Zu teuer ? - Konzertkartenpreise

Gamaheh (28.06.2008, 22:09):
Liebe Forenser,

ich möchte mal ein Thema anschneiden, das möglicherweise als unfein angesehen wird, da man ja darüber nicht spricht - man tut es aber doch: das der Konzertkartenpreise.

Hier (nicht im Forum, sondern in Hamburg) hört man immer wieder Klagen, daß man gewisse Preise „kaum noch bezahlen“ kann (bei den ProArte Konzerten). Diese Klagen kommen meistens von Leuten, von denen ich weiß, daß sie viel mehr Geld verdienen als ich, die es aber offenbar unter ihrer Würde finden, einen anderen Platz als im Parkett oder in den Logen des ersten Ranges einzunehmen (oder noch nie auf die Idee gekommen sind).

Ich finde 21 Euro zum Beispiel nicht zuviel, wenn ich Pollini, Sokolov und Consorten im Recital hören kann; das sind zwar die günstigsten Plätze, aber dafür ist darin auch noch die Garderobe, das Programmheft und eine Fahrkarte für den ÖPNV (die ich allerdings nicht brauche) enthalten. (Es hat allerdings mal fast einen Aufstand gegeben, als die Organisatoren einmal beschlossen haben, keine Karten für die Galerie zu verkaufen - das haben sie beim folgenden Konzert schon wieder revidiert.) Die teuersten Karten kosten allerdings, meine ich, bis zu etwa 100 Euro.

In den von der Musikhalle selbst organisierten Konzerten liegen die Preise zwischen 8-10 (Miniumum) und 21 – 39 Euro (Maximum). Bei den Sinfoniekonzerten des NDR zahlt man zwischen 9 und 41 Euro, ganz ähnlich bei den Sinfonikern und den Philharmonikern.

Wenn man bedenkt, daß man (z.B.) in dem kleinen, eigentlich recht wenig für Konzerte geeigneten Saal bei Bechstein 15 bis 20 Euro zahlt (je nach Bekanntheitsgrad des Künstlers), dann sind die oben genannten Mindestpreise meiner Meinung nach durchaus zivil. Das sind sie auch meiner Erfahrung nach, wenn man sie mit denen in anderen Sälen, anderen Städten vergleicht. Grundsätzlich kann man natürlich in größeren Theatern bzw. Organisationen, die durch hohe Subventionen unterstützt werden, in der niedrigsten Kategorie immer günstigere Karten bekommen. Je kleiner der Saal, desto mehr darf man erwarten, für das gleiche Programm mit denselben Künstlern ausgeben zu müssen.

Wenn man bedenkt, wieviel viel mehr Leute bereit sind, für „Events“ wie Lang Lang in der AOL-Arena (oder ähnlich), die drei Tenöre, Musicals, Pop-Konzerte usw. auszugeben, frage ich mich, wo die Motivation liegt.

Mich würde interessieren, wo für Euch die Schmerzgrenze liegt (jedenfalls für die unter Euch, die grundsätzlich ins Konzert gehen; bei denen, die es nicht tun, würde mich schon auch interessieren, warum sie es nicht tun – aber das ist vielleicht ein anderes Thema).

Nach welchen Gesichtspunkten entscheidet Ihr, ob es sich „lohnt“, Geld für einen Konzertbesuch auszugeben. Sind die Künstler entscheidend, ist es das Programm, der Event- oder Einmaligkeitscharakter; ist es wichtig, hinterher „mitreden“ zu können?

Viele Fragen ...

Hoffentlich viele Antworten ...

Hoffnungsvolle Grüße,
Gamaheh
nikolaus (29.06.2008, 02:16):
Hallo, Gamaheh!

Eigentlich ein überfälliges Thema in heutigen Zeiten!

