Wer hörte jemals von ihm ? - unbekannte Tastengenies

AcomA (20.03.2006, 22:29):
Dieser thread ist jenen Pianisten gewidmet, welche es nicht zu ueberregionalem Ruhm brachten, aus welchen Gründen auch immer, und doch Großartiges auf dem Flügel zustande brachten oder bringen. Ich fange mal an.

methusalem mit unerschöpflichen kräften

vor vier jahren, während eines aufenthaltes in teheran, stellte mir ein freund einen von ihm mitgeschnittenen klavierabend des iranisch-armenischen pianisten emanuel melik-aslanian vor. der klavierabend fand in der österreichischen botschaft statt. ich hatte den namen dieses pianisten noch nie zuvor gehört, zudem war der pianist zum zeitpunkt des recitals 85 jahre alt !

das programm:

bach-liszt - präludium und fuge

beethoven - klaviersonate f-moll op. 57

beethoven - klaviersonate c-moll op. 111

pause

chopin - klaviersonate b-moll

schumann - fantasie c-dur

schumann - kreisleriana

liszt - consolation nr. 3 (zugabe)

e. melik-aslanian - parvaneh ('schmetterling', zugabe)


ich bin wahrlich vom hocker gefallen ! es war die präsentation der alten schule, wie wir es z.b. von a. rubinstein oder r. casadesus gehört haben. die technische beherrschung des instrumentes unbeachtet seines alters war auf champions-league-niveau. überragend auch das klangempfinden dieses mannes (man denkt an benedetti-michelangeli oder i. moravec). und schließlich sagte man sich, ob dieser mann den niemals ermüden würde.

e. melik-aslanian wurde 1915 in tabriz (iran) geboren und studierte von 1927-1937 an der brahms-akademie und am hamburger konservatorium klavier und komposition. kompositionslehrer war u.a. p. hindemith. melik-aslanian entwickelte eine eigene methode zur verfeinerung der pianistischen möglichkeiten und leitete eine musikschule in hamburg. 1952 kehrte er in den iran zurück und engagierte sich in der iranischen kunstmusik vor allem als komponist, wobei er regelmäßig mit dem teheraner sinfonie-orchester zusammenarbeitete. solo-auftritte wie oben dargestellt waren die ausnahme. er verstarb am 14.juli 2003 im alter von 88 jahren.

http://www.parstimes.com/musicians/prof_aslanian_t.jpg

oben ein foto aus etwas jüngeren jahren (schah-zeit). hier nun ein biographischer link: www.parstimes.com/musicians/prof_melik_aslanian.html

gruß, siamak :engel
AcomA (20.03.2006, 22:32):
hallo,

nun stelle ich einen pianisten der absoluten weltklasse vor, den hier wohl kaum einer kennt:

abdel rahman el bacha

er wurde 1958 in beirut geboren. geige begann er mit 4 jahren und klavier mit 6 jahren zu spielen. er begann sein klavierstudium 1967 bei z. sarkissian, einer schülerin marguerite longs. als 10-jähriger gab er sein erstes konzert mit orchester. 1974 wurden ihm stipendien von der UDSSR, großbritannien und frankreich angeboten ! er entschied sich für letzteres. am pariser konservatorium gewann er preise für klavier, kammermusik, harmonie und kontrapunkt. schließlich gewann er den ersten preis beim königin-elisabeth-wettbewerb in brüssel 1978. mittlerweile hat er auch die französische staatsbürgerschaft.

seine debutplatte mit frühen klavierwerken prokofievs hatte ich auch. seine 'suggestions diaboliques' sind pianistisch reichhaltiger und rhythmisch gespannter als die mit a. gawrilov ! die platte gewann grand prix d'academie charles cross.

zwei großprojekte hat er abgeschlossen: die gesamtaufnahme der beethovenschen klaviersonaten und das gesamtsolowerk chopins in chronologischer reihenfolge nach enstehungsjahr der werke. ich habe die ersten beiden volumes der chopin-edition, um seine frühwerke zu besitzen (wunderschön sind seine frühen polonaisen, welche sehr selten gespielt werden). es ist ein grandioses spiel mit gesangskunst, rhythmischer finesse, transparenz und viel temperament. manualtechnisch top of the top. was ganz entscheidend ist, er hat einen persönlichen musizierstil, ohne exzentrisch zu wirken.

jetzt hat er auch noch die konzerte prokofievs eingespielt. die werde ich eingedenk seiner debutplatte mir zulegen !

http://www.lorentzconcerts.com/assets/images/Bacha_3w.jpg

gruß, siamak :engel
AcomA (20.03.2006, 22:36):
hallo,

im alter von 36 jahren verstarb der russische pianist andrei nikolsky. er war einer der letzten schüler heinrich neuhaus' am moskauer konservatorium. außerdem war danach lev naumov sein lehrer, der unter anderem auch konstantin scherbakov unterrichtete. nikolsky wurde 1959 in moskau geboren. 1983, zwei jahre nach beendigung seines studiums in moskau, emigrierte er nach westeuropa. 1983 wurde er dritter beim ARD-wettbewerb in münchen. daraufhin besuchte er meisterkurse bei hans leygraf in salzburg. es folgten erste preise beim marguerite-long/jacques thibaud-wettbewerb in paris und beim königin-elisabeth-wettbewerb in brüssel (1987).

er bekam einen plattenvertrag bei arte nova, wo er drei cds produzierte:

chopin: preludes op.28, sonate nr.2, barcarolle

rachmaninov: preludes op.23 nr.1-10, corelli-variationen, sonate nr.2

prokofiev: 5., 7. und 8. sonate.

dieser pianist war ein ausgesprochen ehrlicher musiker mit hohem technischen rüstzeug. sein spiel lässt die stimmen durchhören mit natürlicher phrasierung und ausgeprägter gesangskunst. sein pedaleinsatz ist ausgefeilt. er gehört zu den wenigen russischen pianisten, welche chopins feinen linien gerecht werden. wenn ich nikolsky höre, dann ist es eine labsal. sehr überlegen, wie er z.b. dieses monstrum von rachmanino-sonate bändigt. ob es diese aufnahmen von arte nova noch gibt ? wenn ich bedenke, dass diese aufnahmen für jeweils knapp 5 DM fast geschenkt waren. unglaublich.

http://images.amazon.com/images/P/B000005I6F.01._SCTHUMBZZZ_.jpg http://images.amazon.com/images/P/B000005I6E.01._SCTHUMBZZZ_.jpg http://images.amazon.com/images/P/B000005I5U.01._SCTHUMBZZZ_.jpg

leider im netz kein foto des pianisten verfügbar.

gruß, siamak :engel
AcomA (20.03.2006, 22:44):
hallo,

nun folgt ein pianist, den ich jetzt schon zu den bedeutendsten der letzten 50 jahre zählen möchte ! steven osborne. der 1971 in schottland geborene osborne gewann 1991 den renommierten "clara-haskil-wettbewerb" im schweizerischen vevey und 1997 die "international naumburg competition" in new york.

http://www.radiobremen.de/magazin/kultur/musik/piano/_bild/osborne.jpg

seine erste pianistische großtat war die einstudierung und (welterst-) aufnahme der klavierkonzerte von tovey und mckenzie mit dem BBC scottish SO bei hyperion records. es sind zwei tatsächlich sehr substanzielle konzerte, die IMO gewichtiger und kompositionstechnisch gar interessanter erscheinen als die liszt-konzerte. sie verfolgen mehr den typus des symphonischen konzertes. siehe hierzu auch den thread rachmaninovs über die hyperion-reihe 'the romantic piano concerto' !

http://www.stevenosborne.co.uk/images/mactov.jpg

die nächste platte war werken des russischen komponisten (jazz style) nicolai kapustin gewidmet. zentrales werk ist die 2. klaviersonate oder auch jazz-sonate genannt. ein motorisch-toccatenhaft anmutendes werk in den ecksätzen. hier verbinden sich russische virtuoso-traditionen mit dem jazz-stil. ich hörte die sonate mit hamelin im konzert live, osborne ist absolut gleichrangig in der interpretation !

http://www.stevenosborne.co.uk/images/kapustin.jpg

leider ist die einspielung von liszts kompletten 'harmonies poetiques et religieuses' aufnahmetechnisch nicht so toll gelungen, schade denn pianistisch furios. dagegen sind messiaens 'vingt regards' auch aufnahmetechnisch top of the top. pianistisch, muss ich zugeben, ist osborne hier einem aimard überlegen !

http://www.stevenosborne.co.uk/images/mess.gif

über alkans esquisses op.63 schrieb ich im alkan-thread. ich erlebte steven osborne zweimal live und hatte dabei auch gelegenheit mit ihm kurz zu sprechen. er ist extrem bescheiden. eigentlich kommt er einem vor wie ein 'rucksack-tourist', der interessiert und doch ganz unbefangen sich auf abenteuerreise begibt. beim ersten mal spielte er: js bach - einiges aus dem WTK I, rachmaninov - preludes op.32, debussy - preludes 2.buch. beim letzten ruhr-festival: beethoven - bagatellen op.126, michael tippett - 4. sonate, eigene improvisationen, gershwin - preludes, oscar peterson - indiana u.a..

alles gehörte war referenzartig interpretiert. zum einen reißt die freude des pianisten am gelingen mit, da ist etwas altmodisch-virtuoses im spiel. seine klaviertechnischen möglichkeiten spielen sich auf einer ebene ab, wie wir es z.b. von hamelin oder pollini kennen. aber er formuliert dabei mit sonorer stimme und zauberhafter phrasierung. bei beethovens späten bagatellen trieb es quasi 'tränen in die augen'! der tippett war monumental (40 min.) und sehr komplex. seine improvisationen nutzen das gesamte erdenkliche klangspektrum des steinway oder bechstein aus. ich schwöre, es geht vom ppp bis zum fff wie kaum bei einem anderen ! oscar petersons 'indiana' war eine pianistische machtdemonstration sowie die kulmination des rhythmusgefühls.

ob rachmaninov oder debussy oder z.b. cis-moll aus dem WTK I, man bekommt sowohl pianistisch als auch musikalisch die referenz !

gruß, siamak :engel
enno-records (22.03.2006, 07:50):
Hallo,
hast Du die Aufnahme des iranischen Pianisten zur Verfügung? Ich restauriere historische Aufnahmen und gebe im privaten Rahmen selbstgefertigte CDs heraus, die ich auch unter Sammlern vertausche oder verkaufe (zum bescheidenen Preis). Hätte nichts dagegen, auch mal Klaviermusik ins Programm aufzunehmen...

Freundliche Grüsse von
Enno
AcomA (22.03.2006, 17:06):
hallo Enno,

die aufnahme befindet sich auf einer privat erstellten mc. sie ist als kopie im besitz eines sehr guten freundes und hobby-pianisten in teheran/iran. wir werden wohl über ostern wieder dort sein. ich könnte eine kopie erstellen.

gruß, siamak :)
AcomA (23.03.2006, 23:18):
hallo,

vladimir ovchinikov wurde anfang der 60er jahre in der UDSSR geboren und wurde am moskauer konservatorium ausgebildet. er teilte sich beim tschaikowsky-wettbewerb in moskau 1982 den 2. platz (es wurde kein erster platz vergeben) mit peter donohoe. ich sah damals den mitschnitt des wettbewerbes. ein pianist, der es versteht, die härten des steinway auszukosten und eine 'eisige' klangschönheit produziert. damit ist er für das prokofiev-spiel praedistiniert.
übrigens lebt er in toronto. ein angehöriger ist dort mit ihm befreundet.

http://www.musicweb-international.com/SandH/Oct99/Ovchin.jpg

seine einspielung der prokofievschen klaviersonaten haben für mich als gesamteinspielung referenzcharakter ! mit darauf (EMI, DDD) sind die toccata op.11 und zwei der drei cinderella-zyklen für klavier. und diese cinderella-stücke, die interpretiert ovchinikov mit einer liebe und einem schwungvoll-tänzerischen impetus, das man ihn wahre schwingungen versetzt wird, kultig !! leider kein cover verfügbar im netz.

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (24.03.2006, 19:42):
@Siamak,

wenn Du Ovchinnikov ansprichst möchte ich dann doch noch mit eine r Aufnahmeempfehlung ergänzen.



Rachmaninovs (also von Echten :down): Etudes Tableaux op.33&39 aus der EMI Nipper Collection
Jeremias (25.03.2006, 22:19):
@ Siamak: Wie? Ein Angehöriger ist mit Ovchinikov befreundet? Das wusste ich ja gar nicht! Musst Du mir mal in einer PN näher berichten!
AcomA (30.03.2006, 23:12):
hallo,

steven de groote wurde 1953 in südafrika geboren, wo er auch seine ausbildung genoss. den internationalen durchbruch schaffte er mit seinem sieg (1. platz) beim internationalen van-cliburn wettbewerb in fort worth/texas, 1977. sonst ist nichts zu erfahren. der pianist verstarb jung undzwar 1989. mittlerweile wird beim van-cliburn wettbewerb ein special award, der steven de groote memorial award vergeben.

http://www.prokofiev.org/images/covers/fin577032.jpg

ich kenne von diesem pianisten nur zwei platten. seine darbietungen sind jedoch derart extraordinär, dass ich sie dringendst empfehlen kann.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000025LII.03.LZZZZZZZ.gif

regers klavierkonzert ist eine art monstrum hinsichtlich komplexer struktur und pianistischem anspruch, vielleicht etwas vergleichbar mit dem busoni-konzert. erstaunlich, wie de groote mit übersicht und virtuosem zugriff den part meistert.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4611239.jpg

liebe prokofiev-freaks, das ist der absolute hammer, so abstoßend auch das cover wirkt. es handelt sich um die auskopplung der 8. sonate und der romeo-und-julia suite aus de grootes platte von finlandia-records, aufgenommen 1979. das original-cover ist ganz oben abgebildet. die hände agieren frappieren unabhängig. echte beidhändigkeit. dann der vehemente zugriff, das tänzeln, das rhythmische feeling, die klangregie im mittelsatz der sonate und z.b. im letzten stück der suite. entwicklungen aus einem atemzug, absolut ebenbürtig der richterschen aufnahme (sonate) ! IMO ist das die fulminanteste, spannendste interpretation der suite !

alles in allem, der komplette pianist schlechthin. dieser mann hätte jede pianistische hürde manuell und entellektuell geschafft !

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (03.04.2006, 19:13):
Hallo Siamak,
ich hoffe es ist erlaubt hier noch jemanden zu nennen.

Esteban Sanchez (1934-97) muss einfach die Ehre erteilt werden.



Dieser Mann war, leider muß man schreiben war, einer der größten Pianisten des letzten Jahrhunderts. Eine Palette an Klangfarben zeichnet sein Spiel aus. Dazu noch ein Verständnis für die Musik. Grandios jede seiner Aufnahmen, von denen es leider viel zu wenige gibt.

Ein Genie wie es die Welt wohl nur selten sieht - und um so schmerzlicher - leider nur wenig erkannt hat!

Alfred Corto, einer seiner Lehrer stimme ich zu wenn er Sanchez als "musikalisches Genie des 20. Jahrhunderts" bezeichnete!

Man höre nur seine Faure Aufnahme. JEDER Ton klingt so wie ER ihn wollte. Jeder Ton in einer eigenen Klangfarbe. Und dennoch alles in einer Linie, in einem gesamtheitlichen Konzept.

Keine seiner Aufnahmen würde ich jemals weggeben. KEINE!

Leider gibt es viel zu wenige. Alle sollte man sie kennen!

Zum kennenlernen bietet sich die Aufnahme mit Werken von Albeniz an!



