die Klassikkrise betrifft uns alle !!!

andreas (03.08.2006, 21:05):
Liebe Leute,
Ihr wisst sicherlich, dass die klassische Musik in einer schweren, lebensbedrohlichen Krise steckt.
Sie wird, das denke zumindest ich, nicht mehr aus ihr herrauskommen.

Auch Subventionen werden nicht verhindern, dass das Publikum vergreist und die Jugend lieber Robbie Williams oder Phil Collins hört.
Die Konzertsälle werden immer leerer, wenn man nicht gerade in Berlin oder Wien lebt, und der Musikunterricht in den Schulen wird gestrichen oder fällt einfach aus.
Die Kinder und Jugendlichen wissen nur vom Namen wer Beethoven oder Mozart war ( der mit Perücke, der Spießer!!!) und gehen lieber auf das nächste Rockkonzert.

Ich weiss nicht wie lange überhaupt noch ein Interesse an klassicher Musik vorhanden sein wird. Noch pflegt man das Erbe, das uns hinterlassen wurde, aber bald wir dieser Bereich der deutschen/ europäischen Kultur vergessen sein.

Was denkt ihr dazu? Seid ihr meiner Meinung?

Ich bin neugierig auf eure meinungen !!

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
aus Bielefeld
Jeremias (03.08.2006, 21:12):
Also, hier in Düsseldorf sieht es mittlerweile anders aus: humane Preise bei den Veranstaltungen der Sinfoniker (5 € für Schüler/Studenten), Kinderkonzerte, Vorstellungen der Sinfoniker extra für Schulklassen, Workshops usw. Und zudem denke ich, dass ich behaupten darf, zumindest hier in der Stadt zu der neuen "Jugendpolitik" der Tonhalle und der Sinfoniker beigetragen zu haben. Man muss die aktiven jungen Musiker fördern, ihnen ein Podium geben ganz ohne druck eines Wettbewerbs wie "Jugend Musiziert". Und deren Freunde etc. sind zumindest bei meinen Veranstaltungen auch angesteckt worden. Zudem habe ich aber hier die Tendenz entdecken können, dass sich das Publikum verjüngt hat. Leider ist dies doch sehr vom jeweiligen programm abhängig.
andreas (05.08.2006, 17:53):
Gelassenheit ist ein Tugend, aber in deinem fall muss ich dich eher als gutgläubig einschätzen.
Ich kann aus meinem Umfeld an der Uni davon berichten, dass sich keiner meiner mir bekannten Kommilitonen (und es sind nicht wenige) für klassische Musik interessiert. ja, dass es sogar soweit gekommen ist, dass ich mich dafür entschuldigen musste kl. Musik zu hören.

Bin ich nun ein Schwarzseher?
Rachmaninov (06.08.2006, 17:02):
Original von andreas
Gelassenheit ist ein Tugend, aber in deinem fall muss ich dich eher als gutgläubig einschätzen.
Ich kann aus meinem Umfeld an der Uni davon berichten, dass sich keiner meiner mir bekannten Kommilitonen (und es sind nicht wenige) für klassische Musik interessiert. ja, dass es sogar soweit gekommen ist, dass ich mich dafür entschuldigen musste kl. Musik zu hören.

Bin ich nun ein Schwarzseher?

@andreas,

wenn Du Dich dafür entschuldigst, daß Du Klassik hörst fällt mir nur eins ein: selber schuld!
Mescnehn / Freunde, dei das nicht bei mir verstehen respektieren es einfach :D

Die Klassikkrise kann ich allerdings auch nicht erkennen!
Carola (06.08.2006, 17:17):
Ich sehe das auch nicht so pessimistisch.

An den Strukturen im "Klassikmarkt", schlechtem oder gar fehlendem Musikunterricht etc. können wir nichts unmittelbar ändern. Aber wir können - auch durch dieses Klassikforum - zeigen, wie spannend und unerschöpflich klassische Musik ist und wie viel Freude sie macht.

Das ist nicht viel aber immerhin etwas.

findet Carola
andreas (07.08.2006, 13:48):
hallo Carola,
dieses Forum in Ehren, aber allein schon die Tatsache, dass es Klassikforen gibt, ist doch darauf zurückzuführen, dass die meisten Klassikfreunde und Klassikfreundinnen :) keine Gleichgesinnten in ihrem Umfeld haben und sich im Internet gezwungenermaßen mit anderen Vereinzelten austauschen müssen. ich würde mich doch lieber mit meinen Freunden über Musik unterhalten als mit weitgehend unbekannten wie euch (nichts gegen euch, aber es ist die Wahrheit).

ich denke, dass auch die Existenz von Klassikforen, so toll sie sind, als ein Symtom der krisenhaften Situation gesehen werden kann.
satie (07.08.2006, 16:45):
Original von andreas
hallo Carola,
dieses Forum in Ehren, aber allein schon die Tatsache, dass es Klassikforen gibt, ist doch darauf zurückzuführen, dass die meisten Klassikfreunde und Klassikfreundinnen :) keine Gleichgesinnten in ihrem Umfeld haben und sich im Internet gezwungenermaßen mit anderen Vereinzelten austauschen müssen. ich würde mich doch lieber mit meinen Freunden über Musik unterhalten als mit weitgehend unbekannten wie euch (nichts gegen euch, aber es ist die Wahrheit).

ich denke, dass auch die Existenz von Klassikforen, so toll sie sind, als ein Symtom der krisenhaften Situation gesehen werden kann.

Das halte ich für absoluten Mumpitz! Eher doch ist es schon so, dass wenn zwei gleicher Meinung sind, sie eben einen Verein gründen, bzw. heute Foren zu allen Bereichen existieren, weit weit mehr als genug. Wie wäre es denn zu erklären, dass es so viele Computer- und Softwareforen gibt? Bestimmt nicht, weil die Computer vom Aussterben bedroht sind. Internetforen zeigen uns nur eine Veränderung der Kommunikationsformen generell (sonst müsste man auch sagen, die Leute schreiben SMS weil sie nicht mehr fähig sind zu sprechen).