Ich wage zu behaupten, dass ich relativ schmerzfrei und schnell bereit bin, auch viel Geld für eine Konzertkarte auszugeben.
Natürlich kommt es darauf an, wer spielt und was gespielt wird. Für Martha Argerich würde ich sicher weit gehen, aber auch bei ihr gibt es eine Grenze.
Letztens bin ich spontan in die Kölner Philharmonie gefahren, um Gil Shaham zu hören (mit den Münchner Philharmonikern unter Christian Thielemann). Die günstigen Karten waren alle ausverkauft, die preiswerteste war dann 64€ in der dritten Kategorie. Da musste ich schon kräftig schlucken, und wenn es nicht Shaham gewesen wäre, wäre ich wieder nach Hause gefahren.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich ein Faible für vordere Plätze habe, da ich es geniesse, möglichst nah am Geschehen zu sein (und ich etwas kurzsichtig bin...), dafür nehme ich auch höhere Preise in Kauf. Eine Grenze mag ich jetzt nicht festlegen. Das hängt wirklich von den Umständen ab.

Insgesamt ist die Preispolitik für mich ziemlich undurchsichtig. Ich habe nicht den Eindruck, dass subventionierte Häuser oder gesponsorte Veranstaltungen unbedingt günstigere Preise bedeuten.
Zum Beispiel ist mir nicht klar, warum die ProArte-Konzerte doch unverhältnismässig teuer sind. Weisst Du es?

Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (29.06.2008, 21:42):
Hallo Nikolaus,

Du bist ja auch ein Nachtfalter!

Sicher kommt es darauf an, welche persönlichen Leidenschaften man hat. Ich habe z.B. noch nie auch nur annähernd 64 Euro für eine Konzertkarte ausgegeben, und ich finde es spaßig, oben in der Galerie vor einer Säule zu stehen und meinen Feldstecher zu zücken. Aber ich will nicht ausschließen, daß ich auch mal tiefer in die Tasche greifen würde, wenn ich der Meinung wäre, daß mein Glück davon abhängt (oder so).

Andererseits gehe ich auch gerne mal in Konzerte, bei denen ich nicht weiß, was mich erwartet, und es können auch schon mal Luschen dabeisein. Dafür will ich dann nicht so viel ausgeben. Selbst Lang Lang hätte ich mir schon mal angehört, aber nicht für 28 Euro (die Karten, die noch übrig waren - und das war der halbe Preis), da war mein Limit - ich glaube - 7 Euro (die niedrigste Kategorie halbiert). Dann gehe ich eben wieder nach Hause (ich hab's ja nicht weit.) Ich habe allerdings ein relativ schmales Budget.

Das Schöne an kleinen Sälen ist, daß man beim Einheitspreis (den es dort meist gibt) ganz weit vorne sitzen kann, wenn man früh genug kommt oder früh genug bestellt (was letzteres mir nicht so liegt).

In subventionierten Häusern gibt es zumindest fast immer die Möglichkeit, für wenig Geld reinzukommen, wenn man bereit ist, ganz oben oder/und ganz hinten zu sitzen (oder zu stehen). Beim NDR z.B. (hochsubventioniert durch die GEZ) kann man als Besitzer der NDR-Karte (15 Euro pro Jahr) an der Abendkasse Karten zum halben Preis bekommen, d.h. in der untersten Kategorie meist für 4,50 Euro - da gehe ich auch schon mal in Konzerte, in die ich sonst nicht gehen würde.

Was die ProArte Konzerte betrifft, so weiß ich aus informierter Quelle (Kulturbehörde), daß die ihre Solo-Klavier-Veranstaltungen regelmäßig sogar aus ihren sinfonischen Reihen subventionieren müssen. Das ist ja ein Wirtschaftsbetrieb, die werden, soviel ich weiß, gar nicht subventioniert. Aus diversen Gründen, auf die ich hier nicht eingehen kann, halte ich diese Auskunft für seriös. Die großen Solisten können es sich leisten, Gagen zu verlangen, die dann wohl den Rahmen solcher Veranstalter sprengen.

