Wotans Abschied und Feuerzauber

Amadé (05.10.2015, 17:33):
Liebe Forianerinnen und Forianer,
als ich noch keine Schallplatten kaufen konnte und Musik nur über das Radio kennenlernte, war ich immer wieder fasziniert von Wotans Abschied und Feuerzauber aus Wagners Walküre, damals war ich so um 12 Jahre alt. Die Oper selbst habe ich erst viel später via LP kennengelernt. Welche Aufnahmen damals zu Gehör gebracht wurden, entzieht sich heute meiner Kenntnis. Wahrscheinlich war ich vom Pathos der Wotan-Stimme und der Orchestersprache tief beeindruckt, was bis heute noch fortdauert.
Da vielleicht auch andere im Forum diese Schlussszene der Walküre mögen und Aufnahmen davon Sammeln, rege ich diesen Faden an. Nach meiner Recherche nach gibt es nur im Thread "Wagners schönste Stellen" wenige kurze Statements.

Meine ersten LPs mit Wotans Abschied und Feuerzauber waren eine LP mit Monologen aus Holländer, Meistersinger und eben Walküre, gesungen von George London und begleitet von Knappertsbusch, heute auf dieser CD soeben neu herausgebracht:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51L8TEHVwqL._SX466_.jpg

sowie eine damals schon historische Aufnahme aus Dresdens letztem Jahr vor Zerstörung der Semperoper mit Wagners Walküre 1. Akt und Wotans Abschied und Feuerzauber, dirigiert von Karl Elmendorff, den Wotan sang Josef Herrmann, heute auf dieser DCD greifbar:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Pk3ItRLVL._SY450_PJautoripBadge,BottomRight,4,-40_OU11__.jpg

Später gesellten sich bei mir Gesamtaufnahmen der Walküre dazu, Furtwängler-54, Böhm und Solti.

Auf einen Austausch freut sich
Amadé
Hosenrolle1 (05.10.2015, 18:09):
Der Feuerzauber hat schon etwas für sich, rein klanglich gesehen gefällt er mir vom Auflodern der Flammen (hier merkt man m.E. besonders wie stark der Einfluss Wagners auf John Williams war!) bis zum Ende sehr gut.

Auch Richard Strauss weiß über die Stelle nur Gutes zu berichten:

Diese Auffassung entspricht dem Stil der Instrumentation, den ich den klassischen nennen möchte, und der sich aus dem Geiste der Kammermusik auf die Behandlung des Orchesters übertragen hat. Diesem Stil, der die absolute Klarheit und Ausführbarkeit jeder Figur durch jedes Instrument als Hauptmerkmal trägt, kann ein anderer Stil der al fresco-Behandlung des Orchesters gegenübergestellt werden, der von Wagner so recht eigentlich eingeführt wurde und der sich zum ersten verhält, wie der Stil der aus der Miniatur-Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts hervorgegangenen Florentiner Meister zur „breiten Malweise" eines Velasquez, Rembrandt, Franz Hals und Turner mit ihren wunderbar getönten Mischfarben und differenzierten Lichtwirkungen.

Das eklatanteste Beispiel ist hierfür die Geigenbehandlung im Feuerzauber des dritten Aktes Walküre.
Wagner schrieb da, zur Wiedergabe des lodernden und züngelnden Feuers, eine Figur, die kaum von einem vorzüglichen Solisten in allen Teilen ausführbar oder ganz sauber wiederzugeben ist. Von 16 bis 32 Violinisten ausgeführt, ist die Stelle im Ensemble von einer so wundervollen, schlagenden Wirkung, daß man sich eine bessere Wiedergabe des lodernden, in tausend Mischtönen flimmernden Feuers absolut nicht vorstellen kann. Wäre eine leichtere, vielleicht etwas gemessenere Figur vorgeschrieben, so könnte leicht der Eindruck der Steifheit eintreten, den ich persönlich im Rheingold beim Gesang der das Riff umschwimmenden Rheintöchter nicht loswerden kann.


Wenn es um die Geschichte geht, so habe ich aber ab dem 2. Akt Walküre schon Probleme, und beim Feuerzauber konzentriert sich alles nur mehr auf Wotan und Brünnhilde - dass Sieglinde nun alleine irgendwo in den Wäldern herumstreift, das interessiert gar nicht mehr, am allerwenigsten Wotan. Die ist nun nutzlos für seine Pläne geworden, und soll selbst schauen wo sie bleibt.

Deswegen liegt der Reiz dieser Stelle für mich ausschließlich in der Instrumentation, den Melodien, dem klanglichen, nicht in der Geschichte.




LG,
Hosenrolle1
abendroth (05.10.2015, 20:29):
Also ich mag den Feuerzauber überhaupt nicht und ich blende fast immer aus, da er die wunderbare Stimmung, die Wotans Abschied erzeugt, völlig verdirbt. Der grossartigste Abschied ist der Norman Baileys mit Klemperer. Da tut es einem richtig weh, dass der Klempereur nie den Ring aufgenommen hat. Und die Aufnahme Abendroths 1955 aus der Budapester Oper gehört natûrlich auch zu meinen diskographischen Schätzen.
Hosenrolle1 (05.10.2015, 20:34):
Original von abendroth
Also ich mag den Feuerzauber überhaupt nicht und ich blende fast immer aus, da er die wunderbare Stimmung, die Wotans Abschied erzeugt, völlig verdirbt.