Überhaupt scheint mir die Panik übertrieben. Sehr viele junge Leute hören Klassik (wenn auch nicht unbedingt immer sehr sorgfältig ausgewählte). Als ich noch zur Schule ging, waren praktisch keine Gleichaltrigen in meinem Umfeld an Klassik interessiert, heute hingegen hören viele Leute sehr unterschiedliche Sachen.
Das Alte wird generell seit dem 20. Jahrhundert sehr viel bewusster gepflegt als davor. Wir haben heute wieder eine lebendige alte Musik. Zu Mozarts Zeiten hätte man niemals eine Aufführung mit Dufay, Ockeghem oder Gesualdo erlebt (ausser vielleicht in manchen Klöstern). Heute haben wir das alles ständig verfügbar um uns. Dass Klassik nunmal nicht Popularmusik ist, lässt sich nicht ändern und soll sich auch nicht ändern. Das ist was anderes. Und mal ehrlich: wie langlebig ist das Gros der aktuellen Pop-Hits? Da wird nur wenig altes gepflegt (ausser den Ikonen). Mir scheint dies vielmehr ein Wegwerfsektor als alles andere. In der Klassik hingegen werden andauernd noch die unbedeutendsten Komponisten reanimiert und schliesslich wohl noch zum Standardrepertoire mutieren.
Ich glaube hier nicht an eine wirkliche Krise. Finanziell mag der Fall anders aussehen, aber von der Substanz verlieren wir nichts.

Satie
Carola (07.08.2006, 18:01):
Wirklich problematisch scheint mir allerdings die Entwicklung beim Musikunterricht zu sein. Soweit ich weiß, wird der zunehmend zusammengestrichen, fällt oft aus etc. Ich selber wäre ohne die Schule niemals in Kontakt mit klassischer Musik gekommen und ich bin nachträglich sehr froh darüber, dass wir schon ab dem 1. Schuljahr immerhin Blockflöte und damit auch Noten gelernt haben.

Abgesehen davon: Keine Hochkultur hält ewig. Aber vielleicht gibt es ja in 50 bis 100 Jahren einen gigantischen Mozart-Boom in China. Wie die Aufführungen dann klingen - das soll nicht mehr unsere Sorge sein. :D

Es grüßt Euch Carola
Janina (14.08.2006, 21:09):
Also ich muss etzt erstmal sagen, die Jugend von heute hört nicht Phil Collins! :D

Aber jetzt mal Scherz beiseite, dieser Satz soll mehr als ein oberflächlicher Gag sein. Man darf nämlich nicht vergessen: Wie viele Klassikliebhaber interessieren sich denn auf der anderen Seite für "moderne" Popularmusik? Wieso müssen sich alle für Klassik interessieren? Weil es zur "guten Bildung" gehört? Ist es nicht wichtig, dass jemand bei IRGENDEINER Form von Musik Sternchen in den Augen bekommt? Und wenn es halt ein Rockkonzert ist? Ich finde, man gerät in diesem Bereich ganz schnell in ein elitäres Denken...

Vielleicht verstehst Du deine Kommilitonen auch falsch. Hörst Du auch mal deren Musik? Vielleicht liegt ja da die Ursache dafür, dass Du meinst Dich entschuldigen zu müssen. Wenn Du die Musik deiner Bekannten (vielleicht unbewusst) ablehnst, kommt sowas (vielleicht auch unbewusst) zurück. Ihr habt dann keine musikalsiche Basis. Und wo die Musik doch das Wichtigste auf der Welt ist... :D

Der Altersunterschied ist natürlich da, aber er ist auch kein Neuzeitphänomen. Meine Eltern haben auch immer lieber Rolling Stones gehört als Klassik. Und das ist sogar heute noch so. :D Die sind zwar offen dafür, aber keine Liebhaber. Und ich beobachte, dass sich zumindest diese Offenheit bei jedem Menschen ab einem gewissen Alter entwickelt. Das zum Beispiel beobachte ich in meinem Freundeskreis und bei MEINEN Komillitonen (vielleicht bist Du auch im falschen Fachbereich :wink). Immer mehr von meinen Freunden haben mal Lust mich in die Oper zu begleiten. Irgendwann Streifen nämlich die meisten Menschen das Rebellentum der Jugend ab, was meiner Meinung nach die Ursache für die Abneigung gegenüber klassischer Musik ist. Klassik hat nunmal leider immernoch etwas Verstaubtes, obwohl ich der Meinung bin, dass sich da auch etwas tut. naja, Jugendliche wollen halt alles andere als verstaubt sein, kann ich auch verstehen :D. Wenn die Offenheit irgendwann kommt, ist das die halbe Miete. Denn da möchte ich mich Carolas Meinung anschließen: Es ist dann unsere Aufgabe unseren Freunden zu zeigen, was für eine tolle Musik das ist! Ich habe erst mit 20 wirklich angefangen diese Musik zu lieben. Und ich gehe IMMERNOCH auf Rockkonzerte und liebe die genauso. Das ist ja das interessante: Das widerspricht sich nicht! Klassische Musik geht nicht weniger ab, man muss dafür nur eine Aufmerksamkeit entwickeln. Wer Musik wirklich liebt (und da spielt es keine Rolle, was er bisher gehört hat), erkennt das. Alle anderen instrumentalisieren auch ihre eigene Musik nur für etwas eigentlich anderes. (Uiuiui, ganz schön provokante These merke ich gerade, können wir geren diskutieren...) :D

Aber man muss sagen, die klassische Musik hinkt auch gerade im Bereich der Popularisierung etwas hinterher. Und ich finde das wichtig. Man kann über die Netrebko und Lang Lang sagen, was man will, sie sind zumindest ein Versuch der Klassik den staub rauszuklopfen. Eben halt nur ein unbeholfener Versuch, aber notwendig. Weil natürlich steckt auch ein wirtschaftlicher Aspekt dahinter, der uns alle interessieren sollte.

Was die Langlebigkeit von Rock und Pop angeht: Ich würde das etwas differenzierter betrachten. Ich glaube ihr redet vom so genannten "One-Hit-Wonder", das nur eine Saison in den Charts ist und dann nie wieder kommt. Das hat jedoch nichts mit Musik zu tun "Bailando" etc. sind nur dazu da um musikalische Untermalung zu den Cocktails in der Strandbar zu haben. :D Richtige Musikliebhaber der Popularmusik hören ihre Cds auch nach Jahren noch, da geht es nicht um die Charts, da gibt es auch Vorlieben, Lieblingsbands etc. Natürlich, Mozart hört man tatsächlich schon länger als Nirvana. Aber das liegt im Charakter der Musik, schon alleine dadurch, dass diese Musik nicht so auf "Komposition --> Interpretation" ausgerichtet ist. Es gibt schließlich meist nur einen Interpreten bei der Popularmusik und das ist der Künstler selber. Deswegen ist leider oft Künstler tot = Musik tot, bis auf unkaputtbare Hits. Und bei denen merkt man auch oft, Langlebigkeit ist nicht immer gleich Qualität. :D Und Ihr dürft nicht vergessen: Wie will man überhaupt Aussagen über die tatsächliche Langlebigkeit von einer Musikform machen, die noch so jung ist???