Was mich auf den Anlaß bringt, der mich zu diesem Faden getrieben hat (obwohl ich das Thema schon längst mal anschneiden wollte). Dem letzten NDR-Kulturbrief lag eine Anzeige in Form einer Konzertkarte bei für die am 13. Juni erscheinende CD von Horowitzens letztem Konzert in der Hamburger Musikhalle am 21.6.1987. Auf der Rückseite war ein Facsimile einer Eintrittskarte: Da kostete ein Platz in Reihe 14 Parkett sage und schreibe 320 DM !! Damals kostete ein Liter Benzin weniger als 90 Pfennig, und eine Schachtel Zigaretten etwa 3,50 DM, wenn ich mich recht erinnere. Man kann also sagen, daß das heute durchaus dem gleichen Betrag in Euro entsprechen würde. Und dennoch war das Konzert sicherlich ausverkauft! Ich war z.B. im letzten Konzert von Michelangeli in Hamburg (1991??), und da ich mir das leisten konnte, hat die Karte sicher nicht viel mehr als 20 DM gekostet. Wo ist die Verhältnismäßigkeit, und was treibt die Leute dazu, soviel Geld für ein Konzert auszugeben?

Ich glaube, das Thema ist deshalb so unersprießlich, weil hier Werte, die für unsereins (für mich jedenfalls) eigentlich ideeller Natur sind, in harte Währung umgerechnet werden. Ein jedes Ding hat seinen Preis ...

Grüße,
Gamaheh
Jürgen (30.06.2008, 11:30):
Leider lässt es meine wirtschaftliche Situation nicht zu, dass ich in Konzerte oder in die Oper gehe. Nicht-klassische Konzerte oder Kino verkneife ich mir auch. Ich gönne mir lediglich ab und zu etwas von Brilliant.

Wäre ich in HH und könnte für unter 10 € etwas besuchen, würde ich das wohl ein- zweimal im Jahr machen.

Aus diesem Blickwinkel ist es mir egal, ob Karten bestimmter Events nun 100 oder 300 € kosten. Es interessiert mich eher der untere Bereich.

Grüße
Jürgen
Kantate (30.06.2008, 13:06):
Es stimmt schon, Jürgen! Kultur ist teuer! - Schau, ich bin Mitglied eines großen Konzert-Chores, bestehend aus fast nur Laiensängern. Dazu gibt es ein Laienorchester. Beide Ensembles singen und spielen nicht nur zum Nulltarif, sie zahlen sogar einen Jahresbeitrag, damit sie singen und spielen DÜRFEN! Und trotzdem kosten die Eintrittskarten bei uns 25 bis 30 Euronen! - Der Dirigent bekommt sein Honorar, denn die Musik ist sein täglich Brot, dann müssen, je nach Werk, die Bläser, das Schlagwerk, die Harfe, die Theorbe usw. bezahlt werden. Das sind nämlich Profi-Musiker! Vergessen habe ich die Gesangssolisten!

Ja, Kultur ist teuer! Deshalb sollte sie mehr von der öffentlichen Hand finanziell unterstützt werden, damit auch der Normal-Verdiener sich ein Konzert leisten kann!

Musikalische Sangesgrüße,

Kantate :wink
LadyMacbeth (30.06.2008, 13:47):
Mir ist auch schon aufgefallen, dass die "billigen Plätze" in den Opernhäusern und Konzertsälen schlicht wegrationalisiert wurden oder - wie in Frankfurt - der Neubau-Notwendigkeit zum Opfer gefallen sind. Zu meinen Studi-Zeiten (das war vor 26 Jahren) konnte man noch 3. Rang unterm Dach juchhe für 10 DM sitzen, da bin ich mindestens einmal pro Woche in die Oper gegangen. Und da beschweren sich unsere Politiker über die "Bildungsunterschicht" und die schlechten PISA-Ergebnisse, dabei ist das doch hausgemacht, wenn Menschen mit wenig Geld von Kultur ausgeschlossen werden (das betrifft auch Museen, Ausstellungen etc.).

Wie wäre es mit "Public Viewing" für kulturelle Ereignisse? Wenn das Geld für das Fussball-Gedöns da ist, sollte es für die Bildung erst recht vorhanden sein :rofl Und ich könnte mir Wagner vom grünen Hügel gut auf der großen Leinwand vorstellen.

