Wie werde ich ein Superstar der Klassik?

andreas (04.08.2006, 14:49):
Hallo Leute,

ich bin dabei eine Erfolgsformel zu entwickeln, mit dem man ein Superstar der Klassik wird.

man muss folgendes sein:
- jung
- gutaussehend
- darf pathische gesten nicht verabscheuen (lang Lang)
- muss sich gerne zeigen in der Öffentlichkeit
- darf keine eigene Meinung haben
- sollte aus Billiglohnländern stammen
- sollte technisch aber nur technisch brilliant sein
ich glaube dass menschen, die alle oder viele kriterien erfüllen, durchaus ein echter Superstar werden können!!!

nur leider können Pianisten wie Korstick, der mit 43 Jahren die erste CD aufgenommen haben, keine grossen Stars werden können, weil sie alt und eigenwillig sind. das ist das Drama unserer Zeit.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
satie (04.08.2006, 16:13):
Horowitz war der Meinung, dass man eines von zwei Kriterien erfüllen muss: entweder a) schwul sein oder b) Jude. Gut, wenn man wie er beides erfüllte...

Satie
Engelbert (04.08.2006, 16:54):
Andreas, ein ganz wichtiges Kriterium hast Du vergessen, das ist der Künstlername.

Der Violinist Ulf Hölscher hat sich seinerzeit über zu wenig Zuspruch beklagt und meinte zur Presse: Ulf Hölscher klingt nicht gut, man sollte
Ullack Hölschmann heißen. (Anspielung auf Itzhak Perlmann)

Eine Mezzosopranistin aus München hieß Helga Müller und hatte keinen
Erfolg. Dann ging sie nach Italien, heiratete Herrn Molinari und hat dann unter dem Namen Helga Müller-Molinari in der Rossini-Oper "Aureliano in Palmira" einen ganz hinreißenden Arsace gesungen. Die Federbuschhaube hat sie sich dazu von Marilyn Horne ausgeliehen. Als
Helga Müller wäre ihr der Erfolg nie gelungen. Also Name ist Schall und nicht Rauch.

Was Jugend und Schönheit abbelangt. Jane Eaglen und Sharon Sweat
sind inzwischen so übergewichtig, dass sie mit einem Kran auf die Bühne gehieft werden müssen. Beide sind Superstars.

Wie viele Musiker sind jung und gutaussehend und kriegen die Kurve nicht.

:engel
Rachmaninov (05.08.2006, 13:29):
Original von andreas

nur leider können Pianisten wie Korstick, der mit 43 Jahren die erste CD aufgenommen haben, keine grossen Stars werden können, weil sie alt und eigenwillig sind. das ist das Drama unserer Zeit.


Mal abgesehen davon, daß ggf. die o.g. Kriterien (teilweise) eine Rolle spielen könnten hat der "Fall Korstik" völlig andere Gründe!

Auf G. Sokolov trifft KEINS der genannten Kriterien zu und er ist das was Du einen Superstar nennen würdest!
andreas (05.08.2006, 17:35):
Ich stimme dir zu, dass Sokolov ein Superstar der Klassik ist. Nur stellt er meiner Ansicht nach eine Ausnahme dar und Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel :J. Ich denke durchaus, dass es noch mehr Beispiele für solche Karrieren gibt: zum Beispiel A.Brendel , der erst spät seinen ersten Vertrag bei einem Majorlabel unterschrieb und sich dann seinen Weltruhm erarbeitete. So muss es meiner Ansicht nach sein: das ist mein Ideal; Jugendwahn und die Austilgung von "schwierigen" künstlern aus dem Konzertbetrieb sind abzulehnen. Nur ist das die Regel heute.
Rachmaninov (07.08.2006, 07:57):
@Andreas,

nochmal ein paar Anmerkungen zu Deiner "Liste"

Original von andreas
man muss folgendes sein:
- jung


Was sollte man denn sonst sein wenn man eine Karriere starten will?


- gutaussehend


Da gibt es zwar Beispiele für aber auch entsprechende Gegenbesipiele!
Siehe Dir mal Y. Sudbin an! Der ist sicherlich kein angehender Star wegen irgendwelcher Äußerlichkeiten!


- muss sich gerne zeigen in der Öffentlichkeit


Das ist eine Eigenschaft, die jeder Künstler besitzen MUSS wenn er öffentlich auftreten will!


