Rolf Scheiwiller (27.03.2006, 13:37): Gibt es unter Euch Musiklhörer auch den einen oder andern, welcher von sich selber sagen muss, ja stimmt, den oder den hab ich wirklich noch nie gehört.
Genau so geht es mir selber mit diesem Wilhelm Furtwängler! Ich höre immer nur von seinen überragenden Leistungen in Oper und Konzert. Und insbesondere natürlich von seinen LP-Einspielungen. Noch nie habe ich eine Langspielplatte oder eine CD von ihm besessen!
Oder andere Grosse oder weniger Grosse des Taktstocks ?
Warum faszinieren uns manche mehr als andere?
Eure Ansichten interessieren mich .
Gruss. Rolf.
Telramund (27.03.2006, 16:25): Hallo Rolf, mir geht es ähnlich wie Dir. Furtwängler ist mir weitgehend unbekannt, wie Toscanini zum Beispiel auch.
Der Grund dafür ist simpel: Ich mag keine Mono-Aufnahmen. Ich weiß, daß ich mich damit reduziere und daß ich mir so sicherlich sehr viele interessante Aufnahmen entgehen lassen, aber Musikgenuß hat für mich auch etwas mit Akustik und Stereophonie zu tun.
Cosima (27.03.2006, 18:42): Original von Rolf Scheiwiller Genau so geht es mir selber mit diesem Wilhelm Furtwängler! Ich höre immer nur von seinen überragenden Leistungen in Oper und Konzert. Und insbesondere natürlich von seinen LP-Einspielungen.
Hallo Rolf,
mir ging es genau wie Dir: An dem Namen Furtwängler kommt zwar nicht vorbei, aber Aufnahmen kannte ich lange Zeit auch keine. Bei mir war es weniger die Scheu vor Mono, sondern eher meine Vorstellung, in der ich Furtwängler mit irgendwie hausbackenen Interpretationen in Verbindung brachte. Das änderte sich schlagartig, als ich durch einen freundlichen Menschen auf diese Aufnahme der 9. von Schubert aufmerksam gemacht wurde:
Die CD ist ja nicht teuer, die Klangqualität gar nicht übel – es lohnt sich wirklich, sie einmal anzuhören. Seitdem bin ich ein ziemlicher Furtwängler-Fan geworden, habe auch einiges von und über ihn gelesen. Mir dann auch den gelungenen Film „Taking sides“ angeschaut, der ein wenig die schwierige Situation Furtwänglers zu beleuchten versucht. Er war schon eine faszinierende Persönlichkeit.
Gruß, Cosima
martin (11.04.2006, 21:42): Was man doch einmal erwähnen sollte, ist, daß man Furtwängler inzwischen von den entsprechenden Billiglabeln (TIM vor allem) und in den entsprechenden Läden ( Wohlthat, möglicherweise auch 2001) wirklich nachgeschmissen bekommt.
So kam auch ich in den Besitz einer billigen Furtwänglerbox ( 10 Euro für 10 CDs) und einiges hat mir gut gefallen, vor allem Bruckners 9. aber auch die Francksinfonie und Brahms 2. Klavierkonzert. Der Klang ist natürlich unterirdisch.
Man muß dazu sagen: Erstens erlischt bei einer Aufnahme in Europa nach 50 Jahren das Copyright ( in den USA ist das anders!). Zweitens: Diese billigen CDs werden allerdings von alten Schellackplatten abgekupftert, allerdings sind die entsprechenden Tonbänder nach dieser Zeit ohnehin nicht mehr brauchbar.
Noch besser gefallen mir allerdings die Beethovenklaviersonaten mit Schnabel. Toll! Und bei Klavier und auch Gesang spielt der Klangverlust m.E. eine geringere Rolle als beim Orchester. Der Schnabel ist auch ganz billig.
Gruß Martin
Orfeo (11.04.2006, 22:56): Hallo,
die oben erwähnte 9te Schubert halte ich auch für eine herrausragende Aufnahme. Auf gleichem Level schätze ich seine 4. Schumann (DGG), seine Aufnahme von Richard Strauss "Metamorphosen", seine 9te Beethoven die 1951 während der Bayreuther Festspiele aufgezeichnet wurde !!!, das Beethoven Konzert mit Edwin Fischer und seine EMI Studio Einspielung des "Fidelio".
Völlig fremd bleibt mir sein Brahms.
Jascha Horenstein (11.04.2006, 23:49): Diese Liste möchte ich noch um seine Einspielung des Ringes ergänzen.