Sollte das wirklich so sein, dass der Musikunterricht in der Schule so sehr reduziert wird, finde ich das auch erschreckend. Ich bin der Meinung, Musik kann ein wichtiger Teil unserer Sozialisierung sein, ähnlich wie Sport (obwohl ich Sport immer gehasst habe, das muss ich das zugeben). Allerdings ist es nach wie vor auch Aufgabe der Familie die Kinder an Musik heranzuführen. Als ich in die Schule kam, war mein Interesse bereits soweit geweckt, dass ich genau wusste, was ich wollte. Daher glaube ich nicht, dass der Musikunterricht darüber entscheidet, ob ein Kind ein Instrument lernt oder nicht. Aber ich bin der Meinung, dass Musikunterricht für die persönliche Entwicklung sehr wichtig ist. Dabei sollte es aber weniger um Theorie und Harmonielehre gehen, sondern auch mehr um gemeinsames Musizieren, was es in der Schule selten gibt. Dabei ist doch jede Theorie überflüssig, wenn man Musik nicht ERLEBT. Also meine Meinung: 1-2 Schulstunden Musik die Woche bis zur 10 Klasse. Ich meine, hallo, Sport und Religion isnd doch auch so "superwichtig", ich bin der Msinung, Musik gehört mindestens in diese Kategorie.

Ach und nebenbei: Jeremias ist nicht "gutgläubig". Er hat einfach nur gewisse Erfahrungen gemacht, die in seiner Umgebung nunmal Fakten sind. Die mögen sich vielleicht nicht mit Deinen decken, aber mit Gutgläubigkeit hat das meines Erachtens nichts zu tun.
andreas (15.08.2006, 14:28):
Hallo Janina,
danke für den tollen Betrag :down: wenn ich mehr zeit hätte und nicht jeden tag für die praktische und theor. Fahrprüfung üben müsste, würde ich dir gerne ausführlich anworten.
somit nur in Eile eine Erwiderung, nur wo soll ich anfangen....

Ich bin erstaunt, Janina, dass wir beide auf ähnliche Art und Weise den Weg zur klassischen Musik gefunden haben.Auch ich habe lange Jahre keine klassische Musik gehört, und erst spät, etwa mit 18 die ersten Cds gekauft, die ich dann begeistert gehört habe (ich habe Chopin sooo gerne gehört, gespielt von W. Kempff) , dann aber wie vorher Rock und Popmuisik gehört und dass bis 21 oder so, seit dem 21 Lebensjahr, nach vielen Schwankungen höre ich nur noch klass. Mu..
Dass heißt auch, dass es mir durchaus möglich war, beides nebeneinader zu hören. Du hast schon recht, wer musikalich ist, wird kl. Mu. lieben lerrnen, er oder sie muss sich nur öffnen für neue Erfahrungen und sich von dem schlechten Image der Klassik nicht abschrecken lassen. Aber es sind einfach zu wenige Menschen, die in meinem Alter ,ich bin 27 Jahre alt, kl. Mu. hören. Und das ist doch für mich das schlagende Argument: eine Kultur, die nicht gepflegt und nicht an die Jungen weitergereicht wird, ist eine tote Kultur. Ich gehe davon aus, dass wir uns in einer Übergangsphase befinden: wir bewegen uns vom abendländisch gesprägten Weltbild zu einem amerikanisierten kommerzialiserten, auf Gleichheit abzielenden Weltbild hin.

Und janina, ich habe nicht ganz verstanden, was du mit dem instrumentieren vom Musik meinst. Könntest du es erläutern, dann äußere ich gerne meine meinung dazu.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
Rachmaninov (09.01.2007, 15:44):
Eben wollte ich mich, zugegeben erwartungsgemäß zu spät, um Karten für Sokolov und Volodos bemühen. Beide treten bei den Schwetzinger Festspielen 2007 im Mai auf.

Wenn ich sehe wie schnell beide Veranstaltungen ausverkauft sind kann ich wahrlich keine Kriese bei der klassischen Musik erkennen.

:wink
cellodil (09.01.2007, 20:47):
Original von Rachmaninov
Eben wollte ich mich, zugegeben erwartungsgemäß zu spät, um Karten für Sokolov und Volodos bemühen. Beide treten bei den Schwetzinger Festspielen 2007 im Mai auf.

Wenn ich sehe wie schnell beide Veranstaltungen ausverkauft sind kann ich wahrlich keine Kriese bei der klassischen Musik erkennen.

:wink

Lieber Rachmaninov,

das tut mir leid für Dich, dass Du keine Karten bekommen hast (aber oft - wenn Schwetzingen für Dich nicht zu weit ist - gibt's an der Abendkasse selbst bei ausverkauftem Haus noch Karten). Ich denke aber, dass das in diesem Fall schon sehr mit zugkräftigen Namen zu tun hat...

Für viele andere Veranstaltungen würdest Du ziemlich sicher noch Karten in allen Kategorien bekommen. Außerdem sind die Spielstätten in Schwetzingen auch eher klein. Und Festspiele in solchem Rahmen auch aus anderen Gründen gefragt (Lustwandeln im Schwetzinger Garten ist ja auch ganz schön). Insofern scheint mir das nicht unbedingt ein Indiz für die Nichtexistenz einer Krise.

Herzliche Grüße

Sabine
Rachmaninov (10.01.2007, 19:15):
@cellodil,

verstehe ich richtig, daß Du die Klassik in einer Krise siehst?

