 & 3
BBC Philharmonic , Vernon Handley
In den Tag mit Sir Arnold Bax und seinen beiden Sinfonien Nr. 1 und 3. Vernon Handley hat es immerhin noch geschafft, seinen Bax-Zyklus zu vollenden. Auch so ein Dirigent, der vor allem in Großbritannien tätig war. So war er u.a. von 1961 bis 1983 Chefdirigent des Guldford Philharmonic Orchestras, baute das Orchester in Tonbridge mit auf und wurde 1983 ständiger Gastdirigent des London Philharmonic Orchestra.
Er machte vor allem Aufnahmen mit britischen Komponisten, so nahm er alle Sinfonien von Bax, Vaughan-Williams, Sir Malcolm Arnold, Sir Charles Stanford und Roger Simpson auf.
Joe Dvorak (12.04.2025, 11:14): Da wir gerade von Marriner sprechen, kommt mit dieser Gute-Laune-Tripel-Kracher in den Sinn:
Georg Friedrich Händel - Oboenkonzerte Nr. 1 B-Dur, HWV 301 Nr. 2 B-Dur, HWV 302a Nr. 3 g-Moll, HWV 287 ASMF, Neville Marriner
Andréjo (12.04.2025, 12:44): Vernon Handley - ich finde ziemlich viel Englisches mit ihm in der Sammlung. Und er hatte da gewiss das Händchen wie auch sein Kollege Richard Hickox, dem leider nur noch einmal zehn Jahre weniger vergönnt waren.
Was höre ich gerade - heißt die Spalte.
Dann höre ich doch - später - mal wieder Malcolm Arnold und auch Vernon Handley:
EDIT: Es sind 18 Jahre. waren aber beim 78-jährigen Handley auch die Folgen eines Verkehrsunfalls.
Maurice inaktiv (12.04.2025, 17:07): Vernon Handley - ich finde ziemlich viel Englisches mit ihm in der Sammlung. Und er hatte da gewiss das Händchen wie auch sein Kollege Richard Hickox, dem leider nur noch einmal zehn Jahre weniger vergönnt waren. Ja, Bryden Thomson, Handley und Hickox haben vielleicht die meisten Aufnahmen gemacht, was die Komponisten von der Insel angeht.
Das ist ganz exquisit. In letzter Zeit, ach was, in den letzten Jahren habe ich Haydns Quartette, ach was, Streichquartette & Kammermusik i. Allg. sträflich vernachlässigt.
Joe Dvorak (17.04.2025, 04:43):
.
Walter Zimmermann - Beginner's Mind
Herbert Henck (Klavier)
Maurice inaktiv (17.04.2025, 09:07):
Antonin Dvorak : Symphonische Dichtungen (daraus "Das Goldene Spinnrad" und "Die Mittagshexe")
Royal Concertgebouw Orchestra , Nikoaus Harnoncourt
Diese Aufnahmen gehören vielleicht einer der am Besten gelungensten Einspielungen überhaupt, was die Symphonischen Dichtungen Dvoraks angeht. Auch aufnahmetechnisch gehören sie zur allerersten Güteklasse.
Joe Dvorak (22.04.2025, 14:37):
Edvard Grieg - Holberg Suite, op. 40 (Version für Streichorchester)
Bergen PO, Ole Kristian Ruud
Die Norweger aus dem hohen Norden sind die besten Anwälte ihrer Landsleute (Holberg und Grieg stammten beide aus Bergen) und räumen für dieses Werk jeglichen Kitschverdacht, der ihm bisweilen angedichtet wird, zweifelsfrei aus. Dafür gab es eine Pinguin-Rosette.
Toni Bernet (24.04.2025, 20:30): 3 Minuten Liebe
Nimm dir 3 MInuten Liebe mit Stölzel und Anna Magdalena Bach.
Franz Schreker : Orchesterwerke, Vol. 1 (Sinfonie Nr.1 , a-moll, Intermezzo, op. 8, Valse lente, Suite "Der Geburtstag des Infantin u.a.) AD: 2014
Bochumer Symphoniker , Steven Sloane
Der Dirigent Steven Sloane leitete von 1994 bis 2021 die Bochumer Symphoniker. Bekannt geworden ist er wohl vor allem durch seine hervorragenden Einspielungen von Joseph Marx auf ASV damals, die später Naxos übernommen hat. Inzwischen ist er bei Franz Schreker angekommen.
Inzwischen leitet er das Jerusalem Symphony Orchestra.
Joe Dvorak (28.04.2025, 04:49):
Guillaume Dufay - Missa Sancti Jacobi (ca. 1427)
La Reverdie
Joe Dvorak (05.05.2025, 03:32): Ich habe heute einige Alben von zeitgenössischen Komponisten probegehört. Schönschreiben scheint wieder angesagt zu sein – zumindest bei Michael Murray (Passages), Jeffrey Jacob (Sequoias) und Daniel Crozier (East of the Sun & West of the Moon). Das verorte ich zur groben Orientierung alles im Bereich -durchaus gut gemachter- New-Age-Filmmusik. Natürlich sagt ein einziges gesampletes Album nichts über das Gesamtwerk aus. Aber die Neugier, was es sonst noch von den Herren gibt, wollte sich nicht einstellen. Etwas unbequemer, ohne wirklich anzustrengen, fand ich Sergio Cervetti (Parallel Realms). Die größte Herausforderung bei ihm besteht darin, dass man bei vielen Passagen rätselt, wo man das schon einmal gehört hat. Letztlich greift man dann doch lieber zu Altem und Bewährtem:
Charles Ives - Symphony No. 3 RSO Saarbrucken, Michael Stern
Feine Interpretation und feine Werkkopplung (mit Ragtime Dances & Robert Browning Overture).
Joe Dvorak (08.05.2025, 11:15):
"As Dreams" - Chorwerke von Per Nørgård, Helmut Lachenmann, Alfred Janson, Kaija Saariaho & Iannis Xenakis
Norwegian Soloists' Choir (Det Norske Solistkor), Oslo Sinfonietta, Grete Pedersen
:times10
Grandios! Der Chor & Pedersen haben mich schon mit den Bach'schen Motetten begeistert. Der Rest des Katalogs sieht auch interessant aus (wenn man die diversen Sachen mit Weihnachten mal ausblendet). Mal hören...
Joe Dvorak (09.05.2025, 03:13):
"Refractions" - Chorwerke von Fartein Valen, Alban Berg, Olivier Messiaen & Anton Webern
Berit Norbakken Solset (Sopran), Norwegian Soloists' Choir (Det Norske Solistkor), Norwegian RSO & Members of the Oslo Sinfonietta, Grete Pedersen
Diese Platte soll lt. PR-Text den Weg vom späten Romantizismus in eine unbekannte Zukunft nachzeichnen und dem Hörer die Möglichkeit bieten, dies anhand ausgewählter Chorwerke (teils a cappella, teils mit Orchesterbegleitung) zu erleben. Ja, das kann ich nachvollziehen und -erleben.
Joe Dvorak (10.05.2025, 03:22): Hier geht ordentlich die Post ab:
Wolfgang Amadeus Mozart - Serenade Nr. 9 D-Dur, K. 320 "Posthorn"
Christoph Brandt-Lindenbaum, Cappella Coloniensis, Joshua Rifkin
Toni Bernet (10.05.2025, 11:59): Gottfried Heinrich Stölzel: Aria «Bist du bei mir, geh ich mit Freuden», aus «Diomedes oder die triumphierende Unschuld» (1718), lange J. S. Bach (BWV 508) zugeschrieben
Zwischen 1734 und 1740 trug Anna Magdalena Wilcke Bach die Arie «Bist du bei mir, geh ich mit Freuden» für eine Singstimme und Continuo (heute BWV 508) in ihr zweites Notizbuch ein. In sochen Notenbüchlein pflegten die Bachs ihre Familien-Hits zum Üben und gemeinsamen Musizieren zu sammeln. Die Aria hatte auf zwei Seiten Platz. Warum auch immer, fügte Frau Wilcke Bach zwischen diese beiden Seiten noch eine Abschrift der bekannten Aria aus den Goldberg-Variationen ihres Ehemanns hinzu. 1866 wurde «Bist du bei mir…» vom Bach-Biografen Carl Hermann Bitter erstmals publiziert. 1892 und 1894 folgten zweimal Publikationen der Bach-Gesellschaft, mit dem Vermerk, dass diese Komposition «wohl eine Composition Johann Sebastian's sein" könnte 1915 wurde in der Bibliothek der Sing-Akademie zu Berlin ein anderes Manuskript entdeckt, das 5 Arien des Komponisten Gottfried Heinrich Stölzel (1690 – 1749) enthielt, darunter eine orchestrierte Fassung der als von Bach stammend bekannten Aria «Bleib bei mir…» für männliche Singstimme. Unbeachtet davon begann anfangs 20. Jahrhundert der öffentliche Erfolg dieser berührend schönen Melodie, und es entstanden viele Aufnahmen dieser Arie von bekannten Sängerinnen (von Blanche Marchesi erstmals 1906, über Lotte Lehmann 1929, bis Elisabeth Schwarzkopf 1954). Als Komponistennamen war immer J.S.Bach aufgeführt. Vor allem bei Hochzeiten und als sakrale Musik wurde «Bleibe bei mir, geh ich mit Freuden» gerne aufgeführt, meist von Frauen gesungen. 1945: Während des 2. Weltkrieges ging das Archiv der Sing-Akademie Berlin und damit auch das Stölzel-Manuskript der Arie «Bleib bei mir…» verloren. 1950 wurde «Bleibe bei mir…» in die erste Edition des Bach-Werk-Verzeichnis als BWV 508 aufgenommen. 1957 wurde die Arie in der Neuen Bach Edition publiziert, wobei im kritischen Kommentar die Orchesterfassung von Bach als «verloren gegangen» bedauert wurde. Noch in der 1998er Edition der Bach Werke wurde die Arie nicht in den Anhang versetzt, obwohl man vom Stölzel Manuskript Kenntnis hatte. 1999, nach der Wende, wurde das verlorene Archiv der Sing-Akademie zu Berlin in Kiew vollständig wiederentdeckt. 2009 wurde dessen Katalog veröffentlicht und die 5 Arien im Stölzel-Manuskript als Arien aus der verlorenen Oper «Diomedes oder die triumphierende Unschuld» von Gottfried Heinrich Stölzel identifiziert. Nicht Bach also hat diese einmalig schöne Melodie komponiert, sondern Gottfried Heinrich Stölzel in seiner Oper Diomedes (Uraufführung 1718 in Bayreuth). Ob diese ergreifende Melodie auch ebenso bekannt geworden wäre, wäre sie nicht Bach zugeschrieben worden, bleibt ein Geheimnis dieser Rezeptionsgeschichte.
Mehr zu dieser wunderschönen Melodie vgl.: https://www.geistlichemusikentdecken.ch/18-jhd/stoelzel-bach
Joe Dvorak (11.05.2025, 04:43): Die CD ist tot, so heißt es, und nur eine winzige elitäre Minderheit will Neue / Zeitgenössische Musik hören, so heißt es. Überprüfen wir das anhand von KAIROS. Das letzte Album, das ich von diesem Label gehört habe, Jason Eckardts Passage, erschien im Januar 2024. Seither hat das Label 36 neue Alben auf den Markt -den es dann doch irgendwie geben muss- gebracht.
Ich höre jetzt den zweitletzten Streich:
Alec Hall - A Dog Is a Machine for Loving
Ning Yu (Klavier), Marco Fusi (Violine), Mivo Quartet A Dog Is a Machine for Loving (2016–2024) für Klavier, gesprochene Stimme und Feldaufnahmen There Are Only Two Ways to See Inside Someone (2019–2022) für Violine und Live-Elektronik The Water’s Memory, the Memory of Sand (2021) für Streichquartett
Joe Dvorak (12.05.2025, 05:14): Joes tägliches Lebenszeichen:
Jean-Luc Hervé - Germination
L’Itinéraire, Léo Margue
Germination heißt "keimen" und in der Tat hatte ich beim Hören des Titelstücks (für 12 Musiker & Elektronik) solcherlei Assoziationen. Das Album, das noch ein weiteres Ensemblestück für 8 Spieler & Elektronik und ein Quartett (Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier) enthält, ist spannend zu hören: experimentell, involvierend, herausfordernd, zugänglich, komplex, fasslich.
Joe Dvorak (13.05.2025, 05:11): Joes tägliches Lebenszeichen:
Evis Sammoutis - Atrapós
Ensemble Modern, Johannes Kalitzke, Gareth Davis, Neue Vocalsolisten Stuttgart, Arditti Quartet, Klangforum Wien
Je ein Werk für Streichquartett und -sextett, für Bassklarinette & 5 Stimmen, für Kammerensemble und für Orchester, geschrieben zwischen 2006 und 2022. Diese Werkschau gefällt mir außerordentlich gut und das ist schon der dritte Treffer von drei Versuchen. Das hat es, soweit ich mich erinnere, bei KAIROS noch nie gegeben. Entweder sie sind 'besser' geworden, das heißt, sie treffen meine Hörpräferenzen genauer und bleiben, wenn sie darüber hinausgehen, noch im hinzufügbaren Bereich, oder das zornige Jahr hat mich offener gemacht, oder es ist einfach Statistik. Eher nicht. Wenn eine Stichprobe von 3 aus 36 die Eigenschaft "gut" aufweist, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens weitere 23 "gut" sind, 90 %. (Für Erbsenzähler: Wir nehmen ein binäres Modell an, das heißt es gibt nur gut oder nicht gut). Ich hätte weniger erwartet, aber okay, wir lassen ja 10 % Irrtumswahrscheinlichkeit zu. In der Praxis wird meist eine 95-prozentige Aussagesicherheit gefordert (wenn man nicht gerade die Sicherheit eines Kernkraftwerks bewertet, da darf es dann etwas mehr sein), doch auch dann warten laut mathematischer Statistik immer noch 20 "gute" Alben unter den verbleibenden 33 noch nicht gehörten, die seit Passages herausgekommen sind. Das muss überprüft werden. Joe hat ein neues Projekt.
Joe Dvorak (14.05.2025, 03:37): Joes tägliches Lebenszeichen:
Brian Andrew Inglis - To Byzantium and Beyond
Elisabeth Knatt (Blockflöte), David Clements (Elektronik), Scott Taylor (Elektronik, Arrangement), Rachel Barnes (Blockflöte)
Blockflöte solo ist ein schweres Fach. Hier bietet der angekündigte Elektronikeinsatz Aussicht auf Erleichterung, allerdings beschränkt er sich bei den das Album eröffnenden 4 Konzertetüden auf kaum hörbare Drones, die nur in der ersten und letzten Etüde vorkommen. Dass das dennoch recht unterhaltsam bleibt, liegt daran, dass die Solistin ein breites Arsenal an Instrumenten benutzt, darunter ein -nie gehört- Garklein, das auch im Englischen so genannt wird, und dass sie erweiterte Spieltechniken einsetzt. Es folgt ein rein elektronisches Interludium, das darunter leidet, dass es kaum hörbar ist - man muss den Regler voll hochziehen, aber es gibt dennoch nicht viel her. Das Hauptwerk, das wie das Album betitelt ist, ist dann ein reines -und zu langes- Blockflötensolo, und schließlich folgt ein weiteres Elektronikstück, bei dem, so scheint es, Teile des Albums umarrangiert und verfremdet wurden. Der Eindruck, dass man da viel mehr daraus hätte machen können, lässt sich nicht verscheuchen, sodass das ein unbefriedigender Abschluss ist, der den Gesamteindruck arg schmälert. Die 18 Minuten mit den Etüden sind für mich unbedingt hörenswert, der Rest, na ja …
Sfantu (14.05.2025, 21:25): Eine Erstbegegnung dieser Tage mit Musik eines 1940 im Elsaß geborenen Boulez-und Maderna-Schülers:
René Koering
Konzert für Violine und Orchester (3. Fassung, 2000) "Agaion", in memoriam Iannis Xenakis
Pierre Amoyal, Violine, Orchestre National de Montpellier - Friedemann Layer (CD, euterp, Konzertmitschnitte, 2003)
Konzert
I 13'06 II 12'50
"Agaion" In memoriam Iannis Xenakis
15'26
Das Konzert hörte ich in den letzten Tagen wiederholt um ihm allmählich "näher zu kommen". Und die in ihm dominierende Sprödigkeit erfordert eben auch eine Art konzentriertes Erarbeiten und Beharren.
Das Solo ist praktisch durchgängig beschäftigt. Der erste Satz hat vom gesamten Klangeindruck her wenig Einladendes. Am zaghaften Beginn mit vielen liegenden Noten im Orchester stimmt die Geige eine Art aufbegehrendes Klagen an, welches rasch zu lebhafteren Schlagabtäuschen zwischen Solo und Tutti überleitet. Die Klangereignisse sind eher trocken und abweisend, sie tragen keinerlei Zuversicht in sich. Die Klangfarben sind nicht ausgesprochen attraktiv. In der Satzmitte hat das Solo eine Kadenz, in welcher Passagen ruhiger Innenschau mit solchen eines plötzlichen Affronts in Form eines brüsken Streits mit vor allem Blech und Schlagwerk abwechseln. Schließlich gewinnen besänftigende Themen der Geige die Überhand bevor das Satzende die alten Konflikte wieder zum Aufbrechen führt. Den Schluß bildet ein abruptes Abreißen der unbegleiteten Solostimme - als hätte jemand den Stecker gezogen.
Satz Nummer zwei ist von mehrheitlich ruhigen, sanglichen Themen des Soloinstruments geprägt. Nur sporadisch brechen sich kurze tumultöse Querschüsse des Orchesters Bahn. Laut Koering ist Letzteres inspiriert von frühkindlichen Erinnerungen an Militärparaden der deutschen Besatzer. Die unschuldige Freude an den ansteckenden markigen Themen und Rhythmen erhielt erst in späteren Jahren nach und nach die geschichtlich bedingte tragische Bitternis. Aus dem, was man hier hört, lassen sich derlei Bezüge allerdings nicht wirklich erkennen.
Aufregender und nicht ohne gelegentliche Prisen Humor erfreut "Agaion" dagegen durch pulsierenden Vorwärtsdrang. Sind es nun Bandzuspielungen oder ist es Live-Elektronik? Jedenfalls schießen immer wieder rockige bis Techno-Klänge dazwischen. Das Ganze hat etwas von einem Comicstrip mit allerlei grotesken Gestalten - ich sehe da ein wildes Durcheinander von zähnefletschenden Sauriern, Gladiatoren und intergalaktischen Kampfinsekten - Respighis "Circenses" lassen grüßen. Ein durchgehender energetischer Drive macht das Stück zu einem Erlebnis.
Gute, wenn auch nicht kristallklare Durchhörbarkeit, präzises, temperamentvolles Spiel. Auch Amoyals (gelungenes) Bemühen um eine charaktervolle Interpretation des Soloparts vermag beim Violinkonzert leider den trocken-mürrischen Gesamtcharakter des Werkes nicht auszugleichen.
Joe Dvorak (16.05.2025, 06:36):
Oriol Saladrigues Brunet - Your message could not be delivered to one or more recipients
Ensemble Diagonal, Rut Schereiner, Klangforum Wien, Enno Poppe, 2e2m, Pierre Roullier, Ensemble TM+, Laurent Cuniot, PHACE, Nacho de Paz, Orchestre de la Haute École de Musique de Genève, Benoît Willmann
5 Kammermusikwerke in unterschiedlichen Besetzungen, teils mit, teils ohne Elektronik aus den Jahren 2014 - 2018 und ein Melodram für 7 Stimmen, Orchester & Elektronik. Schön in Häppchen aufgeteilt, aber dennoch schwer genießbar - jedenfalls beim ersten Versuch. Der PR-Text spricht Bände: Oriol Saladrigues Brunet erschafft komplexe Interaktionen zwischen Zeit und Kommunikation und verwandelt Momente in reiche künstlerische Ausdrucksformen. Seine Kompositionen behandeln Zeit als flexibles und vielschichtiges Konzept, das Präzision mit Unvorhersehbarkeit verbindet. (KAIROS) Ebenso 'gehaltvoll' wie diese Aussage erscheint die Musik bei der ersten Annäherung. Klanglich interessant, aber ohne Struktur, Logik und Aussage. Aber sie fordert Wiederhören und mit der Zeit offenbart sich - so bilde ich mir ein - das Verborgene. Auf eine weitere Besprechung verzichte ich zugunsten der Fortsetzung der ebenso irrelevanten statistischen Übung. Waren die früheren Vorhersagen von der unausgesprochenen Warnung begleitet, dass 3 als Stichprobenmenge nie ausreichend ist, so sind wir nun mit 5 bei dem Minimum angelangt, ab dem Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen sinnvoll werden. Also: 5 von 5 Stichproben-Alben haben die Eigenschaft 'gut' (Byzantium bekam noch eine Chance mit Kopfhörer, worunter die Elektronikstücke, die offenhörbar binaural sind, ihre Wirkung besser entfalten, und wurde letztlich mit 'gut' bewertet), daraus folgt, dass sich unter den 36 relevanten Alben mindestens 24 'gute' befinden. Das heißt unter den verbleibenden 31 sind mindestens noch 19 'gute', wobei die Irrtumswahrscheinlichkeit 10 % beträgt. Wenn wir es so gut wie sicher wissen wollen (99 % Aussagesicherheit), dann dürfen wir mindestens 15 'gute' unter den 36 annehmen. Da wir bereits 5 gezogen haben, verbleiben unter den restlichen 31 noch mindestens 10. Die größte Annäherung an Gewissheit ist der 6 Sigma-Ansatz (99,99966 % Aussagesicherheit). Wenig überraschend lautet das Ergebnis, dass sich mindestens 5 'gute' unter den 36 befinden, das heißt unter den verbleibenden sind mindestens 0 weitere. (6 Sigma wird erst praxisrelevant, wenn große Mengen untersucht werden.)
Andréjo (16.05.2025, 09:38): :D
PS: Ich bin keineswegs avantgarde-phob - was immer das heißen könnte - auch wenn es nicht so im Zentrum steht. Aber eine kleine Annäherung für den heutigen Tag später könnte ja wieder einmal die folgende Scheibe sein:
Sfantus obigen Vorschlag muss ich auch mal überdenken.
Joe Dvorak (17.05.2025, 04:06):
Mozart & C.P.E. Bach - Young & Foolish
Céline Frisch, Alexander Melnikov, Café Zimmermann Carl Philipp Emanuel Bach Sinfonie D-Dur, Wq 1831/1, H. 663 Konzert fur Cembalo und Fortepiano Es-Dur, Wq 47, H. 479 Wolfgang Amadeus Mozart Divertimento F-Dur, K. 138 Klavierkonzert Nr. 17 G-Dur, K. 453 Wir brauchen unbedingt einen Headbanger-Smiley. Das rockt wie die Wutz, da glühen die Membranen. Bei J.S. Bach finde ich das nicht immer ganz passend, aber hier treffen die Zimmermänner mit ihrem Punk voll auf die Zwölf.
Maurice inaktiv (18.05.2025, 09:27):
Julius Otto Grimm Sinfonie in D-Moll, op. 19 & Zweite Suite in Canonform, op. 16
Sinfonieorchester Münster , Golo Berg
Neuland und auch neu ist die Einspielung hier des Komponisten und Freundes von Johannes Brahms, Julius Otto Grimm. Seine Sinfonie in D-Moll wurde 1852 geschrieben, also 24 Jahre vor Brahms Erstling. Doch man meint teilweise schon, den späteren Brahms hier erhören zu können, wenn auch nur in Ansätzen.
Die Zweite Suite ist gar Brahms gewidmet. Aufgeführt wurde sie 1869 zum ersten Mal.
Grimm verband auch eine Freundschaft zur Familie Moscheles. So studierte er u.a. bei Ignaz Moscheles in Leipzig. Weitere Lehrer dort waren auch Julius Rietz und Moritz Hauptmann. Grimm war ab 1860 in Münster/Westfalen über 40 Jahre tätig. Daher ist das Sinfonieorchester aus Münster der ideale Interpret der Werke von Grimm.
Joe Dvorak (19.05.2025, 04:13): Die Ausgrabungen von cpo haben bei mir eine Trefferquote von etwa 1:5, und ich denke mir oft, dass es schon seinen Grund hatte, dass dieser oder jener Komponist nicht sehr bekannt wurde. Aber für die Ausnahmen lohnt es sich immer wieder, Unbekanntes von diesem Label probezuhören. Hier wird ein Volltreffer gelandet:
Isidora Žebeljan - The Horses of St. Mark / Orchesterwerke
Aile Asszonyi (Sopran), Žebeljan Ensemble, Janáček PO, David Porcelijn
Die vor allem durch Opern und Filmmusik international bekannt gewordene Serbin schriebt höchst originell. Sie befriedigt den Avantgardisten in mir ebenso wie den Klanggourmet. Klischees, die man aus diesen Lagern der Zeitgenossen viel zu oft zu hören bekommt, sind bei ihr Mangelware. Žebeljan starb 2020 im Alter von 54 Jahren.
Joe Dvorak (23.05.2025, 02:29):
Richard Wagner - Tannhäuser, WWV 70 (1845 Version)
Albert Dohmen, Nina Stemme, Robert Dean Smith, Marina Prudenskaya, Christian Gerhaher, Peter Sonn, Wilhelm Schwinghammer, Rundfunkchor Berlin, Berliner SO, Marek Janowski
Janowski und seine Spieler und Sänger sind mehr an Klarheit, feinen Darbietungen und flotten Tempi interessiert als an Tiefe der Charakterisierung oder Interpretation. (Clean, Clear, Cool Tannhäuser - Classics Today) Oder, um es mit Joes vielgebrauchter und damit abgedroschener Phrase zu sagen: Wagner ohne großes Gewagnere. Pathos und exaltiertes Drama sind Fehlanzeige. Stattdessen gibt es Musik, die überraschenderweise richtig gut ist und mir besser gefällt als das meiste, was von diesem Komponisten sonst noch so kam.
Joe Dvorak (25.05.2025, 04:28):
Richard Wagner - Die Walküre, WWV 86B
Tomasz Konieczny, Iris Vermillion, Robert Dean Smith, Melanie Diener, Timo Riihonen, Petra Lang, Berliner SO, Marek Janowski
Eigentlich wollte ich es beim ersten Akt belassen, aber angesichts der verblüffenden Qualität musste ich gleich noch den zweiten anhängen, bevor es dann leider vorbei war mit der Ungestörtheit. Alle beim Tannhäuser ausgemachten Vorzüge sind auch hier vorhanden. Der erste ist der von mir am häufigsten frequentierte Einzelakt aus irgendeiner Wagner-Oper. Ich hatte sogar mal eine Single-CD davon (Walter, 1935). Die ist Heavy Metal pur, aber Janowskis klassischer Ansatz, der Musik vor Drama setzt, ohne dass die Spannung darunter leidet, gefällt mir viel besser. Man könnte kritisieren, dass es sich um eine romantische Oper handelt und sie daher auch romantisch zu interpretieren sei – aber dann wäre das halt eine weitere von drölfzig bereits existierenden Einspielungen. So steht sie -soweit gehört- fast konkurrenzlos da, lediglich Van Zweden reicht da noch heran, vielleicht auch Neuhold.
Joe Dvorak (04.06.2025, 11:51):
John Cage / Earle Brown - Atlas Eclipticalis
Veronika Blachuta (Flöte), Nick Akdag (Fagott), Giovanni Todaro (Trompete), Zachary MacLurg (Posaune), Cecilia Cuccolini (Harfe), John Bickerton (Klavier, Elektronik, Realisierung), Jessica Townsend (Violine), Thomas McCluskey (Violoncello) John Cage - Atlas Eclipticalis w/ Winter Music, Variations IV, 0’00” (4’33” No. 2) Earl Brown - November 1952 & December 1952 John Cage - Radio Music Der Cage-Aficionado wurde in diesem Jahrzehnt bislang nicht gerade mit Massen an neuem Material beglückt, aber darunter gab es Höchstkaräter wie das sensationelle Chormusik-Album aus Lettland oder die von einem Horntrio gespielte Music for Three. Nun gesellt sich hierzu ein besonders hell funkelnder Diamant, wenn auch die Grundstimmung des Albums von dem grauen Nebel des Covers gut getroffen wird. Laut eigenen Angaben ist das die erste Einspielung, welche die Trilogie Atlas Eclipticalis, Variations IV & 0’00” auf einem Album zusammenbringt. Die Realisierung ist ganz nach meinem Gusto geraten. Unvorhersehbar, klanglich abenteuerlustig, experimentell, aber nicht zu abgefahren. Für die Annäherung gilt es, sich an die Worte des Komponisten zu erinnern, der sinngemäß sagte, dass man es, wenn man hierfür den Begriff "Musik" vermeiden will, eben "Klangorganisation" nennen soll. Wichtig sind auch die Werke von Brown als frühe Beispiele für graphische Partituren. Ein tolles Hörerlebnis von vorne bis hinten.
Maurice inaktiv (08.06.2025, 09:40):
Wilhelm Petersen: Sinfonie Nr.3 . cis-moll AD: 2021 , Frankfurt, HR-Sendesaa l RSO Frankfurt, Constantin Trinks
Erstbegegnung für mich. Ich zitiere mal, das fällt mir gerade leichter: Hier aus der Beschreibung bei JPC: Petersens dritte Sinfonie in cis-moll wurde 1934 unter der Leitung von Karl Friderich in Darmstadt uraufgeführt; eine weitere Aufführung folgte am 24. September 1935 unter Hermann Abendroth in Berlin.
Die vorliegende Aufnahme ist die erste, die von diesem Werk gemacht wurde. Petersen schrieb für die Septemberausgabe 1935 der Zeitschrift für Musik einen kurzen sachlichen Kommentar zu seiner Dritten Symphonie.
Nur an wenigen Stellen weicht der Text von einer nüchternen Abfolge der Ereignisse ab und gibt mit Begriffen wie »tragischer Höhepunkt«, »Zusammenbruch«, »zarte Verklärung« den »Inhalt« der Musik an. Hier von Klassik.com:
»Verglichen mit den Sinfonien Wilhelm Furtwänglers, ist Petersens Dimensionierung kaum knapper - die dreisätzige Dritte Sinfonie cis-Moll op. 30 (1934) dauert eine gute Stunde. Doch kommt, dank vorzüglicher Materialverarbeitung und gutem Formgefühl, nicht das Gefühl von Langatmigkeit auf - möglicherweise auch dank der Wiedergabe durch das Radio-Symphonie-Orchester Frankfurt unter Constantin Trinks, die mit Verve, Freude an der Erkundung der Petersen'schen Klangfarben und gutem Gefühl für Form und Balance das vergessene Werk lebendig werden lassen.
Da ist vieles nicht einfach heroisch oder poetisch - wie bei vielen Zeitgenossen eröffnet Petersens Musik ein reiches Spektrum an Facetten und Stimmungen, die liebevoll nicht nur ausmusiziert werden, sondern auch im großen Ganzen den ihr zustehenden Platz erhalten.«
Aufgenommen in der Corona-Zeit, hat man wohl genug Zeit zur Vorbereitung dieses Werkes, was sicher nicht einfach zu spielen war.
Peterson, der sich sehr mit Bruckner und Wagner auseinander gesetzt hat, kann man als Student des Bruckner-Spezialisten Felix Mottl durchaus als einer der Erben der Bruckner'schen Sinfonik beschreiben, wenn auch mit vielen eigenen Ideen, etwa aus der Kammermusik, die er hier wunderbar mit dem vollen Orchester kombiniert. Eine echte Entdeckung für mich !! Sehr empfehlenswert, wie ich finde.
Sfantu (08.06.2025, 22:57): Die Hörschnipsel zu Wilhelm Petersens Dritter bei jpc lassen einen bekenntnishaften nachromantischen Brocken à la Schmidt, Wetz oder Furtwängler vermuten. Nach anfänglicher Neugier bin ich mir nun nicht mehr sicher, ob mich diese Musik begeistern wird.
Verblüffend die Gegenüberstellung mit den Werken auf dieser Schallplatte. Auf die Schnelle würde ich sagen, der einzige Tonträger mit seiner Musik in meiner Sammlung:
Wilhelm Petersen
Klavierwerke
Martin Steinkrüger, Klavier (LP, WPG, mono, vor 1973)
I. Suite für Klavier b-moll op. 47 10'24 Variationen über ein Lied des Königs Thibaut von Navarra op. 50 14'23 II. Suite für Klavier d-moll op. 51 9'20 Neun Miniaturen op. 52 16'51
Diese allesamt in den ersten Nachkriegsjahren entstandenen Werke (also nur gute 10 Jahre nach der dritten Sinfonie) wirken wie aus einer anderen Welt: abgeklärt, Innenschau haltend - besonders im op. 52 mit Anklängen an Debussy und Poulenc (weder Lausbub noch Mönch - eher der faszinierende Klavierkomponist Poulenc).
Sfantu (08.06.2025, 23:18): Apropos "Blumiger Stil" - der folgende Satz über Petersens Musikstil klingt prächtig. Aber - was sagt er aus?
"Wilhelm Petersen entwickelte eine künstlerisch eigene Tonsprache von melodisch und klanglich-harmonisch großer Weite und Farbigkeit. Seit der Mitte der zwanziger Jahre führte ihn seine starke, reife Geistigkeit zu einem überpersönlichen Stil, der sich musikalisch ausprägt in klaren Klangformen von charaktervoller Schönheit".
MGG, 1. Auflage, Band 10, S. 1123
Andréjo (09.06.2025, 00:25): Was sagt er aus?
Nahezu gar nichts.
Abgesehen davon, dass mir ein Personalstil eigentlich lieber ist als ein "überpersönlicher". Aber ich ahne schon: Das ist ganz anders gemeint.
Die CD kenne ich nicht, das Klavierkonzert von Wilhelm Petersen schon. Das ist attraktive Musik ohne allzu persönliche Prägung, meine ich. Wobei ich schon noch ein paar andere Werke von ihm kennen sollte, um so etwas behaupten zu dürfen. Auch das meine ich.
Befinde ich mich da jetzt im Widerspruch zu der MGG ?. Eigentlich ja irgendwie - aber so dürfte das kaum gemeint sein. :P
Hildegard von Landenberg spielt Haydn, Mozart, Debussy Joseph Haydn - Andante & Variationen f-Moll, Hob.XVII:6 (Sonata - un piccolo divertimento) Wolfgang Amadeus Mozart - Variationen über "Salve tu Domine", K. 398 / 416e Claude Debussy - Deux arabesques, L. 66 - Suite bergamasque, L 75 - Nr. 3 Claire de Lune - Estampes Nr. 2 & 3 - Preludes I, Nr. 10 & II, Nr. 12 Manche Alben muss ich schon alleine wegen der Werkkopplung hören. Was soll uns vermittelt werden? Nahmen Haydn und Mozart hier den Impressionismus vorweg? Oder baute Debussy auf deren Variationen auf. Ich weiß es nicht, aber es ist verblüffend, wie stimmig der Fortschritt von Werk zu Werk erscheint und wie selbst dann kein Bruch auftritt, wenn man nach dem Feuerwerk wieder von vorn anfängt.
Joe Dvorak (13.06.2025, 04:40):
Claude Debussy - Jeux, L 126 / Khamma (orch. Kœchlin), L 125 / Fragments symphoniques du "Martyre de Saint-Sébastien", L 124
Rotterdam PO, James Conlon
Würde ich gefragt, welche Orchesterwerke ich auf die eine Debussy-CD packen würde, wenn ich als Produzent frei entscheiden dürfte, so lautete die Antwort: Meine optimale Kopplung gibt es schon.
Maurice inaktiv (13.06.2025, 17:24): Claude Debussy - Jeux, L 126 / Khamma (orch. Kœchlin), L 125 / Fragments symphoniques du "Martyre de Saint-Sébastien", L 124
Rotterdam PO, James Conlon
Würde ich gefragt, welche Orchesterwerke ich auf die eine Debussy-CD packen würde, wenn ich als Produzent frei entscheiden dürfte, so lautete die Antwort: Meine optimale Kopplung gibt es schon. Das glaube ich Dir sofort. Ich habe Conlon vor allem mit seinen Aufnahmen aus Köln schätzen gelernt. Auch so ein Dirigent, der gerne durchs Radar gelaufen ist, so habe ich den Eindruck. Es hat ihm nicht geschadet.
Andréjo (13.06.2025, 17:42): James Conlon - gerne! Seine Spezialität ist, meine ich, Alexander Zemlinski.
Maurice inaktiv (14.06.2025, 05:36):
Georg Goltermann : Sinfonie in a-moll , op. 20 , Konzert für Violoncello und Orchester Nr.1 , a-moll, op. 14 , Romanze a-moll, op. 60, Nr.1 und Ballade G-Dur, op. 81
RSO Wien, Howard Griffinths & Jamal Aliyev (Cello)
Georg Goltermann (1824-1898) wurde in Hannover geboren und verstarb in seiner Wahlheimat Frankfurt am Main. Mir hat der Name absolut nichts gesagt, daher habe ich zugeschlagen, als ich die CD günstig erwerben konnte. Deutsche Romantiker, die damals durchaus viel gespielt wurden und damit neben Robert Schumann, Felix Mendelssohn oder dem Überschatten Beethoven bestehen konnten, aber die heute niemand mehr kennt, gibt es durchaus öfter: Fritz Volbach, August Klughardt, Friedrich Gernsheim oder Joseph Joachim Raff lassen grüßen.
Seine Sinfonie wurde am 11. Dezember 1851 im Leipziger Gewandhaus unter seiner Leitung uraufgeführt. und bekam gute Kritiken. Dass das Werk bereits ein Jahr später gedruckt wurde war auch noch eine Seltenheit. Er schrieb insgesamt acht Cello-Konzerte, hier ist das Erste zu hören. Es wurde vermutlich Ende der 1840-er Jahre geschrieben und ging 1852 in Druck. Es wurde eine seiner erfolgreichsten Werke überhaupt.
Maurice inaktiv (14.06.2025, 07:01):
Fritz Volbach : Sinfonie op.33, h-moll & Es waren zwei Königskinder - Sinfonische Dichtung, op. 21
Sinfonieorchester Münster, Golo Berg
Fritz Volbach (1861-1940) lebte in einer äußerst prägenden Zeit, musikalisch wie politisch gesehen. Er erlebte die Kaiserzeit bis hin zum Beginn des 2. Weltkriegs durch die Nazi-Herrschaft. Seine Werke wurden u.a. von Edward Elgar und anderen bekannten Komponisten hochgeschätzt. Er studierte u.a. bei Ferdinand Hiller und war einer der letzten Schüler von Eduard Grell, der Sing-Akademie in Berlin.
Seine Sinfonie beendete er 1908, also zu einer Zeit, als nur kurze Zeit später Gustav Maler seine 7.Sinfonie beendete und die Sinfonien von Bruckner und Brahms noch hoch im Kurs standen, aber eben auch die Moderne durch Arnold Schönberg bereits für Schlagzeilen und Tumulte sorgte. Uraufgeführt wurde sie in Münster durch jene Orchester, welches er selbst 1919 gegründet hat und das hier für diese wunderbare Einspielung zuständig ist.
Volbach wirkte vor allem in Mainz und eben in Münster/Westfalen. Wer mehr über ihn erfahren möchte, sollte sich das Buch über ihn vielleicht mal kaufen.
Joe Dvorak (14.06.2025, 13:36):
Amir Mahyar Tafreshipour - Persian Echoes (Konzert für Harfe und Orchester)
Gabrielle Dall'Olio (Harfe), Adi Tal (Violincello), ECO, Alexander Rahbari
Das als Harfenkonzert ausgewiesene Hauptwerk dieses Albums könnte auch als Konzert für Orchester durchgehen. Unterschlagen wird auf dem Cover das Kammermusikwerk Ares für Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Violine und Klavier, das mit rund 20 Minuten ebenso ausgedehnt ist wie das Konzert. Das ist einfach allerbeste, fesselnde Musik, die weitab von plakativen Exotismen leuchtet und glänzt. Es werden unter anderem traditionelle persische Skalen und Rhythmen verarbeitet, nicht im Sinne von Crossover, sondern als Materialien, auf die Methoden westlich-moderner Kompositionstechnik angewendet werden. Wir hatten es neulich von Salgado – das hier geht in eine ähnliche Richtung, wenn auch mit ganz anderem Ausgangspunkt. Unbedingt anhören!
Joe Dvorak (14.06.2025, 15:08): An Rahbari kam man nicht vorbei, wenn man die Anfangszeiten von Naxos – damals gestartet als konkurrenzloses Billig-Label für Standardrepertoire – deren CDs kaufend miterlebt hat. Er war einer der Haus- und Hofdirigenten. Hier läuft aus dieser Zeit:
Johannes Brahms - Sinfonie Nr. 4 e-Moll, op. 98
Brussels Radio & TV PO, Alexander Rahbari
Seitdem das mal jemand hier gepostet hat, kann ich das Hauptthema des Kopfsatzes nicht mehr hören, ohne im Geist mitzusingen: Ihm fällt / mal wie- / der gar / nichts ein.
Joe Dvorak (15.06.2025, 03:54):
Claude Debussy - Trois images pour orchestre, L 122 / Fragments symphoniques du "Martyre de Saint-Sébastien", L 124
Brussels Radio & TV PO, Alexander Rahbari
Seine Lesart von Debussy ist eine Welt für sich. Der Blick richtet sich mehr auf das große Ganze als auf letzte Details, und bei den Gassenhauern bewahrt er eine gesunde Neutralität. Da wird der Franzose beinahe zum Symphoniker.
Maurice inaktiv (17.06.2025, 21:57):
Ferdinand Thieriot : Octett, op. 62 & Quintett, op. 80
Mithras Octett
Seltene Kammermusik gibts bei mir noch seltener, aber hier gefällt mir das sehr gut. Auch den Komponisten habe ich irgendwo mal aufgeschnappt, könnte hier im Forum gewesen sein. Egal, Es geht um die Musik, und hier stimmt auch die Qualität.
Andréjo (17.06.2025, 23:21): Bei Thieriot kann ich mitreden - ich wollte mal wissen, was es mit diesem geheimnisvollen Schumann auf sich hat, den ich nicht kannte - und dazu gab es quasi einen Beifang:
Durchaus hübsch, beides, natürlich jetzt nicht gleich genial. :D
Irgendwie bilde ich mir ein, dass mir auch noch ein Kammermusikwerk mit Klarinette von ihm begegnet wäre, aber leider war die Kurzsuche im Regal erfolglos. Mag sein, dass ich auch nur ein Cover im Netz gesehen habe. Was hat es mit dem Quintett besetzungstechnisch auf sich, lieber Kollege? Ich kann das Cover nicht anklicken ... könnte natürlich mal nachsehen bei amazon oder so ...
PS: Ich musste sowieso noch einmal nachsehen, um obige CD anklickbar zu machen. Nein, das ist ein Bläserquintett mit Klavier statt Flöte und schon auch Klarinette - gibt's ja öfters. Ich setze das mal auf die Liste.
Maurice inaktiv (18.06.2025, 03:00): Irgendwie bilde ich mir ein, dass mir auch noch ein Kammermusikwerk mit Klarinette von ihm begegnet wäre, aber leider war die Kurzsuche im Regal erfolglos. Mag sein, dass ich auch nur ein Cover im Netz gesehen habe. Was hat es mit dem Quintett besetzungstechnisch auf sich, lieber Kollege? Ich kann das Cover nicht anklicken ... könnte natürlich mal nachsehen bei amazon oder so ... Das Oktett ist mit 2 Violinen, Bratsche, Cello, Kontrabass, KLARINETTE, Oboe, Fagott, Horn und Klavier besetzt. Vielleicht meintest Du sogar dieses Oktett? Es ist gut geschriebene Musik aus dem Brahms-Umfeld.
Sfantu (18.06.2025, 12:59): @Andréjo
das Klarinettenquintett wurde hier schon einmal besprochen.
Herzliche Grüße
Andréjo (18.06.2025, 14:19): Merci beaucoup!
Besorgt habe ich es mir noch nicht und die Erinnerung an den Faden war wohl im Hinterkopf zu vage angelegt. Es wird gekauft - ich mag diese Besetzung sehr! Das Oktett lege ich mir auch zu! Gerade bei solcher Kammermusik zum Durchatmen quasi lohnt sich die Anschaffung, denn sie wird nicht nur ein einziges Mal gehört. Ich kenne mich!
:hello Wolfgang
Philidor (18.06.2025, 15:23): Moinsen! Karajans erste Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern in seiner Rolle als Chefdirigent, jedenfalls nach meinen Quellen:
Richard Wagner
Vorspiel und Liebestod aus "Tristan und Isolde" Ouvertüre zu "Tannhäuser" Vorspiel zum 1. Aufzug von "Die Meistersinger von Nürnberg"
Arthur Butterworth : Sinfonie Nr.1 op. 15 (Weltersteinspielung) Ruth Gipps : Sinfonie Nr.2 , op. 30 (Weltersteinspielung) Sir Malcolm Arnold: Concerto for Organ & Orchestra, op. 47 (Weltersteinspielung)
Münchner Symphoniker (Butterworth, Gipps) & Royal Aarhus Academy Sympphony Orchestra, Douglas Bostock + Ulrik Soang-Hanssen (Orgel)
Ich muss zugeben, dass ich mit Butterworth so meine Probleme habe. Besonders die rhythmischen Stellen wirken auf mich manchmal sehr willkürlich komponiert, etwas zusammenhanglos, während die lyrischen Stellen mir sehr gut gefallen haben. Da ist, wie man an anderer Stelle hier im Forum geschrieben hat, einiges von Vaughan-Williams, aber auch Sibelius - und, bei teilweise den gelungenen rhythmischen Bereichen - auch Carl Nielsen dabei zu sein, was die Einflüsse angeht.
Ruth Gibbs ist da insgesamt weniger dominant, dafür aber insgesamt mit weitaus weniger Meriten belastet. Da fließt alles organischer, stimmiger als bei Butterworth, dessen Temperament mir manchmal etwas zu viel des Guten ist. Das Orgelkonzert von Sir Malcolm Arnold liegt irgendwo in der Mitte von Butterworth und Gipps, das ist alles angenehm anzuhören. Der Organist ist gut eingebunden worden, das klingt für mich nach dem ersten Hören sehr stimmig.
Maurice inaktiv (20.06.2025, 22:54):
Mieczyslaw Karlowicz: Sinfonie e-moll, op. 7
Warschauer Philharmoniker , Jerzy Salmarowski
Die einzige Sinfonie des Polen Karlowicz wurde 1902 zuende komponiert. Er war zu der Zeit 26 Jahre alt. Dass er nur noch sieben Jahre zu leben hatte, wusste er natürlich nicht. Er sollte 1909 bei einem Lawinenunglück ums Leben kommen mit gerade mal 32 Jahren.
Die Sinfonie ist jetzt kein Werk was in die Zukunft weist, im Gegenteil. Wir befinden uns zwar im neuen Jahrhundert, aber das Werk steht noch stark in der Romantik.
Sfantu (21.06.2025, 15:09): An Rahbari kam man nicht vorbei, wenn man die Anfangszeiten von Naxos – damals gestartet als konkurrenzloses Billig-Label für Standardrepertoire – deren CDs kaufend miterlebt hat. Er war einer der Haus- und Hofdirigenten.
Daher auch bei mir heute:
Serenade Nr. 1 D-dur op. 11
Filharmonisch orkest van de Belgische Radio en Televisieomroep - Alexander Rahbari (CD, Naxos, 1990)
Allegro molto 9'31 Scherzo. Allegro non troppo 8'13 Adagio non troppo 12'57 Menuetto I & II 3'42 Scherzo, Allegro 3'01 Rondo. Allegro 6'15
Von Beginn an fand ich Rahbaris Brahms-Box eine runde Sache. Und bis heute höre ich sie gern. Es gibt praktisch kein schwaches Glied in der Kette. Die Musik fließt so natürlich als könne das garnicht anders sein als eben genau so. Rahbari erspart uns alleinstellungsmerkmalige Mätzchen. Sorgfältig gestaltet, rund und doch nicht ohne kleine Akzente hie und da (Pauke im 1. Scherzo!). Auf den Punkt gebracht macht Rahbari das, was Hörwitz Dirigenten gern anempfiehlt: nicht unnütz im Wege stehen sondern die Musiker machen lassen.
Drei Gedichte op. 18 Schlummerlied der Robben Nachtgesang im Dschungel Gesang des Kala-Nag Der Frühlingslauf op. 95 Frühling im Wald Mowgli Der Lauf Nacht Iris Vermillion, Johan Botha, Ralf Lukas RIAS Kammerchor Radio-Symphonie-Orchester Berlin David Zinman
Joe Dvorak (22.06.2025, 06:04): Meine jüngste Entdeckung - Koechlin Ich verspreche eine höchst spannende Entdeckungsreise. Den Hammer aus dem Buch hast du dir aufgehoben: Les Bandar-Log, Op.176, das die zweite CD abschließt. Ich kenne bislang nur die Aufnahme mit dem RSO Stuttgart und Heinz Holliger:
Philidor (22.06.2025, 07:28): Ich verspreche eine höchst spannende Entdeckungsreise. Den Hammer aus dem Buch hast du dir aufgehoben: Les Bandar-Log, Op.176, das die zweite CD abschließt. Vielen Dank! Das Affenscherzo habe ich vorher in der Aufnahme aus Rheinland-Pfalz kennengelernt. Endgültig angefixt hat mich dann die Aufnahme mit Marc Albrecht.
An Gesamteinspielungen der Dschungelbuch-Beiträge Koechlins mangelt es ... außer Zinman habe ich nichts gefunden. Ein geschlossenes Werk ist es wohl eher nicht, entstand verteilt über sein Leben.
Maurice inaktiv (22.06.2025, 09:38):
Zoltan Kodaly : Harry Janos-Suite, Sinfonie in C-Dur, u.a.
Buffalo PO, JoAnne Falletta
Heute geht es musikalisch in das wunderschöne Ungarn. Wer einmal dort war, wird mich bestimmt verstehen.
Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 10 e-Moll op. 93
Berliner Philharmoniker Herbert von Karajan
Aufnahme 1982
Wie so oft bei Herbert von Karajan, so übertrifft auch hier das digitale Remake nicht die ältere Aufnahme. Der Kopfsatz hat weniger Biss, die anderen Sätze sind eventuell auf Augenhöhe.
Schade, dass Karajan nicht mehr Schostakowitsch aufgenommen hat. Ungeachtet des Kopfsatzes ist das schon eine tolle Aufnahme. Auf dieser Grundlage scheint es mir denkbar, dass Karajan der Goldstandard des Westens für Schostakowitsch hätte werden können.
Bei mir bleiben Ancerl und Karajan 1966 vorne, dazu Kondrashin vor allem wegen des Scherzos.
Philidor (22.06.2025, 19:08): Heute die zweite CD aus dem Dschungelbuch-Album mit David Zinman.
Charles Koechlin: Das Dschungelbuch (Auszüge)
Die Meditation des Purun Bhangat op. 159 Das Gesetz des Dschungels op. 175 Les Bandars-log op. 176 ("Affenscherzo")
Radio-Symphonie-Orchester Berlin David Zinman
Toni Bernet (25.06.2025, 15:40): Vermehrt setzte ich mich in letzter Zeit mit sogenannter geistlicher Musik auseinander und erforsche den Zusammenhang zwischen Religion und Musik. In diesen heissen Tagen stiess ich auf eine Besonderheit, die zur ergreifenden Neuentdeckung wurde:
Christian Andreas Schulze: «Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser» (Ps 42) (um 1680)
Nach den Gräuelzeiten des dreissigjährigen Krieges (1618 - 1648) war die Suche nach neuen Klangräumen gross, in denen man seine monodischen Gesänge abstützen konnte. Das Psalmkonzert «Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser» entstand wohl in den 1680er Jahren in Meissen, wo ein gewisser Christian Andreas Schulze Stadtkantor war. Beeinflusst wohl auch von italienischen Vorbildern, aber tief in der deutschen Tradition des protestantischen Kirchenmusik stehend, gelang Schulze ein expressives Meisterwerk und eine berührende Psalmvertonung.
Mehr dazu vgl. https://www.geistlichemusikentdecken.ch/16-17-jhd/schulze
Joe Dvorak (27.06.2025, 01:54): Hier abstrakte Klangobjekte:
Earle Brown - Abstract Sound Objects
Sabine Liebner (Klavier) Home Burial Folio Four Systems Twenty-Five Pages Summer Suite '95
Maurice inaktiv (28.06.2025, 08:05):
Georges Bizet: Sinfonie C-Dur AD: 1994
New Zealand SO , Donald Johanos
Classic CD 4/95:"Die Interpretationen des New Zealand Symphony Orchestra unter Donald Johanos sind glänzend gelungen und außerordentlich inspiriert."
Man kann absolut nichts an dieser Aussage kritisieren. Wirklich eine sehr gute Einspielung. Noch dazu auf dem Amazon Marketplace für Peanuts zu erwerben.
Philidor (28.06.2025, 15:59): Hier wieder Schosti 10.
Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 10 e-Moll op. 93
London Philharmonic Orchestra Bernard Haitink
live Royal Albert Hall, London, 28. August 1986
Ich habe sehr gute Kritiken über diese Aufnahme gelesen, aber so ganz meine ist sie nicht. Man lobt die organische Entwicklung und die Spannung. Ja, stimmt schon, doch mir fehlt der Biss, der nur im Finale zu hören ist.
Maurice inaktiv (29.06.2025, 09:29):
Julius Otto Grimm: Sinfonie in d-moll, op. 19 "Zweite Suite in Canon-Form" in G-Dur, op. 16
Sinfonieorchester Münster , Golo Berg
Julius Otto Grimm (1827-1903) wurde in Estland (Pärmu) deutschsprachiger Eltern geboren. Sein Weg sollte in nach St.Petersburg, Leipzig (zum Studium bei u.a. Julius Rietz, Moritz Hauptmann und Ignaz Moscheles führen), Hannover, Göttingen und 1860 nach Münster berufen. Dort sollte er heimisch werden. Er war mit den Schumanns, der Familie Moscheles und bereits früh mit Johannes Brahms befreundet.
Seine Kompositionen sind recht übersichtlich geraden, hier nun seine einzige Sinfonie, der er noch in Leipzig 1852 schrieb und seine Zweite Suite. Die Sinfonie bekam recht unterschiedliche Kritiken, doch wichtiger war, dass er im Kopfsatz ein Verfahren anwendete, das Johannes Brahms später voll entfaltete, nämlich ein Thema, dass später in den nachfolgenden Sätzen weiterentwickelt wurde. Ehrlich gesagt, fand ich das Werk dann doch nicht wirklich groß weiter auffallend.
Die Suite widmete er seinem Freund Johannes Brahms. Sie wurde insgesamt sehr positiv aufgenommen beim Publikum.
Auf viele Jahre waren Grimm und Fritz Volbach eng mit dem Musikleben in Münster verbunden. Grimm bis zu seinem Tode 1903, Volbach ab 1918, unmittelbar nach dem Ende des 1.Weltkrieges bis 1924, aber er lebte noch bis 1932 dort, war dann aber nur noch selten aus gesundheitlichen Gründen aktiv.
Was Melartins Werke angeht, habe ich mir bereits früh die Box seiner Sinfonien zugelegt, die damals bei Ondine unter der Leitung von Leonid Grin herauskam. Bereits damals war mir klar, dass hier noch viel Luft nach Oben war - und diese Meinung wird mit der Neuaufnahme von CPO klar bestätigt und zementiert. Da ist ein ganz andere Biss dahinter, ganz zu schweigen von dem hervorragenden Orchester von Turku, mit dem auch Leif Segerstam seine wunderbaren Aufnahmen von Jean Sibelius gemacht hat und quasi eine Art "Vermächtnis" von ihm sind.
Seine wohl bekannteste Sinfonie war die Fünfte, entstanden 194/15, also im Laufe des 1.Weltkrieges. Seine Musik würde ich als spätromantisch-impressionistisch-modern bezeichnen, aber nicht atonal. Einflüsse von der Volksmusik seiner Heimat, Richard Wagner und Anton Bruckner könnte man vielleicht noch ebenfalls als Einflüsse bezeichnen.