Seine Beethoven Bagatelle und das 4. Klavierkonzert sind grandios. Ebenso seine de Falle und Turina Aufnahme ........ :down :down
AcomA (03.04.2006, 22:54):
lieber Richard,

es sollen hier noch etliche genannt werden ! alles ist erlaubt !

den von dir genannten künstler kenne ich noch gar nicht !

gruß, siamak :)
korngold (04.04.2006, 15:00):
Hallo,

die Aufnahmen mit Esteban Sanchez kenne ich seit 25 Jahren und ich fand diese immer außerordentlich toll.
Allerdings gab es auf den spanischen Schallplatten keinerlei Lebenslauf über Sanchez zu lesen.
In der Brilliant-Box gibt es glücklicherweise nun einen hervorragend ausführlichen Kommentar.

Was mich allerdings traurig macht ist die Tatsache, daß die Aufnahmen bei Brilliant Überspielungen von Schallplatten sind.
Hatte ensayo denn nicht mehr die (hervorragenden)Mastertapes zu Verfügung?
Trotzdem habe ich seinerzeit die Brilliant-Box an alle meine Freunde verschenkt, so froh war ich, daß diese Aufnahmen dieses zu den größten zu zählenden Pianisten wieder erhältlich sind.

Zu Steven de Groote,
Er hat auch das Korngold-Konzert für die linke Hand aufgenommen.
Im Booklet ist zu lesen, daß er an den Spätfolgen eines Flugzeugabsturzes starb.
Da er bis kurz vor seinem Tode aufnahm, würde mich schon interessieren, was für Spätfolgen dies waren.
Es ist jedenfalls ausgesprochen tragisch.

Beste Grüße
Zelenka (04.04.2006, 15:25):
Original von korngold
Was mich allerdings traurig macht ist die Tatsache, daß die Aufnahmen bei Brilliant Überspielungen von Schallplatten sind.
Hatte ensayo denn nicht mehr die (hervorragenden)Mastertapes zu Verfügung?
Trotzdem habe ich seinerzeit die Brilliant-Box an alle meine Freunde verschenkt, so froh war ich, daß diese Aufnahmen dieses zu den größten zu zählenden Pianisten wieder erhältlich sind.


Lieber korngold:

Woher weißt Du, daß es sich bei der Albéniz-Box um Überspielungen von Schallplatten handelt? Im Prinzip hätte Brilliant doch einfach die ensayo-CDs kopieren können ...

Beste Grüße,

Zelenka
korngold (04.04.2006, 15:40):
Lieber Zelenka,

dann waren die ensayo CD's auch schon von Platte abgekupfert,Brilliant wird diese sicherlich verwendet haben.


Man kann bei genauem Hinhören im Hintergrund die nach den üblichen Restaurierungen übrig gebliebenen Schallplattengeräusche hören.
Ich habe die CD's außerdem mal mit einem Klangrestaurationsprogramm ausgelesen und dann war der Fall sonnenklar.

Davon abgesehen klingen die Orginal-Schallplatten viel offener und dynamischer.

Dies soll aber nicht vom Kauf der CD's abhalten, sie klingen immer noch gut, aber es ist halt nicht vom Mastertape....

Beste Grüße,
Zelenka (04.04.2006, 15:55):
Lieber Korngold:

Besten Dank für die Informationen! Der Technik-Laie staunt. Vom Kauf kann mich das alles nicht mehr abhalten, die Box habe ich längst angeschafft. Ich erinnere mich allerdings an Besprechungen, die den Klang nicht für sonderlich gut gehalten haben. Ich habe andererseits auch schon Schlimmeres gehört.

Gruß,

Zelenka
korngold (04.04.2006, 16:58):
Lieber Zelenka,

Ich erinnere mich allerdings an Besprechungen, die den Klang nicht für sonderlich gut gehalten haben

genau dies ist schade, da die Orginalaufnahmen auf Schallplatte richtig klasse sind.
Zum Glück ist noch genug davon übriggeblieben, um die sagenhafte Anschlagskunst dieses Pianisten zu erkennen, dieser Pianist besaß einen außergewöhnlich schönen "Sound", der leider durch diese Bearbeitungen ein wenig gelitten hat.

Trotzdem besser so als vielleicht gar nicht....

Gruß,
Zelenka (04.04.2006, 19:22):
Lieber korngold:

Aus der Besprechung in classicstoday.com:

While the sonics are close-up and boxy, you still perceive Sánchez's extraordinary tonal genius and communicative immediacy.

Immerhin vergibt Jed Distler 10/7.

Aus einer Besprechung im Gramophone (Awards 98) der ensayo-Ausgabe von Sanchez' Iberia (zuletzt Kommentar zur Aufnahmequalität, der Rezensent hat auch sonst zu meckern):

Esteban Sanchez Sánchez, who died in February at the age of 63, was an admired performer and teacher from Badajoz, who had won several international prizes. These performances, however, sometimes make one too aware of Albeniz Albéniz’s overcrowded canvas, on which Sanchez Sánchez appears to be expending a good deal of effort; in Book Books 3 and 4 he is inclined to overpedal; he inserts so many agogic accents and so dwells on affettuoso details that continuity of phrase is sometimes imperilled (“Triana” conspicuously suffers in this respect); and the recording makes his loud passages rather harsh.

Gruß,

Zelenka
korngold (04.04.2006, 19:45):
Lieber Zelenka,

ja,ja, die Ktiriker haben immer was zu meckern.

Sanchez hat wohl sehr aus dem Moment heraus interpretiert und ist dabei jedes Risiko gegangen, auf der Suche nach dem größtmöglichen Ausdruck und Klang.
Das gefällt dem einen, der andere hätte lieber eine "abgezirkeltere" Interpretation.

In der ersten Kritik wurde der Klang als "boxy" bezeichnet-also etwas eingeengt, in der zweiten wird der rauhe Klang bei lauten Passagen bemängelt.
Diese beiden Klangeindrücke sind bezeichnend für eine Aufnahme, die mit Denoiser, Decrackler sowie Declicking bearbeitet wurde.

Ich mache dies selber ab und an privat und der Preis, den man zahlen muß, wenn die Aufnahme relativ frei von Knacksern und Knistern sein soll, ist ein Verlust an Räumlichkeit, ein etwas eingeengtes Klangbild.

Das "harsche" Klangbild ist wohl auf den Gebrauch eines Denoisers und den anschließendem Versuch, die daraus resultierende Dumpfheit im Obertonbereich durch eine Anhebung anderer Frequenzen auszugleichen.

Die Platten klingen völlig frei(zwar "close- up aber nicht "boxy") und brilliant, wärend die CD's eingeengt und etwas metallisch sind.

Beste Grüße,
Zelenka (04.04.2006, 20:01):
Lieber korngold:

Beim Gramophone ist eben A. Larrocha das Maß aller Dinge, wenn es um spanische Klavierliteratur geht. Zzzzzzz ...

Herzlichen Dank für die technischen Informationen! Der Preis für rauscharme und knackfreie Versionen ist leider doch sehr hoch, wie ich sehe. Und offenbar nicht zu vermeiden.

Beste Grüße,

Zelenka
nikolaus (05.04.2006, 22:50):
Hallo miteinander!

Ich möchte zwei in meinen Augen sehr schöne und interessante CDs von nicht so bekannten Pianisten vorstellen:

http://www.ecmrecords.com/Images/cover/New_Series/1700/N1771g.jpg

und:

http://www.klassik-heute.de/images_medien/16237.jpg

Kennt sie jemand, wie sind die Meinungen?

Gruss und gute Nacht,

Nikolaus.

Oh, das zweite cover ist ein bisschen klein geraten :B. Es handelt sich um Juan José Chuquisengo, transcendent journey.
AcomA (07.04.2006, 00:02):
hallo,

der in moskau geborene stanislav bunin entstammt einer bekannten musikerfamilie. Sein großvater war der pianist und berühmte Klavierlehrer heinrich neuhaus. bunins mutter, ebenfalls pianistin, lehrte am moskauer konservatorium. als sechsjähriger trat stanislav bunin in die zentrale musikschule in moskau ein und studierte anschließend am dortigen tschaikowsky-konservatorium. 1983 gewann er als jüngster r mit 17 jahren den marguerite long-jacques thibaud“-wettbewerb in paris. zwei jahre später gewann er in warschau den 1. preis beim chopin-wettbewerb.

http://www.proarte-frankfurt.de/bios/bilder/bunin.jpg

ich kenne von ihm eine sehr starke bach-platte, welche er damals bei EMI herausbrachte. js bachs 1. partita, italienisches konzert und 3. englische suite werden transparent, mit sonorem anschlag und mit motorischem drive gespielt. die erste partita kann sich mit der berühmten interpretation lipattis messen, die 3. englische suite ist ebenfalls top ! der pianist hat sich seit jahren in japan niedergelassen, wo er sehr bekannt ist. schade, dass es hier kaum bis gar keine aufnahmen mit ihm gibt. ein teil seines bach-recitals gibt es als 'füller' auf der EMI-doppel-cd mit den französischen suiten andrei gavrilovs.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/7734957.jpg

gruß, siamak :engel
Daniel Behrendt (11.04.2006, 08:52):
Lieber Siamak,

damit dein Thread nicht so ganz jungfräulich links liegen bleibt, will ich mich mal erbarmen und die Diskussion eröffnen :W

Die Nennung eines Namens fällt mir jetzt ad hoc etwas schwer. Ich könnte z.B. Carl Seemann sagen, aber der wurde ja vor ein paar Jahren wieder ausgegraben und stieß wenigstens auf die aufmerksamkeit eines kleinen, pianophilen Publikums. Darüber hinaus war er Z.B. als Duopartner von Wolfgang Schneiderhan nie ganz vom Tonträgermarkt verschwunden. Allerdings: einige deutsche Pianisten, die nach dem Krieg wieder Fuß fassen wollten und es nicht so recht schafften, gehören eigentlich in diesen Thread - und Seeman ist sicher einer der allerbesten von ihnen (besonders sein Bachspiel, dass für die Zeit erstaunlich schnörkellos und entschlackt war).

Vermutlich standen viele der Namen unmittelbar oder indirekt mit Nazideutschland in Verbindung, was einer Karriere nach dem Krieg natürlich nicht unbedingt zuträglich war. Dazu kommt, dass auf einmal Namen wie Richter und Gilels den Westen eroberten - und der etwas biederen teutonischen Konkurenz zeigten, wo der pianistische Hammer hängt...
Es musste viel Zeit vergehen, bis man den nüchternen, irgendwie "redlichen" Stil der "deutschen Schule" wiederentdeckte - neben sehr viel Mittelmaß gibt es eben auch ein paar Namen, mit denen man sich vertarut machen sollte - Seeman ist einer von ihnen.

LG!
Daniel
AcomA (11.04.2006, 23:36):
lieber Daniel,

ich kenne die einspielung der brahmsschen violinsonaten zusammen mit wolfgang schneiderhahn, und hier zeigt seemann tatsächlich ein differenziertes und ungemein warmes musizieren.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4746094.jpg

gruß, siamak :engel
Zelenka (12.04.2006, 16:33):
Original von Daniel Behrendt
Lieber Siamak,

damit dein Thread nicht so ganz jungfräulich links liegen bleibt, will ich mich mal erbarmen und die Diskussion eröffnen :W

Die Nennung eines Namens fällt mir jetzt ad hoc etwas schwer. Ich könnte z.B. Carl Seemann sagen, aber der wurde ja vor ein paar Jahren wieder ausgegraben und stieß wenigstens auf die aufmerksamkeit eines kleinen, pianophilen Publikums. Darüber hinaus war er Z.B. als Duopartner von Wolfgang Schneiderhan nie ganz vom Tonträgermarkt verschwunden. Allerdings: einige deutsche Pianisten, die nach dem Krieg wieder Fuß fassen wollten und es nicht so recht schafften, gehören eigentlich in diesen Thread - und Seeman ist sicher einer der allerbesten von ihnen (besonders sein Bachspiel, dass für die Zeit erstaunlich schnörkellos und entschlackt war).

Vermutlich standen viele der Namen unmittelbar oder indirekt mit Nazideutschland in Verbindung, was einer Karriere nach dem Krieg natürlich nicht unbedingt zuträglich war. Dazu kommt, dass auf einmal Namen wie Richter und Gilels den Westen eroberten - und der etwas biederen teutonischen Konkurenz zeigten, wo der pianistische Hammer hängt...
Es musste viel Zeit vergehen, bis man den nüchternen, irgendwie "redlichen" Stil der "deutschen Schule" wiederentdeckte - neben sehr viel Mittelmaß gibt es eben auch ein paar Namen, mit denen man sich vertarut machen sollte - Seeman ist einer von ihnen.

LG!
Daniel

So recht will die Diskussion nicht in Gang kommen ... Ich kann auch keine Namen nennen im Moment, oder doch einen: Karlrobert Kreyten, Jahrgang 1916, 1943 zum Tode wegen defätistischer Äußerungen verurteilt (N S D A P-Mitglied Werner Höfer gab dazu seinen Applaus). Claudio Arrau hat ihm das Potenzial für eine große Karriere attestiert. Aufnahmen scheint es nicht von ihm zu geben. Wahrscheinlich nicht der einzige Fall, in dem der 2. Weltkrieg Hoffnungen zerstört hat. Seemann, 6 Jahre älter als Kreyten, pflegte nach dem Krieg sicher nicht das traditionelle deutsche Klavierspiel. Er strebte ein sehr sachliches, entschlacktes Spiel an, man könnte es auch böse als seelenlos bezeichnen. Offenbar setze er sich bewußt von ihm vorausgehenden deutschen Größen wie Kempff, Gieseking, Backhaus und Ney ab. Daß Joachim Kaiser ihn spät als großen Meister (wieder-) entdeckte, ist eher kurios, seit den frühen 50ern konnte man sicher mehr Seemann im Konzert und auf Platten der DG hören als einem möglicherweise lieb war. Parallel dazu spielten, teilweise noch recht lange, die Pianisten der Vorkriegszeit, die nach kriegsbedingter Unterbrechung auch wieder im Ausland zu hören waren und auch häufig Verträge mit ausländischen Plattengesellschaften hatten (Gieseking mit EMI, Kempff und Backhaus mit Decca).
Die deutsche Klavierschule, wenn es den eine einzige gegeben hat, war schon längst vor dem 2. Weltkrieg insbesondere osteuropäischer Konkurrenz ausgesetzt. Horowitz lag man in Deutschland schon in den 20ern zu Füßen. Das Publikum hat immer schon immer Virtuosen und Freaks gefeiert (Schumann scheute nicht die Anreise, um Paganini live zu erleben). Pianisten wie Kempff oder Fischer konnten mit den Virtuosen weder technisch mithalten noch wollten sie es. Beide sind notorisch dafür, daß sie haufenweise falsche Noten spielten. Es ging ihnen um anderes (Wichtigeres) (und mußte ihnen wohl auch).

Anfang der 60er tauchte mit Christoph Eschenbach (Jahrgang 1940) endlich wieder ein deutscher Pianist von internationaler Statur auf.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (30.04.2006, 23:29):
Nathan Brand!

Nachdem ich bereits in die CD1 mit Shcumann-Werken reingehört habe hörte ich eben die CD2 u.A. mit Chopins 2. Klaviersonate gehört:



Glücklicherweise ist auch die Klangqualität der Chopin Scheibe deutlich besser!

Die 2. Sonate Chopin's fand ich jedenfalls recht eindrucksvoll.

Kennt jemand N. Brand, der offenbar bereits 1990 im Alter von 46 verstab ?