Inwiefern verdirbt er dir die Stimmung?

Mein Problem mit Wotans Abschied ist ja, dass er für meinen Geschmack zu breit ausgewalzt wird, die Musik viel zu "lieb" ist - obwohl eben jenem Wotan völlig egal ist, dass seine andere Tochter gerade völlig auf sich allein gestellt im Wald leben muss.
Und im Gegensatz zur Wotan bzw. Brünnhilde, die beide zu diesem Zeitpunkt noch Aussichten auf eine bessere Zukunft haben, stirbt Sieglinde dann ja auch und hat keine schönen Aussichten mehr.

Wie geht es dir damit?




LG,
Hosenrolle1
Jürgen (05.10.2015, 21:10):
Diese 15 Minuten Musik sind mit das wunderbarste, was ich an Musik kenne.

Da sind überbordende, gewaltige Gefühlsausbrüche, aber auch zarte Momente.
Der Trennungsschmerz des Vaters wir deutlich hörbar. Wer will, kann auch Schlimmeres hineininterpretieren.

Ich hörte eben erst Solti 1965, danach Leinsdorf 1961 und bin geplättet.

@abendroth: Ja es ist ein gewisser Bruch zwischen Abschied und Feuerzauber. Aber gestört hat er mich nie.

@Hosenrolle: Es ist gerade das Faszinierende an diesem Drama, dass Wotan auch negative Seiten hat, ich ihm aber trotzdem die menschlichen Züge abnehme, ja sogar mit ihm leide.


Grüße
Jürgen
Hosenrolle1 (05.10.2015, 21:28):
Original von Jürgen
@Hosenrolle: Es ist gerade das Faszinierende an diesem Drama, dass Wotan auch negative Seiten hat, ich ihm aber trotzdem die menschlichen Züge abnehme, ja sogar mit ihm leide.

Das kann ich durchaus nachvollziehen; auch Kurt Pahlen schreibt, dass er dafür, dass er ein Gott sein soll, ziemlich menschlich agiert. Er ist nicht allwissend, und er ist nicht allgegenwärtig.

Und doch sehe ich ihn als ziemlich empathielose Gestalt in diesem Drama. Er ist durch Verträge gebunden und beklagt diesen Umstand, und die Fehler die er gemacht hat.

Da bin ich noch bei ihm.

Dass er aber nur um seiner selbst willen zwei Kinder zeugt, die in äußerst schlechten Bedingungen ihrem Schicksal überlässt, nur um einen "freien Helden" zu haben, der IHM etwas nützt, ist schon ein starkes Stück.

Und dass er am Ende der "Walküre" auch noch - obwohl er seine Fehler ja bereits eingesehen hat! - sich nicht mehr um Sieglinde schert ...


Brünnhilde:

Sieglinde hegt
die heiligste Frucht;
in Schmerz und Leid,
wie kein Weib sie gelitten,
wird sie gebären,
was bang sie birgt.

Wotan:

Nie suche bei mir
Schutz für die Frau,
noch für ihres Schosses Frucht!


... lässt seinen Abschied für mich in einem ganz anderen Licht erscheinen. Ich finde, dass die Musik sich hier zu sehr auf Wotan konzentriert, nachdem Siegmund und Sieglinde keinen Nutzen mehr für Wotan (und für die Geschichte) haben.
Oder kurz gesagt: ich kann nicht mit einer solchen Figur mitfühlen, die weiterhin ihre Kinder offenbar in "nützlich" und "unnütz" einteilt.

Ein weiterer Beweis: er möchte zunächst Brünnhilde ebenfalls völlig verstoßen, soll sie irgendein böser Mann befreien. Völlig egal. Für ihn ist sie ebenfalls nutzlos.
Erst als sie ihm in den Kopf setzt, dass man die Sache zu seinen Gunsten noch positiv drehen könne, indem nur Siegfried sie befreit, stimmt er zu und richtet sich nach ihrem Vorschlag, denn nun ist sie wieder nützlich geworden.




LG,
Hosenrolle1
palestrina (06.10.2015, 15:38):
1972 legte ich mir die erste Gesamtaufnahme des Rings zu, natürlich Solti, und war total fasziniert von G.London als Wotan im Rheingold , damals fragte ich mich warum singt er nicht alle Wotane im Ring ( heute weiß ich warum) , denn H.Hotter gefiel mir lange nicht so gut , das hat sich dann im laufe der Zeit auch geändert, aber G.London hat eben das besondere in der Stimme ,was mir heute noch gefällt !
Am besten finde ich bei WAuFZ seine Interpretation auf der Leinsdorf GA, aber schlecht finde ich keine .Auf der Knappertsbusch Aufn. ist er mir etwas zu stark betont in der Aussprache . Sehr direkt in der Aufn.von '53 unter Moralt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41NRQ4WWVCL._SY400_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51R1sjIvzkL._SY350_.jpg
die andere s.o.

