Maria-Anna (30.11.2010, 14:43): Mich würde mal interessieren, ob ihr den Wein passend zur Musik auswählt? Was trinkt ihr zur Traviata, zum Tannhäuser, zu Schubert, Bach oder Tschaikowsky?
:beer
Heike (30.11.2010, 17:07): Ich trinke z.B. im Sommer zu Chopin draußen in der Sonne gern einen schönen deutschen Riesling.
Zur Oper trinke ich gern einen schweren italienischen Rotwein, z.B. hatte ich neulich einen wunderbaren alten Barolo. Der passt sogar zum Wagner, finde ich. Leider kann ich mir das nicht täglich leisten ;-) Zu den leichten adventlichen Kantaten mag ich sehr die österreichischen Rotweine, z.B. einen Hillinger Blaufränkischen oder Zweigelt, das hat sowas bodenständiges und trotzdem Stil. Heike
Agravain (30.11.2010, 19:36): Original von Maria-Anna Mich würde mal interessieren, ob ihr den Wein passend zur Musik auswählt? Was trinkt ihr zur Traviata, zum Tannhäuser, zu Schubert, Bach oder Tschaikowsky?
:beer
Das richtet sich nach der Qualität der Aufnahme. Je schlechter, desto mehr. :D
Ansonsten meist den in allen Lebenslagen gut trinkbaren Dornfelder meines Hauswinzers.
Wobei es durchaus Musik gibt, bei denen ich eher etwas Handfestes brauche. Deutsche romantische Opern gehen bei mir eher zusammen mit einem schwarzen Bier, zu schwererer Symphonik (ich werfe wertungsfrei die Namen Bruckner, Mahler oder Sibelius in den Saal) schlüfe ich gern ein Gläschen "Redbreast". Es gibt aber auch Tee-Musik (grün oder Early Grey aus dem Hause Twinings), aber das führt nun zu weit ab vom Pfad.
Vielleicht etwas banausig, aber so ist's nun mal. :D
:hello Agravain
Armin70 (30.11.2010, 20:09): Ich trinke nie während ich Musik höre. Wobei ich das mal in Erwägung ziehen sollte und vielleicht gelingt es mir dann, die ein oder andere Aufnahme "schön zu trinken". Armin
Cetay (inaktiv) (01.12.2010, 17:37): Original von Maria-Anna Mich würde mal interessieren, ob ihr den Wein passend zur Musik auswählt? Was trinkt ihr zur Traviata, zum Tannhäuser, zu Schubert, Bach oder Tschaikowsky?
:beer
Das ist eine schöne Thread-Idee - können wir das nicht auf andere Getränke ausweiten? Dann hätte ich endlich eine Plattform, auf der ich mit meinen Whisky-Kenntnissen angeben kann. :leb
Maria-Anna (02.12.2010, 14:01):
Das ist eine schöne Thread-Idee - können wir das nicht auf andere Getränke ausweiten? Dann hätte ich endlich eine Plattform, auf der ich mit meinen Whisky-Kenntnissen angeben kann. :leb
Na klar! Alles was sprudelt, blubbert, spritzt und fließt ist von Interesse! :rofl Wobei es vermutlich Grenzen gibt oder fällt jemandem eine Oper bzw. ein Stück ein zu dem Milch passen würde? :wink
Sfantu (02.12.2010, 14:45): Milch? Aber ja doch! Zu Holsts "Planets" - schliesslich bewegen wir uns dabei durch die gleichnamige Strasse. Oder zu Gershwins "Strike up the Band", wo sich alles um Milch- und damit Käse-Güteklassen dreht. Aber zugegeben: den Musikgenuss würde es wohl nur suboptimal unterstreichen...
:hello Sfantu
Cetay (inaktiv) (08.12.2010, 12:44): Nun denn. Zuerst gilt es mal zu untersuchen, welche Zusammenhänge es zwischen Klassischer Musik und Schottischem Single Malt Whisky gibt - und was könnte sich dafür besser eignen, als ein Blick auf die Konsumenten.
Eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Liebhabern erfreut sich einfach am primären Zweck, nämlich am Geschmack und er läßt sich dabei vom eigenen Geschmack leiten. Dann gibt es die Kenner, die das Vokabular und die Grammatik des Geschmacks kennen. Sie wissen welche Komponenten es gibt und sie können sie auch benennen - und sie sind der Meinung, dass durch diese Kenntnisse die Erfahrung intensiviert wird. Auf das eigene Urteil alleine will man sich nicht so genre verlassen, deswegen liest man alles, was anerkannte Kritiker darüber schreiben. Und dann gibt es die Experten, nach denen das alles Kokolores ist. Ein verständnisvoller Genuß eines bestimmten Whiskys sei nur möglich, wenn man sich mit zuvor mit der Geschichte der Destillerie vertraut gemacht hat, genau über die Wasser- und Bodenbeschaffenheit der Region Bescheid weiß und über die speziellen Herstellungsverfahren (sofern sie der Produzent verrät) informiert ist. Sie können die Standardwerke und Spezialliteratur rezitieren, fabulieren über Phenole und Aldehyde und wissen ganz genau, wie ein Whisky zu schmecken hat. Den Vertretern der erste Gruppe erklären sie gerne, dass das Verlassen auf den eigenen Geschmack zu Fehlurteilen führt.
Innerhalb dieser Gruppen gibt es wiederum verschiedene charakteristische Spezies: Da wären die Exclusiv-Trinker. Nur schottischer Single Malt darf es sein. "Ein Verschnitt aus Single-Malts? Igitt, dieses Crossover-Zeugs hat doch nichts mit echter Whisky-Kunst zu tun. Und gar ein Blend mit Grains (Nicht-Single-Malt)? Also bitte, dieses populäre Kaufhauszeugs für die Massen, denen es lediglich um schnelle Befriedigung geht, kommt nicht an meinen Gaumen. Dass dieses Gesöff mehrheitlich getrunken wird, zeigt doch, wie sehr es mit unserer Geschmackskultur abwärts gegangen ist. Wie, es gibt auch gute Blends, jenseits der Kaufhaus-Massenware? Also das kann ich und will mir nicht vorstellen, außerdem gibt es noch soviele Single Malts zu entdecken, warum soll ich mich da mit etwas anderem beschäftigen?
Dann gibt es die Exklusiv-Trinker innerhalb der Exklusiv-Trinker, die z.B. gewisse Regionen bevorzugen. "Also ich trinke nur Highlands. Lowlands oder Isalys sagen mir irgendwie nicht so zu." Einige Vertreter dieser Spezies kennen jede noch so kleine Edition von jeder noch so kleinen Brennerei in den Highlands und haben von den 3 großen Lowlands grademal einen probiert und dann die ganze Region ad acta gelegt. Nicht zu vergessen die Konservativen: "Diese modernen Hersteller kommen mir gar nicht ins Glas. Das kann man gar nicht mehr als Whisky bezeichnen. Keine Brennerei, die nach 1920 gegründet wurde, hat je einen großen Single Malt hervorgebracht - weder in Schottland noch in Japan."
Alle diese Gruppen haben die unausrottbare Gemeinsamkeit, dass Geschmacksurteile gerne zu Qualitätsurteilen gemacht werden.
Natürlich gibt es auch Internet-Foren. Dort berichtet User A, dass er in der 18 Jahre alten Destillers Edition einer Dreifassreifung von einem Hersteller, den kein Normaluser kennt, Nuancen von Trüffel-Vanille under Gerstengras errochen hat und im Abgang Spuren von Torf geschmeckt hat. Daraufhin wird er von User B geputzt, weil doch "jeder weiß", dass diese Edition ganz ohne Torfrauch getrocknet wurde. Worauf User A entgegnet, dass das verwendete Quellwasser durch torfhaltigen Boden fließt und von daher Torf sehr wohl geschmacklich nachweisbar sein kann. Worauf User B auf die Rezension von Guru X verweist, der der Edition wegen des Fehlens von jeglichem Torfaroma eine schlechte Bewertung gegeben hat, worauf ein neuer Faden aufgemacht wird, in dem es um die Kritik am Kritiker geht... Aber der mit Abstand am häufigsten frequentierte Faden ist stets: "Was trinke ich gerade jetzt".