Gruß
ab (11.05.2006, 20:54):
Das mit Abdel Rahman El Bacha kann ich nur verstärken (auch wenn mir sein Beethoven und sein Chopin weniger zusagt): so gehört seine Ravel-CD bei Forlane zu meinen Liebelings-Klavieraufnahmen!
Ähnlich wie auch Uchida vermag es El Bacha, ein völlig gleichmäßiges An- und Abschwellen in Ruhe zu erzeugen mit feinsten dynmaischen Übergängen, aber mehr noch als Uchida, in größerem Klangfarbreichtum.
ab (11.05.2006, 21:04):
Ja, Esteban Sanchez ist ein Wunder von einem Pianisten, was die Farbvielseitigkeit betrifft! Jeder Ton ist beseelt und die Polyphonie überwältigend: Genau diese drei Eigenschaften, die sonst noch Sviatoslav Richter auszeichnen. Nur ist der Ausdruck dieses Russen in lyrischer Jenseitigkeit, während dieser Spanier in lebensfreudiger Diesseitigkeit innerlich glüht.
Sanchez' Albéniz ist grandios - Larrocha, zweifellos ebenfalls grandios, klingt da in so manchem Pedal völlig verwaschen und bedeutend weniger polyphon dagegen.
ab (11.05.2006, 21:07):
Habe durch Zufall eine Chopin-CD dieses Russen Bunin (Hänssler) in Hände bekommen: Chopin der ungewöhnlichen Art, eher an seinen Nachfolger Scriabin erinnernd. Ich war trotz der seltsamen Mikrophonpositionierung und der Studiosterilität sehr angetan! Wer hat diesen Piansiten schon in Konzert gehört? Was könnt ihr mir sonst noch empfehlen? Gibt es Konzertmitschnitte?
ab (11.05.2006, 21:14):
Radoslav Kvapil hat ganz wunderbar Janaceks Auf Verwachsenen Pfaden bei Calliope eingespielt! Schöner und vor allem inniger habe ich diesen Zyklus noch nie gehört! (Seine Regis-Aufnahmen von
Janacek kenne ich leider genauso wenige wie die bei Unicorn)
ab (11.05.2006, 21:19):
Nirgends bekomme ich die Debussy-Aufnahmen von Paul Jacobs mehr in Händen, die bei Nonesuch herausgekommen waren. Dieser jung verstorbene New Yorker soll genial gewesen sein. Wer kann mir mehr über ihn sagen? Auch sein Busoni Werk bei Arbiter soll legendär sein.
ab (11.05.2006, 21:30):
Lubimovs CD ist insofern schon ein Wunder, als es überhaupt sehr wenige Alben gibt - sei es Jazz, Pop oder Klassik - bei denen Zusammenstellungen von einzelnen Werken als gesamtes Album stimmig sind, ohne dass auch nur eine einzige "Nummer" herausfiele. Ich höre diese Platte sehr gerne und häufig!
Cosima (11.05.2006, 23:00):
Original von ab
Nur ist der Ausdruck dieses Russen in lyrischer Jenseitigkeit, während dieser Spanier in lebensfreudiger Diesseitigkeit innerlich glüht.


Hallo ab,

was für eine Formulierung! Ich kenne zwar Sanchez bislang nicht (was sich jedoch bald ändern soll), aber Richters Klavierspiel hast Du großartig charakterisiert! Ja, das trifft es!

Gruß, Cosima
Zelenka (12.05.2006, 12:58):
Original von ab
Nirgends bekomme ich die Debussy-Aufnahmen von Paul Jacobs mehr in Händen, die bei Nonesuch herausgekommen waren. Dieser jung verstorbene New Yorker soll genial gewesen sein. Wer kann mir mehr über ihn sagen? Auch sein Busoni Werk bei Arbiter soll legendär sein.

Lieber ab:

Es gibt recht viel Jacobs-Debussy für recht wenig Geld zu kaufen (ab EUR 3.99 in meinem Saturn). Hier das Angebot von amazon.de:

1. Preludes für Klavier von Paul Jacobs (Künstler), Claude Debussy (Komponist)
Nonesuch (Warner) (25. Juli 1997)
Doppel CD
Gewöhnlich versandfertig bei Amazon in 2 bis 5 Wochen.


Amazon-Preis: EUR 12,99
Alle Angebote ab EUR 9,56


2. Debussy: Images/Estampes von Paul Jacobs (Künstler), Claude Debussy (Komponist)
Nonesuch (Warner) (23. September 2002)
Audio CD
Gewöhnlich versandfertig bei Amazon in 3 bis 6 Wochen.


Amazon-Preis: EUR 6,99
Alle Angebote ab EUR 5,71



5. Debuss/Images-Estampes von Paul Jacobs (Künstler), Claude Debussy (Komponist)
Eastwest (Warner) (10. Mai 1996)
Audio CD
Gewöhnlich versandfertig bei Amazon in 4 bis 6 Wochen.


Amazon-Preis: EUR 6,99

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (12.05.2006, 20:04):
Original von ab
Ja, Esteban Sanchez ist ein Wunder von einem Pianisten, was die Farbvielseitigkeit betrifft! Jeder Ton ist beseelt und die Polyphonie überwältigend: Genau diese drei Eigenschaften, die sonst noch Sviatoslav Richter auszeichnen. Nur ist der Ausdruck dieses Russen in lyrischer Jenseitigkeit, während dieser Spanier in lebensfreudiger Diesseitigkeit innerlich glüht.


Hallo ab,

ich sehe E. Sanchez, auf seine Art, ebenfalls auf einem extrem ohem Niveau und ein Vergleich mit den Größten, wie hier Richter, ist absolut gerechtfertigt!

Gruß
Cosima (12.05.2006, 22:22):
Hallo,

ich hatte vollkommen vergessen, dass ich seit einiger Zeit die Fauré-Aufnahme mit Esteban Sánchez besitze. Erstmalig habe ich sie gerade gehört. Ja, da ist etwas ganz Außergewöhnliches in seinem Klavierspiel! Er hat ein ganz besonderes Gefühl für Rhythmus, sein Spiel ist strahlend und funkelnd, ungemein klar und dazu sehr leidenschaftlich beseelt! Herrlich - das ist Musizieren im schönsten Sinne des Wortes! Aufgrund dieses sehr positiven Höreindrucks habe ich mir nun seine Albéniz-Aufnahmen bestellt.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (13.05.2006, 12:49):
@Cosima,

ersteinmal glückwunsch zum kauf der Albeniz Aufnahme!
Sanchez Iberia muss man einfach gehört haben.

LEIDER gibt es von diesem großartigen Pianisten wenige, viel zu wenige Aufnahmen.

Höre auch mal in sein 4. Klavierkonzert von Beethoven rein, seine Bagatelle und vor allem in die Aufnahmen mit Werken von Falle bzw. Turina!

IMO sollte man jeder Aufnahme Sanchez kennen! :down
Cosima (15.05.2006, 17:44):
Original von Rachmaninov
Höre auch mal in sein 4. Klavierkonzert von Beethoven rein,

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sánchez ein wirklich guter Beethoven-Interpret sein kann. Ich denke, dass die absoluten Stärken seines Klavierspiels (wundervolles Musizieren, außergewöhnliches Rhythmusgefühl :down ) dort besonders zum Tragen kommen, wo es um große Klangfarbigkeit und Leidenschaft geht. Bei Fauré funktioniert das fantastisch. Über den Albéniz werde ich berichten, kann mir aber vorstellen, dass auch diese Aufnahmen großartig sind.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (15.05.2006, 18:37):
Original von Cosima
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sánchez ein wirklich guter Beethoven-Interpret sein kann.

Siehst Du, Du machst (wieder) den Fehler, Dir eine Meinung zu bilden bevor Du es überhaupt gehört hast!

Das kommt mir irgendwie bekannt vor....
Cosima (15.05.2006, 18:41):
Original von Rachmaninov
Siehst Du, Du machst (wieder) den Fehler, Dir eine Meinung zu bilden bevor Du es überhaupt gehört hast!

Das kommt mir irgendwie bekannt vor....

Ach was, ich habe nur laut gedacht. Ich werde reinhören in die Aufnahme, falls sie mir über den Weg läuft - versprochen. :)

Gruß, Cosima
Cosima (16.05.2006, 21:54):
Lieber Siamak, hallo allerseits!

Herzlichen Dank für den Hinweis auf Steven Osborne!

http://www.wom.de/image/cover/front/0/7278521.jpg

Ich höre seit Tagen immer mal wieder seine Liszt-CD mit der Sammlung „Harmonies poétiques et religieuses“. Auf der zweiten CD komme ich immer nur bis zu den „Funérailles“. Dieses Tongemälde gehört m.E. zu Liszts eindrucksvollsten Kompositionen. Geschrieben dem Andenken an die Toten der Revolutionsjahre 1848-49, verlangt dieses Werk neben technischem Können vor allem auch enorme Ausdruckstiefe. Allein die ersten Takte haben etwas Bedrückendes, dem man sich nur schwer entziehen kann.
Osborne spielt brillant-virtuos, lotet ganz klar und rein die Tiefen des Werkes aus. Er gibt den „Funérailles“ einen beklemmenden und heroischen Charakter, mir gefällt, dass er dabei nicht ins Schwermütige abdriftet. Sein Spiel hat zudem etwas Berauschendes, die ganze Liszt-CD ist sehr empfehlenswert!

Ich hatte kurz erwogen, einen Thread über „Les Funérailles“ zu eröffnen, denke aber, dass die Liszt-Anhänger eher rar gesät sind. Ich liebe dieses Werk, den Komponisten sowieso und Osborne inzwischen auch! :down

Gruß, Cosima
Rachmaninov (24.05.2006, 20:51):
Kenner der Pianisten :D

Mich würde interessieren ob einem Vitalij Margulis ein Begriff ist!

Vor einige Zeit hatte ich einmal in eine Aufnahme mit Beethoven's op.111 reingehört fand die Aufnahme auch durchaus beim kurzen Hören interessant, war aber nicht bereit für ein Aufnahme mit nur dieser einen Sonate den vollen Preis zu bezahlen.

Sein Skriabin soll auch vom Feinsten sein!

Kennt ihn jemand und kann etwas berichten?
Daniel Behrendt (25.05.2006, 12:32):
Lieber Rachmaninov,
erstmal: Sorry, dass ich im Afanassiev-Thread nicht zurückgepostet habe. Ich war (und bin) fern der Heimat und erst seit kurzem Notebook-Besitzer, also forumsmäßig mobil.

Kurz dazu:
Den Afanassiev-Brahms finde ich recht klangschön, in den stillen Stücken sehr subtil, aber bei den Kraftnummern (z.B. den Rhapsodien) fehlte mir (wenn ich mich recht entsinne) ein wenig der Drive.

Das "Hommagen"-Album kenne ich leider noch nicht - wird sich aber sicher bald ändern, da bin ich zuversichtlich... (Meine armes Girokonto!)

Und jetzt zu Vitalij Margulis:

Soweit ich weiß, war er Professor in Freiburg. Es gibt eine klangtechnisch etwas zu direkte, aber künstlerisch fulminante Scheibe mit den Skrjabin-Poemes - kennst du sie? Toll! Das Labl heißt meines Wissens "inac" (klingt nicht sehr verkaufsfördernd) - gibt's vermutlich nicht mehr.

Bei Christopherus (auch so'n komisches Label) erschien - ebenfalls vor Jahren - eine Auswahl aus Bachs WTK I. Ein künstlerischer Supergau: Exzentrisch bis an die Grenze der Unerträglichkeit und pianistisch irgendwie ledern.

Dennoch: Margulis ist gemessen an seinem Verögen sonderbar unbekannt geblieben, warum bloß?

LG!
Daniel
Rachmaninov (25.05.2006, 12:36):
Original von Daniel Behrendt
Lieber Rachmaninov,
erstmal: Sorry, dass ich im Afanassiev-Thread nicht zurückgepostet habe. Ich war (und bin) fern der Heimat und erst seit kurzem Notebook-Besitzer, also forumsmäßig mobil.


Zunächsteinmal schön zu hören das es Dich noch gibt :D
Und vor allem das Du wieder "online" sein kannst :leb

Und jetzt zu Vitalij Margulis:


Soweit ich weiß, war er Professor in Freiburg. Es gibt eine klangtechnisch etwas zu direkte, aber künstlerisch fulminante Scheibe mit den Skrjabin-Poemes - kennst du sie? Toll! Das Labl heißt meines Wissens "inac" (klingt nicht sehr verkaufsfördernd) - gibt's vermutlich nicht mehr.


Die Aufnahme gibt es noch bei Amazon




Dennoch: Margulis ist gemessen an seinem Verögen sonderbar unbekannt geblieben, warum bloß?


Leider kein Einzelfall! Marketing halt ?(
Gamaheh (07.06.2006, 10:42):
Vladimir Ovchinikov ist heute von 13 bis 14 Uhr auf BBC Radio 3 zu hören:

http://www.bbc.co.uk/radio3/lunchtimeconcerts/pip/jrnm5/

Playlist:

Shostakovich: Preludes and Fugues
Vladimir Ovchinikov (piano)

Beethoven: Sonata for cello and piano, Op 5, No 2, in Gm
Jan-Erik Gustafsson (cello)
Vladimir Ovchinikov (piano)

Grüße,
Gamaheh
Zelenka (07.06.2006, 12:25):
Original von Gamaheh
Vladimir Ovchinikov ist heute von 13 bis 14 Uhr auf BBC Radio 3 zu hören:

http://www.bbc.co.uk/radio3/lunchtimeconcerts/pip/jrnm5/

Playlist:

Shostakovich: Preludes and Fugues
Vladimir Ovchinikov (piano)

Beethoven: Sonata for cello and piano, Op 5, No 2, in Gm
Jan-Erik Gustafsson (cello)
Vladimir Ovchinikov (piano)

Grüße,
Gamaheh

Von 14 bis 15h mitteleuropäische Sommerzeit! Danke für den Hinweis!!!

J.D.Z.
Gamaheh (07.06.2006, 18:36):
Liebe Forumisten,

ich würde Euch gerne noch den französischen Pianisten Philippe Bianconi vorzustellen, der hier weitgehend unbekannt zu sein scheint. Aber vielleicht kennt ihn ja doch der eine oder andere ...
1960 in Nizza geboren, besuchte er das dortige Konservatorium. Später setzte er seine Ausbildung bei Gaby Casadesus in Paris und Vitalij Margulis in Freiburg fort. 1981 gewann er den ersten Preis der Cleveland Intnl. Piano Competition, 1985 die Silbermedaille der Van Cliburn Piano Competition.

Auch für mich war er bis vor knapp zwei Jahren völlig unbekannt. Dann bekam ich zufällig die Aufnahmen der schubertschen Liederzyklen in die Hände, die er vor zwanzig Jahren mit Hermann Prey aufgenommen hat (Denon, längst vergriffen). Diese Musik kannte ich seit vielen Jahren in vielen Versionen, aber so hatte ich sie noch nie gehört: Plötzlich gefiel mir sogar der Schwanengesang und insbesondere die Taubenpost, die ich immer für besonders schrecklich und sentimental gehalten hatte. Zum erstenmal begriff ich, was für wunderbare Musik Schubert da geschrieben hat, ein echter Dialog zwischen der Stimme und dem Klavier (letzteres war mir vorher nie besonders aufgefallen: Begleitung halt ...), von einer Dynamik, die mich völlig begeisterte. Der Ausdruck, der mir spontan einfiel, war "élan vital" – umwerfend!

Ich begann also nachzuforschen. Und fand, daß er natürlich seit Jahren eine intensive Solistenkarriere verfolgt. Einige Solo-Platten hat er auch aufgenommen, die auch alle mit jeder Menge Kritikerlob bedacht wurden. Es sind allerdings nicht sehr viele, die Finger einer Hand reichen gut aus, um sie zu zählen (was andererseits eine angenehme Abwechslung ist gegenüber denen, die schon mit 30 sämtliche Beethoven-Sonaten und andere Gesamtaufnahmen eingespielt haben):

1992: Ravel, Teil 1 des Gesamtwerks für Solo-Klavier (den abschließenden Teil hat er Anfang letzten Jahres aufgenommen, ist allerdings – soweit ich herausfinden kann – noch nicht erschienen).
1996: Schumann, Sinfonische Etüden, Humoreske
1997: Schumann, Fantasie in C und Davidsbündlertänze
2000: Schubert, Sonate D.959 und Drei Klavierstücke D. 946



Ich mag diese Aufnahmen alle, aber die beiden abgebildeten sind für mich konkurrenzlos (bei der Schumann-CD handelt es sich um die Sinfonischen Etüden, die andere ist die Schubert-CD).

