palestrina (14.06.2017, 17:33):
Sly, Ovvero La leggenda del dormiente risvegliato oderDie Legende vom wiedererweckten Schläfer
Ich mag seine tragischen Opern sehr, besonders Sly, Ovvero La leggenda del dormiente risvegliato oderDie Legende vom wiedererweckten Schläfer , Oper in drei Akten, Libretto von Giovacchino Forzana. Das Libretto wurde zuerst Puccini angetragen, der es aber ablehnte. Die UA war am 29. September 1927 im Teatro alla Scala. Dresden 1928 unter Fritz Busch in der Übersetzung von Walter Dahms. Der Stoff der Oper wurde aus dem Prolog von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ entnommen, der Titelheld ein erfolgloser Dichter und Bänkelsänger, mit ähnlichen Charakterzügen wie François Villon. Die Oper spielt in London anfangs des 17.Jhd.
Das Motiv vom erwachten Schläfer geht allerdings zurück auf eine Erzählung aus 1001 Nacht .
Als erstes grub das Mainzer Stadttheater den Sly 1963 mit Erfolg wieder aus.
Die Handlung in aller kürze, Sly der im Alkoholrausch auf das Schloss des Grafen Westmorland entführt wird, wo man ihm vorgaukelt, dass er verheiratet, mit Dolly der Geliebten des Grafen, und krank sei und sein bisheriges Leben bloß geträumt hätte. Als Sly schließlich nach dem erwachen aus den angeblichen Träumen, dieses grausame Spiel durchschaut, schneidet er sich die Pulsadern auf.
Wolf-Ferraris zweiter Versuch im tragischen Genre, ist anfangs gar nicht tragisch und man meint sich in einer Komödie zu befinden, jedoch die Einwürfe Dollys und Slys Freund John Plake grundieren die Komödie mit Trauer, bis zum bitteren Ende.
Des weiteren mit Liedern, Chören, Arioso und wunderschön flexiblem Sprechgesang, setzt sich alles fort bis zum Liebesgesang der sich aus dem Dialog zwischen Dolly und Sly entwickelt, diese Szene hebt sich auch musikalisch vom Rest ab. Dann wirft man Sly in den Keller, nach dem der Graf dem zunehmend Real werdende Liebesgeplänkel ein Ende setzt.
Wenn es dann ganz tragisch wird beim Sinnieren Slys über Dollys Rolle in dem bösen Spiel gelingt der Musik eine wunderbare klangliche Ebene die dann noch gesteigert wir als Dolly ihm mitteilt daß sie mit ihm weggehen will, doch es ist zu spät!
Ich habe den Sly zum erstenmal im Juni 1980 in Wiesbaden gehört und war fasziniert, die Titelrolle sang damals Hermin Esser mit viel Potenzial, dann im Mai 1982 die Produktion in Hannover, nachfolgende Aufnahme wurde dort mitgeschnitten, mit einem Paar das äußerst Eindrucksvoll war, besonders Hans-Dieter Bader war enorm Ausdrucksstark, was man auch nachhören kann, bei beiden Inszenierungen war der Jubel enorm und ich finde der Sly hätte es verdient mehr gespielt zu werden.
In den letzten Jahren nahmen doch noch ein paar Bühnen die Oper ins Programm w.z.B. Zürich mit Carreras und Barcelona, auch CD Ausgabe so.
In Wien hatte der damalige Staatsoperndirektor Ioan Holender abgewunken. Er hielt das Werk für nicht repertoiretauglich, so kann man es auch machen!
AD 1982
Hans-Dieter Bader, Sly
Deborah Polaski, Dolly
Klauss-Michael Reeh, Graf von Westmoreland
Cond. Robert Maxym
Chor und Orchester der Niedersächsischen Staatsoper
Eine lohnende Einspielung!
LG palestrina