Ganong (12.04.2006, 16:42): Lieber Orfeo , mit Beethovens 9ter , seinem "Fidelio" und der 4ten von Schumann gehe ich d'accord . Sein Brahms hat eine ganz seltsame hochpathetische Schwere , und seine tschaikowsky - "Pathétique" sollte man hören , wenn man wisssen will , warum Giulini , Mraviny´sky oder Markevitch wie Karajan d i e Tschaikowsky - Dirigenten sind . Überhaupt scheint mir meine seit Jahren stehende Frage nicht beantwortbar : Warum scheinen sich Brahms u n d Tschaikowsky eher auszuschliessen ? Viele Grüsse , Frank
Ganong (12.04.2006, 16:44): Lieber Jascha Horenstein , wie bist Duauf den Gedanken mit dem Bild von Alexis Weissenberg gekommen ??? ich denke , dass er sich mit Furtwängler nicht verstandne hätte . Was Alexis Weissenberg ehrt ! Grüsse , Frank
martin (12.04.2006, 20:36): Original von Jascha Horenstein Diese Liste möchte ich noch um seine Einspielung des Ringes ergänzen.
Ja, aber ich glaube es gibt da sogar drei Einspielungen des Rings unter Furtwängler. Einer dieser "Ringe" war vor kurzem sehr billig bei zweitausendeins zu haben, nämlich der von der Mailänder Scala. Das soll aber nicht der beste sein. Ich spielte mit dem Gedanken, ihn mir zuzulegen, aber ich habe mich bis jetzt noch nicht mal vernünftig meinen Neuholdring durchgehört.
Gruß Martin
Orfeo (12.04.2006, 21:40): Klanglich ist wohl die 1953er Aufnahme die Beste. Dr. Furtwängler selbst sorgte dafür, dass niemand im Publikum erkältet ist damit eine hustfreie Aufführung möglich ist.
Cosima (24.06.2006, 14:24): Wer sich Furtwängler nähern möchte, sollte dies auch unbedingt über sein fantastisches Buch „Gespräche über Musik“ versuchen:
Erstes Gespräch: Wirkung des Musikkunstwerks auf das Publikum Zweites Gespräch: Verschiedenartige Schwierigkeiten der musikalischen Darbietung Drittes Gespräch: Das Dramatische in den Kompositionen Beethovens Viertes Gespräch: Über Beethovens 9. Sinfonie Fünftes Gespräch: Das Kreative in der Interpretation Sechstes Gespräch: Komponist und Gesellschaft Siebentes Gespräch: Essay über tonale und atonale Musik
Mich hat dieses Buch so sehr begeistert, dass ich mir noch die anderen Bücher
„Aufzeichnungen 1924-1954“ (nach Furtwänglers Notizen und Tagebuchaufzeichnungen; Hrsg.: Elisabeth Furtwängler und Günter Birkner)
und: „Über Wilhelm Furtwängler“ (von E. Furtwängler)
zugelegt habe. Sie reichen aber nicht an das erstgenannte Werk heran!
Unbedingt lesen! :down
Gruß, Cosima
Zelenka (25.06.2006, 13:05): Von Herbert Haffners Furtwängler-Biographie, die vor ein paar Jahren erschienen ist und jetzt offenbar wenigstens etwas billiger geworden ist (EUR 24), muß leider eher abgeraten werden. Der einzige Rezensent auf der amazon.de-Seite vergibt fünf Sterne - meiner Meinung nach drei Sterne zuviel.
Das Buch ist sicher sehr detailliert, was die äußeren Lebensumstände Furtwänglers angeht, aber der Autor kann uns leider nicht im geringsten sagen, was denn den Dirigenten (und Komponisten) musikalisch so einzigartig und unverwechselbar gemacht hat. Schade!
Gruß,
Zelenka
ab (02.08.2006, 16:14): Original von Ganong
Überhaupt scheint mir meine seit Jahren stehende Frage nicht beantwortbar : Warum scheinen sich Brahms u n d Tschaikowsky eher auszuschliessen ?
Lieber Frank,
Das ist eine interessante Beobachtung: was sind denn hervorstechendste Beispiele von Dirigenten für diese Deine Ansicht? Ich würde das gerne selbst überprüfen.
Rolf Scheiwiller (27.03.2006, 13:37): Gibt es unter Euch Musiklhörer auch den einen oder andern, welcher von sich selber sagen muss, ja stimmt, den oder den hab ich wirklich noch nie gehört.
Genau so geht es mir selber mit diesem Wilhelm Furtwängler! Ich höre immer nur von seinen überragenden Leistungen in Oper und Konzert. Und insbesondere natürlich von seinen LP-Einspielungen. Noch nie habe ich eine Langspielplatte oder eine CD von ihm besessen!