Ich kann seine Art zu spielen nur als spannend bezeichnen: Wie er den musikalischen Text skandiert, ihm durchgehend eine Struktur gibt, eine Dramaturgie, das fesselt mich, so erscheint mir die Musik einen Sinn zu haben, so kann auch ich sie "verstehen". Und wenn man die Qualität eines Pianisten u.a. danach beurteilt, wie er die Spannung in langsamen Passagen hält (was ich tue), dann ist das Andantino der Sonate D.959 absolut überwältigend.
Im Recital gelingt es ihm, eine Mischung aus Konzentration und Intimität zu verbreiten: Man hat ein wenig den Eindruck, daß er sich des Publikums gar nicht bewußt ist und gerade dabei ist, völlig privat für sich die Musik zu entdecken (das Publikum natürlich mit ihm); es kommt mir wie ein Dialog vor: zwischen Interpret und Musik, dem Instrument, zwischen rechter linker Hand ... Dabei erlaubt er sich auch nicht die kleinste Geste, die von der Musik ablenken könnte.

Hier habe ich eine schöne Rezension von einem Kritiker der Berliner Zeitung gefunden, der das viel besser schreibt als ich es könnte:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2002/0409/feuilleton/0045/index.html
(S. Anhang, falls das geklappt hat.)

Und hier könnt Ihr Ausschnitte (Chopin und Liszt) aus einem Konzert von 1995 auf historischen Flügeln des Musée de la Cité de la musique hören:
http://mediatheque.cite-musique.fr/masc/
Dort müßt Ihr unter "Accès aux concerts" ein bißchen suchen, beim Treffer dann die Büroklammer anklicken und "écouter un extrait".

Grüße,
Gamaheh
ab (08.06.2006, 11:31):
Auf meiner Best-of Liste der Préludes von Debussy stünde wohl Walter Gieseking, wie überhaupt sein gesamtes Debussy-Spiel. Meine große Liebe jedoch gilt dem Anschlag des Franzosen(?) Jean-Rodolphe Kars , über den leider aber auch gar nichts aus dem Beiheft zu erfahren ist (typisch Universal!).

Hier ist das zu erleben, was einmal Afanassiev über sein Erlebnis des Benedetti-Michelangeli-Konzerts aus Moskau geschrieben hat: Man gewinnt den Eindruck, als verwandelte sich das Holzinstrument in ein Lebewesen. Hier werden nicht Saiten angeschlagen, sondern ein ganzer Klangkörper zum Schwingen und Leben gebracht. Musik, fast möchte ich sagen, nicht zum Hören, sondern zum Fühlen.


Eine meiner großen CD-Entdeckungen der letzten Jahre!

Kennt jemand noch andere Aufnahmen? Kann mir jemand etwas über diesen Piansiten erzählen?
Cosima (21.06.2006, 18:30):
Liebe Klassik-Freunde,

ich interessiere mich für eine Aufnahme der Pianistin Marcelle Meyer, genauer gesagt ihre Rameau-Einspielung:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00011RUO2.01.MZZZZZZZ.jpg

Ich weiß überhaupt nichts über diese Künstlerin, kam zufällig über eine Rezension der Tharaud/Rameau-Aufnahme auf den Namen.

Eine kurze Recherche brachte auch nicht viel zutage. Ich kopiere es dennoch hier her, um überhaupt einen Aufhänger zu haben:

Marcelle Meyer, die 1897 im französisch-flandrischen Lille geboren wurde, ist in Deutschland fast gänzlich unbekannt geblieben, und auch die einschlägigen Musiklexika wissen nicht viel über sie zu berichten. Geburtsdatum: 1897, Sterbedatum: 1958. Im Jahre 1901, angeblich also als Vierjährige (!) soll sie den ersten Preis beim Pariser Pianisten-Wettbewerb erhalten haben; anschließend Unterricht bei Marguerite Long, Alfred Cortot und Riccardo Viñes. Und dann versiegt auch schon der Strom der Daten; die biographischen Quellen über Marcelle Meyer sprudeln nur sehr spärlich.

Ein Grund dafür, daß Marcelle Meyer nie so richtig populär gewesen ist – denn auch in Frankreich galt sie Jahrzehnte lang eher als ein diskophiler Geheimtip – ein Grund für diese fehlende Popularität läßt sich aus ihrer Vorliebe erklären, mit der sie sich abseits der ausgetretenen Pfade bewegte und sich vor allem jener Klavierliteratur widmete, deren Klänge unverbraucht waren – sei es, weil die Musik noch zu jung oder weil sie so schon wieder zu alt war. Schon in frühen Jahren setzte sie sich mit der – damals noch weitgehend als minderwertig angesehenen – französischen Musik auseinander: mit den Clavecinisten des 18. Jahrhunderts (also mit Couperin und Rameau), aber auch mit den zeitgenössischen Komponisten wie Chabrier, Ravel, Strawinsky, Poulenc und Milhaud.

(Quelle: koelnklavier.de)

Kennt jemand von Euch Marcelle Meyer? Oder gar ihre Rameau-Aufnahmen? Ich hörte kurz hinein – der kurze Eindruck war recht ansprechend.

Gruß, Cosima
Cosima (23.06.2006, 20:10):
Lieber Admin,

mir war nicht klar, dass anscheinend nicht nur ich die Frau Meyer nicht kenne. Sie ist wohl in der Tat ein Geheimtipp. Mein Beitrag wäre also besser bei den „unbekannten Tastengenies“ aufgehoben, weil dort einfacher wieder auffindbar.

Würdest Du ihn bitte – auch im Sinne einer besseren Übersichtlichkeit - an den bestehenden Thread anhängen und diesen Beitrag dann löschen.

Danke und Gruß,

Cosima :)
Cosima (01.07.2006, 14:17):
Original von Rachmaninov
Mich würde interessieren ob einem Vitalij Margulis ein Begriff ist!


Ich stieß auf den Namen seines Sohnes, Jura Margulis. Mir sind beide kein Begriff, aber ich las eben im „Fragebogen“ der Piano-News, welche Antworten Jura Margulis auf die Frage „Welchen Pianisten bewundern Sie am meisten und warum?“ gab:

„Rachmaninoff für seine aristokratische Disziplin, Horowitz für seine außerirdische Klangwelt, Richter für seine kompromisslose Wahrheitssuche, und Gould für sein visionäres Genie.“

Gute Antwort! (Der Mann hat Geschmack und scheint sympathisch zu sein.)

Lustig ist dies:

Frage: Was war die schlimmste Erfahrung mit einem Instrument, die Sie gemacht haben?
Jura Margulis’ Antwort: Das Instrument war nicht da. :rofl

Gruß, Cosima
Zelenka (01.07.2006, 14:24):
Original von Cosima

Lustig ist dies:

Frage: Was war die schlimmste Erfahrung mit einem Instrument, die Sie gemacht haben?
Jura Margulis’ Antwort: Das Instrument war nicht da. :rofl

Gruß, Cosima


:J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J

J.D.Z.
Walter (27.07.2006, 19:54):
Hallo Nikolaus

ich darf seit einigen Tagen in Deine Empfehlung - Der Bote - von Alexei Lubimov hineinhören. Ich bin schlicht begeistert - ich wäre nie auf die Idee gekommen, eine so zusammengestückelte CD zu kaufen. Aber die Stücke passen wunderbar zusammen und laden einfach zum träumen ein. (Mal ne Frage nebenbei: wo ist eigentlich die Grenze zwischen Jazz und Klassischer Musik?)

Ich denke da schon länger drüber nach - vielleicht kann mich ja mal jemand schlau machen.

Besonderen Dank an unseren Sergejewich!! - Der hat mich darauf aufmerksam gemacht.

Walter
nikolaus (27.07.2006, 21:47):
Hey, das freut mich!! :leb

Wenn solche "Programm"-CDs gut gemacht sind, finde ich sie sehr spannend. Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang auch:

http://images.amazon.com/images/P/B0007CIGUW.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1116965573_.jpg

Gruß, Nikolaus.
ab (16.08.2006, 15:07):
Wer hat schon einmal etwas vom Schweizer Piansiten Igor Roma gehört?



hier und hier sind zwei unterschiedliche Bewertungen. Wer hat diese Aufnahme



oder ihn im Konzert gehört und sich ein eigenes Urteil gebildet?
ab (21.08.2006, 18:04):
Wer hat schon einmal etwas von einer Anna Stella Schic gehört? Sie soll wunderbar (bei EMI) Villa-Lobos gespielt haben.
Amadé (27.08.2006, 11:09):
Hallo AcomA,

danke, dass Du auf diesen Meister hingewiesen hast, ich möchte Deinen Artikel noch etwas erweitern.

Als 19jähriger gewann er 1978 in Brüssel den gefragten Königin-Elisabeth-Wettbewerb im Fach Klavier. Nun standen Ihm die Konzertsäle offen. El Bacha stürzte sich jedoch nicht sofort in den aufreibenden Konzertbetrieb, sondern zog es vor, behutsam ein Repertoire auf- und auszubauen und immer wieder an den Stücken u feilen. Diese Arbeit spürt man immer wieder in seinen Aufnahmen, z.B. in seiner ersten Platte mit früher Klaviermusik von Prokofieff (1981).
Es dauerte 3 Jahre, dann erschienen gleich 3 CDs: die beiden Ravel-Konzerte, abermals Prokofieff Violinsonaten mit Gaetane Prouvost) sowie 3 Klavierkonzerte von J.S.Bach.

1987 startete ein Großprojekt, die Aufnahme aller 32 Beethoven-Sonaten, es wurde 1996 abgeschlossen (9CDs). Beim Anhören der Sonaten spürt man, dass El Bacha nicht pflichtgemäß seinen Beitrag in Sachen Beethoven abliefert, sondern zu den einzelnen Werken etwas zu sagen hat. Die Interpretationen sind gereift und durchdacht, jedoch nicht grüblerisch vorgetragen.
Die CDs sind sowohl einzeln als auch zusammen in einer CD-Box erhältlich, Label Forlane, in Deutschland vertrieben durch Note1 (leider sind nicht alle CDs sofort greifbar, zu warten lohnt sich aber).

Nach den Beethoven-Sonaten folgten 3 bemerkenswerte Aufnahmen mit Klaviermusik von Schumann (2. und 3. Sonate, Waldszenen 1994), Ravel (Gaspard, Mimoirs, Tombeau 1995) und Schubert (die Sonaten a-moll D.784, G-dur D.894, 3 Klavierstücke D.946 1996).

Danach begann nochmals ein Großprojekt, die Einspielung sämtlicher Klavierwerke von Chopin in chronologischer Reihenfolge, also auch der unbekannten und fast nie gespielten. Die erste CD wurde 1997 vorgelegt, die letzte Vol.11 2001, eine Großtat in der Chopin-Diskographie! Vieles gefällt mir besser als in den Magaloff- oder Ashkenazy-Gesamteinspielungen. Ergänzend erschienen 1999 19 polnische Lieder mit Ewa Podles sowie das 2. Klavierkonzert, Krakowiak und Variationen op.2 (2002).

2005 erschienen dann die Rachmaninoff-Preludes sowie die 5 Prokofieff-Konzerte, hier begleiten das Monnaie Symphony Orchestra unter Leitung von Kazushi Ono. Letztere Aufnahme erschien beim kleinen, mir noch unbekannten Label Fugatto.

Abdel Rahman El Bacha ist auch als Komponist hervorgetreten.

Aufnahmen mit El BAcha sollten in keiner ersthaften Sammlung fehlen!

Gruß Amadé
Zelenka (27.08.2006, 12:14):
Original von Amadé

Danach begann nochmals ein Großprojekt, die Einspielung sämtlicher Klavierwerke von Chopin in chronologischer Reihenfolge, also auch der unbekannten und fast nie gespielten. Die erste CD wurde 1997 vorgelegt, die letzte Vol.11 2001, eine Großtat in der Chopin-Diskographie! Vieles gefällt mir besser als in den Magaloff- oder Ashkenazy-Gesamteinspielungen. Ergänzend erschienen 1999 19 polnische Lieder mit Ewa Podles sowie das 2. Klavierkonzert, Krakowiak und Variationen op.2 (2002).

2005 erschienen dann die Rachmaninoff-Preludes sowie die 5 Prokofieff-Konzerte, hier begleiten das Monnaie Symphony Orchestra unter Leitung von Kazushi Ono. Letztere Aufnahme erschien beim kleinen, mir noch unbekannten Label Fugatto.

Aufnahmen mit El Bacha sollten in keiner ersthaften Sammlung fehlen!

Gruß Amadé

Peinlich, aber wahr: El Bacha war mit Chopin in meiner Sammlung vertreten - bis ich die drei oder vier CDs mit ihm ausgesondert habe. Sein Chopin hat mir vor ein paar Jahren überhaupt nichts gesagt. Und im Moment scheint der Chopin-Zyklus vergriffen zu sein.

Gruß,

Zelenka
Cosima (27.08.2006, 23:28):
Original von Amadé
Nach den Beethoven-Sonaten folgten 3 bemerkenswerte Aufnahmen mit Klaviermusik von Schumann (2. und 3. Sonate, Waldszenen 1994)

Hallo Amadé,

um diese Schumann-CD schleiche ich auch schon eine Weile herum.

http://images.amazon.com/images/P/B000025H2A.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V1130958076_.jpg

Sollte sie irgendwann einmal zu einem vernünftigen Preis erhältlich sein, werde ich sie mir sicher zulegen.

Könntest Du sie nicht in einem der Schumann-Threads etwas genauer vorstellen? (Siamak besitzt sie auch nicht, so schrieb er an anderer Stelle.) Das wäre nicht nur interessant, sondern würde auch meine Vorfreude erhöhen. :)

Gruß, Cosima
Jeremias (29.08.2006, 11:55):
Ich habe lange mal die Ravel-CD mit El Bacha gesucht und bei Ebay dann gefunden. Die Verkäuferin wohnte etwa 3 Straßen von meinen Eltern entfernt :D

Zudem habe ich einige Ausgaben seiner Beethoven-CDs zu Hause, diese habe ich aber zu meiner eigenen Schande noch nicht gehört..... :ignore
ab (26.01.2007, 11:31):
Inzwischen habe ich von Kars dank eines anderen Forums folgedes erfahren:
Jean-Rodolphe Kars, Sohn einer emigrierten Wiener jüdischen Familie, ließ sich 1976 Taufen (als ca. 30-jähriger), trat einer Jesuiten-Gemeinschaft bei und ist seit 1986 katholischer Pfarrer. Dazu auch etwas hier.
ab (26.01.2007, 13:36):
Original von nikolaus
Wenn solche "Programm"-CDs gut gemacht sind, finde ich sie sehr spannend. Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang auch:

http://images.amazon.com/images/P/B0007CIGUW.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1116965573_.jpg

Gruß, Nikolaus.

Hallo Nikolaus,

findest Du dass dieses Konzeptalbum auch so Einheitlich wirkt und nichts seltsam herausfällt wie bei Lubimovs "Bote"?
Danke!
nikolaus (26.01.2007, 19:19):
Hallo ab,

nein, so einheitlich finde ich dieses Album nicht.

Aber es ist dennoch ganz geschickt aufgebaut.

