Wolfgang Amadeus Mozart Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491
Moderato assai (07.06.2025, 12:44): Mozart Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491
Hallo Klassikforianer,
ich habe mir - wie vor fast drei Monaten Herrn Andrejo (Wolfgang) versprochen - die für mich verfügbare Diskographie des späten Klavierkonzerts von Mozart einmal angehört. Falls jemand nach einer Entscheidungshilfe sucht, um sich mal wieder eine neue oder neue "alte" Einspielung anzuhören oder sogar zuzulegen, kann er gerne auf die dabei entstandene Liste zurückgreifen. Manches wird darin empfohlen, manches eher nicht. Ich habe sie, da sie ziemlich umfangreich wurde, einmal in sieben Gruppen vorsortiert. Damit lässt sich vielleicht die Suche nach spezifischen Vorlieben oder gewissen Kriterien beschleunigen. Es gibt auf der Seite zwar auch eine Suchfunktion, aber ob die dabei hilfreich sein könnte, habe ich noch nicht ausprobiert. Ich denke sie ist eher nicht hilfreich. Von einem Durchlesen wie bei einem Buch kann ich nur abraten, dabei wird es sehr wahrscheinlich schnell langweilig. Als Einschlafhilfe kann sie aber sicher auch verwendet werden.
Wer von einem Mozart-Konzert Erbauung oder gar Erhebung über die Mühen des Alltags erhofft, dem möchte ich KV 491 eher nicht empfehlen. Mozart versucht zwar, was er kann, aber er zeigt uns darin eine eher fatalistische Weltsicht, aus der er uns dieses Mal keinen echten Ausweg aufzeigt. Das könnte mit seiner eigenen Lebenssituation zu tun gehabt haben, obwohl man diesen Bezug bei Mozart nicht suchen sollte. Er zeigt aber wie in kaum einen anderen Werk, was er als Komponist alles "draufhat". Ich habe mir vor einigen Jahren sein letzten Klavierkonzert Nr. 27 B-Dur KV 595) einmal in vielen Einspielungen angehört und da spricht er uns, obwohl es aus seinem Todesjahr stammt, mehr Trost zu. Das nur ganz nebenbei.
Zuerst geht es aber darum eine Aufnahme von KV 491 zu finden, mit der man vielleicht auf einer "Wellenlänge" liegt. Da mag die Liste mit den ellenlangen Beschreibungen vielleicht behilflich sein.
Andréjo (07.06.2025, 13:44): Erst mal vielen Dank dem fleißigen Kollegen!
Ich werde mal sichten, diverse Bewertungen von mir bekannten Einspielungen - und vielleicht auch von mir unbekannten - lesen ... und dann werde ich mich sicher auch wieder melden.
PS oder Klein-Edit: Ein Wahnsinn per se ist ja Deine Sichtung von Robert Casadesus - nun: eine zumindest finde ich im Regal.
:hello Wolfgang
Andréjo (08.06.2025, 19:36): Wirklich sehr schön liest sich schon mal die allgemeinere Einleitung. Da war mir keineswegs alles so klar, was ich da vorfand - ich bin kein ausgeprägter Kenner biografischer Details in der Musik -, aber alles hat mir eingeleuchtet oder ich habe mich erinnert. Und die Anschaulichkeit der Hintergründe zu Vita und sozialem Umfeld ist wirklich gelungen und vor allem sind diese differenziert dargestellt - auch dank der Verweise und Zitate.
Die orchestrale Besetzung ist in der Tat so komplett, dass sie auch bei den Spätwerken kaum mehr erreicht wird - es fehlt eigentlich nur die Posaune, aber sie ist bei Mozart, wenn ich das richtig sehe, recht ausschließlich ein in Vokalmusik eingesetztes Instrument. Bei Anton Zimmermann, von dem ich mittlerweile eine CD mit drei Sinfonien kenne, kommt sie dort zumindest in einer mehrfach vor.
Wie ich ebenso seit einer Live-Erfahrung weiß, trifft diese Vollständigkeit (ohne die Posaune) aber (zum Beispiel?) auf die Haffner-Sinfonie (KV 385) zu, die freilich charakterlich nicht zu vergleichen ist mit dem Konzert KV 491.
Andréjo (08.06.2025, 19:48): Der Anfang des Konzerts ist in der Tat in seiner Modernität faszinierend. Das Konzert KV 466 hat nun gewiss seine eigenen Qualitäten, aber harmonisch erweist es sich dann meines Erachtens als harmloser.
Ansonsten will ich gar keine weiteren Details aufführen, von denen ich wusste oder derer ich mir jetzt bewusst bin - Letzteres freilich häufiger. Doch ich glaube kaum, dass man außer im Rahmen von spezialisierten Aufsätzen oder Dissertationen, die ich natürlich nicht suchen wollte, auf die Schnelle so etwas Ausführliches im Netz oder in üblichen, nicht zu sehr spezialisierten Handbüchern finde würde. :engel
Guenther (08.06.2025, 19:56): Mozart versucht zwar, was er kann, aber er zeigt uns darin eine eher fatalistische Weltsicht, aus der er uns dieses Mal keinen echten Ausweg aufzeigt. Sorry, aber so ein ... (such Dir was aus) ...
Was "versucht" er denn? Und warum sollte er irgendjemandem einen "Ausweg" aufzeigen wollen? Woraus denn?
Schon mal den zweiten Satz selber gespielt? Überhaupt das Ding mal selber versucht?
(Sorry, das mußte jetzt mal raus.)
Andréjo (08.06.2025, 20:31): Nur kurz zur vorhin gehörten historisch informierten Einspielung mit Immerseel.
Im Ganzen würde ich vielleicht die gleiche Zensur erteilen. Ganz zu Recht lobst Du die Holzbläserfarben und im Besonderen das Fagott. Mir wäre nicht aufgefallen, dass Immerseel als Solist dann doch souveräner wirkt alleine - aber da muss ich Dir nun wirklich die Kompetenz zugestehen, die ich nicht habe, nicht haben kann. Wohl im rein Geschäcklerischen bewegt sich meine Einschätzung des Klaviers als insgesamt durchsetzungsfähig genug - da habe ich, der ich die Einspielung zum vielleicht dritten Mal höre, weniger erwartet. Es ist eher die Klangfarbe, die mich nicht rundum glücklich macht. Dass Sofronitski hier dünner klingt, eher an ein Cembalo erinnert, da bin ich mal gespannt. Bei Schoonderwoerd, dessen Ansatz ohnehin nicht unproblematisch ist, obwohl er mich sehr interessiert, kann ich mir das vorstellen - vorausgesetzt, ich finde diese Aufnahme. Er hat ja nun nicht alle Konzerte gemacht respektive besitze ich auf jeden Fall bei Weitem nicht alle - aber es wäre möglich, dass ich mich quasi nicht auf dem neuesten Stand bei ihm befinde.
Ansonsten - nur so viel noch heute - hätte ich mir eine noch positivere Sicht bei den Bambergern quasi gewünscht - und umgekehrt bin ich auch gespannt bei Derek Han - denn den finde ich durch die Bank irgendwie langweilig ... :D :) Aber die kommen auf jeden Fall dran mit kurzer oder mittelkurzer Rückmeldung - und noch einige andere, die ich im Regal finde.