- sollte aus Billiglohnländern stammen


Totaler Unsinn! Sie werden nicht Star weil sie "billig" sind und so naiv für wenig Geld zu arbeiten, sondern weil meist in ihren Heimatländern (siehe Russland) eine musikalische Ausbildung gepflegt wird deren Standard so hoch ist, daß z.B. viele Westeuropäische "Stars" dort die Eingangsprüfung zum Konservatorium wohl nicht geschafft hätten!


- sollte technisch aber nur technisch brilliant sein


Völlig falsch!
Du solltest einmal etwas über Herrn Bashkirov und anderen Pädagogen lesen und worauf sie achten!
satie (07.08.2006, 09:16):
Original von Rachmaninov

Da gibt es zwar Beispiele für aber auch entsprechende Gegenbesipiele!
Siehe Dir mal Y. Sudbin an! Der ist sicherlich kein angehender Star wegen irgendwelcher Äußerlichkeiten!



??
Also wenn Du den Pianisten meinst, der ist ein schmuckes Kerlchen... zumindest auf den Fotos, die ich kenne. Gibt es noch einen anderen?


Satie
Rachmaninov (07.08.2006, 09:24):
Original von Satie
Original von Rachmaninov

Da gibt es zwar Beispiele für aber auch entsprechende Gegenbesipiele!
Siehe Dir mal Y. Sudbin an! Der ist sicherlich kein angehender Star wegen irgendwelcher Äußerlichkeiten!



??
Also wenn Du den Pianisten meinst, der ist ein schmuckes Kerlchen... zumindest auf den Fotos, die ich kenne. Gibt es noch einen anderen?


Satie

Genau! Den Pianisten meine ich!
andreas (07.08.2006, 13:27):
@ Rachmaninov


(eine Frage: wie zitiert man eigentlich korrekt?)
du hast geschrieben:


- muss sich gerne zeigen in der Öffentlichkeit



Das ist eine Eigenschaft, die jeder Künstler besitzen MUSS wenn er öffentlich auftreten will!

da wage ich einmal zu wiedersprechen:

es gab in der Vergangenheit durchaus grosse Pianisten, die sehr publikumsscheu waren:
Künstler, die nicht gerne vor vielen Menschen auftraten und sogar zum teil Angst vor Menschen hatten:
wie: Edwin Fischer
Glenn Gould
John Ogdon...

In der Vergangenheit verzieh man ihnen die "Schwäche" und verehrt sie sogar als Künstler: denn auf die künstlerischen Fähigkeiten kommt es an, nicht darauf, dass das einfältige Publikum sich amüsiert; heute könnte ich kein Beispiel eines solchen Künstlers nennen: man muss heute Entertainerqualitäten besitzen wie ein lang Lang...

Gruß Andreas
andreas (07.08.2006, 13:38):
nebenbei sei noch erwähnt, dass allgemeine Gesetze niemals die ganze Wirklichkeit beschreiben können, es gibt nämlich immer Abweichungen und Ausnahmen (z.B ist eine Karriere wie die G. Goulds völlig ungewöhnlich, Rückzug und Schrulligkeit waren immer nicht gern gesehen)

trotzdem glaube ich, dass das Gesetz gut beschreibt, wer heute für einige Jahre (viele sind ja Strohfeuer) oder länger als grosser Star gefeiert wird, natürlich nur mit einer hohen Wahrscheinlichkeit
Jeremias (07.08.2006, 21:30):
Ist ja interessant....wenn es nun auch Ausnahmen gibt, was Du ja nicht bestreitest, dann gibt es eine "Patentlösung" auf deine Frage nun auch gar nicht. Man kann nicht einfach ein x-beliebiges Schema erstellen, unter welches man dann jeden einzelnen Künstler subsumieren kann und dann feststellt, er ist ein Superstar, weil er 100 Konzert zu 50.000 $ im Jahr gibt, er ist keiner, weil er nur 50 zu 5.000 $ im Jahr gibt. Objektiv gesehen ist es nunmal auch so, dass die Werbekampagne um einzelne Künstler, Medienpräsenz usw. sehr stark dazu beiträgt, einen Künstler zum Superstar werden zu lassen. Lang Lang ist das beste Beispiel, er ist gefeiert, er verdient Millionen, er ist fast jede Woche oder noch öfter irgendwo zu sehen usw. Aus meiner Sicht ist er aber kein superstar, da mir persönlich subjektiv bei ihm einiges fehlt. dafür gibt es andere Pianisten, wie z.B. ein Evgeny Koroliov, der zwar im täglichen Musikleben quasi nie erscheint, der mit seinen Einspielungen und Interpretationen aber mehr zur entwicklung der Musik beiträgt als ein Lang Lang oder ein Brendel.
Rachmaninov (08.08.2006, 10:39):
Original von Jeremias
dafür gibt es andere Pianisten, wie z.B. ein Evgeny Koroliov, der zwar im täglichen Musikleben quasi nie erscheint, der mit seinen Einspielungen und Interpretationen aber mehr zur entwicklung der Musik beiträgt als ein Lang Lang oder ein Brendel.