Als eine Einheit kann man sicher die ersten Stücke begreifen:
- zwei Choräle von Bach
- J.Foulds: "gandharva-music" op. 49
- G.F.Händel: Chaconne in G-Dur HWV 435
- J.Foulds: "april-england" op. 48 no. 1

Danach könnte man
- L.v.Beethoven/F.Liszt: Allegretto aus der Sinfonie Nr. 7
- J.Corigliano: "fantasia on an ostinato"
als "Brücke" verstehen zu

- J.S.Bach: Toccata in c-moll BWV 911
- R.Schumann: Toccata in C-Dur op. 7
- S.Prokofiev: Toccata in d-moll op. 11,
die wieder eine Einheit bilden.

Die letzte Einheit bildet doch einen deutlichen Kontrast zur ersten.

Gruß, Nikolaus.
ab (26.01.2007, 20:47):
Original von nikolaus
Hallo ab,

nein, so einheitlich finde ich dieses Album nicht.
Die letzte Einheit bildet doch einen deutlichen Kontrast zur ersten.

Gruß, Nikolaus.

also doch kein Konzeptalbum als Ganzes. Kennst Du sonst irgend eines, das geglückt wäre? Afanassievs Extasies ist es ja leider auch nicht.
nikolaus (26.01.2007, 23:42):
ab,

kannst du mir bitte nochmal erklären, was du unter einem Konzeptalbum verstehst und welche Qualität du von einem guten erwartest?
Ich fürchte nämlich, daß ich dich nicht ganz verstanden habe.

Danke, Nikolaus.
ab (27.01.2007, 00:11):
Dazu im neuen threat.
Gamaheh (29.01.2007, 23:35):
Original von ab
Jean-Rodolphe Kars ist seit 1986 katholischer Pfarrer. .

Ein ähnliches Schicksal ereilte, wie ich kürzlich las, den französischen Pianisten Thierry de Brunhoff, einen Sohn des Vaters von Babar, dem kleinen Elefanten, dem Poulenc ein musikalisches Denkmal setzte (das ich leider noch nicht kenne). Hoffentlich greift das nicht um sich!

Grüße,
Gamaheh
ab (06.02.2007, 11:15):
Wer hörte schon einmal etwas von der Piansitin Mako Okamoto? Sie wird vor allem für Französisches Repertoir gerühmt, so las ich.

Wer kennt diese Aufnahme?
http://magazin.klassik.com/records/covers/8658_400x400.jpg
Gamaheh (21.02.2007, 20:14):
Liebe Forenser,

hat jemand von Euch schon mal von der Pianistin Joyce Hatto gehört? Ich bis heute auch nicht. Dann las ich folgende wundersame Geschichte, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Die im letzten Jahr mit 77 Jahren verstorbene englische Pianistin polnischer Herkunft war seit etwa dreißig Jahren, als sie an Krebs erkrankte und ein Kritiker bemerkte, daß sie schlecht aussehe, nicht mehr aufgetreten. Stattdessen hat sie im Aufnahmestudio ihres Gatten, das zu seiner Plattenfirma gehört, nicht weniger als 119 (!) CDs aufgenommen.

Im letzten Jahr wurde diese bis dato wenig bekannte Pianistin von Gramophone „entdeckt“ und erfreut sich seither des Rufes eines „Geheimtips“. Nun ist neuerdings ihre Urheberschaft dieser vielen Aufnahmen infrage gestellt worden.

Es fing damit an, daß einige Leute daran zweifelten, daß eine schwerkranke Frau soviele Aufnahmen machen konnte. Dann fand man es eigentümlich, daß beim Einschieben einer ihrer CDs in den PC der Spieler einen anderen Interpreten anzeigte. (Das würde mich übrigens nicht stutzig machen, da man dort ja eingeben kann, was man will, und das wird dann in einer Datenbank irgendwo im Schwarzen Loch des WWW abgelegt.)

Ein Redakteur von Gramophone wollte es jedoch genauer wissen und beauftragte einen Audio-Betrieb damit, die Aufnahme, die von J. Hatto stammen sollte, mit der des Pianisten zu vergleichen, dessen Name erschien. Der Techniker nun meint aufgrund von Klangwellenverläufen im Spektrogramm sicher sagen zu können, daß die Hatto-Aufnahmen identisch sind mit bei anderen Plattenfirmen erschienenen Aufnahmen anderer Pianisten (Lászlo Simon, Carlo Grante, Yefim Bronfman, Nojima und – letzte Meldung – Marc-André Hamelin). Teilweise sollen diese Aufnahmen, z.B. durch Strecken, manipuliert worden sein, aber man kann diese Manipulationen rückgängig machen.

Ein Krimi oder ein großangelegter Werbe-Gag? Nachzulesen bei Gramophone und Pristine Audio (dort kann man sich auch die Aufnahmen vergleichend anhören, wenn man eine funktionierende Soundkarte hat).

Was können wir eigentlich überhaupt noch glauben? Nach manipulierten Bildern in den Nachrichten (von manipulierten Nachrichten ganz zu schweigen) nun auch noch manipulierte Musik in einem Sinne, in dem wir es uns nicht haben träumen lassen. Sicherlich ein Argument für den Konzertbesuch!

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (28.02.2007, 21:51):
Liebe Forenser,

inzwischen hat sich alles aufgeklärt: Joyce Hattos Gatte hat "gestanden":

"I did it for my wife"

Grüße,
Gamaheh
Jeremias (25.03.2006, 22:19):
@ Siamak: Wie? Ein Angehöriger ist mit Ovchinikov befreundet? Das wusste ich ja gar nicht! Musst Du mir mal in einer PN näher berichten!
AcomA (30.03.2006, 23:12):
hallo,

steven de groote wurde 1953 in südafrika geboren, wo er auch seine ausbildung genoss. den internationalen durchbruch schaffte er mit seinem sieg (1. platz) beim internationalen van-cliburn wettbewerb in fort worth/texas, 1977. sonst ist nichts zu erfahren. der pianist verstarb jung undzwar 1989. mittlerweile wird beim van-cliburn wettbewerb ein special award, der steven de groote memorial award vergeben.

http://www.prokofiev.org/images/covers/fin577032.jpg

ich kenne von diesem pianisten nur zwei platten. seine darbietungen sind jedoch derart extraordinär, dass ich sie dringendst empfehlen kann.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000025LII.03.LZZZZZZZ.gif

regers klavierkonzert ist eine art monstrum hinsichtlich komplexer struktur und pianistischem anspruch, vielleicht etwas vergleichbar mit dem busoni-konzert. erstaunlich, wie de groote mit übersicht und virtuosem zugriff den part meistert.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4611239.jpg

liebe prokofiev-freaks, das ist der absolute hammer, so abstoßend auch das cover wirkt. es handelt sich um die auskopplung der 8. sonate und der romeo-und-julia suite aus de grootes platte von finlandia-records, aufgenommen 1979. das original-cover ist ganz oben abgebildet. die hände agieren frappieren unabhängig. echte beidhändigkeit. dann der vehemente zugriff, das tänzeln, das rhythmische feeling, die klangregie im mittelsatz der sonate und z.b. im letzten stück der suite. entwicklungen aus einem atemzug, absolut ebenbürtig der richterschen aufnahme (sonate) ! IMO ist das die fulminanteste, spannendste interpretation der suite !

alles in allem, der komplette pianist schlechthin. dieser mann hätte jede pianistische hürde manuell und entellektuell geschafft !

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (03.04.2006, 19:13):
Hallo Siamak,
ich hoffe es ist erlaubt hier noch jemanden zu nennen.

Esteban Sanchez (1934-97) muss einfach die Ehre erteilt werden.



Dieser Mann war, leider muß man schreiben war, einer der größten Pianisten des letzten Jahrhunderts. Eine Palette an Klangfarben zeichnet sein Spiel aus. Dazu noch ein Verständnis für die Musik. Grandios jede seiner Aufnahmen, von denen es leider viel zu wenige gibt.

Ein Genie wie es die Welt wohl nur selten sieht - und um so schmerzlicher - leider nur wenig erkannt hat!

Alfred Corto, einer seiner Lehrer stimme ich zu wenn er Sanchez als "musikalisches Genie des 20. Jahrhunderts" bezeichnete!

Man höre nur seine Faure Aufnahme. JEDER Ton klingt so wie ER ihn wollte. Jeder Ton in einer eigenen Klangfarbe. Und dennoch alles in einer Linie, in einem gesamtheitlichen Konzept.

Keine seiner Aufnahmen würde ich jemals weggeben. KEINE!

Leider gibt es viel zu wenige. Alle sollte man sie kennen!

Zum kennenlernen bietet sich die Aufnahme mit Werken von Albeniz an!



Seine Beethoven Bagatelle und das 4. Klavierkonzert sind grandios. Ebenso seine de Falle und Turina Aufnahme ........ :down :down
AcomA (03.04.2006, 22:54):
lieber Richard,

es sollen hier noch etliche genannt werden ! alles ist erlaubt !

den von dir genannten künstler kenne ich noch gar nicht !

gruß, siamak :)
korngold (04.04.2006, 15:00):
Hallo,

die Aufnahmen mit Esteban Sanchez kenne ich seit 25 Jahren und ich fand diese immer außerordentlich toll.
Allerdings gab es auf den spanischen Schallplatten keinerlei Lebenslauf über Sanchez zu lesen.
In der Brilliant-Box gibt es glücklicherweise nun einen hervorragend ausführlichen Kommentar.

Was mich allerdings traurig macht ist die Tatsache, daß die Aufnahmen bei Brilliant Überspielungen von Schallplatten sind.
Hatte ensayo denn nicht mehr die (hervorragenden)Mastertapes zu Verfügung?
Trotzdem habe ich seinerzeit die Brilliant-Box an alle meine Freunde verschenkt, so froh war ich, daß diese Aufnahmen dieses zu den größten zu zählenden Pianisten wieder erhältlich sind.

Zu Steven de Groote,
Er hat auch das Korngold-Konzert für die linke Hand aufgenommen.
Im Booklet ist zu lesen, daß er an den Spätfolgen eines Flugzeugabsturzes starb.
Da er bis kurz vor seinem Tode aufnahm, würde mich schon interessieren, was für Spätfolgen dies waren.
Es ist jedenfalls ausgesprochen tragisch.

Beste Grüße
Zelenka (04.04.2006, 15:25):
Original von korngold
Was mich allerdings traurig macht ist die Tatsache, daß die Aufnahmen bei Brilliant Überspielungen von Schallplatten sind.
Hatte ensayo denn nicht mehr die (hervorragenden)Mastertapes zu Verfügung?
Trotzdem habe ich seinerzeit die Brilliant-Box an alle meine Freunde verschenkt, so froh war ich, daß diese Aufnahmen dieses zu den größten zu zählenden Pianisten wieder erhältlich sind.


Lieber korngold:

Woher weißt Du, daß es sich bei der Albéniz-Box um Überspielungen von Schallplatten handelt? Im Prinzip hätte Brilliant doch einfach die ensayo-CDs kopieren können ...

Beste Grüße,

Zelenka
korngold (04.04.2006, 15:40):
Lieber Zelenka,

dann waren die ensayo CD's auch schon von Platte abgekupfert,Brilliant wird diese sicherlich verwendet haben.


Man kann bei genauem Hinhören im Hintergrund die nach den üblichen Restaurierungen übrig gebliebenen Schallplattengeräusche hören.
Ich habe die CD's außerdem mal mit einem Klangrestaurationsprogramm ausgelesen und dann war der Fall sonnenklar.

Davon abgesehen klingen die Orginal-Schallplatten viel offener und dynamischer.

Dies soll aber nicht vom Kauf der CD's abhalten, sie klingen immer noch gut, aber es ist halt nicht vom Mastertape....

Beste Grüße,
Zelenka (04.04.2006, 15:55):
Lieber Korngold:

Besten Dank für die Informationen! Der Technik-Laie staunt. Vom Kauf kann mich das alles nicht mehr abhalten, die Box habe ich längst angeschafft. Ich erinnere mich allerdings an Besprechungen, die den Klang nicht für sonderlich gut gehalten haben. Ich habe andererseits auch schon Schlimmeres gehört.

Gruß,

Zelenka
korngold (04.04.2006, 16:58):
Lieber Zelenka,

Ich erinnere mich allerdings an Besprechungen, die den Klang nicht für sonderlich gut gehalten haben

genau dies ist schade, da die Orginalaufnahmen auf Schallplatte richtig klasse sind.
Zum Glück ist noch genug davon übriggeblieben, um die sagenhafte Anschlagskunst dieses Pianisten zu erkennen, dieser Pianist besaß einen außergewöhnlich schönen "Sound", der leider durch diese Bearbeitungen ein wenig gelitten hat.

Trotzdem besser so als vielleicht gar nicht....

Gruß,
Zelenka (04.04.2006, 19:22):
Lieber korngold:

Aus der Besprechung in classicstoday.com:

While the sonics are close-up and boxy, you still perceive Sánchez's extraordinary tonal genius and communicative immediacy.

Immerhin vergibt Jed Distler 10/7.

Aus einer Besprechung im Gramophone (Awards 98) der ensayo-Ausgabe von Sanchez' Iberia (zuletzt Kommentar zur Aufnahmequalität, der Rezensent hat auch sonst zu meckern):

Esteban Sanchez Sánchez, who died in February at the age of 63, was an admired performer and teacher from Badajoz, who had won several international prizes. These performances, however, sometimes make one too aware of Albeniz Albéniz’s overcrowded canvas, on which Sanchez Sánchez appears to be expending a good deal of effort; in Book Books 3 and 4 he is inclined to overpedal; he inserts so many agogic accents and so dwells on affettuoso details that continuity of phrase is sometimes imperilled (“Triana” conspicuously suffers in this respect); and the recording makes his loud passages rather harsh.

Gruß,

Zelenka
korngold (04.04.2006, 19:45):
Lieber Zelenka,

ja,ja, die Ktiriker haben immer was zu meckern.

Sanchez hat wohl sehr aus dem Moment heraus interpretiert und ist dabei jedes Risiko gegangen, auf der Suche nach dem größtmöglichen Ausdruck und Klang.
Das gefällt dem einen, der andere hätte lieber eine "abgezirkeltere" Interpretation.

In der ersten Kritik wurde der Klang als "boxy" bezeichnet-also etwas eingeengt, in der zweiten wird der rauhe Klang bei lauten Passagen bemängelt.
Diese beiden Klangeindrücke sind bezeichnend für eine Aufnahme, die mit Denoiser, Decrackler sowie Declicking bearbeitet wurde.

Ich mache dies selber ab und an privat und der Preis, den man zahlen muß, wenn die Aufnahme relativ frei von Knacksern und Knistern sein soll, ist ein Verlust an Räumlichkeit, ein etwas eingeengtes Klangbild.

Das "harsche" Klangbild ist wohl auf den Gebrauch eines Denoisers und den anschließendem Versuch, die daraus resultierende Dumpfheit im Obertonbereich durch eine Anhebung anderer Frequenzen auszugleichen.

Die Platten klingen völlig frei(zwar "close- up aber nicht "boxy") und brilliant, wärend die CD's eingeengt und etwas metallisch sind.

Beste Grüße,
Zelenka (04.04.2006, 20:01):
Lieber korngold:

Beim Gramophone ist eben A. Larrocha das Maß aller Dinge, wenn es um spanische Klavierliteratur geht. Zzzzzzz ...

Herzlichen Dank für die technischen Informationen! Der Preis für rauscharme und knackfreie Versionen ist leider doch sehr hoch, wie ich sehe. Und offenbar nicht zu vermeiden.

Beste Grüße,

Zelenka
nikolaus (05.04.2006, 22:50):
Hallo miteinander!