Melartin war von 1899-1901 Schüler von Robert Fuchs, einem der anerkanntesten Pädagogen in Wien (u.a. waren auch Jean Sibelius, Frank Schreker und Gustav Mahler seine Schüler). Später sollte er ein Institut Gründen und Leiten, welches wir heute als die berühmte "Sibelius-Akademie" kennen. Neben dem "Übervater" Jean Sibelius war Melartin der einzige finnische Komponist, der damals bekannt wurde.
Andréjo (01.07.2025, 18:16): Die Begeisterung von Maurice freut mich! Denn diese eine CD will ich jetzt kaufen - von allen sechs Sinfonien Melartins interessiert mich die Sechste mit Abstand am meisten. Bei den anderen, die ich nur sehr selten höre, würde Leonid Grin vielleicht genügen. Und überdies muss es ja erst mal weitergehen mit Rasilainen (, von dem ich auch die Sinfonien Atterbergs schätze) ...
Maurice inaktiv (02.07.2025, 06:50): Bitte nicht das Geld unnötig für Grin ausgeben! Warte besser auf die nächste CD mit Rasilainen mit Melartin. Ich hoffe auch, dass man bei CPO das Ganze zügig durchzieht. Es dürfte sich auf jedem Fall lohnen.
Andréjo (02.07.2025, 10:03): Nein, ich besitze ja alle sechs mit Grin schon seit etlichen Jahren. Ich war oben nur der Meinung, dass mir für die anderen fünf bzw. vier Grin genügen würde. :hello
Maurice inaktiv (02.07.2025, 10:45): Ah,okay. Dann hatte ich Dich falsch verstanden. Sorry. :S
:beer
Andréjo (02.07.2025, 13:42): :) Ein Sorry braucht es nicht, natürlich, denn der Rat war nur gut gemeint und beim Nachlesen ist mir klar geworden, dass man den Kontext falsch verstehen kann - auch wenn ich das nicht gedacht hätte. Das zu vermeiden, ist bei unserer neutralen Kommunikation gar nicht immer so einfach. Da nützen die ganzen Grinsvisagen auch nicht viel ...
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (05.07.2025, 03:44):
Mozart / Beethoven - Septette
Solisten des LFO Wolfgang Amadeus Mozart - Divertimento D-Dur, K. 251 Lucas Macías Navarro (Oboe), Jonathan Wegloop (Horn), Stefan Dohr (Horn), Gregory Ahss (Violine), Korbinian Altenberger (Violine), Wolfram Christ (Viola), Rick Stotijn (Kontrabass) Ludwig van Beethoven - Septett Es-Dur, op. 20 Vicente Alberola (Klarinette), Stefan Dohr (Horn), Matthias Racz (Fagott), Raphael Christ (Violine), Wolfram Christ (Viola), Jens Peter Maintz (Violoncello), Rick Stotijn (Kontrabass) Sehr erfreulich. Ein Aufsteller für den Start ins Wochenende - direkt nach der mitternächtlichen Rückkehr von der Urlaubsreise. :tongue:
Joe Dvorak (07.07.2025, 10:30):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett D-Dur, op. 18/3
Beauftragt vom Berliner Cäcilien-Verein machte sich Felix Mendelssohn bereits im Alter von 23 Jahren daran, selbst ein Oratorium zu komponieren, das das Leben des Apostels Paulus zum Inhalt hatte. Mit Freunden, insbesondere mit dem Theologen Julius Schubring, diskutierte er Inhalt und Aufbau. Schliesslich drängte sein Vater Abraham Felix dazu, dieses Oratorium Paulus bald, noch vor seinem Tode, zu vollenden. Trotz Felix’s Bemühen, dem Willen seines Vaters zu genügen, reichte es nicht mehr. Sein Vater starb vorher.
Im Zentrum des schliesslich 1936 in Düsseldorf uraufgeführten Oratoriums stehen Szenen aus der Apostelgeschichte, die den Weg und die Bekehrung des Paulus vom gesetzestreuen Verfolger von Christengemeinden zum Völkerapostel darstellen. In Paulus sah Mendessohn auch seinen Weg vom Juden zum getauften Christen gespiegelt. Musikalisch spürt man Mendelssohn Interesse an Händel und Bach. Er versuchte den alten Stil und dessen musikalischen Elemente (Chöre, Choräle, Fugen, Rezitative, Arien) mit den frühromantischen und klassizistischen Tendenzen der Musik nach Mozart und Beethoven zu verbinden.
Die Auseinandersetzung mit dem Judentum erfolgt aus heutiger Sicht in diesem Oratorium ziemlich klischeehaft und vielleicht typisch für einen Konvertiten, wie die Arie des Paulus «Vertilge sie, Herr Zebaot» zeigt. Umso erstaunlicher ist dann die musikalisch-theologische Eigenständigkeit bei der Szene des Einbruchs der Transzendenz. Die Stimme des Auferstandenen wird von einem Frauenchor gesungen. Zuerst wollte Mendelssohn nur einen Sopran für Jesus singen lassen (eine Art feministische Theologie in spe, wo die Rolle Christi entgegen katholisch-amtlicher Einwände auch von Frauen übernommen werden!). Freunde schlugen Mendelssohn aus konventioneller Sicht eine Bass-Stimme für Christus den Auferstanden vor. Der Kompromiss war für Mendelssohn schliesslich ein Frauenchor, der auch für ein heutiges nachmythisches, aufgeklärtes theologisches Verständnis anregend ist. Man muss sich überhaupt den Bekehrungsprozess des Paulus als eine mehrjährige innere geistliche Wandlung vorstellen. Sogar die Apostelgeschichte spricht von drei Jahren und von einer Blindheit des Paulus. Die zunehmende Erkenntnis muss wie ein Schock gewirkt haben, dass gerade sein und seiner Zeitgenossen religiöser Gesetzeseifer für die Wahrheit blind machte und sogar zur Beseitigung und Ermordung der von Gott bestimmten Gerechten führte. Es sind immer wieder vermeintliche «Sachzwänge», die blind machen und wertvollstes Leben zerstören, so könnte man heute säkular formulieren und an Technik, Klimazerstörung und armutsblinden Wirtschaftsliberalismus denken. Das Kreuz bleibt ein Warnsignal. Die warnenden Stimmen müssen auch heute gehört werden. Denn Glauben und Leben kommen vom Hören.
Sowohl in Deutschland und in England trat das Oratorium gleich nach Erscheinen des Notendrucks einen Siegeszug durch Europa an. Es traf den Nerv der Zeit. Schon nach 18 Monaten registrierte man die 50. Aufführung. Schumann nannte den Paulus ein «Juwel der Gegenwart». Zu Unrecht ist es heute hinter Mendelssohns Oratorium «Elias» etwas in den Hintergrund getreten.
Vgl. hier einen Hörbegleiter zu den Nr. 12-15: https://www.geistlichemusikentdecken.ch/19-jhd/mendelssohn-bartholdy
Joe Dvorak (09.07.2025, 03:24): Beethovens Klaviersonate Nr. 27, op. 90 (1814), seine erste nach fünfjähriger Pause in der Gattung, markiert den Übergang zur späten Schaffensperiode. Einem konfliktreichen, dramatischen ersten Satz in e-Moll folgt unmittelbar ein gesanglich-lyrischer Rondo-Finalsatz in E-Dur. Diese unkonventionelle Anordnung ersetzt die übliche Form durch eine dialektische Gegenüberstellung. Der Finalsatz, oft als Lied ohne Worte beschrieben, stellt nicht nur die thematische Einheit, sondern auch einen emotionalen Ausgleich her. Die Reduktion der Form und die Hinwendung zu intimem, poetischem Ausdruck kündigen den späten Stil an. Ich neige spekulativ dazu, in dieser strukturellen Kühnheit und expressiven Tiefe eine transzendierende musikalische Verarbeitung grundlegender menschlicher Spannungen zu sehen, die über Beethovens eigene Beschreibung eines Kampfes zwischen Kopf und Herz hinausgeht. Die Satzfolge: I: Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck II: Nicht zu geschwind und sehr singbar vorzutragen
Eines der vermutlich kompliziertesten Brocken der sinfonischen Musik dürfte Furtwänglers Erste sein. Nicht ohne Grund ist es wohl erst die dritte Einspielung dieses nicht zu greifenden Werkes überhaupt. Zuerst bei Marco Polo kam Alfred Walter an die Reihe (1989 mit der Tschechoslowakischen Staatsphilharmonie Kosice), dann George Alexander Albrecht mit der Staatskapelle Weimar und nun der mir völlig unbekannte Chefdirigent der Württembergischen Philharmonie aus Reutlingen, Fawzi Heimor.
Walter hatte das Mammutwerk 1989 mit den nicht auf der Höhe spielenden Mannen aus Kosice unglaublich schwer, denn die Anforderungen an Dirigent und Orchester sind bei diesem Werk wirklich enorm. Albrecht hatte zum Glück an ausgezeichnetes Orchester zur Hand, dafür nicht gerade die besten Aufnahmetechniker, so dass hier auch keine optimale Aufnahme entstand, die aber grundsätzlich sehr gut gelungen war.
Heimor hatte nun die besten Techniker zur Verfügung, und auch das Orchester wuchs über sich hinaus. Bereits Roberto Pasternostro hatte damals mit ihnen live einen recht guten Bruckner-Zyklus eingespielt, das Orchester "kann" also solche Werke spielen. Man mag hier wirklich das Beste herausgeholt haben, aber überzeugt bin ich nicht worden. Es liegt nicht an der Einspielung, sondern meiner Meinung nach am Werk selbst.
Ausladend zumindest in für mich, der ein großes Fan von Bruckner, Rott oder Mahler ist, also durchaus mit der Spätromantik etwas anfangen kann. Hier aber, hier muss ich passen. Es fesselt mich nicht, auch wenn Furtwängler teilweise großartige Musik geschrieben hat, die er selbst liebte und schätzte, aber eben auch als Zweifel (hier Anton Bruckner sehr ähnlich) über Jahrzehnte an dem Werk geschrieben hatte, ehe es 1943 von ihm selbst uraufgeführt wurde.
Seine 2.Sinfonie erscheint mir die da doch weitaus zielführender und auch stimmiger gelungen. Dies hat u.a. Daniel Barenboim mit dem Chicago SO eindrucksvoll bewiesen, aber auch Furtwängler selbst oder auch Eugen Jochum mit dem SO des BR und auch Alfred Walter mit dem ausgezeichneten BBC-SO London.
Joe Dvorak (10.07.2025, 07:06): Beethovens Klaviersonate Nr. 27, op. 90 (1814) Ein paar dürre und oberflächliche Beobachtungen dazu: Die in sich etwas konfliktbehaftete Spielanweisung des ersten Satzes löst Kovacevich für mich vorbildlich. Gleich das Auftaktmotiv zeigt das exemplarisch im Kleinen. Herrisch-muskulös der erste Teil, zart, differenziert und dynamisch schattiert der zweite. Lim löst das lediglich durch Laut-leise-Kontrast, Gulda liegt dazwischen und Giltburg wirkt schon im ersten Teil nicht lebhaft und lässt den zweiten schier ersterben. Auch der wichtige Kontrast zwischen den beiden Sätzen gelingt dem Amerikaner für mich am überzeugendsten. Die Vorzüge, die man seiner GA nachsagt, Kraft und Dringlichkeit perfekt balanciert mit Feinheit und Durchdringung, werden hier aufs Beste bestätigt. Gulda steht da kaum hintenan, seine Darbietung wirkt insgesamt runder, trotz der straffen Tempi wirkt das keineswegs gehetzt. Bei Giltburg wirken sich die breiten Tempi dagegen negativ aus; das zieht sich doch arg dahin. Und Lim? Die zieht mich ins Geschehen hinein wie kein anderer, so objektiv angreifbar sie ist - der zweite Satz atmet kaum, der Kontrast zum Kopfsatz wirkt nivelliert - so subjektiv unzweifelhaft ist ihre Sogwirkung, die mich vom ersten bis zum letzten Takt ganz dicht bei der Stange hält.
Joe Dvorak (11.07.2025, 03:07): Weiter geht es mit dem Beethoven-Frühstücksprojekt*.
Beethovens Klaviersonate Nr. 28 A-Dur, op. 101 (1816), der Spätphase zugehörig, revolutioniert die Sonatenform durch poetische Verdichtung und rigorose kontrapunktische Strenge. Der erste Satz (Etwas lebhaft, mit Innigkeit) verbindet scheinbar improvisatorische Melodik mit harmonisch kühner Modulation. Sein nahtloser Übergang in den Marsch (Lebhaft) löst lineare Zeitwahrnehmung auf – dieser dient als rhythmisch-dramatischer Kontrast. Das Adagio (Langsam, sehnsuchtsvoll) evoziert Traumzustände durch rezitativische Deklamationen und harmonische Schwebung, die Überleitung zum Finale, in welcher Hauptthema des 1. Satzes zitiert wird, schafft Kontinuität. Das Finale kombiniert Fugentechnik mit sonatenhafter Dramaturgie: Sein Thema durchläuft eine spannungsvolle Entwicklung (motivische Zergliederung, harmonische Destabilisierung). Durch Reminsznesen an das Adaigo und damit das Ausgangsthema wird dem Werk indirekt eine formale Geschlossenheit verliehen, in der die disparaten Elemente -die motorische Energie des Marsches, das Traumhafte des Adagios, und das Hochstrukturierte des Finales- schließlich als Einheit wahrgenommen werden. Diese Synthese formt für mich eine bald 'spirituelle' Erkundung von Bewusstseinszuständen – freilich in einer autonomen Klangarchitektur, welche Zeit (Kairos-Aspekt), implizierte Erinnerung und intuitives Verstehen in rein musikalischer Logik verkörpert. Die Satzfolge:
I: Etwas Lebhaft mit der innigsten Empfindung. Allegretto ma non Troppo II: Lebhaft. Marschmäßig. Vivace alla Marcia III: Langsam und sehnsuchtsvoll. Adagio ma no troppo con affetto IV: Geschwind, doch nicht zu sehr, und mit Entschlossenheit. Allegro
Mit an den Tisch kommen wieder die gesetzten Kovacevich (I: 4'12 / II: 5'51 / III: 3'01 / IV: 7'34) und Gulda (ORF, I: 3'49 / II: 6'14 / III: 2'56 / IV: 7'12). Heute gesellt sich Roland Brautigam dazu:
Roland Brautigam (Fortepiano, 2010)
(I: 3'36 / II: 5'32 / III: 2'39 / IV: 7'01 )
*Es gibt da draußen Hartlinier, die meinen, man solle diese Werke, die größer sind als man selbst, nur in einem entsprechenden Ambiente und nur bei voller Konzentration goutieren. Schnabel soll nach einer Anekdote sogar Bedenken gegen eine Einspielung auf Schallplatte angemeldet haben, weil er nicht sicher sein konnte, ob die Leute beim Hören angemessene Kleidung tragen. Gut, da mein Frühstück lediglich aus Kaffee besteht, wird die Konzentration nicht durch Kauen gestört, aber über meine Kleidung hülle ich besser mal den Mantel des Schweigens - ich halte mich lieber daran, was dem hiesigen Klima angemessen ist (wobei es heute Morgen bei 27 Grad noch recht mild ist).
Andréjo (11.07.2025, 08:52): Da könnte ich auch mal wieder hineinhören in eine meiner diversen Aufnahmen.
Formal und strukturell empfinde ich diese Sonate als radikaler im Vergleich mit allen späteren, wobei sie natürlich nicht die Dimensionen des Opus 106 aufweist. Mit der 101er Sonate beginnt das eigentliche Spätwerk, auch weil das Opus 90 eher einen Ruhepunkt darstellt, ohne wirklich rückwärtsgewandt zu sein. Vielleicht ist sie auch musikalisch die radikalste Klaviersonate Beethovens. Doch da müsste ich Kriterien aufstellen - bei der Struktur freilich genauso -, so dass meine Behauptung schwer zu beweisen sein dürfte. Denn gewiss sind etwa die quasi Taubheits-Prüfungen im Opus 110 oder die vollständige Auflösung des Materials in der Aria des Opus 111 radikal schlechthin. Von der 106er Fuge müssen wir nicht reden. Und im 109er Fall ist immer mein Eindruck gewesen, dass man die letzten Seiten der Noten gar nicht angenehm für die Zuhörenden spielen kann, gibt sich die Pianistin, der Pianist noch so viel Mühe. Hier ebenso eine seltsame Manier der Materialauflösung, die noch nicht so weit geht wie in der letzten Sonate. Aber die notwendige spielerische Zurückhaltung mit diesem Auflösungsmaterial ist sozusagen kaum möglich - sie ist in der Aria viel leichter darzustellen, glaube ich, weil ohnehin kaum mehr ein thematisches Substrat vorhanden.
Ich suche mal nach HJ Lim in der Tube und habe die seltsame Idee, dass eventuell ihre Eigenheiten bei der 101 viel weniger auffallen könnten, als sie mir beim Opus 110 aufgefallen sind. :D
Philidor (11.07.2025, 18:59): Hier geht's irdischer zu:
Harrison Birtwistle: Earth Dances
Ensemble Modern Orchestra Pierre Boulez
Joe Dvorak (12.07.2025, 06:20): Die Klaviersonate Nr. 24, Fis-Dur, op. 78 (1809) folgte vier Jahre nach der "Appassionata“ op. 57. Dazwischen kamen unter anderem die Symphonien Nr. 5 & 6, das 4. und 5. Klavierkonzert, das Violinkonzert und die Rasumowsky-Quartette raus. Beethovens Gehör verschlechterte sich und Wien wurde von französischen Truppen besetzt. Dieser Sonate, seiner Schülerin Therese von Brunsvick gewidmet, hört man diese Stellung nicht unmittelbar an. Sie verdichtet die Essenz seiner mittleren Schaffensperiode in zwei Sätzen von sublimer Ökonomie. Die Struktur beginnt mit einem viertaktigen Adagio cantabile als poetischem Motto, das als Keimzelle für den Großteil des weiteren Material fungiert. Es mündet nahtlos in einen lyrischen Allegro ma non troppo-Teil ohne Durchführung, dessen Themen sich in Fis-Dur schwebend entfalten; die Konfrontation bleibt aus. Das Finale (Allegro vivace) verbindet scherzohafte Leichtigkeit im 2/4-Takt mit strengeren Akzenten und zitiert rhythmisch das Eingangsmotiv. Im Ausdruck dominiert intime Verspieltheit über heroische Geste - das sangliche Hauptthema strahlt "Eleganz" aus, während synkopierte Akzente und die sprechende Pause vor dem Finale-Einsatz Spannung schaffen. In diesem Werk gewinnt die scheinbare Schlichtheit eingängiger Themen durch formale Raffinesse eine zeitlose Qualität. Die seltene, "irisierende" Fis-Dur-Tonart wird zum Vehikel der Verinnerlichung. Nicht monumentale Größe, sondern Verdichtung, Proportion und Geschlossenheit werden zum Programm.
Schön kurz ist das, da können noch zwei Tässchen her:
Glenn Gould (1970)
(I: 4'29 // II: 2'34)
Richard Goode (1993)
(I: 7'16 / II: 2'41)
Joe Dvorak (13.07.2025, 03:42): Beethovens Klaviersonate Nr. 28 A-Dur, op. 101 (1816)
Roland Brautigam (Fortepiano, 2010) Damit komme ich nicht klar. Klar, der Klang des angemessenen Klaviers ist überlegen. Aber sonst? Der erste Satz wirkt weder lebhaft noch innig, sondern fast mechanistisch, als ob er vor meinen Ohren konstruiert wird. Zum Marsch hin folgt eine zehnsekündige Pause, was der Intention zuwiderläuft und mir auch keine neuen Erkenntnisse vermittelt, außer dass es wirksamer ist, attacca anzuschließen. Immerhin ist anfangs mehr Fluss drin, aber mit der Zeit machen die ständige feindynamische Differenzierung von Note zu Note und zu viel Rubato das kaputt. Das klingt so durchdacht und ausgeklügelt, dass es mir wie eine intellektuelle Übung vorkommt. Sehnsuchtsvoll ist der langsame Satz überschrieben und es kommt in der Tat bald Sehnsucht auf, dass es vorbei ist. Das Finale musste ich abbrechen. Es ist genau diese Ego-zentrierte - und jetzt setzen wir hier nochmal einen drauf, dann nehmen wir da nochmal Anlauf - Spielweise, die mir den Zugang zu diesem Sonatenkosmos so lange verwehrt hat. Das alles ist freilich nur und ausschließlich von meinem Laien-Hirn so empfunden, reflektiert lediglich mein Unverständnis dieser Interpretation und stellt keine Kritik an der Interpretation selbst dar. Der Interpret weiß sicher, was er tut und warum, aber bei Gulda wirkt es auf mich halt bei weitem schlüssiger und, wichtiger noch, erbauender.
Klaviersonate Nr. 24, Fis-Dur, op. 78 (1809) Ich will mir nicht anmaßen, einer vielfach ausgezeichneten und geehrten Pianistin wie HJ Lim zu unterstellen, sie verstehe diese Sonate nicht. Aber meine Auffassung davon ist eine andere, und ich finde ihr Draufgängertum hier unpassend. Goode wird oft als Referenz genannt, in dem Sinne, dass er die Vorzüge vieler vor ihm erschienenen Top-Zyklen vereinigt und ausgleicht. Aber ich muss sagen, dass mich alles, was ich von ihm gehört habe, indifferent zurückgelassen hat, und das ist hier nicht anders. Vielleicht würde Philidor dazu anmerken, er fühle sich bestens informiert? Gould ist sensationell. Ja klar, es klingt wie Bach, aber wenn es eine der Intentionen des Werkes (die wir letztlich trotz aller Forschung nicht kennen) ist, die Kompositionsprinzipien der heroisch-monumentalen Werke in verinnerlichter Darstellung zu verdichten, dann ist das hier genau das Richtige, die berühmte Faust aufs Auge.
Philidor (13.07.2025, 19:51): Weiter mit Schosti 10.
Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 10 e-Moll op. 93
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra Vasily Petrenko
Das ist definitiv das Beste, was ich seit Ancerl und Karajan 1966 in Sachen Schostakowitsch 10 gehört habe, Kondrashin, Sanderling, 2x Haitink, Jansons/Philadelphia und Barshai/WDR SO eingeschlossen.
Joe Dvorak (14.07.2025, 02:40): Beethovens Klaviersonate As-Dur, op. 110 (1821) zeigt die Essenz seines Spätstils. Der erste Satz (Moderato cantabile molto espressivo) ist scheinbar ein klassisches Sonaten-Allegro, doch fehlt der konventionelle Konflikt zwischen den Themen – sie fließen im fragilen "warmen" As-Dur Klangraum ineinander, nur gelegentlich unterbrochen von heftigen Des-Dur-Einschüben. Der zweite Satz (Allegro molto) bricht diese Stimmung mit rastloser a-Moll-Energie, ein Scherzo ohne Trio, dessen Rhythmik sich an der Schwelle zur Instabilität zu bewegen scheint. Der Finalsatz verbindet zwei scheinbar gegensätzliche Welten: Ein Arioso dolente in g-Moll, dessen rezitativische Linien an barocke Klagelieder erinnern, wird von einer strengen Allegro-Fuge beantwortet. Nachdem diese erste Fuge in der Durchführung abebbt ("ermattet, klagend"), kehrt das Arioso verändert zurück, gefolgt von einer zweiten Fuge in der Umkehrung – nun mit der Anweisung "nach und nach wieder auflebend". Dieser Prozess mündet in eine strahlende As-Dur-Coda, die weniger Triumph als vielmehr errungene Klarheit ausdrückt. Was diese Sonate besonders macht, ist, dass hier Affekte in musikalische Struktur übersetzt werden, ohne im Programmatischen verhaftet zu sein. Die Doppelfuge wird zum Symbol innerer Wandlung; ihre harmonischen Kühnheiten dienen nicht in erster Linie dem Ausdruck, sondern folgen einer "höheren" Logik. Op. 110 steht damit an der Schwelle zur Moderne - Musik, die ihre Regeln selbst schafft, um Wahrheiten auszudrücken, für die es keine Worte gibt. Oder im konkreten Fall, Wahrheiten, für die es nur unzureichende (und allzu pathetische) Möglichkeiten gibt, das in Worten auszudrücken. Etwa: Das Werk verkörpert den Kreislauf von Verlust und Wiederfinden, an dessen Ende die Einsicht steht, dass selbst tiefste Zerrissenheit Teil eines größeren Ganzen ist.
Kovachevich gebe ich heute frei und lade stattdessen seine Lehrerin ein, die unlängst bei Grammophone den Titel Top Choice abgeräumt hat. (Beethoven’s Piano Sonata No 31 in A flat, Op 110: a guide to the best recordings | Gramophone)
Myra Hess (1953)
(I: 6:30 / II: 2:12 / III: 11:09)
Und für dieses Opus muss natürlich wieder Gould (1956, I: 6:56 / II: 2:06 / III: 10:45) her, der uns auf so herrliche Art und Weise informiert, wie läppisch das Scherzo-Thema eigentlich ist...
Philidor (14.07.2025, 07:27): Beethovens Klaviersonate As-Dur, op. 110 (1821) zeigt die Essenz seines Spätstils. Bei mir Top 5 innerhalb der 32, wenn ich das so buchhalterisch sagen darf.
Mehr noch als Myra Hess hat mich Edwin Fischer beeindruckt. Dazu Brendel in seiner Aufnahme von 1973 sowie Lubimov.
Joe Dvorak (14.07.2025, 07:32): Beethovens Klaviersonate As-Dur, op. 110 (1821) Gould und Hess, das sind zwei Werke, ich meine: Welten. Da brauche ich eine dritte, aktuellere Meinung.
Emil Gryesten (I: 5'49 / II: 2'03 / III: 9'23)
Da hat es einer ziemlich eilig.
Joe Dvorak (14.07.2025, 07:34): Beethovens Klaviersonate As-Dur, op. 110 (1821) zeigt die Essenz seines Spätstils. Bei mir Top 5 innerhalb der 32, wenn ich das so buchhalterisch sagen darf. Mehr noch als Myra Hess hat mich Edwin Fischer beeindruckt. Dazu Brendel in seiner Aufnahme von 1973 sowie Lubimov. Lubimov steht auf dem Hörzettel.
Philidor (14.07.2025, 13:40): Es ist gewisslich an der Zeit ...
Richard Wagner: Das Rheingold
Alberich – Eduard Habich Loge – René Maison Fricka – Karin Branzell Freia – Dorothee Manski Donner – Julius Kuehn Froh – Hans Clemens Fasolt – Norman Cordon Fafner – Emanuel List Mime – Karl Laufkötter Erda – Doris Doe Woglinde, Wellgunde, Floßhilde – Stella Andreva, Irra Petina, Doris Doe
Orchestra of the Metropolitan Opera Artur Bodanzky
Aufgenommen live am Boston Opera House am 3. April 1937
Joe Dvorak (15.07.2025, 03:21):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 31 As-Dur, op. 110
Joe Dvorak (15.07.2025, 11:34): Nach so viel Geklimper darf jetzt mal etwas georgelt werden:
Olivier Messiaen - Messe de la Pentecôte (À l'orgue de la Sainte-Trinité de Paris, 1957)
Falls jemand ebenso strulle ist wie ich und sich fragt, warum da groß Ducretet Thomson steht, wenn es oben "vom Komponisten interpretiert" heißt: Das ist nicht der Interpret, sondern der Name der damals aufnehmenden Plattenfirma (die nun coverersichtlich in Warner aufgegangen ist), deren Name wiederum auf ein Unternehmen zurückgeht, das in der Prä-Grammophon-Ära unter anderem Zinnfolien-Phonographen herstellte.
Andréjo (15.07.2025, 13:48): ;) :)
Das Adjektiv strulle ist mir gänzlich unbekannt. Du bist doch Schwabe, ich Franke. Nach beidem klingt das Wörtchen keineswegs. Aber was weiß ich schon!
--
Seltenes Phänomen eigentlich, dass sich die Firma dergestalt nach vorne rückt ...
Und Messiaens Orgelwerke schätze ich sehr, habe den Pfingstzyklus aber immer als recht spröd empfunden, insofern vergleichbar eher mit manch mittelspätem Zyklus des Meisters. Mal wieder probieren!
Meister Philidor ist hier der größere Spezialist, meine ich zu wissen.
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (15.07.2025, 14:21): Ich bin zwar Hesse, aber den Ausdruck "strulle" kenne ich durchaus, allerdings auch in die Richtung "sturzbesoffen" oder "strunzdoof" :rofl
Joe Dvorak (15.07.2025, 15:34): Ich bin zwar Hesse, aber den Ausdruck "strulle" kenne ich durchaus, allerdings auch in die Richtung "sturzbesoffen" oder "strunzdoof" :rofl Ja, das kommt in etwa hin. "Strulle" -so erinnere ich mich, wobei die letzte Verwendung ein paar Jahrzehnte zurückliegt- meint so besoffen zu sein, dass man überhaupt nichts mehr blickt, und das wird dann angewandt, wenn jemand eine lange Leitung hat oder sich sonst wie töricht anstellt: "Bist du strulle, oder was?"
Andréjo (15.07.2025, 18:24): Okay, danke Euch! Ein wenig hessisch klingt es schon auch, selbst wenn für mich eher niederdeutsch. :D
Und es ließe sich im Sinne von Selbstkritik für mich schon immer wieder privat umsetzen, wobei ich dem Alkohol kaum mehr über kleine Einheiten hinaus zusage. Diese Komponente zählt dann nicht. :P
Joe Dvorak (16.07.2025, 03:08): Und Messiaens Orgelwerke schätze ich sehr, habe den Pfingstzyklus aber immer als recht spröd empfunden, insofern vergleichbar eher mit manch mittelspätem Zyklus des Meisters. Mal wieder probieren! Spröd - da kann ich mit. Aber: Das ist der absolute Hammer, ganz anders als das, was ich von dem Franzosen bislang orgelnd gehört habe (nicht allzu viel). Ich habe dann noch in die Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité reingehoert. Genial. Da muss ich wohl das Gesamtwerk projektieren. Jeez, es gibt zu viel gute Musik, die nicht versäumt werden will, das artet bald in Stress aus. Gesamtaufnahmen gibt es viele und wie immer ist die Fachwelt sich nicht einig, welche vorzuziehen ist. Bate, Weir, Latry und Ercisson fallen oft, Tanke scheint bei der zahlenden Kundschaft beliebt zu sein, und wo ist Innig einzuordnen, wo Winpenny, wo Andrews? Gibt es unverzichtbare Einzelaufnahmen, die man hinzuziehen sollte, etwa Christopher Bowers-Broadbent? Da muss ich wohl ausgiebig probehören und das am bestmöglichen Gefallen des Orgelklangs festmachen.
Joe Dvorak (16.07.2025, 07:33): Beethovens Klaviersonate G-Dur Nr. 16, op. 31/1 (1802) markiert den Aufbruch in die mittlere Schaffensperiode mit spielerischer Originalität. Das Werk bricht viele Erwartungen, da Beethoven die klassische Form nicht als starres Gerüst, sondern als Spielmaterial nutzt. Die formalen Besonderheiten (instabiler Beginn; die Durchführung, die nur Material des ersten Themas und der Überleitung zum zweiten verwendet) und die harmonischen Überraschungen (abrupte Wechsel zwischen Dur und Moll) wirken weniger revolutionär, sondern mehr wie ein Augenzwinkern. Im Adagio grazioso wird die scheinbar banale Melodie durch Verzierungen und verschleierte Harmonik veredelt – populäre Kunst? Irgendwie ist das nahe an Haydn und doch weit entfernt. Ich habe mal -sinngemäß- gelesen, diese Sonate feiere die Freiheit des Künstlers, der die Regeln kennt – um sie dann zu brechen. Das wirft die Frage auf, ob wir diese Regelverstösse einem kleinmeisterlichen Zeitgenossen auch nachsehen würden, oder ob wir das bei Beethoven genial finden, weil wir halt wissen, dass er genial war. Ich habe diese Sonate jedenfalls schon mit Freude und Befriedigung gehört, bevor ich etwas darüber gewusst habe, und daran dürfte der Interpret seinen gerechten Anteil gehabt haben. I. Allegro vivace II. Adagio grazioso III. Rondo: Allegretto
Philidor (16.07.2025, 08:46): Erster Tag. (Gestern und heute gehört)
Richard Wagner: Die Walküre
Siegmund - Lauritz Melchior Sieglinde - Astrid Varnay Hunding - Alexander Kipnis Brünnhilde - Helen Traubel Wotan - Friedrich Schorr Fricka – Kirsten Thorborg
The Metropolitan Opera Orchestra
Eric Leinsdorf
Live-Mitschnitt an der Met vom 06. Dezember 1941
Das ist meine liebste Walküre.
Angefangen beim Dirigenten - Leinsdorf befeuert das Drama ungemein, der Sturm im ersten Akt, der Ritt der Walküren bis zum Auftritt Wotans im dritten.
Der Mitschnitt konserviert das Bühnendebüt der 23jährigen Astrid Varnay, die erst wenige Stunden vor der Aufführung erfahren hatte, dass sie für Lotte Lehmann einspringen sollte. (Sechs Tage später sang sie die Brünnhilde.) Zusammen mit Melchior ist das ein wunderbares Wälsungenpaar, mit Emanuel List als Hunding ist das ein fantastischer erster Aufzug.
Friedrich Schorr streitet herrlich mit Kerstin Thorborg um Hundings Ehre. Drei Schnitte gibt es im zweiten Aufzug, na ja.
Für Helen Traubel war diese Aufführung das Debüt als Brünnhilde an der Met, Flagstad war vorher nach Norwegen zurückgekehrt. Den Vergleich muss sie meines Erachtens nicht scheuen, weder bezüglich der hohen Töne noch bezüglich der emotionalen Intensität. Diese Aufnahme und der Tristan om 6, Februar 1943, ebenfalls an der Met, ebenfalls mit Leinsdorf, zeigen es.
Obendrein ist der Mitschnitt technisch mehr als akzeptabel und wesentlich besser als das Met-Rheingold von 1937.
Wer mal wieder so richtig von der Walküre hinweggefegt werden will, und das mit einem erstrangigen Ensemble, kann gerne mal reinhören ....
Andréjo (16.07.2025, 11:27): Und Messiaens Orgelwerke schätze ich sehr, habe den Pfingstzyklus aber immer als recht spröd empfunden, insofern vergleichbar eher mit manch mittelspätem Zyklus des Meisters. Mal wieder probieren! Spröd - da kann ich mit. Aber: Das ist der absolute Hammer, ganz anders als das, was ich von dem Franzosen bislang orgelnd gehört habe (nicht allzu viel). Ich habe dann noch in die Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité reingehoert. Genial. Da muss ich wohl das Gesamtwerk projektieren. Jeez, es gibt zu viel gute Musik, die nicht versäumt werden will, das artet bald in Stress aus. Gesamtaufnahmen gibt es viele und wie immer ist die Fachwelt sich nicht einig, welche vorzuziehen ist. Bate, Weir, Latry und Ercisson fallen oft, Tanke scheint bei der zahlenden Kundschaft beliebt zu sein, und wo ist Innig einzuordnen, wo Winpenny, wo Andrews? Gibt es unverzichtbare Einzelaufnahmen, die man hinzuziehen sollte, etwa Christopher Bowers-Broadbent? Da muss ich wohl ausgiebig probehören und das am bestmöglichen Gefallen des Orgelklangs festmachen. Ja, Tanke ist eine spannende Angelegenheit, wobei ich mir weniger mildes Hintergrundsrauschen - wohl der Kirchenakustik geschuldet - vorstellen könnte. Aber seltsamerweise wird das gar nicht so bestätigt respektive nicht angemerkt von jener "zahlenden Kundschaft".
Ansonsten kenne ich - bis auf die bei mir besser bestückte Weihnachtsmusik, wohl Messiaens bekanntesten Zyklus - die Orgelwerke noch von der DG-Gesamtaufnahme. Das wäre dann Olivier Latry, gewiss auch ein Spezialist.
Messiaen fasziniert mich nahezu durch die Bank und da macht die Pfingstmesse keine Ausnahme, aber andere Orgelmusik wechselt lukullisch dankbarer zwischen rauen Vögeln, hübschen Vögeln, herben Modi, (geordneter) Atonalität und dem berühmt-berüchtigten süßen Jubelmodus - die Modus-Nummer müsste ich nachsehen. Meine Devise: Setz Dich ans Klavier, ergänze den Dur-Dreiklang auf Basis mit der sixte ajoutée und setze das dann ganztönig fort. Fertig ist der Messiaen für Arme!
Philidor wird meine Armut vielleicht bestätigen oder auch nicht ... :P
:hello Wolfgang
Philidor (16.07.2025, 11:57): Ich habe dann noch in die Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité reingehoert. Genial. Fein! Dann wäre das "Livre du Saint-Sacrement" wohl unbedingt einen Lauschwert, der monumentale Schlussstein in seinem Orgelschaffen ... Messiaen fasziniert mich nahezu durch die Bank und da macht die Pfingstmesse keine Ausnahme, Pfingstmesse und vor allem das Livre d'orgue sind aus meiner Sicht der weniger zugängliche Mittelblock bei Messiaens Orgelwerken ... greife ich nur mit spitzen Fingern an.
Maurice inaktiv (16.07.2025, 14:53):
Zygmunt Noskowski : Sinfonie Nr.2 , c-moll "Elegische"
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz , Antoni Wit
Es ist mir immer wieder ein Vergnügen Antoni Wit am Pult zu hören. Egal ob bei Schumanns Sinfonien, Smetanas "Ma Vlast", Karol Szymanowskis Sinfonien oder eben hier, bei der Zweiten seines polnischen Landsmanns Zygmunt Noskowski, dem Lehrer etwa von Szymanowski, dem großen, polinschen Dirigenten Grzegorz Fitelberg oder von Mierczyslaw Karlowicz.
Noskowski war Schüler von Moniouszki und Friedrich Kiel dann in Berlin. 5 Jahre war er Städtischer Musikdirektor in Konstanz am Bodensee und von 1905-1908 Dirigent der Warschauer Philharmomiker, eine Position, die Antoni Wit selbst von 2002-2013 inne hatte.
Für mich ist der Komponist Noskowski Neuland. Er ist ein Zeitgenosse von etwa Antonin Dvorak oder auch Johannes Brahms. Ich habe auch den Eindruck, dass sowohl Dvorak, als auch Brahms so hin und wieder in Noskowskis Sinfonie Nr.2 leicht durchzuhören sind. Brahms von der Schwere in den Moll-Passagen, Dvorak über die polnische Volksmusik, die Noskowski in seiner Musik in etwa so verarbeite hat wie Dvorak die tschechische Volksmusik.
Andréjo (16.07.2025, 15:45): Ja, dieser mittlere Messiaen-Block erscheint mir weniger zugänglich. Das Orgelbuch ist vielleicht die spitzfingrigste Komposition. Unser Freund Joe mag diese spitzen Finger - das ahne ich schon!
Später greift Messiaen dann auf quasi alles zurück, was er so entwickelt und weiterentwickelt hat, und dann ist das halt mehr als in der Weihnachtssuite für die Orgel, aber noch einmal erfüllender beim Zuhören und beim Spielen - Letzteres ist von meiner Seite eine arg theoretische Annahme. Denn auf dem Klavier irgendwie zu suggerieren, wonach das klingen könnte, das gelingt mir bestenfalls mit der Apparition, dem Frühwerk.
Ich will jetzt nicht von Kitschgefahr sprechen, denn das wäre weder Messiaen noch mir gegenüber fair, aber solche Ausbrüche wie in den Visionen für zwei Klaviere oder in den zweistündigen Jesus-Betrachtungen für Klavier finden sich meines Erachtens nicht beim Orgelwerk. Liegt es am Instrument?
PS: Ihr merkt schon: Ich kann mir die genauen Titel nicht recht einprägen!
Philidor (16.07.2025, 15:49): Ich will jetzt nicht von Kitschgefahr sprechen, denn das wäre weder Messiaen noch mir gegenüber fair, Na ja, der Vorwurf ist nicht neu ... und in der Tat, diese Fis-Dur-Liebesmusiken, die navigieren bisweilen schon mal hart an der Grenze ...
Andréjo (16.07.2025, 15:53): Ich will jetzt nicht von Kitschgefahr sprechen, denn das wäre weder Messiaen noch mir gegenüber fair, Na ja, der Vorwurf ist nicht neu ... und in der Tat, diese Fis-Dur-Liebesmusiken, da navigieren bisweilen schon mal hart an der Grenze ... Klaro! Doch wer von Euch immun ist gegen Kitsch, der werfe irgendeine Torte oder so ...
Joe Dvorak (17.07.2025, 04:05): Pfingstmesse und vor allem das Livre d'orgue sind aus meiner Sicht der weniger zugängliche Mittelblock bei Messiaens Orgelwerken ... greife ich nur mit spitzen Fingern an. Ja, dieser mittlere Messiaen-Block erscheint mir weniger zugänglich. Das Orgelbuch ist vielleicht die spitzfingrigste Komposition. Unser Freund Joe mag diese spitzen Finger - das ahne ich schon! Euros zu Krapfen ... Der Freund greift da beherzt mit beiden Händen zu. Ich hatte ja im Jahr des Zorns das nicht immer zweifelsfreie Vergnügen, 13 improvisierte Live-Orgelrezitals des Omnistilisten zu hören, und fand es immer etwas arg dick aufgetragen, wenn Messiaen als eine der Inspirationsquellen genannt wurde. Jetzt, wo ich dessen "Mittelblock" kennengelernt habe (das Livre gestern mit dem gezeigten Album), weiß ich, wo das herkommt.
Olivier Messiaen - Livre d'orgue
Colin Andrews (The Maidee H. & Jackson A. Seward Organ, C. B. Fisk, Opus 135 - Auer Hall, Simon Music Center, Indiana University)
Joe Dvorak (17.07.2025, 07:00):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 2 A-Dur, op. 2/2
Mieczylaw Horszowski
Joe Dvorak (17.07.2025, 08:53): Einer ging noch :
o
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 12 As-Dur, op. 26
Gerard Willems (Stuart & Sons)
Anders als bei der Erstausgabe, bei der die Sonaten wild durcheinander gruppiert wurden, ging man bei diesem Reissue weitgehend chronologisch vor, von begründeten Ausnahmen absehen. Die insgesamt 14 CDs wurden auf zwei Boxen verteilt. PART 1 enthält die 3 Sonaten, WoO 47, die Fantasia Sonata, deest 45 und die nummerierten Sonaten 1 - 22 & 24. Der Rest ist dann auf der inkonsequenterweise nicht mit PART 2, sondern mit SET 8-14 bezeichneten Box drauf, nebst Diabelli, den Konzerten (ohne die Transkription von op. 61) und ein paar kleineren Werken. Das Alleinstellungsmerkmal dieser GA ist die Verwendung des innovativen Klaviers der Fa. Stuart & Sons. Man sagt, dass damit der Trend, alles zu glätten (wie ein Steinway), gebrochen wird, sodass "man auf einem Stuart-Klavier keinen absolut gleichmäßigen Klang erhält... man bekommt viel mehr Farbe." (Beethoven: Complete Piano Sonatas, Complete Piano Concertos). Das Projekt war in Australien, der Heimat des Pianisten, ein voller Erfolg. Von den ursprünglichen 3 Boxen mit den Sonaten gingen im Land insgesamt 40.000 über die Theke. International fand das wenig Beachtung, die wenigen Besprechungen, die ich gefunden habe, sind -mit Ausnahme der oben zitierten von Stereo Times- negativ und sehen Willems nicht auf der Höhe mit den Grössten (alles korrekt, aber es fehlt der "Puls" oder die "Poesie"), gestehen dem Zyklus aber durchaus einzelne glorreiche Höhepunkte zu. (Phil Gold profiles the brilliant new Australian piano heard in this complete Beethoven sonata set. Review By Phil Gold).
Joe Dvorak (18.07.2025, 02:47): Das Beethoven-Frühstücksprojekt geht in die systematische Phase. Das heißt, alle Zweiunddreißige werden chronologisch gehört. Immer dabei sind Gulda (ORF, 1953/54) und Kovacevich (1991/92, 1994, 1997-1999 & 2001-2003)*. Je nach Gefallen, Muse & Bereitschaft zur Zeit-Investition kommen weitere Spielpartner zum Einsatz - oder auch nicht. Heute:
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 1 f-Moll, op. 2/1
Takahiro Yoshikawa
*Die Sonaten wurden von Kovacevich nicht in der nummerierten Reihenfolge eingespielt - zwischen op. 110 und 111 lagen beispielsweise zehn Jahre.
Philidor (18.07.2025, 16:54): Heute das Finale.
Richard Wagner: Götterdämmerung
Siegfried – Lauritz Melchior Brünnhilde – Marjorie Lawrence Hagen – Ludwig Hofmann Alberich – Eduard Habich Gunther – Friedrich Schorr Gutrune – Dorothee Manski Waltraute – Katheryn Meisle Woglinde/Wellgunde/Flosshilde – Edithea Fleischer/Irra Petina/Doris Doe 1st/2nd/3rd Norn – Dorothee Manski/Irra Petina/Doris Doe
Chorus and Orchestra of the Metropolitan Opera Arthur Bodanzky
aufgenommen am 11. Januar 1936
Melchior ist ein Grund, die Aufnahme zu hören. Ansonsten sind aus meiner Sicht der Siegfried und vor allem die Walküre die Glanzlichter dieses Zyklus (der eigentlich kein richtiger Zyklus ist, da er in verschiedenen Jahren zwischen 1936 und 1941 entstanden ist).
Joe Dvorak (19.07.2025, 07:27): Dass ich mich einmal morgens nach dem Aufstehen auf die Erkundung der nächsten Beethoven-Sonate freuen würde, hätte ich noch vor Kurzem niemandem geglaubt, der mir das prophezeit hätte. Aber die sind wirklich gar nicht mal so schlecht (was aus der Tastatur eines Ex-Schwaben -wo gilt: 'nix gsagt isch globt'- als höchstes Anpreisen zu verstehen ist). Ohne die ohrwässernde von Sfantu begonnene und Philidor vertiefte Waldsteinerei wäre das in diesem Dasein wohl nichts mehr geworden. Für solche Anregungen lohnt es sich im Forum trotz des dröhnenden Schweigens der Schweigenden dabei zu bleiben.
Heute als dritter Mann:
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 2 A-Dur, op. 2/2
Jonathan Biss
Philidor (19.07.2025, 14:38): A-Dur mache ich mit, nur Beethoven hatte nun vielleicht seine Zeit ...
Sergej Prokofiev: Klaviersonate Nr. 6 A-Dur op. 82
Ivo Pogorelich, Klavier
Philidor (19.07.2025, 17:57): Gerade erfuhr ich, dass Sir Roger gestern das Zeitliche segnete. - Seine Brahms-Aufnahmen mit den LCPs haben meine frühen Wege geprägt.
Johannes Brahms
Haydn-Variationen op. 56a Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68
London Classical Players Sir Roger Norrington
Joe Dvorak (20.07.2025, 03:19): Hier hat Beethovens Zeit erst richtig begonnen. Da das Portal weit offen ist und ich schon dabei bin, und weil Louis seinen Werkskorpus so schön ohne Rest teilbar mit Nummern befüllt hat, nehme ich mir parallel die Quartette chronologisch vor. Ein Quartett punktiert zwei Sonaten. Heute morgen ging es mit der offiziellen Nr. 1 los: Streichquartett Nr. 1 F-Dur, op. 18/1
Guarneri Quartet (1987-1992 Zyklus)
Vegh Quartet (1952 Zyklus)
Chiaroscuro Quartet
Joe Dvorak (20.07.2025, 03:46): Gerade erfuhr ich, dass Sir Roger gestern das Zeitliche segnete. Danke für den Hinweis, Das ist eine gesonderte "News" wert - ist eingestellt.
Auch hier wird hörend gedacht:
Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonie Nr. 39 Es-Dur, K. 543
London Classical Players, Roger Norrington
Maurice inaktiv (20.07.2025, 05:39):
Zygmunt Noskowski: Sinfonie Nr.2 , A-Dur
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz , Antoni Wit
Am frühen Morgen nun die Zweite von Noskowski.
Antoni Wit ist zum Glück noch am Leben und aktiv. Jetzt endlich auch das zweite Werk dieser CD mit den beiden ersten Sinfonien des Polen und Romantikers Zygmunt Noskowski. Sir Roger werde ich aber auch heute noch hören. Er hat mir die Ohren zu Mozart mit geöffnet. Mal schauen, was ich mir von ihm später anhören werde.
Maurice inaktiv (20.07.2025, 06:21):
Arnold Schönberg: Verklärte Nacht
LaSalle Quartett + Donald McInnes (2.Bratsche) & Jonathan Pegis (2.Cello)
H.Krellmann in FonoForum 6/84:"Von zwei außergewöhnlichen und wohl kaum überbietbaren Darstellungen kann, ja muß gesprochen werden." W.Konold in stereoplay 6/84:"Sehr zu empfehlen."
Philidor (20.07.2025, 08:28): Ein wunderbarer Start in den Tag:
Maurice Ravel: Daphnis et Chloé
Orchestre Philharmonique et Choeur de Radio France Myun-Whun Chung
In Erinnerung an den großartigen Sir Roger Norrington. Danke, dass es Sie gab !!
Joe Dvorak (20.07.2025, 16:54): Und nochmal:
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 1 F-Dur, op. 18/1
Quatuor Mosaïques
Philidor (20.07.2025, 18:49): Ich wollte es nicht versäumen, das heute genossene Hochamt mit der hier versammelten Messiaen-Gemeinde zu teilen:
Olivier Messiaen: Saint François d’Assise
L’Ange – Camilla Tilling Saint François – Rod Gilfry Le Lépreux – Hubert Delamboye Frère Léon – Henk Neven Frère Massée – Tom Randle Frère Élie – Donald Kaasch Frère Bernard – Armand Arapian Frère Sylvestre – Jan Willem Baljet Frère Rufin – André Morsch
The Hague Philharmonic Chorus of de Nederlandse Opera
Ingo Metzmacher
Stage Director: Pierre Audi
Maurice inaktiv (20.07.2025, 21:09): #469
Robert Schumann : Sinfonie Nr.2 , C-Dur , op. 61
SWR-RSO Stuttgart , Sir Roger Norrington
Hier gab es dann doch noch die Zweite von Schumann.
Joe Dvorak (21.07.2025, 02:19): Ich wollte es nicht versäumen, das heute genossene Hochamt mit der hier versammelten Messiaen-Gemeinde zu teilen:
Olivier Messiaen: Saint François d’Assisi Danke fürs Teilen. Ich habe reingehört und das auf die Spielliste gesetzt. Mein Stromanbieter hat nur eine Aufnahme mit Kent Nagano, aber die hätte ich ohnehin gewählt, weil mit Dawn Upshaw und José van Dam zwei wohlgelittene Sänger dabei sind. 4 Stunden sind ein Wort, aber die Taifun-Saison dauert noch 2 Monate, da findet sich bestimmt ein Zeitfenster.
Hier geht es weiter mit Beethoven. Heute nebst Gulda und Kovacevich mit:
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 3 C-Dur, op. 2/3
Marc-André Hamelin
Joe Dvorak (21.07.2025, 03:35):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 1 F-Dur, op. 18/1
Cuarteto Casals
Davon bekomme ich gerade nicht genug. Diese Aufnahme gefällt mir von den bislang gehörten am besten. Glasklar mit wenig Vibrato und fast schon swingend vorgetragen, sogar im Andante. Ob man das 'darf', weiß ich nicht, aber es macht Eindruck und wirkt sehr natürlich.
Philidor (22.07.2025, 09:17): Cuarteto Casals
Davon bekomme ich gerade nicht genug. Diese Aufnahme gefällt mir von den bislang gehörten am besten. Zu Op. 18 habe ich wenig Hörnotizen, doch neben Casals habe ich die Pražáks in guter Erinnerung, wie auch das Jerusalem Quartet.
Hier macht Stalin dem Waldstein den Garaus.
Sergei Prokofjew: Klaviersonate Nr. 6 A-Dur op. 82
Yefim Bronfman, Klavier
Schien mir wesentlich profilierter als der gestern gehörte Notenbericht von Boris Berman. Im "Valzer" vielleicht einen Tick zu flott für meinen Geschmack.
Joe Dvorak (22.07.2025, 15:27): Das Frühstücksprojekt wurde heute in die Abendstunden verlegt:
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 4 Es-Dur, op. 7
Costantino Mastroprimiano (Fortepiano)
Der Name des Pianisten ist mir völlig unbekannt, aber die Angabe "fortepiano" gibt ihm schon mal einen satten Vorsprung.
Andréjo (22.07.2025, 15:30): Den Namen Mastroprimiano habe ich schon gehört, mehr aber nicht. Falls das den Vorsprung noch etwas beschleunigen sollte ... :D
Maurice inaktiv (22.07.2025, 20:30):
Johann von Herbeck : Sinfonie Nr.4, d-Moll , "Orgelsymphonie" & Symphonische Variationen F-Dur
Hamburger Symphoniker , Martin Haselböck + Irénée Peyrot (Orgel)
Herbeck hatte ein recht kurzes, aber intensives Leben. am 25.12.1831 in Wien geboren, verstarb er bereits mit 45 Jahren 1877 an den Folgen einer Lungenentzündung. Dazwischen hatte er wichtige Posten innerhalb Wiens inne, etwa 1856-1866 als Leiter des Wiener Männer-Gesang-Vereins. 1858 wurde er ebenfalls Leiter des Wiener Singvereins und 1859-1969 Direktor des der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 1869 wurde er 1.Kapellmeister, 1870 bis 1875 DIrektor der Wiener Hofoper. 1875 wurde er Leiter der Konzerte der Wiener Musikfreunde als Nachfolger von Brahms.
Herbeck war ein Freund Liszts, schätzte Wagner und Verdi, förderte unbekannte Komponisten wie Anselm Hüttenbrenner (ein enger Freund Schuberts), Karl Goldmark und auch Anton Bruckner. Er setzte sich auch sehr für Franz Schubert ein.
Herbeck schrieb übrigens 4 Sinfonien.
Andréjo (23.07.2025, 00:39): Diese Sinfonie habe ich mir vor einiger Zeit zugelegt und wohl ein einziges Mal gehört. So richtig an mich gegangen ist sie nicht - ich denke, Formstrenge, aber wenig Inspiration -, doch gegen eine Hör-Wiederholung spricht natürlich auch nichts. :)
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (23.07.2025, 06:57): Diese Sinfonie habe ich mir vor einiger Zeit zugelegt und wohl ein einziges Mal gehört. So richtig an mich gegangen ist sie nicht - ich denke, Formstrenge, aber wenig Inspiration -, doch gegen eine Hör-Wiederholung spricht natürlich auch nichts. Ich habe mich bewusst bedeckt gehalten bei den beiden Werken. Man sollte die CD noch einmal in Ruhe anhören, das konnte ich gestern nicht so wirklich. Bei mir ist bei beiden Werken wenig bis überhaupt nichts "hängen" geblieben. Herbeck hat halt "auch komponiert", aber das haben Furtwängler, von Weingärtner oder Bruno Walter auch. Alle hatten einen gewisse Beziehung zu Bruckner, Walter zu Mahler. Herbeck liegt nicht in Bruckners Nähe, zumindest habe ich gestern davon nichts wahrgenommen. Alle haben vor allem das Dirigieren als Haupteinnahmequelle, "Fu" wäre nur zu gerne als Komponist anerkannt worden, aber dafür sind seine Werke zu komplex. Herbeck ist da weitaus einfacher gestrickt.
Joe Dvorak (23.07.2025, 10:20): Herbecks e-Moll Messe gefiel mir seinerzeit gut, als Gerd Schaller sich dafür stark gemacht hat. Es ist aber schon wieder ein paar Jährchen her, dass ich die gehört habe.
