'La luce langue' - eine Arie und ihre Interpretinnen

Falstaff (21.04.2017, 00:53):
Irgendwie habe ich immer die Vorstellung, dass diese 2. Arie der Lady aus Verdis Macbeth ein wenig 'stiefmütterlich' angesehen wird. Neben der virtuosen 'Nel di della vittoria' und der breit angelegten Seelenschilderung des 'Una macchia' hängt also nun diese Arie, die nun weder das eine noch das andere (scheinbar) vollständig bedient.

Aber dafür offenbart sie in konzentriertester Form den geradezu wahnhaften Ehrgeiz der Lady. 'Nuovo delitto!! - E necessario!!'. Oder wie es bei Shakespeare noch heißt: 'Unsex me now'. Sicher noch radikaler als die Verdi-Version, aber auch das muss man erst einmal füllen.

LADY
Das Licht schwindet, die Sonne,
die den weiten Himmel durchwandert, erlischt!
Ersehnte Nacht, verbirg hilfreich
die schuldige Hand, wenn sie zustösst!
Noch ein Verbrechen! Es muss sein!
Das Todeswerk muss vollendet werden.
Den Gestorbenen liegt nichts am Herrschen;
für sie ein Requiem und die Ewigkeit!
mit Begeisterung
O Wollust der Macht!
Szepter, endlich bist du mein!
Jedes irdische Verlangen
verstummt und wird durch dich gestillt.
Bald fällt tot zu Boden,
wem die Krone verheissen wurde!

Die ideale Vertreterin dieser Arie (und es geht wirklich nur um 'La luce langue') ist und bleibt für mich
die Callas, die gerade das verwunderte Zögern bei 'Nuovo delitto' und dann die Entschlossenheit bei 'E necessario', die Gemeinheit bei 'A loro un requiem, l’eternità !' und die geradezu siegessichere Überzeugung bei 'O voluttà del soglio !' am überzeugendsten darbietet.

Besonders in der Live-Aufnahme unter de Sabata aus dem Jahr 1952.



:hello Falstaff
Falstaff (21.04.2017, 01:01):
Entweder Live oder Studio von 1958. Die Stimme hat nicht mehr die geradezu tierische Intensität der früheren Aufnahme, die Interpretation ist 'verfeinert', aber die Intensität und Wahrhaftigkeit ist nach wie vor vorhanden.



:hello Falstaff
Falstaff (21.04.2017, 01:08):
Eine Interpretin, der ich diese Arie auch sofort abnehme, ist Martha Mödl. Das ist alles sehr deutsch (nicht nur wegen der Übersetzung), da fehlen durchaus technische Finessen, das hat nicht die Durchschlagskraft der Callas. Aber da ist trotz alledem dieser fulminante, notwendige Ausdruck.



:hello Falstaff
Falstaff (21.04.2017, 22:35):
Leyla Gencer 1960 in Palermo unter Vittorio Gui. Dunkel gefärbt, bedrohlich, brütend, voller Wucht und Überzeugung. Eine großartige Lady, auch wenn es ihr an manchen Stellen am exzessiven Ausdruck fehlen mag.



:hello Falstaff
Falstaff (21.04.2017, 22:45):
Astrid Varnay, neun Jahre früher unter dem selben Dirigenten in einer Inszenierung, wenn mich nicht alles täuscht, von Gustav Gründgens.

Ein ganz anderer Stimmtypus als die Gencer oder auch die Mödl. Ruhig und bedrohlich geht sie die Arie an, kostet Phrasen und die entsprechenden Stellen geradezu aus. Das ist nicht immer ganz rund, aber ganz schnell entwickelt sie die Figur der Lady aus wenigen Phrasen.



:hello Falstaff