Ich möchte zwei in meinen Augen sehr schöne und interessante CDs von nicht so bekannten Pianisten vorstellen:

http://www.ecmrecords.com/Images/cover/New_Series/1700/N1771g.jpg

und:

http://www.klassik-heute.de/images_medien/16237.jpg

Kennt sie jemand, wie sind die Meinungen?

Gruss und gute Nacht,

Nikolaus.

Oh, das zweite cover ist ein bisschen klein geraten :B. Es handelt sich um Juan José Chuquisengo, transcendent journey.
AcomA (07.04.2006, 00:02):
hallo,

der in moskau geborene stanislav bunin entstammt einer bekannten musikerfamilie. Sein großvater war der pianist und berühmte Klavierlehrer heinrich neuhaus. bunins mutter, ebenfalls pianistin, lehrte am moskauer konservatorium. als sechsjähriger trat stanislav bunin in die zentrale musikschule in moskau ein und studierte anschließend am dortigen tschaikowsky-konservatorium. 1983 gewann er als jüngster r mit 17 jahren den marguerite long-jacques thibaud“-wettbewerb in paris. zwei jahre später gewann er in warschau den 1. preis beim chopin-wettbewerb.

http://www.proarte-frankfurt.de/bios/bilder/bunin.jpg

ich kenne von ihm eine sehr starke bach-platte, welche er damals bei EMI herausbrachte. js bachs 1. partita, italienisches konzert und 3. englische suite werden transparent, mit sonorem anschlag und mit motorischem drive gespielt. die erste partita kann sich mit der berühmten interpretation lipattis messen, die 3. englische suite ist ebenfalls top ! der pianist hat sich seit jahren in japan niedergelassen, wo er sehr bekannt ist. schade, dass es hier kaum bis gar keine aufnahmen mit ihm gibt. ein teil seines bach-recitals gibt es als 'füller' auf der EMI-doppel-cd mit den französischen suiten andrei gavrilovs.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/7734957.jpg

gruß, siamak :engel
Daniel Behrendt (11.04.2006, 08:52):
Lieber Siamak,

damit dein Thread nicht so ganz jungfräulich links liegen bleibt, will ich mich mal erbarmen und die Diskussion eröffnen :W

Die Nennung eines Namens fällt mir jetzt ad hoc etwas schwer. Ich könnte z.B. Carl Seemann sagen, aber der wurde ja vor ein paar Jahren wieder ausgegraben und stieß wenigstens auf die aufmerksamkeit eines kleinen, pianophilen Publikums. Darüber hinaus war er Z.B. als Duopartner von Wolfgang Schneiderhan nie ganz vom Tonträgermarkt verschwunden. Allerdings: einige deutsche Pianisten, die nach dem Krieg wieder Fuß fassen wollten und es nicht so recht schafften, gehören eigentlich in diesen Thread - und Seeman ist sicher einer der allerbesten von ihnen (besonders sein Bachspiel, dass für die Zeit erstaunlich schnörkellos und entschlackt war).

Vermutlich standen viele der Namen unmittelbar oder indirekt mit Nazideutschland in Verbindung, was einer Karriere nach dem Krieg natürlich nicht unbedingt zuträglich war. Dazu kommt, dass auf einmal Namen wie Richter und Gilels den Westen eroberten - und der etwas biederen teutonischen Konkurenz zeigten, wo der pianistische Hammer hängt...
Es musste viel Zeit vergehen, bis man den nüchternen, irgendwie "redlichen" Stil der "deutschen Schule" wiederentdeckte - neben sehr viel Mittelmaß gibt es eben auch ein paar Namen, mit denen man sich vertarut machen sollte - Seeman ist einer von ihnen.

LG!
Daniel
AcomA (11.04.2006, 23:36):
lieber Daniel,

ich kenne die einspielung der brahmsschen violinsonaten zusammen mit wolfgang schneiderhahn, und hier zeigt seemann tatsächlich ein differenziertes und ungemein warmes musizieren.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4746094.jpg

gruß, siamak :engel
Zelenka (12.04.2006, 16:33):
Original von Daniel Behrendt
Lieber Siamak,

damit dein Thread nicht so ganz jungfräulich links liegen bleibt, will ich mich mal erbarmen und die Diskussion eröffnen :W

Die Nennung eines Namens fällt mir jetzt ad hoc etwas schwer. Ich könnte z.B. Carl Seemann sagen, aber der wurde ja vor ein paar Jahren wieder ausgegraben und stieß wenigstens auf die aufmerksamkeit eines kleinen, pianophilen Publikums. Darüber hinaus war er Z.B. als Duopartner von Wolfgang Schneiderhan nie ganz vom Tonträgermarkt verschwunden. Allerdings: einige deutsche Pianisten, die nach dem Krieg wieder Fuß fassen wollten und es nicht so recht schafften, gehören eigentlich in diesen Thread - und Seeman ist sicher einer der allerbesten von ihnen (besonders sein Bachspiel, dass für die Zeit erstaunlich schnörkellos und entschlackt war).

Vermutlich standen viele der Namen unmittelbar oder indirekt mit Nazideutschland in Verbindung, was einer Karriere nach dem Krieg natürlich nicht unbedingt zuträglich war. Dazu kommt, dass auf einmal Namen wie Richter und Gilels den Westen eroberten - und der etwas biederen teutonischen Konkurenz zeigten, wo der pianistische Hammer hängt...
Es musste viel Zeit vergehen, bis man den nüchternen, irgendwie "redlichen" Stil der "deutschen Schule" wiederentdeckte - neben sehr viel Mittelmaß gibt es eben auch ein paar Namen, mit denen man sich vertarut machen sollte - Seeman ist einer von ihnen.

LG!
Daniel

So recht will die Diskussion nicht in Gang kommen ... Ich kann auch keine Namen nennen im Moment, oder doch einen: Karlrobert Kreyten, Jahrgang 1916, 1943 zum Tode wegen defätistischer Äußerungen verurteilt (N S D A P-Mitglied Werner Höfer gab dazu seinen Applaus). Claudio Arrau hat ihm das Potenzial für eine große Karriere attestiert. Aufnahmen scheint es nicht von ihm zu geben. Wahrscheinlich nicht der einzige Fall, in dem der 2. Weltkrieg Hoffnungen zerstört hat. Seemann, 6 Jahre älter als Kreyten, pflegte nach dem Krieg sicher nicht das traditionelle deutsche Klavierspiel. Er strebte ein sehr sachliches, entschlacktes Spiel an, man könnte es auch böse als seelenlos bezeichnen. Offenbar setze er sich bewußt von ihm vorausgehenden deutschen Größen wie Kempff, Gieseking, Backhaus und Ney ab. Daß Joachim Kaiser ihn spät als großen Meister (wieder-) entdeckte, ist eher kurios, seit den frühen 50ern konnte man sicher mehr Seemann im Konzert und auf Platten der DG hören als einem möglicherweise lieb war. Parallel dazu spielten, teilweise noch recht lange, die Pianisten der Vorkriegszeit, die nach kriegsbedingter Unterbrechung auch wieder im Ausland zu hören waren und auch häufig Verträge mit ausländischen Plattengesellschaften hatten (Gieseking mit EMI, Kempff und Backhaus mit Decca).
Die deutsche Klavierschule, wenn es den eine einzige gegeben hat, war schon längst vor dem 2. Weltkrieg insbesondere osteuropäischer Konkurrenz ausgesetzt. Horowitz lag man in Deutschland schon in den 20ern zu Füßen. Das Publikum hat immer schon immer Virtuosen und Freaks gefeiert (Schumann scheute nicht die Anreise, um Paganini live zu erleben). Pianisten wie Kempff oder Fischer konnten mit den Virtuosen weder technisch mithalten noch wollten sie es. Beide sind notorisch dafür, daß sie haufenweise falsche Noten spielten. Es ging ihnen um anderes (Wichtigeres) (und mußte ihnen wohl auch).

Anfang der 60er tauchte mit Christoph Eschenbach (Jahrgang 1940) endlich wieder ein deutscher Pianist von internationaler Statur auf.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (30.04.2006, 23:29):
Nathan Brand!

Nachdem ich bereits in die CD1 mit Shcumann-Werken reingehört habe hörte ich eben die CD2 u.A. mit Chopins 2. Klaviersonate gehört:



Glücklicherweise ist auch die Klangqualität der Chopin Scheibe deutlich besser!

Die 2. Sonate Chopin's fand ich jedenfalls recht eindrucksvoll.

Kennt jemand N. Brand, der offenbar bereits 1990 im Alter von 46 verstab ?

Gruß
ab (11.05.2006, 20:54):
Das mit Abdel Rahman El Bacha kann ich nur verstärken (auch wenn mir sein Beethoven und sein Chopin weniger zusagt): so gehört seine Ravel-CD bei Forlane zu meinen Liebelings-Klavieraufnahmen!
Ähnlich wie auch Uchida vermag es El Bacha, ein völlig gleichmäßiges An- und Abschwellen in Ruhe zu erzeugen mit feinsten dynmaischen Übergängen, aber mehr noch als Uchida, in größerem Klangfarbreichtum.
ab (11.05.2006, 21:04):
Ja, Esteban Sanchez ist ein Wunder von einem Pianisten, was die Farbvielseitigkeit betrifft! Jeder Ton ist beseelt und die Polyphonie überwältigend: Genau diese drei Eigenschaften, die sonst noch Sviatoslav Richter auszeichnen. Nur ist der Ausdruck dieses Russen in lyrischer Jenseitigkeit, während dieser Spanier in lebensfreudiger Diesseitigkeit innerlich glüht.
Sanchez' Albéniz ist grandios - Larrocha, zweifellos ebenfalls grandios, klingt da in so manchem Pedal völlig verwaschen und bedeutend weniger polyphon dagegen.
ab (11.05.2006, 21:07):
Habe durch Zufall eine Chopin-CD dieses Russen Bunin (Hänssler) in Hände bekommen: Chopin der ungewöhnlichen Art, eher an seinen Nachfolger Scriabin erinnernd. Ich war trotz der seltsamen Mikrophonpositionierung und der Studiosterilität sehr angetan! Wer hat diesen Piansiten schon in Konzert gehört? Was könnt ihr mir sonst noch empfehlen? Gibt es Konzertmitschnitte?
ab (11.05.2006, 21:14):
Radoslav Kvapil hat ganz wunderbar Janaceks Auf Verwachsenen Pfaden bei Calliope eingespielt! Schöner und vor allem inniger habe ich diesen Zyklus noch nie gehört! (Seine Regis-Aufnahmen von
Janacek kenne ich leider genauso wenige wie die bei Unicorn)
ab (11.05.2006, 21:19):
Nirgends bekomme ich die Debussy-Aufnahmen von Paul Jacobs mehr in Händen, die bei Nonesuch herausgekommen waren. Dieser jung verstorbene New Yorker soll genial gewesen sein. Wer kann mir mehr über ihn sagen? Auch sein Busoni Werk bei Arbiter soll legendär sein.
ab (11.05.2006, 21:30):
Lubimovs CD ist insofern schon ein Wunder, als es überhaupt sehr wenige Alben gibt - sei es Jazz, Pop oder Klassik - bei denen Zusammenstellungen von einzelnen Werken als gesamtes Album stimmig sind, ohne dass auch nur eine einzige "Nummer" herausfiele. Ich höre diese Platte sehr gerne und häufig!
Cosima (11.05.2006, 23:00):
Original von ab
Nur ist der Ausdruck dieses Russen in lyrischer Jenseitigkeit, während dieser Spanier in lebensfreudiger Diesseitigkeit innerlich glüht.


Hallo ab,

was für eine Formulierung! Ich kenne zwar Sanchez bislang nicht (was sich jedoch bald ändern soll), aber Richters Klavierspiel hast Du großartig charakterisiert! Ja, das trifft es!

Gruß, Cosima
Zelenka (12.05.2006, 12:58):
Original von ab
Nirgends bekomme ich die Debussy-Aufnahmen von Paul Jacobs mehr in Händen, die bei Nonesuch herausgekommen waren. Dieser jung verstorbene New Yorker soll genial gewesen sein. Wer kann mir mehr über ihn sagen? Auch sein Busoni Werk bei Arbiter soll legendär sein.

Lieber ab:

Es gibt recht viel Jacobs-Debussy für recht wenig Geld zu kaufen (ab EUR 3.99 in meinem Saturn). Hier das Angebot von amazon.de:

1. Preludes für Klavier von Paul Jacobs (Künstler), Claude Debussy (Komponist)
Nonesuch (Warner) (25. Juli 1997)
Doppel CD
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2. Debussy: Images/Estampes von Paul Jacobs (Künstler), Claude Debussy (Komponist)
Nonesuch (Warner) (23. September 2002)
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5. Debuss/Images-Estampes von Paul Jacobs (Künstler), Claude Debussy (Komponist)
Eastwest (Warner) (10. Mai 1996)
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Gewöhnlich versandfertig bei Amazon in 4 bis 6 Wochen.


Amazon-Preis: EUR 6,99

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (12.05.2006, 20:04):
Original von ab
Ja, Esteban Sanchez ist ein Wunder von einem Pianisten, was die Farbvielseitigkeit betrifft! Jeder Ton ist beseelt und die Polyphonie überwältigend: Genau diese drei Eigenschaften, die sonst noch Sviatoslav Richter auszeichnen. Nur ist der Ausdruck dieses Russen in lyrischer Jenseitigkeit, während dieser Spanier in lebensfreudiger Diesseitigkeit innerlich glüht.


Hallo ab,

ich sehe E. Sanchez, auf seine Art, ebenfalls auf einem extrem ohem Niveau und ein Vergleich mit den Größten, wie hier Richter, ist absolut gerechtfertigt!

Gruß
Cosima (12.05.2006, 22:22):
Hallo,

ich hatte vollkommen vergessen, dass ich seit einiger Zeit die Fauré-Aufnahme mit Esteban Sánchez besitze. Erstmalig habe ich sie gerade gehört. Ja, da ist etwas ganz Außergewöhnliches in seinem Klavierspiel! Er hat ein ganz besonderes Gefühl für Rhythmus, sein Spiel ist strahlend und funkelnd, ungemein klar und dazu sehr leidenschaftlich beseelt! Herrlich - das ist Musizieren im schönsten Sinne des Wortes! Aufgrund dieses sehr positiven Höreindrucks habe ich mir nun seine Albéniz-Aufnahmen bestellt.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (13.05.2006, 12:49):
@Cosima,

ersteinmal glückwunsch zum kauf der Albeniz Aufnahme!
Sanchez Iberia muss man einfach gehört haben.

LEIDER gibt es von diesem großartigen Pianisten wenige, viel zu wenige Aufnahmen.

Höre auch mal in sein 4. Klavierkonzert von Beethoven rein, seine Bagatelle und vor allem in die Aufnahmen mit Werken von Falle bzw. Turina!

IMO sollte man jeder Aufnahme Sanchez kennen! :down
Cosima (15.05.2006, 17:44):
Original von Rachmaninov
Höre auch mal in sein 4. Klavierkonzert von Beethoven rein,

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sánchez ein wirklich guter Beethoven-Interpret sein kann. Ich denke, dass die absoluten Stärken seines Klavierspiels (wundervolles Musizieren, außergewöhnliches Rhythmusgefühl :down ) dort besonders zum Tragen kommen, wo es um große Klangfarbigkeit und Leidenschaft geht. Bei Fauré funktioniert das fantastisch. Über den Albéniz werde ich berichten, kann mir aber vorstellen, dass auch diese Aufnahmen großartig sind.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (15.05.2006, 18:37):
Original von Cosima
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sánchez ein wirklich guter Beethoven-Interpret sein kann.

Siehst Du, Du machst (wieder) den Fehler, Dir eine Meinung zu bilden bevor Du es überhaupt gehört hast!