Mit Beethovens Opus 7 hatte ich hart zu kämpfen. Mastroprimiano fand ich etwas wirr, Kovacevich brachte mir das auch nicht näher, erst bei Gulda konnte ich freie Sicht erlangen.
Maurice inaktiv (23.07.2025, 14:42): Herbecks e-Moll Messe gefiel mir seinerzeit gut, als Gerd Schaller sich dafür stark gemacht hat. Es ist aber schon wieder ein paar Jährchen her, dass ich die gehört habe. Danke für den Hinweis. Schaller könnte dafür der richtige Mann gewesen sein. Die Kritiken sind auf Amazon recht gut, aber ein User schreibt auch, dass man sich das Werk mehrfach anhören muss um damit klar zu kommen. Ich vermute mal, dass das bei seinen Sinfonien auch so sein wird.
Andréjo (23.07.2025, 17:41): Ich komme ja nun beinahe aus dem gleichen Ort wie Gerd Schaller und konnte auch am vergangenen Sonntag seine noch fehlende Version der Ur-Achten von Bruckner in Ebrach hören, die für Tonträger mitgeschnitten wurde.
Er ist sicher der richtige Mann für diese Musik!
Und ich werde sie auch noch einmal anhören, die Sinfonie von Herbeck, fürchte aber, zu keinem anderen Ergebnis zu kommen. Andererseits ist es bestimmt auch nichts Unangenehmes der Musik eine weitere Chance zu geben.
:hello Wolfgang
Philidor (23.07.2025, 19:09): Ein strahlendes Werk der jüngeren Operngeschichte.
John Adams: Doctor Atomic
J. Robert Oppenheimer - Gerald Finley Kitty Oppenheimer - Jessica Rivera General Leslie Groves - Eric Owens Edward Teller - Richard Paul Fink Jack Hubbard - James Maddalena Robert Wilson - Thomas Glenn Captain James Nolan - Jay Hunter Morris Pasqualita - Ellen Rabiner Lieutenant Bush - Ruud van Eijk
Chorus of De Nederlandse Opera Netherlands Philharmonic Orchestra
Lawrence Renes
Stage Director: Peter Sellars
Joe Dvorak (24.07.2025, 04:14):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 4 Es-Dur, op. 7
Shisei Hanai
Ich vermute, dass selbst die fanatischsten Beethoven- und Klaviermusik-Liebhaber nichts von dieser zwischen 2014 und 2017 entstandenen und im Eigenvertrieb herausgegebenen Gesamteinspielung aller Zweiunddreißige wissen, weil es -außer den digitalen Files selbst- keinerlei Informationen zu diesem Pianisten, geschweige denn zu diesem Projekt gibt (zumindest geben der ersten 15 Seiten der Trefferliste von Bing nichts her). Ich habe dann den KI-Bot beauftragt, auf japanischen Seiten zu recherchieren, aber viel kam nicht dabei heraus und das ist nicht zuverlässig, weil ungeprüft. Geburtsdatum unbekannt, Studium an der Tokyo University of Arts, Gewinn von Preisen in seiner Heimat, dort vor allem bekannt für seine Chopin-Interpretationen, Beschreibung seines Stils als "poetisch", mit "romantischer Sensibilität" wobei "melodische Phrasierung" stark in den Vordergrund gestellt wird. Ja, das könnte hinkommen. Aber das ist es nicht, das mich ganz Schokoladenpudding-mäßig sagen lässt: Das mag ich. Wir hatten es neulich davon, dass Pianisten, die zu wenig "machen" ebenso verlieren wie solche, die zu viel "machen". Nun, Hanai macht wenig, außer dass er sehr weich, rund und fließend einen Notenbericht abliefert, aber er gewinnt mit dieser neutralen Gangart, weil er trotzdem ganz tief ins Geschehen hineinzieht und fesselt. Der ist auf jeden Fall vorgemerkt, um das bei Werken, mit denen ich besser vertraut bin, nochmal zu überprüfen.
Philidor (24.07.2025, 12:19): Ich gackere nochmal zum Waldstein-Nachfolger.
Sergei Prokofjew
Toccata d-Moll op. 11 Klaviersonate Nr. 6 A-Dur op. 82
Philidor (25.07.2025, 11:29): Weihnachten steht quasi vor der Tür. Zur Vorbereitung auf die "Vingt Regards" erstmal dieses:
Olivier Messiaen: Visions de l'Amen
Steven Osborne, Martin Roscoe, Klavier
Maurice inaktiv (25.07.2025, 14:42): Weihnachten steht quasi vor der Tür. Stimmt. In sechs Monaten haben wir den 1.Weihnachtsfeiertag :D
Philidor (25.07.2025, 15:58): Stimmt. In sechs Monaten haben wir den 1.Weihnachtsfeiertag Um ganz genau zu sein - und ich komme mir da durchaus ein wenig penibel vor - sind es fünf Monate. ;)
Andréjo (25.07.2025, 15:59): Weihnachten steht quasi vor der Tür. Stimmt. In sechs Monaten haben wir den 1.Weihnachtsfeiertag :D So ähnlich lässt sich das formulieren. Doch ich würde bevorzugen: In sechs Monaten sind es nur noch elf bis Weihnachten ... :P :hello
EDIT: Einen Moment zu langsam gewesen ...
Philidor (25.07.2025, 16:04): EDIT: Einen Moment zu langsam gewesen . Wer zu spät kommt usw. usf. ...
Philidor (25.07.2025, 16:59): Ab und zu brauche ich dieses Riesenwerk ...
Johann Sebastian Bach: Dritter Teil der Clavier-Übung BWV 552 + BWV 669-689 + BWV 802-805
Ton Koopman Gottfried-Silbermann-Orgel im Dom St. Marien zu Freiberg (III/44)
Maurice inaktiv (25.07.2025, 23:44):
Anton Bruckner : Sinfonie Nr. "O", "Nullte"
Bruckner-Orchester Linz, Dennis Russell Davies
Entstanden 1869, führte sie lange Zeit ein Schattenleben, aber es ist, trotz gewisser Schwächen, ein echter Bruckner. Es fehlt noch der sich steigernde Aufbau im Finalsatz zum grandiosen Höhepunkt, aber man kann erkennen, wo Bruckner noch hin wollte. Die Einspielung unter Dennis Russell Davies ist ein sehr gutes Beispiel für dieses Werk, das Orchester spielt "seinen" Komponisten wie aus einem Guss.
Zum Abschluss eines langen Tages, einem schönen Abend mit Freunden im Restaurant und dem strömenden Regen mit Gewitter, muss der Bruckner Anton herhalten.
Joe Dvorak (26.07.2025, 00:54): Hier weiter nach Skript:
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 2 G-Dur, op. 18/2
Guarneri Quartet (1987-1992 Zyklus)
Joe Dvorak (26.07.2025, 03:49):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 2 G-Dur, op. 18/2
Beethoven Quartet
Joe Dvorak (27.07.2025, 07:31):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 2 G-Dur, op. 18/2
Taneyev Quartet (1983)
Die Nr. 2 wollte gestern nicht so recht an mich heran, mit dieser Aufnahme ging das heute besser. Dabei stellte sich zu Beginn etwas ein, das ich für mich den Beaux-Arts-Effekt getauft habe. Beim so benamsten Klaviertrio -speziell mit Haydn- denke ich immer, dass man das (heute) so nicht (mehr) spielen kann und mir diese Art der Darbietung ziemlich gegen den Strich geht - und vergesse es innerhalb von einer Minute, weil ich ganz tief ins Geschehen hineingezogen werde und einfach nur höre.
Maurice inaktiv (27.07.2025, 08:46):
Franz Mixa : Sinfonien Nr. 3 + 5 , Musik über Isländische Volksweisen
Donau Philharmonie Wien , Manfred Müssauer
Ich gehe ja immer mal wieder gerne auf Entdeckungsreisen in Sachen Komponisten, und so bin ich auf JPC auf Mixa gestoßen. Wenn man dann auch noch sehr günstig eine CD erwerben kann, schlage ich eben mal zu - um jetzt von dessen Musik quasi "erschlagen", sprich ratlos geworden bin.
Geboren 1902 in Wien, verstorben fast 92 Jahre später in München 1992, war er u.a. Schüler von Franz Schmidt, Joseph Marx und Robert Heger, 1927 Abschluss mit Diplom als Kapellmeister, schrieb er u.a. 5 Sinfonien (1953-1975), ein Oratorium, eine Deutsche Messe und vor allem die "Isländische Rhapsodie für Orchester" und "Musik über Irische Volksweisen" für Orchester.
1929 ging er nach Reykjavik auf Island, kehrte aber 1938 nach Österreich zurück, um in Graz als Professor für Musiktheorie an der Karl-Frazens-Universität zu unterrichten. Auch für leitete er die Opernschule am Steiermärkischen Landeskonservatorium.
Und nun kommt eine Zeit, die Mixa in ein etwas ungewohntes Licht führte, denn bereits am 16.Januar 1932 trat er in die NSDAP ein. 1938-1943 hatte er die Landesleitung der Reichsmusikkammer im Gau Steiermark inne, dann zog man ihn ein. Von 1945-1947 verweilte er dann in französischer Gefangenschaft. Er scheint sich aber während der NS-Zeit keiner Verbrechen schuldig gemacht zu haben, denn bereits 1947 baute er das Landeskonservatorium in Graz wieder auf und wurde ab 1952 bis 1957 dessen Leiter.
In Graz lernte er seine Frau Hertha Töpper kennen, die er 1949 heiratete und die er als Klavierbegleiter auch nach München folgte, als sie dort an die Bayerische Staatsoper verpflichtet wurde. Er selbst war 1971-1973 nochmals an der Hochschule für Musik als Professor tätig.
Mixas Kompositionen wurde stark von den Klängen der isländischen Musik geprägt, so das Booklet. Da ich die Musik Islands nicht kenne, kann ich dazu wenig schreiben. Seine 3. Sinfonie entstand 1969 und wurde bereits kurze Zeit später in Reykjavik durch Alfred Walter uraufgeführt. Der Trauermarsch im zweiten Satz soll er durch den plötzlichen Tod seines Freundes, dem Dirigent Joseph Keilberth, geschrieben haben. Mixa schrieb recht transparent und ist "sparsam" instrumentiert. Anders gesagt, er setze ein eher kleines Orchester ein. Besonders das wenige Schlagwerk verstand er interessant mit ins Geschehen einzubauen.
Seine 5.Sinfonie besticht durch eine "komplizierte Kontrapunktik" und wurde von der Dodekaphonie (also der Zwölftonmusik) beeinflusst. Auch hier kann man die sparsame Instrumentierung sofort erhören. Sie wurde 1976 in Graz uraufgeführt (Alois Hochstrasser war der Dirigent).
Ich bin da raus. Es ist nicht meine Welt, auch wenn ich die Frühwerk der Zweiten Wiener Schule sehr schätze. Ich benötige einfach Melodie, Rhythmus und zumindest eine weitgehend nachvollziehbare Harmonik, die auch durchaus mal ausbrechen kann.
Da ich hier noch nie gelesen habe, dass sich jemand der Werke Mixas angenommen hätte, bin ich mal gespannt, ob jemand hier was dazu schreiben mag.
Joe Dvorak (28.07.2025, 02:22): Ich kenne diesen Komponisten nicht, aber die Beschreibung klingt sehr interessant. Danke dafür. Nach kurzem Reinhören bin ich alles andere als raus. Das ist für eine spätere Beschäftigung gespeichert.
Joe Dvorak (28.07.2025, 03:35):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 5 c-Moll, op. 10/1
Maurizio Paciariello (Fortepiano, Anton Walter, Wien c.1795 - Kopie, GNM Nürnberg)
Was mir nicht in den Schädel will, ist, wie es sein kann, dass solche Projekte von der kompletten Kritiker-Zunft entweder übersehen oder ignoriert werden. Die Serie wurde 2017 gestartet und Anfang dieses Jahres mit der Herausgabe von Vol. 7 komplettiert. Der Solist, der unter anderem bei Ciccolini und Badura-Skoda studiert hat, ist kein unbeschriebenes Blatt. Seine Einspielung der Sonaten für Viola und Klavier von Hindemith mit Luca Sanzò erhielt seinerzeit ausgezeichnete Kritiken. Nun sind wir mit Zyklen auf Originalinstrumenten nicht gerade reich gesegnet, also sollte man erwarten, dass sich die Rezensenten darauf stürzen. Aber wenn ich nichts übersehen habe, dann herrscht hier völlige Fehlanzeige.
Maurice inaktiv (28.07.2025, 04:51): Ich kenne diesen Komponisten nicht, aber die Beschreibung klingt sehr interessant. Danke dafür. Nach kurzem Reinhören bin ich alles andere als raus. Das ist für eine spätere Beschäftigung gespeichert. Ich kannte ihn auch überhaupt nicht. Ja, Du dürfest mit ihm weitaus mehr anfangen können als ich. Ist doch schön, wenn ich eine Anregung geben konnte damit.
Maurice inaktiv (28.07.2025, 05:35):
Ferdinand Hiller : Sinfonie in e-Moll , op. 67, "Es muss doch Frühling werden" (1848, rev. 1854/55, erschienen 1865) & Sinfone in f-Moll, HWV 2.4.4 (1832, neues Finale 1833)
Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt , Howard Griffiths
Hiller komponierte 6 Sinfonien. Zwei gingen verloren, nur eine erschien zu seinen Lebzeiten im Druck.
Hiller (1811 - 1885) war Schüler von Aloys Schmitt und Johann Nepomuk Hummel. Er sollte noch Beethoven und Schubert kennen lernen, war lange Zeit mit Mendelssohn befreundet, und auch Clara und Robert Schumann. Zu seinen Freunden gehörten Chopin, Berlioz und zunächst auch Franz Liszt. 1847 ging er nach Düsseldorf, 1850 nach Köln. Dort war er lange Zeit tätig. Er lernte Richard Wagner kennen, wurde aber am Ende kein "Wagnerianer", sondern stand mehr auf der Seite von Brahms, Reinecke und Joseph Joachim. Zu seinen Schülern gehörten u.a. Engelbert Humperdinck und Max Bruch.
Joe Dvorak (28.07.2025, 11:52):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett D-Dur, op. 18/3
Sfantu (28.07.2025, 21:00): In Bezug auf Franz Mixa: Er scheint sich aber während der NS-Zeit keiner Verbrechen schuldig gemacht zu haben, denn bereits 1947 baute er das Landeskonservatorium in Graz wieder auf und wurde ab 1952 bis 1957 dessen Leiter. Das Thema hatten wir schon einmal. Zeigt mir eine/n Künstler/in, die/der wegen ihrer/seiner Verstrickungen mit dem Nazi-Regime im Nachkriegs-Westdeutschland oder im Nachkriegs-Österreich irgendwelche nachhaltigen Probleme oder einen Karriere-Knick erleiden mußte.
Maurice inaktiv (28.07.2025, 21:26): Mixa hatte auch während des NS-Regimes nicht gerade eine berauschende Karriere als Komponist. Daher konnte er in dieser Hinsicht keinen Knick haben. Wäre ich nicht durch Zufall auf den Namen gestoßen, wäre er mir noch immer völlig unbekannt.
Sfantu (28.07.2025, 22:02): Das mag sein. Die Argumentation war indes: sich Verbrechen während des NS-Regimes schuldig gemacht zu haben, hätte jemandem im Nachkriegs-Österreich die Leitung eines Landeskonservatoriums erschwert oder unmöglich gemacht. Und genau dafür gibt es keine Anhaltspunkte.
Joe Dvorak (29.07.2025, 07:28):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 5 c-Moll, op. 10/1
Roland Brautigam (Fortepiano)
Brautigam ist mit deutlich mehr Vorwärtsdrang und leichtfüssiger unterwegs als der etwas holprige Paciariello, welcher indessen das "Aushorchen" der Klänge zulässt. Ich horche mit und stelle fest, dass ein moderner Konzertflügel zumindest bei den Frühwerken keine vollgültige Alternative zum historischen Fortepiano sein kann.
Maurice inaktiv (29.07.2025, 14:29): Die Argumentation war indes: sich Verbrechen während des NS-Regimes schuldig gemacht zu haben, hätte jemandem im Nachkriegs-Österreich die Leitung eines Landeskonservatoriums erschwert oder unmöglich gemacht. Und genau dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Zum Glück nicht. Wobei die Musiker sich ja nicht an den Verbrechen direkt beteiligt hatten. Mixa war allerdings ab 1943 eingezogen worden, da sah die Situation schon anders aus. Ich bin ja froh, dass bei ihm diesbezüglich keine Aussetzer bekannt wurden.
Sfantu (29.07.2025, 22:00):
Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 g-moll op. 58
Rudolf Buchbinder, Staatskapelle Dresden - Christian Thielemann (CD, DG, AD: Oktober 2020, Kulturpalast Dresden)
Allegro moderato 17'48 Andante con moto 4'04 Rondo. Vivace 9'54
Bei jedem neuen LvB-Konzerte-Zyklus sind für mich die Nummern 3 und 4 (mit etwas Abstand Nr. 1) die Prüfsteine. Buchbinder spielt in diesem Falls jedes Konzert mit einem anderen Orchester und einem anderen Dirigenten - ein nicht uninteressantes Konzept. Nr. 1 habe ich mir noch nicht vorgenommen, die Nummern 3 und 4 nun aber schon wiederholt gehört. Als jemand, der Rudolf Buchbinder äußerst schätzt, gefallen mir die Interpretationen des gut 70jährigen auch hier mehr als gut. Er gestaltet mit Geschmack, mit dem Gespür für den goldenen Schnitt zwischen Furor und apollinischer Sonne. Gergiew mit dem Bayerischen RSO bleibt beim 3. Konzert im gepflegten Mittelfeld, geht den Kopfsatz für meinen Geschmack stellenweise zu hastig an. Genauer: die Grundtempi sind stimmig. Doch die Einsätze kommen wiederholt einen Tick zu früh. Das wirkt wenig souverän und trübt den Hörgenuß.
Die Koppelung Buchbinder - Dresden -Thielemann, dagegen, spielt sich sehr herzerwärmend ins Ohr. Unsentimental und dennoch nobel kultiviert, im zauberischen Mittelsatz nicht ohne Zauber und doch mit dem nötigen Quantum nüchterner Außenschau. Sehr schön das deutlich herausgestellte kurze Cello-Solo im Schlußsatz. Hörwitz kanzelt Thielemann regelmäßig fast schon reflexartig ab, bei allem, was er dirigiert, wenn es nicht gerade Wagner-Opern sind. Hier finde ich keinen Fehl, erfreue mich am einfühlsamen Spiel von Solist als auch Orchester.
Sfantu (29.07.2025, 22:03): Die Argumentation war indes: sich Verbrechen während des NS-Regimes schuldig gemacht zu haben, hätte jemandem im Nachkriegs-Österreich die Leitung eines Landeskonservatoriums erschwert oder unmöglich gemacht. Und genau dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Zum Glück nicht. Wobei die Musiker sich ja nicht an den Verbrechen direkt beteiligt hatten. Mixa war allerdings ab 1943 eingezogen worden, da sah die Situation schon anders aus. Ich bin ja froh, dass bei ihm diesbezüglich keine Aussetzer bekannt wurden. Du hast meinen Satz nicht verstanden. Nochmal genau nachlesen.
Joe Dvorak (30.07.2025, 13:54): Bin das nur ich oder ist Opus 10/1 die erste "richtige" Beethoven-Sonate, die ihre vier Vorgänger trotz deren Meriten ziemlich blass aussehen lässt? Ich kriege jedenfalls den Hals nicht voll und so liefen heute Barenboim (60er-Zyklus), Korstick, Gould und Kocsis, der mir klar am besten gefallen hat - aber ohne den Klangzauber, wie ihn Paciariello auf seinem Fortepiano veranstaltet, fehlt mir ein kleines Quäntchen zur Glückseligkeit.
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 5 c-Moll, op. 10/1
Zoltán Kocsis (1991)
Joe Dvorak (01.08.2025, 02:02): Heute ist Ladetag inmitten der Beethoven-Diät.
Terry Riley - In C
Grand Valley State University New Music Ensemble
Joe Dvorak (01.08.2025, 04:10): Was für ein gigantisches Stück. Ein etwas länglicher Text, der das Wesentliche aus Robert Carls Studie zusammenfasst, findet sich hier: Terry Riley's "In C". Ich würde jetzt schreiben, dass jeder, der sich tiefer mit dem Werk auseinandersetzen will, das lesen muss, aber dann denke ich, dass jeder, der sich tiefer mit dem Werk auseinandersetzen will, den Link längst selbst gefunden hat.
Hier lief noch eine Realisierung auf alten Instrumenten, unterstützt von Live-Elektronik. Sehr fein. Zu finden auf einem Sampler, dessen Coverbild ich nicht hier nicht einbetten kann:
The Night With… Live Vol One – TNW Music
Terry Riley - In C
Ensemble 1604
Joe Dvorak (01.08.2025, 04:57): Es bleibt minimalistisch:
Gavin Bryars - Four Elements für Bassklarinette, Altsaxophon, Horn, Flügelhorn, Posaune, Tuba, Klavier, elektronisches Keyboard, Kontrabass, Countertenor und Perkussion (Röhrenglocken, Vibraphon, Marimba, Glockenspiel, Bass-Trommel, Tam-Tam, Wasser-Gong, Großes Becken, Japanischer Tempelgong , Kastagnetten, antikes Becken)
Large Chamber Ensemble, Roger Heaton
Philidor (02.08.2025, 15:25): Ich muss mich mal melden. Habe heute den Hinweis bekommen, dass Koechlins Klavierquintett ein kaum bekanntes Meisterwerk sei.
Charles Koechlin: Quintette pour piano et cordes op. 80
Antigone Quartet Sarah Lavaud, piano
Den Hinweis möchte ich mit der angemessenen Dringlichkeit weitergeben.
Joe Dvorak (02.08.2025, 16:18): Von Koechlin gibt es noch so manches Meisterwerk, das durch das Sieb der Kanonmacher gefallen ist. Ich komme nicht dran vorbei, zum gefühlt 10.000 Mal vergeblich den Dirigenten Adriano, der hier kurzzeitig Forenmitglied war, zu zitieren: Music history should be revised to show that it is not just the story of the so-called great composers, and that it should not be neatly classified into traditions and categories. Much more good music has been written than certain musicologists and critics would care to admit. So ist es. Koechlin ist ein Beweis. Und Röntgen, Brun oder weiter zurück Boccherini. Und tausend andere.
Joe Dvorak (02.08.2025, 16:35): Der Lustsklave hat heute die Oberhand gegen den Zuchtmeister gewonnen und sich mit seinem Willen, mehr In C zuungunsten des alten Ludwig zu hören, durchgesetzt. Neben der Ersteinspielung aus dem Jahr 1968 und der superben Realisierung durch das Salt Lake Electric Ensemble hat es mir vor allem diese Einspielung angetan:
Terry Riley - In C
Iron Giant Free Association
Ich frage mich allerdings, ob bei aller subjektiven Qualität, die mich heftig nicken lässt, hier nicht ein eklatantes Missverständnis der (in den Partitur-Anweisungen festgelegten) Intentionen des Komponisten vorliegt. Da muss wohl endlich ein längst überfälliger Werk-Faden her.
Philidor (02.08.2025, 17:25): Da muss wohl endlich ein längst überfälliger Werk-Faden her. Darauf wäre ich in der Tat sehr gespannt! Ich habe vom Werk nur eine einzige Aufnahme, die mich nicht sonderlich überzeugt hat. In Sachen minimal mag ich ziemlich viel von Steve Reich und auch Einzelnes von Glass, z. B. den Akhnaton.
Philidor (02.08.2025, 21:55): Den Titel finde ich ja viel zu verallgemeinernd.
Wolfgang Amadé Mozart: Cosi fan tutte KV 588
Fiordiligi - Miah Persson Dorabella - Anke Vondung Despina - Ainhoa Garmendia Ferrando - Topi Lehtipuu Guglielmo - Luca Pisaroni Don Alfonso - Nicolas Rivenq
The Glyndebourne Chorus Orchestra of the Age of Enlightenment
Iván Fischer
Inszenierung: Nicolas Hynter
Vokal, instrumental, szenisch ein Riesenvergnügen - meine ich.
Joe Dvorak (03.08.2025, 02:19):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 6 F-Dur, op. 10/2
Boris Bloch (ca. 1980)
Dazu wie immer Gulda aus dem ersten Zyklus und Paciariello, dessen Klang von seinem Instrument so viel reichhaltiger ist, dass man (lies: ich) das hinterher kaum noch auf einem modernen Konzertflügel gespielt hören mag. Konsequenterweise löst er Kovacevich als Dauergast am Beethoven-Frühstückstammtisch ab.
Joe Dvorak (03.08.2025, 02:46): Mit Hindemith habe ich so meine Probleme, da kommt es recht, dass man der folgenden Einspielung nachsagt, sie widerlegt das Vorurteil, der Komponist sei trocken und akademisch (also genau das, was ich oft empfinde):
Paul Hindemith - Sonaten für Viola & Klavier
Luca Sanzò, Maurizio Paciariello
Joe Dvorak (03.08.2025, 07:45):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 3 D-Dur, op. 18/3
Guarneri Quartet (1987-1992 Zyklus)
Maurice inaktiv (03.08.2025, 08:02):
Hans Rott: Sinfonie in E-Dur
Orchester des Staatstheaters Mainz, Catherine Rückwardt AD: 2002, Live
Diese Live-Aufnahme wurde ganz hervorragend Ralf Kroschnicke eingefangen. Das Staatsorchester aus Mainz zeigt hier seine ganze Klasse, zeigt auf, was ein "Provinz-Orchester" zu leisten im Stande ist. Bitte dies nicht als Abwertung anzusehen, ich finde die Leistung wirklich sehr beeindruckend, wenn man es Einspielungen als Konkurrenz zu tun hat, die aus Wien (RSO Wien unter DR Davies), oder den Bamberger Symfonikern unter Hrusa zu tun bekommt.
Maurice inaktiv (03.08.2025, 08:35):
Johannes Brahms: Sinfonie Nr.2 , D-Dur, op. 73
WDR-SO Köln, Jukka-Pekka Saraste
Nun zum Gegenpart der Linie Liszt-Wagner-Bruckner-Rott-Mahler, zu Johannes Brahms und seiner Zweiten, die 1877 entstanden ist und damit kurz vor Rotts E-Dur-Sinfonie. Natürlich gibt es 2025 schon lange nicht mehr diese Trennung zwischen der Brahms - und Wagner-Seite, ich verstehe aber durchaus, warum damals die beiden Lager so verfeindet waren. Der Unterschied ist ja selbst für wenig geübte Hörer deutlich zu hören.
»Wer eine Brahms-Aufnahme haben möchte, die nichts falsch macht: Hier ist sie. Zügig geht es durch die zweite Sinfonie, alles befindet sich in weichem Fluss, sorgfältig kanalisiert.« (Fono Forum, Dezember 2017). Dem kann ich mich nur anschließen.
Die FF-Kritik kann man durchaus auch negativ auslegen, aber Saraste lässt die Musik an sich sprechen und macht keine Allüren und Mätzchen a la Barenboim mit der Staatskapelle Berlin.
Toni Bernet (05.08.2025, 11:53): Schade, wird dieser Komponist nicht ernster genommen. Von diesem Violinkonzert gibt es zwar eine CD-Aufnahme und eine Aufzeichnung einer Live-Aufführung auf Youtube. Gedruckt und herausgegeben aber finde ich dieses Violinkonzert nirgends.
Anatolijus Šenderovas (1945 – 2019): Konzert für Violine und Kammerorchester (2007 / 2013): Ein Violinkonzert aus Litauen voll dramaturgischem Fluss und expansivem Zeitgefühl.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Maurizio Pollini, Klavier
Joe Dvorak (06.08.2025, 03:23): Überraschung:
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 8 c-Moll, op. 13 "Pathetique"
Van Cliburn
Joe Dvorak (07.08.2025, 03:05):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 4 c-Moll, op. 18/4
Calidore String Quartet
Die Anfang des Jahres erschienene Box ist der Abschluss eines Zyklus, den das junge Quartett von spät bis früh eingespielt hat.
Joe Dvorak (07.08.2025, 06:55):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 8 c-Moll, op. 13 "Pathetique"
Jos van Immerseel (Fortepiano, Anton Walter, Wien 1800 - Kopie, Christopher Clark)
Ich werde mich zwar nicht radikalisieren wie ein Hosenrock, aber muss gleichwohl nochmals dringend darauf hinweisen, dass der junge Beethoven auf einem alten Instrument gespielt gehört.
Philidor (07.08.2025, 07:38): Schöner Beethoven-Marathon! Mehr Zeit müsste ich haben ...
Ich werde mich zwar nicht radikalisieren wie ein Hosenrock, aber muss gleichwohl nochmals dringend darauf hinweisen, dass der junge Beethoven auf einem alten Instrument gespielt gehört. Ach was. Hauptsache, man ist jung im Kopf ... :)
Joe Dvorak (07.08.2025, 07:56): Oder man spielt es so 8o :
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 8 c-Moll, op. 13 "Pathetique"
Valery Afanassiev
Joe Dvorak (07.08.2025, 17:25):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 8 c-Moll, op. 13 "Pathetique"
Samson François
Das ist wohl eines dieser Werke, das man nicht "schlecht" spielen kann. Es zeigt die Eigenheiten der Interpreten und bleibt davon selbst völlig unbeeindruckt, wie ein Katalysator. Schnabel, Pollini, Lupu - alles ganz eigen und alles gut. Und diese hier ist eigentlich zu geschäftig, übertrieben pointiert, hie und da bald professoral - und es juckt mich nicht die Bohne, im Gegenteil.
Maurice inaktiv (08.08.2025, 06:48):
Woldemar Bargiel: Sinfonie in C, op. 30 & Intermezzo für Orchester, op. 46
Orchesta Sinfonica de San Potosi , José Miramontes Zapata
Woldemar Bargiel (1828-1897) studierte u.a. in Leipzig bei Moritz Hauptmann, Julius Rietz, Ignaz Moscheles, Ferfinand David und Niels Gade. Später unterrichtete er n Köln, Rotterdam und Berlin, seiner Heimatstadt. Unter seinen Schülern waren u.a. Leo Blech, Paul Juon und Ernst Rudorff.
Seine Werke waren keinesfalls modern in die Zukunft ausgerichtet, sondern knpüften an Beethoven, Schumann (mit ihm war er verschwägert und wurde auch von ihm gefördert) und vor allem Mendelssohn an. Seine Werke wurden zu seinen Lebzeiten hochgeschätzt, etwa von Brahms und Draesecke. Heute ist er weitgehend in Vergessenheit geraten.
Von seiner Sinfonie gibt es nur zwei mir bekannte Einspielungen. Jene hier aus Mexiko und noch eine aus Sibirien. Beide Orchester gehören nicht zur Elite, aber bringen zumindest die Werke in einer ordentlichen Qualität zum Erklingen. Vielleicht kommt ja CPO mal auf die Idee, hier tätig zu werden.
Joe Dvorak (09.08.2025, 03:31):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 4 c-Moll, op. 18/4
Smetana Quartet (1983)
Auch hier gilt: Eigentlich "altmodisch" gespielt, aber so einnehmend, dass die Gedanken daran schnell in den Hintergrund rücken und stattdessen Musik gehört wird.
Joe Dvorak (09.08.2025, 09:03): Louis2:
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 8 c-Moll, op. 13 "Pathetique"
Angela Hewitt
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 4 c-Moll, op. 18/4
LIndsay String Quartet (1979)
Seit sich die immer gefräßige UMG ein Klassik-Label nach dem anderen einverleibt hat, wird viel Schindluder getrieben. Das DECCA-Label ist Etikettenschwindel. Es handelt sich hier um eine Neuausgabe des ersten Zyklus, den die Lindsays für ASV eingespielt haben. Label hin oder her - das rockt wie die Wutz.
Maurice inaktiv (09.08.2025, 09:45):
Richard Strauss : Sinfonie in d-Moll , o.op. AV 69
SO des BR , Karl-Anton Rickenbacher
Das so ein hochkarätiges Strauss-Orchester wie das SO des BR ist sicher ungewöhnlich, und das Ergebnis ist sicher das bestmögliche, was man aus dem Frühwerk herausholen konnte. Die Zeitschrift Scala bewertete die Einspielung damals mit "sehr gut" (01/99). Strauss zeigt hier als Teenager, dass er die Wiener Klassik vollkommen verstanden hatte. Allerdings auch nicht mehr. Beethoven lässt grüßen, bis hin zum Finale.
Das zweite Werk habe ich schon lange nicht mehr gehört, es steht für Morgen auf dem Programm.
Joe Dvorak (10.08.2025, 03:01):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 9 E-Dur, op. 14/1
Tatjana Nikolajewa (Live, Moskau, 1984) // András Schiff (Live, Zürich, 2005)
Zwei unterschiedliche Schulen, Herangehensweisen & Interpretationen, bei denen sich diese vernachlässigte Namenlose als verstecktes Juwel erweist.
Maurice inaktiv (10.08.2025, 07:30):
Richard Strauss: Sinfonie in f-Moll, op. 12
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin , Karl-Anton Rickenbacher
Früher Strauss. Nun, wie gestern angekündigt, die f-Moll-Sinfonie des inzwischen siebzehnjährigen, gereiften Strauss. Ja, auch das konnte er bereits so jung. Natürlich ist das nicht der Strauss der späteren Alpensinfonie, doch der Weg führt langsam in diese Richtung.
Maurice inaktiv (10.08.2025, 08:21):
Zygmunt Noskowski : Orchesterwerke, Vol. 1 (u.a. Sinfonie Nr.1, A-Dur)
Nationales Polnisches RSO, Gabriel Schmura (1), Slavek Wroblewski (2-5 = Sinfonie), Zygmunt Rychert (6)
Zygmunt Noskowski (1846-1909) war Schüler von Moniuszko in Warschau und später Friedrich Kiel in Berlin. Irgendwie empfinde ich ihn als die "polnische Antwort" auf Brahms und dessen Stilrichtung. Wie Kiel, wurde auch Noskowski ein hervorragender Lehrer. So zählten u.a. Karol Szymanowski, Mieczyslaw Karlowicz und Gregorz Fitelberg zu seinen Schülern.
Noskowski schrieb u.a. 3 Sinfonien, mehrere Symphonische Dichtungen, Ouverüren, Chormusik, div. Kammermusik, Klavierstücke und Lieder.
Maurice inaktiv (10.08.2025, 11:25):
Georg Schumann: Sinfonie f-Moll, op. 42 (1905)
Deutsches SO Berlin, James Feddeck
Georg Schumann (1866-1952) war ein langes Leben beschert. Er erlebte den Preussisch-Französischen Krieg 1870/71 als Kind aus der Ferne, dann die beiden Weltkriege und die Bundesrepublik Deutschland, bzw. die ehemalige DDR. Geboren in Königstein in Sachsen, wuchs er zeitlebens mit der Musik auf. Sein Vater war der Stadtmusikdirektor Clemens Schumann, sein Großvater Kantor.
1882-1888 studierte er bei Carl Reinecke am Leipziger Konservatorium. Bereits 1888 wurde seine Sinfonie in h-Moll in Berlin preisgekrönt, und er wurde schlagartig bekannt. Er machte Bekanntschaft mit dem alten Franz Liszt, Johannes Brahms, Mahler, Rubinstein, Weingartner, Nikisch, Bruch und dem Geiger Joseph Joachim. Er selbst wurde Dirigent in Danzig und später in Bremen, bevor er 1900 Direktor der bekannten Berliner Singakademie wurde, die er über 50 Jahre leiten sollte.
Schumann machte sich vor allem im Musikleben Berlins einen großen Namen. Auch nach 1945 arbeitete er am Wiederaufbau des Berliner Kulturlebens kräftig mit. Obwohl er in der NS-Zeit durch Goebbels zum Reichskultursenator ernannt wurde 1936, scheint er glücklicherweise mit den Nazis nicht eng verbandelt gewesen zu sein. Anders lässt sich die Ehrung durch Bundespräsident Theodor Heuss 1951 nicht erklären, als ihm als erster Deutscher der "Große Verdienstkreuz der BR Deutschland" überreicht wurde.
Schumann war ein gesuchter Kammermusiker und ausgezeichneter Pianist, hatte in der Frühzeit der Berliner Philharmoniker eine enge Bindung zu diesen, aber auch zur Königlichen Kapelle Berlin, der späteren Staatskapelle, mit denen er seine ersten Aufnahmen machte. Mit u.a. Richard Strauss gründete er die "Genossenschaft deutscher Tonsetzer", dem Vorläufer der heutigen GEMA.
Von seinen 11 Geschwistern war etwa Alfred Schumann (1868-1891) Konzertmeister der Bremner Philharmoniker, Clemens Schumann,jr. (1876-1938) gar von 1900-1936 Geiger der Staatskapelle Dresden.
Schumann schrieb zwei Sinfonien. Beide sind beim Label CPO erschienen. Die Erste in h-Moll, also auch eine Moll-Sinfonie. Sie wurde allerdings mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Christoph Gedschold eingespielt.
Maurice inaktiv (10.08.2025, 14:07): Weiter geht es mit Dvoraks Vierter. Kein Neuland, aber auch kein reines Standard-Repertoire wie die letzten drei Sinfonien Dvoraks.
Eberhard Klemmstein: Sinfonie Nr.6 für großes Orchester & Elegie für Streichorchester
Vogtland Philharmonie , Dorian Keilhack
Auszugsweise einige Passagen aus dem Text bei JPC:
Die Vogtland Philharmonie mit ihrem Chefdirigenten Dorian Keilhack bot an, im Januar 2021 zwei Werke aus dem symphonischen Schaffen von Eberhard Klemmstein zu studieren und für eine CD aufzunehmen. In dieser Zeit konnten wegen der Pandemie keine öffentlichen Konzerte durchgeführt werden.
Werk und Stil betreffend betrat das Orchester völlig neues Terrain. Komponist, Dirigent und der Aufnahmeleiter aus Wien, Othmar Eichinger, bildeten ein Team, dem es gelang, die Musiker für dieses Projekt zu begeistern, sie als Klangkörper an die Herausforderungen heranzuführen, und ein bravouröses musikalisches Ergebnis zu erzielen.
Die vorliegenden Aufnahmen stehen beispielhaft für die langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit des Komponisten und Bratschers Eberhard Klemmstein mit dem Pianisten / Dirigenten Dorian Keilhack.
Unter den neun bis heute geschriebenen Sinfonien Klemmsteins ist die Nr. 6 (2015) sowohl vom Umfang als auch der Satzfolge und Orchesterbesetzung her eher klassisch konzipiert. Klemmstein schreibt einen freitonalen expressionistischen Stil mit einem besonderen Sinn für sogenannte „Absolute Musik”, was auch in seiner Kammermusik evident wird. In der „Königsdisziplin der Orchestermusik”, als die er Sinfonien gerne bezeichnet, kommt ihm dies hörbar zugute. Merkbare, prägnante Themen, eine kunstvolle Verarbeitung, stringente Form und eine persönliche Harmonik zeichnen seine Tonsprache aus, und machen ihn damit zu einem wirklichen Sinfoniker.
Zur Aufnahme schrieb klassik-heute.de 10/2021 :
Die nun vorliegende Aufnahme der sechsten Sinfonie füllt einen weißen Fleck auf der musikalischen Landkarte. In den vier, zumeist bewegungsreichen Sätzen türmt sich ein beachtliches Potenzial auf, der ausgeprägten psychologischen Feinzeichnung in Klangfarbe und Instrumentierung sei Dank. Kraftvoll gelingen dem Orchester die aufrührerischen Gesten in den schnellen Sätzen, ebenso wie das Finale eine gute Ausdrucksbandbreite zwischen lyrischer Innerlichkeit und feierlichem Pathos entfaltet.
Das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Henry Raudales liefert eine herausragende Interpretation dieser Werke. Raudales, der zugleich erster Konzertmeister des Orchesters ist und hier auch solistisch glänzt, beweist ein tiefes Verständnis für Reineckes Musik. Er verleiht den Sinfonien eine leidenschaftliche und nuancenreiche Darbietung, die sowohl die lyrischen als auch die dramatischen Elemente dieser Musik wunderbar zur Geltung bringt.... - das schreibt der "Onlinemerker" zu den Einspielungen, die hier vorliegen.
Meines Wissens kommt es bei den größeren, sinfonischen Werken nur selten vor, dass CPO als Dirigenten den 1.Konzertmeister als Dirigenten heranzieht für die Produktion. Doch hier scheint man genau den richtigen Mann gefunden zu haben. Die CD ist wirklich ausgezeichnet gelungen.
Raudales ist seit September 2001 1.Konzertmeister in München. Er wurde in Guatemala geboren, studierte in Antwerpen und London und gewann beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel einen Preis. Er war Konzertmeister der Königlich-flämischen Oper und den Essener Philharmoniker.
Philidor (10.08.2025, 19:23): Das ist einfach ein Knaller.
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 10 G-Dur, op. 14/2
Tatjana Nikolajewa (Live, Moskau, 1984)
Mit Opus 14/1 hat mich Nikolajewa voll und ganz überzeugt. Ob sie das Werk gewichtiger macht als es ist, weiß ich nicht. Aber Gulda und Paciariello wirken mir im Vergleich zu harmlos. Die eben gehörte Nachfolgerin will nicht so recht an mich ran - das Werk rauscht, von einigen Hinhörern im langsamen Satz abgesehen, recht indifferent an mir vorbei. Hier gewinnt der Italiener das Rennen, aber ein baldiges Wiederhören wird es wohl kaum geben.
Maurice inaktiv (12.08.2025, 06:33):
Finnische Orchesterfavoriten (etwa Finlandia & Valse Triste von Sibelius, Elegy for Strings von Madetoja, Fiddlers,op.1 von Rautavaara, Sunrise Serenade, op. 63 von Sallinen)
Turku PO & Finnisches Kammerorchester (bei Sallinens Werk) , Jorma Pamula & Okku Kamu (Sallinen)
Das hervorragende Orchester aus Turku verblüfft mich immer wieder. Hier steht nun der große Dirigent und Lehrer Jorma Pamula selbst am Pult. Die kleinen Werke viel Abwechslung, weil insgesamt 12 Komponisten hier verewigt wurden. Es fehlen noch etwa Erkki Melartin, Uuno Klami oder auch Oskar Merikanto.
Die "Elegy for Strings" ist so ein Stück, was man sich auch gerne mal als Zugabe im Konzerthaus wünschen würde. Bei einer Spielzeit von rund 5 Minuten hätte es mehr Aufmerksamkeit verdient.
Maurice inaktiv (12.08.2025, 07:54):
Felix Mendelssohn: Sinfonien Nr. 1 & 4
Kammerakademie Potsdam , Antonello Manacorda
Was für meine hervorragende GA der Sinfonien das hier ist kann man in den einschlägigen Fachmagazinen nachlesen. Für mich mit Thomas Fey, Gardiner und Claudio Abbado vielleicht die vier besten GA der Mendelssohn-Sinfonien der letzten 30 Jahre.
Philidor (12.08.2025, 19:46): Hier ein wenig Schubert.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 D. 760 („Wandererfantasie“)
NDR-Radiophilharmonie Hannover , Werner Andreas Albert
Graner, 1872 in Berlin geboren, studierte in Berlin u.a. bei Albert Becker. Er wurde Kapellmeister in Stendal, Bremerhaven, Königsberg und Berlin, bevor er 1898-1906 Musikdirektor am Theatre Royal Haymarket in London wurde. An der London Academy of Music unterrichtete er auch.
Nach seiner Rückkehr aus London wirkte er kurze Zeit in Wien als Kompositionslehrer am Neuen Konservatorium, dann wurde er Direktor des Salzburger Mozarteums. Ab 1914 war er vor allem freischaffender Komponist in München, 1915/16 aber auch Kapellmeister am Stadttheater in Halle. 1920-1927 wurde er Nachfolger Max Regers am Konservatorium Leipzigs Professor für Komposition. 1930 wurde er Direktor des Stern'schen Konservatoriums in Berlin. 1934 übernahm er die Meisterklasse in der Akademie der Künste.
1930 trat er dem "Kampfbund deutscher Kultur" bei, einer nationalsozialistischen Einrichtung, 1933 trat er der NSDAP bei und übernahm er die Führung des Bereichs Komposition der Reichsmusikkammer. 1935 wurde er Vize-Präsident und Nachfolger Furtwänglers des Reichskultursenats. 1941 legte er das Amt nieder. Nachfolger wurde Werner Egk.
Musikstilistisch kann man ihn in der Tradition Bruckners, teilweise auch von Brahms, Hugo Wolf (bei seinen Liedern) und auch durchaus Richard Strauss sehen. Dabei ging er durchaus auch Wege der Moderne, etwa des Impressionismus und der atonalen Sprache nach.
Zu seinen Lebzeiten galt er im 3.Reich als einer der meistgespielten Komponisten, nach seinem Tode fand er kaum noch Anklang bei Aufnahmen und Konzerten. Erst durch vor allem CPO kam er wieder zurück an die Öffentlichkeit, ohne wirklich oft gespielt zu werden.
Graener schrieb vor allem viele Lieder oder für Singstimme(n) und Orchester, aber auch 2 Sinfonien, eine Sinfonietta, eine Suite für großes Orchester, je ein Klavier, Cello, Flöten und Violinkonzert, Werke für Klavier Solo, 4 Streichquartette, u.a. Seine bekanntesten Schüler dürften Jon Leifs und der Dirigent Ionel Perlea gewesen sein.
Joe Dvorak (13.08.2025, 02:58): Weiter nach Protokoll:
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 5 A-Dur, op. 18/5
Hagen Quartett
Maurice inaktiv (13.08.2025, 09:10):
Carl Stamitz : 4 Sinfonien
Kölner Akademie , Michael Alexander Willens
Die vier Sinfonien sind sehr interessant. Es hat mir ein großes Vergnügen bereitet sie anzuhören. Besonders die "Grand Pastoral Symphony" in G (KaiS. 32) klingt unglaublich modern für das Jahr 1772. An manchen Stellen könnte sich fast später Beethoven orientiert haben, als er selbst seine "Pastorale" schrieb (1807/08). Immerhin hat Betthoven als Zwölfjähriger noch mit Stamitz zusammen gespielt.
Carl Stamitz (1745-1801) war der Sohn des bekannten Johann Stamitz (1717-1757), dem Begründer der "Mannheimer Schule". Beiden war leider kein langes Leben beschieden.
Maurice inaktiv (13.08.2025, 09:42):
Walter Braunfels: Sinfonia Concertante , op. 68 Violine, Bratsche und Horn & Streicher , Streichquintett , op. 63a fis-Moll (Version für Streichorchester von F.Haas)
Münchner Rundfunkorchester , Ulf Schirmer
Und wieder Einspielungen, die man als Raritäten bezeichnen kann. Dazu zwei Statements bekannter Klassik-Online-Portale: klassik-heute.de 08/2018: »Die Diskographie der Kompositionen von Walter Braunfels ist im Laufe des letzten Jahrzehnts höchst erfreulich vermehrt worden. Es scheint sich unter Musikern herumgesprochen zu haben, welche Fundgrube großartiger Musik das Schaffen dieses Komponisten darstellt. Die Kompositionen sind bei Ulf Schirmer in kompetenten Händen. Er hält die Streicher des Münchner Rundfunks in wohlabgewogenem klanglichen Gleichgewicht, so dass die Feinheiten der Braunfelsschen Instrumentation deutlich zu Tage treten. Der umfangreiche Einführungstext Eckhardt van den Hoogens, der scharfsinnig über Walter Braunfels als einen Künstler seiner Zeit reflektiert, rundet diese insgesamt sehr gelungene Produktion trefflich ab und sei zur Lektüre ausdrücklich empfohlen.«
klassik.com 10/2018: »Zwei Werke aus Walter Braunfels' später Schaffensphase in vorbildlichen Interpretationen.«
Die Dirigenten Gregor Bühl, Johannes Wildner, Hansjörg Albrecht und Dennis Russell Davies haben in den letzten Jahren viele Werke des nach 1933 von der Bildfläche verschwundenen, und dann 1945 wieder aufgetauchten Komponisten sehr verdient gemacht. Braunfels war Halbjude (sein Vater war vom jüdischen Glauben zwar zum Christentum übergetreten, aber das half ihm nichts), seine Mutter war die Großnichte des Komponisten Louis Spohr gewesen und noch mit Clara Schumann und Franz Liszt befreundet.
Der ganze Werdegang der Familie Braunfels ist sehr interessant, wäre aber zu weitführend hier.
Joe Dvorak (13.08.2025, 17:35):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 5 A-Dur, op. 18/5
Quartetto di Cremona (2016)
Die Cremoneser haben mit ihrem Debüt, auf dem sie überzeugend die Querverbindungen zwischen Haydn und Bartók freigelegt haben, eine der schärfsten Quartett-Platten überhaupt vorgelegt. Als ihr Beethoven rauskam, war ich äußerst gespannt, fand das dann aber zu überkandidelt. Zum Glück entwickelt sich der Geschmack weiter, und heute ist das höchst vergnüglich anzuhören.
Joe Dvorak (14.08.2025, 04:58):
Joseph Haydn - Streichquartett B-Dur op. 76/4, Hob. III:78
Chiaroscuro Quartet
Nachdem die drei Damen und der Herr dieses Ausnahmequartetts (das mittlerweile zur reinen Girlband mutiert ist, wie das Cover des neuesten Albums zeigt) auch im A-Dur-Quartett konkurrenzlos sind, hat die Neugierde obsiegt, und ich schlage einen kleinen Umweg ein.
Joe Dvorak (14.08.2025, 10:04):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 11 B-Dur, op. 22
Maria Grinberg (1964) // James Brawn (2019)
Hui, die Dame langt ordentlich hin. Zusammen mit dem metallisch harten Klang des Instruments gibt das Louis für Headbanger. Der Herr gibt sich deutlich kultivierter, aber nicht weniger aufregend. Beide haben alle 32 aufgenommen.
Maurice inaktiv (15.08.2025, 10:45):
Walter Braunfels: Sinfonia Concertante, op. 68 & Streichquintett op. 63a in fis-Moll (Version für Streichorchester)
Es scheint sich unter Musikern herumgesprochen zu haben, welche Fundgrube großartiger Musik das Schaffen dieses Komponisten darstellt. Die Kompositionen sind bei Ulf Schirmer in kompetenten Händen. Er hält die Streicher des Münchner Rundfunks in wohlabgewogenem klanglichen Gleichgewicht, so dass die Feinheiten der Braunfelsschen Instrumentation deutlich zu Tage treten.(Klassik heute.de 08/2018)
Zwei Werke aus Walter Braunfels' später Schaffensphase in vorbildlichen Interpretationen. (klassik.com, 10/2018)
Die Werke sind nicht so ohne Weiteres anzuhören. Das ist modern, aber eben auf der Basis dessen, was zuvor existierte.
Sfantu (15.08.2025, 22:16): In Bezug auf Georg Schumann: Obwohl er in der NS-Zeit durch Goebbels zum Reichskultursenator ernannt wurde 1936, scheint er glücklicherweise mit den Nazis nicht eng verbandelt gewesen zu sein. Anders lässt sich die Ehrung durch Bundespräsident Theodor Heuss 1951 nicht erklären, als ihm als erster Deutscher der "Große Verdienstkreuz der BR Deutschland" überreicht wurde.
Die meisten der im NS-Staat tonangebenden, aktiven oder auch nur mitlaufenden Kulturschaffenden hatten keinerlei Probleme, im Nachkriegs-Westdeutschland oder Nachkriegs-Österreich weiterhin Karriere zu machen - von wenigen (temporären) Ausnahmen wie Furtwängler oder Johst abgesehen. In der DDR war man in dieser Hinsicht ein wenig strenger. Außerhalb Deutschlands / Österreichs hatten ehemals Nazi-sympathisierende Künstler schon eher Probleme, wieder Fuß zu fassen: Atterberg in Schweden, Mengelberg und Koetsier in den Niederlanden, Sinding in Norwegen war zur Zeit der deutschen Besatzung bereits beginnend dement. Florent Schmitt in Frankreich bekam interessanterweise weniger Probleme. Unter Bundes-Verdienstkreuzträgern befinden sich Wehrmachts-Angehörige und Diktatoren. Ein NSDAP-Mitglied und ein Wehrmachts-Offizier wurden deutsche Bundekanzler, ein Wehrmachts-Angehöriger wurde Bundespräsident Österreichs. Adolf Hitler war bis weit gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts Ehrenbürger in vielen deutschen Städten - ist es vereinzelt bis heute.
Die Diskussion hier ist nicht neu. Und doch: die Märchen von Gut und Böse glaubt man irgendwann, nachdem man sie sich lang genug selbst erzählt hat.
Welche Signifikanz hat die Erwähnung, inwieweit ein Künstler mit dem Nazi-Regime verbunden war, im Hinblick auf sein / ihr Schaffen?
Ein weiterer Profiteur und Mitläufer war der "gottbegnadete" Harald Genzmer. Im Nachkriegs-Deutschland ein angesehener Hochschullehrer und aufgeführter Komponist.
Seine menschliche und weltanschauliche Integrität sei dahingestellt - seine 4. Sinfonie ist spannende, gut geschriebene Musik. Aufhorchen lassen der freie Geist, die erfrischende Erfindungskraft und die auf Kontraste setzende Instrumentation, so beispielsweise der prominente Einsatz des Xylophons im dritten Satz. Der langsame vierte Satz ist ein spannendes Kaleidoskop kontrastierender Stimmungen. Im turbulenten Schlußsatz werden alle Geschütze moderner Instrumentationskunst aufgefahren. Ob sie mit dem internationalen Standard von 1990 mithalten können? Die Antwort bleibt offen. Die Frage, ob dies einem Alt-Nazi zusteht, ist - die Musik betreffend - irrelevant.
Harald Genzmer
Sinfonie Nr. 4
Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz - Theodor Guschlbauer (CD, Thorofon, 2000, AD: 1998)
Maurice inaktiv (15.08.2025, 22:39): Die Diskussion hier ist nicht neu. Und doch: die Märchen von Gut und Böse glaubt man irgendwann, nachdem man sie sich lang genug selbst erzählt hat.
Welche Signifikanz hat die Erwähnung, inwieweit ein Künstler mit dem Nazi-Regime verbunden war, im Hinblick auf sein / ihr Schaffen? Ich habe hier keine Diskussion angefangen, sondern nur den Lebensweg nachgezeichnet. Du sitzt in der Schweiz, da mag man das vielleicht insgesamt etwas anders betrachten. Ich habe diesen Leuten weder ihr Können noch sonst irgendwas abgesprochen, geschweige denn, etwas unterstellt.
Ein weiterer Profiteur und Mitläufer war der "gottbegnadete" Harald Genzmer. Im Nachkriegs-Deutschland ein angesehener Hochschullehrer und aufgeführter Komponist. Du hast Werner Egk oder Carl Orff vergessen. Und Orff wurde in der ehemaligen DDR auch gespielt. Herbert Kegel etwa, hat sich dort sehr für dessen Werk eingesetzt.
Ausnahmen wie Furtwängler oder Johst abgesehen. Auch Herbert von Karajan oder Karl Böhm gehörten dazu. Robert Heger, der ebenfalls erfolgreich im 3.Reich agierte, kam trotz NSDAP-Mitgliedschaft ungeschoren davon. Schon seltsam.
Ich möchte da keine Debatte eröffnen, aber es gehört in die Biographien dazu. Jeder Erwachsene kann dann selbst entscheiden, wie diese Informationen verarbeiten möchte.
Sfantu (15.08.2025, 22:49): Egk und Orff habe ich keineswegs vergessen - welcher Gedanke führt zu dieser Erkenntnis? So wenig wie Höller, Pepping und Andere. Aber zu glauben, man sei fein raus, weil man ein Bundestverdienstkreuz am Revers trägt, bedeutet soviel, wie an ein Nachkriegsdeutschland als einen Ort von Honig, Einhörnern und Regenbögen zu glauben.