Dann gibt es noch den Ferdinand Franz den ich auch mehr als nur zufriedenstellend finde , besonders seine Live Aufn. Ring NY 3.2.1951 , Stiedry und Furtwängler Scala sinf richtig gut, weniger in der StudioAufn. mit Furtwängler und dem Rai Ring.

https://media1.jpc.de/image/w220/front/0/4032250093736.jpgleider finde ich das Cover der Gebhard Ausg.nicht.http://ecx.images-amazon.com/images/I/51BlonlZjHL._SY350_.jpg

Und an gibt es noch den 3Akt Walküre Bayreuth '51 mit Karajan und eben dort den wunderbaren S.Björling als Wotan , ganz hervorragend und sehr differenziert !

http://ecx.images-amazon.com/images/I/517dyx-f7AL._SY350_.jpg

Um den H.Hotter nicht ganz zu vergessen, nein er hat schon gute Leistungen vollbracht als Wotan vom Dienst , :wink , aber ich empfinde es eben immer als das gleiche , sorry mine Meinung, aaaaber richtig gut finde ich ihn im Keilberth Ring von '53 , ob ihn da die Mödl mehr animierte hat !? :)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51EK5PGFF9L._SY350_.jpg

Ja dann gibt es noch viele andere, A.Boehm, O.Edelmann, R.Bockelmann, F.Schorr , H.Jassen,( ziemlich gut) und und.
Aber so richtig hat es mir da keiner angetan !
Und dann kommen schon die Nachfolger !
Für Heute wars das mal !

LG palestrina
Amadé (06.10.2015, 20:04):
Da hätten wir ja schon einiges zusammen.

Wagner, da ja oft als Erneuerer herausgehoben wird, bedient sich in Wotans Abschied und Feuerzauber der allbekannten dreiteiligen Form, aber nicht ABA sondern ABC mit einem, wie gehabt, langsamen Mittelteil.
A: Leb wohl du kühnes....,
B: Der Augen leuchtendes Paar...
und C: Loge hör!...
Die Dreiteiligkeit der Anlage begegnet uns im weiteren Verlauf des Rings noch mehrmals.

Der von mir oben erwähnte Josef Herrmann singt auch den Wotan in einer Produktion der Berliner Städtischen Oper unter der Leitung von Ferenc Fricsay aus dem Jahre 1951:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31NWADfKNZL.jpg

Ich werde über beide Darstellungen demnächst hier berichten.

Gruß Amadé
Amonasro (06.10.2015, 22:55):
Für mich zählt Wotans Abschied zu den schönsten und bewegensten Stellen im ganzen Ring, eigentlich der Oper überhaupt.
Meine Favoriten sind George London und Hans Hotter, wobei ich Hans Hotter noch vorziehe. Ich finde Hotters Interpretation mit Abstand die emotionalste; deswegen gefällt er mir auch in der Solti-Aufnahme besonders, obwohl er da schon mit stimmlichen Problemen (insbesondere beim Feuerzauber hörbar) zu kämpfen hat. Besser bei Stimme ist er natürlich in der Live-Aufnahme unter Clemens Krauss, das scheint mir zurzeit die ideale Version zu sein.
George London ist rein stimmlich deutlich eindrucksvoller, den tiefen Schmerz über den Verlust der Tochter kann er aber nicht ganz so glaubhaft machen wie Hotter. Er wirkt noch zu gefasst, zu souverän.

Gruß Amonasro :hello
Hosenrolle1 (06.10.2015, 23:07):
Ich kann es immer noch nicht nachvollziehen; stört es denn nicht ein bisschen, dass Wotan sich hier nur um Brünnhilde kümmert (und auch nur, weil sie ihm noch nützlich sein kann), Sieglinde ihm aber während dem emotionalen Abschied schon völlig egal ist?

Meine absolute Gänsehautstelle in der "Walküre" ist für mich das Herausziehen des Schwertes im 1. Akt, wo die Musik für einen Moment ordentlich rummst und das Nothung-Motiv majestätisch und triumphierend schmettert - ab diesem Zeitpunkt hat die ganze Not (vermeintlich) ein Ende gefunden, und die Zukunft kann nur besser werden.


Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte niemandem diese Wotan-Szene miesmachen oder schlechtreden, oder behaupten, sie sei nicht emotional, ich kann es nur, aus den genannten Gründen, nicht nachvollziehen.

EDIT: mir gefällt die Musik des Feuerzaubers ja auch sehr gut, also es geht mir hier wirklich nur um die Geschichte, um Wotan, mit dem ich Probleme habe.





LG,
Hosenrolle1
satie (07.10.2015, 09:24):
Original von Hosenrolle1

Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte niemandem diese Wotan-Szene miesmachen oder schlechtreden, oder behaupten, sie sei nicht emotional, ich kann es nur, aus den genannten Gründen, nicht nachvollziehen.