Brendel hat wohl keine frühe Aufnahme gemacht, die bei Vox erschienen ist? Aber gut - das kann ich ja nachsehen in der Box. Ansonsten kenne ich keinen Brendel mit Mozart-Konzerten, fürchte ich, wenn ich mich nicht irre.
Andréjo (08.06.2025, 20:36): Mozart versucht zwar, was er kann, aber er zeigt uns darin eine eher fatalistische Weltsicht, aus der er uns dieses Mal keinen echten Ausweg aufzeigt. Sorry, aber so ein ... (such Dir was aus) ... Was "versucht" er denn? Und warum sollte er irgendjemandem einen "Ausweg" aufzeigen wollen? Woraus denn?
Schon mal den zweiten Satz selber gespielt? Überhaupt das Ding mal selber versucht?
(Sorry, das mußte jetzt mal raus.) Okay - da magst Du Recht haben. :) Das Zitat müsste ich erst suchen - schon lang der Text, aber es wäre meines Erachtens unfair, dies dem Kollegen vorzuwerfen. Und natürlich findet man immer irgendeine Formulierung, die problematisch ist. Ich bin da sehr willens, anzuerkennen, was jemand leistet, der - so vermute ich doch sehr - für seine Arbeit nicht bezahlt wird. :hello (Ganz abgesehen davon, dass man nun nicht allen Ernstes behaupten kann, dass unser kleines Forum sonderlich prägnant auf diesem Niveau frequentiert wird. Da habe ich schon irgendwie Recht, oder, werter Guenther !? :) :) )
Andréjo (08.06.2025, 20:58): @ Guenther:
Wo steht denn eigentlich dieses kritisierte Zitat? Ich will nun nicht behaupten, dass ich es nicht übersehen haben kann, doch finde ich es nicht im einführenden Text. Die Einzelbesprechungen habe ich natürlich nicht gelesen.
Okay - gefunden - im allerersten Beitrag. Vielleicht nicht ganz so wichtig angesichts dessen, was dann kommt.
Sfantu (08.06.2025, 22:40): Lieber Guenther,
Du magst in der Sache richtig liegen, was den etwas blumigen Stil angeht (und ich gestehe: auch ich neige nicht selten dazu) - aber laß' uns sachlich bleiben. Höflichkeit ist ein Gebot der Fairness - auch und gerade, wenn man nicht von Angesicht zu Angesicht kommuniziert.
Das "Blumige" wäre nicht einmal mein Problem - aber die Fairness bei der Mühe, die sich der Kollege gibt.
Hast Du, werter Günther, über den Eingangsbeitrag hinaus schon mal weitergelesen? Ich finde da eigentlich nichts völlig Subjektiv-Anstößiges mehr, sondern viele Quellen und klare Begründungen. Das ist durchaus eine wissenschaftliche Herangehensweise, meine ich. Und einen sonderlich zwingenden Zusammenhang zu der Empfehlung, mal den zweiten Satz selber zu spielen, sehe ich eigentlich auch nicht. Vielleicht spielt er ihn ja.
Andréjo (09.06.2025, 02:05): Schoonderwoerd - Bitte an den Kollegen, ein n zu ergänzen! - und Sofronitsky habe ich vorhin gehört.
Kein Problem mit Deinen Bewertungen.
Die Tasteninstrumente gefallen mir besser als bei Immerseel. Das gilt für mich, ist vielleicht eine bloße Geschmacksfrage. Mit der Durchhörbarkeit habe ich keine Probleme, vom "Zirpen" und ähnlichem würde ich nicht sprechen. Vielleicht ist eine gewisse Nähe zum Cembalo gegeben, aber - wie auch bei Immerseel - meine ich schon, dass der Unterschied auf der Hand liegt.
Wenn Schoonderwoerd nur jeweils ein Streichinstrument im Orchester spielen lässt - also insgesamt vermutlich als Streichquartett -, dann vermag ich die historische Relevanz nicht zu beurteilen, aber eigentlich ist mir das Konzept von Sofronitsky sympathischer, ausgewogener, auf eine positive Weise fülliger. Die Bläser setzen sich ohnehin durch - wenn überhaupt, dann bei diesem Konzert!
Schoonderwoerd schätze ich als Menschen, habe ihn auch schon mehrmals persönlich getroffen. Sein Mozart-Verständnis ist hier schon radikal meines Erachtens, aber ich finde es durchaus nicht falsch, dass Du hier völlig neutral bleibst und nicht automatisch abwertest. Das geschieht nämlich oft genug unter der Kritikerzunft.
Wie Du empfinde ich den langsamen Satz bei Schoonderwoerd als zu rasch. Das passt meines Erachtens nicht mehr zum Charakter der Musik, nimmt ihr Tiefe und Geschmeidigkeit.
Joe Dvorak (09.06.2025, 06:14): Lieber Moderato assai,
Ich habe wahrscheinlich alle Mozart-Klavierkonzerte zusammengenommen weniger als 130 Mal gehört, trotzdem lese ich die Besprechungen mit sehr viel Gewinn. Ein Sonderlob will ich für die respektvolle Objektivität der Besprechungen aussprechen. Sätze wie "Auch im Allegretto könnte (nach unserem Empfinden) der Anschlag etwas kraftvoller, bestimmter oder resoluter zupacken" (zu Strub/Erny) klingen halt nun mal ganz anders als "Der Anschlag im Allegretto ist nicht kraftvoll, bestimmt oder resolut genug". Auf einen humorigen Verschreiber will ich auch noch hinweisen. "Albert Einstein (Exkurs: nicht zu verwechseln mit dem Physiker Alfred Einstein (...)" (Werkhintergrund, 2. Abschn.). Die Vertauschung zieht sich durch den ganzen Abschnitt.
Nebenbei: Lass dich bitte nicht von der bisweilen ganz leicht unterschwellig provokant wirken könnenden Art von Guenther aus dem Konzept bringen. So kennen wir ihn und so ist er halt. Ich rufe mir da gerne den folgenden Dialog ins Gedächtnis: "Warum bist du immer so ruhig." - "Ich streite nicht mit ... (such Dir was aus) ..." - "Und wie machst du das?" - "Ich kürze es ab und sage ihnen, dass sie recht haben." - "Das halte ich aber für ziemlich töricht." - "Ja, da hast du recht."
Moderato assai (09.06.2025, 08:32): Lieber Andréjo, lieber Joe,
herzlichen Dank für eure anerkennenden Worte. Die Sache mit Albert und Alfred Einstein habe ich korrigiert. Ich habe den Exkurs eigentlich nur unternommen, weil ich die beiden Vornamen - für mich - endgültig mal klar auseinanderhalten wollte. Leider gehöre ich zu der besonderen Spezies von "Genies" die rechts und links manchmal, obwohl dem kindlichen Alter längst entwachsen, immer noch verwechseln.
N bei Schoonderwoerd wurde ergänzt. Die CD mit KV 491 gab es bis vor kurzer Zeit bei jpc für 3,99. KV 491 gekoppelt mit KV 482 wurde jetzt als einzige allerdings wieder auf Normalpreis gesetzt. Die anderen Einspielungen des Pianisten mit Mozart-Konzerten gibt es noch immer so günstig, habe gerade mal nachgeschaut.