Maurice inaktiv (15.08.2025, 23:27): Aber zu glauben, man sei fein raus, weil man ein Bundestverdienstkreuz am Revers trägt, bedeutet soviel, wie an ein Nachkriegsdeutschland als einen Ort von Honig, Einhörnern und Regenbögen zu glauben. Das mag sein, aber 1951 war das mit Sicherheit nicht üblich.
Sfantu (15.08.2025, 23:28): Außerhalb Deutschlands / Österreichs hatten ehemals Nazi-sympathisierende Künstler schon eher Probleme, wieder Fuß zu fassen: Atterberg in Schweden, Mengelberg und Koetsier in den Niederlanden, Sinding in Norwegen war zur Zeit der deutschen Besatzung bereits beginnend dement. Florent Schmitt in Frankreich bekam interessanterweise weniger Probleme. Sutermeister in der Schweiz hatte ich vergessen.
Ich habe hier keine Diskussion angefangen, sondern nur den Lebensweg nachgezeichnet.
Du hattest das Bundesverdienstkreuz erwähnt. Es geht um die Verwicklung eines Individuums in ein totalitäres System. Wenn dieses Individuum einen Verdienstorden im rechtsnachfolgenden demokratischen System erhält, öffnet dieser Umstand eine potentielle Diskussion um seine Person, seine Integrität. Zu glauben, jemand, der in der Nachkriegs-Bundesrepublik einen Verdienstorden erhielt, sei ein Beweis für Integrität und einwandfreien Leumund... sorry - aber da sind wir im Bereich der Mythen.
Maurice inaktiv (16.08.2025, 10:44): Du hattest das Bundesverdienstkreuz erwähnt. Es geht um die Verwicklung eines Individuums in ein totalitäres System. Wenn dieses Individuum einen Verdienstorden im rechtsnachfolgenden demokratischen System erhält, öffnet dieser Umstand eine potentielle Diskussion um seine Person, seine Integrität. Zu glauben, jemand, der in der Nachkriegs-Bundesrepublik einen Verdienstorden erhielt, sei ein Beweis für Integrität und einwandfreien Leumund... sorry - aber da sind wir im Bereich der Mythen. Da sind wir schlicht und ergreifend anderer Meinung. Es geht um das Jahr 1951, wäre es 5 oder 10 Jahre später gewesen, hätte ich es vermutlich anders gesehen. Ich habe doch recht viel über die Nachkriegszeit in Deutschland gelesen, daher sehe ich es anders als Du.
Joe Dvorak (16.08.2025, 12:45):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 12 As-Dur, op. 26
Wilhelm Backhaus (1950)
Sfantu (16.08.2025, 22:26): Da sind wir schlicht und ergreifend anderer Meinung. Es geht um das Jahr 1951, wäre es 5 oder 10 Jahre später gewesen, hätte ich es vermutlich anders gesehen. Ich habe doch recht viel über die Nachkriegszeit in Deutschland gelesen, daher sehe ich es anders als Du. Du hast meine Kommentare nicht verstanden. Aber egal.
Charlotte Seither
"Playing both ends towards the middle" 9'16 "Merging strain" 15'30 "Equal ways of difference" 14'53 für Klaviertrio
elole-Klaviertrio (CD, Wergo, 2013)
Meine Lieblingsgattung in der Kammermusik. Seither schafft es, trotz herausfordernder Konzeptionen zu fesseln. Die Musik lebt von Kontrasten des Unerwarteten mit dem Unerwartbaren. Fast schon lyrisch anmutende, sanft und meditativ gleitende, fließende Passagen wechseln mit schroffen, provozierenden Klangballungen ab. Insbesondere "Merging strain" hat bleibende (also nachhaltige) Qualtiät. Interpretationen auf der Stuhlkante und ohne doppelten Boden. Ein Erlebnis!
Maurice inaktiv (17.08.2025, 08:25):
Emilie Mayer : Sinfonien Nr. 4 (1851 - Rekonstruktion der Orchestestrierung durch Andeas Tarkmann 2022) & 6 (1853)
NDR Radiophilharmonie , Jan Willem de Vriend
FonoForum 05/2025: »Die 1812 im mecklenburgischen Friedland geborene Emilie Mayer hatte Charme, Witz und viel Fantasie. Und sie verstand ihr Handwerk! Nichts läuft bei ihr schematisch ab, jede Sinfonie hat ihren eigenen Charakter. Die hier präsentierte Vierte ist nur in der Klavierfassung zu vier Händen überliefert, Andreas N. Tarkmann hat sie exzellent neu orchestriert. In beiden Werken fallen die ungeheure rhythmische Energie und die zwingend zugespitzten thematischen Verläufe auf.«
»Welcher Verlust es war, dass die Werke des ›weiblichen Beethoven‹ vergessen wurden, machen Mayers vierte und sechste Sinfonie - romantisch, eigenwillig und elegant - offensichtlich. Mayer war nicht Beethoven. Nicht Mendelssohn. Sie braucht kein Musik-von-Frauen-Getto, keine Quote. Sie schrieb großartige Musik.« (Welt am Sonntag, 13.4.25)
Ich umschreibe meine Hörendrücke mal so: Das Ganze klingt zärtlicher, weicher als etwa Beethoven oder Carl Maria von Weber schrieben, irgendwie mit einem Augenzwinkern, mit dem sie klar machte, dass sie eben NICHT der "weibliche Beethoven" ist, sondern diesen kannte, aber ihren eigenen Weg gehen wollte. Da klingt in meinen Ohren manchmal eher die Melodien-Qualität eines Mozart mit an, natürlich auch Beethoven, aber zumindest in der Vierten nicht so deutlich wie etwa bei Ferdinand Ries in seinen Sinfonien, in der Sechsten dagegen am Schluss doch recht deutlich.
Mayer schrieb insgesamt 8 Sinfonien, ein Klavierkonzert, 15 Konzertouvertüren, 12 Streichquartette, ein Singspiel und diverse Klavierwerke. Viele ihrer Werke gelten als verschollen, so etwa die 5. und 8. Sinfonie.
Philidor (17.08.2025, 12:01): Hier wieder die Fantasien eines Wanderers.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Alexander Melnikov, Fortepiano von Alois Graff, about 1828-35 aufgenommen 2017
Viviana Sofronitzky, Fortepiano nach Conrad Graf, Op. 318 (1819) von Paul MacNulty aufgenommen Juli 2010
Nach gut 15 Aufnahmen meine ich:
Das Spektrum der Ansätze ist deutlich enger als etwa bei der Waldstein-Sonate, die Unterschiede zwischen den Aufnahmen spielen sich in einem wesentlich engeren Rahmen ab. Jeder Versuch, das Werk „nicht außergewöhnlich“ darzubieten, scheiterte. Das Ausnahmewerk innerhalb Schuberts Klavierschaffen fordert offenbar einen Ausnahmezugang. Ähnliches kennen wir von der Appassionata. Der Versuch, die Fantasie „überlegt“, „wohlgeordnet“, „fein ausgehört“ zu präsentieren, verleugnet wesentliche Eigenschaften. Alexander Melnikov liefert eine solche Ausnahmedarbietung. Toll. Viviana Sofronitsky leider erst in der Fuge. Die geht dann dafür so richtig ab ... hätte sie das Werk von Anfang an so präsentiert ...
Joe Dvorak (17.08.2025, 13:40):
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 12 As-Dur, op. 26
Daniel Heide (2001) // Andrea Lucchesini (1999-2004 Zyklus)
Nach dem ersten Drittel des Beethoven-Doppelmarathons das kurze Zwischenfazit eines weder ausgesprochenen Beethoven- noch Soloklavier-Fans. Diese zuletzt gehörte ist mein Favorit unter den ersten Zwölf. Die Pathétique ist natürlich ein Reißer und folgt auf dem Fuß, Opus 10/1 dahinter. Opus 14/1 hat seine Momente, insbesondere der erste Satz. Doch ich bleibe dabei: Die frühen haben ihre Qualitäten, aber es gibt zu viel andere gute Musik, unter anderem die späteren Sonaten, als dass ich – außer zu den genannten – häufig darauf zurückkommen werde. Da gebe ich mir lieber mal wieder Stockhausens Klavierstücke I–XI mit Sabine Liebner oder Cages Music of Changes mit Martine Joste.
Was die Quartette angeht, sehe ich das genau so wie bisher. Opus 18 kann Opus 76 des Lehrers nicht das Wasser reichen. Wenn man mich fragt, was an wirklich bleibenden Eindrücken hängen geblieben ist (und ich habe jedes mindestens 3 mal gehört), dann lautet die Antwort: Die ersten Takte von Nummer 1. Aber was für eine grandiose Entdeckung ist das Chiaroscuro Quartet! Allein dafür hat sich die investierte Zeit gelohnt.
Philidor (17.08.2025, 13:43): Opus 18 kann Opus 76 des Lehrers nicht das Wasser reichen. Pssst ...!
Aber Nr. 5+6 sind schon richtig gut, oder?
Joe Dvorak (17.08.2025, 13:47): Opus 18 kann Opus 76 des Lehrers nicht das Wasser reichen. Pssst ...! Aber Nr. 5+6 sind schon richtig gut, oder? Aber 76/5 und 76/6 noch einen Ticken besser? Hm, da lasse ich zur Überprüfung nochmal Chiaroscuro gegen Chiaroscuro antreten.
Philidor (17.08.2025, 14:11): Fairerweise könnte man einwenden, dass Haydn zum Zeitpunkt von op. 76 bereits 65 Jahre alt war, Beethoven jedoch nur 28 bis 30 Jahre, als er sein op. 18 schrieb.
In diesem Alter schrieb Haydn sein op. 1, das gegen Beethovens op. 18 vielleicht nicht ganz so stark wirkt. :)
Maurice inaktiv (17.08.2025, 14:58):
Bibi Black : Russische Trompetenkonzerte (Alexander Arutiunian : Trompetenkonzert, Alexandra Parkhmutova : Trompetenkonzert , Moisei Vainberg : Trompetenkkonzert in B-Dur , op. 95)
Bibi Black (Trompete) & Moskauer KO, Constantine Orbelian
Wenn man einen "Blindford-Test" mit diversen Trompetern und deren Konzerteinspielungen machen würde, käme vermutlich nur ein absoluter Experte hier auf die doch wenig bekannte Bibi Black.
Black , Jahrgang 1965, wurde zwei Tage nach ihrem Abschluss am Curtis Institute for Music 2.Trompeterin im berühmten Philadelphia Orchestra. Sie war damit die erste Trompeterin im Orchester und die zweite Blechbläserin des Orchesters überhaupt. Insgesamt ist wenig bekannt geworden über sie. Es gibt wohl drei Einspielungen bei EMI und jene hier auf Chandos.
H. Lück in KLASSIK heute 1/01: "Die Darstellung dieser Stücke ist von Seiten der amerikanischen Solistin Bibi Black elegant und virtuos; das Moskauer Kammerorchester verrät noch heute die "eiserne" Disziplin der Lehrjahre bei Rudolf Barschai und bietet auch mit Constantine Orbelian am Pult eine untadelige Leistung."
Während das Trompetenkonzert von Arutiunian inzwischen absolut etabliert ist in der Klassik, sind die anderen beiden Konzerte und die Variationen eher noch unbekannt. Arutiunians Konzert wurde 1950 für den damaligen Solo-Trompeter des Bolschoi-Theaters von Moskau, Timofeij Dokshitzer geschrieben, der in etwa als "der Maurice André des Ostens" bekannt wurde. Es ist mit einigen Anleihen an den Jazz geschrieben worden und recht rhythmisch angelegt teilweise. Der zweite Satz allerdings gehört vielleicht zum melodisch Schönsten, was im 20.Jahrhundert geboten wurde (meine Meinung). Es ist das letzte Trompetenkonzert, was ich mit meinem damaligen Lehrer noch einstudieren konnte, der ein Freund Dokshitzers war und (damals eine Sensation) eine original Melodiya Einspielung von diesem selbst geschenkt bekommen hatte, die es damals hier nicht zu kaufen gab. Das Werk ist letztendlich tonal gehalten.
Alexandra Parkhmutova (auch Pachmutova geschrieben, *1929) ist vor allem als Komponistin für Kinderlieder, Schlager und Filmmusiken in der ehemaligen UDSSR und später Russland bekannt geworden. Dort hatte sie auch eine führende Position als Sekretärin des Komponistenverbandes der UDSSR inne und 1980-1990 Abgeordnete des Obersten Sowjets RSFSR. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen in ihrem Land. Ihr Trompetenkonzert würde ich als stark russisch geprägtes Gegenstück zu jenem Arutiunians, doch wie dessen Konzert tonal gehalten. Sie vertrat eine typisch konservative, russische Linie, die von Miaskowski, Rachmaninov und dem russischen Liedgut geprägt wurde.
Mieczyslaw Weinberg (auch Mossei Vainberg oder Wijnberg geschrieben; 1919-1996) wurde in Warschau/Polen geboren) musste 1939 als Jude Hals über Kopf nach Minsk fliehen, während seine restliche Familie ermordet wurde. 1941, nach dem Überfall auf Russland, ging die Flucht nach Moskau und dann nach Taschkent weiter fliehen. Er schrieb insgesamt 22 Sinfonien (die Letzte blieb unvollendet) und 1966/67 schrieb er sein Trompetenkonzert. Es dürfte eines der wichtigsten Trompetenkonzerte des 20.Jahrhunderts gewesen sein, dass geschrieben worden ist. Umso erstaunlicher ist. dass meines Wissens nur wenige hochkarätige Trompeter dieses Werk eingespielt haben, wenn ich das so richtig gesehen habe. Selina Ott gehört von der jungen Generation immerhin dazu.
Joe Dvorak (17.08.2025, 15:32): Fairerweise könnte man einwenden, dass Haydn zum Zeitpunkt von op. 76 bereits 65 Jahre alt war, Beethoven jedoch nur 28 bis 30 Jahre, als er sein op. 18 schrieb.
In diesem Alter schrieb Haydn sein op. 1, das gegen Beethovens op. 18 vielleicht nicht ganz so stark wirkt. :) :thumbsup:
Maurice inaktiv (17.08.2025, 16:42):
Richard Stöhr; Orchestermusik Vol. 2 (Sinfonie Nr.1, in a-Moll, op. 18 (1909) & Suite Nr.1 , C-Dur, op. 8, für Streichorchester) AD: 2022
Sinfonia Varsovia , Ian Hobson + Piotr Wilczynski (Orgel)
Stöhr studierte zuallererst aber Medizin und promovierte auch 1898. Im 1.Weltkrieg arbeitete er als Arzt in einem Wiener Krankenhaus.
Ich habe vorher noch kein Werk dieses Komponisten gehört, aber seinen Namen immer mal wieder gelesen, wenn es um bekannte Dozenten/Professoren in Wien ging. Darunter war auch Richard Franz Stern , den man allgemein als Richard Stöhr (1874-1967) kennt. Immerhin war er von 1900-1938 Lehrer für Musiktheorie, Kontrapunkt und musikalische Formenlehre an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in seiner Heimatstadt Wien tätig. 1915 wurde er dort Assistenz-Professor, ab 1924 Professor. 1938 wurde er (der Jude war) zwangspensioniert.
1938 wanderte er in die USA aus und lehrte am Curtis Institute for Music bis 1941, anschließend bis 1950 am Saint Michael's College in Vermont.
Unter seinen Schülern befanden sich so illustre Namen wie Herbert von Karajan, Rudolf Serkin, Erich Leinsdorf, Samuel Barber, Artur Rodzinski, Marlene Dietrich, Alois Haba und Leonard Bernstein. Stöhr war einer der zahlreichen Schüler, die der bekannte Dozent und Komponist Richard Fuchs unterrichtete.
Stöhr schrieb 7 Sinfonien, 4 Suiten, 2 Opern, ein Oratorium, jeweils ein Konzert für Violine und Trompete, 41 Stücke für Kammermusik, 166 Lieder und 34 Stücke für Klavier, so das informative, aber nur in englischer Sprache vorhandene Booklet.
Die beiden Werke verweisen auf Mahler, Bruckner, Korngold und Franz Schmidt. Gerade DIESE beiden Werke habe ich sehr genießen dürfen. Der zweite Satz der Suite (Andante) ist an Melodiösität kaum zu übertreffen, die Sinfonie würde man gerne ich gerne mal im Konzertsaal hören. Die Sinfonie hat mich sehr ergriffen gemacht, um andererseits wieder Melodien zu hören, die man glaubt zu kennen oder erkennen. Dabei wirkt alles weder gestelzt noch plakativ.
Philidor (17.08.2025, 18:26): Hier wird wieder gewandert.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Herbert Schuch bietet einen kontrollierten Zugang zum Werk. Sehr schön durchgezeichnet, doch mir fehlt da Wesentliches.
Matthais Kirschnereit zeigt von Anfang mehr Dringlichkeit, aber auch den Wunsch, die eine oder andere Blume am Wegesrand ausführlicher zu würdigen, als es dem Zusammenhalt des Werks gut tut – natürlich nur meiner Meinung nach.
Philidor (18.08.2025, 07:54): Weiter, nur weiter.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Paul Lewis, Klavier aufgenommen Dezember 2011/März 2012
András Schiff, Klavier aufgenommen Dezember 1998
Schiff liefert den (freilich subjektiven) Beweis meiner Annahme, dass ein Pianist, der die Fantasie benutzt, um sich als sensibler Gestalter des Augenblicks zu zeigen, das Werk verliert. Von Anfang an kraftlos und schwach, aber mit einem so reichen Innenleben ... nicht einmal in der Fuge wird es irgendwie wesentlich … ein grandioses Missverständnis, meine ich.
Bei Lewis hat das Werk die Dringlichkeit dessen, das unbedingt gesagt werden muss. Großartig, ein großer Bogen von Anfang bis Ende.
Joe Dvorak (18.08.2025, 17:22):
John Dowland - Lachrimae, or Seaven Teares (komplett mit 14 weiteren Pavans, Gailards & Almands, 1604)
Musicall Humors
Diese eindringliche Musik habe ich viel zu lange nicht mehr gehört. Die relativ neue Interpretation der Humoristen (mit Laute und fünf Gamben) balanciert die dem Werk innewohnende Melancholie mit einem gesunden Maß an Verspieltheit aus. Das gefällt mir ganz ausgezeichnet.
Philidor (19.08.2025, 07:54): Formen des Wahnsinns.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Jewgeny Kissin aufgenommen im Dezember 1990
Anatol Ugorski Aufgenommen im September 1992
Jewgeny Kissin bietet einen außergewöhnlichen Zugang. Er spielt die Fantasie leicht durchgeknallt, jedenfalls im ersten Teil, zwischen Euphorie und Depression, und es funktioniert! Die plötzlichen Ausbrüche, dann wieder die Rückzüge in die Intimität, sie erhalten ein neues Framing. Eben nicht durch Einordnung in einen wilden Ritt nach vorne, sondern durch Stehenlassen der Gegensätze, durch plötzliches Wegkippen einer Stimmung in ihr Gegenteil. Das passt prima zum Notentext. Dann im Adagio tausendundeine Schattierungen des Pianissimo und eine pianistisch hinreißende Fuge, die so klingt, als ob Schubert sich in den Wahnsinn der Welt mit voller Energie ergeben wollte – wenn es denn eben nicht anders geht. (Noch?) nicht meine Lieblingsaufnahme, aber eine, die mich überzeugt.
Anatol Ugorski ist von Anfang bedächtiger unterwegs. Wieder so eine wunderbar detaillierende Aufnahme, stellenweise verträumt schon im ersten Teil, alles ganz herrlich und mit herzerwärmender Sensibilität. Ganz verinnerlicht dann das Adagio, was in das Konzept ausgezeichnet passt. Unglaublich dann die Fuge mit angezogener Handbremse. Man könnte auf Glenn Gould raten. - Am Werk vorbei, meine ich. Schön zum einmal hören.
Maurice inaktiv (20.08.2025, 09:14): #809
Zygmunt Noskowski: Orchesterwerke, Vol. 2
Polisches RO , Lukas Borowicz
Neben den beiden ersten Sinfonie haben die beiden Folgen von Sterling auch noch insgesamt vier weitere Werke für Orchester parat. Ausgesprochen schöne Werke, alle natürlich im Stil der Romantik, aber fein orchestriert und auch eingespielt.
Joe Dvorak (20.08.2025, 13:42): Formen des Wahnsinns.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Jewgeny Kissin Die Wandererfantasie (Brendel, gekoppelt mit D. 960) war eine der drei ersten Klassik-CDs, die angeschafft wurden, nachdem Philips mit dem CD 115 anno 1992 einen erschwinglichen Volksplayer auf den Markt gebracht hat. Als die Sammlung angewachsen war, wurde die bald zum Regalhüter und ich habe das Werk seitdem nicht mehr gehört. Diese Besprechung hat mich neugierig gemacht, es mal wieder zu versuchen, und ja, Kissin ist der Wahnsinn. :times10
Philidor (20.08.2025, 16:21): und ja, Kissin ist der Wahnsinn. :) Für einen DG-Künstler fast schon ein bisschen unanständig ... mit Tendenz zum Fremdschämen ...
Maurice inaktiv (21.08.2025, 07:53):
Johannes Brahms : Brahms by Arrangement , Vol. 2 (Arr.: Robin Holloway)
BBC_SO , Paul Mann
Über Sinn oder Unsinn dieser Arrangements lässt sich bekanntermaßen streiten, aber mir hat das Ganze gut gefallen. Ich kenne keines der Originalwerke, daher fehlen mir die eh hinkenden Vergleiche, aber gerade die "Sonate für zwei Klaviere, op. 34a" zur Sinfonie in f-Moll finde ich nicht als ein arrangiertes Werk. Es klingt alles völlig natürlich und wie eine 5.Sinfonie von Brahms.
Philidor (21.08.2025, 07:59): Und noch eine.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Maurizio Pollini, Klavier
Pollini breitet das Werk mit unglaublicher Klarheit aus. Da gibt es keine Zweiunddreißigstel, die nicht fein abgewogen oder unpräzise platziert wäre. Eine Reinschrift sondergleichen.
Richtig ist auch, dass diese Wiedergabe enorm abgezirkelt wirkt. Ein Kontrollfreak am Werk. Ich wage es angesichts des Ikonenstatus der Aufnahme kaum zu schreiben: Hat Schubert das wirklich so gemeint? Ist denn nicht das Gedicht „Der Wanderer“ bzw. (alternativer Titel) „Des Fremdlings Abendlied“ von Georg Philipp Schmidt von Lübeck aus dem Jahre 1821 bereits Beschreibung eines existenziellen Ausnahmezustands, wenn nicht gar als kaum chiffrierter Protest gegen das Metternich-Regime lesbar? Und fühlte sich Schubert nicht von dieser Thematik angezogen? So sehr, dass er erst das Lied komponierte, seine einzige Vertonung eines Textes von Lübeck, und dann im November 1822 die Wanderfantasie folgen ließ?
Bei aller Wertschätzung der ungeheuren pianistischen Leistung, die in puncto Klarheit, Struktur und Präzision wohl kaum zu übertreffen ist, scheint mir die werkimmanente Dimension des Existenziellen in dieser Wiedergabe zu fehlen.
Philidor (22.08.2025, 08:22): Weiter geht's ... das Wandern ist des Schuberts Lust ...
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Murray Perahia, Klavier
Schön aber harmlos.
Maurice inaktiv (22.08.2025, 10:01):
Gerald Finzi : Dis Natalis, Prelude for String Orchestra, The Fall of the Leaf, Nocturne, etc.
Bournemouth SO, David Hill + James Gilchrist (Tenor)
Ich kannte "Dies Natalis" nicht, aber Finzi durch sein Klarinettenkonzert (Robert Plane, Naxos) und dem Cellokonzert (Tim Hugh), sowie der auf diesen beiden CDs vorhandenen Werke immerhin etwas. Dass ich kein allzu großer Freund des klassischen Gesanges bin, dürfte bekannt sein inzwischen. Daher war ich gespannt, was mich erwarten würde.
Das ist schon ein beeindruckendes Werk, und ich bin mir sicher, dass James Gilchrist der Richtige für dieses Werk ist, aber es ist nicht meine Welt. Die beiden "Sonnets" haben mir besser gefallen, auch die reinen Orchesterwerke sind Entdeckungen gewesen. Daher kann ich mich nicht beschweren.
Philidor (22.08.2025, 16:34): Man kempfft sich durch.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Wilhelm Kempff, Klavier aufgenommen 1967 (?)
Noch so eine kontrollierte Aufnahme. Im Scherzo-Abschnitt leider auch noch eher lasch. Und doch - wem Kempffs Beethoven-Aufnahmen gefallen, der könnte auch diese lieben.
Philidor (22.08.2025, 19:08): Aristokratisch. Und darum am Werk vorbei. Meine ich.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Artur Rubinstein, Klavier
Sehr gemessenen Schrittes wandert Rubinstein durch das „Allegro con fuoco, ma non troppo“. Wie viel „Allegro con fuoco“ wäre „troppo“? Und wenn es so ruhig wäre, dass vom „fuoco“ nichts mehr übrigbliebe, wie bei Rubinstein, wäre es dann „richtig“?
Der Beginn des Adagios bringt kaum eine Tempoveränderung … nuff said. Nicht ganz. Das Adagio ist wohl der Höhepunkt der Aufnahme. Herrliches Mini-Rubato, irgendwo zwischen Mozart und Chopin, der Zauber der Andeutung. Dazu fein abgestufte Versionen von pianissimo. Alles mit Contenance – das ist wohl die Attitüde, die mit dem Kopfsatz verbindet. Und mit dem Scherzo-Abschnitt und mit der Fuge.
Ich denke an die Geschichte, wo ein Vater mit seinem Sohn in den Plattenladen geht. Er greift nach einer Platte mit Artur Rubinstein. Der Sohn sieht das Cover und fragt: „Papa, ist das der liebe Gott?“ – „Aber nein, mein Sohn, das ist doch nur ein Pianist“.
Mit einer derart beherrschten, distinguierten Wiedergabe ist dem Werk nicht beizukommen ...
Philidor (23.08.2025, 07:51): Wow!
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Leon Fleisher, Klavier
Fleisher bringt die existenziellen Aspekte des Werks auf den Punkt. Kein Herumästhetisieren. Großartig.
Joe Dvorak (23.08.2025, 12:46):
John Dowland - Lachrimae, or Seaven Teares (komplett mit 14 weiteren Pavans, Gailards & Almands, 1604)
Elisabeth Kenny, Phantasm
Bei der letzten Begutachtung von 13 Aufnahmen stand mir diese mit Auszeichnungen und Kritikerlob reichlich gesegnete Einspielung nicht zur Verfügung. Nun konnte ich sie hören, aber meine Favoriten bleiben das Hathor Consort mit Romina Lischka.
Maurice inaktiv (24.08.2025, 08:11):
Ernest Chausson: Sinfonie B-Dur, op. 20 Jacques Ibert: Escales & Divertissement
Dallas SO, Eduardo Mata
Eduardo Mata läuft weit unter dem Radar hindurch, dabei war er ein glänzender Dirigent, der gerade auch zur französischen Musik eine große Affinität hatte. Mata war Schüler von Chavez und Orbon gewesen, studierte Dirigieren bei u.a. Erich Leinsdorf und Komposition bei Gunther Schuller in den USA. Er selbst schrieb u.a. drei Sinfonien, wurde aber vor allem als Dirigent das Dallas Symphony Orchestra bekannt, dessen Chef er 1977-1993 war. Mata verstarb tragisch bei einem Flugzeugabsturz. Er selbst flog die Maschine, die eine Notlandung nicht heil überstand.
Maurice inaktiv (24.08.2025, 10:34):
Alexander von Zemlinsky : Sinfonietta, op. 23 & Die Seejungfrau (Fantasie)
New Zealand SO, James Judd
AvZ ist immer wieder wert gehört zu werden. Hier sind ein Werk aus dem Jahre 1934 (Sinfonietta) und aus dem Jahre 1902/03 vereint.
Philidor (25.08.2025, 08:06): Eulen nach Athen ... eine der ganz großen Aufnahmen des Werks. Gegenmeinungen?
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Svjatoslav Richter, Klavier
Und er bringt die existenziellen Aspekte nachvollziehbar heraus. Ok, er macht keine zweite Appassionata aus dem Stück, aber das ist schon sagenhaft gut.
Maurice inaktiv (25.08.2025, 08:33):
Hermann Hans Wetzler : Orchesterwerke (Visionen, op. 12 & Assisi - Legende für Orchester, op. 13)
Aus Anregung aus einem anderen Forum hier nun auch die mustergültig aufgenommene CD mit den beiden Werken von Hermann Hans Wetzler.
Wetzler, geboren 1870 in Frankfurt am Main, hatte böhmische-jüdische Wurzeln. Kurz nach seiner Geburt wanderte die Familie in die USA aus. Ausgebildet als Bratscher, Pianist und Organist, war er vor allem rund um New York gut bekannt und vertreten. Doch ab 1904 nahm seine Laufbahn als Kapellmeister in Deutschland Fahrt auf. So war er u.a. in Hamburg, Elberfeld, Halle, Lübeck und Köln tätig. In Köln galt er als großer Konkurrent zu dem jungen Otto Klemperer. Nach einiger Zeit in der Schweiz ging er 1940 wieder in die USA zurück, weil er sich in Europa nicht mehr sicher fühlte.
Wetzler war mit Paul Hindemith und Thomas Mann bekannt. Generell fand man ihn fast immer im Umfeld bedeutender Menschen seiner Zeit oder jener Orte, in denen er gerade tätig war. Stilistisch ist er irgendwie in der Nähe von Richard Strauss einzuordnen, dem späteren Strauss allerdings. Er schrieb und orchestrierte sehr farbenreich, was man auf der CD gut hören konnte.
Philidor (26.08.2025, 08:37): Und noch zwei:
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Claudio Arrau, piano aufgenommen im Oktober 1957
Julius Katchen, piano aufgenommen Nov 1956/Jan 1957
Claudio Arrau entfaltet das Werk wie gewohnt überlegen, alles ist an seinem Platz. Wunderbar gespielt. Nur die existenzielle Diemnsion fehlt mir ...
... die gibt es dafür bei Katchen, dessen Gesamtdarstellung mir trotzdem nicht ganz so gut gefällt.
Die Aufnahmen der Wanderfantasie scheinen tatsächlich (grob) in zwei Gruppen zu zefallen. Die einen spielen das Werk als luxuriöses Klavierstück und zeigen alle seine Schönheiten. Für die anderen ist das keine Behaglichkeitsmusik, sondern Ausdruck existenzieller Not.
Dafür, dass es nicht nur "schöne Musik" ist, gibt es Anhaltspunkte im Gedicht. Zeilen wie "Die Heimath ist so fern, so fern", "Ich bin ein Fremdling überall" oder die berühmte Schlusszeile "Da, wo du nicht bist, ist das Glück!" weisen den Weg. Schubert hat erst das Lied vertont, und irgendetwas brachte ihn dazu, diese kapitale Klavierfantasie folgen zu lassen.
Es gibt mehr als nur Anhaltspunkte dafür, dass Schubert im Metternich-Regime, welches die Errungenschaften der Französischen Revolution zunichte machte, in die innere Emigration ging. Dies gilt auch für Wilhelm Müller, dessen Winterreise eventuell politisch zu deuten ist. Auch dort das Motiv der Fremdheit "Fremd bin ich eingezogen ...", die "Krähen" (das war seinerzeit die Spottbezeichnung für Metternichs Spitzel), "irre Hunde" ... wenn Schuberts spätes Schaffen tatsächlich politisch zu deuten ist, dann gehört die Wandererfantasie jedesfalls zu diesen Werken, und dann wäre eine "harmlose" Lesart unangemessen.
Philidor (26.08.2025, 19:16): Die hat das Zeug zum Klassiker.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Clifford Curzon, Klavier aufgenommen im Juni 1949
Ok, die Überschrift ist freilich Unsinn - die Aufnahme ist längst ein Klassiker. Ich wage zu behaupten, dass dies eine wunderbar klare Aufnahme ist, fast schon klassizistisch, die dem Zuhörer das Werk auf sehr verständliche und nachvollziehbare Weise präsentiert, wie ein kostbares Hochzeitskleid. Sie ist sozusagen der geistige Vorläufer von Pollinis Aufnahme. Allerdings fand Curzon offensichtlich keine existenzielle Not in dieser Musik. Dennoch war es mir eine Freude, diese Aufnahme innerhalb kurzer Zeit zum dritten Mal anzuhören.
Philidor (27.08.2025, 07:48): Ein guter Start.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Edwin Fischer, Klavier aufgenommen 1934
Die älteste Aufnahme, die ich finden konnte. (Gibt es wirklich keine Aufnahme von Schnabel?) Und Fischer zeigt die existenziellen Aspekte des Stücks. Schade, dass sein Spiel nicht makellos ist. Dennoch ein guter Anfang der Geschichte.
Maurice inaktiv (27.08.2025, 09:12):
Franz Liszt : Dante-Symphonie & A La Chapelle Sixtine AD: 1995, Live aus dem Concertgebouw Amsterdam
Nederlands Philharmonisch Orkest & Chor , Hartmut Haenchen
Das Fono-Forum schrieb in seiner Ausgabe 03/1998 damals: "Den niederländischen Philharmonikern ist eine einfühlsame, die Kontraste darstellende Interpretation zu verdanken."
Ich habe diese Aufnahme seit Jahren nicht mehr gehört. Ich habe eine Doppel-CD. Auf der ersten CD befindet sich die Faust-Symphonie mit Eliahu Inbal und RSO Berlin. Doch diese Ausgabe fand ich nicht bei JPC.
Das Orchester wurde 1985 aus dem Amsterdam Pilharmonisch Orkest, dem Utrecht Symfonie Orkest und dem Nederlands Kamerorkest gefründet. Hartmut Haenchen war von 1985 bis 2002 der erste Chefdirigent des Orchesters gewesen. Ihm folgte 2003 Yakov Kreizberg bis zu dessen plötzlichem Tod 2011. 2011-2020 war dann Marc Albrecht Chefdirigent, 2021 Lorenzo Viotti.
Philidor (28.08.2025, 07:37): Auch Lang Lang beschäftigte sich mit dem Werk. Und das öffentlich.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Lang Lang live Carnegie Hall 7. November 2003
Interessant - das Konzert begann mit Schumanns Abegg-Variationen. Wie weiland Kissin bei seinem Carnegie-Hall-Debüt. Zufall?
Nun Schubert - so chopinesk habe ich ihn nie gehört. Pianistisch bezaubernd. Nur die Fuge ist ein wenig lahm.
Philidor (28.08.2025, 09:17): Hier ist noch eine interessante ... mMn ....
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Gerhard Oppitz, Klavier aufgenommen 2013 (?)
In mancher Hinsicht erinnert mich die Aufnahme an Kempff, doch Oppitz entfaltet das Drama ungleich stärker. Und die Fuge fand ich echt stark.
Ja, der Oppitz ... zu schreiben "Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht" wäre auch irgendwie unangemessen ...
Philidor (29.08.2025, 07:31): Froonkreisch.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Bertrand Chamayou, Klavier
Hinreißend, alles, was recht ist ... erreicht vielleicht nicht die letzten Tiefen, strebt aber auch vielleicht erst gar nicht danach ...
Maurice inaktiv (29.08.2025, 23:14):
Anton Bruckner: Sinfonie Nr.1 , "Linzer Fassung" (1865/66)
Musica Saeculorum , Philipp von Steinaecker
Das Orchester kannte ich so wenig wie den Dirigenten. Nun, das Orchester spielt auf Original-Instrumenten, der Dirigent war mir ebenso unbekannt. Nun, zuerst zum Dirigenten: Von Steinaecker studierte in Wien. Dort trat er als Aushilfe u.a. mit den Wiener Philharmonikern und an der Wiener Staatsoper auf. Von Hause aus Cellist saß er u.a. im Mahler Chamber Orchestra (Gründungsmitglied), dem Lucerne Festival Orchestra unter Claudio Abbado und dem Orchestre Revolutionaire et Romantique als Solo-Cellist unter Sir John Eliot Gardiner.
Das hier spielende Orchester gründete er selbst. In ihm spielen einige Musiker des Lucerne Festival Orchesters und weiterer Orchester, die sich mit Originalinstrumenten beschäftigen. Das Orchester hat in Bozen/Südtirol seinen Sitz. Hier wird also früher Bruckner auf Originalinstrumenten gespielt. So wirklich mitbekommen habe ich es nicht, aber die Einspielung macht einen frischen und stimmigen Eindruck. Auch klangtechnisch ist das richtig gut geworden. Fazit: Kann man so machen, muss man aber nicht. Doch das Orchester spielt wirklich gut, und die frühen Werke (und auch Fassungen) werden gerne vernachlässigt, daher passt das hier gut rein.
Philidor (30.08.2025, 09:24): Noch ein Zugang - sehr fein!
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Herbert Schuch, Klavier Aufgenommen 2012
Schuch ist bei D. 760 mMn ein Sonderfall. Mit dem Ausspielen der Wunder des Werks (Pollini, Curzon u. a.) begnügt er sich nicht, doch nach individueller Notlage (Richter, Katchen, Fleisher, Edwin Fischer u. a. ) hört es sich auch nicht an. Stattdessen höre ich ein agiles, kraftvolles, im besten Sinne viriles Spiel in einem breit aufgespannten emotionalen Spektrum, das nur die Verzweiflung und Einsamkeit nicht beinhaltet. Meiner Meinung ein gültiger, weil überzeugender Zugang, sehr hörenswert vorgetragen.
Joe Dvorak (30.08.2025, 12:41): Ja, der Oppitz ... zu schreiben "Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht" wäre auch irgendwie unangemessen ... ... und doch so ganz abwegig nicht.
Nach viel Minimalismus braucht es hier jetzt mal Melos statt:
Das ist in meiner Spielliste gelandet, nachdem ich in Thomas Adès’ Dante hineinhörte, das Gehörte gefiel, Hintergrundermittlung ergab, dass dafür die Ballette von Tchaikovsky und Liszt Pate standen, ich dachte, dass die vielleicht nicht so affig sind wie wegen der Hits vorverurteilt, den Schwan quer hörte, das Gehörte gefiel und das Album für späteres Durchhören gespeichert wurde.
Maurice inaktiv (30.08.2025, 13:54):
Walter Braunfels : Divertimento, op. 42 (1929), Ariels Gesang, op. 18 (1910), Serenade Es-Dur, op. 20 (1910), Vorspiel aus "Don Gil von den grünen Hosen", op. 35/2 (1921-1923) AD: Juni 2020
ORF-SO Wien, Gregor Bühl
Walter Braunfels ist eine Entdeckung wert. Die Capriccio-Serie scheint ein Glücksfall zu sein. Auch hier wieder eine Mischung aus der Spätromantik, die er harmonisch aber bis an ihre Grenzen führte, ohne aber darüber hinaus zu gehen. Tolle Musik, wunderbar vom Orchester des ORF unter Gregor Bühl umgesetzt.
Weiter ging es mit:
Zygmunt Noskowski : Sinfonie Nr.3 , "Von Frühling zu Frühling" (1903) & Die Steppe, Symphonische Dichtung , op. 66 AD: Juni 2024, Ludwigshafen
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Antoni Wit
Das ist Spätromantik pur, aber was für eine herrliche Musik hier geschrieben wurde !! Leider bei uns völlig unbekannt. Die ganze Serie, ebenfalls auf Capriccio eingespielt, zeigt auf, welch ein großartiger Dirigent Antoni Wit doch ist. Inzwischen auch 81 Jahre jung, ist er genau der richtige Mann für die Musik seiner Heimat. Einer meiner Lieblingsdirigenten inzwischen.
Maurice inaktiv (30.08.2025, 13:56):
Jaromir Weinberger : Orchesterwerke AD: 2009
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz , Karl-Heinz Steffens
Auf der CD befinden sich sechs Orchesterteile aus der Oper "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" (1927) und die 6 böhmischen Lieder und Tänze aus dem Jahre 1929. Dazu die Ouvertüre zu "Die geliebte Stimme" aus dem Jahre 1931. Neuland für mich ist der Komponist Jaromir Weinberger. Geboren 1896 in Prag, was damals zu Österreich-Ungarn gehörte.
Weinberger, der jüdischer Abstammung war, studierte zuerst in Prag, später in Leipzig, wo er Schüler von Max Reger war. Sein bekanntestes Werk war die Oper "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" , die bereits 1927 uraufgeführt wurde. Seine Operette "Frühlingsstürme" wurde im Januar 1933 in Berlin uraufgeführt und gilt als letzte Operette der Weimarer Republik. Als kurze Zeit später die Nazis an die Macht kamen, wurde sie sofort abgesetzt.
1938 musste er nach dem Anschluss Österreichs an das Nazi-Reich über Frankreich in die USA fliehen. 1948 wurde er Staatsbürger der USA. Er blieb auch nach dem 2.Weltkrieg dort, kehrte nur immer mal wieder kurzzeitig nach Europa zurück. Er verstarb 1967 in Saint Petersburg, Florida.
Musikalisch bewegt sich das irgendwo zwischen Anlehnungen an die bald aufkommenden Filmmusiken und der böhmischen Romantik.
Maximilian Steinberg (1883 - 1946) wurde in Vilnius geboren und verstarb 1946 in Leningrad. Er zog 1901 nach St. Petersburg. Dort studierte er zunächst Naturwissenschaften, dann Musik. Seine Lehrer waren meine geringeren als Liadow, Glasunov und Rimski-Korsakov. Vor allem Letzterer war ein großer Fördere von ihm und bald auch sein Schwiegervater, denn 1908 heiratete er dessen Tochter und wurde Lehrer und ab 1915 Professor am Konservatorium von St. Petersburg, an dem er selbst studiert hatte. Von 1934-1939 war er dort Stellvertretender Direktor.
Steinbergs Stil kann man durchaus als einer der Nachfolger des berühmten "mächtigen Häufleins" ansehen. So war auch sein Stil als "russische Nationalromantik" beschreiben. Er blieb aber den musikalischen Neuerungen stets ablehnend. Er schrieb 5 Sinfonien (1905/06, 1909, 1927/28, 1933, 1942). Immerhin die beiden ersten davon nahm Järvi auf.
Philidor (30.08.2025, 14:41): Noch eine.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Matthias Kirscherneit, Klavier Aufgenommen 2011 oder 2012 (?)
Ich finde die Aufnahme nervös. Diese Nervosität mag bei D.760 sogar irgendwie angemessen sein, mich hat sie nicht überzeugt.
Philidor (30.08.2025, 15:13): Eine geht noch.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Paul Lewis, Klavier Aufgenommen Dezember 2011/März 2012 (?)
Das ist einfach eine verdammt gute Aufnahme, ich würde sie in einer Reihe mit Kissin, Richter und Pollini sehen, und alle vier haben einen eigenen, aufregenden Zugang zum Werk. Lewis gestaltet den ersten Teil mit mitreißender Dringlichkeit. Die Abgründe tun sich dann im Adagio auf. Und auch im Presto – Wahnsinn! – Bei allen widerstrebenden Emotionen bleibt die Fantasie unter seinen Händen zusammenhängend, wobei das Tempo freilich sehr unterstützt (20:30). „Existenziell“ finde ich sie nicht, eher verwandt mit Schuchs kraftvoll-virilem Ansatz. Top 5, würde ich sagen.
Philidor (30.08.2025, 16:50): Der Sommer geht seinem Ende entgegen ... auch, wenn es im November liegen könnte ...
Maurice Ravel
Rapsodie espagnole Daphnis et Chloé: Suite No. 2 La Valse Boléro
Orchestre Symphonique de Montréal Charles Dutoit
Naklar sind Munch, Monteux et al. noch ein Fitzelchen mehr auf den Punkt. Doch Klangqualität mit eingerechnet, halte ich Karlchen vom Dach immer noch für eine ausgezeichnete Aufnahme.
Philidor (30.08.2025, 19:49): Was für ein Vergnügen!
Wolfgang Amadé Mozart: Così fan tutte KV 588
Fiordiligi - Simone Kermes Dorabella - Malena Ernman Ferrando - Kenneth Tarver Guglielmo - Christopher Maltman Despina - Anna Kasyan Don Alfonso - Konstantin Wolff
MusicAeterna
Teodor Currentzis
Der "Figaro" mit Currentzis steht ungefähr seit Erscheinen bei mir im Regal und der kam mir ziemlich überdreht vor. Nun strömte diese ein - und ich finde sie hinreißend. Knaller. Eine Alternative zu René Jacobs. Und ja, hier stehen mit Mackerras, Kuijken, Gardiner, Böhm/EMI, Karajan 1955 ein paar weitere Aufnahmen. (Leider nicht Busch.) Aber für einmal hören ist diese aus Sibirien allemal die Zeit wert, meine ich.
Philidor (31.08.2025, 11:13): Ich habe Lust auf Geistliche Werke in großer Besetzung (was immer das in der jeweiligen Zeit heißt). Nicht alle auf einmal, aber nacheinander. Liste siehe unten.
Claudio Monteverdi: Vespro della Beata Vergine (1610)
Roberta Invernizzi, Monica Piccinini, Anna Simboli, Sara Mingardo Francesco Ghelardini, Vincenzo di Donato, Luca Dordolo, Gianluca Ferrarini Pietro Spagnoli, Furio Zanasi, Antonio Abete, Daniele Carnovich
Concerto Italiano
Rinaldo Alessandrini
Sehr fein.
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Mozart, Requiem (Hogwood) V Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt)
V Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VI Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) VII Mendelssohn, Elijah (McCreesh) VIII Liszt, Graner Messe (Ferencsik) IX Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (Janowski) X Verdi, Requiem (Gardiner)
XI Brahms, Deutsches Requiem (Kegel) XII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (Welser-Möst) XIII Szymanowski, Stabat mater (Rattle) XIV Poulenc, Gloria (Hickox) XV Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (Baudo)
XVI Britten, War Requiem (Gardiner) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (Boulez) XVIII Penderecki, St. Luke Passion (Wit) XIX Ligeti, Requiem (Nott) XX Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (Cambreling)
XXI Rihm, Deus Passus (Rilling)
Die Liste ist weder definitiv noch vollständig ... schaun mer mal ... und bei einem Werk pro Woche dauert's ja ein wenig.
Sfantu (31.08.2025, 13:23): Da ziehe ich gern mit. Allerdings darf es für meinen Geschmack hier und heute etwas entschlackter sein:
Johann Sebastian Bach (et al)
Apokryphe Motetten BWV Anh. 159 - 165
Alsfelder Vokalensemble - Wolfgang Helbich (CD, cpo, 1994)
Philidor (31.08.2025, 13:41): Allerdings darf es für meinen Geschmack hier und heute etwas entschlackter sein: :) Entschlackter als die unter Alessandrini solistisch besetzte Marienvesper ist allerdings eine Herausforderung ...
Philidor (31.08.2025, 15:10): In eine andere Welt gegangen im Juni 2025. Ein nordischer Sinfoniker.
Halvor Haug: Sinfonie Nr. 2 (1984)
The Norwegian Youth Symphony Orchestra (Chor nicht genannt) Karsten Andersen
Es gibt mehr Dinge in der Schule, als wir zwischen Himmel und Erde weise träumten. (Oder so ähnlich.)
Maurice inaktiv (31.08.2025, 15:16):
Bohuslav Martinu : Rhaposodie für großes Orchester (1921, H 171), Sinfonia Concertante für zwei Orchester (1932, H 219), Les Parables für großes Orchester (1957-1958, H 367), u.a.
Die CD beinhaltet Werke von 1929 bis 1958, also rund 30 Jahre Zeitunterschied. Dass Belohlavek und DAS Orchester der Tschechen dafür die richtige Kombination sind, steht wohl außer Frage. Ich habe die CD nur selten gehört, aber wenn, dann mit großer Freude, so wie heute etwa.
Maurice inaktiv (31.08.2025, 16:04):
Natanael Berg : Sinfonien Nr.4 & 5
Norrköping SO, Ari Rasilainen
Natanael Berg (1879-1957) war eigentlich Tierarzt, stammte aber aus einem hochmusikalischen Haus. Seine Eltern studierten Musik am Königlichen Konservatorium in Stockholm. Doch sie bestanden auf eine Ausbildung, die auch ein gesichertes Einkommen garantierte, so studierte er Tiermedizin und ging zum Militär. Dort wurde er 1939 als Major aus dem Dienst entlassen. Immerhin studierte er Gesang, aber nahm Kompositionsunterricht bei Johan Lindegren. Er war 1918 bis 1924 Präsident des Schwedischen Komponistenverbandes. Mit Kurt Atterberg hatte er eine rivalisierende Freundschaft, die sich durch gegenseitige Sticheleien zugleich Ansporn war etwas zu komponieren. Ab 1939 war er freischaffender Komponist.
Berg schrieb insgesamt 5 Sinfonien 1913, 1916, 1917, 1918 und 1924), war aber gerade später mehr als Opernkomponist tätig und bekannt (er schrieb 5 Opern), 3 Ballette, jeweils ein Klavier-und Violinkonzert , Balladen, Lieder und auch Symphonische Dichtungen.
Seinen Stil würde ich als spätromantisch bezeichnen.
Philidor (31.08.2025, 18:22): Hier war, getreu der Liste, noch ein Castor unterwegs.
Claudio Monteverdi
aus "Selva morale e spirituale": - Dixit Dominus secondo à 8 voci concertato - Beatus vir primo à 6 voci concertato
aus "Vespro della Beata Vergine": - Sonata sopra 'Sancta Maria ora pro nobis'
aus "Selva morale e spirituale": - Laudate Pueri primo à 5 voci concertato - Gloria in excelsis Deo à 7 voci concertata
Heinrich Ignaz Franz von Biber
Missa Salisburgensis à 53 voci
Collegium vocale 1704 Collegium 1704
Václav Luks
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Mozart, Requiem (Hogwood) V Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt)
V Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VI Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) VII Mendelssohn, Elijah (McCreesh) VIII Liszt, Graner Messe (Ferencsik) IX Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (Janowski) X Verdi, Requiem (Gardiner)
XI Brahms, Deutsches Requiem (Kegel) XII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (Welser-Möst) XIII Szymanowski, Stabat mater (Rattle) XIV Poulenc, Gloria (Hickox) XV Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (Baudo)
XVI Britten, War Requiem (Gardiner) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (Boulez) XVIII Penderecki, St. Luke Passion (Wit) XIX Ligeti, Requiem (Nott) XX Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (Cambreling)
XXI Rihm, Deus Passus (Rilling)
Die Liste ist weder vollständig noch definitiv.
Sfantu (31.08.2025, 18:24): 2x hintereinander das Cellokonzert von Frank Martin:
Pierre Fournier, Orchestre de la Suisse Romande - Ernest Ansermet (CD, Cascavelle, 1990. Konzertmitschnitt, Victoria Hall Genève, 1. Februar 1967)
Lento - Allegro moderato - Lento 8'39 Adagietto 8'04 Vivace 7'54
Jean Decroos, Het Concertgebouworkest Amsterdam - Bernard Haitink (CD, Preludio. Konzertmitschnitt, Concertzaal van Radio Hilversum, 9. Dezember 1970)
Lento - Allegro moderato - Lento 8'32 Adagietto 7'59 Vivace 7'50
Die beiden Aufnahmen bewegen sich auf Augenhöhe. Draufgängerische Virtuosität bei Decroos, dafür hat Fournier das leicht charaktervollere Timbre. Die Einspielung aus Genf ist direkter und trockener im Klang, die Amsterdamer Version klingt runder, ausgewogener. Das herrlich sperrige, düstere Werk schenkt immer wieder große Hörfreude. Im Concertgebouw kommt im Finalsatz aber auch eine gute Portion sarkastischer Humor mit dazu.
Sfantu (31.08.2025, 18:29): Bohuslav Martinu : Rhaposodie für großes Orchester (1921, H 171), Sinfonia Concertante für zwei Orchester (1932, H 219), Les Parables für großes Orchester (1957-1958, H 367), u.a.
Die CD beinhaltet Werke von 1929 bis 1958, also rund 30 Jahre Zeitunterschied. Dass Belohlavek und DAS Orchester der Tschechen dafür die richtige Kombination sind, steht wohl außer Frage. In Frage stellen kann man grundsätzlich erstmal alles. Was sollte speziell dieses Orchester und diesen Dirigenten dazu prädestinieren, für diese Musik die richtige Kombination zu sein?
Maurice inaktiv (31.08.2025, 20:19): In Frage stellen kann man grundsätzlich erstmal alles. Was sollte speziell dieses Orchester und diesen Dirigenten dazu prädestinieren, für diese Musik die richtige Kombination zu sein? Warum nicht?
Sfantu (31.08.2025, 21:46): Naja - wenn diese Kombination als die außer Frage stehend Richtige für diese Musik bezeichnet wird, frage ich nach dem Warum. Daß hier ein Spitzenorchester spielt, ist sicher uns allen klar. Das besagt aber noch nicht, weshalb es für Martinů besonders geeignet sein sollte.
Joe Dvorak (01.09.2025, 02:06): Bohuslav Martinu : Rhaposodie für großes Orchester (1921, H 171), Sinfonia Concertante für zwei Orchester (1932, H 219), Les Parables für großes Orchester (1957-1958, H 367), u.a.
Die CD beinhaltet Werke von 1929 bis 1958, also rund 30 Jahre Zeitunterschied. Dass Belohlavek und DAS Orchester der Tschechen dafür die richtige Kombination sind, steht wohl außer Frage. In Frage stellen kann man grundsätzlich erstmal alles. Was sollte speziell dieses Orchester und diesen Dirigenten dazu prädestinieren, für diese Musik die richtige Kombination zu sein? Ich hätte dazu den Vorschlag für einen passenden Avatar:
Philidor (01.09.2025, 08:10): Und nochmal.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Wenn ich nur eine Aufnahme zur einsamen Insel mitnehmen könnte, dann wäre es vielleicht diejenige mit Jewgenij Kissin.
Kissin geht über die Darstellung existenzieller Not hinaus und überschreitet die Grenze zum Wahnsinn. Von der ersten Akkorden an ist klar, dass es hier nicht um ein Alltagsgeschehen geht. Denn die Welt ist unheimlich, Abgründe lauern an jeder Ecke, man kann dem C-Dur nicht trauen. Das Adagio wird zum großen Rückzugsort. Im Presto brechen dann ungeheure Energien auf, die die lyrischen Einsprengsel wie Rückblenden wirken lassen.
Svjatoslav Richter überschreitet jene imaginäre Grenze nicht. Wut, Zorn, Verlassenheit, Verzweiflung, ja, das alles stellt er dar. Aber nicht Wahnsinn. Das Adagio ist vielleicht sogar noch abgründiger als bei Kissin, zumal in den ruhigen Abschnitten,und die Ausbrüche sind dramatischer. Packend, großartig, doch eben nicht zwischen Tag und Traum schwankend. – Versteht mich nicht falsch: Richters Aufnahme halte ich für eine der ganz wichtigen des Werkes, Top 5, wenn nicht Top 3. Richter entfesselt vielleicht sogar die noch größeren Energien im Presto. Es ist einfach ein anderer Ansatz, bei gegebenem Ausnahmezustand immer noch Herr der eigenen Sinne.
Philidor (02.09.2025, 08:11): So langsam gewinnen die Bilder an Konturen.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Maurizio Pollini, Klavier aufgenommen im November 1973
Paul Lewis, Klavier aufgenommen im Dezember 2011/März 2012 (?)
Maurizio Pollini erzählt keine Geschichte. Er breitet die Architektur des Werks aus wie einen kostbaren Teppich und zeigt die Schönheit der einzelnen Muster ebenso wie ihre Integration in das große Ganze. Ein überlegener Gestalter, vielleicht zu sehr aufs Vorzeigen fokussiert. Denn die emotionale Ausdeutung kommt bei aller Freude an der Strukturpräsentation und an der phänomenalen Pianistik für meine Wünsche zu kurz. Das klingt in meinen Ohren eher distanziert als involviert. Geschmackssache!
Pollini spielt einfach so hinreißend und entfaltet die Logik des Ablaufs derart stringent, dass genug übrig bleibt, um sich begeistern zu lassen.