Ob Gemeinsamkeiten mit der Spezies der Klassikhörer zu finden sind, überlasse ich jedem selbst. :D
Solitaire (08.12.2010, 15:40): Danke für diesen Exkurs. Ich bin da ein ziemlicher Banause und kenne nur zwei Sorten Whiskey: Torfig und nicht-torfig. Torfi: igitt. Nicht torfig: okay, wenn es sein muß und sich gesellschaftlich nicht vermeiden läßt, kann man es mit Todesverachtung rutnerkippen. Ein Whiskeykenner oder -liebhaber bin ich also nicht. Aber ich kenne jemanden der sowohl Whiseykenner als auch Opernliebhaber ist. Ich muß ihn doch mal fragen, was man zu Rossini so trinkt :wink
Maria-Anna (08.12.2010, 15:52): "Ob Gemeinsamkeiten mit der Spezies der Klassikhörer zu finden sind, überlasse ich jedem selbst."
....na, das klingt ganz danach .... :J Irgendwie putzig, dass es überall die einen sowie natürlich auch gegenteiligen Experten gibt, die alle DAS Rezept haben, wie und warum man an die Sache rangeht...... Und die Exlusiv-Konsumierer sowie Konservativen muss man auch nicht lange suchen.... :rofl
Cetay (inaktiv) (08.12.2010, 18:11): Nachdem sich gewisse latente Gemeinsamkeiten bei den Nutzern nicht wegleugnen lassen, stellt sich als nächstes die Frage, inwieweit man Musik und Whisky aufeinander abbilden kann. Heutzutage läßt sich alles mit der Vierfeldermatrix klassifizieren. Bevor ich jetzt lange herumerkläre was das ist, zeige ich zur Illustration lieber gleich die Whisky-Geschmacks-Matrix von David Broom.
Die Vierfeldermatrix vereinfacht komplexe Sachverhalte zwar oft bis an die Grenze zur Unzulässigkeit, macht aber ebenso oft weniger offensichtliche Querbezüge sichtbar. Etwa: Personen die in der politischen Matrix (x = links-rechts / y = liberal-autoritär) im selben Quadranten stehen, tauchen auch bei der Mode (X = lässig-formal / Y= oldschool-hip) signifikant häufig im selben Quadranten auf. Auch hinsichtlich Hobbies, Musikgeschmack, etc. gibt es diese Analogien.
Damit ist der Schwenk geschafft: Ich übernehme für die Musikmatrix die Einteilung von Klein & Aber (x = Mainstream-Avantgarde / y= authentisch-designed). Beispiel: Vivaldis Musik ist "leicht" (Mainstream) und von eher einfacher Machart (authentisch), sie wäre also unten Links zu finden. Dagegen würden wir Boulez als "schwer zugänglich" (Avantgarde) und extrem komplex (designed) weit oben und weit rechts wiederfinden. Der späte Bach wäre links (weit zur Mitte hin gerückt) oben zu finden, Bruckner sehr nahe am Schnittpunkt in der Mitte (was möglicherweise das Geheimnis seiner Größe ausmacht). Alles klar? Wo befinden sich eure Favoriten?
Fragt sich nur noch, wie die beiden Matrizen zu drehen sind, damit die Quadranten der Musik- und der Whisky-Matrix eine analoge Abbildung ergeben. Das ist nicht weiter schwer. Ein leichter Whisky entspricht authentischer Musik, weil sich leichte Aromen (grasig, grün-fruchtig) auf die natürlichen (authentischen) Zutaten des Whiskys zurückführen lassen, während das gehaltvoll-komplexe (Vanille, getrocknete Früchte) von den Fässern kommt, also künstlich ("designed") hinzugewonnen wird. Je mehr der Rauch des Torffeuers das Aroma bestimmt, desto mehr kann man Neulinge und Gelegenheitstrinker vergraulen, der Mainstream mag es weich, die Avantgarde rauchig. Also müssen wir die Musikmatrix wie in diesem eigenen Beispiel drehen.
Jetzt haben wir es: Lagavulin passt zu Boulez, Glen Spey zu Vivaldi, Talisker 10y zu Strawinsky - das trifft es perfekt. Umgekehrt wird es spannend: Welche Musik zu einem bestimmten Whisky? Einer meiner Top-Favoriten ist der 15-jährige Bruichladdich: Perfekt ausbalanciert zwischen weich und rauchig und etwas auf der gehaltvolleren Seite liegend. Analog dazu finde ich auf der Grenzlinie zwischen Mainstream und Avantgarde und etwas zur Design-Seite hin tendierend ... Sibelius. Prost!