Mittlerweile habe ich allerdings ein ganz anderes Problem. Ich gehe schlicht selten in Konzerte bzw. in die Oper/Theater, weil das meiste unter der Woche ist und ich am nächsten Morgen wieder arbeiten muss. Lange Opern (Wagner :J) beginnen meist schon am späten Nachmittag, da arbeite ich noch :J Ein bißchen mehr ArbeitnehmerInnen-Freundlichkeit würde ich mir da schon wünschen.

Die städtischen Bühnen Wiesbaden bieten seit einiger Zeit Nachmittagsvorstellungen mit Kinderbetreuung für Mütter/Väter an. Auch keine schlechte Idee, um an die "Eigentlich-Nicht-Besucher" zu kommen :rofl
Gamaheh (30.06.2008, 20:08):
Liebe Lady Macbeth (wer nimmt freiwillig einen solchen Namen auf sich? - vielleicht hätte ich mich "Goneril" nennen sollen?),

"Public viewing" für Klassik-Konzerte ist eine klasse Idee! Ich hoffe, jemand liest dies, der in der Lage ist, sowas zu realisieren!

Hier in Hamburg wird ja die Elbphilharmonie gebaut, was - entgegen der Meinung der Hamburger - nicht das Hauptgesprächsthema des Rests der Welt ist - und sie hat (obwohl der Eröffnungtermin nunmehr auf die Saison 2011/2012 verschoben worden ist) bereits einen Intendanten, der aus Wien kommt. (Dort gibt es wohl tatsächlich für jedes Konzert 5€-Karten für junge Leute an der Abendkasse.) Der wollte das hier auch einführen, aber der Protest des musikalischen Establishment war enorm. Das wäre ja noch schöner, wenn jedermann dort Schulter an Schulter mit den Säulen der Gesellschaft sitzen könnte, womöglich noch im Rollkragenpulli!

Hier gibt es in der Oper auch noch Plätze für 5 Euro, man muß allerdings dann tatsächlich stehen. Das würde mich nicht stören, wenn ich ein großer Opern-Fan wäre.

Wenn man die schon öfters zitierten Memoiren von Bruno Walter liest, fällt auf, daß es eine Zeit gab, in der tatsächlich jede gesellschaftliche Schicht ins Konzert ging (eine Zeit, in der es weder Rundfunk noch Fernsehen noch sonst irgendein Massenkommunikationsmittel gab).

Mit den Anfangs- oder Endzeiten habe ich kein Problem, denn ich verfüge über eine gewisse Anzahl von Urlaubstagen, Gleitzeit und Nachsehen. Darüberhinaus bin ich ohnehin eher nachtaktiv...

Ich habe übrigens gesehen, daß auch das Konzerthaus Dortmund Kinderbetreuung anbietet, teilweise mit ganz witzigen Titeln ("Johannes - "wie lange noch?" - Brahms") bis zu für meinen Geschmack eher unappetitlichen.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (30.06.2008, 23:59):
Das trendige "public viewing" halte ich auch durchaus für eine gute Idee. Ich kann mir wirklich vorstellen, dass man damit "Nachwuchshörer" gewinnen kann.

Mir geht es ähnlich wie Ihrer Hoheit Lady Macbeth (ist das die richtige Anrede?). Im Zuge der längeren Arbeitszeiten, die wohl weit verbreitet eingeführt werden, so mein Gefühl, müssten eigentlich die Anfangszeiten von Konzerten/Oper/Theater etc. angepasst werden, was ich allerdings den Künstlern auch nicht zumuten möchte (nicht jeder ist ein Nachttier wie Martha Argerich :D). Eine Lösung habe ich daher auch nicht :(.

Nikolaus.
Rachmaninov (01.07.2008, 06:56):
Original von nikolaus

Mir geht es ähnlich wie Ihrer Hoheit Lady Macbeth (ist das die richtige Anrede?).