Das kommt mir irgendwie bekannt vor....
Cosima (15.05.2006, 18:41):
Original von Rachmaninov
Siehst Du, Du machst (wieder) den Fehler, Dir eine Meinung zu bilden bevor Du es überhaupt gehört hast!

Das kommt mir irgendwie bekannt vor....

Ach was, ich habe nur laut gedacht. Ich werde reinhören in die Aufnahme, falls sie mir über den Weg läuft - versprochen. :)

Gruß, Cosima
Cosima (16.05.2006, 21:54):
Lieber Siamak, hallo allerseits!

Herzlichen Dank für den Hinweis auf Steven Osborne!

http://www.wom.de/image/cover/front/0/7278521.jpg

Ich höre seit Tagen immer mal wieder seine Liszt-CD mit der Sammlung „Harmonies poétiques et religieuses“. Auf der zweiten CD komme ich immer nur bis zu den „Funérailles“. Dieses Tongemälde gehört m.E. zu Liszts eindrucksvollsten Kompositionen. Geschrieben dem Andenken an die Toten der Revolutionsjahre 1848-49, verlangt dieses Werk neben technischem Können vor allem auch enorme Ausdruckstiefe. Allein die ersten Takte haben etwas Bedrückendes, dem man sich nur schwer entziehen kann.
Osborne spielt brillant-virtuos, lotet ganz klar und rein die Tiefen des Werkes aus. Er gibt den „Funérailles“ einen beklemmenden und heroischen Charakter, mir gefällt, dass er dabei nicht ins Schwermütige abdriftet. Sein Spiel hat zudem etwas Berauschendes, die ganze Liszt-CD ist sehr empfehlenswert!

Ich hatte kurz erwogen, einen Thread über „Les Funérailles“ zu eröffnen, denke aber, dass die Liszt-Anhänger eher rar gesät sind. Ich liebe dieses Werk, den Komponisten sowieso und Osborne inzwischen auch! :down

Gruß, Cosima
Rachmaninov (24.05.2006, 20:51):
Kenner der Pianisten :D

Mich würde interessieren ob einem Vitalij Margulis ein Begriff ist!

Vor einige Zeit hatte ich einmal in eine Aufnahme mit Beethoven's op.111 reingehört fand die Aufnahme auch durchaus beim kurzen Hören interessant, war aber nicht bereit für ein Aufnahme mit nur dieser einen Sonate den vollen Preis zu bezahlen.

Sein Skriabin soll auch vom Feinsten sein!

Kennt ihn jemand und kann etwas berichten?
Daniel Behrendt (25.05.2006, 12:32):
Lieber Rachmaninov,
erstmal: Sorry, dass ich im Afanassiev-Thread nicht zurückgepostet habe. Ich war (und bin) fern der Heimat und erst seit kurzem Notebook-Besitzer, also forumsmäßig mobil.

Kurz dazu:
Den Afanassiev-Brahms finde ich recht klangschön, in den stillen Stücken sehr subtil, aber bei den Kraftnummern (z.B. den Rhapsodien) fehlte mir (wenn ich mich recht entsinne) ein wenig der Drive.

Das "Hommagen"-Album kenne ich leider noch nicht - wird sich aber sicher bald ändern, da bin ich zuversichtlich... (Meine armes Girokonto!)

Und jetzt zu Vitalij Margulis:

Soweit ich weiß, war er Professor in Freiburg. Es gibt eine klangtechnisch etwas zu direkte, aber künstlerisch fulminante Scheibe mit den Skrjabin-Poemes - kennst du sie? Toll! Das Labl heißt meines Wissens "inac" (klingt nicht sehr verkaufsfördernd) - gibt's vermutlich nicht mehr.

Bei Christopherus (auch so'n komisches Label) erschien - ebenfalls vor Jahren - eine Auswahl aus Bachs WTK I. Ein künstlerischer Supergau: Exzentrisch bis an die Grenze der Unerträglichkeit und pianistisch irgendwie ledern.

Dennoch: Margulis ist gemessen an seinem Verögen sonderbar unbekannt geblieben, warum bloß?

LG!
Daniel
Rachmaninov (25.05.2006, 12:36):
Original von Daniel Behrendt
Lieber Rachmaninov,
erstmal: Sorry, dass ich im Afanassiev-Thread nicht zurückgepostet habe. Ich war (und bin) fern der Heimat und erst seit kurzem Notebook-Besitzer, also forumsmäßig mobil.


Zunächsteinmal schön zu hören das es Dich noch gibt :D
Und vor allem das Du wieder "online" sein kannst :leb

Und jetzt zu Vitalij Margulis:


Soweit ich weiß, war er Professor in Freiburg. Es gibt eine klangtechnisch etwas zu direkte, aber künstlerisch fulminante Scheibe mit den Skrjabin-Poemes - kennst du sie? Toll! Das Labl heißt meines Wissens "inac" (klingt nicht sehr verkaufsfördernd) - gibt's vermutlich nicht mehr.


Die Aufnahme gibt es noch bei Amazon




Dennoch: Margulis ist gemessen an seinem Verögen sonderbar unbekannt geblieben, warum bloß?


Leider kein Einzelfall! Marketing halt ?(
Gamaheh (07.06.2006, 10:42):
Vladimir Ovchinikov ist heute von 13 bis 14 Uhr auf BBC Radio 3 zu hören:

http://www.bbc.co.uk/radio3/lunchtimeconcerts/pip/jrnm5/

Playlist:

Shostakovich: Preludes and Fugues
Vladimir Ovchinikov (piano)

Beethoven: Sonata for cello and piano, Op 5, No 2, in Gm
Jan-Erik Gustafsson (cello)
Vladimir Ovchinikov (piano)

Grüße,
Gamaheh
Zelenka (07.06.2006, 12:25):
Original von Gamaheh
Vladimir Ovchinikov ist heute von 13 bis 14 Uhr auf BBC Radio 3 zu hören:

http://www.bbc.co.uk/radio3/lunchtimeconcerts/pip/jrnm5/

Playlist:

Shostakovich: Preludes and Fugues
Vladimir Ovchinikov (piano)

Beethoven: Sonata for cello and piano, Op 5, No 2, in Gm
Jan-Erik Gustafsson (cello)
Vladimir Ovchinikov (piano)

Grüße,
Gamaheh

Von 14 bis 15h mitteleuropäische Sommerzeit! Danke für den Hinweis!!!

J.D.Z.
Gamaheh (07.06.2006, 18:36):
Liebe Forumisten,

ich würde Euch gerne noch den französischen Pianisten Philippe Bianconi vorzustellen, der hier weitgehend unbekannt zu sein scheint. Aber vielleicht kennt ihn ja doch der eine oder andere ...
1960 in Nizza geboren, besuchte er das dortige Konservatorium. Später setzte er seine Ausbildung bei Gaby Casadesus in Paris und Vitalij Margulis in Freiburg fort. 1981 gewann er den ersten Preis der Cleveland Intnl. Piano Competition, 1985 die Silbermedaille der Van Cliburn Piano Competition.

Auch für mich war er bis vor knapp zwei Jahren völlig unbekannt. Dann bekam ich zufällig die Aufnahmen der schubertschen Liederzyklen in die Hände, die er vor zwanzig Jahren mit Hermann Prey aufgenommen hat (Denon, längst vergriffen). Diese Musik kannte ich seit vielen Jahren in vielen Versionen, aber so hatte ich sie noch nie gehört: Plötzlich gefiel mir sogar der Schwanengesang und insbesondere die Taubenpost, die ich immer für besonders schrecklich und sentimental gehalten hatte. Zum erstenmal begriff ich, was für wunderbare Musik Schubert da geschrieben hat, ein echter Dialog zwischen der Stimme und dem Klavier (letzteres war mir vorher nie besonders aufgefallen: Begleitung halt ...), von einer Dynamik, die mich völlig begeisterte. Der Ausdruck, der mir spontan einfiel, war "élan vital" – umwerfend!

Ich begann also nachzuforschen. Und fand, daß er natürlich seit Jahren eine intensive Solistenkarriere verfolgt. Einige Solo-Platten hat er auch aufgenommen, die auch alle mit jeder Menge Kritikerlob bedacht wurden. Es sind allerdings nicht sehr viele, die Finger einer Hand reichen gut aus, um sie zu zählen (was andererseits eine angenehme Abwechslung ist gegenüber denen, die schon mit 30 sämtliche Beethoven-Sonaten und andere Gesamtaufnahmen eingespielt haben):

1992: Ravel, Teil 1 des Gesamtwerks für Solo-Klavier (den abschließenden Teil hat er Anfang letzten Jahres aufgenommen, ist allerdings – soweit ich herausfinden kann – noch nicht erschienen).
1996: Schumann, Sinfonische Etüden, Humoreske
1997: Schumann, Fantasie in C und Davidsbündlertänze
2000: Schubert, Sonate D.959 und Drei Klavierstücke D. 946



Ich mag diese Aufnahmen alle, aber die beiden abgebildeten sind für mich konkurrenzlos (bei der Schumann-CD handelt es sich um die Sinfonischen Etüden, die andere ist die Schubert-CD).

Ich kann seine Art zu spielen nur als spannend bezeichnen: Wie er den musikalischen Text skandiert, ihm durchgehend eine Struktur gibt, eine Dramaturgie, das fesselt mich, so erscheint mir die Musik einen Sinn zu haben, so kann auch ich sie "verstehen". Und wenn man die Qualität eines Pianisten u.a. danach beurteilt, wie er die Spannung in langsamen Passagen hält (was ich tue), dann ist das Andantino der Sonate D.959 absolut überwältigend.
Im Recital gelingt es ihm, eine Mischung aus Konzentration und Intimität zu verbreiten: Man hat ein wenig den Eindruck, daß er sich des Publikums gar nicht bewußt ist und gerade dabei ist, völlig privat für sich die Musik zu entdecken (das Publikum natürlich mit ihm); es kommt mir wie ein Dialog vor: zwischen Interpret und Musik, dem Instrument, zwischen rechter linker Hand ... Dabei erlaubt er sich auch nicht die kleinste Geste, die von der Musik ablenken könnte.

Hier habe ich eine schöne Rezension von einem Kritiker der Berliner Zeitung gefunden, der das viel besser schreibt als ich es könnte:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2002/0409/feuilleton/0045/index.html
(S. Anhang, falls das geklappt hat.)

Und hier könnt Ihr Ausschnitte (Chopin und Liszt) aus einem Konzert von 1995 auf historischen Flügeln des Musée de la Cité de la musique hören:
http://mediatheque.cite-musique.fr/masc/
Dort müßt Ihr unter "Accès aux concerts" ein bißchen suchen, beim Treffer dann die Büroklammer anklicken und "écouter un extrait".

Grüße,
Gamaheh
ab (08.06.2006, 11:31):
Auf meiner Best-of Liste der Préludes von Debussy stünde wohl Walter Gieseking, wie überhaupt sein gesamtes Debussy-Spiel. Meine große Liebe jedoch gilt dem Anschlag des Franzosen(?) Jean-Rodolphe Kars , über den leider aber auch gar nichts aus dem Beiheft zu erfahren ist (typisch Universal!).

Hier ist das zu erleben, was einmal Afanassiev über sein Erlebnis des Benedetti-Michelangeli-Konzerts aus Moskau geschrieben hat: Man gewinnt den Eindruck, als verwandelte sich das Holzinstrument in ein Lebewesen. Hier werden nicht Saiten angeschlagen, sondern ein ganzer Klangkörper zum Schwingen und Leben gebracht. Musik, fast möchte ich sagen, nicht zum Hören, sondern zum Fühlen.


Eine meiner großen CD-Entdeckungen der letzten Jahre!

Kennt jemand noch andere Aufnahmen? Kann mir jemand etwas über diesen Piansiten erzählen?
Cosima (21.06.2006, 18:30):
Liebe Klassik-Freunde,

ich interessiere mich für eine Aufnahme der Pianistin Marcelle Meyer, genauer gesagt ihre Rameau-Einspielung:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00011RUO2.01.MZZZZZZZ.jpg

Ich weiß überhaupt nichts über diese Künstlerin, kam zufällig über eine Rezension der Tharaud/Rameau-Aufnahme auf den Namen.

Eine kurze Recherche brachte auch nicht viel zutage. Ich kopiere es dennoch hier her, um überhaupt einen Aufhänger zu haben:

Marcelle Meyer, die 1897 im französisch-flandrischen Lille geboren wurde, ist in Deutschland fast gänzlich unbekannt geblieben, und auch die einschlägigen Musiklexika wissen nicht viel über sie zu berichten. Geburtsdatum: 1897, Sterbedatum: 1958. Im Jahre 1901, angeblich also als Vierjährige (!) soll sie den ersten Preis beim Pariser Pianisten-Wettbewerb erhalten haben; anschließend Unterricht bei Marguerite Long, Alfred Cortot und Riccardo Viñes. Und dann versiegt auch schon der Strom der Daten; die biographischen Quellen über Marcelle Meyer sprudeln nur sehr spärlich.

Ein Grund dafür, daß Marcelle Meyer nie so richtig populär gewesen ist – denn auch in Frankreich galt sie Jahrzehnte lang eher als ein diskophiler Geheimtip – ein Grund für diese fehlende Popularität läßt sich aus ihrer Vorliebe erklären, mit der sie sich abseits der ausgetretenen Pfade bewegte und sich vor allem jener Klavierliteratur widmete, deren Klänge unverbraucht waren – sei es, weil die Musik noch zu jung oder weil sie so schon wieder zu alt war. Schon in frühen Jahren setzte sie sich mit der – damals noch weitgehend als minderwertig angesehenen – französischen Musik auseinander: mit den Clavecinisten des 18. Jahrhunderts (also mit Couperin und Rameau), aber auch mit den zeitgenössischen Komponisten wie Chabrier, Ravel, Strawinsky, Poulenc und Milhaud.

(Quelle: koelnklavier.de)

Kennt jemand von Euch Marcelle Meyer? Oder gar ihre Rameau-Aufnahmen? Ich hörte kurz hinein – der kurze Eindruck war recht ansprechend.

Gruß, Cosima
Cosima (23.06.2006, 20:10):
Lieber Admin,

mir war nicht klar, dass anscheinend nicht nur ich die Frau Meyer nicht kenne. Sie ist wohl in der Tat ein Geheimtipp. Mein Beitrag wäre also besser bei den „unbekannten Tastengenies“ aufgehoben, weil dort einfacher wieder auffindbar.

Würdest Du ihn bitte – auch im Sinne einer besseren Übersichtlichkeit - an den bestehenden Thread anhängen und diesen Beitrag dann löschen.

Danke und Gruß,

Cosima :)
Cosima (01.07.2006, 14:17):
Original von Rachmaninov
Mich würde interessieren ob einem Vitalij Margulis ein Begriff ist!


Ich stieß auf den Namen seines Sohnes, Jura Margulis. Mir sind beide kein Begriff, aber ich las eben im „Fragebogen“ der Piano-News, welche Antworten Jura Margulis auf die Frage „Welchen Pianisten bewundern Sie am meisten und warum?“ gab:

„Rachmaninoff für seine aristokratische Disziplin, Horowitz für seine außerirdische Klangwelt, Richter für seine kompromisslose Wahrheitssuche, und Gould für sein visionäres Genie.“

Gute Antwort! (Der Mann hat Geschmack und scheint sympathisch zu sein.)