Heike (08.12.2010, 20:03): Wow, wie spannend! Ich liebe Whisky (mein Vater hat mich dazu verführt), aber ich habe keine Ahnung davon. Vielleicht kann ich mich mit Boulez, Strawinsky & Co rantrinken ;-) Heike
Jürgen (09.12.2010, 08:51): Original von Cetay Fragt sich nur noch, wie die beiden Matrizen zu drehen sind, damit die Quadranten der Musik- und der Whisky-Matrix eine analoge Abbildung ergeben.
Das ist mit einer schlichten Drehung nicht getan. Es handelt sich vielmehr um Transformationen. Aber Vorsicht! Die Barockmusik-Whisky-Transformations-Matrix unterscheidet sich gewaltig von der Spätromantik-Likörwein-Transformations-Matrix. Allein wenn Vivaldi nicht als weich einzustufen ist (Links unterer Quadrant), sondern als klassischer Linksaussen, kann Luchresi Sherry nicht mehr von Amontillado unterscheiden.
Sfantu (09.12.2010, 10:53): "Les Murailles" , ein 2009er Weisswein der Rebsorte Chasselas (legerement gazifizée) des Winzers Badoux aus Aigle an der Rhone, Kanton Vaud.
Mein idealer Begleiter zu Musik, die spritzig elegant, aufgeweckt, dialogisierend und immer für Überraschungen gut ist (als da beispielsweise wären: Ouvertüren-Suiten von Telemann in vorzüglichen historisierenden Aufnahmen der AfAM Berlin, der Musica Antiqua Köln, Il Fondamento u. a. oder auch Haydnsche Klaviertrios).
:hello Santé - Sfantu
Mime (09.12.2010, 17:50): Original von Heike Wow, wie spannend! Ich liebe Whisky (mein Vater hat mich dazu verführt), aber ich habe keine Ahnung davon. Heike
Hoffentlich wars die einzige Verführung... :ignore
Wie wärs mal mit einem Powerscourt Whiskey (Red label,12 years old) ? Gibts z.B. im Dutyfreeshop Dublin Airport und läuft wie Samt die Gurgel runter. Danach ist auch Boulez zu ertragen :leb
:times10
Heike (09.12.2010, 18:23): Hoffentlich wars die einzige Verführung Mime, das ist nicht das erste Mal, dass du so geschmacklose Bemerkungen machst; ich sage jetzt mal nichts weiter dazu, aber vielleicht mäßigst du dich in Zukunft etwas. Heike
Mime (10.12.2010, 17:01): Original von Heike Hoffentlich wars die einzige Verführung Mime, das ist nicht das erste Mal, dass du so geschmacklose Bemerkungen machst; ich sage jetzt mal nichts weiter dazu, aber vielleicht mäßigst du dich in Zukunft etwas. Heike
:ignore
Archivspinne (13.12.2010, 12:34): Bestimmte Getränke zu bestimmter Musik, klingt hochinteressant. Bisher war es bei mir lediglich Sekt zur Wasser- und Feuerwerksmusik, weil jenes Stück für gewöhnlich in unserer Familie Heiligabend läuft, wenn der Eröffnungstrunk kommt, und dann war mal der Effekt, dass ich wegen einer Whiskyverkostung, für die ich mich bereits angemeldet hatte, mit leichtem Leidwesen auf die Kino-Premiere vom Mogwai-Konzert-Film verzichten mußte, aber mich damit tröstete, dass ich immerhin statt einer schottischen Band diverse Schottische Edelwhiskys genießen konnte... :D Dann habe ich mir zur "Scratch my back" von Peter Gabriel einen kräftigen Rotwein im Stile von Cabernet Sauvignon oder Syrah gegönnt um einwenig die Hummeln im Hintern zu beruhigen, die ich für gewöhnlich habe, wenn ich ohne Nebenbeschäftigung Musik höre http://www.websitepark.de/forum/images/smilies/redface.gif Aber die Musik selbst hat meine Hummeln dann sogar beruhigt und bei "Street Spirit" hab ich dann Rotz und Wasser geheult vor Ergriffenheit...http://www.websitepark.de/forum/images/smilies/heul.gif