Wolfgang Windgassen,der Wagnertenor

Mime (26.03.2006, 13:26):
Hallo miteinander,

mein "Siegfried" heißt W.Windgassen.Er sang früher in Stuttgart und Bayreuth und zählt für mich heute noch zu den großen Wagnertenören,obwohl er auch lyrische Partien wie Tamino singen konnte.Was haltet ihr von ihm?
Rolf Scheiwiller (26.03.2006, 15:31):
Hallo Mime.
Was ich von Wolfgang Windgassen halte?
Er war die Stütze Neubayreuths!!
Wieland Wagner hat mehrmals beteuert, wenn der Windgassen nicht mehr singt ,dann können wir zumachen.
Von ihm versteht man jedes Wort. Auch im grössten Orchesterklangrausch.
Sicher, seine Stimme finde ich nicht besonders schön.
Aber auf seinen Einspielungen mit Nilsson, Silja und andern beeindruckt er gewaltig!

Er war einer mit eiserner Disziplin. Wieland und Wolfgang Wagner wussten was sie an ihm haben.

Hab die Philips Einspielungen seit Jahrzehnten.

Gruss Rolf.
sune_manninen (26.03.2006, 16:39):
Hallo,

zu einem von vielen Privilegien (auf musikalischem Gebiet) gehört es, daß es mir vergönnt war, Wolfgang Windgassen zu erleben, vor allem in Bayreuth, aber auch in Wien und im damaligen Ost-Berlin.

Das erste Live-Erlebnis (Lohengrin und Stolzing 1960 in Bayreuth) blieb noch ohne Nachhall (bei mir), ganz im Gegensatz zu Tannhäuser 1961 und Tristan 1962, zwei Interpretationen, die m.E. Maßstäbe gesetzt haben.

Den "Nachgeborenen" fällt es ggf. schwer, diesen Eindruck an Hand von CDs, gar noch von Studio-Produktionen, nachzuvollziehen, aber es gibt zum Glück einige Mitschnitte, die etwas von der Bedeutung Windgassens vermitteln, neben Tannhäuser und Tristan würde ich einen 1959er Ring von Covent Garden nennen (neben Varnay und Hotter). Natürlich war Windgassen kein "schwerer Held" à la Melchior, und sein damaliger Tenor-Kollege (oder -Rivale) Hans Beirer hatte sicherlich ein Mehr an Volumen zu bieten, konnte es aber nicht mit seiner künstlerischen Intelligenz aufnehmen. Wenn also Windgassen (im Vergleich zu Melchior) lyrisch war, als was soll ich denn erst seine "Nachfahren" Kollo, Hofmann, Jerusalem, Smith usw. bezeichnen?

Aber, wo Licht ist, ist auch Schatten. Windgassen war ein Viel-Sänger, und das in seinem Heldentenor-Fach. Das bedeutet, daß er außerhalb Bayreuths (und in en letzten Jahren auch dort) häufig auf Sparflamme sang, so daß sich Zuschauer, die ihn erstmalig hörten, fragten : Dies soll der große Windgassen sein?

Wie witzig Windgassen sein konnte, davon zeugt eine TV-Aufzeichnung der Fledermaus, in der er einen hinreißenden Orlofsky spielte (davor war er in Stuttgart jahrelang Eisenstein gewesen, mit seiner späteren Frau Lore Wissmann als Rosalinde).

Sune
Ganong (29.03.2006, 17:13):
Lieber Rolf , lieber Sune ,
Anja Silja hat es 2002 in einem mehrstündigen (!) Gespräch mit Musikbeispielen auf den Punkt gebracht :" Ohne Wolfgang Windgasen hätte Bayreuth damals zumachen können " ( WDR, 3. Hörfunkprogramm .
Dem ist nichts hinzuzufügen .
Viele Grüsse , Ganong
Mime (29.03.2006, 18:13):
Hallo miteinander,

als ich meinen obigen Beitrag entdeckte,war er mit 6 Sternchen verziert.Um nicht zur Persona non grata abgestempelt zu werden,möchte ich vorsichtig umschreibend erwähnen,daß die lyrische Partie in einer Mozartoper ( KV 620) vorkommt,darüberhinaus auch in Süßwarengeschäften als Prinzenrolle angeboten wird.Dies Bildnis ist bezaubernd schön... :W
Mime (26.03.2006, 13:26):
Hallo miteinander,

mein "Siegfried" heißt W.Windgassen.Er sang früher in Stuttgart und Bayreuth und zählt für mich heute noch zu den großen Wagnertenören,obwohl er auch lyrische Partien wie Tamino singen konnte.Was haltet ihr von ihm?
Rolf Scheiwiller (26.03.2006, 15:31):
Hallo Mime.
Was ich von Wolfgang Windgassen halte?
Er war die Stütze Neubayreuths!!
Wieland Wagner hat mehrmals beteuert, wenn der Windgassen nicht mehr singt ,dann können wir zumachen.
Von ihm versteht man jedes Wort. Auch im grössten Orchesterklangrausch.
Sicher, seine Stimme finde ich nicht besonders schön.
Aber auf seinen Einspielungen mit Nilsson, Silja und andern beeindruckt er gewaltig!