Mein Wandererfantasien-Olymp hat einen weiteren Bewohner: Paul Lewis. Nach Kissins Wahnsinn, Richters empathischem Mit-Leiden und Pollinis kostbarer Strukturschau bietet er einen weiteren Ansatz, der mich voll überzeugt: Er liest das Stück kraftvoll-viril, geradezu draufgängerisch, und stellt sich den pianistischen wie emotionalen Herausforderungen mit großer Verve. Das verleiht dem Werk eine Dringlichkeit, die ich anderswo nicht höre. Sozusagen ein früher Vorläufer von Strauss‘ Heldenleben, nur ohne Verklärungs-Schluss. Wunderbar.
Philidor (03.09.2025, 07:46): Ich brauch noch ein bisschen ...
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Bertrand Chamayou, Klavier
Ich gebe zu, dass ich beim ersten Hören dieser Aufnahme ziemlich hingerissen war. Beim wiederholten Hören scheint sie mir zu verlieren. Chamayou erzählt die Geschichte der Wandererfantasie gelassen und kultiviert, vergleichsweise undramatisch. „Im Großem“ wirkt seine Wiedergabe auf mich überlegen und klar. Fündig wird Chamayou eher im Kleinen, unerwartet leise Einsätze reizen zum genauen Hinhören, kurzes Verzögern hier und da zeigt sein bevorzugtes Spielfeld der persönlichen Gestaltung. Sehr schön, hörenswert, doch es gibt interessantere Darstellungen, selbst unter den undramatischen und strukturfokussierten. Ich denke vor allem an Pollini und auch Curzon.
Joe Dvorak (03.09.2025, 08:07): Hier ist eine Wandergruppe zu acht unterwegs:
Franz Schubert - Oktett F-Dur, D. 803
Cleveland Quartet et al.
Philidor (03.09.2025, 08:12): Einer noch.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Gerhard Oppitz, Klavier Aufnahme 2013 (?)
Oppitz spielt die Härten im einleitenden Allegro con fuoco ma non troppo deutlich aus und erhöht mit kleinen Beschleunigungen hier und da immer wieder den Puls. – Im Adagio sind die subjektiven Anteile zunächst geringer gehalten, das kommt mir vor wie ein Nachhall der apollinischen Spielweise deutscher Klavierschule. Doch im bewegten Abschnitt gibt er die Beherrschung auf und entfesselt wieder starke Energien. Da klinke ich mich gerne ein! Dasselbe gilt für das meiner Meinung nach wunderbar gelungene Presto. Im Finale geht es abermals mit (relativ) verhaltener Intensität los und steigert sich dann.
Oppitz sucht und findet das Beste der strukturorientierten und emotional eher distanzierten Ansätze einerseits und der dramatischen und emotional involvierten Zugänge andererseits. Das finde ich als Idee überzeugend. Das es beim hörbaren Ergebnis vielleicht nicht ganz funktioniert, liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass die ganze Aufnahme in Hall ersäuft. Das geht zu Lasten der drastischen Anteile der Darstellung. Ich könnte mir vorstellen, dass eine weniger entfernte Abnahme des Klavierklangs mit weniger Hallanteilen die Stärken dieser Wiedergabe deutlich unterstützt hätte.
Maurice inaktiv (03.09.2025, 09:51):
Kurt Atterberg :Sinfonien Nr. 7 & 8
Malmö SO , Michail Jurowski
Hier findet man die allererste Aufnahme der Siebten überhaupt. Insgesamt eine gelungene Einspielung beider Werke, finde ich.
Übrigens gerade günstig bei JPC zu erwerben.
Philidor (03.09.2025, 19:36): Ist der Eindruck wirklich so stark tagesformabhängig?
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Herbert Schuch, Klavier Aufgenommen August 2012
Beim ersten Hören fand ich die Aufnahme sehr ordentlich, aber aiuch mainstreamig; keine existenzielle Not, kein Wahnsinn, einfach das Stück ziemlich gut gespielt (was ja schon eine feine Sache ist).
Dann fand ich sie beim zweiten Hören sehr auf der kraftvollen Seite, sozusagen auf den Spuren von Paul Lewis.
Heute dann diese Notizen:
Bei Herbert Schuch dachte ich erst, er würde auf den Spuren von Paul Lewis wandeln, auch, wenn er erst in der „Durchführung“ des Allegro con fuoco ma non troppo anfängt, die Pranke auszufahren. Doch in den folgenden Abschnitten finde ich sein Spiel gar nicht mal soooo außergewöhnlich viril und kraftvoll.
Andréjo (03.09.2025, 22:56): Deine Wertungen, Kollege Philidor, haben mir stets imponiert ob ihrer pointierten verbalen Beschreibung und dem durchaus abzuleitenden möglichen Rang der einzelnen Aufnahmen im Vergleich - was mir jetzt nicht so wichtig ist. Aber ich glaube, dass ich, alles in allem, nicht mithalten kann. Freilich mag ich mich dennoch ebenso loben: Ich bin ein offener Hörer! :P Du auch, klar.
Und doch fürchte ich, dass man Deine Ausgangsfrage oben mit ja beantworten muss. Oder anders formuliert: Welche Parameter setzt Du tagesformabhängig jeweils primär, sekundär, tertiär. Welche Einspielung hast Du zuvor zuletzt gehört? Wie genau hast Du zugehört und dabei worauf geachtet? Wie umfangreich ist die Komposition, wie komplex, wie differenziert in der Gesamtanlage und wie homogen dabei?
Es ist vielleicht noch am wenigsten problematisch, die dynamischen und den Tempi geschuldeten Kriterien zu vergleichen - und auch zu werten - von objektiven Mängeln ganz zu schweigen.
Wie hat man das Phänomen einzuschätzen, dass bei einer bedeutenden Einspielung vielleicht genau diese objektiven Mängel nicht zu leugnen sind? Ist das dann wirklich zu vernachlässigen ... wird es beim jeweiligen Hören vernachlässigt?
Und dann stellt sich immer wieder die ganz banale Frage, was ein Alltagswortschatz in welcher Präzision wiederzugeben vermag. Was heißt "kraftvoll", "viril"? Was ist "existentielle Not"?
Du wirst mich schon richtig verstehen - hoffe ich. Du hast meinen Respekt. Aber wenn diese Dinge, die so unendlich schwer messbar sind - bei Literatur, vielleicht auch bei Bildender Kunst ist es bestimmt einfacher - und wenn diese Dinge derart mehrdimensional sind - dann braucht man sich eben auch nicht zu wundern über all die krass differierenden Urteile von Experten (wobei ich ja gar nicht in Abrede stellen will, dass sich manche Experten auch nur so schimpfen ... :D ... oder vielmehr geschimpft werden. :/ :/ )
Ich fürchte, dass noch manches dazukommt an soziopsychologischer, merkantiler, gruppendynamischer Beeinflussung ...
Wie sagte einst jene Fontane-Figur - ach lassen wir's ... ^^ :) Okay, Letzteres hat sie nicht gesagt und auch nicht "Wir schaffen das!" :evil:
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (04.09.2025, 00:20): Musik hören oder spielen ist immer eine Momentaufnahme, nicht mehr und nicht weniger. Man kann sich auf bestimmte Details konzentrieren, sich als ausübender Musiker zuvor ein Bild machen der Komposition, und dann versuchen, das umzusetzen, was der Komponist versucht uns mitzuteilen, aber am Ende steht doch die Interpretation des ausübenden Musikers/Künstler selbst. Nun zur Seite des Zuhörers/Zuschauers: Er hört also nun die Interpretation von Künstler 1 , die aber nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was sich der Komponist (hier Schubert) vorgestellt hat. Doch der Zuhörer/Zuschauer hat wiederum ein anderes Musikempfinden zu diesem Zeitpunkt wie der ausführende Interpret selbst.
Das heißt aber nicht, dass Künstler 1 mit seiner Einspielung wirklich total zufrieden ist und nimmt das Stück 5 Jahre später erneut auf. Nun, 5 Jahre reicher an Erfahrungen (auch mit diesem Stück), wird er eine zumindest in bestimmten Bereichen andere Einspielung vorlegen als die 5 Jahre zuvor. Ist es etwa ein Künstler wie z.B. Leonard Bernstein, können beide Aufnahmen völlig anders ausfallen. Bei einem so hart sich den durch Proben vorarbeitenden Dirigenten wie Günter Wand werden die Unterschiede vermutlich recht ähnlich ausfallen.
Maurice inaktiv (04.09.2025, 06:18):
Carl Stamitz : 10 Sinfonien
Amadeus Ensemble
»Musikalisch ist in der Interpretation alles in bester Ordnung. Artikulation, Phrasierung und Gestik werden den Stücken vollauf gerecht.« (Fono Forum, März 2019)
Dem kann ich mich anschließen. Dieses weitgehend aus hervorragenden Hobbymusikern bestehende Ensemble aus Sachsen macht hier einen herausragenden Job. Die Werke wurden wohl alle hier zum ersten Mal überhaupt eingespielt. Entstanden dürften sie um 1770-1780 herum. Die meisten seiner rund 80 Sinfonien gelten bis heute als "verschollen", daher ist diese Doppel-CD um so erfreulicher anzusehen.
Philidor (04.09.2025, 08:01): Und doch fürchte ich, dass man Deine Ausgangsfrage oben mit ja beantworten muss. Oder anders formuliert: Welche Parameter setzt Du tagesformabhängig jeweils primär, sekundär, tertiär. Welche Einspielung hast Du zuvor zuletzt gehört? Wie genau hast Du zugehört und dabei worauf geachtet? Wie umfangreich ist die Komposition, wie komplex, wie differenziert in der Gesamtanlage und wie homogen dabei? Werter Andréjo, vielen Dank für Deine lobenden und fragenden Worte, einmal mehr rhetorisch brillant niedergeschrieben und perfekt eingeleitet mit einer captatio benevolentiae, die dann in etwas übergeht, was man fast als recusatio bezeichnen müsste!
Welche Parameter setze ich primär, sekundär, tertiär? Das erinnert mich an einen Roman, in welchem der Protagonist, ein Duell vor Augen, erwog, seinen Tertianer oder Quartaner zu schicken ... also, entgegen dem Wissen um das unausweichliche Scheitern bemühe ich mich, gleichzeitig mir meiner früheren Hörerlebnisse ("hab ich schon mal gehört") und derer Bewertung bewusst zu sein und dennoch so unvoreingenommen wie möglich zu hören. Aber anders können wir ja auch nicht ... wir können unsere Geschichte nicht ablegen, die Vergangenheit schwingt immer mit und sabbelt ungefragt dazwischen, wann und wie sie will. Da das nicht zu ändern ist, ist es auch kaum diskutierbar, und der einzig vernünftige Weg scheint mir zu sein, die Hörerfahrung mit offenen Armen anzunehmen und sich die Prägungen, so gut es geht, bewusst zu machen.
Das mit dem "genau Zuhören" scheint mir schon eher zum Kern der Sache zu kommen. Wie fokussiert bin ich wirklich, wenn ich höre? Und dann stellt sich immer wieder die ganz banale Frage, was ein Alltagswortschatz in welcher Präzision wiederzugeben vermag. Was heißt "kraftvoll", "viril"? Was ist "existentielle Not"? Spontan habe ich an Sprachmodelle gedacht - die Kommunikation der Begriffe "kraftvoll" und "viril" ist nur dann sinnvoll, wenn ich davon ausgehen kann, dass eine potenzielle Leserin, ein potenzieller Leser mit diesen Wörtern etwas verbindet, was meinen Vorstellungen hinreichend ähnlich ist. versuchen, das umzusetzen, was der Komponist versucht uns mitzuteilen Will denn der Komponist uns etwas mitteilen? Das würde ich sofort bestreiten. Wenn er uns etwas sagen wollte, dann würde er es doch besser aufschreiben, oder?
Ich halte den Kompositionsvorgang, den Vorgang der Aufführung und den Vorgang des Hörens für Resonanzphänomene. Ein Komponist hat eine Idee, die nicht so recht greifbar ist - nicht in Worten, nicht in Tönen (das mag bei Wagner anders gewesen sein, der seine Ideen vor der Texterstellung und dem Erfinden von Musik verbalisiert hat). Sie dann in Töne zu gießen, ist eventuell bereits eine Konkretisierung einer präexistenten abstrakten Idee. - Will sagen: Die Noten und die zugrunde liegende Idee sind nicht identisch, wobei beide einander sehr nahe sein können oder auch weiter entfernt. - Ob ein Komponist dabei schon daran denkt, dass jemand die Noten lesen wird ("er möchte uns etwas mitteilen"), das sei mal dahingestellt. Das kann so sein, muss aber nicht. Ligeti hat einiges für die Schublade komponiert. Das ist ein Punkt, der mich bei den Worten " ... was uns der Komponist versucht, mitzuteilen" zögern lässt.
Ein Interpret liest die Noten, sein Interesse wird geweckt. Von was? Von etwas, was dem Komponisten wichtig war? Kann sein, muss nicht. Ich würde sogar sagen: Das Werk ist in den besten Fällen größer als sein Schöpfer, da steckt mehr drin, als dem Komponisten bewusst war. Das ist ein weiterer Punkt, der mich bei den Worten " ... was der Komponist uns versucht, mitzuteilen" zögern lässt.
Der Interpret setzt sich mit dem Werk auseinander, er studiert es ein, die in Noten konkretisierte Form einer abstrakten Idee trifft auf den eventuell völlig anders gearteten Erfahrungshintergrund des Interpreten und wird zu einer Idee vom Werk, die mit der des Komponisten übereinstimmen kann oder ihr nahe sein kann, aber nicht muss. Das ist der Teil, den wir gerne als "nachschöpferische Tätigkeit" bezeichnen. Der Interpret macht - egal, wie bescheiden er herangeht - letztlich sein eigenes Ding daraus. Anders kann er auch nicht. Er ist nicht der Komponist.
Und selbst der Komponist würde sein im Alter von 30 Jahren komponiertes Werk vielleicht im Alter von 50 ganz anders aufführen, vielleicht würde er es sogar neu schreiben wollen, so dass die Frage "was wollte der Komponist?" eventuell unvollständig gestellt ist, sie müsste lauten: "Was wollte der Komponist zu welcher Zeit seines Lebens?" - Konkretes Beispiel: Widor spielte seine berühmte Toccata aus der 5. Orgelsinfonie im höheren Alter immer langsamer und erzielte damit immer größere Wirkung. Ich glaube, solche Vorgänge nennt an "Reifung", aber damit kenne ich mich nicht aus. - Von Mahler ganz zu schweigen ("Ich möchte meine Sinfonien alle fünf Jahre neu herausgeben"). Er hört also nun die Interpretation von Künstler 1 , die aber nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was sich der Komponist (hier Schubert) vorgestellt hat. Es ist mir, und ich hoffe, nach obigen Worten ist das nachvollziehbar, völlig egal, ob eine Interpretation mit dem übereinstimmt, was der Komponist sich vorgestellt hat. Erstens wissen wir häufig nicht, was der Komponist sich vorgestellt hat. Zweitens ist es doch so, und ich denke, diese Erfahrung haben wir alle gemacht, dass eine einzige Interpretation nicht alle Facetten eines (hinreichend komplexen) Werks aufzeigen kann. Der Interpret muss Entscheidungen treffen, wie er seine Darbietung anlegt - im Großen wie im Kleinen. Es gibt mehr als einen gültigen Zugang zu Meisterwerken, und wer "so und nicht anders" sagt, der lügt, egal, ob er nun Wand oder Celibidache oder Karajan oder Hänschen Müller heißt.
Drittens, und da bin ich ganz unbescheiden, geht es beim Hören um das Werk und mich. Nächster Resonanzvorgang: Was löst die Wiedergabe des Werks in mir aus? Finde ich das befriedigend, anregend, aufregend, in einer Weise, die ich irgendwie als positiv wahrnehme? Oder langweilt sie mich oder stößt mich sogar ab? Und dann, irgendwann, bei zunehmender Kenntnis des Werks hinter den Interpretationen, kann es geschehen, dass so etwas wie ein Kern hinter dem Gehörten durchschimmert. Doch dieser Kern kann verschieden beleuchtet werden, und diese Beleuchtungen sind dann wieder für sich interessant. "Das Werk" ist leider (oder gottseidank) kein fest umrissenes Ding, sondern zeigt uns je nach Blickweise andere Facetten. Die je nach Interpretation das Werk in besserem oder schlechterem Licht erscheinen lassen.
Und damit zurück zu Andréjo: Letztlich geht es gar nicht darum, etwas über die Aufnahmen zu schreiben, das gelesen werden soll. Das Schreiben ist einfach eine Übung, um mich zum Verbalisieren der Hörerfahrung zu zwingen, etwas, was ich im besten Fall in ein paar Jahren wieder nachvollziehen kann und dann eventuell staune, was für ein komisches Zeug ich damals geschrieben habe. "Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen." (H. Hesse)
Joe Dvorak (04.09.2025, 11:12): Ist der Eindruck wirklich so stark tagesformabhängig? Bei mir definitiv. Auf mein erstes Urteil verlasse ich mich nicht mehr – außer, das ist so vernichtend, dass ich mir das kein zweites Mal antun will. Dabei beobachte ich die Entwicklung von negativ/mittelmäßig zu positiv häufiger als umgekehrt, aber in der Mehrzahl der Fälle bestätigt sich doch der erste Eindruck. Die möglichen Einflüsse sind zahlreich: Wachheit/Müdigkeit, Laune, Aufnahmefähigkeit – ist der Kopf frei oder zeitigen in den Hintergrund verbannte Gedanken indirekt Einfluss? Was davor gehört wurde, kann unbewusst mitwirken und auch mit welchem Equipment gehört wird, spielt bei mir eine große Rolle. Und noch ein nicht ganz vorbildliches Beispiel: Als passionierter Trinker stelle ich fest, dass innerhalb eines kleinen Bereichs des Promillepegels vor Erreichen des Rauschzustands der Hörsinn extrem geschärft ist und die emotionale Anprache auf gute Musik direkter ist als im sauberen Zustand. Letztlich geht es gar nicht darum, etwas über die Aufnahmen zu schreiben, das gelesen werden soll. Das Schreiben ist einfach eine Übung, um mich zum Verbalisieren der Hörerfahrung zu zwingen (...) Dito! Ich habe einfach Freude am Formulieren, und das Forum ist der einzige Ort, an dem ich die deutsche Sprache noch schreibend nutze. Auch wenn ich sie grammatikalisch fürchterlich redundant finde, will ich das nicht ganz verlernen.
Andréjo (04.09.2025, 12:18): Auf mein erstes Urteil verlasse ich mich nicht mehr – außer, das ist so vernichtend, dass ich mir das kein zweites Mal antun will. Es ist zwar ein anderes Kapitel - aber vielleicht gehört es auch ein wenig hierher. Aufnahmen wie die folgende (Kälberer) trifft man nun wirklich kaum an. Üble Hochstapelei in jeder Hinsicht. Gerade die will ich mir zwar kein zweites Mal komplett antun, aber ich will sie auch nicht abschreiben - und sei es nur, um das Grauen, über das man zynisch grinsen oder lachen muss, anderen vorzuführen. Leicht möglich, dass ich es auch in diesem Forum bereits getan habe. Wäre mir aber wurscht. Die Hörproben bei jpc genügen. Ich meine indes, diese Einspielung in Anführungszeichen bereits auf youtube gesehen zu haben - müsste eigentlich so sein, denn ich besitze sie nicht, weder haptisch noch als Download. Es wäre auch ein absurder Kauf gewesen - wie gesagt allein im Widerschein der Hörproben. EDIT: Jo, issoo.
Und dazu noch so viel: Ich habe ja oben von spieltechnisch unzureichenden, aber genialen oder genialischen Interpretationen gesprochen. Damit hat jene nichts zu tun, aber ich gestehe noch einmal, dass ich eine gewisse spieltechnische Qualität auch bei uralten Produktionen schon auch für relevant halte und dass sich da Genies am Klavier wie Schnabel oder Gieseking manchmal am Rande des Legalen für mich bewegen. Von Glenn Gould ganz zu schweigen - bei ihm betrifft es zwar nicht die Spieltechnik, sondern seinen Hang zur Parodie bei gewissen Komponisten, aber das macht ja nun die Sache nicht besser. Und in eine wieder andere Richtung bewegt sich eine technisch exzellente moderne Jung-Interpretin wie HJ Lim. Auch für sie ein Cover. Auch in ihrem Fall habe ich auf die Anschaffung der CDs gerne verzichtet und auch sie kann man komplett in der Tube hören.
Philidor (04.09.2025, 13:44): Danke für den Hinweis zu Kälberer!
Erster Gedanke: "Es ist völlig klar, dass er das Stück nachvollziehbar spielen könnte, wenn er wollte."
Eigentlich lebt er seine op. 106-Fantasie vor laufenden Mikros aus. Ihm hat's vermutlich ein riesiges Vergnügen bereitet, aber es ist von der Sorte, die sich nicht kommunizieren lässt.
Hier eine sehr lobende Kritik - ich glaube es kaum: http://www.klassik-heute.de/4daction/www_medien_einzeln?id=24446
Und hier der notwendige Verriss: https://www.classicstoday.com/review/christian-kalberer-crashes-and-burns-through-beethovens-hammerklavier/
Wenn ich diese Spanne von Bewertungen sehe, muss ich dringend mal darüber nachdenken, ob ich meine Skrupel beim Geschreibsel zu Aufnahmen mal unter die Schamgrenze drücke ... oder umgekehrt.
Also danke für diesen Hinweis! Das ist schon aus der hochexquisiten Florence-Foster-Jenkins-Kategorie. Aber auch wieder nicht, die konnte halt nicht nicht. Kälberer würde können, wenn er wollte.
Joe Dvorak (04.09.2025, 17:29): Auch von mir danke für den Hinweis. Ich kann Opus 106 nicht ausstehen und freue mich daher über jeden Interpreten, der diesem Ding den Garaus macht – wir hatten dazu mal einen eigenen Thread. Mit der künstlerischen Wertung von 1 gehe ich mit, für den Spaßfaktor wäre allerdings die 9 angebracht. Wenn der Ives anfängt und man kaum realisiert, dass das ein anderes Werk ist, muss beinahe schon der Begriff 'genial' fallen.
Andréjo (04.09.2025, 23:43): Danke Euch auch für die Antworten!
Die Hammerklaviersonate mag ich schon - andere Musik lieber. Mit dem Spaßfaktor tue ich mich insofern ein wenig schwer. Aber vielleicht bin ich auch humorlos, denn bei Goulds Mozart und Beethoven - soweit relevant - geht es mir ähnlich und bei HJ Lim ebenso. Macht ja nichts!
Den Ives habe ich mir nicht angehört. Ich besitze drei Aufnahmen von Rang (Kirkpatrick, Lubimow und Hamelin) und hatte das Glück, Hamelin damit auch live zu hören. Die Musik ist nun nicht ganz einfach geartet und insofern fehlt mir tatsächlich die Lust, nach dem Beethoven-Fiasko detaillierter zu überprüfen, was Kälberer mit Ives angestellt hat.
:) Wolfgang
Philidor (05.09.2025, 08:09): Spezialfälle.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Anatol Ugorski, Klavier September 2012
András Schiff, Klavier Dezember 1998
Ugorski deutet den ersten Abschnitt um – senza fuoco. Das ist in meiner Wahrnehmung weit entfernt von dem, was Schubert notiert hat. Und doch: Wie unter einem Vergrößerungsglas erscheinen die Figuren und Abläufe nun neu, sind nicht mehr nur Mosaiksteinchen im großen Bild. Das sehr verhalten gespielte Adagio fügt sich wunderbar in dieses Konzept ein, auch in den Ausbrüchen. Die ersten beiden Teile scheinen dem Presto den Rahmen vorgegeben zu haben: Es bleibt auf der beherrschten Seite, und Ugorski nutzt die lyrischen Abschnitte wieder zu breiteren Darstellung. Dass die Fuge sehr bedächtig anhebt, ist da keine Überraschung mehr.
Ugorski setzt seinen Außenseiter-Ansatz für meine Begriffe sehr überzeugend um, es steht tatsächlich ein neues, in sich stimmiges Ganzes. Das muss man erst einmal können. Einfach etwas anders zu machen, ist kein Problem, dass dieses andere eine innere Stringenz hat, schon. – Mein Geschmack ist es nicht ganz, bei den emotional und äußerlich intensiveren Wiedergaben spricht mich das Werk mehr an.
Ich schätze András Schiff außerordentlich, zum einen wegen seiner klaren Haltung zu den Vorgängen in seinem Land, zum anderen freilich auch als Musiker. Ob Bach, ob Mozart-Konzerte, Beethoven-Sonaten, da finde ich vieles hinreißend. Nicht zuletzt auch bei Schubert als Liedbegleiter (mit Peter Schreier) oder kammermusikalsich im Forellenquintett (mit dem Hagen Quartett).
Wie Ugorski widersagt Schiff im ersten Teil einem stürmischen Zugang, ignoriert das „con fuoco“ und sucht nach dem bezaubernden lyrischen Moment. Um es gleich zu sagen: Leider nicht mit so überzeugendem Ergebnis wie Ugorski. Das klingt einfach entkernt, bisweilen auch ein wenig schematisch. Das Drängende ist weg, ok, doch worin das Neue besteht, das Schiff an seine Stelle setzt, wird mir nicht klar. Langweilig. Besser wird es später auch nicht. Eine der unbefriedigendsten Aufnahmen, die ich kenne.
Manchmal frage ich mich wirklich, ob der Mann nicht einen Zwilling hatte, denn Järvi hat so viele verschiedene Werke dirigiert und eingespielt, dass ich mich frage, wie und vor allem WANN er das gemacht hat. Unglaublich !!
Ich weiß von insgesamt fünf verschiedenen "Gesamteinspielungen" der beiden Sinfonien: Swetlanov, Neeme Järvi, Theodore Kuchar, Kees Bakels und Vladimir Ashkenazy. Besitzen und gehört habe ich die ersten drei Dirigenten. Alle drei haben meiner bescheidenen Meinung nach hervorragende Aufnahmen hinterlassen.
Andréjo (05.09.2025, 22:19): Meister Maurice, schau Dir mal das Repertoire am Klavier - meist mit Orchester - von Michael Ponti an!
Ein ähnlicher Kandidat unter den aktiven Pianisten ist Oliver Triendl.
Ponti kennt man vor allem über die Sammlung The Golden Age of the Romantic Piano Concerto - und er wurde da nach Aussage von Michael Schlechtriem vertragstechnisch missbraucht.
Und mit Oliver Triendl habe ich vor allem bei kaum bekannter Kammermusik und sehr wohl auch Klavierkonzerten aus der zweiten Liga das Gefühl, dass der schlicht alles macht, was ihm so über den Weg gelaufen wird. ;)
Aber Du hast mit Neeme Järvi sicherlich Recht!
Philidor (06.09.2025, 14:24): Hier nochmal Schubert.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 D. 760 („Wandererfantasie“)
Alfred Brendel
November 1971 Juli 1988
Jetzt wird mir klar, woher der Paul Lewis kommt ... die drei Wiedergaben (2 x Brendel, 1 x Lewis) sind einander schon recht verwandt ... weder struktur-orientiert wie (ganz grob) Pollini, Curzon, Chamayou und andere, noch dramatisch/leidend wie tendenziell Richter, Edwin Fischer, Fleisher und Oppitz, sondern alle drei wählen den kraftvollen Weg durch den Werk.
Andréjo (06.09.2025, 15:07): Auf jeden Fall ist Philidors sehr differenzierte Sicht auf die Wanderer-Fantasie interessant und ich werde mal ein wenig nachhören. Haptisch steht mir allerdings nicht viel zur Verfügung und - bislang! - hat mich das Werk nicht sonderlich interessiert. Das ist freilich ein Fehler, aber es könnte damit zusammenhängen, dass ich es zu meinen allerbesten Zeit vor fünfzig Jahren selber geklimpert und danach freilich keinen Unterricht mehr genommen habe.
Mein Klavierlehrer und ich waren ob des Ergebnisses zwar recht zufrieden, aber zum einen ist jeder Versuch für mich heute völlig sinnlos, zum anderen ahne ich - oder weiß ich -, dass das damals auch nur eine naive Halbmiete gewesen sein kann. Dennoch: So kommt man an Musik heran und vieles, das ich damals geklimpert hatte an schwerem Zeug, davon besaß ich keinerlei Vergleichsaufnahme per Rundfunkmitschnitt oder (selten) auf LP - eine der wenigen Ausnahmen waren die erreichbaren Nummern aus Debussys Préludes, 1. Band. Dazu hatte ich sogar schon Material lesen können.
Aber im Wesentlichen war erst mal lange Pause, bevor mich professionelle Aufnahmen allmählich zu interessieren begannen.
Alles eine gemischte, doppelbödige Angelegenheit halt, einerseits erfüllend, andererseits frustrierend. Doch wenn man aus Zeitgründen nicht bei der Sache bleiben kann (und will!), ist das halt so.
Pardon für Privatgewäsch! Andererseits schadet es dem Forum trotzdem nicht, glaube ich. :)
NB: Mein Klavierlehrer war so offen wie angenehm und ich habe ihm viel an Begeisterung zu verdanken. Von Schubert haben wir seltamerweise nur eine einzige Sonate gespielt - die feinsinnige, harmonisch raffinierte in A-Dur, op. 120 - und dann eben die Fantasie - vorher noch die Moments musicaux und die Impromptus. Dabei ist Schubert für den übenden Dilettanten eigentlich leichter zu klimpern als Beethoven. Ein wenig schade, denn da hat es noch länger gedauert, bis ich endlich auch die Sonaten zum Hören und Nachdenken entdeckt habe.
Staatliches SO St. Petersburg , Vladimir Lande & Andrew Balio (Trompete)
Ich kenne von Weinberg nicht wirklich etwas, aber das Trompetenkonzert habe ich natürlich mal gehört. Den Solisten kannte ich nicht, dafür seine Lehrer: Bud Herseth (Solo-Trompete für Jahrzehnte im Chicago SO), Charles Schlueter (Solo-Trompete Boston SO für rund 25 Jahre) und Roger Voisin (Stellvertr. Solo-Trompete/Solo-Trompete Boston SO, 1936-1973). Balio selbst ist Solo-Trompeter des Baltimore SO seit 2001.
Das Trompetenkonzert ist äußerst virtuos. Im letzten Satz (Fanfare) erklingt etwa etwas verschoben die Fanfare von Mendelssohns Hochzeitsmarsch.
Weinberg, in Warschau 1919 geboren, war jüdischer Herkunft. Sein Weg war steinig, denn er musste bei Kriegsausbruch 1939 fluchtartig das Land verlassen und kam zunächst in Minsk unter,bis auch dort 1941 der Krieg ihn zur Flucht nach Usbekistan und dann nach Moskau (auf Einladung Schostakowitschs). Dieser wurde auch ein großer Förderer von ihm. Unter Stalin wurde er inhaftiert, nach dessen Tod aber entlassen.
Weinbergs Werke sind bis beute nur in Teilen auf Tonträger zugängig.
Maurice inaktiv (06.09.2025, 16:24): Meister Maurice, schau Dir mal das Repertoire am Klavier - meist mit Orchester - von Michael Ponti an!
Ein ähnlicher Kandidat unter den aktiven Pianisten ist Oliver Triendl. Ponti kenne ich nicht, Triendl dagegen schon. Doch ich mag nicht wirklich Klavierkonzerte ;(
Andréjo (06.09.2025, 16:28): Meister Maurice, schau Dir mal das Repertoire am Klavier - meist mit Orchester - von Michael Ponti an!
Ein ähnlicher Kandidat unter den aktiven Pianisten ist Oliver Triendl. Ponti kenne ich nicht, Triendl dagegen schon. Doch ich mag nicht wirklich Klavierkonzerte ;( Wird genehmigt! :P :)
Andréjo (06.09.2025, 16:30): Bei Weinberg taste ich mich auch erst vor. Da ich aber Trompetenkonzerte sehr gerne höre, könnte das eine nächste Anschaffung werden. :hello
Ich meine, dass es schon erstaunlich viel von ihm gibt im Vergleich zu vor wenigen Jahrzehnten, als es wohl so gut wie gar nichts gab. Er wurde wohl wirklich erst entdeckt. Die Streichquartette und die Sinfonien kann man mittlerweile meines Wissens bereits komplett erwerben - oder ich verwechsle ihn da mit Miaskowski? ?( - aber so viel Bedarf habe ich dann doch nicht. Denn auch bei Miaskowski finde ich nur vier oder fünf Aufnahmen und mir gefallen die schon. Aber es soll im Rahmen bleiben - ich will die Nummern möglichst nicht nur einmal hören oder gar überhaupt nicht. :/
Besten Gruß, Wolfgang
Philidor (06.09.2025, 18:57): und - bislang! - hat mich das Werk nicht sonderlich interessiert. Dies habe ich andernforums nun schon mehrmals gelesen ...
... zwei Dinge finde ich spannend: Es ist wohl ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur "Sonate in einem Satz" (-> Liszt h-Moll et al.), ferner zeigt es Schubert von einer weniger zu hörenden Seite, nämlich dramatisch und stellenweise gar orchestral. Am ehesten fällt mir das Quartett "Der Tod und das Mädchen" als vergleichbar extremes Werk ein. Das ist freilich ein Fehler, Das Leben ist endlich, folglich muss man wählen, und welche Wahl gut war, weiß man erst ex post. Aus meiner momentanen Sicht wären Pollini, Richter, Kissin und Brendel oder Lewis gute Einstiege ...
Maurice inaktiv (06.09.2025, 20:10):
Alexander von Zemlinsky : Sinfonien Nr.1 & 2
Gürzenich-Orchester "Kölner Philhamoniker" , James Conlon
Sfantu (06.09.2025, 20:51): Ein schildbürgerlicher Fauxpas nur, daß all die substantiellen und differenzierten Beiträge zur Wanderer-Phantasie (und nicht nur zu ihr) in diesem Auf-nimmer-Wiedersehen-Gefäß untergehen statt im entsprechenden Werksfaden zu erscheinen. Gerade in einem Forum der letzten fünf Mohikaner ist das jammerschade...
Philidor (06.09.2025, 21:34): schildbürgerlicher Fauxpas ... der geheilt wird, wenn mir die Unterschiede zwischen den Aufnahmen noch klarer werden.
Es zeichnen sich Gruppen ab:
- tendenziell dramatisch, story-telling und emotional involviert: Richter (mein Favorit), dann Edwin Fischer, Katchen, Fleisher, Oppitz, - tendenziell analytisch, berichtend und distanziert: Pollini (mein Favorit), dann Curzon, Perahia, Schuch, Chamayou, - tendenziell vorwärts drängend, kraftvoll, Widerstände ausräumend: Lewis (mein Favorit), 2 x Brendel,
dann Sonderfälle:
- Kissin: an der Grenze zum Wahnsinn taumelnd - mein Favorit über alle Aufnahmen, - Ugorski: lyrische Umdeutung des Werks,
dann - hier habe ich noch kein Wort - gescheiterte Ansätze, Missverständnisse, ... sowas halt:
- Rubinstein - aristokratisch, distinguiert, voll Contenance, - Arrau - pianistisch perfekt, kühl bis zum Eingefrorensein, - Kempff - distanziert, apollinisch; gehört vielleicht in die Pollini-Gruppe, vielleicht sind aber auch Rubinstein, Arrau und Kempff eine Gruppe, - Kirschnereit - nervös - Schiff - sucht eine lyrische Darstellung, ist aber ungleich langweiliger als Ugorski, - Lang Lang - I'm a Barbie girl, in a Barbie world, ...
dann noch
- historisches Geflügel: Melnikov (sehr stark) und Sofronitsky.
Soweit der Stand der Dinge im Telegrammstil.
Andréjo (07.09.2025, 00:16): ... zwei Dinge finde ich spannend: Es ist wohl ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur "Sonate in einem Satz" (-> Liszt h-Moll et al.), ferner zeigt es Schubert von einer weniger zu hörenden Seite, nämlich dramatisch und stellenweise gar orchestral. Am ehesten fällt mir das Quartett "Der Tod und das Mädchen" als vergleichbar extremes Werk ein. Ebenfalls interessant und nachvollziehbar für mich. Vielleicht spielt Letzteres - also das zweite "Ding" - eine Rolle bei meiner dezenten Distanzhaltung dem Werk gegenüber. Doch - ich glaube, dass es so ist. Vielleicht gilt das auch für andere, wenn Du sagst, Du hättest Ähnliches des Öfteren vernommen.
Das von Dir benannte berühmte Streichquartett hat für mich ganz andere emotionale Qualitäten. Mir kommt die Wandererfantasie bei Weitem neutraler im Wesen, im Charakter vor als alle mir bekannte Musik des Meisters, welche die stete, doch vor allem unstete Bewegung beinahe ideologisch aufläd, also vor allem die beiden großen Liedzyklen. Es ist das romantische Motiv schlechthin und doch kommt mir die Wandererfantasie eben nicht romantisch vor. Im Gegenteil scheint sie mir beherrscht von satzweise verschiedenen, aber primär figurationstechnischen Haltungen. Es könnten - Vorsicht: Übertreibung! - beinahe vier oder mehr Charakter-Etüden sein - mehr jedenfalls als die von Chopin so benannten. Ist mir zu helfen? ;) :)
Das erste Argument ist zwar auch richtig. würde mich aber in meiner Sicht eher bestärken. Denn den Schritt, den Liszt geht, ist Schubert nicht gegangen, meine ich - die klar gegliederte Mehrsätzigkeit dominiert trotz des quasi analogen Materials. Aber ich lasse mich da wirklich gerne belehren. Ich vermute, dass dieses Material sich als verwandt aufschließen lässt - aber ist das nicht auch bei Beethoven recht ähnlich vorzufinden in diversen seiner Sonaten? Doch ich will keine Expertise vortäuschen, habe mich noch nicht wirklich mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt.
Die Distanzhaltung muss - Wiederholung! - nicht fürderhin gelten und - Wiederholung! - es sind wohl primär wirklich Gründe, die quasi in meiner Klavier-Sozialisation liegen. Aber jetzt sei dem genug, solange ich nichts Relevanteres zu sagen habe! :)
Was Sfantu zuletzt geäußert hat, ist leider völlig richtig. Eine Crux. Doch wie ändern? Ich habe auch schon Beiträge in den letzten Monaten gezielt anderweitig untergebracht. Gut, da bleiben sie quasi erhalten, was aber leider nicht heißt, dass intensiver oder überhaupt darauf eingegangen worden wäre.
Philidor sollte freilich am Ball bleiben. Da sind die Voraussetzungen viel idealer für eine gezielte Bündelung. Ähnlich war es damals mit den Vorgaben des Herrn Moderato assai. Das ist klar und lag auf der Hand.
Halten wir als Positivum fest, dass in diesen letzten Monaten immerhin mehr geschrieben wurde als in Monaten oder gar Jahren zuvor. :)
Maurice inaktiv (07.09.2025, 05:47): Ein schildbürgerlicher Fauxpas nur, daß all die substantiellen und differenzierten Beiträge zur Wanderer-Phantasie (und nicht nur zu ihr) in diesem Auf-nimmer-Wiedersehen-Gefäß untergehen statt im entsprechenden Werksfaden zu erscheinen. Gerade in einem Forum der letzten fünf Mohikaner ist das jammerschade... Anstatt zu jammern, hättest Du ja mal fragen können, ob Philidor das Ganze nicht in einem eigenen Thread hätte unterbringen würde.
Sfantu (07.09.2025, 06:16): Anstatt zu jammern, hättest Du ja mal fragen können, ob Philidor das Ganze nicht in einem eigenen Thread hätte unterbringen würde. Genau das - die Unterbringung in einem eigenen Faden - war Thema meines Posts. Deutsch als Sprache ist herausfordernd. Ich weiß.
Maurice inaktiv (07.09.2025, 10:17): Genau das - die Unterbringung in einem eigenen Faden - war Thema meines Posts. Deutsch als Sprache ist herausfordernd. Ich weiß. Das geht aus Deinem Posting nicht hervor. Vielleicht solltest Du mal lesen was Du geschrieben hast.
Andréjo (07.09.2025, 12:30): Ich bin ja nun ein Freund von Maurice - inaktiv, kleiner Scherz - als auch von Sfantu - aber da hat der Maurice schon Recht! :)
Philidor (07.09.2025, 13:59): Also, ich habe Sfantu durchaus so verstanden, dass er die Postings, die hier zu D.760 erstellt wurden, lieber im Faden zum Werk sehen würde ... was wäre denn daran missverständlich gewesen? ?(
Philidor (07.09.2025, 14:15): Das von Dir benannte berühmte Streichquartett hat für mich ganz andere emotionale Qualitäten. Mir kommt die Wandererfantasie bei Weitem neutraler im Wesen, im Charakter vor als alle mir bekannte Musik des Meisters, Werter Andréjo, voll und ganz stimme ich Dir darin zu, dass das SQ "Der Tod und das Mädchen" von 1824 emotional nochmal intensiver ist als die Wandererfantasie. Das nächste Wort ahnst Du wohl: However ... however, ich, meine, etliche Interpreten haben bei ihrer Aufnahme die Wandererfantasie unterspielt.
"Der Wanderer" ist das einzige Gedicht von Georg Philipp Schmidt von Lübeck, das Schubert vertonte. Was reizte ihn daran? Eine Hypothese ist, dass Schmidts Zeilen wunderbar des im eigenen Land politisch Vertriebenen malten, wunderbar chiffriert wie (möglicherweise) auch der Text der "Winterreise".
Wer einfach ein luxuriöses Klavierstück spielt (Curzon, Arrau, Rubinstein, Kempff, ...), geht an dieser anderen Dimension halt vorbei. und doch kommt mir die Wandererfantasie eben nicht romantisch vor. Echt jetzt? Im ersten Teil (="Sonatenhauptsatz") das zweite Thema in E-Dur, wie in der Waldsteinsonate, der langsame Satz in cis-Moll (!!) mit quasi orchestralen Ausbrüchen ... also, wenn das nicht romantisch ist, dann weiß ich es auch nicht mehr ... Ist mir zu helfen? Ich würde es auf jeden Fall mit den Aufnahmen mit Kissin und Richter versuchen ... Denn den Schritt, den Liszt geht, ist Schubert nicht gegangen, meine ich - die klar gegliederte Mehrsätzigkeit dominiert trotz des quasi analogen Materials. RIchtig! Und doch hat der erste Teil schon keine Reprise mehr, die findet sich dann im Scherzo ("Presto"), und das Adagio ist quasi eine zweite Durchführung. Und welche Sonate hat schon eine Fuge als Finale, op. 106 jetzt mal ausgenommen? Da klopfen Liszt und Reubke aber sehr deutlich an die Tür ... meine ich. Aber ich lasse mich da wirklich gerne belehren. Nicht belehren ... doch den gepflegten Austausch, gerne auch mit scharfen Worten, mit offenem Visier, ohne Hinterlist und mit großem Respekt führen
Sfantu (07.09.2025, 14:59): Das geht aus Deinem Posting nicht hervor. Vielleicht solltest Du mal lesen was Du geschrieben hast.
Ein schildbürgerlicher Fauxpas nur, daß all die substantiellen und differenzierten Beiträge zur Wanderer-Phantasie (und nicht nur zu ihr) in diesem Auf-nimmer-Wiedersehen-Gefäß untergehen statt im entsprechenden Werksfaden zu erscheinen.
Kurztext: Schreib's hier und es wird nie wiedergefunden. Schreib's in dem Faden, in welchem es um dieses Werk geht und man kann dort nachschlagen und ergänzen.
Wenn es jetzt noch nicht klar ist, schmeiß ich 'ne Lokalrunde Ginseng-Tee.
Sfantu (07.09.2025, 15:02): Schildbürgerlicher Fauxpas ... der geheilt wird, wenn mir die Unterschiede zwischen den Aufnahmen noch klarer werden. Bitte unbedingt nachliefern wenn es soweit ist! Gerade Deine (vorläufige) Übersicht aus Beitrag Nr. 360 wäre Gold wert.
Maurice inaktiv (07.09.2025, 15:26): Wenn es jetzt noch nicht klar ist, schmeiß ich 'ne Lokalrunde Ginseng-Tee. Ähem. Du brauchst deswegen nicht gleich grantig zu werden. Es wäre doch ganz einfach gewesen, wenn Du nach kurzer Anfrage an Philidor das Ganze in einem eigenen Thread zusammengefasst hättest. Die inzwischen erfolgte Schreiberei wäre nicht nötig gewesen, niemand hätte die Befürchtung, es könnte etwas verloren gehen (tut es ja auch nicht. Es gäbe dann halt keinen Extra-Thread dafür), alle wären glücklich. Im anderen Forum funktioniert sowas recht gut, auch wenn es größer und höher frequentiert ist und entsprechende Moderatoren vorhanden sind.
Eigentlich hätte ich eine ähnliche Reaktion erwartet von Dir und keine versuchte Besserwisserei von Deutschkenntnissen, die Du nicht bei Deiner Antwort bewiesen hast. Sorry, aber Du brauchst Dich nicht zu wundern, wenn dann hier weniger aktiv geschrieben wird. Manchmal wird sowas dann halt auf eine gewisse Art im Keim erstickt. Mein Status steht nicht ohne Grund so wie er ist. Und dabei gehöre ich trotzdem noch zu den Leuten, die hier überhaupt etwas posten, damit es nicht noch ruhiger wird als es schon ist. Nun habe ich erst mal wieder Null Bock hier etwas zu schreiben die nächste Zeit.
Philidor (07.09.2025, 15:29): Hier ging es erst einmal weiter mit der Liste ... erst die Arbeit, dann das Vergnügen ... oder vielleicht ist es hier auch umgekehrt, wer weiß? :)
Johann Sebastian Bach: Messe h-Moll BWV 232
Dorothee Mields, Hana Blažíková, Damien Guillon, Thomas Hobbs, Peter Kooij Collegium Vocale Gent Philippe Herreweghe
Diese Aufnahme, Herreweghes dritte, soweit ich weiß, hat nach rund 25 Jahren bei mir Gardiners Aufnahme aus den 1980ern entthront.
Die Liste, weder definitiv noch vollständig:
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine(Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Mozart, Requiem (Hogwood) V Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt)
V Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VI Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) VII Mendelssohn, Elijah (McCreesh) VIII Liszt, Graner Messe (1856, Ferencsik) IX Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) X Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski)
XI Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIII Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XIV Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XV Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo)
XVI Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XIX Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XX Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (07.09.2025, 15:34): Es wäre doch ganz einfach gewesen, wenn Du nach kurzer Anfrage an Philidor das Ganze in einem eigenen Thread zusammengefasst hättest. Ähem ... ich will ganz bestimmt keine Diskussion entfachen, schon gar nicht mit denen, die sich darüber beschweren, dass andere eine ebensolche losgetreten hätten, und mir ist bewusst, dass solche Diskussionen bisweilen den Blutdruck steigen lassen, und das ist nicht gesund und kostet potenziell Lebenszeit, die wir doch so gerne in das Hören wunderbarer Musik investieren würden.
Doch ich lege irgendwie Wert darauf, selbst letzte Hand anzulegen. Außerdem gibt es schon einen Thread zum Werk, worauf Sfantu ja ebenfalls hingewiesen hat.
Es sollte sich nur noch um Tage handeln, bis die Sache daselbst nun ins Rollen kommt. Schließlich sollen bis Weihnachten (25. Dez 25) die "Vingt Regards" fertig werden, und die sind lang und hochkomplex, und vorher hätte ich gerne die "Visions de l'Amen", weil die einiges vorwegnehmen. Es gibt viel Huhn, wie der Lateiner sagt. Oder so.
Sfantu (07.09.2025, 20:21): Der Wanderer-Faden füllt sich zusehends - Freude herrscht!
@Maurice inaktiv
es besteht im Grunde gar kein Anlaß für Groll und Verdruß. Letztendlich warst Du auch gar nicht angesprochen. Oder habe ich einen Beitrag von Dir in Sachen Wanderer-Fantasie übersehen?
Andréjo (07.09.2025, 21:02): Letztendlich warst Du auch gar nicht angesprochen. Oder habe ich einen Beitrag von Dir in Sachen Wanderer-Fantasie übersehen? Das ist jetzt mein letzter Beitrag auf der Beziehungsebene, auch weil Maurice meine Verteidigung nicht braucht und weil ich hier nicht den Apostel der guten Sitten spielen muss.
Trotzdem: Es ist doch schwer zu leugnen, dass dieses Zitat eine Spitze gegen eine Person darstellt, also unsachlich ist. Das aber kann sich dieses Forum nicht leisten und es muss auch schlicht nicht sein. Oder?
Maurice hat über die Jahre hinweg in diesem Forum viele gute Beiträge geschrieben, mit die meisten und besten wohl. Ich kann seine aktuelle Reaktion verstehen.
Und auch Philidor braucht wahrlich keine moralische Unterstützung. Er ist moralisch bestens gefestigt, so gut kenne ich ihn.
Lassen wir's doch bitte gut sein!
:beer Wolfgang
Philidor (07.09.2025, 21:05): Wie können wir Beiträge schreiben - was in meiner Wahrnehmung nicht unerwünscht ist -. ohne, dass wir uns auf der Metaebene in die Wolle kriegen? Falls es darauf keine Antwort gibt, ist es schwierig ...
... denke ich falsch?
Andréjo (07.09.2025, 22:03): Warum sollten wir uns in die Wolle kriegen? Das war doch vorher im Allgemeinen auch nicht der Fall, oder?
Ich habe halt jetzt meine Sicht dargestellt, die in dieser Sache nicht neutral ist. Aber das kann man doch hoffentlich dann auch wieder vergessen.
Eigentlich verstehe ich Deinen Beitrag sowieso nicht. "Wie ... ohne dass" als Voraussetzung? Wieso?
Also ich will hier mit niemandem streiten, wenn das irgendwie vermeidbar ist. Und ich habe doch auch soeben nicht gestritten, oder? Meine Empfindlichkeiten habe ich natürlich schon - wie wir doch alle, oder?
?(
Okay und ein wenig Pardon: Das sollte eine echte Frage sein, nehme ich stark an. Ich habe sie mal wieder rein rhetorisch verstanden!! Das ist zum einen die Verbildung von uns Halbintellektuellen und zum anderen - leider ständige Crux - die mangelhafte Paralinguistik im Internet. :evil:
Andréjo (07.09.2025, 22:09): Wir müssten halt so wohlwollend und unvoreingenommen wie möglich sein und so sachlich wie möglich. Das fällt einem Sfantu so schwer wie einem Maurice, wie Dir und wie mir (Reihenfolge der Höflichkeit! :D ) Der Rest sind die natürlich nicht gänzlich ebenbürtigen Mentalitätszonen, die man wiederum auf verschiedene Weise unter den Tisch kehren oder zur Schau stellen kann.
Fangen wir noch einmal von vorne an! Ein besserer Spruch als diese Banalität fällt mir erst mal nicht ein. :huh: :)
Andréjo (07.09.2025, 22:15): Bei Joe Dvorak habe ich immer ein wenig den Eindruck, dass er es viel eher schafft. Prägung durch den Zen-Buddhismus?
Philidor (07.09.2025, 22:16): Fangen wir noch einmal von vorne an! So mook(t) wi dat, wie der Oberbayer sagt.
Andréjo (07.09.2025, 22:18): :P :D
Sfantu (07.09.2025, 22:27): Ich könnte - sollte aber gleichwohl nicht - noch Einiges anfügen. Denn wieviel wert wiegt das Faktum des (manchmal nur eingebildeten) Rechthabens gegen das Gut eines gedeihlichen Miteinanders? Ein selbstironischer Blick auf eigene Fehlbarkeiten nähme sicher bereits Einiges an Feuer aus diversen Disputationen.
Philidor (07.09.2025, 22:31): ... die bei anderen wahrgenommenen Imperfektionen mit Liebe anschauen und stets bedenken, dass wir nur uns selbst ändern können ...
Sfantu (07.09.2025, 22:43): ... die bei anderen wahrgenommenen Imperfektionen mit Liebe anschauen und stets bedenken, dass wir nur uns selbst ändern können Sfantu gefällt das.
Andréjo (07.09.2025, 22:48): Gut, das gefällt mir auch. Die praktische Umsetzung, das ist die Crux! Halt immer wieder versuchen.
Joe Dvorak (08.09.2025, 12:10): Bei Joe Dvorak habe ich immer ein wenig den Eindruck, dass er es viel eher schafft. Prägung durch den Zen-Buddhismus? Brad Warner leitet das erste Kapitel seines Buchs The Other Side of Nothing mit folgenden Sätzen ein: Du bist das Universum, doch du hörst nicht auf, dir selbst ins Gesicht zu schlagen. Also lass es bleiben. Das ist alles, was es zu sagen gibt. Ende.
Es ist ganz einfach. Ich füge, wenn es der Autor nicht selbst macht, im Geiste "meiner Meinung nach" ein. Wenn die Aussage dann immer noch objektiv falsch ist, dann erlaube ich mir, zu antworten/korrigieren. Wenn nicht, brauche ich mir nicht ins Gesicht zu schlagen. Beispiele:
"Karajan war der beste Dirigent aller Zeiten" Ok "Dass dieses Orchester für die Interpretation jenes Komponisten die erste Wahl ist, steht außer Frage" Ok "Kremers Einspielung des Beethoven-VK mit Gardiner am Pult ist unschlagbar" Nicht Ok.
Philidor (08.09.2025, 12:12): Es ist ganz einfach. Deiner Meinung nach ... Ok! :D
Joe Dvorak (08.09.2025, 14:26): Es ist ganz einfach. Deiner Meinung nach ... Ok! :D <3 :saint: <3 (ein schnödes "Like" wäre zu wenig)
Philidor (10.09.2025, 07:17): ... , das Wa - han - dern ...
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Lieber @'Sfantu, meine Worte zu dieser Aufnahme werden Dich wohl eher nicht freuen ....
Philidor (13.09.2025, 09:53): Ich dachte mir, der "Messiah" nähme sich nicht übel auf meiner Liste aus.
Georg Friedrich Händel: Messiah
Emma Kirkby, Emily van Evera, Margaret Cable, James Bowman, Joseph Cornwell, David Thomas Taverner Choir & Players Andrew Parrott
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Missa h-Moll (Herreweghe III) IV Händel, Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Mendelssohn, Elijah (McCreesh) X Liszt, Graner Messe (1856, Ferencsik)
XI Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIII Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XIV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XV Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez)
XVI Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XVIII Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XIX Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XX Ligeti, Requiem (1963-65, Nott)
XXI Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIII Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (13.09.2025, 15:01): ... und gleich weiter:
Wolfgang Amadé Mozart: Requiem d-Moll KV 626
Emma Kirkby, Carolyn Watkinson, Anthony Rolfe-Johnson, David Thomas Chorus and Orchestra of The Academy of Ancient Music Christopher Hogwood
Gar nicht schlecht!
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Missa B minor (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, The Creation (Harnoncourt) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Mendelssohn, Elijah (McCreesh) X Liszt, Graner Messe (1856, Ferencsik)
XI Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIII Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XIV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XV Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez)
XVI Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XVIII Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XIX Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XX Ligeti, Requiem (1963-65, Nott)
XXI Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIII Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Die Liste ist weder vollständig noch endgültig ...
Philidor (13.09.2025, 15:55): In welchen Thread gehört das denn nun ...?
Terry Riley: In C
Iron Giant Free Association
Das hat sich aber gelohnt! Ich habe Rileys eigene Aufnahme hier stehen und wohl nur ein einziges Mal gehört ... enttäuscht ...
... aber das hier, das ist sehr anhörlich in meinen Ohren! Danke an @Joe Dvorak für die Ausgrabung und Hervorhebung!
Sfantu (13.09.2025, 19:09): Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Wilhelm Kempff, Klavier 1967?
Lieber @'Sfantu, meine Worte zu dieser Aufnahme werden Dich wohl eher nicht freuen .... Ganz im Gegenteil. Eine lebhafte, kontroverse Debatte finde ich immer bereichernd. Und dann war da doch noch diese Sache, über die sich nicht streiten läßt...Als Nicht-Strömer stehen mir deutlich weniger Vergleichsmöglichkeiten zur Verfügung. Doch auch bei dem Wenigen, das ich konsumieren kann, wird der Höreindruck beim nächsten Auflegen vielleicht wieder ganz anders sein.
