musikalische Zeitungsschau - interessantes und kurioses

Heike (28.04.2010, 21:07):
heute im SPIEGEL online gelesen:

"Geige gefasst: Zöllner am Flughafen Zürich haben eine Violine der Musikerin Patricia Kopatchinskaja beschlagnahmt. Das 4,5 Millionen Euro teure Instrument war zuvor undeklariert ins Land eingeführt worden."

Quelle und ganzer Artikel unter
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,691665,00.html

Heike
Nicolas_Aine (29.04.2010, 08:35):
interessant, die hör ich nächste Woche in Stuttgart... (mit Sol Gabetta und Henri Sigfridson als Klaviertrio)
Heike (29.04.2010, 15:45):
Hoffentlich auch mit ihrer Geige!
Heike
Armin70 (29.04.2010, 16:23):
Vielleicht wird das Konzert auch kurzerhand in die Büros des Züricher Zolls verlegt...
Nicolas_Aine (29.04.2010, 18:02):
wär auch mal interessant, in Zürich war ich noch nie... und da seit dem Abi in der Schule eh nix mehr läuft, könnt ich da gleich 1, 2 Tage bleiben :D
Rachmaninov (29.04.2010, 21:00):
gehört eigentlich in thread internationale presse ..... :D
Heike (21.02.2011, 08:07):
Von Schubert lernen!
Der Bariton Matthias Goerne über die Herausforderungen des Liedgesangs und die "Eventsucht" vieler Sängerkollegen, die Liebe der Japaner zur "Winterreise" und sinnfreie Opernaufführungen.

http://www.zeit.de/2011/08/Gespraech-Goerne?page=1

Zitat:
"Mich macht diese Eventsucht krank. Sie hinterlässt eine furchtbare Leere."
Fairy Queen (21.02.2011, 08:56):
Liebe Heike danke für diesen Link. Was Goerne über die Schubert-Rezeption im Ausland sagt, kann ich nur unterstreichen. Auch für die Franzosen ist die Winterreise der Gipfel der Liedseligkeit. Das Goerne allerdings Schubert gegen Schumann ausspielt, verstehe ich nicht. Als ob die Dichterliebe und insbesondere der Eichendorff-Zyklus 39 nicht auch den Menschen mit all seinen Facetten in sich bergen würden!

F.Q.
Heike (21.02.2011, 19:54):
Noch ein lesenswerter (und wie ich finde ganz schrecklicher) Artikel aus der ZEIT:

Berufsmusiker - Das Vorspiel
In Berlin treten junge Kontrabassisten aus der ganzen Welt gegeneinander an: Ein Wochenende lang spielen sie um die einzige freie Stelle des Konzerthausorchesters – und um ihre Zukunft.

hier: http://www.zeit.de/2011/08/DOS-Musik-Orchester-Probespiel
Cetay (inaktiv) (08.06.2011, 22:33):
Seltene Mozart-Partitur in britischem Oxfam-Geschäft entdeckt
ab (09.06.2011, 20:23):
"Richter - Besuch der alten Dame"
Der Spiegel nr.24/1962, hier

http://2.bp.blogspot.com/_pYUlyumcis4/SU4MjqMbsoI/AAAAAAAAB34/yvG2nXkhQvU/s1600/1.%2BDer%2BSpiegel%2Bnr.24-1962.jpg
Heike (25.08.2012, 09:37):
"Patient erinnert sich an nichts - nur an Musik"
Ein wie ich finde sehr interessanter Artikel (ich hoffe, er geht nicht so schnell ins kostenpflichtige Archiv).
http://www.morgenpost.de/web-wissen/gesundheit/article108768418/Patient-erinnert-sich-an-nichts-nur-an-Musik.html
bzw. http://www.welt.de/gesundheit/article108768418/Patient-erinnert-sich-an-nichts-nur-an-Musik.html

Zitat: "Dieser radikale Unterschied zwischen Musikgedächtnis und Gedächtnis für andere Inhalte ist das eigentlich Besondere an dem Fall"