An meiner Einschätzung oder vielmehr meinem "gefühlshaftem Erlebnis", dass uns Mozart mit diesem Konzert, nicht wie bei so vielen anderen fröhlich und beschwingt oder doch zumindest tröstend entlässt, sondern sozusagen "gefangen" im Moll hält, was sehr ungewöhnlich für ihn ist, ändert sich jedoch nichts. Ich habe es ja nahezu 130 Mal erlebt (manche Interpreten schwächen stark ab). Daran ändert auch der lichte zweite Satz nichts, das Ende ist entscheidend und da knallt uns der werte Compositeur die Tür vor der Nase zu. Dieses Mal gibt es nicht mehr. Ob man daraus eine fatalistische Weltsicht zur Zeit der Komposition herauslesen will, bleibt Interpretationssache, das habe ich in meinem "Opener" ja auch sogleich infrage gestellt. Die Formulierung sollte auch ein wenig zur Diskussion anregen.
Ansonsten möchte ich nur, selbstverständlich nicht objektiv aber doch gewissenhaft und so differenziert wie es mir möglich ist ohne noch mehr an Lesequalität zu verlieren, eine gewisse ordnende Vorauswahl treffen, damit dem Anfänger die Qual der Wahl in der riesigen Diskographie erleichtert wird und der Kenner vielleicht auf ein bisher entgangenes "Schmuckstück" der Diskographie aufmerksam wird. Genau wie von Amadé gelernt.
Wünsche allseits einen angenehmen Pfingstmontag.
Moderato assai (09.06.2025, 09:08): Mozart versucht zwar, was er kann, aber er zeigt uns darin eine eher fatalistische Weltsicht, aus der er uns dieses Mal keinen echten Ausweg aufzeigt. Sorry, aber so ein ... (such Dir was aus) ...Was "versucht" er denn? Und warum sollte er irgendjemandem einen "Ausweg" aufzeigen wollen? Woraus denn?
Schon mal den zweiten Satz selber gespielt? Überhaupt das Ding mal selber versucht?
(Sorry, das mußte jetzt mal raus.) Okay - da magst Du Recht haben. :) Das Zitat müsste ich erst suchen - schon lang der Text, aber es wäre meines Erachtens unfair, dies dem Kollegen vorzuwerfen.Und natürlich findet man immer irgendeine Formulierung, die problematisch ist. Ich bin da sehr willens, anzuerkennen, was jemand leistet, der - so vermute ich doch sehr - für seine Arbeit nicht bezahlt wird. :hello (Ganz abgesehen davon, dass man nun nicht allen Ernstes behaupten kann, dass unser kleines Forum sonderlich prägnant auf diesem Niveau frequentiert wird. Da habe ich schon irgendwie Recht, oder, werter Guenther !? :) :) )
Ich bin da sehr willens, anzuerkennen, was jemand leistet, der - so vermute ich doch sehr - für seine Arbeit nicht bezahlt wird.
Moderato assai (09.06.2025, 09:16): Dieses Zitat vorhin wollte ich gar nicht zitieren, sondern nur auf den letzten Teil-Satz davon eingehen "so vermute ich doch sehr - für seine Arbeit nicht bezahlt wird."
Die Vermutung ist natürlich zutreffend, ich mache mir das Vergnügen, das bisweilen in Arbeit ausartet, Pro Bono.
Wurde vorhin von der Zitatpraxis überrumpelt und konnte es anschließend nicht mehr löschen.
Maurice inaktiv (09.06.2025, 15:42): Du hast Dir wieder viel Mühe gemacht, lieber Moderato assai, dafür herzlichen Dank. Als der Wenighörer, was Klavierkonzerte angeht, kann ich nur sehr wenig dazu beitragen, auch wenn ich grundsätzlich relativ viele Einspielungen unterschiedlicher Komponisten habe, die KK geschrieben haben. So besitze ich nur eine Einspielung, jene von Kirschnereit mit den Bamberger Symfoniker unter Beermann. Die GA der KK Mozarts habe ich jenen Derek Hans bevorzugt und Hans Einspielungen verkauft.
Insgesamt würde ich aber auf ein kleineres Ensemble zurückgreifen, die sich mit der HIP vertraut ist, und dementsprechend auch auf einen Interpreten dieser Richtung.
Andréjo (09.06.2025, 16:56): Insgesamt würde ich aber auf ein kleineres Ensemble zurückgreifen, die sich mit der HIP vertraut ist, und dementsprechend auch auf einen Interpreten dieser Richtung. Da kommen wir sicher zusammen - wobei ich mittlerweile gewisse Klassiker - wie etwa Haskil oder Casadesus - auch schätze, die mir früher weniger gesagt hatten.
Maurice inaktiv (10.06.2025, 00:30): Mir wird Mozart zu oft zu weich gezeichnet. Ebenso Beethoven oftmals genau umgekehrt. Daher schätze ich bei Mozart eher die HIP-Musiker, bei Beethoven bevorzuge ich mehr die kammermusikalische Sichtweise. Radu Lupo hat etwa so einen Ansatz gewählt, so habe ich ihn live erleben dürfen.
Andréjo (10.06.2025, 12:51): Prinzipiell teile ich Deine Sicht auf Mozart und auch auf Beethoven. Gewisse Übertreibungen haben dann eher nicht so viel zu tun mit einer Gegenposition zum Weichzeichnen.
So habe ich mir vor einiger Zeit die letzten Sinfonien mit Riccardo Minasi zugelegt, dessen seltsame agogische Freiheiten mir aber zum Teil missfallen.
Vor wenigen Wochen konnte ich dann das Ensemble Resonanz unter seiner Leitung in Würzburg beim Mozartfest hören. Unter anderem stand da die Haffner-Sinfonie auf dem Programm - sehr kraftvoll und transparent gespielt. Die Pauken wurden auch herausgestellt. An einer Stelle begann die Klarinette den Bruchteil einer Sekunde früher. Das war wohl in der Tat Absicht, denn das Konzert wurde zweimal gespielt an Folgetagen und dasjenige, das ich nicht besucht hatte, konnte ich gestern im Rundfunk hören. Gleiches Phänomen! Doch das hat mir eingeleuchtet, ist doch die Verwendung der Klarinette - zwei wohl sogar - eine Besonderheit von KV 385, die sich in nicht vielen seiner Sinfonien findet. Auch die Verlangsamung am Ende mancher Passagen schien mir hier sinnvoller als auf der CD oben.
in diesem Faden ein wenig extern - wird nicht so schlimm sein! :)
:hello Wolfgang
Andréjo (10.06.2025, 22:50): Auch heute habe ich drei Einspielungen gehört.
Zu meiner Freude habe ich doch auch Alfred Brendel gefunden. Mackerras ist der Dirigent. Die volle Punktzahl, die unser Bewertungsprofi vergibt, halte ich für absolut berechtigt. Die Besprechung finde ich besonders differenziert und umfangreich. Warum sollte ich etwas auszusetzen haben? Habe ich etwas zu ergänzen? Nicht wirklich - der Vergleich mit den anderen Einspielungen Brendels fehlt mir ohnehin.