Mit Sicherheit nicht :haha :ignore
Solitaire (01.07.2008, 07:35):
Guten Morgen!
Für mich persönlich sind Opern- und Konzertkarten dann zu teuer, wenn ich sie mir nicht mehr leisten kann :D
Wenn ich eine Produktion unbedingt sehen will, bin ich bereit, viel Geld dafür hinzulegen. Zur Zeit läuft zum Beispiel meine Anfrage bei der Staatsoper Unter den Linden wg. Karten für "Eugen Onegin" im Oktober (sieht allerdings leider nicht gut aus :B). Falls es klappen sollte, kostet so ein Wochenende mit Opernkarten, Anfahrt, Unterkunft etc. meinen Gatten und mich um die 600 Euro, allein die Eintrittkarten liegen bei über 100 Euro pro Stück, und ich zahle das, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich fahre nicht in Urlaub (bin in meinem ganzen Leben noch nie geflogen), rauche nicht, habe kein Auto, keine Kinder, trage keine Markenklamotten und habe keine noblen Passionen, (bin also eigentlich ein ziemlicher Langweiler :P ) da muß so ein Wochenende ab und zu einfach mal drin sein.
Für Villazón in der Kölner Philharmonie zum Beispiel habe ich dieses Frühjahr 96,- pro Karte gezahlt (und er war jeden einzelnen Cent wert), ja, das ist teuer, das ist vielleicht auch dekadent, aber das ist mir herzlich egal.
Eine Karte für unser Stadttheater, in dem man wirklich sehr lohnenswerte Aufführungen zu sehen kriegt, kostet zwischen 10 und 25 Euro. Dann gibt es noch die in derreichbarer Nähe gelegene Detusche Oper am Rhein und das Wuppertaler Opernhaus... Für mein Opernabo zahle ich 205,- für 10 Vorstellungen. Alles in allem gebe ich in einem Jahr für meien Opernbegeisterung sicher mehr Geld aus, als zum Beispiel für Klamotten, nicht gezählt, all die CDs und DVDs die im laufe eines Jahres meinen Weg kreuzen und nach Hause zu Mama wollen :wink
Ich denke, man kann sich für schlimmere Dinge ruinieren als für die Vertreter der streichenden, klimpernden, oder, in mernem Fall, singenden Zunft.
Allerdings wäre auch ich nicht bereit, die Preise zu zaheln, die teilweise für eine brauchbare Karte bei Konzerten wi dem aus Schönbrunn vergangenen Freitag verlangt werden. Das übersteigt meine finanziellen Möglichkeiten gewaltig. Sowas sehe ich mir gemütlich zuhause mit einem Glas Sekt in der Hand an, und wenn es dann anfängt zu regnen, sitze ich schön kuschelig im trockenen.
Dei Idee mit dem Rudelgucken finde ich klasse, fürchte aber auch, daß es da Probleme mit den Rechten geben dürfte. Ich habe sowas mal für unser Stadttheater vorgeschlagen: zum Beispiel Opernübertragungen der Salzburger Festspiele im Theater auf einer Leinwand zu zeigen, aber selbst wenn die im Fernsehen laufen, dürfen die Theater offenbar nicht so einfach einen Videobeamer aufstellen und zum Rudelgucken laden, das hat mir zumnidest unsere Theasterleiterin gesagt.
Schade.
TANTE EDIT SAGT:
Das Problem mit den Arbeitszeiten kenne ich natürlich auch: ich arbeite nahezu jeden Abend bis 19.30 h, allerdings habe ich das Glück, das unser Teater nur eine Minute von meiner Bibliothek entfernt liegt. Wenn da die Vorstellungen um halb acht anfangen, komme ich morgens einfach ein paar Minuten früher zur Arbeit und gehe eine Viertelstunde eher.
"Auswärtsspiele" versuche ich auf's Wochenende zu legen, und wenn das nicht geht, ich die Vorstellung/das Konzert aber unbedingt sehen will, nehem ich mir auch schon mal einen halben Tag frei.
Kantate (01.07.2008, 08:28):
"Rudelgucken"! Welch schöne Metapher! :wink
Solitaire (01.07.2008, 08:56):
Leider nicht von mir :J
Aber da ""public viewing" ja im anglo-amerikanischen Bereich eigentlich die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen bezeichnet, erscheint mir dieser Ausdruck nicht so ganz zutreffend. :wink
Obwohl es bei "Travivata" ja schon wieder passt. Oder wenn Roberto Alagna singt :ignore
LadyMacbeth (01.07.2008, 11:15):
Original von Gamaheh
Liebe Lady Macbeth (wer nimmt freiwillig einen solchen Namen auf sich? Gamaheh