Oder andere Grosse oder weniger Grosse des Taktstocks ?
Warum faszinieren uns manche mehr als andere?
Eure Ansichten interessieren mich .
Gruss. Rolf.
Telramund (27.03.2006, 16:25): Hallo Rolf, mir geht es ähnlich wie Dir. Furtwängler ist mir weitgehend unbekannt, wie Toscanini zum Beispiel auch.
Der Grund dafür ist simpel: Ich mag keine Mono-Aufnahmen. Ich weiß, daß ich mich damit reduziere und daß ich mir so sicherlich sehr viele interessante Aufnahmen entgehen lassen, aber Musikgenuß hat für mich auch etwas mit Akustik und Stereophonie zu tun.
Cosima (27.03.2006, 18:42): Original von Rolf Scheiwiller Genau so geht es mir selber mit diesem Wilhelm Furtwängler! Ich höre immer nur von seinen überragenden Leistungen in Oper und Konzert. Und insbesondere natürlich von seinen LP-Einspielungen.
Hallo Rolf,
mir ging es genau wie Dir: An dem Namen Furtwängler kommt zwar nicht vorbei, aber Aufnahmen kannte ich lange Zeit auch keine. Bei mir war es weniger die Scheu vor Mono, sondern eher meine Vorstellung, in der ich Furtwängler mit irgendwie hausbackenen Interpretationen in Verbindung brachte. Das änderte sich schlagartig, als ich durch einen freundlichen Menschen auf diese Aufnahme der 9. von Schubert aufmerksam gemacht wurde:
Die CD ist ja nicht teuer, die Klangqualität gar nicht übel – es lohnt sich wirklich, sie einmal anzuhören. Seitdem bin ich ein ziemlicher Furtwängler-Fan geworden, habe auch einiges von und über ihn gelesen. Mir dann auch den gelungenen Film „Taking sides“ angeschaut, der ein wenig die schwierige Situation Furtwänglers zu beleuchten versucht. Er war schon eine faszinierende Persönlichkeit.
Gruß, Cosima
martin (11.04.2006, 21:42): Was man doch einmal erwähnen sollte, ist, daß man Furtwängler inzwischen von den entsprechenden Billiglabeln (TIM vor allem) und in den entsprechenden Läden ( Wohlthat, möglicherweise auch 2001) wirklich nachgeschmissen bekommt.
So kam auch ich in den Besitz einer billigen Furtwänglerbox ( 10 Euro für 10 CDs) und einiges hat mir gut gefallen, vor allem Bruckners 9. aber auch die Francksinfonie und Brahms 2. Klavierkonzert. Der Klang ist natürlich unterirdisch.
Man muß dazu sagen: Erstens erlischt bei einer Aufnahme in Europa nach 50 Jahren das Copyright ( in den USA ist das anders!). Zweitens: Diese billigen CDs werden allerdings von alten Schellackplatten abgekupftert, allerdings sind die entsprechenden Tonbänder nach dieser Zeit ohnehin nicht mehr brauchbar.
Noch besser gefallen mir allerdings die Beethovenklaviersonaten mit Schnabel. Toll! Und bei Klavier und auch Gesang spielt der Klangverlust m.E. eine geringere Rolle als beim Orchester. Der Schnabel ist auch ganz billig.
Gruß Martin
Orfeo (11.04.2006, 22:56): Hallo,
die oben erwähnte 9te Schubert halte ich auch für eine herrausragende Aufnahme. Auf gleichem Level schätze ich seine 4. Schumann (DGG), seine Aufnahme von Richard Strauss "Metamorphosen", seine 9te Beethoven die 1951 während der Bayreuther Festspiele aufgezeichnet wurde !!!, das Beethoven Konzert mit Edwin Fischer und seine EMI Studio Einspielung des "Fidelio".
Völlig fremd bleibt mir sein Brahms.
Jascha Horenstein (11.04.2006, 23:49): Diese Liste möchte ich noch um seine Einspielung des Ringes ergänzen.
Ganong (12.04.2006, 16:42): Lieber Orfeo , mit Beethovens 9ter , seinem "Fidelio" und der 4ten von Schumann gehe ich d'accord . Sein Brahms hat eine ganz seltsame hochpathetische Schwere , und seine tschaikowsky - "Pathétique" sollte man hören , wenn man wisssen will , warum Giulini , Mraviny´sky oder Markevitch wie Karajan d i e Tschaikowsky - Dirigenten sind . Überhaupt scheint mir meine seit Jahren stehende Frage nicht beantwortbar : Warum scheinen sich Brahms u n d Tschaikowsky eher auszuschliessen ? Viele Grüsse , Frank
Ganong (12.04.2006, 16:44): Lieber Jascha Horenstein , wie bist Duauf den Gedanken mit dem Bild von Alexis Weissenberg gekommen ??? ich denke , dass er sich mit Furtwängler nicht verstandne hätte . Was Alexis Weissenberg ehrt ! Grüsse , Frank
martin (12.04.2006, 20:36): Original von Jascha Horenstein Diese Liste möchte ich noch um seine Einspielung des Ringes ergänzen.