R
Martin (10.01.2007, 20:05):
Ich, der ich ja mit meinen 16 Jahren genau in der Gruppe bin, die eigentlich kein Interesse für klassische Musik zeigt, möchte jetzt auch mal was dazu sagen.
Besonders der Musikunterricht wird bspw. an unserer Schule relativ groß geschrieben, obwohl wir kein Musikgymnasium sind. Wir haben zwei Musiklehrer an unserer Schule, die eigentlich ausschließlich klassiche Musik durchnehmen. Einer dieser beiden ist der Leiter unserer Schulchores. Fast die Hälfte aller Schüler ist in diesem Chor und erlebt die Musik mit. Anders gesagt, wir sind sogar Teil der Musik. In meinen 5 1/2 Jahren, die ich jetzt schon im Chor singe, haben wir immerhin schon das Requiem von Mozart, die Altrhapsodie von Brahms, das Schicksalslied von Brahms, die Vesperae Solennes de Confessore von Mozart, die As-Dur Messe von Schubert, das Stabat Mater von Rossini, die Messa di Gloria von Puccini, den Messias von Händel, die Krönungsmesse, die Messe D-Dur von Dvorak und die Paukenmesse von Haydn zur Aufführung gebracht. Und alle sind begeistert dabei, auch wenn sich die meisten nicht öffentlich dazu bekennen, dass ihnen die Musik gefällt. Wir fahren jedes Jahr nach St. Malo und singen dort in der Kathedrale ein Konzert. Desweiteren singen wir jedes Jahr zwei Konzerte beim Kulturfestival "Altstadtherbst", darunter das Eröffnungskonzert, in Düsseldorf. Jeder, der in der Umgebung Düsseldorfs wohnt, kann gerne mal vorbei kommen.
Von Abwesenheit der klassischen Musik, kann also jedenfalls in meinem Umkreis keine Rede sein.
Auch ich höre intensiv Popmusik. Auch wenn das hier viele nicht nachvollziehen werden können, ich liebe ganz unterschiedliche Arten von Musik. Popmusik, Reggae, Jazz, auch deutsche Musik. Ich finde, das ist auch normal als Jugendlicher.
Ich glaube, dass die klassische Musik immer ihr Publikum haben wird.
Amadé (10.01.2007, 20:49):
@ Martin

Gratuliere, dass in Deiner Schule eine so große Musikpflege betrieben wird, wo Musik ein Teil des Schullebens ist und nicht nur am Rande mitläuft.
Leider ist es an den meisten weiterführenden Schulen des Landes nicht mehr so. Es fehlt leider überall an Musiklehreren. Überdies engagieren sich nicht alle im Dienst stehenden, aus unterschiedlichen Gründen, über den Unterricht hinaus für ihr Fach. Hinzu kommt, dass nicht alle Schulleitungen Interesse für Musik und Klassik im Speziellen hegen und ihre(n) Musiklehrer tatkräftig unterstützen.

Herzlichen Gruß und schöne weitere Chorerlebnisse
Amadé
cellodil (11.01.2007, 00:25):
Original von Rachmaninov
@cellodil,

verstehe ich richtig, daß Du die Klassik in einer Krise siehst?

R

@Rachninov

Es ging mir eher um die Frage der Kausalität...

Von einer Krise der Klassik würde ich allgemein nicht reden.

Allerdings befällt mich bei Kammermusikkonzerten, die nicht im Rahmen irgendwelcher Festspiele oder an einem Ausbildungsinstitut stattfinden, bisweilen schon die Befürchtung, dass das Publikum eine endangered species sein und demnächst womöglich aussterben könnte... Habe manchmal die Vision, wie sich von Jahr zu Jahr die Reihen lichten werden und ich dann irgendwann selbst ergraut mit einer Handvoll asiatischer Musikstudenten (die werden ja vermutlich nachwachsen) allein in den Reihen sitzen werde.

Aber Kammermusik scheint da doch eher eine Ausnahme zu sein. Und vielleicht bin ich ja auch einfach frühreif und normale Menschen fangen einfach grundsätzlich erst in höherem Lebensalter mit dem Hören von Kammermusik an.

Grüße

Sabine
Jeremias (11.01.2007, 00:41):
@ Andreas: Ich weiss, dass Eure Schule sehr vorbildlich ist, was man von meiner damals nicht behaupten konnte! Aber ich habe bei der Organisation meiner Jugendkonzerte damals mit dem Görres schlechte Erfahrungen gemacht. Als ich angefragt habe, ob jemand solistisch in der Tonhalle auftreten will, da wurde diese Info nicht an die Schüler weitergegeben, damit es keinen gibt, der da solistisch "auftrumpfen" kann. Wir hatten dann auch mal angefragt, ob nicht einer der Chöre Lust hätte, mitzumachen. auch da sind wir auf taube Ohren gestoßen. Schade war es schon....
Martin (11.01.2007, 02:01):
Ich glaube, du meintest eher @Martin, oder?
Ja, das einzige Problem an der Sache ist leider, dass unser Chorleiter ein ziemlicher Exzentriker ist. Er ist ein absoluter Fanatiker was den Chor angeht. Keiner darf ihm seinen Chor streitig machen. Er macht Auftritte nur, wenn diese ihm zu 100% zusagen. Auch wenn er aber ein schräger Vogel ist, macht er seine Sache doch einzigartig und gibt uns soviel mit, da bin ich ihm sehr dankbar für.
Es ist natürlich sehr schade, dass wir bei solchen Gelegenheiten nicht auftreten. Aber ich bin schon zufrieden mit der Musikförderung an meiner Schule.
Ganong (11.01.2007, 15:07):
Lieber Martin ,

um welche Schule in Düsseldorf handelt es sich denn ?

Wenn Du es nicht öffentlich sagen magst , so schreibe mir als PN ; ein Schweigen meinerseits wird natürlich zugesichert .

Beste Grüsse ,

Frank
Ganong (11.01.2007, 15:12):
Lieber Andreas ,

liebe Mitglieder des Forums !

Die sog. Klassikkrise ist in erster Linie eine Krise eines desolaten Managements und dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern .

W e n n nur zig E-Mails , Briefe etc. an diese Leute geschribene würden , dann würde sich sicherlich s e h r vieles ändern .

Dazu kommt , dass wir einfach die völlig überteuerten neu erschienen CDs n i c h t kaufebn sollten . Auch dies hätte eine positive Wirkung auf das ignorante Verhalten der Oligarchen in den Konzernen . Dies ist überall so .

Wenn wir etwas erreichen wollen , dann geht dies nur durch eigene Aktivitäten !

Sonst machen "die da oben" weiter , was sie wollen .