Andréjo (10.06.2025, 23:04): Jetzt zu Derek Han. In seinem Fall war die Integrale einer meiner ersten CD-Boxen in den 1990ern überhaupt - und auf Kassette, die ich kaum mehr höre, findet sich wohl auch nur eine einzige Aufnahme von KV 491 - vielleicht komme ich darauf zurück, aber das weiß ich noch nicht, denn es ist zum einen die Frage der Wiedergabequalität, zum anderen ist das eine Kassettendeck so gut wie kaputt und das andere auch keine Pracht mehr. Ein kleineres Kombi-Gerät wäre noch vorhanden - nun denn !?
Da ich lange Zeit mit dieser Box einigermaßen zufrieden war und sie wegen vieler, vieler anderer CD-Anschaffungen in den Folgejahren vielleicht sogar zu oft gehört habe, hat sie sich abgenutzt. Hinzu kamen allmählich kritische Sichtweisen, die ich zu lesen bekam. Von Neutralität und Gleichförmigkeit war die Rede. Gewiss Ansporn für mich, endlich das Mozartklavierkonzert-Repertoire spürbar zu erweitern. Ich muss auch dazu sagen, dass ich in den frühen Neunzigern noch weitaus mehr Radio gehört habe als heute und meines Wissens im Mozart-Jahr 1991 eine breite Palette seiner Klavierkonzerte vor allem sonntags zu hören war. Da habe ich vieles kennengelernt, aber halt auch wieder vergessen. Zehn Jahre später - so in etwa - hat mich dann allerdings die Han-Friedman-Integrale nicht mehr gereizt. Und das galt - fast, tendenziell, denn Buch habe ich darüber nicht geführt - bis heute.
Nein, so schlecht ist die Aufnahme mit Derek Han nicht. Ich würde vielleicht 4 statt 4,5 Punkte geben. Der Grund steht schon auch oben. So richtig differenziert und spannend habe ich die Interpretation auch heute nicht gehört. Aber Moderato assai's Pluspunkte lasse ich schon gerne gelten! Als SACD besitze ich die Box natürlich nicht. Und in einem sind wir uns auf jeden Fall einig: Derek Han ist schlichtweg zu brav!
Andréjo (10.06.2025, 23:23): Und dann stand vorhin noch Robert Casadesus (in der Zehnerbox) mit Cleveland und Szell auf dem Programm.
Ich würde von der Spitzenbewertung einen halben Punkt abziehen - freilich unter der Voraussetzung, dass auch die Aufnahmequalität überhaupt eine echte Rolle spielt. Es ist ja eine Stereo-Produktion, aber ich würde mir ein Quäntchen mehr Transparenz und generell Helligkeit wünschen. (Meine Anlage empfinde ich als sehr solide, im Bereich von insgesamt 10000 Euronen befindet sie sich noch nicht - Stand etwa 2012. Eine ältere steht noch im Wohnzimmer.)
Ja, wir haben eine souverän-sachliche Haltung am Klavier und dieser Mozart dürfte als modern - oder sagen wir: zeitlos - gelten. Gehetzt wird auch keineswegs - denn das hätte ich dem Pulttyrannen Szell zugetraut, was vielleicht unsinnig ist. Sagen wir's lieber freundlicher: Solist und Orchester harmonieren im Kontext einer romantikreduzierten Gesamtauffassung.
Die nächsten Tage kann ich auch eine Aufnahme vorstellen, die der Meister wohl nicht gehört hat. 8o
EDIT : Das stimmt ja überhaupt nicht. Zunächst der Link zur Zehner-Box:
www.intensemedia.de
Robert Casadesus, Klavier; Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester; Leitung: George Szell - aufgenommen 1960
Dann die Angaben der Tracks 1 mit 3 von CD 1: 12:24 - 7:22 - 8:22
Keine Angabe zu Mono oder Stereo. Ich bin tatsächlich von Stereo ausgegangen. Fazit: auf jeden Fall gutes Mono! Manchmal fällt es mir schwer, das eindeutig wahrzunehmen. Aber der mich nicht wirklich befriedigende Klang wäre so erklärt! Und 4,5 Punkte würden mir reichen.
Maurice inaktiv (11.06.2025, 15:33): Nein, so schlecht ist die Aufnahme mit Derek Han nicht. Ich würde vielleicht 4 statt 4,5 Punkte geben. Der Grund steht schon auch oben. So richtig differenziert und spannend habe ich die Interpretation auch heute nicht gehört. Aber Moderato assai's Pluspunkte lasse ich schon gerne gelten! Als SACD besitze ich die Box natürlich nicht. Und in einem sind wir uns auf jeden Fall einig: Derek Han ist schlichtweg zu brav! Anders gesagt: er macht nichts falsch, aber vergisst dabei "Musik zu machen". Genau DAS macht es aber gerade bei Mozart aus.
Andréjo (11.06.2025, 16:48): Nein, so schlecht ist die Aufnahme mit Derek Han nicht. Ich würde vielleicht 4 statt 4,5 Punkte geben. Der Grund steht schon auch oben. So richtig differenziert und spannend habe ich die Interpretation auch heute nicht gehört. Aber Moderato assai's Pluspunkte lasse ich schon gerne gelten! Als SACD besitze ich die Box natürlich nicht. Und in einem sind wir uns auf jeden Fall einig: Derek Han ist schlichtweg zu brav! Anders gesagt: er macht nichts falsch, aber vergisst dabei "Musik zu machen". Genau DAS macht es aber gerade bei Mozart aus. Eine harte Formulierung! Das DAS sehe ich freilich genauso.
Kennst Du die Aufnahme?
Vor längerer Zeit - also damals, als ich allmählich die Integrale nicht mehr hören wollte -, hätte ich Dir durchaus zugestimmt - ein bisschen aufgestachelt auch durch Kritiker im Netz, selbst wenn man als geübter Hörer sich davon freimachen sollte. Aber so einfach ist das halt nicht immer.
Gestern war ich mir da allerdings keineswegs mehr sicher. Ja, Derek Han finde ich zu brav. Doch hat Moderato assai so Unrecht, insofern er die Einspielung auch würdigt?
Falls Du an die Aufnahme herankommst und dazu vielleicht den Kommentar von Allegro assai liest, würde mich Deine Meinung hinterher in der Tat sehr interessieren. :)
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (11.06.2025, 20:37): Eine harte Formulierung! Das DAS sehe ich freilich genauso.
Kennst Du die Aufnahme? Ich kenne die GA, ja. Jetzt allerdings nur aus der Erinnerung heraus, denn ich hatte sie ja dann wieder verkauft.
Vor längerer Zeit - also damals, als ich allmählich die Integrale nicht mehr hören wollte -, hätte ich Dir durchaus zugestimmt - ein bisschen aufgestachelt auch durch Kritiker im Netz, selbst wenn man als geübter Hörer sich davon freimachen sollte. Aber so einfach ist das halt nicht immer.
Gestern war ich mir da allerdings keineswegs mehr sicher. Ja, Derek Han finde ich zu brav. Doch hat Moderato assai so Unrecht, insofern er die Einspielung auch würdigt? Ich streite überhaupt nicht ab, dass Han seine Momente hat, aber insgesamt gesehen (also die ganze Box), hat Han mich nicht überzeugt. Du weißt selbst, dass nicht jedes Konzert bei einer GA überzeugen wird. Vielleicht habe ich mich nicht genau genug ausgedrückt. Doch der Unterschied zwischen 4 und 5 Punkten ist nun mal, dass eben eine Nuance fehlt für die 5 Sterne. Natürlich kann das nach Oben oder Unten mal ausschlagen.