Melnikov wird heute Abend der erste Wanderer sein, dem ich erneut nachhorchen werde. Einfach deshalb, da die Einspielung auf CD ist. Beim Plattendreher den Antriebsriemen wieder auf den Pulley zu spannen, bin ich gerade zu bequem. War die zurückliegenden anderthalb Wochen auf Rundreise durch den Schwarzwald, die Pfalz und den Mittelrhein. Während solcher Abwesenheiten nehme ich den Riemen meist komplett runter damit er bei Nichtbenutzung nicht statisch auf Spannung bleibt. Die Prozedur mit Plattenteller abnehmen, Riemen spannen, Plattenteller wieder drauf, das ganze mit speziellen Baumwoll-Handschuhen - dazu reichen Stimmung und Energiereserven gerade nicht.
Also - immer her mit Bewertungen, die ich nicht teile. Man bleibt geistig rege, man lebt und lernt.
Philidor (13.09.2025, 19:15): Bis es so weit ist, ein moderner Mozart-Klassiker ...
Wolfgang Amadé Mozart: Così fan tutte KV 588
Fiordiligi - Véronique Gens Dorabella - Bernarda Fink Despina - Graciela Oddone Ferrando - Werner Güra Guglielmo - Marcel Boone Don Alfonso - Pietro Spagnoli
Kölner Kammerchor Concerto Köln
René Jacobs
Der revolutionäre Appeal ist ein wenig verflogen, aber es ist mMn immer noch eine tolle Aufnahme.
Joe Dvorak (14.09.2025, 02:32): Wolfgang Amadé Mozart: Requiem d-Moll KV 626
Emma Kirkby, Carolyn Watkinson, Anthony Rolfe-Johnson, David Thomas Chorus and Orchestra of The Academy of Ancient Music Christopher Hogwood (...) Gar nicht schlecht! Noch gar nicht schlechter finde ich die c-Moll-Messe mit der Academy. :thumbup:
Joe Dvorak (14.09.2025, 02:40): Terry Riley: In C
Iron Giant Free Association
(...)
Das hat sich aber gelohnt! Ich habe Rileys eigene Aufnahme hier stehen und wohl nur ein einziges Mal gehört ... enttäuscht ...
... aber das hier, das ist sehr anhörlich in meinen Ohren! Danke an @Joe Dvorak für die Ausgrabung und Hervorhebung! Es freut mich, dass ich helfen konnte, das C etwas zu rehabilitieren. Ja, diese Realisierung finde ich äußerst anhörlich, auch wenn -oder weil (?)- es sehr weit vom Originaltext entfernt ist.
Joe Dvorak (14.09.2025, 04:03): Kollateralschaden:
Bl!ndman - The American Minimalists (2023)
Daraus CD1 - Steve Reich: Nagoya Marimbas Cello Counterpoint New York Counterpoint Triple Quartet Electric Counterpoint Minimal Music gehörte bisher nicht zu meinen Schwerpunkten. Einige Alben zierten das Regal, als noch massenhaft Hartware im Haus stand: Glass’ Music in 12 Parts, die Operntrilogie Einstein, Aknathen & Stayagraha, das Violinkonzert, Glassworks, Passages (mit Ravi Shankar), dann Reichs Music for 18 Musicians und Six Pianos, letztes mit Rileys In C (Piano Circus) gekoppelt, und schließlich von Adams die Harmonielehre sowie Fearfull Symmetries. Durch die gerade herrschende In C-Manie fiel mir das eben gehörte Album virtuell in die Hände, und ich bin nun überzeugt, dass ein gewaltiger Nachholbedarf besteht. Dieser Dreifach-Whopper, der jedem der Großen Drei eine CD widmet, macht jedenfalls Lust auf mehr – auf sehr viel mehr.
Philidor (14.09.2025, 13:37): Hier geht's weiter mit der Liste ...
Ludwig van Beethoven: Missa solemnis op. 123
Elisabeth Söderström, Marga Höffgen, Waldemar Kmentt, Martti Talvela New Philharmonia Chorus & Orchestra Otto Klemperer
Ich meinte, ich hätte bei den letzten Hördurchgängen von op. 123 zu Harnoncourt, Gardiner, Suzuki, Herreweghe usw. gegriffen. Darum ein Klassiker. -
Habe Berlioz' Requiem auf die Liste genommen. Mit Colin Davis, weil McCreesh schon für den Elijah zuständig ist.
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Missa B minor (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, The Creation (Harnoncourt) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (McCreesh)
XI Liszt, Graner Messe (1856, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle)
XVI Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVIII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIX Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XX Britten, War Requiem (1962, Gardiner)
XXI Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Mist ... ich habe den Haydn übersprungen ... wird nachgeholt.
Philidor (14.09.2025, 18:55): Jetzt aber ...
Joseph Haydn: Die Schöpfung
Gabriel, Eva - Dorothea Röschmann Uriel - Michael Schade Raphael, Adam - Christain Gerhaher
Arnold Schönberg Chor Concentus musicus Wien
Nikolaus Harnoncourt
Gar nicht schlecht.
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Missa B minor (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, The Creation (Harnoncourt) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (McCreesh)
XI Liszt, Graner Messe (1856, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle)
XVI Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVIII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIX Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XX Britten, War Requiem (1962, Gardiner)
XXI Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (16.09.2025, 18:02): Und weiter.
Franz Schubert: Messe Es-Dur D 950
Karita Mattila, Marjana Lipovšek, Jerry Hadley, Jorge Pita, Robert Holl Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor Wiener Philharmoniker Claudio Abbado live Wien 1. November 1986
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Missa B minor (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, The Creation (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Graner Messe (1856, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle)
XVI Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVIII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIX Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XX Britten, War Requiem (1962, Gardiner)
XXI Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Die Liste ist - wie immer - work in progress.
Philidor (17.09.2025, 07:59): Hier nochmal historisches Geflügel.
Franz Schubert: Fantasie C-Dur op. 15 (D. 760, "Wandererfantasie")
Viviana Sofronitsky aufgenommen im Juli 2010 Fortepiano von Paul McNulty nach Conrad Graf op. 319 (1819)
Das ist eine Aufnahme, die exemplarisch zeigt, wie sehr Instrument und Interpretation einander bedingen. Der Ton des Fortepianos ist so kurz, dass das Tempo hoch sein muss, um Linien nicht zu isolierten Punktereignissen werden zu lassen. Einfach mal den Anfang des Adagios hören. Oder in der Schlussfuge – da gibt es Akkorde im Diskant, die klingen nach „Plong“, und dann ist der Ton weg. Das scheint nur in hohem Tempo noch zu etwas Sinnvollem zu werden.
Ich mag bei der Wandererfantasie ja tendenziell eher die zupackenden Ansätze und komme hier durchaus auf meine Kosten. Dennoch habe ich hier ein paar Hördurchgänge gebraucht, um die Aufnahme wertzuschätzen. Es ist schon deutlich anders als auf dem Steinway.
Nun bin ich der Versuchung erlegen, die Aufnahme von den Schwächen des Instrumentes her zu beschreiben, welche Defizite gibt es und wie geht die Pianistin notgedrungen damit um. Dabei gibt es auch Neuartiges. Beispielsweise hat das Instrument offenbar die Möglichkeit, einen etwas „verhangenen“ Klang zu erzeugen, und Viviana Sofronitsky macht davon Gebrauch. – Auf der Webseite von Paul McNulty gibt es eine Beschreibung von op. 318 aus dem Hause Conrad Graf, da ist von einem Moderator und einem Doppel-Moderator die Rede. Das wird das wohl sein.
Zu entdecken gibt es freilich vieles, und ich möchte ausdrücklich die Ekstase am Ende des Presto hervorheben. doch so ganz glücklich bin ich mit der Aufnahme nicht, es bleibt eine exotische Angelegenheit. Komisch, dass die authentischsten Instrumente bisweilen diesen Eindruck hervorrufen.
Philidor (17.09.2025, 18:56): ... und weiter mit der Geistlichen Musik in großer Besetzung. - Ist das ein Meisterwerk oder eine "drittklassige Monstrosität" (Boulez über Wagners "Liebesmahl der Apostel")?
Hector Berlioz, Grande Messe des Morts op. 5 ("Requiem")
John Dowd, tenor Wandsworth School Boys' Choir London Symphony Orchestra & Chorus Sir Colin Davis
Es geht fröhlich weiter.
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Graner Messe (1856, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle)
XVI Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVIII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIX Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XX Britten, War Requiem (1962, Gardiner)
XXI Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Joe Dvorak (18.09.2025, 15:23): Zurzeit habe ich viel Zeit für die Arbeit und investiere daher wenig in die Musik. Gestern hat es noch für einen Satz im Mondschein gelangt, bevor mich der Schlaf übermannt hat:
Ludwig van Beethoven - Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll, op. 27
Van Cliburn Daraus der erste Satz.
Philidor (18.09.2025, 19:01): Da hier gerade viel Hauptberufiches anliegt, was nur mittlerer Konzentration bedarf, gönnte ich mir während der Überstunden dieses:
Felix Mendelssohn Bartholdy: Elijah (Englisch gesungen)
Rosemary Joshua, Sarah Connolly, Robert Murray, Simon Keenlyside Wroclaw Philharmonic Choir Gabrieli Young Singers Scheme Gabrieli Consort & Players Paul McCreesh
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn. Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Graner Messe (1856, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle)
XVI Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVIII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIX Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XX Britten, War Requiem (1962, Gardiner)
XXI Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Schaun mer mal, was noch wird.
Philidor (20.09.2025, 17:49): Weiter mit der Liste.
Liszt Ferenc: Missa solemnis
Veronika Kincses, Sopran Klára Takács, Alt György Korondy, Tenor József Gregor, Bass
Hungarian Radio and Television Chorus Budapest Symphony Orchestra
János Ferencsik
Liszt komponierte seine Missa Solemnis im Jahr 1855 für die Weihe der Basilika in Esztergom, zu deutsch Gran. Darum auch "Graner Messe". UA 1856.
Ich frage mich, warum diese großartige Messkomposition nicht bekannter ist. Keine Handvoll Aufnahmen. Wen die Sonate h-Moll für Klavier oder die Faust-Sinfonie bislang nicht vom Range Liszts überzeugten, mag es hier versuchen.
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfing (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Graner Messe (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle)
XVI Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVIII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIX Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XX Britten, War Requiem (1962, Gardiner)
XXI Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (21.09.2025, 13:11): Weiß nicht, ob @Joe Dvorak die Ysayes bei seinen Beethoven-Explorationen dabei hatte ...
Ludwig van Beethoven: Streichquartette op. 18 Nr. 1-6
Quatuor Ysaÿe
... jedoch folgte ich einer Empfehlung, diese mal zu hören, und bin davon höchlich angetan ... trotz Prázak, Casals, Ébène e tutti quanti ...
Philidor (21.09.2025, 20:05): Hier Orgel-Bach vom Feinsten in einer meiner Lieblings-Aufnahmen des Werks:
Johann Sebastian Bach: Dritter Teil der Clavier-Übung
Kevin Bowyer Marcussen-Orgel der Sct.-Hans-Kirke zu Odense, Dänemark (III/37)
Kein großes Instrument, aber tolle Farben ... und was für eine lebendige Interpretation ...
Joe Dvorak (22.09.2025, 08:40): Weiß nicht, ob @Joe Dvorak die Ysayes bei seinen Beethoven-Explorationen dabei hatte ... Da klingelt nichts, außer der Wecker der daran erinnert, dass die Drittelpause des Marathons schon länger dauert als das erste Drittel selbst. Zurzeit haben mich Riley und im Gefolge die Minimalisten und die Elektroniker fest im Griff.
Zum Wiederherantasten an den Quartett-Sound nun diese Seltsamkeit. Einzelsätze von Werken aus mehreren Jahrhunderten, über das Album verstreut und zum Teil doppelt – so fängt das Album mit dem Lento assai aus LvBs Opus 135 an und hört damit wieder auf, oder ein Satz aus Kurtags Opus 28 wird vor und nach dreien der 5 Sätze von Webern gespielt. Das soll mehr eine Reise als ein Programm sein. Mal hören...
Taurus Quartet - SLOW Ludwig van Beethoven: String Quartet No. 16 in F Major, Op. 135: III. Lento assai, cantate e tranquillo Guillaume de Machaut: Misa de Notre Dame: Kyrie I Giscinto Scelsi: String Quartet No. 3: I. avec grande tendresse Pierre de la Rue: Missa l'Homme arme: Agnus dei Gyorgy Kurtag: Microlude 5 from 12 Microludes for String Quartet, Op. 13 Beethoven: String Quartet No. 8 in E Minor, Op. 59 No. 2, 'Razumovsky': II. Molto adagio Kurtag: Officium breve in memoriam Andre Szervansky, Op. 28: Arioso interrotto Anton Webern: 5 Sätze fur Streichquartett, Op. 5: II. Sehr langsam IV. Sehr langsam V. In zarter Bewegung Kurtag: Officium breve in memoriam Andre Szervansky, Op. 28: Arioso interrotto Beethoven: String Quartet No. 13 in B-Flat Major, Op. 130: V. Cavatina Kurtag: Microlude 11 from 12 Microludes for String Quartet, Op. 13: Tutti non vibrato e senza espressione Machaut: Missa de Notre Dame: Kyrie II Kurtag: Aus der Fern V, Od und traurig Scelsi: String Quartet No. 3: V. liberation, catharsis Beethoven: String Quartet No. 16 in F Major, Op. 135: III. Lento assai, cantate e tranquillo
Philidor (22.09.2025, 21:25): So gut die Ysaÿes auch spielen, mich zieht es gerade eher nach anderen Gattungen.
Franz Schubert: Klaviertrio Nr. 1 B-Dur op. 99 D 898
Trio Wanderer
Busschen geschäftig ... habe das Werk mit der Analog-Aufnahme des Beaux Arts Trios lieben gelernt, diese wae über Jahre die einzige.
Joe Dvorak (23.09.2025, 01:23): (...) Wroclaw Philharmonic Choir (...) Gabrieli Consort & Players Paul McCreesh (...) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh) (...) Ich kenne den Elias nicht, bin aber trotzdem geneigt zu sagen, dass die genannten Kräfte ein Album zu spät zum Einsatz kamen. Berlioz' Totenmesse mit McCreesh gehört für mich mindestens zu den Top 5 sämtlicher Aufnahmen groß besetzter geistlicher Musik, die ich kenne (zugegebenermaßen sind das nicht allzu viele).
Philidor (23.09.2025, 07:22): Berlioz' Totenmesse mit McCreesh gehört für mich mindestens zu den Top 5 sämtlicher Aufnahmen groß besetzter geistlicher Musik, die ich kenne (zugegebenermaßen sind das nicht allzu viele). Berlioz' op. 5 steht seit gefühlt 30 Jahren im Regal, die erste Aufnahme des Sir Colin Davis, doch ich habe sie vielleicht zweimal gehört. In den einschlägigen Hörvergleichen und Kritiken taucht sie regelmäßig als Referenz auf, wobei einer der Autoren anmerkte, dass hier eventuell Tradiertes kaum überprüft weitergegeben würde. - Solche Legenden sind vielleicht gar nicht so selten, vielleicht auch deswegen, weil sich die Hörer von Generation zu Generation ändern.
ßAlso, ich fand das Werk gar nicht so schlecht wie manches, das mir von Berlioz vor Ohren kam. Andere "Referenzen" sind Munch und Bernstein, und naklar hat McCreesh für Furore gesorgt. Dem will ich demnächst mal nachgehen.
Danke für den Impuls!
Philidor (24.09.2025, 17:58): So gut die Ysaÿes auch spielen, mich zieht es gerade eher nach anderen Gattungen. ... dabei blieb es:
Felix Mendelssohn Bartholdy: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49
Florestan Trio
Joe Dvorak (27.09.2025, 02:47):
Philip Glass - Streichquartett Nr. 5
Quatuor Molinari
Philidor (27.09.2025, 08:37): Hier gab's zwischendurch noch das jeweils erste Klaviertrio von Schumann (Faust/Queyras/Melnikov) und Brahms (Trio Fontenay). Heute morgen dann dieses:
Antonín Dvořák : Klaviertrio Nr. 1 B-Dur op. 21
Suk Trio
Es ist freilich ein Klischee, doch in meinen Ohren klingt es nach "Dvořák zuhause".
Philidor (27.09.2025, 09:44): Und gleich noch eins:
Franz Schubert: Klaviertrio Nr. 2 Es-Dur op. 100 D 929
Trio Wanderer
Gefiel mir wesentlich besser als Nr. 1 mit den Wanderern.
Sfantu (27.09.2025, 12:03): Es ist freilich ein Klischee, doch in meinen Ohren klingt es nach "Dvořák zuhause". Der Impuls fruchtete bei mir - danke dafür. Nach ewiger Nicht-Beschäftigung mit Dvořáks Trios und dem ewig mitsäuselnden Subtext "Ich sollte mal wieder...".
Anton Dvořák
Klaviertrio Nr. 1 B-dur op. 21
Trio Fontenay (CD, Teldec, 1989)
Allegro molto 10'26 Adagio molto e mesto 8'12 Allegretto scherzando. Trio 6'57 Allegro vivace 6'39
Ingeborg Ahllin hält op. 21 in ihrem Kammermusikführer als Einziges der Dvořák-Trios nicht der näheren Beschäftigung für würdig. Otto Schumann bemerkt mangelnde Geschlossenheit des Formalen (Rahmen-und Binnensätze fügten sich kaum zu einer Einheit). Immerhin: "Ein mächtiger Atem durchweht das Werk, weitet den harmonischen Raum und erfüllt ihn mit voll ausschwingenden Themen" . Um Folgendes nachzuvollziehen, muß ich erneut und konzentriert nachhören: "Das Adagio (g-moll, 4/8) bildet, nach dem eher eleganten und optimistischen Kopfsatz, den denkbar schärfsten Kontrast; gleichwohl ist es thematisch mit jenem eng verwandt: der Anfang des Hauptthemas ist eine Moll-Variante des Allegro-Beginns und hier wie dort bekommt die aufsteigende Sekunde im Lauf des Satzes ein besonderes Gewicht" . "Eine gelegentliche Ungelenktheit des Klaviersatzes und manche allzu direkten Anklänge an den Salonton allerdings weisen es technisch und musikalisch als ein Werk des Übergangs aus" . Übergang von wo nach wo?
Im Kopfsatz mußte ich mehrmals gegen den Impuls ankämpfen, die Stopp-Taste zu drücken. Allzu aufdringlich war mir der schwelgerisch-folkloristische Ton (Aus Behmmen kommt die Musik!). Beim Scherzo kam mir sofort das Duett "Mein lieber Schatz, nun aufgepaßt" aus der "Verkauften Braut" in den Sinn: Beide Male eine Polka in Moll mit doppelbödiger Verschmitztheit. Beide Male das Spiel mit Accelerandi resp. Tempo-Dopplungen. Seltsam changierende Stimmungen im schumannesken Trio.
Otto Schumann - Handbuch der Kammermusik (Wilhelmshaven, 1983), S. 344 Ludwig Finscher in Reclams Kammermusikführer (Stuttgart, 1980), S. 767 Gottfried Blumenstein im Booklet-Text zur Fontenay-Einspielung
Philidor (27.09.2025, 14:23): Im Kopfsatz mußte ich mehrmals gegen den Impuls ankämpfen, die Stopp-Taste zu drücken. Allzu aufdringlich war mir der schwelgerisch-folkloristische Ton (Aus Behmmen kommt die Musik!). Das Suk Trio weiß vielleicht Abhilfe ...
Hier weiter mit der Liste.
Johannes Brahms: Ein Deutsches Requiem, Op. 45
Mari Anne Häggander, Sopran Siegfried Lorenz, Bariton Rundfunkchor Leipzig Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig Herbert Kegel
Tolle Aufnahme.
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Missa h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, The Creation (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle)
XVI Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVIII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIX Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XX Britten, War Requiem (1962, Gardiner)
XXI Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (27.09.2025, 15:08): Noch'n Trio.
Felix Mendelssohn Bartoldy: Klaviertrio Nr. 2 c-Moll op. 66
Florestan Trio
Philidor (27.09.2025, 18:23): Noch eins.
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 2 F Dur op. 80
Isabelle Faust, Violine Jean-Guihen Queyras, Violoncello Alexander Melnikov, Klavier
Philidor (28.09.2025, 15:00): Hier ging's weiter mir der Liste.
Anton Bruckner: Messe Nr. 3 F moll
Lenneke Ruiten, Iris Vermillion, Shawn Mathey, FranzJosef Selig Rundfunkchor Berlin Orchestre de la Suisse Romande Marke Janowski
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle)
XVI Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XVIII Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XIX Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XX Britten, War Requiem (1962, Gardiner)
XXI Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIII Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXIV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (28.09.2025, 16:05): Noch'n Trio.
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 2 C-Dur op. 87
Trio Fontenay
Ich habe diese Gattung ziemlich lange vernachlässigt. Was für ein Fehler.
Joe Dvorak (29.09.2025, 18:20): Ich habe diese Gattung ziemlich lange vernachlässigt. Was für ein Fehler.
Bei der Exploration sind neben den einschlägigen Vertretern des Kanons noch die Franzosen zu beachten – sofern sie nicht ohnehin dazugehören. Und dann möchte ich noch nachdrücklich Werbung für diese beiden machen:
Mauricio Kagel - Trio in drei Sätzen (1984/85)
Schönberg Ensemble
(Der Argentinier hat mittlerweile noch zwei weitere Trios herausgebracht. Alle Dreie wurden vom Trio Imàge eingespielt; diese Aufnahme kenne ich nicht).
John Zorn - Amour Fou für Klaviertrio (1999)
Jennifer Choi (Violine), Erik Friedlander (Violoncello), Stephen Drury (Klavier)
Philidor (29.09.2025, 18:47): Bei der Exploration sind neben den einschlägigen Vertretern des Kanons noch die Franzosen zu beachten – sofern sie nicht ohnehin dazugehören. Und dann möchte ich noch nachdrücklich Werbung für diese beiden machen: Vielen Dank für die Werbung! :)
Spontan interessiert mich der Schumann - Schubert, Mendelssohn, Brahms und Dvorak habe ich doch noch irgendwie im Ohr, den Schumann aber nicht.
Naklar kommen Debussy und Ravel noch dran. Und Schostakowitsch ... auch Pfitzner und Reger haben ja in der Gattung gewütet. Rachmaninow ... Tschaikowsky ... und die vier frühen Klaviertrios von César Franck sollen spannend sein ... also, da gibt's noch was.
Jetzt also erstmal "im Kreis hören" mit Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms und Dvorak. Gerade kommt der zweite Kreis an sein Ende (damit ist Mendelssohn raus, und Schubert hat auch nur Sonatensatz und Notturno nachzuliefern. Na, die beiden "großen" Trios sind ja auch kapital.)
Antonín Dvořák : Klaviertrio Nr. 2 g-Moll op. 26
Suk Trio
Markus S (30.09.2025, 15:14): Aus der CD Haydn's World Volume 1 - Heidelberger Sinfoniker - Johannes Klumpp
Joseph Haydn (1732-1809) - Notturno in C major Hob. II: 32 I. Allegro moderato II. Andante cantabile III. Finale. Molto vivace
Joe Dvorak (01.10.2025, 10:08):
Philip Glass - Symphony Nr. 9
Bruckner Orchester Linz, Dennis Russell Davies
Ist das dem Orchester geschuldet oder hat diese Neunte tatsächlich etwas Brucknerisches an sich?
Philidor (02.10.2025, 20:06): Noch'n Trio. - Gestern gab's die beiden einzelnen Triosätze von Schubert (Trio Wanderer) nebst Schumanns drittem (Faust, Queyras, Melnikov). Den Shcumann muss ich dringend vertiefen.
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101
Trio Fontenay
Joe Dvorak (03.10.2025, 02:51): Hier'n Duo. Ich meine: ein ganz starkes.
Franz Schubert - Winterreise D. 911, op. 89
Johannes Martin Kränzle (Bariton), Hilko Dumno (Klavier)
Philidor (03.10.2025, 08:08): Hier wiederTrio, und was für eins.
Antonín Dvořák : Klaviertrio Nr. 3 f-Moll op. 65
Suk Trio
Philidor (03.10.2025, 17:06): Hier wieder eine Così.
Wolfgang Amadé Mozart: Così fan tutte KV 588
Fiordiligi - Elisabeth Schwarzkopf Dorabella - Christa Ludwig Ferrando - Alfredo Kraus Guglielmo - Giuseppe Taddei Despina - Hanny Steffek Don Alfonso - Walter Berry
Philharmonia Orchestra & Chorus
Karl Böhm
aufgenommen im September 1962
Manchmal sinddie sogenannten legendären Aufnahmen einfach diejenigen, welche die Generationen vor uns bevorzugten, und sei es faute de mieux. - Klar, Kalli Böhm bietet nicht den Kick der Aufnahmen von Jacobs oder Currentzis. Aber Schwarzkopf und Ludwig singen in einer anderen Liga als die HIPster. Meine ich.
Philidor (03.10.2025, 19:57): Noch'n Trio.
Johannes Brahms: Klaviertrio A-Dur op. posth
Trio Fontenay
So gut die Aufnahme ist, ich meine, es ginge anders ... :) ... muss mal bei Katchen, Suk, Starker wieder reinhören.
Andréjo (03.10.2025, 22:30): Dieses Trio in A-Dur ist aber irgendwie nur verkappter Brahms - oder habe ich das falsch in Erinnerung?
Eine Aufnahme finde ich durchaus im Regal, obgleich nicht mit Fontenay, mit denen ich (wahrscheinlich) nur die Beethoven-Trios kenne.
Da müsste ich mal nachsehen.
Philidor (03.10.2025, 22:34): Ja, da streiten sich die Gelehrten ...
Andréjo (03.10.2025, 22:57): Lange später nachgelassenes Jugendwerk vielleicht. Es klingt schon auch so, über den Daumen gepeilt.
Aber die Klassika zum Beispiel führt es nicht in ihren Verzeichnissen. Auch nicht der Kammermusikführer von Ingeborg Allihn, der nicht alle Werke bespricht, aber alle formal zu benennen behauptet. Harenberg benennt sie wiederum ohnehin nicht komplett, wobei er werkspezifisch oft ausführlicher ist.
Die deutschsprachige Wikipedia schlägt 1853 vor und "Brahms nur zugeschrieben".
So dass wir wieder bei Philidors letztem Beitrag angelangt wären. Das muss reichen für den Halblaien.
:hello Wolfgang
Philidor (03.10.2025, 23:14): Also, nochmal, Schubert, Mendelssohn, Brahms und Dvorak hatte ich noch halb im Ohr (Brahms 2 komischerweise nicht - tolles Werk!). Doch den Schumann, den fand ich sehr interessant. Da geht's weiter, bevor Franck, Tschaikowsky, Debussy und Ravel und noch ein paar andere drankommen.
Joe Dvorak (04.10.2025, 00:54): Hier 6 mal so viele Musiker, aber viel weniger Noten:
Steve Reich - Music for 18 Musicians
Grand Valley State University New Music Ensemble, Bill Ryan
Joe Dvorak (04.10.2025, 02:13): Nochmal:
Steve Reich - Music for 18 Musicians
Synergy Vocals, Colin Currie Group
Philidor (04.10.2025, 07:59): Die "Music for 18 musicians" ist mein Stück für den Sommer - Cocktail dazu, oder einen Riesling Kabinett, Mosel oder Nahe. Das Leben ist schön ...
Ich kenne die Aufnahme mit Steve Reich selbst und finde sie großartig. Ich habe einmal eine andere versucht und war enttäuscht.
Philidor (04.10.2025, 08:47): Und noch'n Trio, "Das Unvermeidliche" (nicht von Nielsen).
Antonín Dvořák : Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 90 ("Dumky")
Suk Trio
Joe Dvorak (04.10.2025, 10:32): Die "Music for 18 musicians" ist mein Stück für den Sommer - Cocktail dazu, oder einen Riesling Kabinett, Mosel oder Nahe. Das Leben ist schön ...
Ich kenne die Aufnahme mit Steve Reich selbst und finde sie großartig. Ich habe einmal eine andere versucht und war enttäuscht. Es gab in der Forensteinzeit mal einen Thread: Welcher Wein zu welcher Musik. Als Whiskytrinker käme bei mir ein Balvenie infrage, gereift in jungfräulichen amerikanischen Eichenfässern, in denen sich das komplexe Aroma über 14 Jahre entfalten konnte. Die Musik ist einfach gemacht und erreicht die Komplexität aus sich selbst heraus – da wären (Nach-)Reifungen in gebrauchten Fässern, wie etwa Sherry, keine gute Analogie. Das Fehlen des torfigen Rauchgeschmacks ist wiederum eine Entsprechung zur leichten Konsumierbarkeit der klingenden Ergebnisses.
Ich hatte die zweite Aufnahme, die Reich 1998 für Nonesuch gemacht hat, als Polycarbonat-Scheibe. Die Erstaufnahme auf Ecm habe ich auch gehört, aber das ist ein bisschen her. Beide stehen noch auf dem Programm, neben allen anderen, die ich finden kann. Die Erwartungen an das GVSU-Ensemble, deren Aufnahme ich vor rund 10 Jahren letztmalig hörte, waren nach ihrem Abschneiden bei Riley natürlich groß, aber die hinterher gehörte Aufnahme gefiel mir besser.
Philidor (04.10.2025, 11:13): Ich hatte die zweite Aufnahme, die Reich 1998 für Nonesuch gemacht hat, als Polycarbonat-Scheibe. Die Erstaufnahme auf Ecm habe ich auch gehört, aber das ist ein bisschen her. Ah - danke für die Information! Ich habe nur die Nonesuch-Aufnahme und wusste nichts von einer zweiten.
Joe Dvorak (04.10.2025, 11:21): Reich teilt Zeit mit Schubert. Als ich unlängst Kränzle mit der Winterreise hörte, war ich spontan geneigt, zu schreiben, dass das die beste sein muss, die mir je untergekommen ist. Aber weil sich bei meinem Stromdienst noch acht weitere befinden, die von mir mit "unbedingt wiederhören" markiert wurden, bedarf das einer Überprüfung. Die Zeit ist reif, das Portal für diese Reise steht - trotz der Vorhersage für herbstliche 33–36 Grad für die nächsten 8 Tage - weit offen.
Franz Schubert - Winterreise D. 911, op. 89
Andrè Schuen (Bariton), Daniel Heide (Klavier)
Was zur Hecke! Die ist auch der Wahn und verlangt nachdrücklich nach einer Zweitsitzung in allergrößter Ruhe. Der Mann sieht nicht nur aus wie Eddie Vedder in den 90ern, sondern hat ebensoviel Charisma.
Markus S (04.10.2025, 15:02): Bach, J S: Largo (after Piano Concerto No. 5 in F Minor, BWV 1056) https://www.youtube.com/watch?v=VSeHAW6eiUc
Benny Andersson (ABBA) hat im Januar diesen Jahres dieses Werk zusammen mit dem schwedischen Klarinettisten und Dirigenten Martin Fröst für dessen neues Album B.A.C.H aufgenommen. Das Album erscheint am 24.10.2025, sowohl physisch, als auch Digital.
Philidor (04.10.2025, 15:57): Vor einigen Tagen lief schon op. 59 Nr 1+2, nun ging's weiter:
Ludwig van Beethoven
Streichquartett C-Dur op. 59 Nr. 3 Streichquartett Es-Dur op. 74
Quatuor Ysaÿe
Philidor (04.10.2025, 17:21): Nun machte ich mit meiner Liste weiter:
Giuseppe Verdi: Messa da Requiem
Luba Orgonasova, Anne Sofie von Otter, Luca Canonici, Alastair Miles Monteverdi Choir Orchestre Révolutionnaire et Romantique John Eliot Gardiner
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (Originalfassung, 1887)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Poulenc, Gloria (1959, Hickox)
XXI Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIII Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXIV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling) XXV Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (04.10.2025, 18:18): Hier noch'n Streichquartett. Eine noch ziemlich neue Veröffentlichung.
P. I. Tschaikowsky: Streichquartett Nr. 3 Es-moll op. 30
Dudok Quartet
Die Darmsaiten klingen speziell. Zum Beispiel am Anfang des langsamen Satzes, der mMn hinreißend gespielt wurde.
Philidor (04.10.2025, 19:03): Nun doch noch'n Trio.
César Franck: Klaviertrio fis-Moll op. 1 Nr. 1
The Bekova Sisters
Sfantu (04.10.2025, 21:37): @Philidor @Joe Dvorak
schöne Idee, das Thema "Passender Tropfen zur verkosteten Musik" wiederzubeleben. Da ziehe ich ganz selbstlos mit:
Dazu gibt's einen Badischen 2023er Grauburgunder Kabinett trocken von Siegbert Bimmerle aus Renchen. Elegante, mineralische Textur hier wie dort. Allerliebst.
Philidor (04.10.2025, 21:51): schöne Idee, das Thema "Passender Tropfen zur verkosteten Musik" wiederzubeleben. Oh - gibt es da etwa einen Faden?
Bei dem beliebten Thema "welcher Wein zu welchem Essen" finde ich ja, dass es viel einfacher ist, die umgekehrte Frage zu beantworten: "Heute möchten wir mal wieder den Wein X trinken. Welches Essen würde dazu gut passen?"
Gewürze usw. im Essen kannst Du anpassen, aber wohl niemand will seinen Wein mit Zucker, Alkohol oder Aromastoffen "verbessern".
Vielleicht könnte man fragen: "Welche Musiken passen zu Wein X?"
Sfantu (04.10.2025, 22:35): Im Anschluß aus der oben erwähnten 4-CD-Box noch dies:
Den Weißen gab's noch im Ausklang des vorherigen Raclettes. Eine kleine Neutralisationspause mit der Elmer Mineralquelle ohne Kohlensäure (Kanton Glarus). Passend zum im Vergleich schwergewichtigeren op. 2 Nr. 1 nun die "Hopfensau" vom Hischbräu Wurmlingen. Ein Saisonalbier aus der Fasnachtszeit. Bewahre mir immer ein paar Fläschle bis in den Herbst - bevor das Verfallsdatum winkt.
Joe Dvorak (05.10.2025, 03:06): Ich hatte die zweite Aufnahme, die Reich 1998 für Nonesuch gemacht hat, als Polycarbonat-Scheibe. Die Erstaufnahme auf Ecm habe ich auch gehört, aber das ist ein bisschen her. Ah - danke für die Information! Ich habe nur die Nonesuch-Aufnahme und wusste nichts von einer zweiten. Gerne. :)
Gerade strömte die Uraufnahme. Hier wird nochmal eine Liga höher gespielt und das liegt vor allem an der Klangproduktion, die darauf angelegt zu sein scheint, dass das Orchester zu einem einzigen Organismus verschmilzt. (Die Stimmen sind beispielsweise manchmal kaum als solche auszumachen und überhaupt würde man uniformiert glauben, dass hier reichlich Elektronik im Spiel ist.) Das lässt die Musik gespenstisch lebendig erscheinen – nicht im Sinne eines vitalen Musizierens, sondern in dem Sinne, dass die Musik den Raum wie ein Lebewesen zu bewohnen scheint. (Naja, da gibt es vielleicht bessere Metaphern). Historisches Detail am Rande: Die Aufnahme wurde vom der DGG gemacht und lag dann erst mal 2 Jahre unveröffentlicht rum. Der trend-riechende Labelboss von ECM luchste ihnen schließlich die Bänder ab und verkaufte von der Publikation mehr als 100 000 Einheiten.
Steve Reich - Music for 18 Musicians
Steve Reich & Ensemble (AD: 1976, VÖ 1978)
Joe Dvorak (05.10.2025, 03:27): schöne Idee, das Thema "Passender Tropfen zur verkosteten Musik" wiederzubeleben. Oh - gibt es da etwa einen Faden?
Aber ja doch. Ich hatte weiter oben darauf verlinkt:
Es gab in der Forensteinzeit mal einen Thread: Welcher Wein zu welcher Musik.
Philidor (05.10.2025, 08:53): Aber ja doch. Ich hatte weiter oben darauf verlinkt: Und abermals danke für den Hinweis. Nun ja, dieser Thread scheint noch nicht so richtig in Fahrt gekommen zu sein. :)
Hier läuft eine Bach-Kantate zum heutigen Sonntag, und ich frage mich,was da passen könnte. "Komm, du süße Todesstunde" BWV 161 - vielleicht der Schierlingsbecher? Jedoch wird es dann vielleicht schwierig, von den Erfahrungen der Paarung Musik/Getränk zu berichten, und das wäre schade.
Joe Dvorak (05.10.2025, 09:35): Franz Schubert - Winterreise D. 911, op. 89
Andrè Schuen (Bariton), Daniel Heide (Klavier)
Was zur Hecke! Die ist auch der Wahn und verlangt nachdrücklich nach einer Zweitsitzung (...) (...) die dann ernüchternd ausfiel. Mein großes Problem sind die mit Verlaub pathetischen Texte der ersten Lieder. Das ständige Geheule (gefrorene Tränen, heiße Tränen, glühende Tränen) ist arg grenzwertig. Das kann man eigentlich kaum glaubwürdig singen, und wenn, dann hält sich meine Empathie bei so viel Selbstbemitleidung in Grenzen. Eigentlich braucht es diese ganze Passage nicht. Man könnte nach dem Auszug mit dem Rückblick weitermachen, ab dem der Zyklus inhaltlich endlich Fahrt aufnimmt und sich vom armseliger Liebesverzweiflung weg, hin zu existenziellen Erfahrungen und Erkenntnissen entwickelt.
Sfantu (05.10.2025, 10:11): Bei mir heute Morgen Konfrontationstherapie. Kann mit minimal music nicht so ganz viel anfangen.
John Adams
Chamber Symphony
Ensemble Modern - Sian Edwards (CD, RCA, 1997)
20'34
Das Fazit der Therapiesitzung ist positiv. In diesem Stück stehen nicht die hypnotisierenden (und auf mich schnell debil wirkenden) Patterns im Vordergrund. Es geht doch sehr farbig und geschäftig zu. Einzig ein gewisser durchgehender ground beat der Schlagwerker erinnert an das erwähnte Klischee. Stimmig, abschnittweise fetzig, nicht ohne Witz und fast durchgängig von hoher Dichte, gefällt mir diese Kammersinfonie fast richtig gut. Ansteckende Spiellaune, grandiose Klangqualität.
Dazu gab es eine Tasse Kaffee aus unserer Dorfrösterei. Die Sorte Tanzania Arabica habe ich in meiner Zassenhaus-Mühle von Hand gemahlen. Das filtrierte Leitungswasser (halb aus der Kommunalversorgung, halb aus dem Bächli neben dem Haus) hinein in den gläsernen WMF-Wasserkocher, wiederverwendbarer Filter aus gesiebtem Stahl im Melitta-Porzellan-Filterhalter. Dazu 3,8%ige Frischmilch von "Schwarzwaldmilch". Die ideale Kombi? Möglich.
Philidor (05.10.2025, 17:05): Hier gab's nochmal Franck-reiche Klaviertrios.
César Franck
Klaviertrio B-Dur op. 1 Nr. 2 Klaviertrio h-Moll op. 2 Klaviertrio h-Moll op. 1 Nr. 3
The Bekova Sisters
Das fis-Moll-Trio fand ich gestern ein wenig enttäuschend, doch die beiden Trios in h-Moll schienen mir auf den ersten Lausch hörenswert.
Joe Dvorak (06.10.2025, 04:43):
Steve Reich - Music for 18 Musicians
Ensemble LINKS, Rémi Durupt (2020, Live)
Also entweder habe ich etwas mit den Ohren, oder es ist eine Verwechslung und mein Stromportal hat die Aufnahme falsch zugeordnet, oder die Rezensenten haben nicht richtig hingehört und in den Phrasenbaukasten gegriffen. Diese Einspielung ist weder "durchhörbar, kristallin" (NMZ, zitiert von Amazon, s. Link oben) noch "clear and not mushy" ( Classical Music Reviews: December 2020 - MusicWeb-International']Musicweb). Ich höre genau das Gegenteil, sie ist "mushy" (breiig). Das könnte ein gewollter Interpretationsansatz sein, um einen geschlossenen Klangkörper zu schaffen, wobei man aber hinnehmen muss, dass manch individuelle Linie untergeht. Das größere Manko ist für mich, dass der Puls oft viel zu laut ist, und vom Rest isoliert bleibt. Ich würde nicht so weit gehen, das als debil zu bezeichnen, aber es wirkt eigenartig. Als Befürworter von Interpretationen, die eigene ihrer Art sind, will ich den Ansatz an sich nicht kritisieren, im konkreten Fall komme ich jedoch damit nicht klar. Anmerkung: Nach einem Vergleich der Spielzeiten kann eine Verwechslung ausgeschlossen werden – keine andere Aufnahme ist so schnell.
Joe Dvorak (06.10.2025, 06:04):
Bedřich Smetana - Má Vlast, JB 1:112
Wiener Philharmoniker, Nikolaus Harnoncourt
Joe gefällt das.
Philidor (06.10.2025, 07:14): Bedřich Smetana - Má Vlast, JB 1:112
Wiener Philharmoniker, Nikolaus Harnoncourt
Joe gefällt das. Ja, eine feine, im positiven Sinne irritierende Aufnahme!
Meine Favoriten (aus < 10 Aufnahmen, so wichtig ist mir das Werk nicht ...) sind Talich 1954 und Kubelik 1990, doch Harnoncourt ist hier die wunderbare "something else"-Version. Laut meinen Hörnotizen, die nun auch schon wieder einige Jahre alt sind.
Maurice inaktiv (06.10.2025, 20:53): Bedřich Smetana - Má Vlast, JB 1:112
Wiener Philharmoniker, Nikolaus Harnoncourt
Joe gefällt das. Ich finde sie gerade bei der "Moldau" für in den Sand gesetzt. Ich hatte damals schon geschrieben, dass er alle Sätze wahnsinnig klasse gerockt hat, aber die Moldau fließt nicht, sie "steht" für mich, zäh, ganz fürchterlich.
Kubelik von 1990 ist halt historisch, man kann quasi die Spannung "hören", bzw. fühlen. Das Orchester hat vielleicht dieses Werk noch nie so emotional aufgewühlt gespielt wie bei Kubeliks erstem und letzten Besuch, bereits gezeichnet von seinem gesundheitlichen Zustand.
Ich finde hier Pesek, Wit und auch Belohlavek ganz hervorragend. Talichs Aufnahme ist natürlich ebenfalls historisch ein Meilenstein gewesen, ohne Frage.
Sfantu (06.10.2025, 22:15): Weit zurück nahe zu den Anfängen der Gattung Klaviertrio.
Carl Philipp Emanuel Bach
Sonaten für das Clavier, begleitet von einer Violine und einem Violoncell
Trio 1790: Harald Hoeren, Fortepiano Matthias Fischer, Geige Philipp Bosbach, Cello (CD, cpo, 1994)
e-moll Wq 89 Nr. 5
Allegretto 5'28 Larghetto 1'36 Allegro 1'52
D-dur Wq 89 Nr. 6
Allegro 1'52 Andantino 2'56 Allegro 3'25
Arioso mit neun Variationen C-dur Wq 91 Nr. 4
12'54
Der Meister der Affekte kommt auch in intimeren Besetzungen wie hier souverän zum Ausdruck. Freilich werden den beiden Streichern kaum mehr als klanglich grundierende Funktionen zugewiesen. Im herrlich ausladenden Arioso ist das etwas anders. Allein um der melodiösen Bögen willen dürfen (müssen) sie ein Stück aus der Reserve kommen. Musik mit Substanz, Gestik und Hakenschlägen. Klangschön und rhetorisch gewandt gespielt.
Sfantu (06.10.2025, 22:26): Im Anschluß aus diesem lang nicht mehr aufgelegten Album:
Justin August Just
Sonaten für Violine, Violoncello und Klavier op. 2
Trio 1790: Harald Hoeren, Fortepiano Matthias Fischer, Geige Philipp Bosbach, Cello (CD, cpo, 1995)
Nr. 5 a-moll
Moderato 4'55 Rondeau un poco presto 1'41 Menuetto 2'15
Nr. 6 G-dur
Andante 4'14 Angloise con variatione 3'48
Die etwa zeitgleich mit Bachs Trios entstandenen Werke (1769/70) kommen im direkten Vergleich ein wenig harmlos im Plauderton daher. Weniger kleingliedrig in den Sinnabschnitten, dafür lieblicher, leichter, sanglich orientiert. Ganz nett.
Joe Dvorak (07.10.2025, 11:03):
Steve Reich - Music for 18 Musicians
Ensemble Signal (2015)
Das ist die Aufnahme, die man Reichs Ersteinspielung (ECM) zur Seite stellen kann. Das Ensemble Modern, Amadinda, Reichs spätere (Nonesuch) sowie die schon vorgestellten Aufnahmen kommen da nicht heran. Da das Stück keinen Interpretationsspielraum lässt, sind die Unterschiede nicht allzu groß. Sie betreffen vor allem den Ensembleklang, die Balance zwischen den Instrumenten- und Sängergruppen, das Tempo und die klangliche Abmischung. Wer es etwas farbiger und lichter mag und feinste Nuancen hören will, ohne dass das zu Lasten der Homogenität und des Flusses geht, dürfte die Signaler vorziehen. Reich höchstselbst machte sich für diese Aufnahme stark.
Joe Dvorak (08.10.2025, 07:42):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 7 F-Dur, op. 59/1 "Razumovsky"
Rusquartet
Philidor (09.10.2025, 07:45): Auch hier wurde in F-Dur auf 16 Saiten geschrubbt, und unterhalb jeder Schamgrenze strömte potenziell anrüchige Musik (Hanslick) ein.
P. I. Tschaikowsky: Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 22
Der Kna hatte es schon dicke drauf. Da kann die ein Jahrzehnt später am selben Ort gemachte und von mir hochgeschätzte Aufnahme mit Maestro Wand trotz des Stereo-Sounds nicht mithalten.
Philidor (09.10.2025, 16:44): Hm ... Bruckner 7 ist hier mit Celi/Stuttgart, HvK/BPO (1975) und Jochum/StaKa Dresden verdrahtet ... dazu noch jüngere Aufnahmen von Abbado/Wien, Wand/Berlin, Nelsons/Leipzig, Roth/Köln und Thielemann/Wiener PO ...
... der Kna ist mal vorgemerkt, vielen Dank!
Philidor (10.10.2025, 07:50): Und nochmal Tschai.
P. I. Tschaikowsky: Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 22
Borodin-Quartet (zweite Aufnahme, April 1978, Kopelman/Abramenkov/Shebalin/Berlinksy)
Spricht mich deutlich mehr an als die erste.
Sfantu (11.10.2025, 21:26):
Wolfgang Amadé Mozart
Die Entführung aus dem Serail
Solisten, Rundfunkchor Leipzig, Staatskapelle Dresden - Karl Böhm (2 CDs, DG / Coproduktion VEB Deutsche Schallplatten, 1974)
Zwar würde ich Jochums Gesamtaufnahme mittlerweile in summa die Palme zugestehen. Aber mit Böhm lernte ich die Entführung damals kennen (als ich mir als Schüler mein Taschengeld als Statist am Opernhaus meiner Heimatstadt aufbesserte. Wir waren damals mit Turban und Säbeln ausgestattete Wachen/Schergen). Augér, Schreier, Moll sind Deluxe-Bestzungen, Reri Grists enges, quäkiges Timbre war nie so ganz mein Geschmack. Harald Neukirch als Pedrillo aber galt beim heutigen Wiederhören meine besondere Aufmerksamkeit. Und daher gebührte ihm das einzige Dacapo. Seine heldenhafte Arie "Frisch zum Kampfe, frisch zum Streite" kann leicht zur Farce geraten: er ist als Buffo mit leichterem Stimmmaterial nicht der Held dieser Geschichte. Und der Text birgt manche ausgesprochene Ungeschmeidigkeit hinsichtlich Diktion und deren Einfluß auf Timbre und Wohlklang. Zudem ist dieser "Kleiner Mann ganz groß"-Auftritt nicht frei von ironischen Brüchen. Doch Harald Neukirch macht daraus einen mehr als achtbaren Auftritt (vielleicht ähnlich Peter Schreier als Max oder Mime: mit kleinen stimmlichen Ressourcen durch Darstellung und Fokussierung überzeugend). Für mich sind das Sternstunden des Musiktheaters.
Joe Dvorak (12.10.2025, 04:50):
Steve Reich - Music for 18 Musicians
Eric Hall (2020)
Hall, ein Komponist, der im Post-Minimalismus zu Hause ist, hat alle Stimmen – teils auf elektronischen Instrumenten – einzeln eingespielt und dann zusammenmontiert. Nicht nach Lehrbuch, aber überzeugend.
Philidor (12.10.2025, 16:18): Und nochmal Tschai.
P. I. Tschaikowsky: Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 22
Borodin-Quartet (dritte Aufnahme, Januar 1993)
Unter den drei Aufnahmen der Borodins gefällr mit diese am besten.
Philidor (12.10.2025, 18:15): Unter den drei Aufnahmen der Borodins gefällr mit diese am besten. ... aber die Dudoks schießen den Vogel ab.
P. I. Tschaikowsky: Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 22
Dudko Kwartet Amsterdam
Philidor (12.10.2025, 19:32): Hier ging's weiter mit der Liste.
Gabriel Fauré: Messe de Requiem, Op. 48 (Version 1893)
Agnès Mellon, soprano Peter Kooy, baritone Jean-Philippe Audoli, violin La Chapelle Royale Les petites chanteurs de Saint-Louis Ensemble Musique Oblique Phillippe Herreweghe
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel, Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, n. n.)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Joe Dvorak (13.10.2025, 01:46): Dudok Kwartet Amsterdam Eine hochinteressante Formation mit einer außergewöhnlichen Diskographie, die oft auf unerwartete Werk-Kopplungen setzt: Albums - Dudok Quartet. Das wäre eigentlich ein Fall für die Unbedingt-hören/wiederhören-Liste, wenn ich die nicht gestern von knapp 1000 auf 233 Alben gekürzt hätte, mit dem Vorsatz, die nun endlich mal "abzuarbeiten", anstatt immer mehr Neues, das man dann doch nicht alles hören kann, draufzuschmeißen. Auch die Herunterladekultur schützt nicht vor Sammelwut... Ach, was soll's! Dudkos Tschik kommt drauf und die Reich/Messiaen-Kombi wird sogleich geströmt:
What Remains - Streichquartette von Joey Rouskens und Steve Reich & Arrangements aus Werken von Perotin, Machaut, Gesualdo und Messiaen
DudokQuartet Amsterdam
Philidor (13.10.2025, 19:44): Hier noch so'ne legendäre Aufnahme.
Wolfgang Amadé Mozart: Così fan tutte KV 588
Fiordiligi - Elisabeth Schwarzkopf Dorabella - Nan Merriman Ferrando - Léopold Simoneau Guglielmo - Rolando Panerai Despina - Lisa Otto Don Alfonso - Sesto Bruscantini
Philharmonia Orchestra & Chorus
Herbert von Karajan
aufgenommen im Juli 1954, sozusagen ein paar Tage, nachdem Rahn schießen musste.
Vokal gefällt sie mir noch besser als die 1962er Aufnahme mit Böhm. Nur Christa Ludwig vermisse ich. Aber das ist schon ein Träumchen ...
Damit bin ich mit der Così bis auf Weiteres durch. Weiter mit Alban Berg.
Philidor (14.10.2025, 09:36): Hier begann heute morgen eine Nachschau zu den Schumann-Klaviertrios, die mir mit Faust/Queyras/Melnikov so gut gefallen haben.
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63
Beaux Arts Trio
Mit den Beaux-Arts-Mannen ging es nicht so an mich. Schwelgerisch, irgendwie altmodisch, aber auf lahme Art. Alte weiße Männer machen Kammermusik des 19. Jhds.
Philidor (14.10.2025, 16:58): Nun ging es mit der Liste weiter.
Karol Szymanowski: Stabat mater, Op. 53
Elżbieta Szmytka, Sopran Florence Quivar, Mezzosopran John Connell, Bass City of Birmingham Symphony Orchestra and Chorus Sir Simon Rattle
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, n. n.)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (14.10.2025, 17:28): Gleich noch eins.
Igor Strawinsky: Symphony of Psalms
Rundfunkchor Berlin Berliner Philharmoniker Pierre Boulez
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, n. n.)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (14.10.2025, 18:34): Ich hatte die zweite Aufnahme, die Reich 1998 für Nonesuch gemacht hat, als Polycarbonat-Scheibe. Die Erstaufnahme auf Ecm habe ich auch gehört, aber das ist ein bisschen her. Ah - danke für die Information! Ich habe nur die Nonesuch-Aufnahme und wusste nichts von einer zweiten. Gerne. :) Gerade strömte die Uraufnahme. Hier wird nochmal eine Liga höher gespielt und das liegt vor allem an der Klangproduktion, die darauf angelegt zu sein scheint, dass das Orchester zu einem einzigen Organismus verschmilzt. (Die Stimmen sind beispielsweise manchmal kaum als solche auszumachen und überhaupt würde man uniformiert glauben, dass hier reichlich Elektronik im Spiel ist.) Das lässt die Musik gespenstisch lebendig erscheinen – nicht im Sinne eines vitalen Musizierens, sondern in dem Sinne, dass die Musik den Raum wie ein Lebewesen zu bewohnen scheint. (Naja, da gibt es vielleicht bessere Metaphern). Historisches Detail am Rande: Die Aufnahme wurde vom der DGG gemacht und lag dann erst mal 2 Jahre unveröffentlicht rum. Der trend-riechende Labelboss von ECM luchste ihnen schließlich die Bänder ab und verkaufte von der Publikation mehr als 100 000 Einheiten.
Steve Reich - Music for 18 Musicians
Steve Reich & Ensemble (AD: 1976, VÖ 1978) ... diese Aufnahme strömte hier nun ein - was soll ich sagen? Echte Konkurrenz zu Reichs Zweitaufnahme bei Nonesuch. Die spätere Aufnahme hat irgendwie mehr "Panta rhei", die erste ist direkter. Ich mag wohl beide ...
Philidor (14.10.2025, 21:21): Hier nochmal Schumanns erstes Klaviertrio.
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63
The Florestan Trio
Gefiel mir viel besser als die Aufnahme des Beaux Arts Trios heute morgen.
Sfantu (14.10.2025, 22:07):
Girolamo Frescobaldi
Messa sopra l'aria della Monica
Attilio Cremonesi, Orgel Furio Zanasi, Kantor Il Teatro Armonico - Alessandro de Marchi (CD, Symphonia, 1993)
Selten läuft bei mir Frühbarockes, Renaissance oder noch ältere Musik - obgleich meine Sammlung nicht unbedingt schwach damit bestückt ist. Wie wohltuend, diese urwüchsige, entschlackte Klangwelt. Eine runde Ensembleleistung. Klares Klangbild.
Philidor (15.10.2025, 07:28): Und nochmal.
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63
Abegg Trio
Ebenfalls deutlich sympathischer als das nostalgische Schwelgen der Beaux-Arts-Mannen.
Philidor (16.10.2025, 07:51): Oh ja!
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63
Eric le Sage, Klavier Gordan Nikolitsch, Violin Christopher Coin, Violoncello
Solche Aufnahmen sind es wert, früher aufzustehen, um sie noch hören zu können!
Philidor (16.10.2025, 20:07): Die vorerst letzte.
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63
Jacques Thibaud, Violine Pablo Casals, Violoncello Alfred Cortot, Klavier
Interessant eher wegen des Stils des Spielens als wegen der Interpretation an sich, meine ich.
Philidor (17.10.2025, 08:11): Nun zu Nr. 2.
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 2 F-Dur op. 80
The Florestan Trio
Feine Sache.