Lustig ist dies:

Frage: Was war die schlimmste Erfahrung mit einem Instrument, die Sie gemacht haben?
Jura Margulis’ Antwort: Das Instrument war nicht da. :rofl

Gruß, Cosima
Zelenka (01.07.2006, 14:24):
Original von Cosima

Lustig ist dies:

Frage: Was war die schlimmste Erfahrung mit einem Instrument, die Sie gemacht haben?
Jura Margulis’ Antwort: Das Instrument war nicht da. :rofl

Gruß, Cosima


:J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J :J

J.D.Z.
Walter (27.07.2006, 19:54):
Hallo Nikolaus

ich darf seit einigen Tagen in Deine Empfehlung - Der Bote - von Alexei Lubimov hineinhören. Ich bin schlicht begeistert - ich wäre nie auf die Idee gekommen, eine so zusammengestückelte CD zu kaufen. Aber die Stücke passen wunderbar zusammen und laden einfach zum träumen ein. (Mal ne Frage nebenbei: wo ist eigentlich die Grenze zwischen Jazz und Klassischer Musik?)

Ich denke da schon länger drüber nach - vielleicht kann mich ja mal jemand schlau machen.

Besonderen Dank an unseren Sergejewich!! - Der hat mich darauf aufmerksam gemacht.

Walter
nikolaus (27.07.2006, 21:47):
Hey, das freut mich!! :leb

Wenn solche "Programm"-CDs gut gemacht sind, finde ich sie sehr spannend. Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang auch:

http://images.amazon.com/images/P/B0007CIGUW.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1116965573_.jpg

Gruß, Nikolaus.
ab (16.08.2006, 15:07):
Wer hat schon einmal etwas vom Schweizer Piansiten Igor Roma gehört?



hier und hier sind zwei unterschiedliche Bewertungen. Wer hat diese Aufnahme



oder ihn im Konzert gehört und sich ein eigenes Urteil gebildet?
ab (21.08.2006, 18:04):
Wer hat schon einmal etwas von einer Anna Stella Schic gehört? Sie soll wunderbar (bei EMI) Villa-Lobos gespielt haben.
Amadé (27.08.2006, 11:09):
Hallo AcomA,

danke, dass Du auf diesen Meister hingewiesen hast, ich möchte Deinen Artikel noch etwas erweitern.

Als 19jähriger gewann er 1978 in Brüssel den gefragten Königin-Elisabeth-Wettbewerb im Fach Klavier. Nun standen Ihm die Konzertsäle offen. El Bacha stürzte sich jedoch nicht sofort in den aufreibenden Konzertbetrieb, sondern zog es vor, behutsam ein Repertoire auf- und auszubauen und immer wieder an den Stücken u feilen. Diese Arbeit spürt man immer wieder in seinen Aufnahmen, z.B. in seiner ersten Platte mit früher Klaviermusik von Prokofieff (1981).
Es dauerte 3 Jahre, dann erschienen gleich 3 CDs: die beiden Ravel-Konzerte, abermals Prokofieff Violinsonaten mit Gaetane Prouvost) sowie 3 Klavierkonzerte von J.S.Bach.

1987 startete ein Großprojekt, die Aufnahme aller 32 Beethoven-Sonaten, es wurde 1996 abgeschlossen (9CDs). Beim Anhören der Sonaten spürt man, dass El Bacha nicht pflichtgemäß seinen Beitrag in Sachen Beethoven abliefert, sondern zu den einzelnen Werken etwas zu sagen hat. Die Interpretationen sind gereift und durchdacht, jedoch nicht grüblerisch vorgetragen.
Die CDs sind sowohl einzeln als auch zusammen in einer CD-Box erhältlich, Label Forlane, in Deutschland vertrieben durch Note1 (leider sind nicht alle CDs sofort greifbar, zu warten lohnt sich aber).

Nach den Beethoven-Sonaten folgten 3 bemerkenswerte Aufnahmen mit Klaviermusik von Schumann (2. und 3. Sonate, Waldszenen 1994), Ravel (Gaspard, Mimoirs, Tombeau 1995) und Schubert (die Sonaten a-moll D.784, G-dur D.894, 3 Klavierstücke D.946 1996).

Danach begann nochmals ein Großprojekt, die Einspielung sämtlicher Klavierwerke von Chopin in chronologischer Reihenfolge, also auch der unbekannten und fast nie gespielten. Die erste CD wurde 1997 vorgelegt, die letzte Vol.11 2001, eine Großtat in der Chopin-Diskographie! Vieles gefällt mir besser als in den Magaloff- oder Ashkenazy-Gesamteinspielungen. Ergänzend erschienen 1999 19 polnische Lieder mit Ewa Podles sowie das 2. Klavierkonzert, Krakowiak und Variationen op.2 (2002).

2005 erschienen dann die Rachmaninoff-Preludes sowie die 5 Prokofieff-Konzerte, hier begleiten das Monnaie Symphony Orchestra unter Leitung von Kazushi Ono. Letztere Aufnahme erschien beim kleinen, mir noch unbekannten Label Fugatto.

Abdel Rahman El Bacha ist auch als Komponist hervorgetreten.

Aufnahmen mit El BAcha sollten in keiner ersthaften Sammlung fehlen!

Gruß Amadé
Zelenka (27.08.2006, 12:14):
Original von Amadé

Danach begann nochmals ein Großprojekt, die Einspielung sämtlicher Klavierwerke von Chopin in chronologischer Reihenfolge, also auch der unbekannten und fast nie gespielten. Die erste CD wurde 1997 vorgelegt, die letzte Vol.11 2001, eine Großtat in der Chopin-Diskographie! Vieles gefällt mir besser als in den Magaloff- oder Ashkenazy-Gesamteinspielungen. Ergänzend erschienen 1999 19 polnische Lieder mit Ewa Podles sowie das 2. Klavierkonzert, Krakowiak und Variationen op.2 (2002).

2005 erschienen dann die Rachmaninoff-Preludes sowie die 5 Prokofieff-Konzerte, hier begleiten das Monnaie Symphony Orchestra unter Leitung von Kazushi Ono. Letztere Aufnahme erschien beim kleinen, mir noch unbekannten Label Fugatto.

Aufnahmen mit El Bacha sollten in keiner ersthaften Sammlung fehlen!

Gruß Amadé

Peinlich, aber wahr: El Bacha war mit Chopin in meiner Sammlung vertreten - bis ich die drei oder vier CDs mit ihm ausgesondert habe. Sein Chopin hat mir vor ein paar Jahren überhaupt nichts gesagt. Und im Moment scheint der Chopin-Zyklus vergriffen zu sein.

Gruß,

Zelenka
Cosima (27.08.2006, 23:28):
Original von Amadé
Nach den Beethoven-Sonaten folgten 3 bemerkenswerte Aufnahmen mit Klaviermusik von Schumann (2. und 3. Sonate, Waldszenen 1994)

Hallo Amadé,

um diese Schumann-CD schleiche ich auch schon eine Weile herum.

http://images.amazon.com/images/P/B000025H2A.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V1130958076_.jpg

Sollte sie irgendwann einmal zu einem vernünftigen Preis erhältlich sein, werde ich sie mir sicher zulegen.

Könntest Du sie nicht in einem der Schumann-Threads etwas genauer vorstellen? (Siamak besitzt sie auch nicht, so schrieb er an anderer Stelle.) Das wäre nicht nur interessant, sondern würde auch meine Vorfreude erhöhen. :)

Gruß, Cosima
Jeremias (29.08.2006, 11:55):
Ich habe lange mal die Ravel-CD mit El Bacha gesucht und bei Ebay dann gefunden. Die Verkäuferin wohnte etwa 3 Straßen von meinen Eltern entfernt :D

Zudem habe ich einige Ausgaben seiner Beethoven-CDs zu Hause, diese habe ich aber zu meiner eigenen Schande noch nicht gehört..... :ignore
ab (26.01.2007, 11:31):
Inzwischen habe ich von Kars dank eines anderen Forums folgedes erfahren:
Jean-Rodolphe Kars, Sohn einer emigrierten Wiener jüdischen Familie, ließ sich 1976 Taufen (als ca. 30-jähriger), trat einer Jesuiten-Gemeinschaft bei und ist seit 1986 katholischer Pfarrer. Dazu auch etwas hier.
ab (26.01.2007, 13:36):
Original von nikolaus
Wenn solche "Programm"-CDs gut gemacht sind, finde ich sie sehr spannend. Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang auch:

http://images.amazon.com/images/P/B0007CIGUW.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1116965573_.jpg

Gruß, Nikolaus.

Hallo Nikolaus,

findest Du dass dieses Konzeptalbum auch so Einheitlich wirkt und nichts seltsam herausfällt wie bei Lubimovs "Bote"?
Danke!
nikolaus (26.01.2007, 19:19):
Hallo ab,

nein, so einheitlich finde ich dieses Album nicht.

Aber es ist dennoch ganz geschickt aufgebaut.

Als eine Einheit kann man sicher die ersten Stücke begreifen:
- zwei Choräle von Bach
- J.Foulds: "gandharva-music" op. 49
- G.F.Händel: Chaconne in G-Dur HWV 435
- J.Foulds: "april-england" op. 48 no. 1

Danach könnte man
- L.v.Beethoven/F.Liszt: Allegretto aus der Sinfonie Nr. 7
- J.Corigliano: "fantasia on an ostinato"
als "Brücke" verstehen zu

- J.S.Bach: Toccata in c-moll BWV 911
- R.Schumann: Toccata in C-Dur op. 7
- S.Prokofiev: Toccata in d-moll op. 11,
die wieder eine Einheit bilden.

Die letzte Einheit bildet doch einen deutlichen Kontrast zur ersten.

Gruß, Nikolaus.
ab (26.01.2007, 20:47):
Original von nikolaus
Hallo ab,

nein, so einheitlich finde ich dieses Album nicht.
Die letzte Einheit bildet doch einen deutlichen Kontrast zur ersten.

Gruß, Nikolaus.

also doch kein Konzeptalbum als Ganzes. Kennst Du sonst irgend eines, das geglückt wäre? Afanassievs Extasies ist es ja leider auch nicht.
nikolaus (26.01.2007, 23:42):
ab,

kannst du mir bitte nochmal erklären, was du unter einem Konzeptalbum verstehst und welche Qualität du von einem guten erwartest?
Ich fürchte nämlich, daß ich dich nicht ganz verstanden habe.

Danke, Nikolaus.
ab (27.01.2007, 00:11):
Dazu im neuen threat.
Gamaheh (29.01.2007, 23:35):
Original von ab
Jean-Rodolphe Kars ist seit 1986 katholischer Pfarrer. .

Ein ähnliches Schicksal ereilte, wie ich kürzlich las, den französischen Pianisten Thierry de Brunhoff, einen Sohn des Vaters von Babar, dem kleinen Elefanten, dem Poulenc ein musikalisches Denkmal setzte (das ich leider noch nicht kenne). Hoffentlich greift das nicht um sich!

Grüße,
Gamaheh
ab (06.02.2007, 11:15):
Wer hörte schon einmal etwas von der Piansitin Mako Okamoto? Sie wird vor allem für Französisches Repertoir gerühmt, so las ich.

Wer kennt diese Aufnahme?
http://magazin.klassik.com/records/covers/8658_400x400.jpg
Gamaheh (21.02.2007, 20:14):
Liebe Forenser,

hat jemand von Euch schon mal von der Pianistin Joyce Hatto gehört? Ich bis heute auch nicht. Dann las ich folgende wundersame Geschichte, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Die im letzten Jahr mit 77 Jahren verstorbene englische Pianistin polnischer Herkunft war seit etwa dreißig Jahren, als sie an Krebs erkrankte und ein Kritiker bemerkte, daß sie schlecht aussehe, nicht mehr aufgetreten. Stattdessen hat sie im Aufnahmestudio ihres Gatten, das zu seiner Plattenfirma gehört, nicht weniger als 119 (!) CDs aufgenommen.

Im letzten Jahr wurde diese bis dato wenig bekannte Pianistin von Gramophone „entdeckt“ und erfreut sich seither des Rufes eines „Geheimtips“. Nun ist neuerdings ihre Urheberschaft dieser vielen Aufnahmen infrage gestellt worden.

Es fing damit an, daß einige Leute daran zweifelten, daß eine schwerkranke Frau soviele Aufnahmen machen konnte. Dann fand man es eigentümlich, daß beim Einschieben einer ihrer CDs in den PC der Spieler einen anderen Interpreten anzeigte. (Das würde mich übrigens nicht stutzig machen, da man dort ja eingeben kann, was man will, und das wird dann in einer Datenbank irgendwo im Schwarzen Loch des WWW abgelegt.)

Ein Redakteur von Gramophone wollte es jedoch genauer wissen und beauftragte einen Audio-Betrieb damit, die Aufnahme, die von J. Hatto stammen sollte, mit der des Pianisten zu vergleichen, dessen Name erschien. Der Techniker nun meint aufgrund von Klangwellenverläufen im Spektrogramm sicher sagen zu können, daß die Hatto-Aufnahmen identisch sind mit bei anderen Plattenfirmen erschienenen Aufnahmen anderer Pianisten (Lászlo Simon, Carlo Grante, Yefim Bronfman, Nojima und – letzte Meldung – Marc-André Hamelin). Teilweise sollen diese Aufnahmen, z.B. durch Strecken, manipuliert worden sein, aber man kann diese Manipulationen rückgängig machen.

Ein Krimi oder ein großangelegter Werbe-Gag? Nachzulesen bei Gramophone und Pristine Audio (dort kann man sich auch die Aufnahmen vergleichend anhören, wenn man eine funktionierende Soundkarte hat).

Was können wir eigentlich überhaupt noch glauben? Nach manipulierten Bildern in den Nachrichten (von manipulierten Nachrichten ganz zu schweigen) nun auch noch manipulierte Musik in einem Sinne, in dem wir es uns nicht haben träumen lassen. Sicherlich ein Argument für den Konzertbesuch!

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (28.02.2007, 21:51):
Liebe Forenser,

inzwischen hat sich alles aufgeklärt: Joyce Hattos Gatte hat "gestanden":

"I did it for my wife"

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (25.10.2008, 22:26):
Liebe Forenser,

hat irgend jemand von Euch schon mal von einem Pianisten namens Peter Arne Rohde gehört ?

Ich habe neulich eine mich sehr ansprechende CD zu kleinem Preis gekauft, auf der er Mendelssohns Lieder ohne Worte spielt - hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Ich kann rein gar nichts über ihn finden (was sehr selten ist), und die CD hatte auch kein Beiheft ...

Dankbar für jeden Hinweis,
Gamaheh
Jeremias (10.02.2012, 20:48):
Wer von Euch kennt Jorge Luis Prats?

Immerhin gewann der Kubaner 1977 den Marguerite Long-Jacques Thibaud Wettbewerb in Paris! Anschließend musste er sich entscheiden: Seine Familie auf Kuba zurücklassen um Karriere zu machen oder sich für die Familie aussprechen. Er tat letzteres und legte nun seine Debut CD mit Mitte 50 bei Decca vor:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947827320.jpg

Sucht ihn mal bey Youtube, es gibt eine fantastische Aufnahme des Präludium/Fuge Bach/Liszt BWV 543, an der ich mich bei meiner Vorbereitung für Paris orientiert habe.... ich hoffe er wird noch mehr CDs veröffentlichen!
Rachmaninov (10.02.2012, 21:34):
Es gibt doch eine aufnahme bei regis mit den rachmaninov Konzerten 2&3 mit ihm
abendroth (21.07.2012, 19:44):
Ein kleiner Nachtrag zu dem am 20 März 2006 erwähnten Andrei Nikolsky. Auf der website des Königin Elisabeth Wettbewerbs kann man ihn im Kopfsatz des 3. Rachmaninowkonzertes hören (im Finale des Wettbewerbs). Diese Aufnahme ist auch auf CD erschienen (nämlich in der Reihe mit den Preisträgern des Wettbewerbs).
freundliche Grüsse
abendroth
abendroth (21.07.2012, 19:46):
http://www.koningin-elisabethwedstrijd.be/4DCGI/cgi?usr=88hc4gygw2&lg=nl&pag=1620&tab=146&rec=0&frm=0&id=3794&flux=50150221

...und hier der im Beitrag vergessene link.