Falls Du an die Aufnahme herankommst und dazu vielleicht den Kommentar von Allegro assai liest, würde mich Deine Meinung hinterher in der Tat sehr interessieren. Wie geschrieben, ich habe die komplette Box nicht mehr.
Andréjo (11.06.2025, 21:15): Passt schon, Maurice! Ich hätte ja auch nur 4 Punkte gegeben, so dass wir vermutlich zusammenkommen. Ja, die Einspielung ist seitens des Orchesters sauber und korrekt, aber nicht allzu engagiert und der Pianist spielt klar und rein sozusagen, aber er traut sich zu wenig an Eigenprofil. Als Schulnote nach der Durchfall-Logik von "2 ist weniger als die Hälfte von 5" würden die technische Perfektion aller Spielenden und die gute Aufnahmequalität bereits für 4 von 5 Punkten ausreichen. Ich fand das System von Allegro assai anfangs zu milde, aber es stimmt dann schon, wenn man so rechnet, wie ich das soeben erläutert habe.
Bekanntlich sind dienstliche Beurteilungen in dieser Hinsicht quasi auf die umgekehrte Art noch extremer: Du erhältst vom System her zum Beispiel die Note 4 von 7 als der schlechtesten. Aber es ist schwer das aus dem Wortlaut herauszulesen. Es geht letztlich in hohem Maße nur um das, was nicht gesagt wird.
Das Moment des subjektiven Engagements der Ausführenden und der subjektiven Bewertung in zum Teil sehr geschmacklicher Hinsicht darf nicht zu sehr ins Gewicht fallen. Objektive Fehler und sogar, so meine ich, eine kaum erträgliche Klangqualität sind natürlich entscheidender. Und da liegen wir dann bei 3 Punkten oder eben noch schlechter. So habe ich mir das jetzt zurecht gelegt. Deshalb kommen ja auch bei Tonträgern durch unseren Kollegen - und vielleicht sogar genereller - so selten Bewertungen unter drei Punkten vor - denn zumindest heute kann man viel nachträglich bearbeiten, in jeglicher Hinsicht.
Moderato assai (12.06.2025, 10:12): Ich freue mich sehr, dass meine Aufstellung zur Diskussion angeregen konnte. Wundere mich nur ein wenig, dass es die Einspielung von Derek Han so sehr in den Fokus geschafft hat. Er ist ja nun wirklich, mit Verlaub gesagt und ohne ihm zu nahe treten zu wollen in der Aufnahmegeschichte nur einer unter vielen und es gibt andere die interessanter wären, genauer unter die Lupe genommen zu werden.
Ich denke da z.B. an Lars Vogt, Piotr Anderszewski, Cifford Curzon oder Glenn Gould. Ein besonderes Eigenprofil hätte auch Franz Vorraber, aber die Aufnahme ist wahrscheinlich ziemlich unbekannt geblieben. Ich kannte sie auch nicht bevor ich für "den Vergleich" so viele wie möglich zusammengesucht habe.
Meine Empfehlung für die sogenannte einsame Insel wäre (vorausgesetzt sie ist groß genug, und es dürfen daher mehr nur eine Aufnahme sein):
50er Jahre: Artur Schnabel (alleine schon wegen der sagenhaften dodekaphonischen Kadenz) und Clara Haskil mit André Cuytens 60er Jahre: Clifford Curzon mit dem LSO und Istvan Kertesz und Robert Casadesus (1961 mit George Szell) alleine schon damit ein Mal die Kadenz von Camille Saint-Saens dabei ist. 70er Jahre: Alfred Brendel mit Neville Marriner 80er Jahre: Christian Zacharias mit Günter Wand und Malcolm Bilson mit John Eliot Gardiner 90er Jahre: Alfred Brendel mit Charles Mackerras 00er Jahre: Piotr Anderszewski und Franz Vorraber 10er Jahre: ersatzweise Helmchen (2007) und Bavouzet (2022) 20er Jahre: Lars Vogt
Damit wäre die diskographische Enwicklung einigermaßen abgebildet und auch Individualisten mit dabei. Eine für jeden Monat des Jahres. Und falls es mal einen 13. Monat geben sollte: auch noch Glenn Gould. Andere Prioritäten sind denkbar. Glücklicherweise haben wir es mit einem reichen Schatz zu tun aus dem man schöpfen kann.
Die 3 wird außer wie in deinen Betrachtungen bereits erwähnt, lieber Wolfgang, auch selten unterboten, weil man bei seriösen Produktionen, die viel Geld kosten schon von vorne herein darauf achtet Könner zu verpflichten. Anders sieht es bei nachträglich aus den Archiven zutage geförderten Produktionen aus, da wird oft unkritischer veröffentlicht. Kostet ja meist auch im Vergleich fast nichts mehr.
Andréjo (12.06.2025, 13:02): Naja - den Derek Han habe ich ja aus meiner Sicht begründet. Das ist auch etwas letztlich ganz Privates. Die Aufnahme finde ich durchschnittlich - was ich jetzt oft genug gesagt habe. Gespannt bin ich noch auf die Bamberger. Ich will erst dann lesen, was Du so schreibst, wenn ich sie noch ein - drittes, viertes? - Mal gehört habe.
Clifford Curzon müsste ich noch finden oder auch nicht, und auf jeden Fall das English Chamber Orchestra (Barenboim). Auch Casadesus wird noch einmal vorkommen. Das liegt halt an den kleinen Billigboxen. Ich hatte mal wegen Ravels Klavierkonzert in D eine Begeisterung für den Franzosen entwickelt.
Die anderen kenne ich nicht. Es freut mich, dass Du Brendel und Mackerras mit auf die Insel nehmen würdest. Ich ahne indes, dass weder Du noch ich - das mit Sicherheit - auswandern werden. ;)
Und wie gesagt: Es gibt noch eine Überraschung! Da müsstest Du eigentlich nur eine recht pfiffige Box kaufen, in die ich oft hineinhorche - auch, weil sich sehr seltsame Aufnahmen dort befinden. ;) :D
Glenn Gould und Mozart? Da muss ich mich jetzt zurückhalten - aber vielleicht ist auch das ein Klischee. Doch ich mag ihn einfach nicht außer (vielleicht auch: vor allem) mit dem absoluten Klassiker, den Goldbergen. Weniger die Rede ist ja im Zusammenhang mit ihm von Skrjabin die Rede. Ich finde die fünfte Sonate völlig daneben. Okay - das Schumann-Quintett ist schon in Ordnung und mit dem fünften Klavierkonzert von Beethoven, damals als Bernstein mit den Zähnen geknirscht hat, kann ich umgehen und es so originell finden wie die Version von Schoonderwoerd. Wieder ganz anders halt.
Der Schnabel hat gleich alle Zwölfe verwendet? Hmh ... kaufen?
Schönen Gruß, lieber Kollege!
:hello Wolfgang
Andréjo (12.06.2025, 13:13): :D Noch was. Ein bisschen plump selbstgefällig jetzt, aber natürlich nicht wirklich ernst gemeint:
Denn ich habe die Karriere von Franz Vorraber gefördert, der vor um die zwanzig Jahren, eher länger, bei uns in der Gegend aufgetreten ist, ohne wohl noch den Namen zu haben, den er jetzt viel eher hat. Über sein Rezital durfte ich damals für's Regionalblatt schreiben.