Musik spielt also eine Sonderrolle im Gehirn und wird im Gedächtnis ganz gesondert abgespeichert, jedenfalls bei Musikern. Ich hoffe, dass weitere Forschungen dazu folgen werden. Es wäre interessant zu wissen, ob das bei allen so organisiert ist. Die Erfahrungen bei alten, dementen Menschen gehen ja in einen ähnliche Richtung, dass die sich an Melodien oft sehr wohl gut erinnern.
Vielleicht wird das der Musiktherapie einen Aufschwung bescheren, es wäre zu wünschen!
Heike

p.s. hier auch ein Bericht dazu auf der charite-website
http://www.charite.de/charite/presse/pressemitteilungen/artikel/detail/das_gedaechtnis_fuer_musik_bleibt_erhalten/
Fairy Queen (27.08.2012, 19:21):
Liebe Heike vielen Dank für diese Artikel, die mich als Musiktherapeutin natürlich ganz besonders brennend interessieren. Musiktherapie und insbesondere Singen mit Demenzkranken ist bereits recht bekannt und wird oft therapeutisch eingesetzt. ich habe in meiner Ausbildung gelernt, dass Musik weniger die Grosshirnrinde (Neocortex) als vielmehr einen älteren Teil des Gehirn, einen Teil des sogenannte limbischen Systems anspricht. Dieser Teil des Gehirn ist auch sehr eng mit der Erinnerung an Emotionen verbunden und das erklärt warum manche Musikstücke die man in emotional aufgeladenen Situationen gehört hat genauso wie Gerüche plötzlich starke Emotionen auslôsen kônnen. Die Musik ist an das Gefühl assoziert und das Gehirn erinnert sich sofort daran, wenn es stimuliert wird. Bei dementen Menschen mit der AlzmheimerKrankheit bleibt diese Funktion viel lânger intakt als das Grosshirn.
Wenn sie nicht mal mehr ihren Namen wissen und ihre Kinder nciht mehr erkennen kônnen sie immer noch singen, das ist wirklich unglaublich. Mit Patienten die aus einem langen Koma erwacht sind habe ich das selbst erlebt; lange bevor die Sprache und das analytische Denken wieder da waren, kam die erinnerung an Musikstûcke; die sie selbst gespielt und gesungen hatten und ich habe die Arbeit einer Logopädin ergänzt und eine Patientin die noch keine grammatikalisch korrekten Sätze sprechen konnte hat einen Chanson-Text mit drei Strophen einwandfrei erinnert und gesungen.
Die Musik stand laut vielen Kulturen am Anfang der Menschheit, das Ohr ist unser erstes voll funktionsfähiges Sinnesorgan im Mutterleib und der letzte Sinn der uns verlässt. Es ist ein grosses Mysterium um die Musik und ihre therapeutischen Möglichekiten sind noch lange nicht ausgeschöpft, aber schon seit Urzeiten und in allen Kulturen bekannt. Wie gut, dass sich die moderne Naturwissenschaft dem ebenfalls annâhert
F.Q.
Heike (27.08.2012, 19:39):
Liebe Fairy,
aber das ifinde ich ja gerade das sensationelle an dem Befund, dass das Musikgedächtnis sogar teilweise unabhängig vom Hippocampus funktioniert, dass also Musik offensichtlich ohne diesen sonst nötigen Zwischenschritt limbisches System irgendwo im Kortex (Hörzentrum oder Frontallappen) abgespeichert werden kann.
Den engen Zusammenhang von Musik zu Emotion kannte man ja schon länger, aber der rein kognitive Speicherweg ist doch sehr ungewöhnlich. Zumal das für die gesamte Traumapsychologie enorme Bedeutung hätte: der Hippocampus ist der Bereich, der am störanfälligsten bei psychischen Bedrohungen reagiert, was wiederum fehlende oder falsche Gedächtnisinhalte und Assoziationen zur Folge hat.
Heike
Ingrid (27.08.2012, 20:15):
Original von Fairy Queen
Wenn sie nicht mal mehr ihren Namen wissen und ihre Kinder nciht mehr erkennen kônnen sie immer noch singen, das ist wirklich unglaublich.