EDIT: mir gefällt die Musik des Feuerzaubers ja auch sehr gut, also es geht mir hier wirklich nur um die Geschichte, um Wotan, mit dem ich Probleme habe.



Mach es einfach wie ich: mir sind die ganzen Geschichten derart wurscht, dass ich bei einigen Opern, die ich mag, nicht einmal weiß, was die Handlung ist. Die Musik reicht mir vollkommen.
palestrina (07.10.2015, 11:59):
Wie versprochen geht es heute weiter mit der nächsten Generation ......

1967 Walküre , Ring Karajan und Thomas Stewart
Er ist gut , ich habe allerdings keine andere Aufn.mit ihm und somit würde ich sagen , unter Karajan macht er seine Sache sehr akzeptabel , aber wie es wäre mit einem anderen Dirignten !?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61RtvRmH%2B3L._SY350_.jpg

WAuFZ mit Fischer-Dieskau 1977 / Kubelik Studio
Habe ich auch nur einmal , aber das genügt voll und ganz um ihn mal als Walküren Wotan zu hören.
Erstens ist seine Stimme viel zu hell und er versucht sie hier künstlich abzudunkeln, aber dadurch gerät hier alles durcheinander. Auch hat er einige Mühe das ganze zu überstehen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51U0dbKA2eL._SY350_.jpg

Donald McIntyre Jahrhundert Ring Boulez 1980/ 81
Das ist für mich völlig unakzeptabel , denn er singt so ein schlechtes deutsch dabei verschluckt er soviel wohl um einiges zu kaschieren, ihm zuzuhören macht wenig Freude.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51LgZIOP8oL._SY350_.jpg

John Tomlinson Ring Bayreuth Barenboim 1993

Für mich der beste Wotan aller hier angeführten , da stimmt einfach alles , Ausdruck, Tiefe, Wortdeutlichkeit, Gefühl und Hingabe .Ergo für mich der perfekte Wotan!
Er erreicht auf der Walküren Aufn. von 2002 mit Z.Mehta nicht mehr ganz das Niveau wie '93 ,aber immer noch besser wie viele andere!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/511vAJf8VQL._SY350_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/41dkxmmmRRL._SY350_.jpg

James Morris Met Ring 1988 Levine

Also, J.M.ist schon eine ganz andere Bank , die Aufn.ist eher auf der langsameren Seite , er ist wortdeutlich, unglaublich sinnlich und singt ungemein schön.
Wenn man von der reinen Stimmschönheit ausgeht ist das die schönste ! :down
Auch auf dem ein Jahr später entstandenen Recital mit R.Weikert liefert er das gleich gute Resultat,
also ob Live ode Studio , Top !!!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51sx0dVUTEL._SY350_.jpghttp://1.1.1.1/bmi/www.arkivmusic.com/graphics/covers/non-muze/full/282850.jpg

Jose van Dam Recital mit J.C.Casadeus 1990
Hier eine Objektive Erläuterung abzugeben ist für mich nicht ganz so einfach, denn ich mag seine Stimme überaus gerne gepaart mit einer enormen Ausdruckskraft , da ich ihn auch div.male Live gehört habe. Also, sein Wotan ist gut aber nicht überragend , was man allerdings merkt ist , das er weiß wovon er singt . Was nicht bei allen Interpreten der Fall zu sein scheint !? Siehe DMcI.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/510JJoCmomL._SY350_.jpg

LG palestrina
Amonasro (07.10.2015, 16:16):
Original von Hosenrolle1
Ich kann es immer noch nicht nachvollziehen; stört es denn nicht ein bisschen, dass Wotan sich hier nur um Brünnhilde kümmert (und auch nur, weil sie ihm noch nützlich sein kann), Sieglinde ihm aber während dem emotionalen Abschied schon völlig egal ist?

Dass Sieglinde ihm völlig egal ist würde ich verneinen. Er lässt von den Wälsungen ja hauptsächlich deswegen ab, weil er durch die äußeren Umstände (Fricka) dazu gezwungen wird. Sein Schmerz darüber ist im 2. Akt offenkundig. Außerdem sagt er das von dir zitierte

"Nie suche bei mir
Schutz für die Frau,
noch für ihres Schosses Frucht!"

noch bevor ihm bewusst wird, dass sein Wälsungen-Plan vielleicht doch noch gelingen kann. Bei Wotans Abschied ist ihm eindeutig wieder an Sieglindes bzw. Siegfrieds Überleben gelegen; der ganze Feuerzauber ziehlt ja auf Siegfried ab. Ein weiteres Eingreifen Wotans würde jedoch wieder zu den selben Widersprüchen führen.

Aber unabhängig von allen übergeordneten Plänen Wotans sind seine Gefühle für Brünnhilde in dieser Szene echt und die Musik so emotional, dass sein vorheriges Fehlverhalten die Szene für mich in keiner Weise schmählert.

Zu James Morris: Ich habe ihn mir auf YT angesehen und großen Eindruck hat er nicht hinterlassen. Sicher: Die Stimme ist schön, aber andere haben die Rolle deutlich mehr durchdrungen. Tomlinson überzeugt mich da deutlich mehr.