Grüsse ,

Frank
andreas (03.08.2006, 21:05):
Liebe Leute,
Ihr wisst sicherlich, dass die klassische Musik in einer schweren, lebensbedrohlichen Krise steckt.
Sie wird, das denke zumindest ich, nicht mehr aus ihr herrauskommen.

Auch Subventionen werden nicht verhindern, dass das Publikum vergreist und die Jugend lieber Robbie Williams oder Phil Collins hört.
Die Konzertsälle werden immer leerer, wenn man nicht gerade in Berlin oder Wien lebt, und der Musikunterricht in den Schulen wird gestrichen oder fällt einfach aus.
Die Kinder und Jugendlichen wissen nur vom Namen wer Beethoven oder Mozart war ( der mit Perücke, der Spießer!!!) und gehen lieber auf das nächste Rockkonzert.

Ich weiss nicht wie lange überhaupt noch ein Interesse an klassicher Musik vorhanden sein wird. Noch pflegt man das Erbe, das uns hinterlassen wurde, aber bald wir dieser Bereich der deutschen/ europäischen Kultur vergessen sein.

Was denkt ihr dazu? Seid ihr meiner Meinung?

Ich bin neugierig auf eure meinungen !!

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
aus Bielefeld
Jeremias (03.08.2006, 21:12):
Also, hier in Düsseldorf sieht es mittlerweile anders aus: humane Preise bei den Veranstaltungen der Sinfoniker (5 € für Schüler/Studenten), Kinderkonzerte, Vorstellungen der Sinfoniker extra für Schulklassen, Workshops usw. Und zudem denke ich, dass ich behaupten darf, zumindest hier in der Stadt zu der neuen "Jugendpolitik" der Tonhalle und der Sinfoniker beigetragen zu haben. Man muss die aktiven jungen Musiker fördern, ihnen ein Podium geben ganz ohne druck eines Wettbewerbs wie "Jugend Musiziert". Und deren Freunde etc. sind zumindest bei meinen Veranstaltungen auch angesteckt worden. Zudem habe ich aber hier die Tendenz entdecken können, dass sich das Publikum verjüngt hat. Leider ist dies doch sehr vom jeweiligen programm abhängig.
andreas (05.08.2006, 17:53):
Gelassenheit ist ein Tugend, aber in deinem fall muss ich dich eher als gutgläubig einschätzen.
Ich kann aus meinem Umfeld an der Uni davon berichten, dass sich keiner meiner mir bekannten Kommilitonen (und es sind nicht wenige) für klassische Musik interessiert. ja, dass es sogar soweit gekommen ist, dass ich mich dafür entschuldigen musste kl. Musik zu hören.

Bin ich nun ein Schwarzseher?
Rachmaninov (06.08.2006, 17:02):
Original von andreas
Gelassenheit ist ein Tugend, aber in deinem fall muss ich dich eher als gutgläubig einschätzen.
Ich kann aus meinem Umfeld an der Uni davon berichten, dass sich keiner meiner mir bekannten Kommilitonen (und es sind nicht wenige) für klassische Musik interessiert. ja, dass es sogar soweit gekommen ist, dass ich mich dafür entschuldigen musste kl. Musik zu hören.

Bin ich nun ein Schwarzseher?

@andreas,

wenn Du Dich dafür entschuldigst, daß Du Klassik hörst fällt mir nur eins ein: selber schuld!
Mescnehn / Freunde, dei das nicht bei mir verstehen respektieren es einfach :D

Die Klassikkrise kann ich allerdings auch nicht erkennen!
Carola (06.08.2006, 17:17):
Ich sehe das auch nicht so pessimistisch.

An den Strukturen im "Klassikmarkt", schlechtem oder gar fehlendem Musikunterricht etc. können wir nichts unmittelbar ändern. Aber wir können - auch durch dieses Klassikforum - zeigen, wie spannend und unerschöpflich klassische Musik ist und wie viel Freude sie macht.

Das ist nicht viel aber immerhin etwas.

findet Carola
andreas (07.08.2006, 13:48):
hallo Carola,
dieses Forum in Ehren, aber allein schon die Tatsache, dass es Klassikforen gibt, ist doch darauf zurückzuführen, dass die meisten Klassikfreunde und Klassikfreundinnen :) keine Gleichgesinnten in ihrem Umfeld haben und sich im Internet gezwungenermaßen mit anderen Vereinzelten austauschen müssen. ich würde mich doch lieber mit meinen Freunden über Musik unterhalten als mit weitgehend unbekannten wie euch (nichts gegen euch, aber es ist die Wahrheit).

ich denke, dass auch die Existenz von Klassikforen, so toll sie sind, als ein Symtom der krisenhaften Situation gesehen werden kann.
satie (07.08.2006, 16:45):
Original von andreas
hallo Carola,
dieses Forum in Ehren, aber allein schon die Tatsache, dass es Klassikforen gibt, ist doch darauf zurückzuführen, dass die meisten Klassikfreunde und Klassikfreundinnen :) keine Gleichgesinnten in ihrem Umfeld haben und sich im Internet gezwungenermaßen mit anderen Vereinzelten austauschen müssen. ich würde mich doch lieber mit meinen Freunden über Musik unterhalten als mit weitgehend unbekannten wie euch (nichts gegen euch, aber es ist die Wahrheit).

ich denke, dass auch die Existenz von Klassikforen, so toll sie sind, als ein Symtom der krisenhaften Situation gesehen werden kann.

Das halte ich für absoluten Mumpitz! Eher doch ist es schon so, dass wenn zwei gleicher Meinung sind, sie eben einen Verein gründen, bzw. heute Foren zu allen Bereichen existieren, weit weit mehr als genug. Wie wäre es denn zu erklären, dass es so viele Computer- und Softwareforen gibt? Bestimmt nicht, weil die Computer vom Aussterben bedroht sind. Internetforen zeigen uns nur eine Veränderung der Kommunikationsformen generell (sonst müsste man auch sagen, die Leute schreiben SMS weil sie nicht mehr fähig sind zu sprechen).