Habe eine gute Bekannte über viele Jahre in diesem Zustand besucht und war immer wieder völlig platt, dass sie zwar nicht mal mehr wußte wie man ißt, aber Volkslieder und Operettenarien bis fast zu ihrem Tod (knapp 90) mit schöner Stimme und allen Strophen singen konnte. Sie war dabei auch immer bester Laune, fühlte sich wie ein junges Mädchen im Elternhaus und merkte nicht einmal, dass sie schon viele Jahre bettlägerig war. Dann kam noch dazu, dass eine neue Patientin in ihrem Zimmer, die am Anfang überhaupt nicht mehr ansprechbar war, nach einigen Wochen vieles mit sang und dann sogar wieder alleine essen konnte. Das war auch wie ein Wunder. Da therapierte praktisch ein dementer Mensch einen anderen durch seine Lieder.

:hello Ingrid
Fairy Queen (27.08.2012, 21:04):
Original von Heike
Liebe Fairy,
aber das ifinde ich ja gerade das sensationelle an dem Befund, dass das Musikgedächtnis sogar teilweise unabhängig vom Hippocampus funktioniert, dass also Musik offensichtlich ohne diesen sonst nötigen Zwischenschritt limbisches System irgendwo im Kortex (Hörzentrum oder Frontallappen) abgespeichert werden kann.
Den engen Zusammenhang von Musik zu Emotion kannte man ja schon länger, aber der rein kognitive Speicherweg ist doch sehr ungewöhnlich. Zumal das für die gesamte Traumapsychologie enorme Bedeutung hätte: der Hippocampus ist der Bereich, der am störanfälligsten bei psychischen Bedrohungen reagiert, was wiederum fehlende oder falsche Gedächtnisinhalte und Assoziationen zur Folge hat.
Heike
Ja, das ist in der Tat noch sensationeller, vor allen Dingen, wenn sich auch noch zeigen sollte, dass mittels dieser gespeicherten Musik neue neuronale Verbindungen hergestellt werden kônnten, die dann auch andere Gedâchtnisinhalte re-aktivieren. Die Neuroplastizitât(die Fâhigkeit des Gehirn bei entsprechender Stimulation neue Wege zu finden, wenn Teile zerstört oder nicht mehr funktionsfähig sind) sind) ist für mich eine der spannendsten Funktionen überhaupt. Wobei ich sagen muss, dass ich die Gesamtkonstruktion des menschlichen Organismus per se so sensationnel finde, dass ich jedesmal wieder sprachlos bin. Die relativ jungen erkenntnisse der Psycho-endokrino-immunologie ( das ist aus dem frz. übersetztkein Ahnung wie das auf deutsch richtig heisst...) gehören auch zu diesen Wundern. Wie sich negative und positive Gefühle/Ereignisse auf den gesamten biochemischen Haushalt des Organismus und das Hormon- und Immunsystem auswirken und umgekehrt, fängt man langsam an zu begreifen. Die Naturwissenschaft hat noch Jahrhunderte zu tun, um den menschlichen Organismus jemals wirklich zu verstehen,falls das überhaupt je môglcih sein sollte. Für mich ist das ein unglaubliches Wunder.
Ich hoffe natürlich auch auf einen Aufschwung der Musiktherapie..... :leb
Liebe Ingrid, ja das ist genau das, was ich auch erlebt habe. Und noch ein Grund mehr, warum jeder Mensh singen sollte!!!! Nach Sir Yehudi Menuhin ist Gesang eh die Muttersprache der Menschheit. Und die verlernt man auch nciht, wenn man sonst alles verlernt hat.
FQ.
Nicolas_Aine (01.09.2012, 22:56):
Um mal auf den Anfang zurückzukommen:

http://www.japantimes.co.jp/text/nn20120824a3.html#.UEJk-5gG6s0.facebook

"German customs officials demand huge import duty for violin's return" (um genau zu sein: 190.000 Euro...)

Kennt eigentlich jemand die Geigerin?
Heike (02.09.2012, 10:36):
@nikolaus
von der Geigerin habe ich nie gehört, dabei soll sie ja schon über 30 Jahre aktiv sein, wenn vom Elizabeth-Wettbewerbsgewinn 1980 die Rede ist ???