Gruß Amonasro :hello
palestrina (07.10.2015, 16:31):
Original von Amonasro
Zu James Morris: Ich habe ihn mir auf YT angesehen und großen Eindruck hat er nicht hinterlassen. Sicher: Die Stimme ist schön, aber andere haben die Rolle deutlich mehr durchdrungen. Tomlinson überzeugt mich da deutlich mehr.
Gruß Amonasro :hello

Lieber Amonasro, genauso sehe ich das auch, ich schrieb ja von der reinen Stimmschönheit bei Morris!
Aber Tomlinson hat mich sehr überzeugt !
Wen meinst du mit andere ?

LG palestrina
palestrina (07.10.2015, 16:43):
Vielleicht sollte man die Diskussion von mit und überhaupt ....Sieglinde , hier weiterführen ....

Der Ring des Nibelungen .....Der Welt Anfang und Untergang-Zu Richard Wagners "Ring des Nibelungen "

wäre dann sinnvoller !

LG palestrina
Amonasro (07.10.2015, 17:07):
Original von palestrina
Wen meinst du mit andere ?

Neben Tomlinson und meinen Favoriten London und Hotter fallen mir da noch Ferdinand Frantz, John Wegner (Neuhold-Ring) und Wolfgang Koch (zurzeit in Bayreuth) ein. Bei Morris fehlt mir eben noch das letzte Stück Leidenschaft. Den Schmerz, den Wotan in diesem Moment empfindet, höre ich bei den genannten deutlich mehr heraus.

Gruß Amonasro :hello
palestrina (07.10.2015, 17:54):
Hallo Amonasro, den Wegner habe ich in nicht so guter Erinnerung, werde das nochmal nachhören!
Jaja, die anderen sind schon große Klasse , aber wie ich schon schrieb , mit Hotter habe ich auch so manchesmal meine Probleme, gehst du da nur von der Solti Aufn.aus , oder kennst du auch noch andere mit ihm ? S.o. bei dem '53 Ring mit Keilberth finde ich Hotter sehr gut !

LG palestrina
Hosenrolle1 (07.10.2015, 18:33):
Da der Thread "Wotans Abschied und Feuerzauber" und nicht etwa "Wotans Abschied und Feuerzauber - Eure liebsten Aufnahmen" heißt, dachte ich, dass man über eben jenen diskutieren kann; ob das nun favorisierte Aufnahmen, die Musik, der Gesang, die Handlung etc. ist.

Sieglinde, um die es mir in meinen Beschreibungen sowieso nicht hauptsächlich gegangen ist, habe ich angeführt, weil sie für meine Bewertung des Wotan-Abschieds eine Rolle spielt.

Ich werde aber gerne die, wie ich finde, sehr spannende Diskussion in den anderen Thread verlegen.




LG,
Hosenrolle1
palestrina (07.10.2015, 19:01):
Original von Amadé
Liebe Forianerinnen und Forianer,
Da vielleicht auch andere im Forum diese Schlussszene der Walküre mögen und Aufnahmen davon Sammeln, rege ich diesen Faden an. Nach meiner Recherche nach gibt es nur im Thread "Wagners schönste Stellen" wenige kurze Statements.
Amadé

Also ich denke das es hier schon darauf hinausläuft !

Aber wie gesagt kann man ja im andere Thread weiter diskutieren !

LG palestrina
Jussi (07.10.2015, 19:06):
Original von Jürgen
Diese 15 Minuten Musik sind mit das wunderbarste, was ich an Musik kenne.

Da sind überbordende, gewaltige Gefühlsausbrüche, aber auch zarte Momente.
Der Trennungsschmerz des Vaters wir deutlich hörbar. Wer will, kann auch Schlimmeres hineininterpretieren.

Ich hörte eben erst Solti 1965, danach Leinsdorf 1961 und bin geplättet.

@abendroth: Ja es ist ein gewisser Bruch zwischen Abschied und Feuerzauber. Aber gestört hat er mich nie.

@Hosenrolle: Es ist gerade das Faszinierende an diesem Drama, dass Wotan auch negative Seiten hat, ich ihm aber trotzdem die menschlichen Züge abnehme, ja sogar mit ihm leide.


Grüße
Jürgen

Lieber Jürgen, ich kann jedes Wort von Dir unterschreiben! :beer
Keine einzige Note ist in diesen 15 Minuten zuviel! Ein Wechselbad der Gefühle und Hochgenuß in einem!
Am besten live erleben! :engel :down :down :leb

LG Jussi
Amonasro (07.10.2015, 22:04):
Original von palestrina
Jaja, die anderen sind schon große Klasse , aber wie ich schon schrieb , mit Hotter habe ich auch so manchesmal meine Probleme, gehst du da nur von der Solti Aufn.aus , oder kennst du auch noch andere mit ihm ? S.o. bei dem '53 Ring mit Keilberth finde ich Hotter sehr gut !