Andréjo (12.06.2025, 13:18): Die 3 wird außer wie in deinen Betrachtungen bereits erwähnt, lieber Wolfgang, auch selten unterboten, weil man bei seriösen Produktionen, die viel Geld kosten schon von vorne herein darauf achtet Könner zu verpflichten. Anders sieht es bei nachträglich aus den Archiven zutage geförderten Produktionen aus, da wird oft unkritischer veröffentlicht. Kostet ja meist auch im Vergleich fast nichts mehr. Das glaube ich Dir freilich sofort.
Markante Ausnahmen wie die folgende gibt es vielleicht auch - von den Archiven, die Du nennst, abgesehen - bei reizvollen Werken, die noch niemand vorher eingespielt, vielleicht sogar überhaupt gespielt hat.
Ich finde da eine Integrale, die ich wegen der Musik schon mindestens zweimal gehört habe. Leider schafft das Orchester wahrlich keine ordentliche Intonation - mal weniger schlimm, mal schlimmer:
Maurice inaktiv (12.06.2025, 13:26): Ich freue mich sehr, dass meine Aufstellung zur Diskussion angeregen konnte. Wundere mich nur ein wenig, dass es die Einspielung von Derek Han so sehr in den Fokus geschafft hat. Er ist ja nun wirklich, mit Verlaub gesagt und ohne ihm zu nahe treten zu wollen in der Aufnahmegeschichte nur einer unter vielen und es gibt andere die interessanter wären, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Die Begründung ist doch ganz einfach: Brilliant Classics hat dafür gesorgt, dass sie für viele Ersthörer günstig zu erwerben war. Jeder, der nicht viel Geld dafür in die Hand nehmen wollte, hat diese Box gekauft. Solche Boxen können dazu bewegen sich mehr davon anzuhören und damit auch zu kaufen, oder aber sie schrecken ab, weil die Qualität einfach nicht dazu animiert hat, sich mehr damit zu beschäftigen. Han hat zumindest dafür gesorgt, dass man eine gute Qualität erhalten hat, da gab es früher bei Naxos weitaus Schlechteres zu hören - und diese Musiker waren auch nicht bekannt gewesen, im Gegenteil.
Ich bin eh ein gebranntes Kind bei Mozart. Mir hat damals Karl Böhm die Sinfonien derart verschlossen, dass erst die HIP-Bewegung wieder bei mir Interesse in seinen Sinfonien geweckt hat, aber auch den Serenaden und Divertimenti.
Maurice inaktiv (12.06.2025, 13:28): Markante Ausnahmen wie die folgende gibt es vielleicht auch - von den Archiven, die Du nennst, abgesehen - bei reizvollen Werken, die noch niemand vorher eingespielt, vielleicht sogar überhaupt gespielt hat.
Ich finde da eine Integrale, die ich wegen der Musik schon mindestens zweimal gehört habe. Leider schafft das Orchester wahrlich keine ordentliche Intonation - mal weniger schlimm mal schlimmer: Ich finde die Musik aber absolut hörenswert und spannend.
Übrigens gilt das auch für Erkki Melartins Sinfonien und das Violinkonzert. Doch JPC hat sich nun dessen Sinfonien angenommen. Die Sinfonien Nr. 5 & 6 sind endlich eingespielt und veröffentlicht worden. Ich bin gespannt, wie Ari Rassilainen sie gestaltet hat. Ich habe mir die CD gestern bestellt.
Moderato assai (12.06.2025, 14:44): Und wie gesagt: Es gibt noch eine Überraschung! Da müsstest Du eigentlich nur eine recht pfiffige Box kaufen, in die ich oft hineinhorche - auch, weil sich sehr seltsame Aufnahmen dort befinden. Da machst Du es aber jetzt wirklich seeeehr spannend..... Ich habe keine Ahnung, welche Box Du da meinen könntest, in der noch ein c-Moll Konzert KV 491 zu finden sein könnte. Ich weiß allerdings, dass in der Aufstellung (so ist es immer) noch viele fehlen.
Andréjo (12.06.2025, 15:09): Sie ist spannend in vieler Hinsicht. Absolut einverstanden. Nur die Intonation sollte weniger spannend sein :P . Aber was soll's!
Mit Melartin hatte ich bei der alten Integrale keine echten Probleme bezüglich der Intonation. Freilich keine absolute Glanzleistung bezüglich Interpretation und Aufnahmetechnik. Vielleicht hast Du Lust, zu Rasilainen zu schreiben, wenn Du hineingehört hast. Eigentlich brauche ich nicht unbedingt eine Alternative.
Pardon für die Reihenfolge! Abzusenden vergessen!
Andréjo (12.06.2025, 15:11): Die CD gehört zu der Serie von Brillant mit den legendären russischen Pianisten ... :)
Guenther (12.06.2025, 20:17): Nur noch ganz kurz, da es ja irgendwie nicht zum Thema "Einspielungen des KV491" gehört.
Ich finde solche Aussagen wie die von mir zitierte nicht nur unpassend, sondern auch höchst überflüssig. Wie wir wissen, sagte WAM von sich selbst, daß er, so jung er auch sei, sich nicht ins Bett lege, ohne an den Tod zu denken. Und niemand könne doch sagen, er sei deswegen "mürrisch oder traurig".
Abgesehen davon, daß er immer mehr ausgab, als er ausgeben sollte, und daher permanent "klamm" war und bei Puchberg bettelte, hat er mehrere Kinder verloren, was sicher nicht einfach war. Wenn auch nicht ungewöhnlich in dieser Zeit. Dazu die Krankheiten seiner Frau.
Aber eine "fatalistische Weltsicht"? Hatte er die? Kann man die in seinen Briefen häufiger antreffen?
Ich kann daher nicht verstehen, warum man irgendwelche Aussagen wie die zitierte macht, zumal danach sogar noch die eigene Relativierung folgt: Das könnte mit seiner eigenen Lebenssituation zu tun gehabt haben, obwohl man diesen Bezug bei Mozart nicht suchen sollte.
Eben. Nicht suchen.
Ferner ist der zweite Satz vom Klang nun so gar nicht "fatalistisch". Ich meine, man kann dieses KV am besten "begreifen", wenn man es selbst spielt, vielleicht auch mal auf einem Hammerflügel.
Und dann noch ein Kommentar zur "Provokation": Es ist tatsächlich so, daß ich mich von solchen Aussagen provoziert fühle. Aber das ist ja ein anderes Ding.
War jedenfalls alles nicht "böse" gemeint. :)
Andréjo (12.06.2025, 23:54): Was Günther da schreibt, ist sehr interessant und es ist für mich ein sehr schwieriges Kapitel.
Banal ist, Mozart als Götterliebling zu stilisieren, der stets auf den Wolken schwebte. Ihm praktisch keine humane Existenz zuzugestehen, ihm alle seine menschlichen Schwächen und biografischen Unzulänglichkeiten quasi in Abrede zu stellen zugunsten seiner über jeden Zweifel erhabenen Kunst, ist das die richtige Haltung?