Jemand, der eine Schwäche für starke Frauengestalten hat und der "schwarze Witwen" zu den persönlichen Lieblingstieren zählt :rofl

Ich schließe mich Solitaire an: wer ein wirklicher Liebhaber ist, läßt sich von den Eintrittspreisen nicht abschrecken. Zumal die großen "Events" mit Leuten wie Madonna ein Vielfaches einer Opern- oder Konzertkarte kosten. Leider ist es aber auch eine Tatsache, dass Millionen von Menschen von jeder Art Kultur mehr oder weniger ausgeschlossen sind, weil sie es sich schlicht nicht leisten können. Wer von Hartz-IV (seit heute 351 EUR/Monat) leben muss, geht nicht eben 'mal in die Oper oder in eine Ausstellung :A

Und die Liebhaber werden insgesamt weniger, das Durchschnittsalter der Opern- und Konzertbesucher steigt. Womit wir wieder beim Thema "Bildung" wären. Es wäre wirklich mehr wie begrüßenswert, wenn sich der Klassikbereich mehr auch dem "einfachen" Volke öffnen würde.
Jeremias (01.07.2008, 11:42):
Also, bei mir kommt es bei der Schmerzgrenze darauf an, welcher Künstler kommt. Generell versuche ich, den Betrag von 15-25 Euro nicht zu überschreiten. Darf danna ber auch mal mehr sein, wenn es sich lohnt :engel
Carola (01.07.2008, 14:25):
Original von LadyMacbeth

Wie wäre es mit "Public Viewing" für kulturelle Ereignisse? Wenn das Geld für das Fussball-Gedöns da ist, sollte es für die Bildung erst recht vorhanden sein :rofl Und ich könnte mir Wagner vom grünen Hügel gut auf der großen Leinwand vorstellen.

:rofl

Das findet die neue Chefin in Bayreuth offenbar auch, hier in der ZEIT nachzulesen.

Gruß, Carola
Gamaheh (01.07.2008, 15:46):
Original von Carola
Das findet die neue Chefin in Bayreuth offenbar auch, hier in der ZEIT nachzulesen.


Das mit der Großleinwand finde ich klasse, schade, daß sich das auf Bayreuth beschränkt! Aber 49 Euro dafür, daß man sich das im stillen Kämmerlein auf einem kleinen Computerbildschirm angucken darf, finde ich dann schon wieder mehr als exorbitant. (Vielleicht eine Option für jemanden in Tuvalu ...)

Grüße,
Gamaheh
Solitaire (01.07.2008, 18:34):
Und wieder verweise ich auf diei Aktion "Die MET im Kino".
Rachmaninov (01.07.2008, 21:44):
Für das WDR SO mit Bychkov + Vadim Repin in München habe ich 2 x 90€ bezahlt und natürlich in etwas Dieseltreibstoff investiert.

Geboten wurde Beethovens VK in einer ordentlichen Performance und eine grandiose Aufführung von Schostakowitsch Sinfonie #4.

Auch wenn man da halt schnell für 2 Personen bei 200 € liegt war es dennoch ein wunderbarer Abend und vor allem die Sinfonie ein unvergessliches Ereignis.

So etwas ist natürlich nie eine Garantie wenn man ins Konzert geht und 200 € viel Geld wenn der Abend nicht wirklich erfüllen ist.

Dieser Abend war es wert !!!!