@Jeremias,

ein sehr gute Kommentar!
Wobei auch zu bedenken ist, daß es ja jedem selber überlassen ist ob er sich einen durch eine Marketing Maschine "aufgedrängten" Star überhaupt "aufdrängen" läßt oder ob er mit eigenem Verstand, Gehör und Empfinden sich eine Meinung bildet.

So hat Lang Lang für mich die mit ABSTAND schlechteste Oaganini Variation eingespielt, die ich jemals hörte.

So habe ich z.B. die Sudbin Scarlatti Aufnahme bestellt als ich von ihm noch nie etwas gelsen hatte und die erste Aufnahme von Julia Fischer kaufte ich nur weil ich sie vom Repertoi gut fand und mich (wie auch bei Sudbin) immer wieder gerne verleiten lasse junge Künstler zu hören.

Wenn ich meine sie sind "unbegabt" oder ihr Spiel gefällt mir nicht dann ignoriere ich sie.
Aber zuvor habe ich mir zumindestens mit einer Aufnahme eine Meinung gebildet! So wie bei Lang Lang. Wobei ich dort allerdings mehr als eine gehört habe. Das grausige Mendelssohn Konzert hatte ich acuh gehört! :ignore
AcomA (08.08.2006, 14:12):
lieber Andreas,

ich kann mit deiner formel nicht allzuviel anfangen. zum einen beinhaltet sie sog. binsenweisheiten, zum anderen nicht haltbare thesen.

grundsätzlich sollte man den 'superstar' definieren. deutschland sucht den superstar, z.b.. ich verstehe darin einen künstler, der einem großteil der bevölkerung namentlich bekannt ist, jemand, der ein breites medieninteresse erweckt, der auch mal in 'das goldene blatt' u.a. erwähnt wird. paparazzi interessieren sich für ihn. das ist ein superstar. von daher gehören nicht dazu (IMO): sokolov, sviatoslav richter, frank peter zimmermann, gerhard oppitz, boris berezovsky.

ich würde z.b. folgende dazu zählen: herbert v. karajan, luciano pavarotti, placido domingo, vladimir horowitz, anne-sophie mutter, leonard bernstein, ivo pogorelich, lang lang, nigel kennedy, itzhak perlman.

jetzt kann man sich überlegen, wie sie zu superstars wurden, warum sie es wurden.

gruß, siamak :)
Janina (14.08.2006, 22:03):
Ich denke auch, man sollte in Lang Lang nicht sofort irgendeinen allgemeinen Superstar-Trend in der klassischen Musik reininterpretieren. Sicherlich müssen die Künstler mit der Zeit immer Medienwirksamer werden und ich finde, dagegen ist auch nichts einzuwenden. Was an lang Lang stört, ist ja, dass sie ihn nicht gut finden und das kann ja wohl kaum ein Superstar-Kriterium sein, auch wenn du das etwas hitzig angedeutet hast. Ich bezweifel auch, dass er überhaupt ein Superstar ist: Die allgemeine Meinung bei Klassikkennern ist doch eher negativ. Das mit dem "einfältigen Publikum" klingt übrigens nicht besonders gut...
Rachmaninov (16.08.2006, 12:30):
Original von Janina
Sicherlich müssen die Künstler mit der Zeit immer Medienwirksamer werden und ich finde, dagegen ist auch nichts einzuwenden.