Joe Dvorak (18.10.2025, 03:56):
Bartók / Milhaud - String Quartets
Dvořák Quartet Bela Bartók - Streichquartett Nr. 1, op. 7, SZ.40 Darius Milhaud - Streichquartett Nr. 7 B-Dur, op. 87
Joe Dvorak (18.10.2025, 04:26): Die Bartók/Milhaud-Kombi war sehr aufregend. Jetzt steigerte sich die Aufregung zur Erregung:
John Zorn - Prolegomena (2025)
JACK Quartet Sigil Magick (2020) für Streichquintett + Michael Nicolas (Violoncello) Prolegomena To Any Future Metaphysics That Will Be Able To Present Itself As A Science (2020) für Streichsextett + Yura Lee (Viola), Michael Nicolas (Violoncello)
Joe Dvorak (18.10.2025, 05:06): Zum Abschluss eines höchst befriedigenden musikalischen Morgens gab es noch dieses:
John Adams - The Dharma at Big Sur
Leila Josefowicz (6-saitige Elektrische Violine), Los Angeles Philharmonic, John Adams
Philidor (18.10.2025, 14:36): Hier wieder das zweite Trio von Schumann.
Robert Schumann: Klviertrio Nr. 2 F-Dur op. 80
Abegg-Trio
Die Aufnahmen der Florestans und der Abeggs finde ich sehr bemerkenswert.
Andréjo (18.10.2025, 15:26): Das siebte Streichquartett von Darius Milhaud - siehe ein wenig weiter oben den Beitrag von Joe Dvorak - ist zwar typisch, aber eher mildtätig. Doch wirklich schön, nachdem ich jetzt wieder mal hineingehört habe.
Wenn Ihr Milhauds radikale Polytonalität erfahren möchtet bei den Streichquartetten, empfehle ich die Nummer fünf. Das ist sicher sein modernstes oder modernistischstes zumindest.
Ich kenne sie vom zum Teil deutlich mehrmaligen, zum Teil seltenen Hören alle. Die späten ähneln einander recht stark, wirken konstruiert, da ist die Inspiration nicht mehr wirklich vorhanden - aber vielleicht ist das auch nur meine Meinung, weil ich sie nicht mehr auseinanderhalten kann. Die ersten beiden sind noch nicht ganz charakteristisch. Beim finsteren dritten singt noch jemand ...
Ich habe sie mir mit unterschiedlichen Verfahren alle recht mühsam zusammengesammelt, etliche gekauft, etliche von y... g ... :P
Es gibt eine komplette Veröffentlichung aus einer Hand, die des Quatuor Parisii. Falls nicht schon wieder vergriffen. Bei amazon, jpc und discogs finde ich sie aktuell nicht - bin aber manchmal auch nicht intelligent genug zum Suchen. Damals, vor etlichen Jahren, als die Begeisterung am größten war, hat mir der Preis nicht gepasst. Und einzeln bekommt man eine größere Reihe aus mehreren Händen zum Kaufen, aber eben durchaus nicht alle und vor allem fehlen die späten.
Besonders beliebt und eingängig ist wohl die Nummer zwölf, und - wie oben schon gesagt - kann man 14 und 15 auch als Oktett hören.
:hello Wolfgang
Philidor (18.10.2025, 19:33): Hier Subkutanes.
Alban Berg: Wozzeck
Wozzeck - Toni Blankenheim Marie - Sena Jurinac Tambourmajor - Richard Cassily Hauptmann - Andreas Unger Doktor - Hans Sotin 1. Handwerksbursch - Kurt Moll 2. Handwerksbursch - Franz Grundheber Andres - Peter Haage Narr - Kurt Marschner Margret - Elisabeth Steiner Maries Sohn - Martina Schumacher
Chor der Hamburgischen Staatsoper Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Bruno Maderna
Inszenierung Rolf Liebermann
Absolut sehenswert. Toller Opernfilm.
Andréjo (18.10.2025, 20:16): Maderna - Liebermann - vielleicht sollte ich mir eine Zweiteinspielung gönnen!
Habe ich nicht sogar eine DVD? Nein, das sind wohl doch die Soldaten, insofern Lenz und Zimmermann. Ist nicht genau das Nämliche!
Philidor (18.10.2025, 21:25): Maderna - Liebermann - vielleicht sollte ich mir eine Zweiteinspielung gönnen! Unbedingt. :D
Philidor (19.10.2025, 18:00): Hier ging's weiter mit der Liste.
Arthur Honegger: Jeanne d'Arc au bûcher
Jeanne d'Ac - Nelly Borgeaud Frère Dominique - Michel Favory L'âne, Regnault de Chartres, Jean de Luxembourg, un paysan, un prêtre - René Brun Guillaume de Flavy, L'appariteur - François Loup Une voix, La mère aux Tonneaux - Annie Gaillard Le Duc de Bedford, Héraut III - Tony Jacquot La Vierge - Christianne Château Marguérite - Anne-Marie Rodde Cathérine - Huguette Brachet
Tenor, Porcus - Zdeněk Janovský Bass, Héraut II - François Loup Voix d'enfant - Lenka Loubalová Françoise Deslogères - Ondes Martenot
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, n. n.)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Joe Dvorak (20.10.2025, 02:39):
Darius Milhaud - Sinfonie Nr. 10, op. 382
RSO Basel, Alun Francis
Spannende Musik. H verpasste der GA die Doppel-10. (Milhaud Symphonies/CPO - Classics Today)
Philidor (20.10.2025, 19:21): Nr. 3.
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 3 g-Moll op. 110
The Florestan Trio
Nr. 1 und 2 fand ich mit den Florestans sehr attraktiv. Nr. 3 kam mir ein wenig detailverliebt vor - ob dem Stück eventuell ein geradlinigerer Zugang noch besser stünde?
Philidor (21.10.2025, 07:29): Eine Neuentdeckung für mich.
Andrzej Panufnik: Streichquartett Nr. 2 "Messages"
The Silesian String Quartet
Philidor (21.10.2025, 08:08): Und nochmal das dritte Trio.
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 3 g-Moll op. 110
Abegg Trio
Ok, die Abeggs spielen das geradliniger als die Florestans, aber eben auch - langweiliger. Kann ich bitte etwas dazwischen haben?
Andréjo (21.10.2025, 12:25): ;) Da habe ich erst mal nur offene Fragen anzubieten:
Wären die folgenden dazwischen? Stehen die in Deinem Regal oder schweben auf Deiner Wolke etcetera? Oder hast Du die hier sowieso bereits benannt?
Das Grieg Piano Trio und das Israel Piano Trio. Schlecht sind die nicht. Wobei man ja immer bei unterschiedlichen Aspekten vergleichen kann oder muss.
Ich war überrascht, vor einiger Zeit dieses Trio als doch längst bekannt wieder zu hören. Wahrscheinlich habe ich vor etlichen Jahrzehnten mal eine Band-Aufnahme rauf und runter gespielt.
Le Sage und Mitstreiter oben könnten mich jetzt freilich interessieren. Vielleicht auch Faust/ Melnikov/ Queyras. Das sind drei Soli(psi?)sten - was nicht automatisch klappen muss, aber sehr wohl kann.
:hello Wolfgang
Philidor (21.10.2025, 18:06): Besten Dank für Deine wertvollen Gedanken,werter Andréjo! Na, "dazwischen" war halt zwischen der sehr detailverliebten Sichtweise der Florestans und dem sehr geradlinig, geradezu langweiligen Spiel der Abeggs gemeint.
Hier bin ich wohl fündig geworden:
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 3 g-Moll op. 110
Eric le Sage, Klavier Gordan Nikolitsch, Violin Christopher Coin, Violoncello
Die Trias von Schumanns Klaviertrios muss ich mir demnächst nochmal geben. Und dann auch die Fantasiestücke nicht verschmähen. Könnte sein, dass Faust/Queyras/Melnikov und Sage/Nikolitsch/Coin sich als meine Favoriten erweisen würden. Vielleicht aber auch nicht.
Andréjo (21.10.2025, 19:32): Die beiden anderen Trios von Schumann sind sicher reizvoll und typisch. Aber den Wiedererkennungs-Wert würde ich als geringer einschätzen. Ich habe sie vor ein paar Wochen wieder alle gehört mit dem Israel Piano Tro.
Philidor (22.10.2025, 07:47): Von Schumann zu Brahms, bei dem die Aufnahme der Fontenay ein paar offene Wünsche hinterlassen hat. Jetzt also erstmal ein Klassiker:
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8
Julius Katchen, Klavier Josef Suk, Violine Janos Starker, Violoncello
Passt.
Philidor (22.10.2025, 19:07): Und das ist richtig gut:
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8
Maria João Pires, Klavier Augustin Dumay, Violine Jian Wang, Violoncello
Schon die Violinsonaten fand ich mit Pires/Dumay hinreißend. Dieses Trio gewiss nicht minder.
Philidor (23.10.2025, 17:54): Hier ging's mal weiter mit der Liste.
Franz Schmidt: Das Buch mit sieben Siegeln
Stig Anderson, Johannes René Pape, Die Stimme des Herrn
Christiane Oelze, Cornelia Kallisch, Lothar Odinius, Alfred Reiter
Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks https://m.media-amazon.com/images/I/51VVk44ErgL.jpg Franz Welser-Möst
Großartig dirigiert, so weit ich das sagen mag, doch das Vibrato von Anderson verschafft mir Gefühle von Ohrenkrebs.
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Missa B minor (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, n. n.)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (24.10.2025, 07:38): Hier ging's weiter mit der Triple-J Boy Group, ...
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 2 C-Dur op. 87
Julius Katchen, Klavier Josef Suk, Violine Janos Starker, Violoncello
... die mMn hervorragend ablieferte.
Markus S (24.10.2025, 15:03): B.A.C.H - Martin Fröst Aria from Goldberg Variations BWV 988 Arrangement for clarinet & double bass: Martin Fröst & Sébastien Dubé
https://youtu.be/8oN-FVkhPdo?si=T00Bl0bwQ2MYX-Gv
Ich habe mir das Album bei Qobuz als HI-Res gekauft. (Aktuell gibt es dort 50% Rabatt auf den gesamten Hi-Res-Katalog.) :)
Philidor (25.10.2025, 09:18): Auch Nr. 2 finde ich mit diesem Trio ganz ausgezeichnet.
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 2 C-Dur op. 87
Maria João Pires, Klavier Augustin Dumay, Violine Jian Wang, Violoncello
Joe Dvorak (26.10.2025, 02:33): JLL-#2/233
Johann Sebastian Bach - Musikalisches Opfer, BWV 1079
Ensemble Sonnerie
Dieser Eintrag ist das Resultat einer nahezu pathologische Züge aufweisenden Verhaltensweise, die manch anderem Musikfreund nicht unbekannt sein dürfte – der Unfähigkeit, sich zu entscheiden, was man hören will. Als ich digitale Musikdaten noch in Form von Pits in Lagen von Polycarbonat, Aluminium (oder Silber/Gold) und Acryl besessen habe, konnte es vorkommen, dass ich so lange vor meinen Regalmetern auf und ab ging, bis die zum Hören reservierte Zeit verstrichen war. Die weitestgehende Umstellung auf das direkte Abrufen der Daten aus dem Internet und die damit verbundene sofortige Verfügbarkeit von Allem macht das nicht gerade einfacher. Irgendwann, das könnte zwei oder mehr Jahre her sein, bekam ich einen Impuls, das Musikalische Opfer zu hören. Mit der Sonnerie, die ich auf CD hatte, habe ich eine gut bekannte Aufnahme für die Ewigkeit im Gedächtnis gespeichert, aber ich dachte, dass ich vielleicht mal wieder eine Alternative hören will. Also schaute ich bei meinem Anbieter nach, was es da so gibt. Und da gibt es vieles. Das Schöne an der Strömerei ist, dass man gleich Probehören kann. Also hörte ich Probe und hörte Probe und konnte mich nicht entscheiden. Irgendwann hat sich dann doch das Ensemble Sonnerie durchgesetzt. Leider war die Restzeit bis zur Arbeitsaufnahme nicht mehr ausreichend – ich hatte das viel kürzer als 70 Minuten in Erinnerung. Also landete es auf der Unbedingt-hören/wiederhören-Liste und verharrte dort bis gestern. Und nach zwei beglückenden Durchgängen darf sie heute Morgen ein drittes Mal ran. Dem Prinzip der maximalen Faulheit folgend, zitiere ich eine alte Besprechung von Cetay: Monica Huggett (Violine), Sarah Cunningham (Viola da Gamba), Gary Cooper (Cembalo), Wilbert Hazelzet (Flöte), Paul Goodwin (Oboe, Oboe d'amore, Oboe da caccia), Pavlo Beznosiuk (Violine, Viola, Tenor Viola), Frances Eustace (Fagott)
Heute Nacht gehört (eine erfreuliche Nebenwirkung der präsenilen Bettflucht ist die gewonnene Zeit zum Musik hören - man hat ja außer Schlaf nichts anderes geplant :D ). Die gehörte Aufnahme ist die weitaus klangfarbenreichste unter allen mir bekannten - die vielfältige Instrumentierung gibt einen Fingerzeig. Bach hat für die meisten der 16 kontrapunktischen Sätze die Instrumentierung offen gelassen und diese Freiheit hat das Ensemble sehr kreativ genutzt, selbstredend mit Originalinstrumenten. Beim 6-stimmigen Ricercar ist es zwar nicht ganz gesichert, aber es gibt doch Indizien dafür, dass es für Cembalo allein gedacht war. Die Sonneries wollten es sich dennoch nicht nehmen lassen, gerade den Sechser besonders bunt zu präsentieren. Daher bieten sie uns beide Realisierungen zur Auswahl. Das Musikalische Opfer als Ganzes ist und bleibt wie die Kunst der Fuge ein verdammt sperriges und schwer zugängliches Werk. Es steht bei mir ganz oben auf der Liste der "Werke, die mir später mal gefallen werden". Diese Aufnahme ermöglicht mit ihren zahlreichen reizvollen Klangkombinationen einen erleichterten Eintritt und macht das auch ohne kanonisches Rätselraten zu einer echten Hörfreude. Randbemerkung: Mittlerweile ist die Auswahlneurose überwunden. Zum einen ist es die Erkenntnis, dass das Werk wichtiger ist als die Interpretation und es nicht immer die ideale sein muss. Ja, es gibt Ausnahmen, bei denen eine schlechte Interpretation die weitere Beschäftigung mit einem Werk für lange Zeit verbaut hat, oder in denen erst die richtige Interpretation einen Zugang ermöglichte, aber das waren bei mir äußerst seltene Fälle. Zum anderen stellt sich bei der listen-basierten "Projektarbeit" das Problem nicht. Es wird gegessen, was auf … ich meine: Es wird gehört, was in den Äther strömt.
Joe Dvorak (26.10.2025, 07:02): Aus aktuellem Anlass (seit zwei Tagen auf den Servern) gibt es eine kleine Planänderung:
Pyotr Ilyich Tchaikovsky - Sinfonie Nr. 5 e-Moll, op. 64
London Philharmonic Orchestra, Karina Canellakis
Straff und, wo angebracht, knallig, vermeintlich hohlen Bombast souverän überspielend. Emotional packend, ohne Sentimentalität oder übertriebene Leidenschaft. Aufgeräumt und durchdacht, dabei einen strengen, folgerichtigen Zug bewahrend. So, wie es die jungen Leute heute halt dirigieren. Und es steht dem Werk so gut zu Gehör.
Philidor (26.10.2025, 11:56): Angefixt von Joe Dvoraks Empfehlung gebe ich mir gleich die volle Tschaikowsky-Schlachtross-Dröhnung - ab und zu ist das schön.
P. I. Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1 B-moll op. 23
Martha Argerich, Klavier Berliner Philharmoniker Claudio Abbado
... ich muss zugeben, dass sich der Zauber des Werks doch abnutzt. Lieber Pini di Roma? :)
Philidor (26.10.2025, 13:41): Sehe gerade, dass ich meine Auditionen von Tschaikowsky 4 (Rostdestvensky) und 5 (Mrawinsky) hier gar nicht geteilt habe. - Nun also, dem Joe Dvorakschen Impulse folgend:
P. I. Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 ("Pathétique")
London Philharmonic Orchestra Karina Canellakis
Schlank im Klang und pathosfrei, wohl soweit das geht. Der SInfonie macht das nix aus, sie funktioniert trotzdem.
Andréjo (26.10.2025, 17:13): Ab und zu Tschaikowski b-Moll ... wenn die Pausen dazwischen lange genug sind, bin ich dafür:
Kein verheißungsvolles Cover, kein verheißungsvolles Marken-Nomen oben drüber, dann aber durchaus verheißungsvolle Namen bei den Ausführenden. Ich hab nichts gegen diese Interpretation und will gerade aber keinen Vergleich anstellen.
Nun gut, eine klare Aussage auch zum Entstehungsjahr, welches man dann nachrechnen kann. Vier von fünf Punkten - wir hatten das hier im Forum bereits vor einigen Monaten - bedeuten letztlich gepflegten oberen Durchschnitt; es ist nicht mehr wirklich ein Lob. Aber man wird sich in jeder Hinsicht lang und nur bedingt sinnvoll streiten können.
Bei Grieg vergibt Bernd Stremmel sogar einen halben Punkt mehr und äußert sich freundlicher. Dort steht an allererster Stelle die Aufnahme mit Leif Ove Andsnes, die mir eigentlich gar nicht so sehr imponiert hat. Wiederum vermutlich nur mein Problem und vielleicht auch keines für die Ewigkeit. Ewigkeit - ist DAS jetzt ein verheißungsvolles Nomen??
Doch ich könnte mir beide Konzerte gleich mal anhören. Kleiner Dank für die Anregung!
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (26.10.2025, 22:31): Nun also, dem Joe Dvorakschen Impulse folgend:
P. I. Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 ("Pathétique")
London Philharmonic Orchestra Karina Canellakis Ich habe nach der fulminanten Fünften noch die Pathétique nachgeschoben, fand Canellakis hier aber weniger beeindruckend. Das könnte daran liegen, dass davon weit mehr Vergleichsmaterial im Hinterkopf herumgeistert.
Jetzt zurück zur Ordnung (JLL-#3/233):
Igor Stravinsky - Der Feuervogel (1910 Version, komplett)
Columbia Symphony Orchestra, Igor Stravinsky (AD: 1961)
Die gelegentlich zu hörende Einschätzung, Stravinsky sei nicht der ideale Dirigent seiner eigenen Werke gewesen, kann ich in diesem Fall nicht teilen.
Joe Dvorak (26.10.2025, 23:43): Vier von fünf Punkten - wir hatten das hier im Forum bereits vor einigen Monaten - bedeuten letztlich gepflegten oberen Durchschnitt; es ist nicht mehr wirklich ein Lob. Ich hatte das neulich auch als einen Schwachpunkt genannt, der praktisch jeder Netzseite (zu allen Genres), die Bewertungen vornimmt, gemeinsam ist. Wenn von 100 Aufnahmen 5 auf oder unter der Durchschnittswertung liegen, haut das mit der Mathematik nicht hin und man nimmt sich ohne Not die Möglichkeit zu einer weiteren Feindifferenzierung. Klar, es mag vielleicht Skrupel geben, für eine Aufnahme, die nicht wirklich schlecht ist, eine 4/10 zu vergeben, aber wenn 30 von 100 absolute Spitzenklasse (10/10) sind, wird es witzlos. Da weiß der, dem eine Orientierung gegeben werden soll, wieder nicht, wo er anfangen soll. Bei Grieg (...) steht an allererster Stelle die Aufnahme mit Leif Ove Andsnes, die mir eigentlich gar nicht so sehr imponiert hat Es gibt bei mir nur ganz selten eine Überreferenz, die praktisch alle Alternativen zur Makulatur macht, zumal jene aus meiner Hörerwartung heraus allesamt mit irgendwelchen subjektiven "Mängeln" behaftet sind; Griegs a-Moll-Konzert mit Love Derwinger, der mit dem Norrköping Symphony Orchestra unter Juni’chi Hirokami die Originalfassung spielt, ist so ein Fall.
Andréjo (27.10.2025, 12:04): Da tue ich mir in der Tat und in der Praxis leichter, da ich mit sehr vielem zufrieden bin - im Guten und im Bösen quasi.
Denn zum ersten leide ich nicht an Hochkompetenz und Selbstüberschätzung. Zum zweiten bin ich der Meinung, dass viele Wege in Italiens Hauptstadt führen. Zum dritten fällt mir vielleicht noch ein Punkt ein ... aber gerade nicht.
Aber eventuell geht's Euch ja gar nicht so furchtbar anders. ;) bezüglich furchtbar - :)
Ah doch, drittens: Da kenne ich einen nicht nur fachlich exquisiten Tontechniker, der überdies ein absolutes Gehör besitzt. Ich hätte nie gedacht, was sich da an Nachteilen beim Hören auftut, die mein Hören nicht im Geringsten berühren ...
Noch eine Frage an Joe, vielleicht auch an Philidor und andere: Wie's der Zufall so will, habe ich gestern Grieg mit Freire gehört, dann spaßeshalber die Sicht von Klassik prisma gesichtet - passt schon - und dabei festgestellt, dass Love Derwinger genau die erwähnte Urfassung eingespielt hat. Sollte man die kennen? (Lange hatte ich den Grieg nicht mehr gehört, dann aber als Vorbereitung auf ein Konzert wieder schätzen gelernt. Eine Handvoll Aufnahmen finde ich sogar.)
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (27.10.2025, 12:04): Mixas Kompositionen wurde stark von den Klängen der isländischen Musik geprägt, so das Booklet. Da ich die Musik Islands nicht kenne, kann ich dazu wenig schreiben. Seine 3. Sinfonie entstand 1969 und wurde bereits kurze Zeit später in Reykjavik durch Alfred Walter uraufgeführt. Der Trauermarsch im zweiten Satz soll er durch den plötzlichen Tod seines Freundes, dem Dirigent Joseph Keilberth, geschrieben haben. Mixa schrieb recht transparent und ist "sparsam" instrumentiert. Anders gesagt, er setze ein eher kleines Orchester ein. Besonders das wenige Schlagwerk verstand er interessant mit ins Geschehen einzubauen.
Seine 5.Sinfonie besticht durch eine "komplizierte Kontrapunktik" und wurde von der Dodekaphonie (also der Zwölftonmusik) beeinflusst. Auch hier kann man die sparsame Instrumentierung sofort erhören. Sie wurde 1976 in Graz uraufgeführt (Alois Hochstrasser war der Dirigent).
Ich bin da raus. Es ist nicht meine Welt, auch wenn ich die Frühwerk der Zweiten Wiener Schule sehr schätze. Ich benötige einfach Melodie, Rhythmus und zumindest eine weitgehend nachvollziehbare Harmonik, die auch durchaus mal ausbrechen kann. Ich kenne diesen Komponisten nicht, aber die Beschreibung klingt sehr interessant. Danke dafür. Nach kurzem Reinhören bin ich alles andere als raus. Das ist für eine spätere Beschäftigung gespeichert. Später ist jetzt (JLL-#5/233):
Franz Mixa - Orchesterwerke CD2
Donau Philharmonie Wien, Manfred Müssauer Musik über isländische Volksweisen Sinfonie Nr. 3 e-Moll Sinfonie Nr. 5 a-Moll Die Dritte gefällt mir ganz ausgezeichnet. Transparent, sparsam, bedachtvoller Einsatz des Schlagwerks – das ist alles richtig beschrieben und ich will noch die zahlreichen solistischen Passagen der Holzbläser herausstellen sowie das kadenzartige Solo der Violine kurz vor Schluss, wo man sich auf einmal in einem Violinkonzert wähnt. Wirklich ganz weit hergeholt höre ich eine Art heruntergestrippte und geschärfte RVW-5 oder Schosti-6 (Kopfsatz). Die etwas kniffligere Fünfte muss ich noch ein weiteres Mal hören.
Joe Dvorak (27.10.2025, 12:13): Noch eine Frage an Joe, vielleicht auch an Philidor und andere: Wie's der Zufall so will, habe ich gestern Grieg mit Freire gehört, dann spaßeshalber die Sicht von Klassik prisma gesichtet - passt schon - und dabei festgestellt, dass Love Derwinger genau die erwähnte Urfassung eingespielt hat. Sollte man die kennen? Man sollte. (Aber man sollte ja vieles...)
Joe Dvorak (27.10.2025, 23:34): Franz Mixa - Orchesterwerke CD2
Die etwas kniffligere Fünfte muss ich noch ein weiteres Mal hören. Was soeben geschehen ist. Und das Wohlwollen weicht der Begeisterung, was mir bei Komponisten, die unentschieden zwischen Tradition und Moderne hängen, selten passiert. Ein eigenes Gepräge erhält die Musik, wobei die Volksweisen eingeschlossen sind, durch die nie weichende ernste Schwere – nicht Schwermut! Auch dann, wenn es - selten - mal dramatisch‑aufrührerisch wird, wirkt das wie ein halbherziger Versuch. Inwieweit hier die Interpretation mit hineinspielt, ist schwer zu sagen, aber "richtig" hört sich das allemal an. Nochmal unzulässig schlampig vergleichend, würde ich sagen, dass jemand, der den Shostakovich der mittleren Sinfonien grundsätzlich mögen würde, wenn nur der – mit Verlaub – sentimentale Kitsch und der – mit Verlaub – hohle Bombast nicht wären, hier mal ohne Reue reinhören kann.
Joe Dvorak (29.10.2025, 02:32): JLL-#7/233
Britten / Korngold - Violin Concertos
Vilde Frang, RSO Frankfurt, James Gaffigan Erich Wolfgang Korngold - Violinkonzert D-Dur, op. 35 Benjamin Britten - Violinkonzert, op. 15 Dieses Album wurde vorgemerkt, weil es klanglich perfekt sein soll, sodass irgendeine versponnene Audio-Hi-End-Seite mit dieser Quelle die Unterschiede, die durch den Austausch der Vakuumelektronenröhre (gleicher Typ, verschiedene Hersteller) in einem Vorverstärker bewirkt werden, bewertet hat. Und weil Vilde Frang spielt. Und weil mal wieder zu prüfen wäre, ob der Korngold wirklich so schlecht ist.
Joe Dvorak (29.10.2025, 13:20): JLL-#8/233
Ludwig van Beethoven - Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll, op. 37 & Klavierkonzert D-Dur (vom Komponisten nach dem Violinkonzert arrangiert), op. 61a
Olli Mustonen, Tapiola Sinfonietta
Ja.
Andréjo (29.10.2025, 13:39): Korngold reizt mich aufgrund seiner raffinierten Harmonik von Kindesbeinen an mit etlicher Musik, seinem Klavierkonzert, diverser Kammermusik ... Ich kenne - für mich erstaunlich - sogar seine Tote Stadt von rund zweimaligem Hören.
:D Man muss wissen, dass er sich keineswegs später zur Filmmusik bekannt und seinen Stil quasi angepasst hat, sondern dass umgekehrt gewisse Filmmusik-Klischees eben ureigener Korngold-Stil sind. Das habe ich vor etlichen Jahren lernen dürfen in der Begegnung mit einem Fan namens Michael Schlechtriem. Da hatte ich mich durchaus blamiert.
Das Violinkonzert mag ich nicht besonders, habe mir aber sagen lassen und glaube das gern, dass in der Instrumentierung eben auch Raffinement steckt. Aber vielleicht stört mich seine Popularität - das könnte schon sein. Und ich meine durchaus, dass es bei Weitem weniger modern ist als das mich wirklich packende Klavierkonzert für die linke Hand.
:hello Wolfgang
EDIT: Die Kindesbeine sind natürlich nicht meine ...
Philidor (29.10.2025, 18:01): Nach ein paar Tagen mit voller Dröhnung im Job nun wieder etwas Luft, um Musik zu hören.
Leider, leider haben Pires/Dumay/Wang das dritte Klaviertrio von Brahms nicht aufgenommen. Darum mache ich weiter mit der ersten GA der Beaux Arts Boygroup:
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 1 H-Dur, Op. 8
Beaux Arts Trio Aufnahme 1966 oder 1967
Ein paar schöne Stellen, aber Pires/Dumay/Wang und Katchen/Suk/Starker sind schon in einer anderen Liga, meine ich.
Philidor (29.10.2025, 19:12): Hinterher ein paar Kleinodien.
Franz Schubert: Männerchöre
Orphei Drängar Robert Sund
Joe Dvorak (30.10.2025, 03:20): Fast schon ein Morgenritual. Wenn der Kaffee dampfend auf dem Tisch steht, wird voller Spannung, was heute wohl ansteht, der Zufallsgenerator angeworfen. Das ist wie Radio hören mit der Garantie, dass kein Mist läuft.
JLL-#9/233
Erik Satie - Ballette (komplett) und andere Orchesterstücke
Utah SO, Maurice Abravanel Parade, ballet réaliste (1917) Les Advenchures de Mercure (1924) La Belle Excentrique: La Grande Ritournelle ("fantaisie sérieuse", 1920) Cinq Grimaces pour Shakespeare's 'Le songe d'une nuit d'ete' (1915) Relache, ballet instantanéiste (1924) In Habit de Cheval (1911) Gymnopedies I & III (1888, orch. Debussy ) Trois Morceaux en Forme de Poire (1903, orch. Roger Désormière) Deux Preludes Posthumes et Une Gnossienne (1892, orch. Poulenc) Le Fils des Etoiles (Prélude aux actes I & III, 1891) Jack In The Box, pantomime (1899, orch. Milhaud) Burlesk, skurril, exzentrisch – radikal, innovativ, futuristisch. :times10
Joe Dvorak (30.10.2025, 03:46): :D Man muss wissen, dass er sich keineswegs später zur Filmmusik bekannt und seinen Stil quasi angepasst hat, sondern dass umgekehrt gewisse Filmmusik-Klischees eben ureigener Korngold-Stil sind. So steht es auch hier: Everything You Thought You Knew About Erich Wolfgang Korngold is Wrong: The Untold Stories of His Life Der Titel des Artikels deutet dezent an, dass auch andere gängige Sichtweisen auf den Komponisten einer Prüfung unterzogen werden. Meine Meinung zum Violinkonzert hat sich allerdings nicht geändert. Raffinesse hin oder her, das Hauptthema ist noch schlimmer als das von Tchaikovskys Gattungsbeitrag. Das geht einfach nicht.
Andréjo (30.10.2025, 12:09): :D Tschaikowskys Violinkonzert ist schon schlimm genug. Ich setze Korngold gleich. Dann kommt er mathematisch gesehen zusammen mit Deiner Wertung immer noch schlechter weg.
Wenn ich mich recht erinnere, dann ist das Violinkonzert von Korngold ohnehin ein Konglomerat aus seiner Filmmusik. Genau weiß ich es nicht.
Joe Dvorak (31.10.2025, 01:45): JLL-#10/233
Joseph Haydn - Messe B-Dur, Hob. XXII:10 "Heiligmesse" & Messe G Dur, Hob. XXII:6 "Nikolaimesse"
Collegium Musicum 90, Richard Hickox
Joe Dvorak (31.10.2025, 07:00):
Ludwig van Beethoven - Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, op. 55
Bulgarian National Radio Symphony Orchestra, Dobrin Petkov
Petkov ist so geheim, dass er kein Tipp ist. Daher habe ich nur einen Rat: Wenn er euch mit Shostakovich, Tchaikovsky oder Scriabin über das Hörfeld läuft, dann macht die Ohren ganz weit auf. Als ich gerade diese Aufnahme gesehen hatte, war ich erstaunt und frustriert. Ich wusste nicht, dass er LVB aufgenommen hat, aber ausgerechnet die ungeliebte Dritte muss es sein – die kann ich nun gar nicht (mehr) ab, da winde ich mich wie ein Sfantu bei Mahlers Achter. Aber ich musste natürlich hören, ob ein Petkov die Konkurrenz hier ebenso marginalisiert wie anderswo. Konfrontationstherapie war angesagt. Aber es ging nicht. Bei der Hälfte des Trauermarsches konnte ich den ständig zum Stopp-Icon hinzuckenden Finger nicht länger unter Kontrolle halten. Habt ihr auch solche Werke aus dem Kanon, die ihr regelrecht unerträglich findet?
Andréjo (31.10.2025, 13:47): Wohl alles subjektiv und auch eher selten von Dauer bei mir ...
Aber meinerseits kommt schon seit längerer Zeit - sagen wir's so - eine Sinfonie von Beethoven auf zehn Streichquartette. Gegen die Eroica habe ich eigentlich nichts. Stattdessen ist es die Fünfte. Die ist selbst in Konzerten, welche man anderer Werke halber gerne aufsucht, öfter dabei, als ich das begreifen könnte. Die Klavierkonzerte mag ich alle, das Violinkonzert schwankt ... Nun gut, und drei Klaviertrios höre ich mir eben auch an, bevor wieder mal eine Sinfonie an der Reihe ist.
Nur so viel zu Beethoven. Denn Joe Dvorak will vermutlich nicht auf Dinge hinaus wie das Capriccio Italien. :hello
Philidor (01.11.2025, 10:45): Die Eroica kann ich eigentlich immer hören. Großartiges Stück, nur das Finale fällt mir meine Begriffe ab. Aber zwischen Toscanini, Furtwängler und Scherchen einerseits und Gardiner, Paavo Järvi und Herbert Blomstedt ist das immer eine Entscheidung wie zwischen Château Pétrus und Le Pin.
Bevor ich mich Lachner neugierig widme, erst nochmal das Original (Vorsicht, das war ein politischer Witz).
Heute und morgen gibt es hier die drei letzten Sinfonien vom Toni. Mit Celibidaches Stuttgarter Aufnahmen, die für mich zu den favorisierten dieser Trias gehören. Thielemann mit den Wienern wäre mir die vielleicht einzige Alternative, wenn es um alle drei geht. Für die einzelnen gibt es freilich dichtes Gerangel.
Philidor (01.11.2025, 14:28): Hier ging's weiter mit der Liste.
Sir Michael Tippett: A Child of our Time
Nadine Benjamin, Sopran Sarah Connolly, Mezzosopran Kenneth Tarver, Tenor Roderick Williams, Bass London Philharmonic Choir London Adventist Chorale London Philharmonic Orchestra Edward Gardner
Tolle Musik (ewig nicht gehört), tolle Aufnahme.
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, Gardner)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (01.11.2025, 16:52): Nun also die Achte.
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 8 c-Moll (Fassung Nowak)
Philidor (01.11.2025, 18:43): Nach Bruckners Achter gibt es nicht mehr allzu viele Optionen.
Alban Berg: Wozzeck
Wozzeck - Franz Grundheber Marie - Hildegard Behrens Tambourmajor - Walter Raffeiner Andres - Philip Langridge Captain - Heinz Zednik Doctor - Aage Haugland Wiener Philharmoniker Claudio Abbado
Inszenierung: Arnold Dresen Wiener Staatsoper live 1987
Philidor (02.11.2025, 10:19): Nun also Lachner.
Franz Lachner: Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 52 ("Preis-Symphonie"/"Sinfonia Passionata")
Slovak State Philharmonic Orchestra Paul Robinson
Trotz Nr. 5, c-Moll und Passionata ist das Werk im Kopfsatz eher auf der lyrischen Seite. Die Berechtigung der Attribute des Werks habe ich erst im Finale nachvollziehen können.
Lachner, ein Sinfoniker? Na ja. Es ist wie mit vielen Komponisten: Wenn man sich nur die Sinfonien anschaut, hat man weniger als die Hälfte. Wagner wäre ein Beispiel. Brahms auch. Und erst recht Mozart. Bei Lachner kommt erschwerend hinzu, dass er seine letzte Sinfonie im Jahre 1851 geschrieben hat. Da war er 48 Jahre alt, lebte aber noch 39 Jahre.
Wikipedia rückt die Orchestersuiten (1861-1874) in den Fokus: "Seine sieben Werke dieser Gattung überragen an Frische der Erfindung und geistvoller Arbeit fast alle seine früheren Werke". Aha.
Die Sinfonie ist schon toll geschrieben. Was mich irgendwann doch zwar nicht nervte, aber unbefriedigt ließ, war das Kleben an regelmäßig gebauten Perioden. Das gibt es auch in Schuberts "Großer C-Dur", doch kommt dort eine geistige Weite hinzu, die mir hier fehlte. Für ein einstündiges Werk fehlen mir da die Aha-Erlebnisse.
In wie weit der Stil Lachners "in manchen Stellen durchaus schon auf Bruckner hinweist", hat sich mir diesem Werk und bei meiner Blödheit nicht erschlossen. Die auch schon genannte Bezeichnung "ausufernd" kann ich viel eher nachvollziehen.
Auch, dass er "im Ansatz gezeigt hätte, was Bruckner und Mahler aus der Sinfonie gemacht haben", sehe ich überhaupt nicht. Weder Bruckners Ansatz mit der Dualität bzw. Überlagerung von gerichtetem Zeitpfeil einerseits und Zyklizität andererseits noch Mahlers Weltpanoramen höre ich in der Fünften.
Das kann in der von @Joe Dvorak erwähnten und gelobten Sechsten schon anders sein - auf die freue ich mich.
Und es sei ferne von mir, den Stab über Lachner auf Grundlage seiner 5. Sinfonie zu brechen. Die komponierte er im Alter von 32 Jahren, da hatte Beethoven gerade seine ersten beiden Sinfonien geschrieben, die Eroica war noch im Skizzenstadium.
Maurice inaktiv (02.11.2025, 11:37):
Franz Lachner : Sinfonie Nr.8 , g-moll, op.100
Slowakische Philharmonie Kosice, Paul Robinson
Seine 8. Sinfonie war auch seine letzte dieser Gattung. Schade, wenn man bedenkt, dass er sie 1851 geschrieben hatte.
Ich habe mir Lachners letzte Sinfonie angehört und muss sagen, dass ich Lachners Werke anders in Erinnerung hatte. Nachdem ich nun die 6.Sinfonie und auch seine Achte gehört habe, muss ich mir selbst auf die Ohren hauen. Das ist mehr Mendelssohn und etwas Schubert, aber keine wirklich direkten Hinweise auf Bruckner und Mahler. Es muss sich also um einen anderen Komponisten gehandelt haben, den ich da meinte, aber nicht Lachner. Ob Lachner mit dem Weiterleben von Schubert sich anders entwickelt hätte ist Spekulation und damit nicht wirklich weiterführend.
Daher kann ich Sfantus und Philidors Ansichten nachvollziehen. Da lag ich schlicht falsch. Doch wen könnte ich gemeint haben? Ich stehe gerade auf dem Schlauch. Zudem habe ich nur wenig Zeit zum Hören gerade.
Die Ball-Suite hier bringt auch keine neuen Erkenntnisse, sie ist Beiwerk, die vielleicht damals erfolgreich war, aber keine echte Weiterentwicklung brachte. Für mich eher enttäuschend.
Andréjo (02.11.2025, 13:17): Zwar habe ich Maurice oben ein Sternchen verpasst, aber das liegt nicht daran, dass ich Orchestermusik von Lachner überhaupt kenne, allenfalls mal zufällig gehört habe - zumindest eine einzige CD mit Kammermusik finde ich.
Doch seltsamerweise habe ich auch in einem Konzertführer von gewissen Affinitäten zum frühen Bruckner gelesen. ganz frühe Bruckner (Sinfonie 00) gemeint sein, dann hält sich freilich auch die Nähe zum echten Bruckner noch in Grenzen ... :D ]
Die kleinen Hörirrungen einzugestehen - falls angemessen, was ich, wie gesagt, nicht beurteilen kann - finde ich aber löblich. Denn leider laufen sie mir auch immer häufiger über den Weg ...
:hello Wolfgang
Philidor (02.11.2025, 13:55): Ich ließ mir zwei mittlere Quartette vom Schosti gefallen.
Dmitri Schostakowitsch
Streichquartett Nr. 5 B-Dur op. 92 Streichquartett Nr. 6 G-Dur op. 101
Fitzwilliam String Quartet
Philidor (02.11.2025, 16:11): [ ... }
Heute und morgen gibt es hier die drei letzten Sinfonien vom Toni. Mit Celibidaches Stuttgarter Aufnahmen, die für mich zu den favorisierten dieser Trias gehören. Thielemann mit den Wienern wäre mir die vielleicht einzige Alternative, wenn es um alle drei geht. Für die einzelnen gibt es freilich dichtes Gerangel. Heute also die Neunte.
Ja. Als Triptychon 7-9 aus meiner Sicht kaum zu übertreffen, vielleicht Thielemann mit den Wienern.
Philidor (02.11.2025, 18:53): Nun also die Sechste.
Franz Lachner: Sinfonie Nr. 6 D-Dur op. 56
Evergreen Symphony Orchestra Chia-Hua Hsu
Nach einmaligen Hören neige ich dazu, vorsichtig @Joe Dvoraks Bemerkung zuzustimmen, dass da frischerWind aus den Boxen wehe. Das war schon eine andere Nummer als Nr. 5, also, nicht nur numerisch.
Philidor (02.11.2025, 19:20): Hier nun das zweiteTrio aus der ersten GA der Beaux Arts Boygroup:
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 2 C-Dur op. 87
Beaux Arts Trio Aufnahme 1966 oder 1967
Wie oben gesagt: Ein paar schöne Stellen, aber Pires/Dumay/Wang und Katchen/Suk/Starker sind schon in einer anderen Liga, meine ich. - Immerhin scheint mir op. 87 besser gelungen als die routinierte Aufnahme von op. 8.
Philidor (02.11.2025, 20:06): Zum Schluss eines langen Hörtages:
Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 105
Helsinki Philharmonic Orchestra Leif Segerstam
Mit jüngeren Aufnahmen im Ohr, Vänskä II, Rouvali und vor allem Mäkelä, wirkt Segerstam II vielleicht nicht mehr ganz so bezwingend. Vielleicht.
Philidor (03.11.2025, 20:45): Heute das dritte Trio aus der ersten GA der Beaux Arts Boygroup:
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101
Beaux Arts Trio Aufnahme 1966 oder 1967
Ok, die Aufnahme des dritten Trio versöhnt ein wenig mit dieser Box. Trotzdem mMn keine herausragende Aufnahme. Ich bleibe bei Katchen/Suk/Starker und Pires/Dumay/Wang für Nr. 1+2.
Joe Dvorak (08.11.2025, 01:09): JLL-#13/233
Giovanni Battista Viotti - Violin Concertos 19 & 22
Rainer Kussmaul, Deutsche Kammerakademie Neuss, Johannes Goritzki Violinkonzert Nr. 19 g-Moll, G. 91 Violinkonzert Nr. 22 a-Moll, G. 97 Viotti hat 29 Konzerte geschrieben. Brahms hat sich für das 22. stark gemacht – er soll es gar als sein favorisiertes Violinkonzert bezeichnet haben – und es in seinem Doppelkonzert zitiert. So findet sich unter den Interpreten allerlei Prominenz von Kreisler über Grumiaux, Perlman und Stern bis in jüngerer Zeit aufhorchenerregend Tetzlaff. Sonst ist die Auswahl bescheiden, aber immerhin kann man jedes hören, nachdem Franco Mezzena zwischen 1990 und 2004 alle Neunundzwanzige eingespielt hat.
Joe Dvorak (08.11.2025, 03:24): JLL-#14/233
Karlheinz Stockhausen - Inori / Formel
Sinfonie-Orchester des SWF Baden-Baden, Karlheinz Stockhausen
Inori ist ein beeindruckendes, an 'mittleren' Messiaen gemahnendes Stück –> hier im Forum kurz besprochen. Das durfte 32,5 Monate auf den seinerzeit als höchst dringlich vermerkten Akt des Wiederhörens warten.
Philidor (08.11.2025, 09:22): Nach einer ziemlich arbeitsintensiven Woche heute nun wieder mehr Musik.
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8
Beaux Arts Trio, 2. Gesamtaufnahme
Wesentlich besser als in der ersten GA, mMn.
Dennoch: Gibt es eigentlich ein Ensemble, das den Kopfsatz wirklich "Allegro con brio" spielt? Es klingt immer wie ein Nocturne von Chopin ...
Philidor (08.11.2025, 15:09): Hier lief noch ein Quartet von Schostakowitsch.
Dimitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 6 G-Dur op. 101
Emerson String Quartet
Ich habe es nun fünfmal gehört, Fitzwilliam, Borodin (Chandos), Pacifica, Jerusalem und Emerson.
Ich weiß nicht, ob ich der Einfachheit, der Naivität, der Heiterkeit der ersten beiden Sätze trauen mag. Sind sie so gemeint, wie sie oberflächlich klingen oder ist das bittersüße Ironie? Diese Musik erinnert mich an die 9. Sinfonie.
Der langsame Satz scheint mir dann „echter“ Schostakowitsch so sein. Wegen der Form der Passacaglia, aber auch wegen der Anmutung: Die Musik ist verhalten, in sich gekehrt, geradezu meditativ, von einer Beklemmung und Hoffnungslosigkeit gezeichnet, die schwer zu ertragen ist. Alles ist irgendwie eng, depressiv, antriebslos.
Im Finale kehren die heiteren Töne wieder, doch auch die dunkleren Eintrübungen.
Das Quartett ist wie eine Sphinx. Es ist wie das Lächeln von Mona Lisa, sie lächelt, und niemand weiß, warum.
Philidor (08.11.2025, 16:16): Nun ging's - welche Freude! - mit der Liste weiter:
Francis Poulenc: Gloria
Cathérine Dubosc, soprano Westminster SIngers The City of London Sinfonia Richard Hickox
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, Gardner)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (09.11.2025, 13:18): Draußen ist es neblig ... da kommt das hier gut:
Ottorino Respighi: Trilogia Romana
Sao Paulo Symphony Orchestra John Neschling
Andréjo (09.11.2025, 13:53): "Trilogia Romana" habe ich noch nie gehört. "Römische Trilogie" schon. :thumbup:
Joe Dvorak (09.11.2025, 14:19): Die brasilianischen Römer habe ich lange nicht gehört, aber als sehr stark in Erinnerung.
Nach dem hier geltenden lunaren Kalender ist es seit 3 Tagen Winter, doch im äußersten Süden hinken wir dem etwas hinterher. So kletterte das Thermometer heute letztmalig in diesem Jahr nochmal knapp über die 30-Grad-Marke. Zu der vom Privatradio ausgelosten Musik würde Herbstnebel besser passen.
JLL-#16/233
Allan Pettersson - Concertos for String Orchestra 1-3
Deutsche Kammerakademie Neuss, Johannes Goritzki
Andréjo (09.11.2025, 15:42): Pettersson - einer meiner Lieblinge und werkspezifisch komplett vorhanden - das ist keine Kunst und keine ernstzunehmende finanzielle Belastung gewesen. Je nach Bruitismus-Geschmack sind die Konzerte für Streicher vielleicht sogar schwerer zu hören als etwa die zehnte Sinfonie. Also mir geht es so, was nicht maßgeblich ist für wen auch immer. Danke dennoch dem Joe - weil ich das längliche dritte dann mal wieder auflegen will. In friedlicher Stimmung quasi zum Mittagsschlaf ohne Schlaf. Falls mich jemand versteht ... Für die friedliche Stimmung wäre nun die Zehnte über weite Strecken in der Tat ungeeignet. :P :(
Gruß von Wolfgang
Joe Dvorak (10.11.2025, 00:49): JLL-#17/233
Richard Strauss - Eine Alpensinfonie op. 64, TrV 233
Los Angeles Philharmonic, Zubin Mehta
Mehta verlegt die Wanderung in den Himalaya. Ein Spektakel sondergleichen, mit Garantie für multiple Gänsehautschauer auf dem Gipfel.
Philidor (10.11.2025, 08:04): Auch nicht schlecht.
Per Nørgård: Streichquartett Nr. 10 „Høsttidløs” = “Herbstzeitlose"
Kroger Quartet
Philidor (10.11.2025, 17:09): Nun wieder Brahms.
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 2 C-Dur op. 87
Beaux Arts Trio, 2. Gesamtaufnahme
Wow. Über die erste GA habe ich ja abgelästert, aber dieses Klaviertrio Nr. 2 finde ich in der zweiten GA einfach hinreißend. Leidenschaftlich, mit schönem Zug nach vorne, sich nicht in Details verlierend, wunderbar.
Joe Dvorak (10.11.2025, 22:11): Die brasilianischen Römer habe ich lange nicht gehört, aber als sehr stark in Erinnerung. Neschling hat noch weitere Alben mit Orchestermusik von Respighi, allerdings mit anderem Klangkörper, vorgelegt. Ich höre gerade – regelrecht geflasht von der hier ausgebreiteten, gleichsam dem Komponisten, wie den Interpreten und den Aufnahmetechnikern zuzuschreibenden Farbenpracht – die Impressioni brasiliane und denke, da wäre eigentlich das Orchester aus São Paulo passend gewesen, zumal die zweite der drei Impressionen von einem Schlangengarten in der Nähe der Stadt handelt. Alle sieben Alben zusammen gibt es in dieser Box, die ich mir nicht gekauft, aber für einen anstehenden Langstreckenflug heruntergeladen habe.
Ottorino Respighi - Orchesterwerke
São Paulo Symphony Orchestra (Disc 1) & Orchestre Philharmonique Royal de Liège (Disc 2-7), John Neschling
Joe Dvorak (11.11.2025, 05:48): JLL-#19/233
Gustav Holst - The Planets op. 32, H. 125
Saint Louis Symphony, Walter Susskind
Surveys zu diesem Schinken gibt es viele. Dieses hier gefällt mir, gerade weil es sich angreifbar macht, indem es neben der einigermaßen objektiv möglichen Bewertung von Virtuosentum und Klangwirkung darauf eingeht, inwieweit die Interpreten den mystischen, mythologischen und esoterischen Aspekten des Werkes gerecht werden. Der Autor kommt zu folgendem Schluss: Zusammenfassend lässt sich sagen: Für analytische Klarheit ist Gardiner beeindruckend. Für blendende Farben ist Dutoit die Wahl. Für dramatische Wirkung ist Bernstein der Mann. Aber hinsichtlich der schwer fassbaren Magie von Holst kommen nur drei Aufnahmen in Frage von den Dutzenden und Aberdutzenden, die gemacht wurden: Haitink, Boult (1978) und Susskind. (Saint Louis Symphony Orchestra (Susskind) - ‘Holst: The Planets’ An SACD review by Mark Jordan - HighFidelityReview)
Philidor (14.11.2025, 08:25): Moinsen! - Mal auf andere Gedanken kommen:
Alfred Schnittke: Klaviersonate Nr.1 (1987)
Ragna Schirmer, Klavier
Philidor (14.11.2025, 19:13): Nun wieder Brahms. Passt gut in den Herbst, meine ich.
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101
Beaux Arts Trio, 2. Gesamtaufnahme
Sehr fein.
Philidor (15.11.2025, 09:47): Moinsen! Gar nicht mal so schlecht:
Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63
Christian Tetzlaff, Violine Tanja Tetzlaff, Violoncello Leif Ove Andsnes, Klavier
Joe Dvorak (15.11.2025, 11:22): JLL-#20/233
Terry Riley - In C / Eddie de Fanti - Djembé
Ensemble Percussione Ricerca
Der Beruf ruft, Musik gibt es selten. Rileys Wundertat steht gleich 10 Mal auf der Liste. Das müsste dann wohl auf die Frage nach meinem favorisierten klassischen Werk genannt werden.
Philidor (15.11.2025, 17:26): JLL-#19/233
Gustav Holst - The Planets op. 32, H. 125
Saint Louis Symphony, Walter Susskind
Surveys zu diesem Schinken gibt es viele. Dieses hier gefällt mir, gerade weil es sich angreifbar macht, indem es neben der einigermaßen objektiv möglichen Bewertung von Virtuosentum und Klangwirkung darauf eingeht, inwieweit die Interpreten den mystischen, mythologischen und esoterischen Aspekten des Werkes gerecht werden. Der Autor kommt zu folgendem Schluss: Zusammenfassend lässt sich sagen: Für analytische Klarheit ist Gardiner beeindruckend. Für blendende Farben ist Dutoit die Wahl. Für dramatische Wirkung ist Bernstein der Mann. Aber hinsichtlich der schwer fassbaren Magie von Holst kommen nur drei Aufnahmen in Frage von den Dutzenden und Aberdutzenden, die gemacht wurden: Haitink, Boult (1978) und Susskind. (Saint Louis Symphony Orchestra (Susskind) - ‘Holst: The Planets’ An SACD review by Mark Jordan - HighFidelityReview) Vielen Dank für den Hinweis! Habe mich nun ebenfalls dieser Aufnahme gewidmet.
Vorweg: Die "Planets" sind bei mir kein Lieblingsstück, aber, sagen wir mal, Handelsklasse 1b. Das ist eher Bauchmusik, sich mal treiben lassen, einfach den Klang genießen und nicht auf Tripelfugen warten ... ist bei mir in einer Schublade mit Respighis Trilogia Romana und Ravels Daphnis et Chloé. - Meine Frau steht total auf das astrologische Werk, also erklingt es hier häufiger, als es meinen Vorlieben entspricht. - Meine Go-to-Aufnahmen sind Dutoit (das war auch meine erste), Boult 1978 und Rattle, ab und an auch mal Gardiner. Jurowski (Empfehlung im Gramophone) hat mir ebenfalls ausgezeichnet gefallen.
Schon beim "Mars" gibt sich die Aufnahme Susskinds als eine der lyrischen zu erkennen, und die weiteren Planeten bestätigen dies. Die Höhepunkt gehen also bei Saturn los, dann freilich Uranus und Neptun. Dies als "Magie" zu bezeichnen - aber ja! Wow!
Vielen Dank für die Empfehlung! Werde morgen nochmal Boult/LPO 1978 hören. -
Philidor (15.11.2025, 19:14): Nun ging's mit der Liste weiter. - Nach "Mars, the Bringer of War" also sein Requiem.
Benjamin Britten: War Requiem op. 66
Luba Orgonasova, Sopran Anthony Rolfe Johnson, Tenor Boje Skovhus, Bariton
Tölzer Knabenchor The Monteverdi Choir NDR Chor NDR Sinfonieorchester
John Eliot Gardiner
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, Gardner)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Sfantu (15.11.2025, 19:20): 2x hintereinander Samuel Barbers Streichquartett op. 11:
Végh-Quartett (CD, SRF, 2015, AD: 1956)
Molto allegro e appassionato 8'21 Molto adagio 6'57 - attacca: Molto allegro come prima - Presto 2'40
Emerson String Quartet (CD, DG, 1992)
Molto allegro e appassionato 7'34 Molto adagio 6'53 - attacca: Molto allegro come prima - Presto 2'09
Die ältere Einspielung hat einen direkten, trockenen Klang, den ich bei Kammermusik grundsätzlich schätze und daher meist bevorzuge. Da gerade die Rahmensätze des Barber-Quartetts aber ohnehin von ziemlich sprödem Charakter sind, empfinde ich das fast als ein wenig aufdringlich. Wohltuend war es heute, das berühmte Adagio mal wieder in seiner Originalgestalt zu erleben. Es wirkt entschlackt und intimer. (eigentlich paradox, oder? Die "Schlacke" wurde ja durch die chorische Popularisierung erst hinzugefügt - man müsste also eigentlich von einer "Beschlackung" sprechen). Die Véghs spielen es zudem betont nüchtern - ein denkbar starker Kontrast etwa zu Bernsteins emotionsgeladener DG-Aufnahme mit dem Los Angeles Philharmonic. Und auch sie hat ihre uneingeschränkte Existenzberechtigung. Bei den Emersons wird gleich mehr Wärme spürbar, der Klang ist weiter, offener. Und ja - sie zelebrieren den Mittelsatz schon eher so, wie man es aus der Kuschel-Klassik-Ästhetik kennt. Und ich find's okay. Lieber mal bewußt genießen als kalorienarmen Verzicht zu üben.
Kleiner Party-Gag am Rande: Was haben das ESQ und der Komponist Rautavaara gemeinsam? Das Schicksal, immer anders zu klingen als sie geschrieben werden: hier "Amazon", dort "I know You, honey!".
Philidor (16.11.2025, 11:09): Nach Bachs Kantate 60 mit dem Choral "Es ist genug":
Alban Berg: Violinkonzert "Dem Andenken eines Engels"
Zimmermann/Gelmetti war lange mein Favorit für dieses Werk. Doch die Verinnerlichung, die Faust und Abbado erreichen, finde ich berührend.