Früher - vor vierzig, fünfzig Jahren - fand ich Mozart schön zu hören im Sinne eines angenehmen Sichtreibenlassens. Doch wenn man sich mit den Dingen zunehmend genauer befasst, in vieler Hinsicht dazulernt, dann erkennt man - meine ich - doch zweierlei:
Zum einen ist diese Musik gerade im Vergleich mit diversen Zeitgenossen schlicht genial, formvollendet, erfindungsreich - ich verzichte gerne auf Übertreibungs-Epithteta, die Günther nicht mag, und das vielleicht zu Recht.
Zum anderen hat es, sieht man sich mit Attributen wie "fatalistisch", "verzweifelt" konfrontiert, schlicht keinen Sinn, von unserer modernen wie postmodernen Überflutung auszugehen, der Musik die Harmlosigkeit meinen zuzugestehen zu müssen, die sie vermeintlich hat, wenn man nicht zuhört, uninformiert ist, wegen der Krawatte ins Konzert geht - und so weiter. Doch - ich meine schon, gerade jetzt, wo ich es ein Dutzend Mal gehört habe, dass KV 491 damals schockierend gewesen sein muss. Dies wird ja von Zeitgenossen schwarz auf weiß bestätigt. Für den zweiten Satz gilt das durchaus weniger - aber es wäre wiederum naiv, all das zu überhören, was an tieferen Andeutungen auch dort vorhanden ist. Die mit den langen Ohren haben das damals nicht gehört - vielleicht gut so - und heute sind unsere langen Ohren oft zu verdorben für solche Feinheiten. Doch das ist nicht Mozarts Schuld, meine ich!
Daher halte ich es als begeisterter Musikliebhaber auf Halblaien-Basis beinahe für meine Pflicht, mich unvoreingenommen und so neugierig wie möglich mit dieser Musik auseinanderzusetzen.
Mit 18 konnte ich Mozart auf dem Klavier für mich passabel spielen. Das habe ich gern getan, das hat mir gefallen. Keine genaue Ahnung mehr, inwiefern ich die Dinge verstanden habe. Heute kann ich es nicht mehr, wo ich bei Weitem mehr Ahnung hätte. Ich hatte viel Arbeit und Familie. Die Arbeit ist jetzt weggefallen.
Der zweite Satz ist gewiss nicht (primär) fatalistisch - hat das jemand behauptet? Aber das Hauptthema des ersten Satzes - ja, das finde auch ich zerrissen, verzweifelt. Das kann man meines Erachtens bestens nachvollziehen, wenn man nach Vergleichbarem von Mozarts Zeitgenossen sucht ... und auch bei ihm selbst. Wird man da locker fündig? Da habe ich schon meine Zweifel!
Mozart auf dem Hammerflügel mag ich gerne - HIP ziehe ich längst vor - und doch kann man Casadesus, Brendel, Haskil, Gulda usw.usf. genauso mit Gewinn hören. Warum nicht?
Lassen wir's erst mal dabei! Wie gesagt: Ich bin weder Musiker noch Musikologe, meine Ahnung bezüglich der Harmonielehre ist sparsam, die geschichtliche Materialkenntnis ist da erfahrungsbedingt besser - mit Schwerpunkten und vielen peinlichen Lücken. Doch ich bin stolz darauf, dass ich in der Lage bin, Lachenmann (und zweihundert andere) Sachen zu hören, ohne mit dem Kopf zu schütteln oder Würgereiz zu bekommen.
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (13.06.2025, 03:51): Ich zitiere* mal einen für mich sehr wichtigen Satz von der Netzseite: Wer sich hier in Szene setzt oder auch nur versucht, die Schlichtheit des Ausdrucks mit Gefühl , Bedeutung oder Pathos aufzuladen, der hat das Thema eigentlich schon verfehlt. Wer zu wenig "macht" hat genauso verloren. Ich meine, das gilt nicht nur bei Mozart, sondern mindestens bis in die Hochromantik hinein. Bei mir ist es meist das Ausschlusskriterium. Wann jemand zu viel "macht", ist freilich wieder eine höchst subjektive Einschätzung. Ich bin da ziemlich empfindlich und fege meist radikal durch. (Beispielsweise gab es unter Dutzenden ausprobierten Klavierkonzerten von Grieg nur eine einzige befriedigende Aufnahme, bei der mir der Pianist nicht "im Weg steht".) In der Regel reichen ein paar Minuten, manchmal auch weniger, um auszusortieren – so viel Oberflächlichkeit erlaube ich mir angesichts des gefühlt immer rasanter ansteigenden unteren Füllstands der Lebenssanduhr. Es gibt natürlich Ausnahmen, bei denen der Solist so viel "macht", dass es einfach erhellend ist und mir ein neues, eigenes Verständnis der Werke vermittelt (Mustonens Gemetzel von Beethovens 3. und "6." Konzert zum Beispiel). Zum Thema des Fadens halte ich im Sinne der Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig die Aufnahme mit Kazune Shimizu und Zdeněk Mácal für besonders gelungen.
*Nebenbemerkung: Ich finde den Kopierschutz auf der Seite lästig. Zumal das heutzutage ohnehin nichts bringt: Screenshot machen, Texterkennung anwerfen, Text extrahieren, fertig. Gut, das ist jetzt nicht so viel Aufwand, aber dennoch unnötig hinderlich beim Zitieren.
Andréjo (13.06.2025, 12:23): ;) :) Mir deucht schon lange, dass beim Joe das "zu viel" noch einmal schneller erreicht ist als bei mir. Aber unsympathisch ist mir das nicht!
Maurice inaktiv (13.06.2025, 17:28): Mir deucht schon lange, dass beim Joe das "zu viel" noch einmal schneller erreicht ist als bei mir. Aber unsympathisch ist mir das nicht! vor allem zu viele Einspielungen, die KEINEN echten Mehrwert haben, um das mal so provokant zu schreiben. Man kann Mozart auch "überdrehen", und das schadet mindestens genau so viel wie eine Einspielung, die zu neutral gehalten wird, oder einfach nur langweilig ist und nicht dazu inspiriert erneut das Werk oder gar den ganzen Komponisten zu hören.
Andréjo (13.06.2025, 17:40): That's correct, wie man so sagt auf Französisch.
Andréjo (14.06.2025, 23:03): Gestern und heute habe ich mir je eine weitere Aufnahme zu Gemüte geführt. Viel zu sagen, gibt es nicht, denn fast am eindeutigsten bislang führt Moderato assai Kriterien zu seinen Bewertungen an, denen ich mich ohne Wenn und Aber anschließen kann.
Zunächst habe ich Casadesus auch in Stereo gefunden. Ich verlinke die Sammlung, die ich besitze. Es wird nicht die einzige sein für diese glasklare Deutung, wo ich auch gegen die Bewertung des Clavecin-Nahen, also des durchaus Hippigen, absolut nichts einzuwenden habe. Sehr schöne und intensive Holzbläserfarben!
Casadesus / Szell / 1961
Andréjo (14.06.2025, 23:31): Und vorhin gab es Daniel Barenboim mit dem English Chamber Orchestra. Die schwere LP-Box habe ich wohl schon vor bald fünfzig Jahren gekauft und oft und gerne hineingehört. Um den Plattenspieler - es ist auch nicht mehr der erste - zu schonen, gab es vor wenigen Jahren die CD-Integrale extra - ein seltener Luxus :P . Heute habe ich beide hintereinander gehört mit KV 491 und als Zugabe die B-Seite (KV 503). Wie so oft, gibt es gegen die LPs überhaupt nichts klanglich einzuwenden, wenn die Musik so nahezu knister- und meines Erachtens völlig rauschfrei erklingt - Letzteres mag aber den gealterten Ohren liegen! Hört sich die Platte wärmer an als die Scheibe? Ach, was weiß ich!