Ein anderer Abend mit O. Mustonen in München war keinen Cent wert.

So ist letztendlich IMO der Künstler / die Künstler maßgeblich verantwortlich ob der Preis zur Leiszung stimmig ist / war :down
Solitaire (02.07.2008, 07:31):
Übrigens hängt bei mir die Bereitschaft hohe Presie zu zahlen nicht nur von Künstler und Werk ab, sondern auch vom Ort: vor Jahren wurde vor unserem (gewiß sehr schönen) Remscheider Rathaus eine Freiluftaufführung von "Nabuco" veranstaltet, unter 60,- gab es keine brauchbaren Karten. Das habe ich hübsch bleiben lassen, ich kenne das Remscheder Wetter, und habe zudem keine Lust auf "Va pensiero" mit Mikrorückkoppelung (denn natürlich wurden Mikrophone aufgestellt).
Eine weise Entscheidung wie sich später zeigen sollte...
In der Philharmonie in Köln habe ich haber auch schon für kleines Geld wunderbare Aufführungen gesehen: im November Verdis Requiem mit Furlanetto, Umana,Vargas und Mattila für 6,50. :down
Jeremias (02.07.2008, 07:51):
Ich habe das doppelte bezahlt.... :D Aber auch wenn die Karten 500,- € pro Stück gekostet hätten, so wäre es das Geld wert gewesen!
Solitaire (02.07.2008, 08:32):
Ja, es war grandios!
Wir saßen über der Chorempore und der akustische Eindruck war enorm. Ich hatte zum erstenmal in meinem Leben das Gefühl, nicht Musik zu hören, sondern in der Musik zu sein.
Ich warte immer noch mit Schmerzen auf die CD.
Solitaire (03.07.2008, 12:21):
Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!
Gabe soeben die telefonische Zusage bekommen: 12.10.2008 Staatsoper unter den Linden, Premiere von "Eugen Onegin" mit Rolando Villazón als Lenski :leb :leb :leb
Und ich will jetzt keine Unkenrufe und Worte wie "Stimmkrise" oder "Absage" hören :D
Warte noch auf dei Bestätigungsmail, und dann wird der Mammon überwiesen. Im Opernsparschwein (jaja, sowas habe ich) befinden sich 80,- in Kleingeld, das ist schonmal der größte Teil der ersten Eintrittskarte. Der Rest muß anders finanziert werden, und sei es mit meiner Tugend :D
nikolaus (03.07.2008, 19:50):
Original von Solitaire
Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!


Gratuliere!!
Es freut mich wiederum, dass Du Dich so darauf freust :D

Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (03.07.2008, 20:10):
Original von Solitaire
Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!
Gabe soeben die telefonische Zusage bekommen: 12.10.2008 Staatsoper unter den Linden, Premiere von "Eugen Onegin" mit Rolando Villazón als Lenski :leb :leb :leb
Und ich will jetzt keine Unkenrufe und Worte wie "Stimmkrise" oder "Absage" hören :D
Warte noch auf dei Bestätigungsmail, und dann wird der Mammon überwiesen. Im Opernsparschwein (jaja, sowas habe ich) befinden sich 80,- in Kleingeld, das ist schonmal der größte Teil der ersten Eintrittskarte. Der Rest muß anders finanziert werden, und sei es mit meiner Tugend :D

Das ist die Art von Begeisterung, von der der ganze Konzertbetrieb meiner Meinung nach lebt!

Alles Gute,
Gamaheh

P.S.: Wie meinst Du das, mit Deiner Tugend?
Gamaheh (03.07.2008, 20:20):
Original von Rachmaninov
Für das WDR SO mit Bychkov + Vadim Repin in München habe ich 2 x 90€ bezahlt und natürlich in etwas Dieseltreibstoff investiert.

Geboten wurde Beethovens VK in einer ordentlichen Performance und eine grandiose Aufführung von Schostakowitsch Sinfonie #4.

Auch wenn man da halt schnell für 2 Personen bei 200 € liegt war es dennoch ein wunderbarer Abend und vor allem die Sinfonie ein unvergessliches Ereignis.