Hier noch ein anderer interessanter Artikel
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/festspiele/salzburger-festspiele-2012-einfach-grosse-musik-11872220.html
Es freut mich ganz besonders, dass Pollini nach seiner Absagenserie vor dem Sommer wieder so umwerfend gut da ist!
Und wie typisch Barenboims Mammutprogramm in diesem Rahmen, exemplarisch für sein sonstiges musikalisches Pensum. Ich frage mich schon ewig, wie lange sowas noch gut gehen soll, also wie lange der Mann diese Vielzahl an Projekten und Auftritten noch durchziehen will und kann.
Heike
nikolaus (02.09.2012, 10:53):
Original von Heike
@nikolaus


Ich war zwar nicht gemeint :wink, will mich aber doch "einmischen":

2004 habe ich sie in Lugano gehört mit Martha Argerich (Beethoven, Sonat Nr. 4) und Akane Sakai (Bartok).

Von der website des Progetto Martha Argerich habe ich diesen Text kopiert:

YUZUKO HORIGOME

This Japanese violinist grew up in a family of musicians but was also trained in the sciences and holds a doctorate in electrochemistry. She first made herself known in 1980 when she won first prize in the International Queen Elisabeth (Belgium) competition. Since then she has regularly been invited to perform with the finest orchestras (Berlin, Amsterdam, La Scala (Milan), New York, Chicago and St. Petersburg), and she has also toured with the orchestras of Montreal, Birmingham, Vienna, Tokyo and the Salzburg Mozarteum. She gives special attention to chamber music, which she plays with internationally renowned colleagues such as Martha Argerich, Misha Maisky, Pascal Roger, Nobuko Imai, Antonio Meneses, Wolfgang Manz and Philippe Graffin, and she participates in such international festivals as Marlboro, Lockenhaus, Tanglewood, Musicfest La Jolla (California) and Buenos Aires. She is a guest professor at Brussels’s Koninklijke Conservatorium and holds various master classes. She plays a 1741 Guarneri del Gesù violin.

Nikolaus.
Heike (02.09.2012, 11:05):
Ups, sorry, da habe ich euch zwei tatsächlich durcheinandergeworfen!
Danke jedenfalls an nikolaus für die Infos zu der Geigerin!
Heike
abendroth (02.09.2012, 17:31):
http://www.koningin-elisabethwedstrijd.be/4DCGI/cgi?usr=mk6uyuayww&lg=nl&pag=1645&tab=146&rec=0&frm=0&id=4019&flux=5224997

Hier kann man Horigome hören und sehen: ihr Finalauftritt mit dem eigens für den Wettbewerb komponierten Pflichtkonzert, im Sibeliuskonzert und mit der ersten Brahmssonate, derentwegen ihr Name mir bis heute noch in guter Erinnerung ist. (Den link "beluisteren" (= anhören) anklicken).
ab (20.11.2012, 14:51):
Neues „Musik- und Schallplatten-Museum Walter Legge“ ab 26. April 2013 in Hohenems


Maria Callas wird im Mittelpunkt der ersten Sonderausstellung des neuen „Musik- und Schallplatten-Museums Walter Legge“ in Hohenems stehen. Dank ihrer von Walter Legge mit höchsten Qualitätsanforderungen gesteuerten Schallplatten-Karriere ist Maria Callas auch noch Jahrzehnte nach ihrem frühen Tod bei allen Musikfreunden weltweit sehr präsent. Die Ausstellung „Callas für die Ewigkeit“ zeigt viele Hintergründe zur Entstehung dieser legendären Tonaufnahmen und auch das bedauernswerte Scheitern mancher interessanter Projekte.

Die Dauerausstellung des „Musik- und Schallplatten-Museums Walter Legge“ wird Originaldokumente zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten des Musik- und Theaterlebens des gesamten 20. Jahrhunderts zeigen und viele – auch teilweise neue – Einblicke in die Welt der Oper, des Konzertlebens und der Schallplattengeschichte bieten.

Auch bei den bereits bestehenden Museen der Schubertiade wird es bis Ende April Ergänzungen und Änderungen geben:

Das „Franz-Schubert-Museum“ erhält eine „Zweigstelle“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite. In das „Dreimäderlhaus-Museum“ wird alles ausgelagert, was unter den Titel „Legenden, Kitsch und Kuriositäten um Franz Schubert in Malerei, Literatur, Operette und Film“ einzureihen ist.

Die Ausstellung im Markus-Sittikus-Haus wird mit weiteren Ergänzungen zum „Kleinen Hohenems- und Nibelungenlied-Museum“. Ebenfalls wird das „Elisabeth-Schwarzkopf-Museum“ zusätzliche Exponate zeigen.