Das linke Foto - nebst Flötenuhr-Papperl - ziert meine LP-Box - die bei mir sehr aufgeriebene Plastikfolie sieht man nicht und ein Verkauf steht nicht an. (Das habe ich noch so gut wie nie gemacht. Ich muss trotzdem nicht hungern. :P )
Auch hier folge ich gerne der Bewertung des Kollegen. Er hat vor allem Recht bezüglich des weichen, romantisierenden Zugriffs und auch bezüglich der Streicherbetonung, die - teilweise zumindest - dann doch auf Kosten der hier so wichtigen Bläser geht, meine ich. Gegen die Tempi habe ich gar nichts - das ist ein Quasi-Alternativ-Angebot. Was mir eher missfällt - und ich konnte es auf LP wie auf CD deutlich wahrnehmen, so dass es nicht nur Einbildung sein kann: An mehreren Stellen gelingt es Barenboims - wie gesagt - weichem Zugriff nicht, alle Töne hörbar ausgeglichen zu treffen - es scheinen welche zu fehlen. Wie viel souveräner wirkt da denn doch ein Casadesus!
Andréjo (14.06.2025, 23:39): EDIT: Bei der späteren Einspielung (Punkte: ein halber weniger) ist Moderato assai deutlich kritischer. Nun - es liegt mir fern, sie kennenlernen zu wollen. Nur musste ich sanft grinsen, als ich da las: Mitunter scheinen auch mal einzelne Töne ganz zu fehlen.
Maurice inaktiv (15.06.2025, 17:53): Um ganz im Stile von unserem ehemaligen Wirtschaftsminister zu antworten: Die Töne fehlen nicht ganz, sondern wurden einfach sehr sparsam eingesetzt. :D
PS: Count Basie hatte im Jazz auch nur die notwendigsten Töne gespielt und machte daraus seinen Eigenen Stil. :J
Andréjo (15.06.2025, 18:04): :D Alles klar, Herr Kollege!
Andréjo (16.06.2025, 11:44): Gestern noch: zunächst die Bamberger - mein Lieblingsorchester, banalerweise, weil ich da halt hinfahren kann, nicht nur einmal im Jahr oder so - mit Kirschnereit und Beermann.
Ich halte die Bamberger für ein exzellentes Orchester - eher dunkel und warm im Timbre, stets blitzsauber - gut, Letzteres ist mittlerweile ohnehin Voraussetzung - da hat sich, sagen wir mal, in den letzten sechzig oder achtzig Jahren viel verändert.
Bezüglich der Aufnahme bin ich aber schon eindeutig bei Moderato assai. Das Orchester ist nicht unbedingt perfekt im Timbre und in einer interpretatorischen Geradlinigkeit. Vermutlich meint Moderato assai mit "Geradlinigkeit", die er mehrfach bescheinigt, nicht ganz das Gleiche wie ich - aber das müssen wir nicht diskutieren.
Nämliches gilt für den Pianisten. Bei ihm hat mich auch der hochgradige Verzicht auf Ornamentik etwas überrascht. Denn das macht er eigentlich im Rahmen der Integrale gern und geschickt und das böte sich im zweiten Satz etwa hier doch ganz genauso an.
Dann eine Live-Aufnahme von 1970 mit Clifford Curzon und dem Sinfonieorchester des BR.
Das hat meines Erachtens nicht ganz den Rang von bereits genannten Einspielungen mit Casadesus. Der Pianist ist noch einmal stärker als das Orchester. Ansonsten kann man auf der Homepage des Kollegen nachlesen. Mit der Bewertung gehe ich konform.
Die Tage kommt jetzt noch einmal KV 491 in diesem Rahmen. Da will ich vielleicht ein paar Sätze mehr schreiben, weil der Kollege die Aufnahme nicht berücksichtigen konnte. Das Modalverb setze ich mal, denn sonst hätte er sie wohl berücksichtigt.
:hello Wolfgang
Andréjo (16.06.2025, 12:21): Auf Bandmaschine hatte ich bis rund 1985 übrigens Annerose Schmidt hören können mit der Aufnahme, die Moderato assai bespricht. Das Gerät ist schon lange kaputt und es hätte kaum einen Sinn, sich irgendein gebrauchtes anzuschaffen, denn dann würde ich wahrscheinlich feststellen müssen, dass die Bänder auch mehr oder minder kaputt sind.
Die Kassetten hingegen kann ich schon noch abspielen. Da muss ich mal schauen. Mit großer Wahrscheinlichkeit habe ich - wie alles eigentlich - in Vor CD-Zeiten, also vor ungefähr 1994, das Werk ein einziges Mal aufgenommen. Es bleibt also ein bisschen spannend für mich.
Und die LP mit Barenboim hatte ich ja genannt.
EDIT: Nein, ich finde KV 491 nicht auf Kassette. Die LP-Box war schließlich greifbar damals und ich noch lange kein Tiefensammler.
Andréjo (16.06.2025, 15:24): :D Noch eine Banalität für den Meister:
Die Bewertung der Aufnahme aus Oberlin klingt nicht mehr nach 2,5, sondern (markant) schlechter! Sie ist vom Wortlaut her nun wirklich "mangelhaft". Was bleibt dann übrig für einen halben Punkt? Wahrscheinlich ein Mitschnitt mit mir am Klavier und music minus one von der Kassette - oder könnte man auch null Punkte vergeben?
Moderato assai (16.06.2025, 20:04): Lieber Wolfgang,
zunächst einmal meinen Respekt, dass Du Dich bis in die allerletzten Winkel der Liste vorgearbeitet hast. Alle Achtung!!!
Ja, bezgl. der Bewertungsziffer kann man bei Serkin/Oberlin sicher geteilter Meinung sein. Dein Einwand ist keineswegs banal. Mir war es aber schon schwer ums Herz, dem so bewunderswürdigen Rudolf Serkin die schlechteste Bewertung aller gehörten Einspielungen zu vergeben. Das war für mich genug.
Ich bin überzeugt, dass man ihn nicht gefragt hat, ob er mit einer Veröffentlichung einverstanden wäre, sicher ist dies wieder eine dieser fragwürdigen posthumen Veröffentlichungen, die respektvolle Personen unterlassen hätten. Denn selbst mit 82 muss er zudem noch indisponiert gewesen sein. Sicher war es ein Benefiz-Konzert für die Schule, sonst wäre er da gar nicht aufgetreten.
2-3 ist bei mir schon eine große Ausnahme. Ich glaube das schlechteste war mal eine 2 für eine Cellistin, die das Werk überhaupt nicht beherrschte und noch im Stadium der frühen Aneignung war (Blochs Schelomo).
Also sieh den halben Punkt einfach als Bonus für die vielen staunenmachenden Minuten, wahrscheinlich sind es längst Stunden, die man diesem Pianisten schon zu verdanken hat.
Andréjo (16.06.2025, 21:00): Alles klar, lieber Kollege!
Demnächst kommt dann noch ein schon berühmter Name: Dmitri Bashkirov - so weit die vermutlich englische Schreibweise.