So etwas ist natürlich nie eine Garantie wenn man ins Konzert geht und 200 € viel Geld wenn der Abend nicht wirklich erfüllen ist.

Dieser Abend war es wert !!!!

Ein anderer Abend mit O. Mustonen in München war keinen Cent wert.

So ist letztendlich IMO der Künstler / die Künstler maßgeblich verantwortlich ob der Preis zur Leiszung stimmig ist / war :down

Lieber Rachmaninow,

das ist für mich genau das Problem und der Grund, warum ich nicht soviel Geld für ein Konzert ausgeben will. Natürlich gibt es "sichere Werte" - und möglicherweise zuviel davon - aber ich möchte auch mal was, jemanden hören, von dem ich nichts weiß. Zweimal oder dreimal im Jahr 90 Euro auszugeben, könnte ich mir sicher auch leisten, aber das will ich nicht.
(Das liegt aber auch daran, daß ich mich nur im Konzert wirklich auf die Musik konzentrieren kann.)

Grüße,
Gamaheh
Solitaire (04.07.2008, 07:54):
Original von Gamaheh

P.S.: Wie meinst Du das, mit Deiner Tugend?
Naja, wenn ich die Kohle nicht mit anständiger Arbeit zusammenkriege, dann eben mit unmoralischen, aber entschieden besser bezalhen Tätigkeiten :D
Nein, war nur ein Scherz: die Kohle ist schon überwiesen, es reißt ein Loch rein, aber was soll's. Das letzte Hemd hat keine Taschen :J
Solitaire (04.07.2008, 22:08):
Original von nikolaus
Original von Solitaire
Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!


Gratuliere!!
Es freut mich wiederum, dass Du Dich so darauf freust :D

Gruß, Nikolaus.
Danke schön! :)
Freuen tue ich mich natrülich nicht nur auf RV, sondern auch auf Rene Pape sowie auf eine der grandiosesten Opern die je geaschrieben wurden. RV ist mein persönliches Sahnehäubchen auf dem Kuchen. Sollte er, was Gott verhüten wolle, ausfallen, wird es ganz bestimmt trotzdem toll. Eugen Onegin ist ja mehr als eine Spielwiese für einen Startenor.
Von Leuten wie mir lebt der Konzertbetrieb sogar ganz sicher. Ich würde mich totschießen, wenn ich mich nicht mehr so freuen könnte.
Heike (05.07.2008, 09:04):
Hallo,
Freuen tue ich mich natrülich nicht nur auf RV, sondern auch auf Rene Pape sowie auf eine der grandiosesten Opern die je geaschrieben wurden.
Ich werde auch hingehen - allerdings in eine spätere Vorstellung. Ich freu mich auch schon riesig.

Das Problem mit der Staatsoper ist, dass die Akustik auf den preiswerten Plätzen wirklich nicht die beste ist, besonders in den obersten Rängen. Deshalb soll sie ja auch umgebaut werden - was immernoch zu riesigen Diskussionen führt, der Hauptsponsor Dussmann hat eine zweistellige Millionenzusage zurückgezogen, falls nicht wieder historisch (und damit genauso klangmiserabel) gebaut wird. Ein Drama ist das.

Zur Ausgangsfrage des Threads: Ich finde die Konzertkartenpreise auch sehr hoch, leiste sie mir aber trotzdem regelmäßig und versuche da, einen Kompromiss zu finden. Zum Beispiel sitze ich in der Philharmonie Berlin nicht gern hinter dem Orchester - was preiswert ist. Zwar sieht man dann den Dirigenten schön, aber dafür finde ich die Schlaginstrumente dann oft überwertig und der Gesamteindruck geht mir flöten.

Wo es mir terminlich passt nutze ich auch ABOs um zu sparen (da gibts ja für uns Berlin diverse Möglichkeiten). Spontan aussuchen können finde ich aber eigentlich besser, denn meist kann ich noch gar nicht so lange voraus planen.
Hebre