Letztendlich gilt dies aber auch schon seit Jahrhunderten im "Schausteller"gewerbe! Wer einem Publikum etwas präsentieren möchte benötigt ersteinaml seien Aufmerksamkeit.
andreas (04.08.2006, 14:49):
Hallo Leute,

ich bin dabei eine Erfolgsformel zu entwickeln, mit dem man ein Superstar der Klassik wird.

man muss folgendes sein:
- jung
- gutaussehend
- darf pathische gesten nicht verabscheuen (lang Lang)
- muss sich gerne zeigen in der Öffentlichkeit
- darf keine eigene Meinung haben
- sollte aus Billiglohnländern stammen
- sollte technisch aber nur technisch brilliant sein
ich glaube dass menschen, die alle oder viele kriterien erfüllen, durchaus ein echter Superstar werden können!!!

nur leider können Pianisten wie Korstick, der mit 43 Jahren die erste CD aufgenommen haben, keine grossen Stars werden können, weil sie alt und eigenwillig sind. das ist das Drama unserer Zeit.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
satie (04.08.2006, 16:13):
Horowitz war der Meinung, dass man eines von zwei Kriterien erfüllen muss: entweder a) schwul sein oder b) Jude. Gut, wenn man wie er beides erfüllte...

Satie
Engelbert (04.08.2006, 16:54):
Andreas, ein ganz wichtiges Kriterium hast Du vergessen, das ist der Künstlername.

Der Violinist Ulf Hölscher hat sich seinerzeit über zu wenig Zuspruch beklagt und meinte zur Presse: Ulf Hölscher klingt nicht gut, man sollte
Ullack Hölschmann heißen. (Anspielung auf Itzhak Perlmann)

Eine Mezzosopranistin aus München hieß Helga Müller und hatte keinen
Erfolg. Dann ging sie nach Italien, heiratete Herrn Molinari und hat dann unter dem Namen Helga Müller-Molinari in der Rossini-Oper "Aureliano in Palmira" einen ganz hinreißenden Arsace gesungen. Die Federbuschhaube hat sie sich dazu von Marilyn Horne ausgeliehen. Als
Helga Müller wäre ihr der Erfolg nie gelungen. Also Name ist Schall und nicht Rauch.

Was Jugend und Schönheit abbelangt. Jane Eaglen und Sharon Sweat
sind inzwischen so übergewichtig, dass sie mit einem Kran auf die Bühne gehieft werden müssen. Beide sind Superstars.

Wie viele Musiker sind jung und gutaussehend und kriegen die Kurve nicht.

:engel
Rachmaninov (05.08.2006, 13:29):
Original von andreas

nur leider können Pianisten wie Korstick, der mit 43 Jahren die erste CD aufgenommen haben, keine grossen Stars werden können, weil sie alt und eigenwillig sind. das ist das Drama unserer Zeit.


Mal abgesehen davon, daß ggf. die o.g. Kriterien (teilweise) eine Rolle spielen könnten hat der "Fall Korstik" völlig andere Gründe!

Auf G. Sokolov trifft KEINS der genannten Kriterien zu und er ist das was Du einen Superstar nennen würdest!
andreas (05.08.2006, 17:35):
Ich stimme dir zu, dass Sokolov ein Superstar der Klassik ist. Nur stellt er meiner Ansicht nach eine Ausnahme dar und Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel :J. Ich denke durchaus, dass es noch mehr Beispiele für solche Karrieren gibt: zum Beispiel A.Brendel , der erst spät seinen ersten Vertrag bei einem Majorlabel unterschrieb und sich dann seinen Weltruhm erarbeitete. So muss es meiner Ansicht nach sein: das ist mein Ideal; Jugendwahn und die Austilgung von "schwierigen" künstlern aus dem Konzertbetrieb sind abzulehnen. Nur ist das die Regel heute.
Rachmaninov (07.08.2006, 07:57):
@Andreas,

nochmal ein paar Anmerkungen zu Deiner "Liste"

Original von andreas
man muss folgendes sein:
- jung


Was sollte man denn sonst sein wenn man eine Karriere starten will?


- gutaussehend


Da gibt es zwar Beispiele für aber auch entsprechende Gegenbesipiele!
Siehe Dir mal Y. Sudbin an! Der ist sicherlich kein angehender Star wegen irgendwelcher Äußerlichkeiten!


- muss sich gerne zeigen in der Öffentlichkeit


Das ist eine Eigenschaft, die jeder Künstler besitzen MUSS wenn er öffentlich auftreten will!