Philidor (16.11.2025, 11:10): Kleiner Party-Gag am Rande: Was haben das ESQ und der Komponist Rautavaara gemeinsam? Das Schicksal, immer anders zu klingen als sie geschrieben werden: hier "Amazon", dort "I know You, honey!" Den verstehe ich nicht ... ?(
Sfantu (16.11.2025, 11:19): "Emerson" klingt wie "Amazon", "Einojuhani" klingt wie "I know You, honey".
Philidor (16.11.2025, 11:33): :D Ach so ... danke!
Andréjo (16.11.2025, 13:21): Nicht schlecht! Mir deucht, dass die Betonung beim Vornamen anders ist - aber ich weiß es nicht wirklich. You kann man natürlich betonen, aber den Honig am Ende!?! :D ;)
Kann man das nicht nachhören? Ich schau mal!
EDIT: Machen wirs kurz: Obiges stimmt nicht. Es wird die erste und es wird die vorletzte Silbe betont. Für den Honig ist eher das a ein wenig zu lang ... Doch wichtig ist ja auch vor allem, dass er, der Ich, seinen Honig kennt ...
Philidor (16.11.2025, 13:35): Lehrer halt ... :engel :beer
Philidor (16.11.2025, 13:44): Hier nun Klaviersonaten aus dem vergangenen Jahrhundert.
Dmitri Kabalevsky: Sonate Nr. 2 op. 45
Michaerl Korstick, Klavier
Sergej Prokofiev: Sonate Nr. 7 B-Dur op. 83
Samuel Barber: Sonate op. 26
Vladimir Horowitz, Klavier
Kabalevsky #3 mit Horowitz muss auch noch ran. Aber nicht jetzt.
Philidor (16.11.2025, 14:52): Nun nochmal die Planeten mit einer Ikone der Aufnahmegeschichte.
Gustav Holst: The Planets op. 92
London Philharmonic Orchestra Sir Adrian Boult aufgenommen 1978
Ja - sofort zu hören, warum diese Aufnahme den Status einer Ikone hat. Passt wie der Schlüssel ins Schloss. Jedenfalls in meiner Illusion. Da halten nur Dutoit, Rattle (Berlin) und vielleicht Gardiner stand. Ach ja: Jurowski. Gei.er Sound.
Die beiden Aufnahmen Karajans halte ich für völlig überbewertet. Wenn man Boult 1978 und Dutoit kennt, wie kann man dann Karajan mögen? Karajan berichtet großartig über das "Was" und auch das "Wie", aber selten über das "Woher" und fast nie über das "Warum". Aber chacun à son goût.
Joe Dvorak (16.11.2025, 15:05): JLL-#21/233
Terry Riley - In C
Joakim & Guests (Live at the Philharmonie Paris, 2024)
Es sieht wie ein Zufall aus, dass unmittelbar anschließend eine weitere der 9 verbliebenen Riley-Interpretationen aus den verbleibenden 213 Alben gezogen wurde – nach Adam Riese beträgt die Wahrscheinlichkeit dafür 4,2%. Aber Wahrscheinlichkeiten sind tückisch und laufen oft der Intuition zuwider. Stellt man die Frage, wie wahrscheinlich es überhaupt ist, dass im Laufe des Abarbeitens der Liste zweimal hintereinander Riley gespielt wird, lautet das Ergebnis 33.5%. Hier liegt eine Analogie zum Geburtstagsparadoxon vor. Dieses besagt, dass in einem Raum mit 23 Personen, die Chance, dass zwei denselben Geburtstag haben, 50% beträgt – was angesichts der 365 möglichen Tage in der Tat paradox erscheint. Die Falle besteht darin, dass man nicht einfach die Personen zu den Tagen in Bezug setzen darf, sondern die Anzahl der möglichen Paarungen von Personen berücksichtigen muss. Mir gefallen solche Gedankenspiele, weil sie eine Warnung davor sind, sich von Wahrscheinlichkeiten und Statistiken blenden zu lassen. Da wird oft Schindluder getrieben – nicht selten mit manipulativer Absicht – und man sollte bei der Bewertung von darauf basierenden "Beweisen" nicht den gesunden, sondern den kritisch prüfenden Verstand walten lassen.
Philidor (16.11.2025, 15:43): Hier liegt eine Analogie zum Geburtstagsparadoxon vor. Dieses besagt, dass in einem Raum mit 23 Personen, die Chance, dass zwei denselben Geburtstag haben, 50% beträgt – was angesichts der 365 möglichen Tage in der Tat paradox erscheint. Die Falle besteht darin, dass man nicht einfach die Personen zu den Tagen in Bezug setzen darf, sondern die Anzahl der möglichen Paarungen von Personen berücksichtigen muss. Mir gefallen solche Gedankenspiele, weil sie eine Warnung davor sind, sich von Wahrscheinlichkeiten und Statistiken blenden zu lassen. Da wird oft Schindluder getrieben – nicht selten mit manipulativer Absicht – und man sollte bei der Bewertung von darauf basierenden "Beweisen" nicht den gesunden, sondern den kritisch prüfenden Verstand walten lassen. Das kann man nicht oft genug sagen.
Schließlich steigt die Anzahl der Sonnenbrände in derselben Weise an wie der Verkauf von Eiscreme. Was bedarf man sonst, um zu beweisen, dass der Genuss von Eiscreme Sonnenbrand verursacht?
Philidor (16.11.2025, 17:01): Die Welt ist verrückt.
Alban Berg: Wozzeck
Wozzeck - Franz Grundheber Marie - Waltrad Meier Tambourmajor - Mark Baker Andres - Endrik Wottrich Hauptmann - Graham lark Doktor - Günter von Kannen
Chor der Deutschen Staatsoper Berlin Staatskapelle Berlin
Daniel Barenboim
Stage Director: Patrice Chéreau
Aufgenommen an der Deutschen Staatsoper Berlin im April 1994
Wahnsinnig gut dirigiert. Inszenierung - ok.
Philidor (16.11.2025, 19:10): Hier ging's mit der Liste weiter.
György Ligeti: Requiem (1963-65)
Caroline Stein, Sopran Margriet van Reisen, Mezzosopran London Voices Berliner Philharmoniker Jonathan Nott (live 08.-11. November 2002, Berlin, Philharmonie)
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, Gardner)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (16.11.2025, 20:13): Im Herbst passt dieses Werk mMn ganz vorzüglich.
Johannes Brahms: Klarinettenquintett h-Moll op. 115
Karl Leister, Klarinette Amadeus-Quartett
Ich mag den dunklen Ton von Karl Leister sehr. Deutsche Schule. Man vergleiche mit der Aufnahme von Michel Portal mit dem Melos Quartett, ein viel hellerer Ton.
Philidor (21.11.2025, 07:32): Hier nochmal Schwarz und Weiß.
Henri Dutilleux: Klaviersonate (1946)
Aline Piboule, Klavier
Ein kapitales Stück, meine ich.
Andréjo (21.11.2025, 08:44): Im Herbst passt dieses Werk mMn ganz vorzüglich.
Johannes Brahms: Klarinettenquintett h-Moll op. 115
Karl Leister, Klarinette Amadeus-Quartett
Ich mag den dunklen Ton von Karl Leister sehr. Deutsche Schule. Man vergleiche mit der Aufnahme von Michel Portal mit dem Melos Quartett, ein viel hellerer Ton. So richtig darauf geachtet habe ich noch nie. Aber jetzt reizt mich der Vergleich.
Portal, der ja auch jazzt, finde ich - zum Beispiel - hier:
Und die Dutilleux-Sonate ist auch spannend und wurde oft eingespielt.
Joe Dvorak (21.11.2025, 23:59): JLL-#22/233
Ludwig van Beethoven - Streichquartette op. 130/133, 131 & 135
Auryn Quartet
Die Auryns spielen die Originalversion des B-Dur-Quartetts mit der Großen Fuge direkt nach der Cavatina. Das später komponierte Ersatzfinale wird angehängt. Vitales Spiel, nicht zu warm, nicht zu rau, extrem durchsichtig, unterstützt von einem quellwasserklaren Klangbild.
Joe Dvorak (22.11.2025, 01:29): Im Herbst passt dieses Werk mMn ganz vorzüglich.
Johannes Brahms: Klarinettenquintett h-Moll op. 115
Karl Leister, Klarinette Amadeus-Quartett
(...)
Ich mag den dunklen Ton von Karl Leister sehr. Deutsche Schule. Man vergleiche mit der Aufnahme von Michel Portal mit dem Melos Quartett, ein viel hellerer Ton. Danke für diesen Impuls. Da lege ich doch gleich mal meine Erstbegegnung in den Strom. Ich habe das Werk in der Einspielung mit Leister und dem Vermeer-Quartett kennengelernt und war auch sofort eingenommen von dem satten dunkel-roségoldenen Ton, bei dem man gleich die schweren Rotweintumbler herausholen und einen alten Shiraz einschenken mag. Das ebenfalls eher dunkelgetönte, kompakt verwobene Vermeer Quartet passt m. E. besser als die späteren Partner Brandis und Leipziger. Die Amadeus-Aufnahme kenne ich nicht.
Johannes Brahms - Klarinettenquintett h-Moll op. 115
Karl Leister, Vermeer-Quartett
Philidor (22.11.2025, 09:06): Noch 'ne Klaviersonate.
Alberto Ginastera: Klaviersonate Nr. 1 op. 22
François-Xavier Poisat, Klavier
Großartig. Ginastera würde ohnehin mal eine tiefere Auseinandersetzung lohnen.
Andréjo (22.11.2025, 12:50): Unbedingt! Der hatte ja auch unterschiedliche Phasen mit den folkloristisch angehauchten, teilweise umfangreichen, bildhaft und sehr episodisch erfundenen Orchesterwerken (Panambi, Popol Vuh, Estancia), teilweise an den Sacre erinnernd, mit den eigenwilligen und, wie ich meine, sich sehr unähnlichen Streichquartetten und mit dem zum Teil schon sehr modernistischen, aber faszinierenden Spätwerk, etwa den beiden Klavier- und den beiden Cellokonzerten. Das zweite Klavierkonzert ist am radikalsten, aber eben nicht sonderlich abstrakt - das macht es so reizvoll für mich.
Die Klaviersonate kenne ich nicht - von der Opusnummer her gehört sie wahrscheinlich noch nicht zum Späterk. Wobei er nicht so arg viel komponiert hat, glaube ich.
Philidor (22.11.2025, 17:46): Nun ein Blick nach Estland.
Lepo Sumera
Sinfonie Nr. 1 (1981) Sinfonie Nr. 2 (1984) Sinfonie Nr. 3 (1988)
Malmö Symphony Orchestra Paavo Järvi
Sfantu (22.11.2025, 18:45): Nun ein Blick nach Estland. Erinnernd richtet mein Blick sich oft und gern nach Estland. Habe bisher 2x das Baltikum bereist, 1x davon auch Estland. Eine immens eindrückliche Natur. Und Tallinn ist eine der anrührendsten und schönsten Städte, die ich jemals sah.
Von Sumera steht hier so einiges Ungehörte. Und es wäre unter diesen Umständen nicht seriös, mitzureden. Obschon soooo lange auf meiner to-do-list.
Stattdessen Altbekanntes an barocken Brocken: angesichts der anbrechenden Adventszeit war mir nach diesem Superhit - und zwar einmal abseits der historisch irritierten Aufführungspraxis, dafür in konventionell-generösem Schönklang:
Antonio Vivaldi
"Le quatro stagione" aus "Il cimento dell' armonia e dell' invenzione" op. 8
Joseph Silverstein, Violine - Boston Symphony Orchestra - Seiji Ozawa (CD, Telarc, 1982)
Das Boston Symphony mit seinem damaligen Primarius Joseph Silverstein - eine mätzchenfreie Geradeaus-Version. Diese Musik darf auch mal einfach nur schwingen, klingen und Freude bereiten.
Weshalb "angesichts der anbrechenden Adventszeit"? Von Kindesbeinen an (Kindesohren wäre passender) gab es im WDR-Radio eben in der Adventszeit immer einen Jingle, in dem aus artigem Kindermund eine besinnliche Weihnachts-Anekdote angekündigt wurde (machen sie das immer noch?). Unterlegt war das mit dem Largo aus Vivaldis "Winter"
Sfantu (22.11.2025, 18:47): Es sollte wohl "Konzertmeister" heissen - nicht "Primarius", oder?
Joe Dvorak (23.11.2025, 00:16): Hier wird wieder etwas, das schon lange auf der Zu-tun-Liste steht, getan. 3 Jahre und ein Tag ist es her, dass ich schrieb: Freunde, da stellen sich in manchen Chorpassagen die Nackenhaare auf. Der Hammer!
JLL-#23/233
Zoltán Kodály - Budavári Te Deum & Missa Brevis*
Eva Andor (Sopran), Mártha Szirmay (Alt), József Réti (Tenor), József Gregor (Bass), Klára Makkay (Sopran)*, Eva Mohacsi (Sopran)*, Alice Ekert (Sopran)*, Hungarian Radio and Television Chorus, Budapest SO, János Ferencsik
Philidor (23.11.2025, 12:00): Heute noch die vierte, meine Liebste von Sumera.
Lepo Sumera: Sinfonie Nr. 4 "Serena borealis" (1992)
Malmö Symphony Orchestra Paavo Järvi
Philidor (24.11.2025, 07:16): Nun will ich doch mal die Audition einer Bach-Kantate hier teilen. Eine der ganz frühen, vielleicht sogar die älteste überlieferte.
Johann Sebastian Bach: "Nach dir, Herr, verlanget mich" BWV 150
Ansgar Pfeiffer (Soloist of the Knabenchor Hannover), Paul Esswood, Kurt Equiluz, Max van Egmond Knabenchor Hannover (Chorus Master: Heinz Hennig) & Collegium Vocale Gent (Chorus Master: Philippe Herreweghe) Leonhardt-Consort Gustav Leonhardt
Nachdem ich nun den gesamten Zyklus von Harnoncourt/Leonhardt gehört habe, bin ich ziemlich beeindruckt. Spätere Zyklen (Koopman, Gardiner, Suzuki) mögen perfekter sein, aber hier gibt es ein Gefühl einer Entdeckungsreise, das magisch ist. Ein großartiger Zyklus.
Joe Dvorak (25.11.2025, 08:23): Als dringende Empfehlung im Forum ging es in den Arbeitsvorrat und von da in die Ohren. Hier heißt es nicht: erst die Arbeit, dann das Vergnügen, sondern: diese Arbeit ist das höchste Vergnügen.
JLL-#25/233
Pyotr Ilyich Tchaikovsky - Streichquartett Nr. 1 D-Dur, op. 11 & Streichquartett Nr. 2 F-Dur, op. 22
Dudok Quartet Amsterdam
Joe Dvorak (27.11.2025, 07:35): Der Zeitplan ist dicht, aber für dieses höchst vergnügliche, mehrbödige Wiedergabe-Spiel findet sich eine Lücke.
JLL-#26/233
Mauricio Kagel - Playback Play (News from the Music Fair, Radio Piece (1996/97))
Ensemble MusikFabrik NRW
Joe Dvorak (28.11.2025, 00:30): JLL-#27/233
Respighi & Ravel - Violin Sonatas
Lydia Mordkovitch, Clifford Benson Ottorino Respighi - Sonate für Violine und Klavier h-Moll, P. 110 Maurice Ravel - Violinsonate No. 1 a-Moll, M. 12 "Sonate Posthume" Maurice Ravel - Violinsonate No. 2 G-Dur, M. 77 Der Angelsachse würde sagen: Pretty darn good!
Philidor (28.11.2025, 07:34): Hahahaydn.
Joseph Haydn: Streichquartett h-Moll op. 33 Nr. 1
Appónyi-Quartett
Gottfried von der Goltz, Violine Petra Müllejans, Violine Christian Goosens, Viola Guido Larisch, Violoncello
Bin sehr froh, die Box im Regal zu haben, vor allem, weil ich die Aufnahmen nicht via Qobuz bekomme.
Es ist sehr schade, dass dieses Ensemble, das aus dem Freiburger Barockorchester hervorgegangen ist, nicht viel mehr aufgenommen hat. Noch zwei Alben mit Boccherini, ein Gemischtes mit Frühklassik, das war's. Ein Jammer.
Die sind sooo gut ...
Joe Dvorak (29.11.2025, 01:25): JLL-#28/233
Ottorino Respighi - Feste Romane & Pini di Roma
The Cleveland Orchestra, Lorin Maazel
Der Aufdruck Legendär hat hier meiner Meinung nach seine völlige Berechtigung.
Joe Dvorak (30.11.2025, 08:36): JLL-#30/233
Terry Riley - Africa Express presents ... In C
Mali (feat. Brian Eno)
Eine meiner drei Top-Empfehlungen aus den zahllosen Interpretationen dieses Meister-Meilensteins der Minimal Music.
Joe Dvorak (01.12.2025, 03:01): JLL-#32/233
Wolfgang Amadeus Mozart - Complete Works for Flute & Orchestra
Sharon Bezaly, Ostrobothnian Chamber Orchestra, Juha Kangas Flötenkonzert No. 1 G-Dur, K. 313 Andante C-Dur, K. 315 Konzert für Flöte, Harfe & Orchester C-Dur, K. 299 + Julie Palloc Rondo D-Dur, K. 184 Anh. Flötenkonzert No. 2 D-Dur, K314 Klänge es nicht so pathetisch, würde ich ausrufen: Was für ein Quell der seligen Freude! Das mag nicht das Tiefsinnigste sein, das Mozart geschrieben hat, aber es ist Mozart. Es muss nicht immer Existenz verhandelt werden, manchmal erwächst Betroffenheit aus Einfachheit und Leuchtkraft. Mit hingebungsvollem Engagement gespielt. Unwiderstehlich. Die modernen, doch werksensiblen Kadenzen von Kalevi Aho setzen dem Ganzen die Krone auf. Ein Allzeitfavorit.
Joe Dvorak (02.12.2025, 09:15): JLL-#33/233
Mozart - Doppelkonzert K. 299 / Sinfonia Concertante K. 297b
Philharmonia Orchestra, Giuseppe Sinopoli Konzert für Flöte, Harfe & Orchester C-Dur, K. 299 + Kenneth Smith, Bryn Lewis Sinfonia Concertante Es_Dur, K. 297b für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott & Orchester + John Anderson, Michael Collins, Richard Watkins, Meyrick Alexander Sinopoli ist nicht gerade als Mozart-Spezialist bekannt. Neben dieser Aufnahme scheint es nur noch 3 Minuten aus der Zauberflöte auf einem Chormusik-Sampler zu geben. Aber er ist auch außerhalb seines Stammrepertoires immer wieder zu Wundertaten fähig. Allen voran ist seine Unvollendete ebenfalls mit dem Philharmonia Orchestra (weit besser als die aus Dresden) zu nennen. Da darf man gespannt sein.
Toni Bernet (03.12.2025, 09:31):
Kurzes Einhalten in der Adventszeit:
Franz Schubert: «Du bist die Ruh» D 776 (1823)
Dass Rückerts Gedicht sowohl als Liebeslyrik wie auch als religiöses Gebet verstanden werden kann, ist wie in der persischen Sufi-Mystik nicht zu trennen. Es geht um die Liebe als Movens des Universums. Es ist die Liebe, die das ganze Universum belebt. Schubert fängt mit seiner musikalischen Umsetzung dieses Gedichts beide Dimensionen sowohl der Sehnsucht wie der Liebe ein, was die Interpretation dieses Liedes nicht einfach macht.
Joe Dvorak (05.12.2025, 01:39): Ich klebe immer noch an dem Bläserkomplex von 279b bis 315 fest. Das ist einfach gute Musik, ohne dass man irgendwo draufzeigen und das festmachen könnte. Sie ist vergleichsweise einfach – Quintupelfugen braucht man nicht zu suchen – und sie weist selten Eintrübungen auf. Doch befriedigt mich das mehr als beispielsweise die späten Klavierkonzerte. Das Doppelkonzert wurde oft eingespielt, es dürften so an die 70 Aufnahmen greifbar sein. Erstaunlich, dass es dafür offenbar einen Markt gibt. Relativ neu ist diese hier:
Wolfgang Amadeus Mozart - Konzert für Flöte, Harfe & Orchester C-Dur, K. 299
Anna Besson, Clara Izambert, A Nocte Temporis, Reinoud van Mechelen
Sehr schön. An Harnoncourt und Märzendörfer mit ihren Solisten führt freilich kein Weg vorbei.
Joe Dvorak (06.12.2025, 01:59): JLL-#35/233
Claude Debussy - Images / Danses* / La Mer
*Ursula Eisert (Harfe), SWR SO Baden-Baden und Freiburg, Sylvain Cambreling
Wenn es darum geht, feine Details und nuancierte Farben aus dem Orchester zu zaubern, ist Cambreling der richtige Mann. Dass das Meer dabei nicht ganz so wild tobt, ist kein Manko, sondern ein dickes Plus.
Joe Dvorak (08.12.2025, 03:47): JLL-#36/233
Niccolò Paganini - Chamber Music for Strings
Roberto Noferini (Violine) 3 Ritornelli, MS 113 + Anna Noferini (Violine), Andrea Noferini (Violoncello) Sonata concertata, MS 2 Mosé-Fantasia, op. 24, MS 23 Moto perpetuo, op. 11, MS 72 Cantabile D-Dur, op. 17, MS 109 + Giulio Tampalini (Gitarre) 6 Preludes für Violine solo Mit Ausnahme der als extrem schwierig geltenden Variationen über Dal tuo stellato soglio aus Rossinis Mosé in Egitto gibt es hier keine fingerbrecherischen Schaustücke, sondern beste Laune bereitende, mitreißend gespielte Melodien statt.
Joe Dvorak (09.12.2025, 01:37): JLL-#37/233
Franz Schubert - Oktett F-Dur, D. 803
Nash Ensemble (II, 2003)
Das Nash Ensemble ist eine Variante vom Schiff des Theseus. Nach ihrer Einspielung des Werks im Jahr 1988 änderte sich die Besetzung häufig, sodass, als sie 15 Jahre später wieder ins Studio gingen, um es ein zweites Mal einzuspielen, kein einziges Mitglied der ersten Aufnahme mehr dabei war. Offensichtlich sind das immer noch die Nashs, denn durch den Austausch eines Mitglieds verlieren sie nicht ihre Identität als Ensemble. Wenn ein bis zwei Jahre später ein weiterer Musiker ausgetauscht wird, ebenfalls nicht, und so weiter. Es gibt offenbar keinen Punkt, an dem es auf einmal aufhört, das Nash Ensemble zu sein. Was passiert, wenn die 8 Originalmitglieder wieder zusammenfinden? Welches ist dann das echte Nash Ensemble? Für dieses Paradoxon gibt es keine Lösung (außer man weist spitzfindig darauf hin, dass das alles vertragsrechtlich geregelt ist und der Original-Achter Probleme bekommt, wenn er den Namen benutzt). Als Hörer kann ich das beantworten, indem ich feststelle, dass die hier vorgestellte Aufnahme klar vorzuziehen ist. Somit ist mit Nash (II) das "richtige" Ensemble am Werk.
Sfantu (09.12.2025, 12:16): Ja, mit Theseus' Böötche, da fahre mer su jän... Wie das halt manchmal so ist - da fangen die Jungs mit Gitarre und Gesang an (nicht ohne Erfolg) bis sie dann aber doch die Instrumente wechseln und "richtige" Musik spielen. Es dauert aber nicht lange und Young, Stills, Nash und schließlich Crosby verabschieden sich aus dem Ensemble und orientieren sich wieder neu - ein steter Wandel eben.
Mal im Ernst - hab' die alte Nash gerade mal wieder aufgelegt. Ich fand und finde sie weiterhin sehr erfreulich und herzerwärmend - was macht Nash II besser als Nash I?
Franz Schubert
Oktett F-dur D 803
The Nash Ensemble of London: Michael Collins, Klarinette Brian Wightman, Fagott Frank Lloyd, Waldhorn Marcia Crayford und Jeremy Williams, Geigen Roger Chase, Bratsche Christopher van Kampen, Violoncello Rodney Slatford, Kontrabaß (CD, Virgin, 1988)
Adagio - Allegro 12'14 Adagio 11'24 Allegro vivace 6'43 Andante 12'09 Menuetto. Allegretto 7'07 Andante molto - Allegro - come prima - Allegro molto 10'15
Wie deutlich zu sehen, gab's die auch noch als LP - da regen sich Pawlowsche Will-Haben-Reflexe!
Joe Dvorak (10.12.2025, 03:10): Besser machen Nash II nichts. Was meinen Hörpräferenzen entgegenkommt, ist die schwer zu greifende, vibrierende Energie, die das alles einen Ticken lebendiger wirken lässt, ohne den Ernst, der dieser Musik unverständlicherweise immer wieder abgesprochen wird, zu untergraben. Der Vorsprung schmilzt allerdings gewaltig zusammen, wenn man die Ensembles von Emma Johnson oder Pierre Fouchenneret als Vergleichsmaßstab heranzieht. Die stehen auch auf der Liste, und als Quartalsoktettler musste ich die vorziehen, weil ich kaum mehr aufhören kann, wenn ich mal angefangen habe. Die leuchten in meinem Hörkosmos nochmal ein paar Lux heller, und bleiben deshalb drauf, bis sie regulär gezogen werden.
Andréjo (10.12.2025, 13:52): In der Tat ist das Oktett ein Werk, das etwa durch das Grollen im Schlusssatz den Ernst deutlich erkennen lässt. Und Letzteres ist natürlich ein typisches Phänomen bei Schubert, fast so radikal wie die berüchtigte Explosion in der vorletzten Klaviersonate.
Ich finde mindestens drei Aufnahmen, die ich gerne höre. Die mittlere ist bei mir nur eine einzige CD (also schlicht ohne das Quintett, aber mit einem schöneren Cover: Blick auf den Dachstuhl eines Fachwerkgebäudes).
U
Und bei der dritten, die ich über a... nicht einfügen kann, spielt das Ensemble Hausmusik (1).
(1) Mir wäre ja eigentlich die andere Firma, die mit j..., sympathischer, aber das Ergebnis einer Verlinkung als Bild gefällt mir halt nicht besonders. Wenn das schon Tragik wäre, dann, ja dann wär's tragisch. :|
Dieser "Gesang unter Sternen" gerät streckenweise doch eher zu einem Schlacht- als zu einem Sangesfest. Der geballte romantische Überschwang dieses Einsätzers schwappt bisweilen ins Karikaturenhafte. Und doch (oder gerade deshalb?) macht das brüske Drauf-Los irgendwie auch Spaß. Niemals langweilend und mit gelegentlichen Überraschungen entfaltet sich die wilde, rhapsodische Anlage des Stücks. Mehr als einmal stellen sich Assoziationen zu Filmmusik jener Jahre (1929) ein. Hörwitz hätte zu den tumultösen Passagen sicher die Charakterisierung "Godzilla verspeist Manhattan" zur Hand.
Maurice inaktiv (11.12.2025, 00:15): Mehr als einmal stellen sich Assoziationen zu Filmmusik jener Jahre (1929) ein. Hörwitz hätte zu den tumultösen Passagen sicher die Charakterisierung "Godzilla verspeist Manhattan" zur Hand. Mit dem Unterschied, dass die Erstverfilmung von "Godzilla" 1954 war. Da war Rangström schon 7 Jahre tot. :D
Sfantu (11.12.2025, 00:30): Mit dem Unterschied, dass die Erstverfilmung von "Godzilla" 1954 war. Da war Rangström schon 7 Jahre tot. Und das besagt was?
Joe Dvorak (11.12.2025, 02:18): Die mittlere ist bei mir nur eine einzige CD (also schlicht ohne das Quintett, aber mit einem schöneren Cover: Blick auf den Dachstuhl eines Fachwerkgebäudes). Das Cover ist es Wert, gezeigt zu werden.
Franz Schubert - Oktett F-Dur, D. 803
Berliner Solisten (1980)
Der Ansatz der Berliner ist "symphonisch", was dem Werk etwas mehr Gewicht verleiht. Wahrscheinlich nicht nach Lehrbuch, aber eine interessante Alternative.
Andréjo (11.12.2025, 11:47): Das genau ist das Cover! Ich gestehe, nicht weitergescrollt zu haben. :D
Joe Dvorak (12.12.2025, 02:48): In der Tat ist das Oktett ein Werk, das etwa durch das Grollen im Schlusssatz den Ernst deutlich erkennen lässt. Für mich eine Schlüsselstelle, nicht nur in der Hinsicht, ob das für meinen Geschmack sinister genug herüberkommt, sondern noch mehr dahingehend, wie das Ensemble danach weitermacht. Wird gleich wieder unbeschwert wienerisch musiziert, als ob nichts gewesen wäre, oder wird das Thema mit einer gewissen Schwere dargeboten, oder kommt es vermeintlich leicht, aber die Schatten der Einleitung wirken hinein? Alles veritable Ansätze. Oder macht man es wie die Fredener und bringt es mit einem fast grotesken Einschlag – der den ganzen Satz lang nicht mehr ganz weichen will?
Franz Schubert - Oktett F-Dur, D. 803
Camerata Freden
Andréjo (12.12.2025, 13:54): Da möchte ich die Fredener mal aufrufen, weil mich jetzt interessiert, was Du als "fast grotesk" wahrnimmst. :)
Philidor (12.12.2025, 18:14): Endlich Urlaub! Und seit heute haben wir Internet via Glasfaser ... es geschehen Zeichen und Wunder ... "Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht" ...
Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25
Philidor (13.12.2025, 18:27): Warum nicht mal Vivaldi?
Antonio Vivaldi: L'Estro Armonico op. 3 (12 Concerti für Violinen und B. c.)
Rachel Podger, Violine und Leitung Brecon Baroque
Joe Dvorak (14.12.2025, 02:21): Ja, warum nicht? Anstatt den Zufallsgenerator zu bemühen, greife ich heute diese Anregung auf, um den nächsten Eintrag zu ziehen.
JLL-#41/233
Antonio Vivaldi - La Certa (12 Violinkonzerte)
Rachel Podger, Holland Baroque Society
Philidor (14.12.2025, 13:46): Ja, warum nicht? Anstatt den Zufallsgenerator zu bemühen, greife ich heute diese Anregung auf, um den nächsten Eintrag zu ziehen. Freut mich! :beer
Hier noch'n Opus 3 ...
Georg Friedrich Händel: Concerti Grossi op. 3
The Academy of Ancient Music Richard Egarr
Philidor (14.12.2025, 16:36): Op. 26 habe ich eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gehört und völlig vergessen, dass Brahms so etwas Zartes, Duftiges und Elegantes geschrieben hat. Wunderbar.
Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 2 A-Dur op. 26
Andréjo (14.12.2025, 19:40): Da es mir schlicht genauso geht, wird das Opus 26 ebenfalls aufgelegt:
Mitglieder des Guarneri-Quartetts (John Dalley, Michael Tree und David Soyer) begleiten Rubinstein (oder umgekehrt) in dieser Aufnahme von 1967 aus New York.
Es ist die letzte CD in der Box und bald 48 Minuten werden gefüllt. Ich wusste beispielsweise auch nicht mehr, dass wir es hier so ziemlich (oder ganz sicher??) mit dem umfangreichsten Kammermusikwerk von Brahms zu tun haben.
Joe Dvorak (15.12.2025, 08:09):
Igor Stravinsky - Le Sacre du Printemps
Plovdiv PO - Dobrin Petkov
Die Situation mit Petkovs Sacre ist verzwickt (wie schon bei Shostakovichs Sechster – wann nimmt sich endlich mal jemand dieses Dirigenten an und bringt eine vernünftige Diskographie heraus?). Es existieren CDs auf obskuren Labels, aber keine ist mit diesem File identisch. Es ist nicht mal sicher, ob die Besetzung stimmt, auf dem Cover finden sich keine Angaben dazu. Und wenn ich unter der angegebenen Nummer bei Balkanton suche, finde ich nichts. Wer auch immer da spielt und dirigiert: Diese Aufnahme ist für diejenigen, die selbst bei den kompromisslosesten Interpretationen den Eindruck haben, hier wird nicht alles herausgeholt, weil halt doch ein Mindestmaß an Orchesterkultur bewahrt werden muss. Nicht hier! Unzivilisiert ist das erste Attribut, das mir in den Sinn kommt, roh und primitiv sind die nächsten. Wer auf Kinkerlitzchen wie blitzsaubere Intonation, punktgenaue Einsätze, kultiviertes Spiel und einen ausgewogenen Mix verzichten kann und von den Tontechnikern nicht verlangt, quäkendes Holz, grobkörnige Saiten und schrilles Blech abzumildern, findet hier einen Soundtrack so brutal und barbarisch wie der Plot des Balletts selbst.
Joe Dvorak (16.12.2025, 01:10): JLL-#43/233
Picture Source: Norman Records, Leeds
John Cage - Complete Song Books
Reinhold Friedel (Stimme, Samples, Klangobjekte, Elektronik), Rashad Becker (Live-Elektronik)
Wenn sich der Meistergeist hinter dem Zeitkratzer-Ensemble Cage vornimmt, heißt es Ohren auf. Er präsentiert hier alle Zweiundneunzige in der chronologischen Reihenfolge und jedes für sich. Die Knappheit und die fantasievollen Arrangements halten das spannend und kurzweilig. Freilich sollte man die Klänge nicht zwanghaft mit den Vorstellungen, die man von dem Begriff "Musik" hat, abgleichen, sonst geht es schief. “ … to consider the Song Books as a work of art is nearly impossible. Who would dare? It resembles a brothel, doesn’t it?” (John Cage).
Joe Dvorak (16.12.2025, 07:30): JLL-#44/233
Modest Mussorgsky (orch. Stokowski) - Pictures at an Exhibition
Cleveland Orchestra, Oliver Knussen
Mit der Ravel-Orchestrierung in den Ohren ist das schon eine ziemlich gewöhnungsbedürftige Sache. Ich höre das Stück heute nur noch selten und dann meistens mit Giulinis Einspielung aus Berlin, die mit ihrer kontrollierten Umsichtigkeit (die von manchen als Behäbigkeit wahrgenommen wird) in Verbindung mit einem betörend opulenten Orchestersound für mich Perfektion in Vollendung darstellt.
Joe Dvorak (17.12.2025, 02:01): JLL-#45/233
Fausto Romitelli - An Index of Metals
Livia Rado (Sopran), AltreVoci Ensemble, SMET Electronic Music School, Marco Angius
Bei einer Video-Oper für Sopran, Ensemble, Elektronik und Multiprojektion ist die Audio-CD bzw. die Audiodatei nur die halbe Wahrheit, aber die zieht schon für sich allein unglaublich rein.
Joe Dvorak (17.12.2025, 03:41): Fausto Romitelli - An Index of Metals Jesses, so einen bäumigen Driss habe ich ewig nicht mehr gehört. Ich habe spontan noch ein Kammermusik-Album (s. u.) dieses Komponisten nachgeschoben, und damit war klar, dass er ein Fall für die Eimerliste ist, sprich: für eine spätere Exploration vorgemerkt wird. Romitellis Schaffen umfasst nur zwei Jahrzehnte, er starb bereits im Alter von 41 Jahren. Bei meinem Strömer finde ich 8 Alben, darunter zwei weitere Aufnahmen des Index. Ich kann mir gut vorstellen, dass der mit seinen halluzinatorischen Klangskulpturen und E‑Gitarren-Drones auch außerhalb der Neue-Musik-Zirkel viele Käufer findet.
Fausto Romitelli - Solare
Elena Càsoli (Konzertgitarre), Virginia Arancio (Konzertgitarre, E-Gitarre), Teresa Hackel (Blockflöte, Kontrabass-Blockflöte)
Werke für Solo und Duo
Philidor (17.12.2025, 17:01): Auf der Suche nach kleinen Häppchen, die zu einem Riesling-Sekt (brut) passen, der als Apéritif gereicht wird, sind wir nun bei Dreierlei hängengeblieben:
1) Intensiver Ziegenschnittkäse, einfach würfeln (oder eher quadern) und dünn mit Akazienhonig bestreichen. ("Cyrano pur" heißt der Käse)
2) Baguettescheiben dünn mit Apfelsahnemeerrettich bestreichen, Räucherlachs drauf, fertig.
3) Ziegenkäsetarte. Auf einen Boden aus Mürbeteig kommen Scheiben von der Ziegenkäserolle (entrindet), dann eine Eiercreme aus Eiern, Crème fraîche, Rosmarin, Thymian, Salbei und Oregano. 40 Minuten bei 180 Grad (Umluft), ggf. Mit Alufolie abdecken, falls es zu dunkel wird. Schon mehr als ein Häppchen zum Apéritif. Danach könnte man die kalte Vorspeise weglassen und gleich etwa mit einer Wildconsommé weitermachen (mit Sherry Amontillado).
Getestet wurde übrigens mit dem Riesling-Sekt von Kloster Eberbach. Für Sekt aus dem Supermarkt finden wir den sensationell gut. - An Weihnachten gibt es dann Riesling-Sekt von Emrich-Schönleber.
Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 3 c-Moll op. 60
Habe mir sagen lassen, dass die Aufnahme mit Ax, Stern, Laredo und Ma ein Klassiker für diese Quartette sei. Auch von Hamelin mit dem Leopold String Trio lese ich Gutes. Die neue Aufnahme mit Krystian Zimermann wird in den Himmel geschrieben. Und dann gibt es noch die von Andréjo belauschte Paarung von Rubinstein mit den Guarneris. Das will gehört sein, oder?
Andréjo (17.12.2025, 20:03): Freilich, um auf die letzte Frage zu antworten! :)
Joe Dvorak (18.12.2025, 03:55):
Ying Wang - RE:Wilding
Verschiedene Interpreten
Erregende Musik.
Philidor (18.12.2025, 18:11): Hier gab's Händel.
Georg Friedrich Händel: Concerti grossi op. 6 Nr. 1-6
The Avison Ensemble Pavlo Beznosiuk
Philidor (18.12.2025, 19:57): Muss es sein? Es muss sein.
Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25
Diese Aufnahme erhält viel Beifall von den Kritikern. Nun, ich fühle mich gut informiert, aber es ist nicht die Aufnahme, für die ich morgens 45 Minuten früher aufstehen würde, um sie mir vor der Arbeit anzuhören.
Toni Bernet (18.12.2025, 20:33):
Nach einem ersten Erfolg mit seiner Serenade op.3 veröffentlichte Weiner bald zwei Sonaten für Violine und Klavier, die als typisch für seinen frühen kompositorischen Stil dastehen: erfrischende Musik, beeinflusst von frühromantisch-ironischer Haltung eines Mendelssohns, Schumanns oder Bizets, voller lyrisch singender Melodien, ohne aber mit viel Gedankenschwere belastet zu sein. Es ist direkt ansprechende, eigenständige Musik, die von ungarischer Folklore beeinflusst ist, ohne diese allerdings direkt zu zitieren, wie etwa bei Kodály und Bartok. Als sich Weiner nach seiner pädagogischen Tätigkeit bereits im Ruhestand befand und mehr Zeit hatte, besann er sich angesichts der neuen Entwicklungen europäischer Musik auf die konzertanten Elemente seiner frühen Werke und baute seine Violinsonaten zu viersätzigen Violinkonzerten um. Weiner betrachtete diese Konzerte als eigenständige Werke seines Opus-Verzeichnisses, da deren Orchestrierung zuvor verborgene Qualitäten der Originalstücke neu hervorhebt. So entstand wohl 1950 das Violinkonzert D-Dur nach der 1911 entstandenen Violinsonate op 9, die Weiner Jenő Hubay gewidmet hatte. Das Manuskript wurde allerdings nicht veröffentlicht. Da auf dem Manuskript das Datum 22. Mai 1958 angegeben ist, ist anzunehmen, dass Weiner die Komposition weiterbearbeitete und später als andere Werke mit höheren Opusnummern abschloss. So scheint dieses Violinkonzert zu Leó Weiners letzter abgeschlossener Komposition geworden zu sein. Eine Uraufführung zu Lebzeiten Weiners gab es nicht mehr. Die Uraufführung dieses Konzerts fand wohl erst im Mai 2003 durch den Geiger Vilmos Szabadi statt, und zwar im Zusammenhang mit einer CD-Studioaufnahme. Unterdessen gibt es neu weitere CD-Aufnahmen dieses erfrischend jung gebliebenen Violinkonzertes.
Einen Hörbegleiter zum 1. Violinkonzert von Leó Weiner findet sich hier:
Die 1953 komponierten Quattro Illustrazioni sulle metamorfosi di Vishnu sind ein veritabler "Hit". Sie wurden mindestens ein Dutzend Mal eingespielt. Diese Aufnahme darf eine gewisse "Authentizität" beanspruchen, da Takahashi das Werk (und die anderen auf diesem Album) zu Lebzeiten des Komponisten mit ihm einstudiert hat.
Joe Dvorak (22.12.2025, 03:18): JLL-#49/233
Béla Bartók - Kossuth, Sz.21, BB 31
ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Cornelius Meister
Die Sinfonische Dichtung des 20-jährigen Bartók ist das Hauptwerk auf diesem Album. Meisters den Bombast etwas abmildernde Herangehensweise tut dem farbig orchestrierten Stück sehr gut. Neben dem unvermeidlichen Concerto gibt es noch die 6 Rumänischen Volkstänze, Sz.68 als Zugabe. Ein rundes Album mit Eignung als Dauerbrenner.
Joe Dvorak (22.12.2025, 10:27): JLL-#50/233
Karlheinz Stockhausen - Aus den Sieben Tagen (Unbegrenzt - Verbindung - Nachtmusik - Intensität - Setz die Segel zur Sonne)
Zeitkratzer Frank Gratkowski (Klarinette), Hild Sofie Tafjord (Horn), Hilary Jeffery (Posaune), Reinhold Friedl (Klavier), Marc Weiser (Gitarre) Burkhard Schlothauer (Violine), Anton Lukoszevieze (Violoncello), Ulrich Phillipp (Kontrabass), Christian Lillinger (Perkussion)
Meditativ und beunruhigend zugleich. Das Ensemble hat dieses Werk (bzw. Auszüge – es besteht aus insgesamt 15 Texten) ein weiteres Mal mit dem Geräusch-Künstler Keiji Haino als Gast eingespielt. Für mich ist die eben gehörte Aufnahme die selig machende.
Philidor (22.12.2025, 18:42): Wie gehabt ...
Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 2 A-Dur op. 26
... nicht schlecht, aber der Begeisterungsfaktor fehlt mir ...
Joe Dvorak (24.12.2025, 00:52): JLL-#52/233
John Zorn - Dictée // Liber Novus
Ned Rothenberg (Shakuhachi, Bassflöte, Klarinette), Okkyung Lee (Violoncello, Sprechstimme), Sylvie Courvoisier (Klavier, Sprechstimme), Kenny Wollesen (Vibraphon, Perkussion), John Zorn (Sampels, Geräuscheffekte (Foley)) // Stephen Gosling (Klavier), John Medeski (Orgel), Kenny Wollesen (Perkussion), David Slusser (Klangeffekte), John Zorn (Sprechstimme)
Man sieht der Besetzung schon an, dass es sich hier um eine Art Hörspiel-Komposition handelt. Näheres > hier.
Joe Dvorak (24.12.2025, 09:51): JLL-#53/233
Béla Bartók - Ungarische Skizzen (Bilder) / Konzert für Orchester
Concerto Budapest, András Keller
Diese Aufnahme des Konzerts ist im Zusammenspiel von Interpretation, Ausführung und Klangtechnik unschlagbar. Erfreulicherweise ließ man den Bildern den gleichen Einsatz angedeihen.
Sfantu (25.12.2025, 19:01):
Krzysztof Penderecki
Sinfonie Nr. 2
Narodowa orkiestra symfoniczna polskiego radia Katowice - Antoni Wit (CD, Naxos, 2000)
Moderato 7'46 Allegretto 3'49 Lento 10'18 Tempo I 4'07 Allegretto 8'26
Ein neuer Versuch, das Wesen dieser "Weihnachtssinfonie" zu erspüren. Selbst wenn es gelingt, die Zitatfetzen von "Stille Nacht" herauszuhören - Assoziationen, wenn sie denn in Richtung des Leben Christi gehen sollen, gingen am ehesten vielleicht Richtung Karfreitag: keine Spur besinnlich-festlicher Stimmungen, welche das Weihnachtswunder versinnbildlichen könnten. Stattdessen ein - wenn auch imposantes - akustisches Massaker. Wenn ich die zwei LP-Versionen in meiner Sammlung mit Kasprzik und Penderecki noch halbwegs im Hörgedächtnis habe, muß ich sagen: Wit übertrumpft beide, was unbedingte, ja schonungslose Expressivität angeht. Man bleibt da erschlagen / erschüttert zurück - so weit von Weihnachtsstimmung entfernt wie nur irgend möglich.
Sfantu (25.12.2025, 19:10): Es mußte also etwas Balsamiges für die Seele her.
Claude Debussy
Images I & II
Samson François, Klavier (CD, EMI, 1971)
Reletts dans l'eau 4'31 Hommage à Rameau 5'41 Mouvement 3'37
Cloches à travers les feuilles 3'51 Et la lune descend sur le temple qui fut 3'40 Poisons d'or 3'48
Sfantu (25.12.2025, 19:12): Allen, die hier lesen und/oder schreiben, wünsche ich:
Friedvolle und gesegnete Weihnachten!
Joe Dvorak (26.12.2025, 04:05): JLL-#55/233
Joseph Haydn - Missa Solemnis 'Harmoniemesse' B-Dur, Hob XXII:14
Lynda Russell (Sopran), Catherine Wyn-Rogers (Mezzo), William Kendall (Tenor), Michael George (Bass), Winchester Cathedral Choir, The Brandenburg Consort, David Hill
Ganz wunderbar dargeboten auf Instrumenten der Zeit und ohne Geknödel der Solisten. Klangtechnisch sehr gut, da wird das Wohnzimmer zur Kathedrale. Eine echte Alternative zu Kujiken.
Philidor (26.12.2025, 10:42): Allen, die hier lesen und/oder schreiben, wünsche ich:
Friedvolle und gesegnete Weihnachten! Dem schließe ich mich an!
Habt ein paar schöne und ruhige Tage mit Euren Lieben.
Sfantu (28.12.2025, 18:05):
Luigi Boccherini
6 Duos für zwei Violinen op. 5
Igor Ozim und Primož Novšak (CD, ebs, 1993)
Der knapp 20jährige Komponist schrieb diese Werke voller Charme und Eleganz. Ein zweisätziges und fünf dreisätzige Duos, die aufs Beste unterhalten, indem sie schönste Haydnsche Manier in souveräner Art repräsentieren.
Joe Dvorak (28.12.2025, 23:30): JLL-#57/233
Grieg-Smetana
Quatuor Modigliani Edvard Grieg - Streichquartett Nr. 1 g-Moll, op. 27 Bedřich Smetana - Streichquartett Nr. 1 e-Moll Ein haarsträubend intensives Plädoyer für diese Werke. Wobei ich von Grieg ohnehin nicht mehr überzeugt werden musste und bei Smetana trotz einiger Meriten weiter skeptisch bleibe.
Joe Dvorak (29.12.2025, 02:04): JLL-#58/233
Ludwig van Beethoven (Kadenzen: Alfred Schnittke) - Violinkonzert D-Dur, op. 61
Gidon Kremer - ASMF, Neville Marriner
Da muss man nichts dazu schreiben. Außer dass die Aufnahme, die dieser am nächsten kommt, diejenige mit Kremer und Harnoncourt ist.
Philidor (29.12.2025, 07:24): Moinsen! Ich hab ein bisschen 'was nachzuholen.
Johann Sebastian Bach
"Christen, ätzet diesen Tag" BWV 63 "Dazu ist erschienen der Sohn Gottes" BWV 40 "Sehet, welch eine Liebe" BWV 64
BWV 63: Ingrid Schmithüsen, Yoshikazu Mera, Makoto Sakurada, Peter Kooy BWV 40: Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy BWV 64: Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (29.12.2025, 17:31): Weiter mit dem Aufholen des Rückstands.
Johann Sebastian Bach
"Gelobet seist du, Jesu Christ" BWV 91 "Christum wir sollen loben schon" BWV 121 "Ich freue mich in dir" BWV 133
Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (29.12.2025, 20:06): Und noch ein pralles Paket französischer Orgelmusik.
Louis Vierne: 24 Pièces de Fantaisie (op. 51, op. 53, op. 54, op. 55)
Ben van Oosten Cavaillé-Coll-Orgel in St. Ouen (Rouen/Frankreich)
Joe Dvorak (30.12.2025, 05:03): JLL-#59/233
Joseph Haydn, Sinfonien Nos 6-8, "Le matin", "Le midi", "Le soir"
NFM Wrocławska Orkiestra Barokowa, Jarosław Thiel
Philidor (30.12.2025, 07:21): Weiter mit dem Kantatenrückstand.
Johann Sebastian Bach
"Unser Mund sei voll Lachens" BWV 110 "Selig ist der Mann" BWV 57 "Ich freue mich in dir" BWV 133
Hana Blažíková, Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (30.12.2025, 17:15): Immer noch: Aufarbeiten des weihnachtlichen Rückstands in Sachen JSB.
Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium BWV 248, Teile I - III
Monika Frimmer, Yoshikazu Mera, Gerd Türl, Peter Kooij Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (30.12.2025, 18:00): Zum weihnachtlichen Programm gehört auch dieses:
Krzysztof Penderecki: Sinfonie Nr. 2 ("Weihnachtssinfonie")
Polnisches RSO (Kattowitz) Antoni Wit
Bin ziemlich unterwältigt. Dabei hatte ich das Werk als eher hörenswert in Erinnerung.
Ein neuer Versuch, das Wesen dieser "Weihnachtssinfonie" zu erspüren. Selbst wenn es gelingt, die Zitatfetzen von "Stille Nacht" herauszuhören - Assoziationen, wenn sie denn in Richtung des Leben Christi gehen sollen, gingen am ehesten vielleicht Richtung Karfreitag: keine Spur besinnlich-festlicher Stimmungen, welche das Weihnachtswunder versinnbildlichen könnten. Stattdessen ein - wenn auch imposantes - akustisches Massaker. Wenn ich die zwei LP-Versionen in meiner Sammlung mit Kasprzik und Penderecki noch halbwegs im Hörgedächtnis habe, muß ich sagen: Wit übertrumpft beide, was unbedingte, ja schonungslose Expressivität angeht. Man bleibt da erschlagen / erschüttert zurück - so weit von Weihnachtsstimmung entfernt wie nur irgend möglich. Tja. Mal schauen, ob spätere Auditionen meine Auffassung ändern können. Man kann ja auch nicht einfach ab 05:45 Uhr zurückhören oder so.
Philidor (30.12.2025, 18:55): Und noch ein Weihnachtsklassiker. Auch schon 90 Jahre alt. Die Musik unserer Großeltern und Urgroßeltern.
Olivier Messiaen: La Nativité du Seigneur (1935)
Olivier Latry Orgel in Notre-Dame de Paris
Ein wenig unterkühlt. Ich ziehe die Aufnahmen mit Jennifer Bate (die erste) oder Gillian Weir vor.
Andréjo (30.12.2025, 23:38): Und ich will dann mal wieder die folgende hören:
Ansonsten besitze ich Willem Tanke und wie Philidor Olivier Latry - das Gesamtwerk. Nur für den Weihnachtsklassiker habe ich mir noch die einzelne CD mit Hans-Ola Ericsson zugelegt. Ich höre den Zyklus gewiss am häufigsten von Messiaens Orgelmusik. Ob es die beste der drei Aufnahmen ist? Das kann ich nicht so recht entscheiden.
Joe Dvorak (31.12.2025, 01:55): JLL-#60/233
Alan Hovhaness - Sinfonien Nos 4, 20 & 53
John Wallace (Trompete), The Royal Scottish Academy of Music and Drama Wind Orchestra, Keith Brion
Hovhaness' Vision, Musik für alle Menschen, die schön und heilsam ist, zu schreiben, stößt nicht immer auf Gegenliebe. Oft ist sie zu schön und das Fehlen von Konflikten kann leicht ermüden. Auf der Habenseite steht ein einzigartiger, choralreicher, von Orientalismen durchwobener Klang, der seiner Musik einen hohen Wiedererkennungswert gibt – was freilich auch als Einförmigkeit und Vorhersehbarkeit ausgelegt werden kann. Zumindest hat er unter den Nachkriegskomponisten eine einzigartige Stellung inne und und ein paar Alben kann man mit Gewinn hören. Dieses hier besticht durch zahlreiche Bläser-Soli, teils von ungewohnten Instrumenten wie Bassklarinette und Kontrafagott im ersten Satz der 4. Sinfonie. Obwohl ein 'Wind Orchestra' am Werk ist, muss man nicht auf die für den Komponisten typische gestimmte Perkussion verzichten – der 2. Satz der 4. Sinfonie wird mit einem Marimba-Solo eröffnet – und es gibt sogar den einen oder anderen komponierten schiefen Ton zu verzeichnen (1. Satz von Desolate Places). Nach hinten raus verhungert das Album zuhörends. Als grobe Faustregel kann man feststellen, dass die höheren Opuszahlen von Hovhaness wenig hergeben. Die 53. ist ein Paradebeispiel - das hat man alles so oder so ähnlich von ihm schon besser gehört. Es bleiben 50 Minuten, die mit die beste (mir bekannte) Musik des Komponisten enthalten und daher ist dieses Album unterm Strich empfehlenswert.
Joe Dvorak (31.12.2025, 05:39): Joseph Haydn, Sinfonien Nos 6-8, "Le matin", "Le midi", "Le soir"
NFM Wrocławska Orkiestra Barokowa, Jarosław Thiel Fans der Tageszeitensinfonien rate ich dringend, den polnischen Unterhunden einen Lausch zu gewähren. Ich kann mich nicht erinnern, die Werke anderswo so farbig, pointiert, einnehmend, eindringlich, hingebungsvoll, virtuos, auslotend, spielfreudig – und was für Attribute man sonst noch nutzt, um höchst freudebereitende Aufnahmen, die einen in den Bann ziehen, zu charakterisieren – gehört zu haben. Weil uns die Erinnerung manchmal trügt, habe ich den ersten Satz aus dem Morgen einer kleinen Vergleichsstudie unterzogen: St. Luke’s, Cantilena, Heidelberger, Florilegium, Orfeo, English Concert … und ich bleibe dabei.
Philidor (31.12.2025, 09:49): Moinsen! Der Bach-Weihnachts-Rückstand wird aufgeholt:
Johann Sebastian Bach
"Tritt auf die Glaubensbahn" BWV 152 "Das neugeborene Kindelein" BWV 122 "Gottlob! nun geht das Jahr zu Ende" BWV 28
BWV 152: Midori Suzuki, Peter Kooy BWV 122: Yukari Nonoshita, Timothy Kenworthy-Brown, Makoto Sakurada, Peter Kooy BWV 28: Carolyn Sampson, Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Andréjo (31.12.2025, 18:19): Ja, Alan Hovhaness finde ich auch ein paar Male im Schrank. Der Komponist ist zu Recht nicht unumstritten, aber das müssen wir hier wohl nicht diskutieren.
Ein paar repräsentative Nummern genügen mir. Nicht uninteressant sind vielleicht überdies die Sachen, bei denen nicht sein eigenwillig schwülstiger Pseudoromantikbarock (oder so) zum Tragen kommt, sondern vorwiegend das orientalisch-folkloristische Moment. Da scheint es bei Weitem weniger zu geben, das man erwerben kann - aber so genau weiß ich das nicht. Hier zumindest eine CD, die ich mehrmals gehört habe:
Das kommt dann auch meinem Faible für ausgefallene (und nicht so ausgefallene :D ) Klavierkonzerte entgegen.
:beer Wolfgang
Philidor (31.12.2025, 20:44): Der Komponist ist zu Recht nicht unumstritten, Ich liebe die doppelte Verneinung. Ein paar repräsentative Nummern genügen mir. Gut, dass hier keine Feminist:innen sind. Doch grundsätzlich stimme ich Dir zu.