Ja, aber ich glaube es gibt da sogar drei Einspielungen des Rings unter Furtwängler. Einer dieser "Ringe" war vor kurzem sehr billig bei zweitausendeins zu haben, nämlich der von der Mailänder Scala. Das soll aber nicht der beste sein. Ich spielte mit dem Gedanken, ihn mir zuzulegen, aber ich habe mich bis jetzt noch nicht mal vernünftig meinen Neuholdring durchgehört.
Gruß Martin
Orfeo (12.04.2006, 21:40): Klanglich ist wohl die 1953er Aufnahme die Beste. Dr. Furtwängler selbst sorgte dafür, dass niemand im Publikum erkältet ist damit eine hustfreie Aufführung möglich ist.
welchen Pianisten, wenn nicht diesen? Ich habe ihn in den letzten Wochen sehr schätzen gelernt.
Über die Aufnahmen des Ringes 1953 in Rom erzählte Frau Furtwängler posthum so einiges, der Maestro hatte wohl nicht mal Zeit um in das Colosseum zu gehen. Fakt ist: In großartiger Aufnahmequalität bekommt man diesen Monolithen nur auf LP. Und: Es ist eine Jahrhundertaufnahme. Ich schätze die Einspielung durch Karajan allerdings mehr. Dessen transparente Durchleuchtung des Ringes zählt wohl zu den alleraußergewöhnlichsten Opernaufnahmen, die ich jemals gehört habe. Wie findest du denn die Furtwängler-Aufnahme?
PS: Warum erwähnte bisher niemand seine Aufnahme des KV 316? Ein geradezu psychedelisches Klangerlebnis!
Ich höre nun Mozart KK mit Edwin Fischer. Ohne Furtwängler.
Cosima (24.06.2006, 14:24): Wer sich Furtwängler nähern möchte, sollte dies auch unbedingt über sein fantastisches Buch „Gespräche über Musik“ versuchen:
Erstes Gespräch: Wirkung des Musikkunstwerks auf das Publikum Zweites Gespräch: Verschiedenartige Schwierigkeiten der musikalischen Darbietung Drittes Gespräch: Das Dramatische in den Kompositionen Beethovens Viertes Gespräch: Über Beethovens 9. Sinfonie Fünftes Gespräch: Das Kreative in der Interpretation Sechstes Gespräch: Komponist und Gesellschaft Siebentes Gespräch: Essay über tonale und atonale Musik
Mich hat dieses Buch so sehr begeistert, dass ich mir noch die anderen Bücher
„Aufzeichnungen 1924-1954“ (nach Furtwänglers Notizen und Tagebuchaufzeichnungen; Hrsg.: Elisabeth Furtwängler und Günter Birkner)
und: „Über Wilhelm Furtwängler“ (von E. Furtwängler)
zugelegt habe. Sie reichen aber nicht an das erstgenannte Werk heran!
Unbedingt lesen! :down
Gruß, Cosima
Zelenka (25.06.2006, 13:05): Von Herbert Haffners Furtwängler-Biographie, die vor ein paar Jahren erschienen ist und jetzt offenbar wenigstens etwas billiger geworden ist (EUR 24), muß leider eher abgeraten werden. Der einzige Rezensent auf der amazon.de-Seite vergibt fünf Sterne - meiner Meinung nach drei Sterne zuviel.
Das Buch ist sicher sehr detailliert, was die äußeren Lebensumstände Furtwänglers angeht, aber der Autor kann uns leider nicht im geringsten sagen, was denn den Dirigenten (und Komponisten) musikalisch so einzigartig und unverwechselbar gemacht hat. Schade!
Gruß,
Zelenka
ab (02.08.2006, 16:14): Original von Ganong
Überhaupt scheint mir meine seit Jahren stehende Frage nicht beantwortbar : Warum scheinen sich Brahms u n d Tschaikowsky eher auszuschliessen ?
Lieber Frank,
Das ist eine interessante Beobachtung: was sind denn hervorstechendste Beispiele von Dirigenten für diese Deine Ansicht? Ich würde das gerne selbst überprüfen.