Mit Hotter habe ich den Solti-Ring und den Krauss-Ring (1953). Die Keilberth-Aufnahme kenne ich nicht.
Unter Krauss ist Hotter natürlich deutlich besser bei Stimme, auch die Aussprache ist viel klarer, als später bei Solti, wo er schon hörbar seinen Zenit überschritten hat. Besonders deutlich wird das bei den lauteren, dramatischen Stellen, also gerade auch beim Feuerzauber. Für mich ist Hotter der Wotan, der mich emotional am stärksten berührt; und das ist auch unter Solti der Fall. Die Art und Weise, wie er einige Worte betont, macht seine Interpretation besonders lebendig und eindringlich. Unter Solti scheint mir das trotz der stimmlichen Schwächen nochmal ausgeprägter als früher unter Krauss; und das nicht nur bei Wotans Abschied, auch z. B. das "Geh!" zu Hunding oder weite Teile seines Monologs im 2. Akt habe ich bisher nicht besser gehört.
Ich muss aber zugeben, dass ich viele wichtige Wotane wie Frantz oder Stewart nur von Ausschnitten kenne und sicher noch einige andere Wotane für mich entdecken werde.
Was Hotters Wotan angeht, ist es auf jeden Fall eine große Bereicherung, ihn nicht nur von der Solti-Aufnahme zu kennen.

Gruß Amonasro :hello

Edit: Meinst du die Keilberth-Aufnahme von 1955? 1953 dürfte es in Bayreuth wohl kaum zwei verschiedene Ringzyklen gegeben haben. :D
palestrina (08.10.2015, 02:48):
Original von Amonasro Meinst du die Keilberth-Aufnahme von 1955? 1953 dürfte es in Bayreuth wohl kaum zwei verschiedene Ringzyklen gegeben haben. :D

Hallo Amonasro, oh doch gab es 1953 den Ring 2X im July mit Keilberth und im August mit Krauss !
Und wieso meinst du, dürfte es wohl kaum ? ?(

LG palestrina
Amonasro (08.10.2015, 11:34):
Oh, das wusste ich nicht. Ich bin davon ausgegangen, dass innerhalb der Festspielzeit Dirigent und Besetzung gleich bleiben. Das ist zumindest heute so. Dass sich zwei Dirigenten den Ring teilen, schien mir ungewöhnlich. Und bei einer kurzen Suche hatte ich auf CD nur den 55er Keilberth gefunden. Also meinem Kommentar am besten schnell wieder vergessen. :J
Von den Sängern her ist der Keilberth dann wahrscheinlich fast genauso wie Krauss?

Gruß Amonasro :hello
palestrina (08.10.2015, 13:44):
Hallo Amonasro, mit dem "großen" Unterschied , bei Keilberth singt M.Mödl die Brünhilde ! :wink

LG palestrina
Amadé (17.10.2015, 19:39):
https://media3.jpc.de/image/w440/front/0/0028945778525.jpg

Wotan: Thomas Stewart

Der Abstand zu den "Menschen" ist bei ihm nicht so extrem wie bei anderen Darstellern. Er spricht von Auge zu Auge, nicht von oben herab, die Distanz ist geringer. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Stewarts Stimme nicht so heldisch klingt wie z. B. die von Frantz, Hotter oder London. Ein Wotan fast zum Anfassen.

Grüße Amadé
palestrina (20.10.2015, 12:51):
Nun komme ich mal zu Theo Adam, der allerdings nicht zu meinem Lieblings Wotan zählt , wogegen ich sagen muss, der Abschied auf dem Recital von '67 mit der Staatskapelle Berlin unter Suitner ist sehr gut , um mit Wapnewski zu sprechen " Der traurige Gott" , das ist sehr emotional und sehr differenziert .
Allerdings auf dem Böhmring aus dem gleichen Jahr gefällt er mir weniger gut , warum auch immer , irgendetwas fehlt mir da . Und dann noch der Janowski-Ring von ' 81 , da ist vieles gewollt aber es kommt nicht rüber , es bleibt alles in der Substanz stecken !

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51pLi6S2p-L._SY350_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51wDEh%2BqbNL._SY350_.jpg
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51XlPLmsk2L._SY350_.jpg

LG palestrina
Amadé (23.10.2015, 10:33):
Josef Herrmann ist vielen heute nicht mehr bekannt, vielleicht auch deshalb, da er kaum ein posthumes Schallplattenleben vorzuweisen hat, bei Künstler/innen der Kriegs- und Nachkriegszeit leider kein Einzelfall.
Ich kann auf drei Aufnahmen zurückgreifen:
Die älteste stammt aus Dresden, K. Böhm dirigiert die Sächsische Staatskapelle (1943. evtl auch früher), bei mir als Bonus in einer Myto-Box vorhanden. Möglicherweise stammt sie ursprünglich aus den Wagner-Aufnahmen der Electrola, die mit Böhm und Kräften der Semperoper für die Platte aufgenommen wurden. Herrmann hört man hier als hell klingenden Bassbariton, Böhm wählt ein zügiges Tempo, insgesamt sachlich, mehr erzählend als miterlebend. Das färbt auch auf Herrmanns Gestaltung ab. Immerhin hört man eine intensive Zuwendung zu Brünnhilde bei der Stelle „so küsst er die Gottheit…“ Laufzeit 15‘05‘‘.