Überhaupt scheint mir die Panik übertrieben. Sehr viele junge Leute hören Klassik (wenn auch nicht unbedingt immer sehr sorgfältig ausgewählte). Als ich noch zur Schule ging, waren praktisch keine Gleichaltrigen in meinem Umfeld an Klassik interessiert, heute hingegen hören viele Leute sehr unterschiedliche Sachen.
Das Alte wird generell seit dem 20. Jahrhundert sehr viel bewusster gepflegt als davor. Wir haben heute wieder eine lebendige alte Musik. Zu Mozarts Zeiten hätte man niemals eine Aufführung mit Dufay, Ockeghem oder Gesualdo erlebt (ausser vielleicht in manchen Klöstern). Heute haben wir das alles ständig verfügbar um uns. Dass Klassik nunmal nicht Popularmusik ist, lässt sich nicht ändern und soll sich auch nicht ändern. Das ist was anderes. Und mal ehrlich: wie langlebig ist das Gros der aktuellen Pop-Hits? Da wird nur wenig altes gepflegt (ausser den Ikonen). Mir scheint dies vielmehr ein Wegwerfsektor als alles andere. In der Klassik hingegen werden andauernd noch die unbedeutendsten Komponisten reanimiert und schliesslich wohl noch zum Standardrepertoire mutieren.
Ich glaube hier nicht an eine wirkliche Krise. Finanziell mag der Fall anders aussehen, aber von der Substanz verlieren wir nichts.

Satie
Carola (07.08.2006, 18:01):
Wirklich problematisch scheint mir allerdings die Entwicklung beim Musikunterricht zu sein. Soweit ich weiß, wird der zunehmend zusammengestrichen, fällt oft aus etc. Ich selber wäre ohne die Schule niemals in Kontakt mit klassischer Musik gekommen und ich bin nachträglich sehr froh darüber, dass wir schon ab dem 1. Schuljahr immerhin Blockflöte und damit auch Noten gelernt haben.

Abgesehen davon: Keine Hochkultur hält ewig. Aber vielleicht gibt es ja in 50 bis 100 Jahren einen gigantischen Mozart-Boom in China. Wie die Aufführungen dann klingen - das soll nicht mehr unsere Sorge sein. :D

Es grüßt Euch Carola
Janina (14.08.2006, 21:09):
Also ich muss etzt erstmal sagen, die Jugend von heute hört nicht Phil Collins! :D

Aber jetzt mal Scherz beiseite, dieser Satz soll mehr als ein oberflächlicher Gag sein. Man darf nämlich nicht vergessen: Wie viele Klassikliebhaber interessieren sich denn auf der anderen Seite für "moderne" Popularmusik? Wieso müssen sich alle für Klassik interessieren? Weil es zur "guten Bildung" gehört? Ist es nicht wichtig, dass jemand bei IRGENDEINER Form von Musik Sternchen in den Augen bekommt? Und wenn es halt ein Rockkonzert ist? Ich finde, man gerät in diesem Bereich ganz schnell in ein elitäres Denken...

Vielleicht verstehst Du deine Kommilitonen auch falsch. Hörst Du auch mal deren Musik? Vielleicht liegt ja da die Ursache dafür, dass Du meinst Dich entschuldigen zu müssen. Wenn Du die Musik deiner Bekannten (vielleicht unbewusst) ablehnst, kommt sowas (vielleicht auch unbewusst) zurück. Ihr habt dann keine musikalsiche Basis. Und wo die Musik doch das Wichtigste auf der Welt ist... :D

Der Altersunterschied ist natürlich da, aber er ist auch kein Neuzeitphänomen. Meine Eltern haben auch immer lieber Rolling Stones gehört als Klassik. Und das ist sogar heute noch so. :D Die sind zwar offen dafür, aber keine Liebhaber. Und ich beobachte, dass sich zumindest diese Offenheit bei jedem Menschen ab einem gewissen Alter entwickelt. Das zum Beispiel beobachte ich in meinem Freundeskreis und bei MEINEN Komillitonen (vielleicht bist Du auch im falschen Fachbereich :wink). Immer mehr von meinen Freunden haben mal Lust mich in die Oper zu begleiten. Irgendwann Streifen nämlich die meisten Menschen das Rebellentum der Jugend ab, was meiner Meinung nach die Ursache für die Abneigung gegenüber klassischer Musik ist. Klassik hat nunmal leider immernoch etwas Verstaubtes, obwohl ich der Meinung bin, dass sich da auch etwas tut. naja, Jugendliche wollen halt alles andere als verstaubt sein, kann ich auch verstehen :D. Wenn die Offenheit irgendwann kommt, ist das die halbe Miete. Denn da möchte ich mich Carolas Meinung anschließen: Es ist dann unsere Aufgabe unseren Freunden zu zeigen, was für eine tolle Musik das ist! Ich habe erst mit 20 wirklich angefangen diese Musik zu lieben. Und ich gehe IMMERNOCH auf Rockkonzerte und liebe die genauso. Das ist ja das interessante: Das widerspricht sich nicht! Klassische Musik geht nicht weniger ab, man muss dafür nur eine Aufmerksamkeit entwickeln. Wer Musik wirklich liebt (und da spielt es keine Rolle, was er bisher gehört hat), erkennt das. Alle anderen instrumentalisieren auch ihre eigene Musik nur für etwas eigentlich anderes. (Uiuiui, ganz schön provokante These merke ich gerade, können wir geren diskutieren...) :D

Aber man muss sagen, die klassische Musik hinkt auch gerade im Bereich der Popularisierung etwas hinterher. Und ich finde das wichtig. Man kann über die Netrebko und Lang Lang sagen, was man will, sie sind zumindest ein Versuch der Klassik den staub rauszuklopfen. Eben halt nur ein unbeholfener Versuch, aber notwendig. Weil natürlich steckt auch ein wirtschaftlicher Aspekt dahinter, der uns alle interessieren sollte.

Was die Langlebigkeit von Rock und Pop angeht: Ich würde das etwas differenzierter betrachten. Ich glaube ihr redet vom so genannten "One-Hit-Wonder", das nur eine Saison in den Charts ist und dann nie wieder kommt. Das hat jedoch nichts mit Musik zu tun "Bailando" etc. sind nur dazu da um musikalische Untermalung zu den Cocktails in der Strandbar zu haben. :D Richtige Musikliebhaber der Popularmusik hören ihre Cds auch nach Jahren noch, da geht es nicht um die Charts, da gibt es auch Vorlieben, Lieblingsbands etc. Natürlich, Mozart hört man tatsächlich schon länger als Nirvana. Aber das liegt im Charakter der Musik, schon alleine dadurch, dass diese Musik nicht so auf "Komposition --> Interpretation" ausgerichtet ist. Es gibt schließlich meist nur einen Interpreten bei der Popularmusik und das ist der Künstler selber. Deswegen ist leider oft Künstler tot = Musik tot, bis auf unkaputtbare Hits. Und bei denen merkt man auch oft, Langlebigkeit ist nicht immer gleich Qualität. :D Und Ihr dürft nicht vergessen: Wie will man überhaupt Aussagen über die tatsächliche Langlebigkeit von einer Musikform machen, die noch so jung ist???