- sollte aus Billiglohnländern stammen


Totaler Unsinn! Sie werden nicht Star weil sie "billig" sind und so naiv für wenig Geld zu arbeiten, sondern weil meist in ihren Heimatländern (siehe Russland) eine musikalische Ausbildung gepflegt wird deren Standard so hoch ist, daß z.B. viele Westeuropäische "Stars" dort die Eingangsprüfung zum Konservatorium wohl nicht geschafft hätten!


- sollte technisch aber nur technisch brilliant sein


Völlig falsch!
Du solltest einmal etwas über Herrn Bashkirov und anderen Pädagogen lesen und worauf sie achten!
satie (07.08.2006, 09:16):
Original von Rachmaninov

Da gibt es zwar Beispiele für aber auch entsprechende Gegenbesipiele!
Siehe Dir mal Y. Sudbin an! Der ist sicherlich kein angehender Star wegen irgendwelcher Äußerlichkeiten!



??
Also wenn Du den Pianisten meinst, der ist ein schmuckes Kerlchen... zumindest auf den Fotos, die ich kenne. Gibt es noch einen anderen?


Satie
Rachmaninov (07.08.2006, 09:24):
Original von Satie
Original von Rachmaninov

Da gibt es zwar Beispiele für aber auch entsprechende Gegenbesipiele!
Siehe Dir mal Y. Sudbin an! Der ist sicherlich kein angehender Star wegen irgendwelcher Äußerlichkeiten!



??
Also wenn Du den Pianisten meinst, der ist ein schmuckes Kerlchen... zumindest auf den Fotos, die ich kenne. Gibt es noch einen anderen?


Satie

Genau! Den Pianisten meine ich!
andreas (07.08.2006, 13:27):
@ Rachmaninov


(eine Frage: wie zitiert man eigentlich korrekt?)
du hast geschrieben:


- muss sich gerne zeigen in der Öffentlichkeit



Das ist eine Eigenschaft, die jeder Künstler besitzen MUSS wenn er öffentlich auftreten will!

da wage ich einmal zu wiedersprechen:

es gab in der Vergangenheit durchaus grosse Pianisten, die sehr publikumsscheu waren:
Künstler, die nicht gerne vor vielen Menschen auftraten und sogar zum teil Angst vor Menschen hatten:
wie: Edwin Fischer
Glenn Gould
John Ogdon...

In der Vergangenheit verzieh man ihnen die "Schwäche" und verehrt sie sogar als Künstler: denn auf die künstlerischen Fähigkeiten kommt es an, nicht darauf, dass das einfältige Publikum sich amüsiert; heute könnte ich kein Beispiel eines solchen Künstlers nennen: man muss heute Entertainerqualitäten besitzen wie ein lang Lang...

Gruß Andreas
andreas (07.08.2006, 13:38):
nebenbei sei noch erwähnt, dass allgemeine Gesetze niemals die ganze Wirklichkeit beschreiben können, es gibt nämlich immer Abweichungen und Ausnahmen (z.B ist eine Karriere wie die G. Goulds völlig ungewöhnlich, Rückzug und Schrulligkeit waren immer nicht gern gesehen)

trotzdem glaube ich, dass das Gesetz gut beschreibt, wer heute für einige Jahre (viele sind ja Strohfeuer) oder länger als grosser Star gefeiert wird, natürlich nur mit einer hohen Wahrscheinlichkeit
Jeremias (07.08.2006, 21:30):
Ist ja interessant....wenn es nun auch Ausnahmen gibt, was Du ja nicht bestreitest, dann gibt es eine "Patentlösung" auf deine Frage nun auch gar nicht. Man kann nicht einfach ein x-beliebiges Schema erstellen, unter welches man dann jeden einzelnen Künstler subsumieren kann und dann feststellt, er ist ein Superstar, weil er 100 Konzert zu 50.000 $ im Jahr gibt, er ist keiner, weil er nur 50 zu 5.000 $ im Jahr gibt. Objektiv gesehen ist es nunmal auch so, dass die Werbekampagne um einzelne Künstler, Medienpräsenz usw. sehr stark dazu beiträgt, einen Künstler zum Superstar werden zu lassen. Lang Lang ist das beste Beispiel, er ist gefeiert, er verdient Millionen, er ist fast jede Woche oder noch öfter irgendwo zu sehen usw. Aus meiner Sicht ist er aber kein superstar, da mir persönlich subjektiv bei ihm einiges fehlt. dafür gibt es andere Pianisten, wie z.B. ein Evgeny Koroliov, der zwar im täglichen Musikleben quasi nie erscheint, der mit seinen Einspielungen und Interpretationen aber mehr zur entwicklung der Musik beiträgt als ein Lang Lang oder ein Brendel.
Rachmaninov (08.08.2006, 10:39):
Original von Jeremias
dafür gibt es andere Pianisten, wie z.B. ein Evgeny Koroliov, der zwar im täglichen Musikleben quasi nie erscheint, der mit seinen Einspielungen und Interpretationen aber mehr zur entwicklung der Musik beiträgt als ein Lang Lang oder ein Brendel.