Er war einer mit eiserner Disziplin. Wieland und Wolfgang Wagner wussten was sie an ihm haben.

Hab die Philips Einspielungen seit Jahrzehnten.

Gruss Rolf.
sune_manninen (26.03.2006, 16:39):
Hallo,

zu einem von vielen Privilegien (auf musikalischem Gebiet) gehört es, daß es mir vergönnt war, Wolfgang Windgassen zu erleben, vor allem in Bayreuth, aber auch in Wien und im damaligen Ost-Berlin.

Das erste Live-Erlebnis (Lohengrin und Stolzing 1960 in Bayreuth) blieb noch ohne Nachhall (bei mir), ganz im Gegensatz zu Tannhäuser 1961 und Tristan 1962, zwei Interpretationen, die m.E. Maßstäbe gesetzt haben.

Den "Nachgeborenen" fällt es ggf. schwer, diesen Eindruck an Hand von CDs, gar noch von Studio-Produktionen, nachzuvollziehen, aber es gibt zum Glück einige Mitschnitte, die etwas von der Bedeutung Windgassens vermitteln, neben Tannhäuser und Tristan würde ich einen 1959er Ring von Covent Garden nennen (neben Varnay und Hotter). Natürlich war Windgassen kein "schwerer Held" à la Melchior, und sein damaliger Tenor-Kollege (oder -Rivale) Hans Beirer hatte sicherlich ein Mehr an Volumen zu bieten, konnte es aber nicht mit seiner künstlerischen Intelligenz aufnehmen. Wenn also Windgassen (im Vergleich zu Melchior) lyrisch war, als was soll ich denn erst seine "Nachfahren" Kollo, Hofmann, Jerusalem, Smith usw. bezeichnen?

Aber, wo Licht ist, ist auch Schatten. Windgassen war ein Viel-Sänger, und das in seinem Heldentenor-Fach. Das bedeutet, daß er außerhalb Bayreuths (und in en letzten Jahren auch dort) häufig auf Sparflamme sang, so daß sich Zuschauer, die ihn erstmalig hörten, fragten : Dies soll der große Windgassen sein?

Wie witzig Windgassen sein konnte, davon zeugt eine TV-Aufzeichnung der Fledermaus, in der er einen hinreißenden Orlofsky spielte (davor war er in Stuttgart jahrelang Eisenstein gewesen, mit seiner späteren Frau Lore Wissmann als Rosalinde).

Sune
Ganong (29.03.2006, 17:13):
Lieber Rolf , lieber Sune ,
Anja Silja hat es 2002 in einem mehrstündigen (!) Gespräch mit Musikbeispielen auf den Punkt gebracht :" Ohne Wolfgang Windgasen hätte Bayreuth damals zumachen können " ( WDR, 3. Hörfunkprogramm .
Dem ist nichts hinzuzufügen .
Viele Grüsse , Ganong
Mime (29.03.2006, 18:13):
Hallo miteinander,

als ich meinen obigen Beitrag entdeckte,war er mit 6 Sternchen verziert.Um nicht zur Persona non grata abgestempelt zu werden,möchte ich vorsichtig umschreibend erwähnen,daß die lyrische Partie in einer Mozartoper ( KV 620) vorkommt,darüberhinaus auch in Süßwarengeschäften als Prinzenrolle angeboten wird.Dies Bildnis ist bezaubernd schön... :W
Amonasro (02.06.2013, 23:55):
Ich kenne Wolfgang Windgassen bislang nur von den Aufnahmen "Der Ring des Nibelungen" unter Solti mit Hotter, London, King, Crespin, Nilsson, etc. als Siegfried und "Tristan und Isolde" unter Böhm mit Nilsson, Talvela, Ludwig, Waechter, etc. als Tristan und muss sagen, dass mir seine Rollengestaltung sehr zusagt. Ich ziehe ihn zumindest den meisten anderen "Heldentenören" (z.B. Kollo, Thomas) vor. Ich bin gespannt auf mehr von ihm. Welche Aufnahmen wären den noch zu empfehlen (insbesondere Wagner)?

Gruß Amonasro
palestrina (03.06.2013, 16:25):
Hallo Amonasro ! Hier einige Empfehlungen !

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LG palestrina
Die 4CD Box ist sehr empfehlenswert , aber nicht nur Wagner , denn er konnte auch anderes Singen!
Amonasro (03.06.2013, 21:43):
Danke! Das ist ja schon einiges, was ich mir mal vormerken werde. Man weiß kaum, wo man da anfangen soll.

(Auch wenn ich den Böhm-Tristan zurzeit nicht doppelt brauche. :wink)

Gruß Amonasro
palestrina (23.02.2015, 14:06):
Erscheint diese Woche Freitag ....

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61%2Bfyn9JwdL._SY400_.jpg :)

LG palestrina