Sollte das wirklich so sein, dass der Musikunterricht in der Schule so sehr reduziert wird, finde ich das auch erschreckend. Ich bin der Meinung, Musik kann ein wichtiger Teil unserer Sozialisierung sein, ähnlich wie Sport (obwohl ich Sport immer gehasst habe, das muss ich das zugeben). Allerdings ist es nach wie vor auch Aufgabe der Familie die Kinder an Musik heranzuführen. Als ich in die Schule kam, war mein Interesse bereits soweit geweckt, dass ich genau wusste, was ich wollte. Daher glaube ich nicht, dass der Musikunterricht darüber entscheidet, ob ein Kind ein Instrument lernt oder nicht. Aber ich bin der Meinung, dass Musikunterricht für die persönliche Entwicklung sehr wichtig ist. Dabei sollte es aber weniger um Theorie und Harmonielehre gehen, sondern auch mehr um gemeinsames Musizieren, was es in der Schule selten gibt. Dabei ist doch jede Theorie überflüssig, wenn man Musik nicht ERLEBT. Also meine Meinung: 1-2 Schulstunden Musik die Woche bis zur 10 Klasse. Ich meine, hallo, Sport und Religion isnd doch auch so "superwichtig", ich bin der Msinung, Musik gehört mindestens in diese Kategorie.

Ach und nebenbei: Jeremias ist nicht "gutgläubig". Er hat einfach nur gewisse Erfahrungen gemacht, die in seiner Umgebung nunmal Fakten sind. Die mögen sich vielleicht nicht mit Deinen decken, aber mit Gutgläubigkeit hat das meines Erachtens nichts zu tun.
andreas (15.08.2006, 14:28):
Hallo Janina,
danke für den tollen Betrag :down: wenn ich mehr zeit hätte und nicht jeden tag für die praktische und theor. Fahrprüfung üben müsste, würde ich dir gerne ausführlich anworten.
somit nur in Eile eine Erwiderung, nur wo soll ich anfangen....

Ich bin erstaunt, Janina, dass wir beide auf ähnliche Art und Weise den Weg zur klassischen Musik gefunden haben.Auch ich habe lange Jahre keine klassische Musik gehört, und erst spät, etwa mit 18 die ersten Cds gekauft, die ich dann begeistert gehört habe (ich habe Chopin sooo gerne gehört, gespielt von W. Kempff) , dann aber wie vorher Rock und Popmuisik gehört und dass bis 21 oder so, seit dem 21 Lebensjahr, nach vielen Schwankungen höre ich nur noch klass. Mu..
Dass heißt auch, dass es mir durchaus möglich war, beides nebeneinader zu hören. Du hast schon recht, wer musikalich ist, wird kl. Mu. lieben lerrnen, er oder sie muss sich nur öffnen für neue Erfahrungen und sich von dem schlechten Image der Klassik nicht abschrecken lassen. Aber es sind einfach zu wenige Menschen, die in meinem Alter ,ich bin 27 Jahre alt, kl. Mu. hören. Und das ist doch für mich das schlagende Argument: eine Kultur, die nicht gepflegt und nicht an die Jungen weitergereicht wird, ist eine tote Kultur. Ich gehe davon aus, dass wir uns in einer Übergangsphase befinden: wir bewegen uns vom abendländisch gesprägten Weltbild zu einem amerikanisierten kommerzialiserten, auf Gleichheit abzielenden Weltbild hin.

Und janina, ich habe nicht ganz verstanden, was du mit dem instrumentieren vom Musik meinst. Könntest du es erläutern, dann äußere ich gerne meine meinung dazu.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
Rachmaninov (09.01.2007, 15:44):
Eben wollte ich mich, zugegeben erwartungsgemäß zu spät, um Karten für Sokolov und Volodos bemühen. Beide treten bei den Schwetzinger Festspielen 2007 im Mai auf.

Wenn ich sehe wie schnell beide Veranstaltungen ausverkauft sind kann ich wahrlich keine Kriese bei der klassischen Musik erkennen.

:wink
cellodil (09.01.2007, 20:47):
Original von Rachmaninov
Eben wollte ich mich, zugegeben erwartungsgemäß zu spät, um Karten für Sokolov und Volodos bemühen. Beide treten bei den Schwetzinger Festspielen 2007 im Mai auf.

Wenn ich sehe wie schnell beide Veranstaltungen ausverkauft sind kann ich wahrlich keine Kriese bei der klassischen Musik erkennen.

:wink

Lieber Rachmaninov,

das tut mir leid für Dich, dass Du keine Karten bekommen hast (aber oft - wenn Schwetzingen für Dich nicht zu weit ist - gibt's an der Abendkasse selbst bei ausverkauftem Haus noch Karten). Ich denke aber, dass das in diesem Fall schon sehr mit zugkräftigen Namen zu tun hat...

Für viele andere Veranstaltungen würdest Du ziemlich sicher noch Karten in allen Kategorien bekommen. Außerdem sind die Spielstätten in Schwetzingen auch eher klein. Und Festspiele in solchem Rahmen auch aus anderen Gründen gefragt (Lustwandeln im Schwetzinger Garten ist ja auch ganz schön). Insofern scheint mir das nicht unbedingt ein Indiz für die Nichtexistenz einer Krise.

Herzliche Grüße

Sabine
Rachmaninov (10.01.2007, 19:15):
@cellodil,

verstehe ich richtig, daß Du die Klassik in einer Krise siehst?