@Jeremias,

ein sehr gute Kommentar!
Wobei auch zu bedenken ist, daß es ja jedem selber überlassen ist ob er sich einen durch eine Marketing Maschine "aufgedrängten" Star überhaupt "aufdrängen" läßt oder ob er mit eigenem Verstand, Gehör und Empfinden sich eine Meinung bildet.

So hat Lang Lang für mich die mit ABSTAND schlechteste Oaganini Variation eingespielt, die ich jemals hörte.

So habe ich z.B. die Sudbin Scarlatti Aufnahme bestellt als ich von ihm noch nie etwas gelsen hatte und die erste Aufnahme von Julia Fischer kaufte ich nur weil ich sie vom Repertoi gut fand und mich (wie auch bei Sudbin) immer wieder gerne verleiten lasse junge Künstler zu hören.

Wenn ich meine sie sind "unbegabt" oder ihr Spiel gefällt mir nicht dann ignoriere ich sie.
Aber zuvor habe ich mir zumindestens mit einer Aufnahme eine Meinung gebildet! So wie bei Lang Lang. Wobei ich dort allerdings mehr als eine gehört habe. Das grausige Mendelssohn Konzert hatte ich acuh gehört! :ignore
AcomA (08.08.2006, 14:12):
lieber Andreas,

ich kann mit deiner formel nicht allzuviel anfangen. zum einen beinhaltet sie sog. binsenweisheiten, zum anderen nicht haltbare thesen.

grundsätzlich sollte man den 'superstar' definieren. deutschland sucht den superstar, z.b.. ich verstehe darin einen künstler, der einem großteil der bevölkerung namentlich bekannt ist, jemand, der ein breites medieninteresse erweckt, der auch mal in 'das goldene blatt' u.a. erwähnt wird. paparazzi interessieren sich für ihn. das ist ein superstar. von daher gehören nicht dazu (IMO): sokolov, sviatoslav richter, frank peter zimmermann, gerhard oppitz, boris berezovsky.

ich würde z.b. folgende dazu zählen: herbert v. karajan, luciano pavarotti, placido domingo, vladimir horowitz, anne-sophie mutter, leonard bernstein, ivo pogorelich, lang lang, nigel kennedy, itzhak perlman.

jetzt kann man sich überlegen, wie sie zu superstars wurden, warum sie es wurden.

gruß, siamak :)
Janina (14.08.2006, 22:03):
Ich denke auch, man sollte in Lang Lang nicht sofort irgendeinen allgemeinen Superstar-Trend in der klassischen Musik reininterpretieren. Sicherlich müssen die Künstler mit der Zeit immer Medienwirksamer werden und ich finde, dagegen ist auch nichts einzuwenden. Was an lang Lang stört, ist ja, dass sie ihn nicht gut finden und das kann ja wohl kaum ein Superstar-Kriterium sein, auch wenn du das etwas hitzig angedeutet hast. Ich bezweifel auch, dass er überhaupt ein Superstar ist: Die allgemeine Meinung bei Klassikkennern ist doch eher negativ. Das mit dem "einfältigen Publikum" klingt übrigens nicht besonders gut...
Rachmaninov (16.08.2006, 12:30):
Original von Janina
Sicherlich müssen die Künstler mit der Zeit immer Medienwirksamer werden und ich finde, dagegen ist auch nichts einzuwenden.

Letztendlich gilt dies aber auch schon seit Jahrhunderten im "Schausteller"gewerbe! Wer einem Publikum etwas präsentieren möchte benötigt ersteinaml seien Aufmerksamkeit.