Ein Jahr später nahm Karl Elmendorff mit denselben Mitwirkenden den 1. Akt der Walküre sowie Wotans Abschied und Feuerzauber auf. Ich besitze sie noch auf einer Preiser-LP. Elmendorff hat eine etwas andere Vorstellung von dieser Schlussszene als Böhm. Das Orchester eröffnet großartiger, pathetischer, damit einhergehend auch langsamer. Herrmanns Stimme ist etwas größer, aber auch ein wenig rauer. Auch hier die intensive Gestaltung bei „so küsst er die Gottheit…“. Danach eine lange Orchesterüberleitung. Die Stelle „Loge hör, lausche hierher“ gestaltet Herrmann in dieser Aufnahme intensiver, Wotan singt hier im Befehlston. Laufzeit 17‘45‘‘.

Nach dem 2. Weltkrieg war Josef Herrmann Ensemblemitglied der Städtischen Oper Berlin, an der der junge Ferenc Fricsay seit 1948 als GMD arbeitete, aus dem Jahre 1951 ist ein Mitschnitt einer Aufführung erhalten, die später ausgestrahlt werden sollte. Auf Protest von Herrmann kam es jedoch nicht dazu, da der Bassist sich an diesem Abend nicht in bester Disposition befand (Angaben des Booklets). Interpretatorisch neigen Fricsay und Herrmann mehr zu Elmendorff. Herrmann agiert an diesem Abend stimmlich nicht mehr so souverän wie früher, die Stimme ist enger und weniger heldisch. Fricsay gestaltet den Feuerzauber zu zäh, es scheint nicht seine Musik zu sein. CD Myto, Laufzeit 19‘49‘‘.

Gruß Amadé
Amadé (08.11.2015, 10:38):
Eine der bedeutensten Wotan-Darsteller in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war Friedrich Schorr, der ziemlich bald von den Nazis vertrieben wurde. Sein Wotan ist auf einem Mitschnitt einer Met-Aufführung vom Dezember 1941 erhalten, am Pult stand der ebenfalls exilierte Erich Leinsdorf (damals soeben 29 Jahre alt), Naxos hat diesen denkwürdigen Abend auf CD veröffentlicht. Schorr bringt die ersten Takte von Wotans Abschied sehr betroffen, er singt nicht nur seine Rolle, nein, er verkörpert sie auch. Leider ist an dieser Stelle seine Stimme (bühnenbedingt?) nicht so präsent wie wünschenswert. Ähnlich verhält es sich zu Beginn des Feuerzaubers bei den Worten, „wer meines Speeres Spitze fürchtet“. Das kann seine Darstellung jedoch keineswegs schmälern.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51whETSZA4L._SX466_.jpg
Naxos-Cover nicht zu finden, hier eine Alternativ-CD

Gruß Amadé
Amadé (10.11.2015, 18:11):
Rudolf Bockelmann trat bereits 1928 bei den Bayreuther Festspielen auf und war von 1932-1944 Mitglied der Berliner Staatsoper. 1937 sang er unter Leitung von Furtwängler anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten in London den Wotan, einige Ausschnitte davon sind erhalten geblieben, auch Wotans Abschied und Feuerzauber. Im Gegensatz zu Furtwänglers unbedingtem Gestaltungswillen singt Bockelmann hier sehr unpathetisch, bei „Wer meines Speeres Spitze..“ tritt die Stimme leider (bühnendramaturgisch?) in den Hintergrund. Die Aufnahme ist leider mit viel Rauschen und Knistern überzogen. Acanta/Myto/M&A 15‘31

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41UtdpLYqcL._AA160_.jpg

Ein Jahr später erstellte der Reichsrundfunk Stuttgart eine (angeblich) komplette Walküre, in der Bockelmann die Wotan-Rolle übernahm. Leider sind nur Teile des 2. und der 3. Akt vollständig erhalten. Am Pult stand Carl Leonhardt. Bockelmanns runde Stimme kommt durch größere Präsenz hier viel besser zur Geltung, „Wer meines Speeres Sitze..“ klingt hier heldisch souverän. Preiser 15‘16

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51wFKka67eL._AA160_.jpg

GRuß Amadé
Amadé (18.11.2015, 09:42):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51syRKL7zDL._AA160_.jpg

Terfel singt Wotans Abschied intensiv, jedoch mit weniger Inbrunst als seine meist Bayreuth-erprobten Vorgänger. Der Dirigent bringt Licht ins Orchester. Terfel und Abbado sind sich einig mit Pathos sparsam umzugehen, ohne in eine "Wagner-light" Position abzugleiten. 16'09
palestrina (18.11.2015, 12:12):
8 Jahre später im MET Ring , sieht das ganz anders aus ......