R
Martin (10.01.2007, 20:05):
Ich, der ich ja mit meinen 16 Jahren genau in der Gruppe bin, die eigentlich kein Interesse für klassische Musik zeigt, möchte jetzt auch mal was dazu sagen.
Besonders der Musikunterricht wird bspw. an unserer Schule relativ groß geschrieben, obwohl wir kein Musikgymnasium sind. Wir haben zwei Musiklehrer an unserer Schule, die eigentlich ausschließlich klassiche Musik durchnehmen. Einer dieser beiden ist der Leiter unserer Schulchores. Fast die Hälfte aller Schüler ist in diesem Chor und erlebt die Musik mit. Anders gesagt, wir sind sogar Teil der Musik. In meinen 5 1/2 Jahren, die ich jetzt schon im Chor singe, haben wir immerhin schon das Requiem von Mozart, die Altrhapsodie von Brahms, das Schicksalslied von Brahms, die Vesperae Solennes de Confessore von Mozart, die As-Dur Messe von Schubert, das Stabat Mater von Rossini, die Messa di Gloria von Puccini, den Messias von Händel, die Krönungsmesse, die Messe D-Dur von Dvorak und die Paukenmesse von Haydn zur Aufführung gebracht. Und alle sind begeistert dabei, auch wenn sich die meisten nicht öffentlich dazu bekennen, dass ihnen die Musik gefällt. Wir fahren jedes Jahr nach St. Malo und singen dort in der Kathedrale ein Konzert. Desweiteren singen wir jedes Jahr zwei Konzerte beim Kulturfestival "Altstadtherbst", darunter das Eröffnungskonzert, in Düsseldorf. Jeder, der in der Umgebung Düsseldorfs wohnt, kann gerne mal vorbei kommen.
Von Abwesenheit der klassischen Musik, kann also jedenfalls in meinem Umkreis keine Rede sein.
Auch ich höre intensiv Popmusik. Auch wenn das hier viele nicht nachvollziehen werden können, ich liebe ganz unterschiedliche Arten von Musik. Popmusik, Reggae, Jazz, auch deutsche Musik. Ich finde, das ist auch normal als Jugendlicher.
Ich glaube, dass die klassische Musik immer ihr Publikum haben wird.
Amadé (10.01.2007, 20:49):
@ Martin

Gratuliere, dass in Deiner Schule eine so große Musikpflege betrieben wird, wo Musik ein Teil des Schullebens ist und nicht nur am Rande mitläuft.
Leider ist es an den meisten weiterführenden Schulen des Landes nicht mehr so. Es fehlt leider überall an Musiklehreren. Überdies engagieren sich nicht alle im Dienst stehenden, aus unterschiedlichen Gründen, über den Unterricht hinaus für ihr Fach. Hinzu kommt, dass nicht alle Schulleitungen Interesse für Musik und Klassik im Speziellen hegen und ihre(n) Musiklehrer tatkräftig unterstützen.

Herzlichen Gruß und schöne weitere Chorerlebnisse
Amadé
cellodil (11.01.2007, 00:25):
Original von Rachmaninov
@cellodil,

verstehe ich richtig, daß Du die Klassik in einer Krise siehst?

R

@Rachninov

Es ging mir eher um die Frage der Kausalität...

Von einer Krise der Klassik würde ich allgemein nicht reden.

Allerdings befällt mich bei Kammermusikkonzerten, die nicht im Rahmen irgendwelcher Festspiele oder an einem Ausbildungsinstitut stattfinden, bisweilen schon die Befürchtung, dass das Publikum eine endangered species sein und demnächst womöglich aussterben könnte... Habe manchmal die Vision, wie sich von Jahr zu Jahr die Reihen lichten werden und ich dann irgendwann selbst ergraut mit einer Handvoll asiatischer Musikstudenten (die werden ja vermutlich nachwachsen) allein in den Reihen sitzen werde.

Aber Kammermusik scheint da doch eher eine Ausnahme zu sein. Und vielleicht bin ich ja auch einfach frühreif und normale Menschen fangen einfach grundsätzlich erst in höherem Lebensalter mit dem Hören von Kammermusik an.

Grüße

Sabine
Jeremias (11.01.2007, 00:41):
@ Andreas: Ich weiss, dass Eure Schule sehr vorbildlich ist, was man von meiner damals nicht behaupten konnte! Aber ich habe bei der Organisation meiner Jugendkonzerte damals mit dem Görres schlechte Erfahrungen gemacht. Als ich angefragt habe, ob jemand solistisch in der Tonhalle auftreten will, da wurde diese Info nicht an die Schüler weitergegeben, damit es keinen gibt, der da solistisch "auftrumpfen" kann. Wir hatten dann auch mal angefragt, ob nicht einer der Chöre Lust hätte, mitzumachen. auch da sind wir auf taube Ohren gestoßen. Schade war es schon....
Martin (11.01.2007, 02:01):
Ich glaube, du meintest eher @Martin, oder?
Ja, das einzige Problem an der Sache ist leider, dass unser Chorleiter ein ziemlicher Exzentriker ist. Er ist ein absoluter Fanatiker was den Chor angeht. Keiner darf ihm seinen Chor streitig machen. Er macht Auftritte nur, wenn diese ihm zu 100% zusagen. Auch wenn er aber ein schräger Vogel ist, macht er seine Sache doch einzigartig und gibt uns soviel mit, da bin ich ihm sehr dankbar für.
Es ist natürlich sehr schade, dass wir bei solchen Gelegenheiten nicht auftreten. Aber ich bin schon zufrieden mit der Musikförderung an meiner Schule.
Ganong (11.01.2007, 15:07):
Lieber Martin ,

um welche Schule in Düsseldorf handelt es sich denn ?

Wenn Du es nicht öffentlich sagen magst , so schreibe mir als PN ; ein Schweigen meinerseits wird natürlich zugesichert .

Beste Grüsse ,

Frank
Ganong (11.01.2007, 15:12):
Lieber Andreas ,

liebe Mitglieder des Forums !

Die sog. Klassikkrise ist in erster Linie eine Krise eines desolaten Managements und dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern .

W e n n nur zig E-Mails , Briefe etc. an diese Leute geschribene würden , dann würde sich sicherlich s e h r vieles ändern .

Dazu kommt , dass wir einfach die völlig überteuerten neu erschienen CDs n i c h t kaufebn sollten . Auch dies hätte eine positive Wirkung auf das ignorante Verhalten der Oligarchen in den Konzernen . Dies ist überall so .

Wenn wir etwas erreichen wollen , dann geht dies nur durch eigene Aktivitäten !

Sonst machen "die da oben" weiter , was sie wollen .

Grüsse ,

Frank