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51aapYYcX8L._SY350_.jpg

hier ist Terfel ein emotionaler Wotan mit viel Gespür für die Situation , mag auch an der Live Aufn.liegen
das es besser gelingt wenn man ein gegenüber hat zu dem man singt ,allerdings sind auch 8 Jahre vergangen !
Das Orchester ist fabelhaft unter Levine !

Übrigens, der Ring gefällt mir sehr gut , und zum anschauen super !

LG palestrina
Amadé (09.08.2016, 10:40):
Eine der bedeutendsten Wotan-Darsteller während des 2. Weltkrieges bis in die 50er Jahre war der Bass-Bariton Ferdinand Frantz, der leider viel zu früh mit nur 53 Jahren starb. Die hier aufgelisteten Aufnahmen stammen aus den Jahren 1948 bis 1954. Seine runde Stimme besitzt viel Kern und spricht in allen Registern gut an und verfügt auch über eine volle sichere Höhe. Gut abgebildet, wenn auch bei etwas wattiertem Klang (Digitalisierung?) ist sie bei Winfried Zillig (HR-Produktion), hingebungsvoll ist sein Singen in der Abschiedsszene, auch 1954. Loge wird nicht herbeizitiert, sondern eher gebeten.

https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51sJYvGZ0nL._AC_US240_QL65_.jpg

Anders in den folgenden Aufnahmen, wo er in herrischem Tonfall agiert. Zilligs Orchester spielt breit auf, bei durchsichtigem Klang. In den folgenden vier Mitschnitten ist Frantz‘ Stimme weniger präsent eingefangen, das mag an der Mikrophonaufstellung liegen. Seine Souveränität steht allerdings außer Frage.

https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/41u47RtgE3L._AC_US240_QL65_.jpg https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51LPqVN4X6L._AC_US240_QL65_.jpg

Rudolf Moralt bekennt sich mehr als Kollege Zillig zu Wagner, die Musik klingt jedoch auch etwas vordergründig, zudem ist die Aufnahme stellenweise leicht verzerrt. Bei Fritz Stiedry klingt die Stimme von Frantz heldischer, ist aber mehr ins Orchester eingebunden, welches jedoch nicht mit einem homogenen Klang aufwarten kann, alle Stimmen schein hier gleichberechtigt zu sein. Leider sind an der Met, wie auch in Furtwänglers Mailänder Mitschnitt, viele Publikumsgeräusche eingefangen, auch beginnen die Beifallssalven bereits während des Schlussakkords. Insgesamt liegt hier ein raues Klangbild vor.

https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51BlonlZjHL._AC_US240_QL65_.jpg https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/61A2WmBQyRL._AC_US240_QL65_.jpg https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/514t1NDiZpL._AC_US240_QL65_.jpg

Bei den letzten drei Aufnahmen ist Wilhelm Furtwänglers formende Hand überall spürbar, er ist ein hervorragender Sängerbegleiter und lädt die „Zwischenspiele“ intensiv auf. Deutlich gliedert er diese Schlussszenen in drei Abschnitte. Die Aufnahmen aus Mailand und Rom unterscheiden sich nicht wesentlich, abgesehen vom besseren Klang in Rom, hier wird er zum Schluss hin etwas langsamer. Das römische Publikum ist sehr diszipliniert. Furtwänglers Studio-Aufnahme der „Walküre“ aus Wien ist zugleich seine letzte Plattenaufnahme. Ferdinand Frantz‘ Stimme klingt hier leider schon etwas rau, oder war er nur indisponiert?

Gruß Amadé
Falstaff (04.04.2017, 23:17):
Wenn es nur um Wotans Abschied geht, ist dieses eine meiner liebsten Aufnahmen:



Alexander Kipnis singt den Abschied 1926. Eigentlich keine Basspartie, aber Kipnis präsentiert sich hier mit einer ausgeglichenen Stimme in Höhe wie Tiefe, mit seinem wunderbaren, strömenden Bass, mit ausdrucksvollstem Gesang und seinem geradezu berauschendem Timbre.

:hello Falstaff
Amadé (05.04.2017, 09:59):
Hallo Falstaff,
eine Übersicht aller meiner "Wotans Abschied"-Aufnahmen samt Einschätzung findest Du auf meiner Homepage
http://www.klassik-prisma.de/Wotans%20Abschied.htm.

Gruß Amadé
Falstaff (05.04.2017, 21:59):
Lieber Amadé, besten Dank für den Tipp. Ich habe die Seite mit großem Interesse gelesen.

LG Falstaff
Falstaff (05.04.2017, 22:27):
Eine der bedeutensten Wotan-Darsteller in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war Friedrich Schorr, der ziemlich bald von den Nazis vertrieben wurde. Sein Wotan ist auf einem Mitschnitt einer Met-Aufführung vom Dezember 1941 erhalten,
Lieber Amadé, zum Glück gibt es ja verschiedene Aufnahmen und auch Gesamtaufnahmen mit Schorr. 1941 war er wohl schon über seinen stimmlichen Zenit hinaus.
Top ist er einfach 1927 mit der Szene unter Leo Blech



Stimmlich auch besser als 1941 habe ich ihn hier (1937) in Erinnerung:



LG Falstaff